Arbeitsblatt: Rhythmus in Stimme und Körper

Material-Details

Durch die rhythmische und akustisch abwechslungsreiche Ausgestaltung des Liedes sollen Freude am Singen und musikalische Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit weiterentwickelt werden. Die SuS sollen mit Hilfe der rhythmischen Begleitung nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihren Körper und Alltagsgegenstände als Instrument erfahren. Sie sollen, im Bezug auf den Rhythmus, die drei Komponenten Rhythmusspiel, Bewegung und Sprache als Einheit erleben und so traditionelle und ungewohnte Spielweisen anwenden.
Musik
Rhythmus
3. Schuljahr
9 Seiten

Statistik

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32
03.11.2008

Autor/in

Susanne Opitz
Land: Deutschland
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

1. Bedingungsanalyse 1.1 Darstellung der institutionellen Rahmenbedingungen Die Regenbogenschule in Dortelweil-West verfügt über zwei Musikräume, sodass in der Regel jede Musikstunde in einem Fachraum stattfinden kann. Der Flur, sowie andere freistehenden Räume können für Gruppenarbeit genutzt werden, wobei die Aufsichtspflicht dadurch nicht vernachlässigt wird, weil die Lehrkraft stets bemüht ist, alle Gruppen gleichermaßen zu betreuen. Die Fachräume sind mit Klavier oder E-Piano ausgestattet. Für die folgende Musikstunde habe ich den Musikraum mit Klavier gewählt. Musik ist in dieser Schule nicht auf den Musikunterricht und den Musikraum beschränkt, sondern Teil des Schullebens. So wird das Atrium der Regenbogenschule des Öfteren für Aufführungen und kleine Darbietungen genutzt. Seit August 2007 unterrichte ich eigenverantwortlich in der Klasse 3e beide Musikstunden. 1.2 Darstellung der Lerngruppe 1.2.1 Darstellung der Lernvoraussetzungen in Bezug auf Sozial- und Arbeitsverhalten Die Klasse setzt sich aus elf Mädchen und 13 Jungen zusammen. Zu Beginn meines eigenverantwortlichen Unterrichts hatte die Klasse große Schwierigkeiten, Regeln einzuhalten. Der Grund scheint darin zu liegen, dass die Schülerinnen und Schüler seit der ersten Klasse von mindestens drei verschiedenen Lehrerinnen unterrichtet wurden. Jede Lehrerin führte ihre eigenen Regeln ein, sodass die Schülerinnen und Schüler nicht mehr wussten, welche Regeln des Regelkatalogs nun einzuhalten waren. Kurz vor den Herbstferien wurde von den unterrichtenden Lehrerinnen eine Klassenkonferenz einberufen. Es wurden gemeinsame Regeln und Konsequenzen erarbeitet. Seitdem herrscht in der Klasse ein ruhigeres und konstruktiveres Arbeitsklima. Timm, Jan-Niclas und Aaron sind häufig unaufmerksam und müssen des Öfteren ermahnt werden. Nicht selten kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen. Noch vor einem halben Jahr war dies ein großes Problem. Aus diesem Grund besuchten Timm und Jan-Niclas das an der Schule angebotene Streittraining. Nur mit einer Mischung aus viel Aufmerksamkeit und Konsequenz ist es möglich, mit ihnen den Unterricht erfolgreich zu gestalten. Aaron ist sehr voreilig in seinen Äußerungen, kann aber schlecht mit Kritik umgehen. Wenn man ihn auf eine falsche Antwort hinweist, zieht er sich beleidigt zurück. Ebenso hat er einfache Gesprächsregeln noch nicht verinnerlicht. Aaron hat oft nicht die Geduld zu warten, bis er an der Reihe ist. Martin besitzt eine positiv zu bewertende Führungsqualität bei der Arbeit in Gruppen. Er schafft es, die Gruppe zusammenzuführen und nimmt dabei die Rolle des „Anführers ein. Seine Mitschüler nehmen dies nicht als negativ wahr, sondern scheinen es zu