Arbeitsblatt: Bolivien

Material-Details

3 Texte zur Bevölkerung von Bolivien (Kultur, Religion, Lebensstandart) inkl. Aufträgen und 1 AB mc. Inkl. Lösungen
Geographie
Südamerika
9. Schuljahr
13 Seiten

Statistik

7764
2084
46
28.08.2007

Autor/in

Barbara Schoch


Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Die Bevölkerung Bolivien hat ungefähr acht Millionen Einwohner und ist sehr dünn besiedelt. Die Schweiz im Vergleich hat sieben Millionen Einwohner, also nur eine Million weniger, aber ist flächenmässig rund 27 Mal kleiner als Bolivien. 50-70 Prozent der Bevölkerung sind Indios. Es gibt viele verschiedene Gruppen von Indianern. Die beiden grössten sind die Aymara und die Quechua. Die meisten Völker sind sesshaft und leben, in sehr ärmlichen Verhältnissen auf dem Land, wo sie Ackerbau betreiben. Ihre Häuser sind aus Ziegeln gebaut. Die Familie schläft dichtgedrängt auf Lamafellen, um sich gegenseitig zu wärmen. Einige sehr traditionelle Kleidungsstücke sind bis heute erhalten geblieben. Die Männer tragen häufig den chullo, eine Zipfelmütze mit Ohrenklappen, und die Frauen meist einen wärmenden Umhang axsu genannt, bei ihnen darf eine Kopfbedeckung in Form eines Hutes nicht fehlen. Die nackten Füsse stecken in Gummisandalen, die sie aus alten Autoreifen angefertigt haben. Die Mestizen, Abkömmlinge europäisch-indianischer Eltern, sind die zweitgrösste Bevölkerungsgruppe. Unter ihnen befinden sich vor allem Handwerker und Händler. Sie gelten auch als wirtschaftlicher Motor der bolivianischen Gesellschaft. Auch sie leben nicht in materiellen Überfluss, sind aber doch nicht ganz so arm wie die Indianer. Sie leben meist in kleinen Wohnungen mit der ganzen Familie zusammen. Im Jahre 1532 tauchten die ersten spanischen Eroberer in Bolivien auf und nahmen für eine lange Zeit einen grossen Teil des Landes in ihren Besitz. Heute machen die Nachfahren der Spanier jedoch lediglich einen sehr kleinen Prozentsatz aus. Trotzdem sind sie bestimmend in der Führung von Staat und Wirtschaft. Sie leben hauptsächlich in den grossen Städten und bevorzugen einen westlichen und luxuriöseren Lebensstil, so ähnlich wie wir ihn kennen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt auf dem Land, die andere Hälfte verteilt sich auf die Grossstädte. Im Land herrscht eine große Kluft zwischen der wohlhabenden Elite in den grossen Städten und den Bauern, die auf dem fast unfruchtbaren Hochland um La Paz leben und mit völlig veralteten Geräten arbeiten. Bolivien weist ein extremes Sozialgefälle auf. 64% der Einwohner sind arm. In den letzten fünf Jahren hat jeder Dritte seinen Arbeitsplatz verloren. Ungerecht sieht es auch im Bereich der Verteilung des Landes aus. Satte 87% des Landes von Bolivien befinden sich in den Händen von 7% der Landbesitzer, während die grosse Masse von Millionen armer Bauern gerade 13% besitzt. Auftrag: Überlegt und diskutiert zu dritt, welche gesellschaftlichen Probleme durch diese Zusammensetzung der Völker und dieser Verteilung des Reichtums in Bolivien entstehen können. Lösungsvorschläge Unzufriedenheit entsteht Hoffnungslosigkeit entsteht die grosse Unzufriedenheit führt zu Gewalt diese sozialen Unterschiede schüren den Hass der Leute die Bauern und Arbeiter protestieren und streiken die Ureinwohner fühlen sich unterdrückt und ausgenutzt die Indios verlangen mehr Rechte die armen Leute verlangen mehr Unterstützung die Oberschicht will ihren Wohlstand auf jeden Fall verteidigen das Land Bolivien tritt nicht als Einheit auf, sondern ist von Interessensgruppen geprägt Probleme zwischen Ureinwohnern und Regierung Aus der Zeitschrift Der Spiegel 2004 (Gekürzte Fassung) Sturm der Habenichtse Gerade erst wurde sein Vorgänger im Amt gestürzt, nun sieht sich auch Präsident Mesa von Indianern und Kokabauern bedroht – Washington fürchtet den Zerfall der Andenstaaten. Das Streben nach mehr Rechten für die Indios hat Bolivien in Lateinamerikas Krisenherd Nummer eins verwandelt. Kazike Quispe sass für seinen Traum von einer indianischen Nation lange Jahre im Gefängnis. Er ist Mitbegründer einer Guerillagruppe und Präsident der bolivianischen Bauernvereinigung. Schon lange gärt es in Bolivien. 