Arbeitsblatt: Graffiti

Material-Details

Theorietext zum Thema Quelle: http://www.schule.bremen.de/graffiti/gft/index.html (dort findest du auch ganz viele Übungsblätter)
Bildnerisches Gestalten
Grafik
klassenübergreifend
6 Seiten

Statistik

46904
2711
73
09.10.2009

Autor/in

Daniel Oberli
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

Downloads Arbeitsblätter / Lösungen / Zusatzmaterial

Die Download-Funktion steht nur registrierten, eingeloggten Benutzern/Benutzerinnen zur Verfügung.

Textauszüge aus dem Inhalt:

ZUM BEGRIFF „GRAFFITI Der Ausdruck Graffiti hängt zusammen mit dem italienischen Wort „sgraffiare und dem griechischen Wort „graphein ( schreiben). 1967 wird der Begriff „Graffiti von dem Amerikaner Robert Reisner ins Englische eingeführt. Obwohl die Einzahl „Graffito und lediglich die Mehrzahl „Graffiti lauten müsste, wird der Ausdruck „Graffiti im Deutschen sowohl für die Einzahl als auch für die Mehrzahl gebraucht. (Umgangssprachlich wird im Deutschen als Plural „Graffitis verwendet.) Beim Ausdruck „Graffiti handelt es sich um einen schillernden Begriff, dessen Bedeutung sehr weitreichend ist: sie reicht von illegalen Wandbeschriftungen und bebilderungen, die gezeichnet, gemalt oder gesprüht sein können, bis hin zur legalisierten Form (z.B. in Auftrag gegebenen Wandbildern). Am häufigsten findet der Begriff „Graffiti für legale und illegale Beschriftungen Verwendung, die mittels Filzmarker oder Farbspraydose hergestellt werden. Zu diesen American Graffiti (Graffiti im engeren Sinn) gehören Tags und Pieces (Style Writing und Characters). Für Graffiti auf Leinwand, die auch für den Kunstmarkt produziert werden, wird der Ausdruck „Post Graffiti benutzt. BILDSORTEN Spruchgraffiti • Spruchgraffiti werden als Schreib- oder Druckschrift auf Wänden, Zäunen und je nach Inhalt an allen möglichen Orten angebracht. • Spruchgraffiti unterscheidet man in Wortspiele, Nonsenssprüche, Erinnerungsinschriften, Politgraffiti und Graffiti bestimmter Bewegungen (z.B. der Frauenbewegung). • Spruchgraffiti weisen einen starken Bezug zur Alltagssprache auf und können auch verkürzt als einzelne Buchstaben (z.B. Initialen) oder Bildzeichen (z.B. für Liebe oder für Anarchie) dargestellt werden. American Graffiti (Graffiti im engeren Sinn) • American Graffiti lassen sich nach verschiedenen Kriterien untergliedern. Legt man das Kriterium der Herstellungsweise (schnell oder sorgfältig, besonders häufig oder normal) zugrunde, lassen sich Bildsorten wie Tags, Throw Ups und Quick Pieces von solchen unterscheiden, die mit größerem Aufwand und zumeist besonderem künstlerischen Anspruch hergestellt werden. Dazu gehört die ganze Vielfalt von Master Pieces, seien es solche auf Zügen, auf Mauern und Wänden (Murals) oder auf Leinwand (Post Graffiti). • Charakteristisch für American Graffiti sind die spezifische Gestaltung von Buchstaben (Style Writing) und Figuren (Characters) sowie die Verwendung von Sprühfarbe und breiten Filzstiften. Sprayzeichnungen • Sprayzeichnungen sind figurative, abstrahierte, lineare Zeichnungen, in denen die Linien zumeist als Konturen oder Bewegungsspuren gesetzt werden. • Die wohl berühmtesten Sprayzeichnungen stammen vom sogenannten Sprayer von Zürich, Harald Naegeli, der seine künstlerische Technik als Zeichnen mit der Spraydose bezeichnet. • Von den Sprayzeichnungen lassen sich vielfältige Bezüge zu anderen