schätzen. Die Mädchen dieser Klasse sind, bis auf eine Ausnahme, sehr aufgeweckt und lebendig. Sie beteiligen sich eifrig und gern am Musikunterricht. Nele, Julia und Katja sind befreundet und 1 verfallen auch mal während einer Gruppenarbeit in private Gespräche. Teilweise haben sie kein Gespür für die Lautstärke ihrer Stimmen und wann diese zum Einsatz kommen sollten. Die Ausnahme in der lebhaften Mädchengruppe bildet Saskia. Sie ist sehr ruhig und traut sich oft nicht, etwas zum Unterricht beizutragen. Noch vor einem viertel Jahr hat sie sich kaum aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligt. Nach einem Gespräch mit ihr, meldet sie sich jetzt häufiger. Wenn sie aufgerufen wird, spricht sie aber so leise, dass man sie kaum versteht. Zeynep und Senem stammen aus Familien mit Migrationshintergrund und besuchen aus diesem Grund den DaZ1-Kurs. Teilweise sind sie mit schriftlichen Arbeitsanweisungen überfordert. Die Klasse ist mit der Methode der Gruppenarbeit vertraut. Zu Beginn meines eigenverantwortlichen Unterrichts haben wir gemeinsam Gruppenarbeitsregeln erarbeitet und diese ritualisiert. 1.2.2 Darstellung der fachlichen Lernvoraussetzungen Die Klasse 3e hat bereits in vorangegangenen Unterrichtseinheiten Erfahrungen zur Verbindung von Sprache, Rhythmus und Musik durch Singen und Sprechstücke gesammelt. Durch Tänze und Raps ist ihnen die Verbindung der Elemente Bewegung, Text und Musik bekannt. Sie können sie nach kurzer Einführung auch in Gruppen umsetzen und üben. Die Möglichkeit einer Verbindung von Sprache und Instrumenten zur Verklanglichung eines vorgegebenen Textausschnittes wurde den Schülerinnen und Schülern in einer diesbezüglichen Unterrichtseinheit vorgestellt. Ebenso haben sie bereits an dem Lied „Zwei kleine Wölfe erfahren, dass ein Lied individuell ausgestaltet werden kann. Der überwiegende Teil der Klasse lernt ein Musikinstrument und verfügt deshalb über ein gewisses Maß an rhythmischem Fachwissen. Dies gilt für Nele, Simon, Jan, Saskia, Alena, Julia, Katja, Gabrijel, Moritz, Marc, Julie, Sven und Martin. Zu den musikalisch leistungsstärksten Kindern gehört Martin. Er muss zwar des Öfteren ermahnt werden, zeigt jedoch eine für sein Alter hohe musikalische Kompetenz. Auch Simon, Jan, Moritz, Lennart und Gabrijel sind rhythmisch und musikalisch begabt. Timm besucht in seiner Freizeit einen Tanzkurs. Seine Stärke ist die Umsetzung von Musik in Bewegung. Zu Beginn der Unterrichtseinheit haben die Schülerinnen und Schüler bereits das Lied „Dulap kennen gelernt und sind in der Lage, die textliche und rhythmische Struktur des Liedes wiederzugeben. Die Erfahrung, dass der Singrhythmus auch auf Körper- und Rhythmusinstrumenten übertragen werden kann, ist ein Teillernziel dieser Unterrichtsstunde. 1 DaZ: Deutsch als Zweitsprache. 2 2. Sachanalyse Blickt man in die Evolutionsgeschichte des Menschen, so war bereits zur Zeit der Menschenaffen Singen ein wesentlicher Teil ihres Lebens. Sie praktizieren die ursprünglichste Form und Funktion menschlicher Musik, wie z.B. das Demonstrieren der Einigkeit einer sozialen Gruppe gegenüber anderen.2 Im Laufe der (musikalischen) Evolutionsgeschichte sind Musik und im Speziellen Singen unerlässliche Komponenten des Menschen geworden. Zur Zeit der Gregorianik und der einhergehenden Entwicklung der Notenschrift wurde Musik mehr und mehr formalisiert. Heute erleben sich immer mehr Menschen „in Bezug zu Musik und Gesang als ausgeschlossen und in einer passiven Rolle, da sie meinen mit den Leistungsanforderungen des westlichen