Arbeitsblatt: Dossier Alkohol

Material-Details

Dossier zum Thema Alkohol und seine Folgen.
Lebenskunde
Drogen / Prävention
7. Schuljahr
5 Seiten

Statistik

74878
1814
46
19.01.2011

Autor/in

Emanuel Gisler
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Alkohol 4 Inhaltsverzeichnis: Folgen von Alkohol2 Akute Wirkung2 Krankheit.3 Sterblichkeit3 Unfälle.3 Verkehrsunfälle.3 Alkoholabhängigkeit.4 Soziale Probleme.4 Soziale Kosten.4 1 Folgen von Alkohol In westlichen Industriestaaten wie der Schweiz ist Alkoholkonsum der drittgrösste Risikofaktor für die gesellschaftliche Belastung durch Krankheiten (nach Tabakgebrauch und Bluthochdruck). Entsprechend hoch ist die Belastung des Gesundheitssystems. Auf der Ebene der alkoholbedingten sozialen Probleme und der gesellschaftlichen Folgekosten ist eine genaue Aufstellung aller Schäden und Kosten schwierig, da viele Daten fehlen. Zudem ist es schwer zu bestimmen, in welchem Ausmass der Alkoholkonsum Unfälle, Kriminalität, Gewalttaten, Suizide etc. mitverursacht. Akute Wirkung Da der Alkohol sofort ins Blut übertritt, verspürt man die Wirkung sehr rasch: Wärmegefühl, Wohlbefinden, Zwanglosigkeit, Fröhlichkeit, Rededrang. Weitere Folgen können von den KonsumentInnen oft nicht selber wahrgenommen und vor allem nicht beurteilt werden, da auch die Selbsteinschätzung vermindert und das Selbstwertgefühl gesteigert werden. Die folgenden Angaben zu Alkoholwirkungen und Promillewerten gelten für Erwachsene und sind als Anhaltspunkte zu betrachten! Die Art, wie sich ein Promillewert bei einzelnen Menschen äussert, variiert. Bei Jugendlichen ist schon bei deutlich kleineren Promillewerten mit entsprechenden Einschränkungen zu rechnen. Alkoholkonsum kann bei Kindern und auch noch bei Heranwachsenden auch in geringeren Mengen sogar zum Tod führen. 0,2 bis 0,5 Promille · Leichte Verminderung von Seh- und Hörvermögen · Nachlassen von Aufmerksamkeit, Konzentration, und Reaktionsvermögen · Kritikfähigkeit, Urteilsfähigkeit sinken, die Risikobereitschaft steigt ab 0,5 Promille · Probleme mit Nachtsicht · Störungen des Gleichgewichts · Probleme mit Konzentrationsfähigkeit, deutliche Verlängerung der Reaktionszeit · Enthemmung und Selbstüberschätzung nehmen zu Nicht nur die Wirkungen des Alkohols auf die Konzentrationsfähigkeit und die Reaktionszeiten sind in Zusammenhang mit Unfällen problematisch. Die enthemmende Wirkung des Alkohols steigert die Wahrscheinlichkeit für risikohaftes Verhalten, z.B. im Strassenverkehr, in anderen unfallgefährlichen Situationen und senkt auch die Hemmschwelle für Gewaltanwendungen und Gesetzesübertretungen. ab 0,8 Promille · Weiterer Rückgang der Sehfähigkeit, Wahrnehmung von Gegenständen und räumliches Sehen sind beeinträchtigt, das Blickfeld verengt sich (Tunnelblick) · Steigende Gleichgewichtsstörungen · Ausgeprägte Konzentrationsschwäche, stark verlängerte Reaktionszeit · Steigende Selbstüberschätzung, Euphorie, zunehmende Enthemmung 1,0 bis 2,0 Promille: Rauschstadium · Weitere Verschlechterung des räumlichen Sehens und der Hell-/Dunkel-Anpassung · Starke Gleichgewichtsstörungen · Aufmerksamkeits- und Konzentrationseinbusse, erheblich gestörte Reaktionsfähigkeit, Verwirrtheit, Sprechstörungen, Orientierungsstörungen · Übersteigerte