bildkünstlerischen Äußerungen herstellen, so z.B. zu den steinzeitlichen Petroglyphen, wie sie etwa auf Dolmen in Schweden zu finden sind, zum anderen aber auch zu vielen verschiedenen Karikaturen. Schablonengraffiti • Schablonengraffiti sind Graffiti, die mittels Schablone(n) • hergestellt werden und die eine holzschnittartige Wirkung haben. Schablonengraffiti gestatten die relativ schnelle Vervielfältigung und Verbreitung desselben Bildmotivs bzw. einer verbalen Botschaft. • Schablonengraffiti wurden nach 1980 vom Franzosen Blek le Rat in die Street Art eingeführt und riefen zuerst in Paris, dann in ganz Frankreich eine SchablonengraffitiBewegung hervor. Von Frankreich ausgehend breiteten sich Schablonengraffiti über ganz Europa aus. • Das wohl bekannteste Schablonengraffiti ist die Banane des sogenannten „Bananensprayers Thomas Baumgärtel, der insbesondere in Köln aktiv ist. • Anstelle des Begriffs Schablonengraffiti benutzt man auch die Ausdrücke „Serigraffiti und „Pochoir. TAGS Tags stellen die Urform von Graffiti im engeren Sinn dar, aus der sich alle anderen Formen des American Graffiti entwickelt haben. Sie weisen als SignaturenGraffiti eine gewisse Nähe zu Spruchgraffiti auf. Bei Tags handelt es sich um die persönliche Signatur, den Namensschriftzug eines Writers oder einer Crew. Tags sind Deck, Spitz oder Künstlernamen (Writing Names), die zuweilen durch Zahlen, z.B. Straßen oder Hausnummern, ergänzt werden. Der Ausdruck „Tag leitet sich ab von engl. „to tag ( anheften, bezetteln). Tags werden zumeist mittels breitem Filzstift (Magic Marker) oder Farbspraydose mit feinem Sprühaufsatz (Skinny Cap) schnell und häufig und fast immer illegal an Wänden und Zügen angebracht. Tags sind 5 15 cm hoch und einfarbig. Die TagSchrift ist keine Schreibschrift, sondern eine flüssig geschriebene Druckschrift, deren einzelne Buchstaben so stilisiert werden, dass das Schriftbild ornamentalen Charakter erhält. Die Buchstaben werden eng aneinander gesetzt, überschneiden sich nur geringfügig, weisen zum Teil unterschiedliche Strichstärken auf und fransen am Ansatz bzw. Ende aus. Die Standlinie der Buchstaben ist mehr oder minder bewegt. Aufgrund ihrer starken Stilisierung sind Tags in der Regel – insbesondere von Ungeübten – schwer zu entziffern. Tags werden durch ständige Wiederholung von ihren Urhebern „blind beherrscht. Sie dienen dazu, ein Territorium zu markieren und anderen Taggern zu signalisieren: Ich war hier. So gesehen sind Tags die häufigste Form des Erinnerungsgraffitis. Man unterscheidet verschiedene Sorten von Tags: Als Inside Tags bezeichnet man Tags, die innerhalb eines S- oder UBahn-Waggons angebracht werden. Outside Tags werden während der Fahrt an die Außenwand des Zuges geschrieben. Crazy Tags sind solche, die sich an besonders schwer zugänglichen Stellen, etwa in großer Höhe, befinden. Unter Cartagging versteht man das illegale Anbringen von Tags auf Autos, zunächst auf Lastwagen, ab 1990 insbesondere in Basel auch auf Luxuslimousinen. Eine Abwandlung von Tags stellen Charactags dar. Anstelle von Schriftzeichen werden figurative Elemente (Characters) benutzt, so dass characterähnliche Strichzeichnungen entstehen. Mit Tags werden auch großformatige Pieces signiert. Hersteller von Pieces werben zudem durch das Anbringen von Tags für sich oder für ihre Crew. Tags sind die Bildsorte, die Graffiti bei breiten