Musikverständnisses nicht mithalten zu können3. Dabei dienen Musik und Gesang nicht nur dem Kunstgenuss, ebenso kann das Singen eine soziale, freudvolle und stressabbauende Wirkung haben. Häufig fehlt Kindern heutzutage die Fähigkeit zu singen, da sie diesbezüglich keine Vorbilder in ihren Eltern, Lehrern etc. haben. Damit kann „das Singen als Möglichkeit der Spannungsabfuhr und der Aggressionsregulation4 nicht bestehen. Singen aber kann neue Perspektiven auf die eigene Wirklichkeit eröffnen, die Zuversicht und das Vertrauen stärken und die Motivation zu Selbstverantwortung fördern. Singen ist ein Verhalten, dass Freude bereitet und Erfahrungsbereiche eröffnen kann.5 Das Lied „Dulap6 ist ursprünglich von Frajo Köhle, Herrmann Riffeser und Didier Hampl getextet und komponiert. Die erste Strophe wurde von mir textlich abgeändert, die zweite, dritte und vierte Strophe wurden von mir hinzugefügt. Das Lied steht original in D-Dur und wurde von mir wegen besserer Singbarkeit nach F-Dur transponiert. Es ist im 4/4 Takt notiert und beginnt mit einem Volltakt. Der Aufbau des Liedes ist klar und deutlich gegliedert. Das Lied beginnt mit der Strophe, wobei diese in zwei Teile A und - unterteilt ist und der B-Teil wiederholt wird. Der zweiteiligen Strophe folgt der viertaktige Refrain, ebenso mit Wiederholung. Charakteristisch für den Refrain sind die rhythmischen Lautmalereien, die den Groove unterstützen. Der Ambitus beträgt (in der transponierten Version) eine None tiefster Ton c, höchster Ton d wobei das größte Intervall eine Quarte und das kleinste Intervall eine kleine Sekunde ist. Dominierende Notenwerte sind dabei Viertel und Achtel. Die melodische Struktur des Liedes ist durch chromatische Tonschritte interessant gestaltet. Sie hat einen heiteren und fröhlichen Charakter. Die Dur-Tonleiter ist gleich zu Beginn des Liedes mit einem zusätzlichen Halbtonschritt auf der Terz versehen, welches ein genaues Singen voraussetzt. Im B-Teil der Strophe (viertaktig mit Wiederholung) sind die halben bzw. Pausen auffällig, die zunächst schwer einzuhalten sind. Rhythmisch markant sind die 2 Vgl. Bossinger, Wolfgang (2005), S. 32. Ebd., S. 13. 4 Adamek, Karl (1999): S. 221. 5 Vgl. ebd.: S. 231. 6 Aus Pamina, Musikpraxis in der Grundschule 1/2005 3 3 Synkopen, die das Empfinden der Zählzeit drei nach vorne ziehen. Zur Folge hat dies, dass auf unbetonten Zählzeiten eine Sprech- bzw. Singsilbe fällt. Der A-Teil der Strophe (achttaktig) und der Refrain haben anfangs den gleichen Rhythmus, im Refrain wird dieser jedoch ab Mitte Takt zwei variiert. Der Text des Liedes fordert zum Musizieren auf, allerdings ohne ein richtiges Instrument. Die Sänger werden dazu animiert, mit Körperinstrumenten bzw. einfachen Rhythmusinstrumenten aus dem Alltag, wie z.B. Becher oder Fingerhut, den Refrain zu begleiten. Die Begleitung leitet sich aus dem Singrhythmus ab und soll auf die jeweiligen Instrumente übertragen werden. Die Beschäftigung mit dem Rhythmus beinhaltet die Auseinandersetzung mit Musik in Zusammenhang mit Bewegung. „In der Rhythmik geht es nicht um [] Bewegungen lernen, sondern sich bewegen lernen, nicht Musik lernen, sondern sich von Anfang an musikalisch facettenreich zu äußern, unter Berücksichtigung sensomotorischer Regelkreise [].7 Der Zusammenhang von Körper, Sprache und Rhythmus wird in diesem Lied besonders deutlich. „Charakteristisch ist dabei die Eingebundenheit von musikalischem Rhythmus in Sprache und Singen sowie Bewegung [].8 Das rhythmische Motiv beruht hierbei auf einer rhythmischen