Selbsteinschätzung durch Enthemmung und Verlust der Kritikfähigkeit 2,0 bis 3,0 Promille: Betäubungsstadium · Ausgeprägte Gleichgewichts- und Konzentrationsstörungen, Reaktionsvermögen kaum noch vorhanden · Muskelerschlaffung · Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit · Erbrechen 2 3,0 bis 5,0 Promille: Lähmungsstadium ab 3,0 Promille: Bewusstlosigkeit, Gedächtnisverlust, schwache Atmung, Unterkühlung, Reflexlosigkeit ab 4,0 Promille: Lähmungen, Koma mit Reflexlosigkeit, unkontrollierte Ausscheidungen, Atemstillstand und Tod Krankheit Alkoholkonsum kann die körperliche, psychische und soziale Gesundheit der Konsumierenden negativ beeinflussen. Es gibt kaum ein menschliches Organ, das durch Alkohol nicht geschädigt werden kann. Vor allem das Funktionieren von Leber und Verdauungsorganen wird durch chronischen Alkoholüberkonsum beeinträchtigt. Ausserdem kann chronischer Alkoholkonsum Ursache für verschiedene Krebsarten sein, und er ist auch ein häufiger Grund für hohen Blutdruck und für die Erkrankung des Nervensystems. Die psychiatrischen Krankheiten wie z.B. Abhängigkeit und Alkoholpsychosen stellen hinsichtlich der alkoholbedingten Krankheitslast den grössten Anteil, auch wenn sie seltener tödlich verlaufen als andere chronische Krankheiten. Mehr als sechzig Krankheiten und Behinderungen sind nachweislich mit Alkoholkonsum verknüpft. Nicht nur die Menge des konsumierten Alkohols hat dabei einen Einfluss, sondern auch die Trinkmuster. Nicht nur chronischer Alkoholkonsum, sondern auch situationsinadäquater Konsum kann zu gesundheitlichen Problemen mit tödlichem Ausgang führen. Insbesondere Verkehrsunfälle und Suizide (vor allem bei jüngeren Menschen), aber auch Stürze (eher bei älteren Personen) können durch übermässigen Alkoholkonsum verursacht werden. Nebst den zahlreichen negativen gesundheitlichen Folgen gilt es als belegt, dass durch moderaten Alkoholkonsum (ein bis zwei Gläser pro Tag) das Erkrankungs- und Sterberisiko für koronare Herzkrankheiten, Schlaganfälle und Diabetes Typ II sinkt. Sterblichkeit Sowohl chronisch als auch punktuell übermässiger Alkoholkonsum kann zu gesundheitlichen Problemen mit tödlichem Ausgang führen. Im Jahr 2002 waren in der Schweiz schätzungsweise mehr als 2 000 Todesfälle dem Alkoholkonsum zuzurechnen, die meisten davon (78%) betrafen Männer. Insgesamt waren somit 5.2% aller Todesfälle bei Männern dem Alkohol zuzuschreiben, bei Frauen waren es 1.4%. Neben den Todesfällen sind die verlorenen Lebensjahre ein wichtiger Indikator zur Beschreibung des alkoholbedingten gesellschaftlichen Schadens. Da eine Vielzahl der alkoholbedingten Todesfälle, vor allem Verkehrsunfälle und Suizide, junge Menschen betreffen, gehen durch die alkoholbedingten Todesfälle in der Schweiz schätzungsweise etwa 30 000 Lebensjahre verloren. Insgesamt entspricht dies 8.2% aller durch frühzeitigen Tod verlorenen Lebensjahre (bei Männern 10.5% und bei Frauen 4,9%). Quelle: Jürgen Rehm, Michael Roerecke Jayadeep Patra (2006): Alcohol-attributable mortality and burden of disease in Switzerland – Epidemiology and recommendations for alcohol policy. Zurich: ISGF. Unfälle Das genaue Ausmass der alkoholbeeinflussten Unfälle in der Schweiz ist schwer zu schätzen, da Alkoholkonsum von