Bevölkerungsschichten besonders in Verruf gebracht und dazu geführt haben, dass Graffiti vielfach mit Kritzeleien, Schmierereien und Vandalismus gleichgesetzt werden. Tagger sind heute häufig sehr junge „Graffiti Einsteiger oder „Mitläufer. Sie beschränken sich oft auf das rasche Hinterlassen auch schlecht gestalteter und technisch dürftiger „Duftmarken, weil ihr Können zur Anfertigung von aufwendigen Pieces nicht ausreicht. Von Ausnahmen abgesehen kommt es Taggern weniger auf die künstlerische Qualität an als auf die Menge der angebrachten Tags. Zudem wollen sie bei ihrer fast ausschließlich illegalen Tätigkeit nicht erwischt werden. Um dem Zugriff der Polizei zu entgehen, wechseln Tagger öfter ihr Tag. PIECES Geht es eigentlich bereits bei den Tags um stilvolles, schönes Schreiben, so gilt dies verstärkt für die großformatigen, farbigen Bilder (Pieces), die sich nach und nach aus den Tags entwickelt haben. Als SchriftBilder stellen sie in der Regel einen in einer bestimmten Stilrichtung künstlerisch gestalteten Schriftzug dar. Dieser Schriftzug gibt meistens den Writing Name eines Sprayers oder einer Crew wieder, zuweilen auch ein Wort oder einen Slogan. Wenn die Zeit, in der das Piece hergestellt wird, es erlaubt, wird der Schriftzug durch schmückende Bildelemente (z.B. Gags, Designs) und manchmal durch figurative Elemente (Characters) ergänzt. SchriftBilder dieser Art werden am treffendsten unter dem Begriff „Style Writing zusammengefasst. Zuweilen wird heute jedes großformatige Wandbild als „Piece bezeichnet. Zumeist wird der Ausdruck „Piece aber für SchriftBilder und Characters reserviert. Typische GraffitiPieces sind zu unterscheiden nach • • • • der zeitlichen Dauer ihrer Herstellung (z.B. Throw Up, Quick Piece, Master Piece) dem Ort, an dem sie sich befinden (z.B. Mural, Train, Whole Car, Post Graffiti) der stilistischen Ausprägung (z.B. Simple Style, Wild Style) der Technik (z.B. Free Style) Wie Tags, so werden auch Throw Ups und Quick Pieces schnell produziert. Throw Ups (auch kurz TUps) bestehen aus einem Schriftzug, dessen Buchstaben mit ein oder zwei Farben gesprüht sind. Die Outline wird nur einmal schnell gezogen; auf gleichmäßig gefüllte Flächen und aufwendige Designs wird verzichtet. Quick Pieces stellen eine Weiterführung der Throw Ups dar. Die Outline wird recht sorgfältig gezogen; das Innere der Buchstaben wird einfarbig flächig gefüllt. Throw Ups und Quick Pieces können sowohl auf Zügen als auch auf Wänden erscheinen. Das gilt auch für Silver Pieces, Bilder mit schnell gesprühten Outlines in Schwarz, Blau, Rot, Grün oder Silber und einem Fill In in Silber. Master Pieces sind herausragende, grossformatige Pieces, die sich oft über eine ganze Wand, einen gesamten Eisenbahnwaggon oder ähnliches erstrecken. Master Pieces herzustellen, dauert natürlich sehr viel länger als das Herstellen von Throw Ups oder Quick Pieces. CHARACTERS Characters sind ein wesentlicher Bestandteil von Graffiti im engeren Sinn. In der Regel handelt es sich um figurative, menschengestaltige Darstellungen. Characters sind in unterschiedlichen Zusammenhängen zu finden: • als einfach gestaltete Hinzufügung zum Tag (Strichzeichnung) • als Charactag, also als Ersetzung des Tags durch eine figurative Strichzeichnung • als figuratives Element eines GraffitiPieces (SchriftBildes) • als eigenständiges Piece unter Verzicht auf Schrift Im