Sprachformel, die in Bewegung umgesetzt werden muss. Die Grundlage bildet dabei das Lied an sich, das bereits mit Stimme und Sprache rhythmisch und klanglich gestaltet wird. 3. Didaktisch-Methodische Analyse 3.1 Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit 1) Kennen lernen und Erlernen des Liedes „Dulap 2) Rhythmische und abwechslungsreiche Ausgestaltung des Liedes „Dulap 3) Verbesserungsvorschläge umsetzen und Liedausführung textlich und rhythmisch festigen 4) Aufführung des Liedes 3.2 Didaktische Überlegung zur Stunde Dem schuleigenen Curriculum für Musik und dem hessischen Rahmenplan folgend, stellen das Erlernen und Ausgestalten von Liedern9 einen wesentlichen Teilbereich im Musikunterricht dar. Ein didaktischer Kernpunkt dieser Stunde ist es, Singen als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel zu verstehen und den möglicherweise anzutreffenden Abneigungen gegen das Singen, Spaß und Spielfreude entgegenzusetzen. Gleichzeitig ist das auch die Kernaussage des Textes in Verbindung mit Rhythmus und Melodie des Liedes „Dulap. Zusätzlich soll die Spiel- und Singfreude durch eine Begleitung des B-Teils der Strophe sowie des Refrains mit Hilfe von verschiedenen Körper- 7 Polzin, M; Schneider, R.; Steffen-Wittek, M. (1998): S. 56. Tischler, B.; Moroder-Tischler, R. (1998): S. 31. 9 Vgl. Hessisches Kultusministerium, Rahmenplan Grundschule (1995): S. 205. 8 4 und Rhythmusinstrumenten geweckt werden. Dieser Begleitrhythmus ist im Refrain deckungsgleich mit dem Singrhythmus, im B-Teil der Strophe unterstützt er das Empfinden und Bewusstmachen der Pausen durch Ausfüllen des Metrums. Letzteres war Thema der vorhergehenden Unterrichtsstunde. Da der Musikunterricht der Regenbogenschule ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist (musikalische Grundschule) und die Schule kooperativ mit der Musikschule in Bad Vilbel zusammenarbeitet, gehören musikalische Darbietungen zum Schulalltag. Die Ausgestaltung und Aufführung Liedes „Dulap stehen für die Kinder im Mittelpunkt der Lerneinheit „Rhythmus mit Stimme und Körper. Nicht nur der Spaß an der Erarbeitung des Liedes, sondern auch die Aussicht auf Bewunderung und Applaus der Zuhörer bei der Aufführung sollen Lernantrieb sein. Um den Wunsch nach Belohnung für erbrachte Leistungen zu erfüllen, muss zunächst am Lied gearbeitet werden. Diese Arbeit sollte von den Schülerinnen und Schülern jedoch nicht als solche empfunden werden. Vielmehr ist es wichtig „durch Begeisterung, Spaß und Freude zum Singen zu bewegen und Freiräume zur existentiellen Selbst- und Gruppenerfahrung zu schaffen10. „Durch die Gestaltung von Liedern in Verbindung mit Spiel, Bewegung und instrumentaler Begleitung soll die Freude am Singen gefördert und die musikalische Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit weiterentwickelt werden.11 Musik, Spiel und Bewegung stellen ein Grundbedürfnis dar, das für Kinder nicht nur von entwicklungspsychologischer Seite, sondern auch als kultureller Baustein ihrer Kindheit von großem Stellenwert ist.12 Ebenso gehört es zu den grundlegenden Erfahrungen, durch Lieder ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen.13 Zusätzlich erleben die Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihren Körper und Alltagsgegenstände als Instrument. Dabei ist der prägnante Sing-Rhythmus des Refrains zugleich Herausforderung und Motivation. Herausforderung aus dem Grund, da der Rhythmus durch seine vorgezogenen und übergebundenen Achtel Präzision verlangt, Motivation deshalb, weil er den