den betroffenen Personen oft nicht als Ursache des Geschehens genannt wird. Eine aktuelle, im Gesundheitswesen durchgeführte Studie zeigt jedoch, dass der Anteil Unfälle, welcher auf Alkoholkonsum zurückzuführen ist, bedeutend ist. Bei den Männern sind fast 50% aller absichtlichen Verletzungen (Gewalt gegen andere, Selbstverletzungen etc.) dem Alkoholkonsum zuzuschreiben. Bei den Frauen beträgt dieser Anteil 23%. Im Hinblick auf die unbeabsichtigten Unfälle schwankt der Anteil, welcher dem Alkoholkonsum beigemessen werden kann, zwischen 12% (Strassenverkehr) und 19% (Stürze) bei den Männern, und zwischen 10%, respektive 12% bei den Frauen. Verkehrsunfälle Alkohol ist eine der Hauptursachen für Verkehrsunfälle. Alkoholunfälle werden nicht vorwiegend von Personen mit chronischem Risikokonsum verschuldet, sondern zu einem erheblichen Anteil von Personen, die durchschnittlich mässig trinken, sich aber zu gewissen Zeiten betrunken ans Steuer setzen. Quelle: Gmel, G., Heeb, J.-L., Rezny, L., Rehm, J., Mohler-Kuo, M. (2005). Drinking patterns and traffic casualties in Switzerland: matching survey data and police records to design preventive action. Public Health, 119, 426-436. 3 Im Jahr 2008 ist die Gesamtzahl der Todesopfer im Strassenverkehr markant gesunken (im Vergleich zu 2007 um 7% 27 getötete Personen weniger), während die Anzahl Todesopfer von Unfällen unter mutmasslicher Einwirkung von Alkohol (ebenfalls in Verbindung mit Drogen/und oder Medikamenten) sich von 55 Personen auf 58 Personen erhöht hat. Die Gesamtzahl der Unfälle war 2008 niedriger als in den vorhergehenden Jahren, nicht jedoch deren Anteil an alkoholbedingten Unfällen. Die Gesamtzahl verletzter Personen hat im Jahr 2008 einen Rekord-Niedrigwert erreicht. Der seit Jahren rückläufige Trend gilt auch für den Anteil an alkoholbedingten Verletzten. Quelle: Bundesamt für Statistik (2009). Medienmitteilung. Laut der neuesten Erhebung der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) bei den kantonalen Polizeistellen, ist im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr die Gesamtzahl der Todesopfer im Strassenverkehr erneut leicht gesunken (im Vergleich zu 2008 um 3% 11 getötete Personen weniger). Die Anzahl Todesopfer von Unfällen, die unter mutmasslichem Einfluss von Alkohol verursacht wurden, stieg von 58 auf 60 Personen. Die definitiven gesamtschweizerischen Detail-Ergebnisse werden im Sommer 2010 vom Bundesamt für Statistik publiziert werden. Quelle: Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) (2010). Medienmitteilung. Alkoholabhängigkeit Gemäss Schätzungen leben in der Schweiz ca. 250 000 alkoholabhängige Menschen. Diese Richtzahl geht auf aktuelle Berechnungen zurück: sie ersetzen diejenigen, welche in den neunziger Jahren auf der Grundlage von Bevölkerungsumfragen erstellt wurden. Quelle: Kuendig, H. (2010). Geschätzte Anzahl der alkoholabhängigen Menschen in der Schweizer Bevölkerung (Forschungsbericht Nr. 56). Lausanne: Sucht Info Schweiz. Nur in der klinischen Praxis kann die Krankheit Alkoholabhängigkeit klar diagnostiziert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dafür folgende Kriterien festgelegt: • • • • • • Ein starker Wunsch, Alkohol einzunehmen Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren Anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlichen Folgen Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben Entwicklung einer Toleranzerhöhung Körperliches Entzugssyndrom Eine Alkoholabhängigkeit wird dann diagnostiziert, wenn mindestens drei dieser Kriterien erfüllt sind. Bei Männern im mittleren Alter ist Alkoholabhängigkeit (Kodegruppe F10.2* nach ICD-10) eine der am häufigsten gestellten Hauptdiagnosen, und wird in allen Altersgruppen bei Männern deutlich häufiger gestellt als bei Frauen. Die Diagnose Alkoholabhängigkeit (ICD-10 Kodegruppe F10.2*) rangierte im Jahr 2008 im stationären und teilstationären Bereich bei den 40-bis 69-jährigen Männern mit 4267 Behandlungen an 4. Stelle der am häufigsten gestellten Hauptdiagnosen, während sich bei den 40- bis 69-jährigen Frauen die Anzahl Behandlungen wegen eines Abhängigkeitssyndroms auf 3108 belief (8. Rang der gestellten Hauptdiagnosen). Die medizinische Statistik der Krankenhäuser gibt nur einen Ausschnitt der Realität wieder, da sie ambulante Behandlungen nicht berücksichtigt, sondern lediglich stationäre und teilstationäre Fälle erfasst. Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS) (2010). Auskunft des statistischen Dienstes über die Medizinische Statistik der Krankenhäuser 2008. Soziale Probleme Nicht nur chronisches, auch episodisches Rauschtrinken verursacht eine Vielzahl von sozialen Problemen, besonders bei jüngeren Personen. 15- bis 24-Jährige berichten besonders über viele soziale Probleme: Jeder Fünfte hat bereits mindestens einmal einen alkoholbedingten Streit mit Freunden oder Freundinnen, jeder Sechste mit seinem Partner oder seiner Partnerin gehabt. Fast jeder Zwölfte hat bereits einen alkoholbedingten Unfall erlitten. Soziale Probleme sind in dieser Altersgruppe stärker auf Rauschtrinken als auf chronisches Trinken zurückzuführen. Quelle: Gmel Müller (2003). Risikoreicher Alkoholkonsum in der Schweiz im Wandel? Soziale Kosten Der schweizerischen Volkswirtschaft erwachsen jährlich Kosten in Milliardenhöhe durch übermässigen Alkoholkonsum. In die Kostenberechnung fliessen nicht nur die Aufwendungen für die Behebung von Schäden (Sach-, aber auch Personenschäden) ein, sondern auch der Wert der ausgefallenen Produktionskraft durch Krankheit, Invalidität oder frühen Tod (Indirekte Kosten). 4 Diese Kosten werden nicht nur von den Alkoholkonsumierenden selbst getragen, sondern auch von Drittpersonen und der Allgemeinheit (Staat, Versicherungen). Die Gesamtkosten bedingt durch übermässigen Alkoholkonsum setzen sich zusammen aus: • • • Direkte Kosten (0.7 Milliarden): Arzt-, Arzneimittel-, Spitalkosten, Aufwendungen für Prävention, Forschung, Sachschäden, legale Folgekosten Indirekte Kosten (1.5 Milliarden): Produktionsausfälle infolge Krankheit und Tod: Bei vorzeitigem Tod wird der Produktionswert für alle Jahre aufgerechnet, welche die betreffende Person noch hätte arbeiten können Immaterielle Kosten (4.3 Milliarden): Physisches und psychisches Leid der Kranken und ihrer Angehörigen Die alkoholbedingten sozialen Kosten betragen insgesamt rund 6.7 Milliarden Franken. Quelle: Jeanrenaud, Claude et al. (2005). Le coût social de la consommation de drogues illégales en Suisse. Schlussbericht. 5