allgemeinen werden Characters in Kombination mit dem Style Writing verwendet. Sie dienen dann dazu, die Form bzw. den Ausdruck der Buchstaben zu verstärken, also die Aussage des Pieces zu unterstützen sowie das Lebensgefühl und die Vorlieben des Writers zu verbildlichen. Grundsätzlich machen Characters ein Piece auffälliger und werten es in der Regel auf. Characters können auf verschiedene Weise mit dem Schriftzug verbunden werden. Sie können innerhalb oder außerhalb des Schriftzugs angeordnet werden. Sofern Characters in den Schriftzug integriert werden, „umarmen bzw. „durchbrechen sie die Schrift oder ersetzen einzelne Buchstaben (z.B. eine Spraydose anstelle des Buchstabens I). Innerhalb der GraffitiBewegung gibt es neben sogenannten StyleSpezialisten auch sogenannte CharacterSpezialisten. Das hat unter anderem dazu geführt, dass bei Teamworks unter den CrewMitgliedern eine Art Arbeitsteilung im Sinne der Verteilung von Zuständigkeitsbereichen stattfinden kann. Da die Gestaltung von Characters, ebenso wie das Style Writing, eine schwierige, anspruchsvolle Arbeit ist, gibt es auch Writer, die in ihren Pieces auf das Malen von Characters ganz verzichten, so wie es Maler gibt, die nur CharacterPieces, aber keine SchriftBilder anfertigen. Die ersten Characters sind zusammen mit den Tags in der Anfangsphase der Graffiti entstanden und weisen noch recht einfache Formen auf. Vorbilder für ihre Figuren finden die Writer in Comicstrips, Fantasy-Büchern, Cartoons, Filmen, Fernsehen und Videos. Den größten Einfluss auf die Entwicklung von Characters haben sicherlich Figuren aus Comics: Nicht nur Mickey Mouse, Pink Panther und The Flintstones finden sich in Graffiti wieder, sondern vor allem auch Figuren aus Underground Comics. In der Gegenwart ist eine große Weiterentwicklung der Characters zu verzeichnen. Neben solchen, die aus Comics entnommen oder an Comics orientiert sind, werden eigene Characters entwickelt, wird sogar das eigene Porträt fotorealistisch in Szene gesetzt. Die wichtigsten Arten von Characters sind: • Comic Characters • B-Boy Characters (diese sind mit typischen Accessoires ausgestattet, wie BaseballCaps, Baseballschlägern, Baseballschuhen, Basketbällen u.ä. Sie werden der Einfachheit halber fast immer seitlich dargestellt, mit klaren Umrisslinien und häufig unter Verzicht auf Schattierungen) • Female Characters • Fantasy Characters (z.B. an ScienceFiction orientiert) • Monster Characters und Devil Characters (auch TotenkopfCharacters) • fotorealistische Characters • Zitate aus Werken der bildenden Kunst (z.B. die berühmte DavidFigur von Michaelangelo) Quelle: (z.T. leicht verändert) ZENTRALE MOTIVE DER GRAFFITI-BEWEGUNG Graffiti im engeren Sinn sind Bestandteil der HipHopBewegung. Das Hip-Hop-Movement besteht aus den drei Elementen • Musik, wie Scratching, DJing und Rap, der durch eingängige Rhythmen und Sprechgesang gekennzeichnet ist, welcher von Masters of Ceremony (MC) vorgetragen wird, • Tanz, wie Breakdance, einem akrobatischen Tanz, der zu einem eigens für diesen Zweck in das Musikstück eingeführten Rhythmusteil, dem Breakbeat, von Breakdancern ausgeführt wird, und • Graffiti engeren Sinn (American Graffiti), wie Tags und Pieces (Style Writing und Characters), die von Taggern und Writern (Malern) hergestellt werden. Zum Umfeld der Hip Hop Bewegung können auch bestimmte Sportarten gezählt werden, wie