nötigen Groove besitzt und durch seine rhythmische Lautmalerei den Kindern schnell ins Ohr geht. Ziel ist es, die drei Komponenten Rhythmusspiel, Bewegung und Sprache als Einheit und nicht als getrennte Komponenten zu erleben, „so daß Körper und Seele mitschwingen14. Im weiteren Verlauf können die Schülerinnen und Schüler Verbesserungsvorschläge zur Aufführungspraxis machen. Dabei kann in den Reflexionsphasen auf das musikalische Detail Rhythmus eingegangen werden, sowie auf dynamische und formale Veränderungsvorschläge. So ist 10 Adamek, Karl (1999): S. 243. Hessisches Kultusministerium, Rahmenplan Grundschule (1995): S. 205. 12 Vgl. ebd.: S. 20f. 13 Vgl. ebd.: S. 13ff. 14 Tischler, B.; Moroder-Tischler, R. (1998): S. 31. 11 5 gewährleistet, dass „durch den gezielten Umgang mit []15 dem Element Rhythmik die Entwicklung der rhythmischen Wahrnehmungsfähigkeit gefördert wird. Nicht zuletzt erproben die Kinder traditionelle (Klatschen, Stampfen) und ungewohnte Spielweisen (Fingerhut- und Becherklopfen) und wenden diese bei der Liedbegleitung an.16 3.3 Darstellung der Unterrichtsmethoden Zu Beginn der Unterrichtsstunde wird ein rhythmisches Warming Up stattfinden. Hierzu wird auf verschiedenen Körperteilen ein von mir vorgegebener Rhythmus gespielt. Dieser Einstieg soll die Klasse in Bewegung setzen und sie bereits hier in den komplexen Rhythmus des Refrains einstimmen. Rhythmus soll körperlich umgesetzt und erlebt werden. Dabei wird der Rhythmus in kleinere Segmente aufgeteilt, sodass die Schülerinnen und Schüler keine Schwierigkeiten haben, ihn zu imitieren. Ich habe mich bewusst für das Spielen des Rhythmus auf Körperteilen entschieden, da das auch Thema des Liedes „Dulap ist. Der Rhythmus soll körperlich umgesetzt und verstanden werden und da Rhythmusstudium aus Melodie- und Bewegungsstudium gleichermaßen besteht, ist es notwendig, dass auch der Körper den Rhythmus versteht. Der Körper muss in Bewegung kommen und ein Gefühl für den Rhythmus entwickeln. Im Anschluss an das Warming Up, also an die rhythmische Aufbereitung des Refrains, sollten die Schülerinnen und Schüler den Körperrhythmus in Beziehung zum Singrhythmus des Refrains setzen können. Sollte dies nicht der Fall sein, werde ich hier den Prozess nachsteuern. Um Melodie und Rhythmus in Einklang zu erleben, wird das Lied wieder aufgenommen. Ich habe das Lied nach F-Dur transponiert, weil es dem Umfang der kindlichen Singstimme besser entspricht (Ambitus c- d). Erfahrungsgemäß werden einzelne Kinder bereits beim Singen die Information aus der ersten und zweiten Strophe nehmen, zu klatschen bzw. zu stampfen. Der dritten und vierten Strophe sollten die Schülerinnen und Schüler die Anweisung entnehmen, den Rhythmus mit Alltagsgegenständen, wie Fingerhut und Becher, zu realisieren. Im Anschluss an die Wiederholung aller Strophen des Liedes sollen die Schülerinnen und Schüler in von mir festgelegten Gruppen, den Rhythmus des Refrains auf den angegebenen Gegenständen üben. Die einzelnen Gruppen sind von mir so zusammengestellt, dass rhythmisch versierte Kinder mit Kindern zusammenarbeiten, die im Bereich Rhythmus und Metrum Schwierigkeiten haben. Die Klasse wird in insgesamt vier Gruppen á sechs Kinder eingeteilt. Zwei Gruppen werden den Rhythmus des Refrains mit Bechern üben, zwei Gruppen mit Fingerhüten und dazugehörigen Metalldeckeln als Resonanzkörper. Diese kurze Gruppenarbeitsphase habe ich methodisch in die Unterrichtsstunde eingeplant, da es wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler 15 16 Hessisches Kultusministerium, Rahmenplan Grundschule (1995): S. 200. Vgl. ebd.: S. 206. 