80 Prozent der Einwohner sind Indios, die grösstenteils am Rande der Gesellschaft vegetieren. Die zumeist spanischstämmige Oberschicht sieht auf die Ureinwohner mit kaum verhüllten Rassismus herab. Zunehmend wächst aber der Widerstand der Indios und somit auch der Widerstand gegen Staatsoberhaupt Carlos Mesa. Bereits im Oktober 2003 organisierten die Ureinwohner, gemeinsam mit Gewerkschaften und Studentenorganisationen, einen Volksaufstand gegen Mesas Vorgänger Lozado. Die Massen blockierten Strassen und belagerten den Regierungssitz La Paz, bis der Staatschef ins Exil nach Miami flüchtete. Dies, weil die Regierung Erdgas an ausländische Multis verkaufen wollte, währenddessen das Land in Armut versinkt. Die Arbeiter und Bauern verlangen, dass das Gas verstaatlicht wird und so der ganzen Bevölkerung zu Gute kommt. Zudem soll das Erdöl bereits im eigenen Land verarbeitet werden, damit der Wert steigt. Die Unzufriedenheit der Indianer liegt hauptsächlich darin, dass sie in äusserst ärmlichen Verhältnissen leben. Vor allem die Hochlandindianer kämpfen mit den schwierigen kargen Bedingungen der Landschaft, welche zunehmend noch trockner wird. Unterstützung erhalten sie dabei keine. In den tropischen Ebenen im Osten verdienen die Bauern ihr Geld vor allem durch den Anbau von Koka. Diese Pflanze ist widerstandsfähig, gedeiht ausgezeichnet und bringt im internationalen Drogenmarkt sehr viel Geld. Seit Jahren jedoch üben die Vereinigen Staaten einen enormen Druck auf die bolivianische Regierung aus, von dieser wichtigen Einnahmequelle Abstand zu nehmen. Es flossen Millionen Dollar in Entwicklungsprojekte, welche einen alternativen Anbau von Zitrusfrüchten förderten. Viele Bauern verschuldeten sich, um teures Saatgut zu kaufen. Doch sie blieben schon auf ihrer ersten Ernte sitzen: Der Transport in die Grossstädte war zu teuer und auf dem Weltmarkt waren sie nicht konkurrenzfähig. Also pflanzten sie wieder Koka an. Daraufhin reagierten die USA mit härteren Mitteln. Sie drängten die bolivianische Regierung giftige Entlaubungs- und Pflanzenver-nichtungsmittel einzusetzen um die Koka-Felder zu vernichten. Ansonsten würden sie die Entwicklungsgelder, und somit eine wichtige Unterstützung für Bolivien, abschaffen. Gegen diese rücksichtslose Zerstörung, auch auf Kosten der Umwelt und der Gesundheit der Anwohner, wehren sich die Bauern vehement. Die Felsbrocken von der Strassenblockade im Oktober liegen immer noch bereit. Anführer Quispe dazu: „ Wenn Mesa uns nicht erhört und sich schnell etwas ändert, legen wir das ganze Land wieder lahm. Auftrag: Sucht zu zweit Argumente, welche die Regierung veranlassen so zu handeln. Notiert eure Argumente im Notizheft. Nachdem ihr genügend Ansätze gefunden habt, trefft ihr euch mit einer Gruppe der Bauern. In einem Gespräch tauscht ihr eure Argumente und Beweggründe aus. Zusatzauftrag: Wenn ihr eure Argumente ausgetauscht habt, überlegt ihr euch in welchen Bereichen Kompromisse gefunden werden können und welche Möglichkeiten es gibt, um diesen Konflikt zu lösen. Auftrag: Sucht zu zweit Argumente, welche die Bauern veranlassen so zu handeln. Notiert eure Argumente im Notizheft. Nachdem ihr genügend Ansätze gefunden habt, trefft ihr euch mit einer Gruppe der Regierung. In einem Gespräch tauscht ihr eure Argumente und Beweggründe aus. Zusatzauftrag: Wenn ihr eure Argumente ausgetauscht habt, überlegt ihr euch in welchen Bereichen Kompromisse gefunden werden können und welche Möglichkeiten es gibt, um diesen Konflikt zu lösen. Lösungsvorschlag: Argumente der Regierung und der Oberschicht: die Indios sind weniger wert der Druck der USA Abhängigkeit von fremden Geldern mit Erdöl dringend benötigtes Geld für das Land besorgen Bewahrung der Macht Bewahrung des luxuriösen Lebensstils machtlos gegen die schwierigen Umweltbedingungen Argumente der Indios und anderen Bauern und Arbeitern leben an der Armutsgrenze