z.B. Skateboarding, Inlineskating und StreetBasketball. Selbstredend ist eine Kultur, die in den 70er Jahren in den Elendsvierteln New Yorks entstanden ist, nicht unverändert auf hiesige Verhältnisse übertragen worden. Vielmehr hat sich in Deutschland eine eigene Geschichte des Hip Hop entwickelt. An den ursprünglichen, in der Szene allgemein akzeptierten Zielsetzungen, den zentralen Motiven der GraffitiBewegung, hat sich aber bis heute wenig geändert: „Hip Hop ist eine kreative Lebensart, die als einen der Hauptgedanken den Wettstreit und die Suche nach einem eigenen Stil in sich trägt. Was für Hip Hop allgemein gilt, trifft für Graffiti im engeren Sinn im Besonderen zu. In der GraffitiBewegung sind vor allem die folgenden sechs Dinge wichtig: Kreativität/Style Wie etwa für die Jugendstilkünstler, so gilt im Grunde auch für die GraffitiMaler, dass ihr bildkünstlerisches Tun durch ein „Stilwollen gekennzeichnet ist; sie schaffen Werke, denen eine gewisse Stilidee gemeinsam ist. Stil ist der künstlerisch gestaltete Ausdruck einer inneren Haltung. Gute Writer legen immer auf die Entwicklung eines eigenen Stils Wert. So gelingt es ihnen am besten, ihre Eigenart auszudrücken und ihre „Konkurrenten zu übertreffen. Der eigenständige, kreative Style, der sich in der Überwindung der bloßen Wiederholung eines konventionellen Zeichenrepertoirs äußert, ist das in der Szene allgemein akzeptierte oberste Qualitätskriterium für Graffiti im engeren Sinn. Fame Fame (Ruhm, Ehre) erlangen, Getting Up, also bekannt werden, sich aus der anonymen Masse herausheben, sind zentrale Motive des GraffitiMovements. Fame kann man auf verschiedene Weise erlangen: • indem die Markenzeichen möglichst häufig gesetzt werden • durch die Wahl riskanter Orte (z.B. Züge, Dachgiebel) • durch einen besonders kunstvollen oder außergewöhnlichen Stil bzw. eine schwierige Technik • durch die Ausführung wichtiger oder „ehrenvoller Aufträge • durch nationale bzw. internationale Kontakte/Tätigkeit • durch souveränes Auftreten in der Öffentlichkeit, z.B. in Form von Interviews in Zeitungen oder im Fernsehen Respect Eng verbunden mit dem Aspekt „Fame ist das Motiv, von anderen GraffitiWritern respektiert zu werden. Die Szene ist hierarchisch gegliedert. Das gilt häufig auch für die Crews, die, einer Art Lehrlingssystem entsprechend, aus Kings, Fortgeschrittenen und Toys (Anfängern, schlechten Writern) bestehen können. Es ist selbstverständlich, dass arrivierten Writern (Kings) Respect entgegengebracht wird; ebenso gebührt auch den Sprühern aus den Anfängen der GraffitiBewegung (Old Schoolern) Respect. Das Crossen eines qualitätvollen Pieces, also die Zerstörung eines Pieces mit Linien oder „Sprüchen (z.B. Toy), wodurch das Bild völlig wertlos wird, gilt als ausgesprochen respektlos. Ist bekannt, wer das Piece gecrosst hat, kann es gegebenfalls zu regelrechten Cross Out Wars kommen, d.h. zwecks „Vergeltung wird ein Piece der Gegenseite gecrosst und so weiter. Einen „Ehrenkodex gibt es auch bezüglich des Going Over, also des Übermalens eines Bildes, das zumeist aus Mangel an Wänden geschieht. Wird nicht das eigene Bild oder das eines guten Freundes übermalt, sondern ein qualitätvolles Piece durch einen weniger geübten Sprayer übermalt oder ein vielfarbiges Piece durch ein Silver Piece ersetzt, kann es durchaus zu Handgreiflichkeiten kommen. Brotherhood Während die Writer in den