6 „selbstregulierende Bewegungserfahrungen17 machen können. Das bedeutet, dass sie in dieser Phase nicht durch Anweisungen der Lehrerin von außen ihr Bewegungsverhalten ändern, sondern eigene Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse durchlaufen können.18 So kann jedes Kind zunächst, seinem Lernstand entsprechend, den Rhythmus nach Gehör ausprobieren. Alle Gruppen sollen den Rhythmus parallel zum Gesang begleiten. Die Anweisungen für die Gruppenarbeit werden darauf zielen, jedem zunächst die Möglichkeit zu geben, eigenständig auszuprobieren. Nach einer kurzen Eigenwahrnehmungsphase sollen die Gruppen zusammen üben. Ein Kind soll der „Dirigent sein, der den Einsatz zum Zusammenspiel gibt. In dieser Phase wird es meine Aufgabe sein, sicherzustellen, dass Senem und Zeynep die Aufgabenstellung verstanden haben (s. Lernvoraussetzungen) und eventuell daran erinnern, dass die Schülerinnen und Schüler gemeinsam den Rhythmus in den Kleingruppen verwirklichen. Die Schüler werden zwar vor der Gruppenarbeit eine Zeitangabe für die Dauer ihrer Arbeit bekommen, zusätzlich werde ich jedoch das ritualisierte Signal des Triangels ertönen lassen, um die Schülerinnen und Schüler zusammenzurufen. Zunächst wird im Stuhlhalbkreis das ganze Lied mit den rhythmischen Begleitungen auf Körperund Rhythmusinstrumenten (d.h. Fingerhüte und Becher) gesungen. Ich werde nach der Gruppenarbeit entscheiden, ob ich beim ersten gemeinsamen Durchgang auf dem Klavier begleite oder direkt vor der Klasse stehe, um die rhythmische Begleitung anzuleiten. Zuvor sollen die Schülerinnen und Schüler darauf aufmerksam gemacht werden, dass wir gemeinsam einen perfekten Auftritt vorbereiten wollen. Dieser perfekte Auftritt soll im gesamten Verlauf der Unterrichtseinheit angebahnt werden. Die Klasse soll konstruktive Ideen zur gemeinsamen Aufführungspraxis einbringen. Die folgenden Durchgänge des Liedes sollen den Text und sowohl den Begleit- bzw. Singrhythmus im Refrain, als auch das Ausfüllen der Pausen im B-Teil der Strophe festigen. Die Schwierigkeit des Übergangs vom B-Teil der Strophe in den Refrain muss besondere Berücksichtigung erfahren. An letzterem muss sicher verstärkt gearbeitet werden, auch in der folgenden Musikstunde. Eine dem Charakter des Liedes adäquate Begleitung am Klavier kann der Ausführung den nötigen „Groove verleihen. Hier könnte ein Konflikt entstehen, sobald die Lehrkraft vom Klavier aus die Gruppe leitet, dass den Schülerinnen und Schülern nicht genügend Aufmerksamkeit und Motivation, vor allem für die gemeinsame und präzise rhythmische Begleitung, zuteil werden. Diesem Konflikt werde ich begegnen, indem Timm als „Dirigent vor der Klasse steht. Diese Methode ist den Schülerinnen und Schülern bereits bekannt. Ich habe bewusst Timm ausgewählt, da er selbstbewusst und rhythmisch sicher vor der Klasse stehen kann (s. fachliche 17 18 Polzin, M; Schneider, R.; Steffen-Wittek, M. (1998): S. 57. Vgl. Polzin, M; Schneider, R.; Steffen-Wittek, M. (1998): S. 57. 7 Lernvoraussetzungen). Sollte Timm sich nicht zu dieser Aufgabe bereit erklären, wird ein anderes Kind mit vergleichbarer Kompetenz ausgewählt. In dieser Übungsphase soll die gesamte Klasse angeregt werden zu überlegen, wie man das Lied, vor allem die rhythmische Begleitung, abwechslungsreicher gestalten kann (z.B. in der Wiederholung leise spielen, ohne begleitendes Singen etc.). Die Stunde endet mit einer abschließenden Rückmeldungsrunde, welche Schwierigkeiten noch bearbeitet werden müssen, was verbessert bzw. verändert werden kann. In der nächsten Stunde soll darauf eingegangen werden. So ist der Bogen zur nächsten Stunde geschlagen und die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in ihrer Rolle als Mitwirkende und Mitgestalter des Liedes „Dulap ernst genommen. 