Anfangszeiten der GraffitiBewegung noch Einzelgänger waren oder mit einem Partner ein Two Team bildeten, so formierten sich später die ersten Crews, die hauptsächlich aus Jungen bzw. jungen Männern bestehen, die in demselben Stadtviertel wohnen. Heute ist es die Regel, dass ein Writer einer Crew angehört, deren Mitglieder durchaus nicht mehr aus demselben Wohnviertel stammen, sondern möglicherweise sogar aus verschiedenen Städten. Vielfach ist die Crew wichtiger als die eigene, häufig auch unvollständige oder überforderte Familie. Sie vermittelt das Gefühl von Sicherheit, Solidarität und bedingungsloser Loyalität. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit zeigt sich in Gruppenlosungen, wie etwa „One God, One Mind, One Crew oder „We Are All One. Die Diskriminierung eines Gruppenmitglieds durch NichtGruppenmitglieder wird als Angriff auf die gesamte Crew verstanden. Dem Angehörigen der eingeschworenen Gemeinschaft, dem „Bruder oder der „Schwester, wird dann der entsprechende Schutz gewährt, und es werden als geeignet erscheinende Maßnahmen zur Wiederherstellung der verletzten Ehre ergriffen, z.B. die „Gegner zu einem Sprayer Wettstreit aufgefordert. Abbau von Gewalt Natürlich ist die GraffitiSzene nicht völlig gewaltfrei. Dennoch ist die Vermeidung spezifischer Formen von Gewalt, wie Körperverletzung, Raub und ähnlichem, erklärtes Ziel der GraffitiBewegung. An ihre Stelle treten weniger brutale Arten der Gewalt: Diebstahl von Dosen und Markern und Sachbeschädigung durch das Anbringen illegaler Graffiti. Von den meisten Anhängern der GraffitiSzene dürfte ihr Tun aber nicht als unrechtmäßig, geschweige denn als Ausübung von Gewalt empfunden werden, tragen nach ihrer Ansicht Graffiti doch völlig umsonst zur Verschönerung der Städte bei. Differenzen und Rivalitäten zwischen einzelnen Personen bzw. Gruppen werden im Gegensatz zu Gangbangern nicht auf brutale, sondern wie bereits angedeutet auf kreative Weise in Form von Battles ausgetragen, d.h. das bessere Piece entscheidet über den Sieger. Graffiti, wie Hip Hop insgesamt, fungieren also als Ventil für den Abbau bestimmter Formen von Aggression und Gewalt. Having Fun Graffiti werden auch hergestellt, um Spaß zu haben. Allerdings nimmt der Spaß zum Teil fragwürdige, zum Teil sogar höchst gefährliche Formen an. Gefährlich wird es dann, wenn Sprayer, obwohl sie um die Schädlichkeit des Arbeitens mit Lacksprays wissen, aus bloßer Bequemlichkeit oder Leichtsinn auf das Tragen von Atemschutzmasken verzichten. Sie schädigen durch das Einatmen der Lackdämpfe und der Sprühnebel leichtfertig ihre Atemwege. Die Herstellung von Graffiti kann schlimme Unfälle nach sich ziehen, so etwa wenn ein Sprayer sein Graffiti an einem ungewöhnlichen Ort anbringen will, z.B. einem hohen Brückenpfeiler, oder Trainsurfing betreibt, d.h. während der Bahnfahrt seine Tags an die Außenwände des Zuges setzen will. Vermutlich wird die Angst, die beim illegalen Arbeiten entsteht, von manchen Sprayern als lustvoll erlebt. Diese sogenannte Angstlust führt zu Adrenalinstößen, auf die einige Sprayer wohl nicht verzichten wollen oder können. Graffiti werden dann zur „Droge und der GraffitiSprayer wird zum „AdrenalinJunkie, den auch drastische Strafen nicht von seinem Wiederholungstun abhalten können. „AdrenalinJunkies bilden aber sicher eine Ausnahme in der GraffitiSzene. Quelle: (z.T. leicht verändert)