4. Verlaufsplanung Zeit 5 min 08:50 Uhr Phase Einstieg 5 min 08:55 Uhr Hinführung 12 min 09:07 Uhr Arbeitsphase 18 min 09:25 Uhr Arbeitsphase II 5 min 09:30 Uhr Abschluss Geplanter Unterrichtsverlauf LiV19 spielt auf verschiedenen Körperteilen den Rhythmus des Refrains, in kleineren Segmenten aufgeteilt; SuS20 imitieren diese Segmente; der gesamte Rhythmus des Refrains wird auf diese Weise von den SuS körperlich umgesetzt. SuS erkennen den zuvor gespielten Rhythmus als den Singrhythmus des Refrains (evtl. Nachsteuerung durch die LiV); gemeinsam wird das Lied aufgenommen und die rhythmische Begleitung in den ersten beiden Strophen ausprobiert; LiV fragt nach der Begleitung für die 3. und 4. Strophe; SuS erwähnen die Alltagsinstrumente, wie Becher und Fingerhut; LiV erläutert die Gruppenarbeit. Kurze Eigenwahrnehmungsphase auf den Alltagsinstrumenten, danach soll in den Kleingruppen gemeinsam der Begleitrhythmus geübt werden. Gemeinsam werden die vier Strophen des Liedes mit dem Begleitrhythmus auf verschiedenen Körperbzw. Alltagsinstrumenten geübt; SuS machen Verbesserungsvorschläge zur Ausführung und es werden weitere Durchgänge musiziert. Die Stunde endet mit einer abschließenden Rückmeldungsrunde, welche Schwierigkeiten noch bearbeitet werden müssen, was verbessert bzw. verändert werden kann; in der nächsten Stunde soll darauf eingegangen werden. Sozialform L-S21 Interaktion Medien Der eigene Körper L-S Interaktion Klavier, Gesang Gruppenarbeit Becher, Fingerhüte, Metalldeckel L-S Interaktion, L-S Gespräch Klavier, Gesang, der eigene Körper, Becher, Fingerhüte, Metalldeckel L-S Gespräch 19 LiV – Lehrer/in im Vorbereitungsdienst SuS – Schülerinnen und Schüler 21 L-S – Lehrer-Schüler 20 8 5. Literaturliste Adamek, Karl (1999): Singen als Lebenshilfe: zur Empirie und Theorie von Alltagsbewältigung Plädoyer für eine erneuerte Kultur des Singens. 3. Aufl. Münster: Waxmann. Bossinger, Wolfgang (2005): Die heilende Kraft des Singens: von den Ursprüngen bis zu modernen Erkenntnissen über die soziale und gesundheitsfördernde Wirkung von Gesang. Battweiler: Traumzeit-Verlag. Grundschule Musik; Ratgeber Grundschule: Heft Nr. 37, 1. Quartal/2006. Seelze/Velber: Friedrich Kallmeyer. Hessisches Kultusministerium (1995): Rahmenplan Grundschule. Wiesbaden. Hoff, Andreas von (2008): Noten lernen mit Boomwhackers. Kerpen, Rheinland: Kohl Verlag. Der Verlag mit dem Baum. Minimalplan der Regenbogenschule in Bad Vilbel – Dortelweil (2003): Konzept Musikunterricht. PaMina: Musikpraxis in der Grundschule. 1/2005. Rum; Esslingen: Helbling. Polzin, M.; Schneider, R.; Steffen-Wittek, M. (Hrsg.) (1998): Beiträge zur Reform der Grundschule: Musik in der Grundschule. Arbeitskreis Grundschule Der Grundschulverband – e.V. Frankfurt am Main. Hemsbach: Beltz. Praxis Grundschule: Materialien für den Unterricht. Heft 5/September 2005. Braunschweig: Westermann. Tischler, Björn; Moroder-Tischler, Ruth (1998): Musik aktiv erleben. Musikalische Spielideen für die pädagogische, sonderpädagogische und therapeutische Praxis. 4. überarb. Aufl. Frankfurt am Main: Diesterweg. 6. Anhang Lied „Dulap mit zusätzlich selbst geschriebenen Strophen (2., 3. 4. Strophe; 1. Strophe in abgeänderter Form) 9