Überleben, Existenz ist harter Kampf alternative Produkte sind nicht rentabel Koka ist eine Tradition Bewahrung der Umwelt alle sollen von den Bodenschätzen profitieren beim Verkauf profitieren im Moment nur reiche Grundbesitzer mehr Respekt und Rechte Kompromisse, Lösungsansätze: Erdöl verstaatlichen und Gewinn der Bevölkerung zukommen lassen Indios und Bauern in die Regierung einbinden gleiche Rechte für alle schaffen Entwicklungsgelder für die armen Leute einsetzen alternative Produkte aus Koka herstellen Kultur, Religion und Bräuche Hörtext Lebensweise Die Bolivianer sind bekannt als besonnene, lebensfrohe Menschen, welche nach anfänglicher Schüchternheit sehr gastfreundlich sind. Jemanden einzuladen ist ein Zeichen dafür, dass man an ihn denkt. Allfällig mitgebrachte, verpackte Geschenke werden nicht in der Gegenwart des Gebers ausgepackt. Sie lieben es Feste zu feiern, dazu gehört natürlich Musik und ein reichhaltiges Angebot an köstlichem Essen. Eines der grössten Feste wird am 6. August, am Tag der Unabhängigkeit von Spanien im Jahre 1825, gefeiert. Dabei wird vor allem der Befreier und Schöpfer des Staates Bolivien, Simon Bolivar geehrt. Den grössten Teil der Freizeit verbringen die Bolivianer damit Freunde zu besuchen und Feste zu feiern. Dann wird immer ausgiebig getanzt und gesungen. Bolivianer halten meistens wenig Abstand und stehen bei Gesprächen dicht beieinander. Dies ist für uns Europäer seltsam und wir fühlen uns dadurch vielleicht auch etwas eingeengt. Frauen gehen auch häufig Arm in Arm. Religion und Bräuche Der Glaube ist ein sehr wichtiger Bestandteil im Leben dieser Menschen. Beinahe 90 Prozent sind Katholiken. Aber auch indianische Glaubensgedanken vermischen sich mit dem christlichen Glauben. So wird die wichtigste Gottheit der Indianer „Pachamama, das bedeutet die Mutter Erde, ebenso vergöttert wie Jesus Christus. Ja, sogar Opfergaben werden der Mutter Erde geleistet, meist in Form von alkoholischen Getränken. Der Kokapflanze wird eine spirituelle Funktion zugewiesen. Bei Zeremonien und Ritualen wird sie eingesetzt, um Pachamama zu würdigen und um böse Kräfte von Haus und Hof fernzuhalten. Immer noch „opfern die Menschen in Bolivien Koka-Blätter bei einem Stein am Ausgangspunkt einer Reise, um eine sichere Ankunft zu erbitten. Häufig wird Koka auch zum Wahrsagen verwendet. Familie Die Familie ist für die Menschen in Bolivien sehr wichtig. Viele leben aber ohne Trauschein zusammen, weil das Geld für eine Hochzeit fehlt. Inzwischen ist es normal, dass auch die Frauen ausser Haus arbeiten, um zusätzlich ein bisschen Geld zu verdienen. Nebenbei ist die Hausarbeit aber weiterhin die Pflicht der Frau. Wohlhabendere Paare haben meistens ein oder zwei Kinder. Ärmere Leute hingegen haben in der Regel mehrere Kinder. Leider sterben aber viele schon sehr früh, da die Versorgung teilweise sehr schlecht ist. Obwohl wie bei uns eine Schulpflicht besteht, besucht nur etwa die Hälfte aller Kinder regelmässig den Schulunterricht. Schon sehr früh müssen die Kinder innerhalb der Familie eine grosse Verantwortung übernehmen und in der Landwirtschaft mitarbeiten. Es ist auch keine Ausnahme, dass die Kinder arbeiten gehen, weil das Geld der Eltern nicht reicht, um zu überleben. Leider findet man in den Grossstädten auch sehr viele Strassenkinder, welche wegen Geldmangels von ihren Eltern ausgesetzt wurden. Diese Kinder kauen häufig Kokablätter, welche den Hunger stillen. Essen und Trinken Genau wie bei uns variiert die bolivianische Küche von Region zu Region. Es gibt aber dennoch Gemeinsamkeiten. Bolivianer essen gerne reichhaltig und vor allem regelmässig. Während das Frühstück eher bescheiden ist, kommt dem Mittagessen als Hauptmahlzeit eine grosse Bedeutung zu. Es besteht in der Regel aus einer Suppe und einem Hauptgericht. Der zentrale Bestandteil der bolivianischen Küche ist die Kartoffel. Bolivien hält mit über 230 verschiedenen Sorten den weltweiten Kartoffelrekord. Darunter befinden sich viele uns unbekannte Arten, welche keineswegs immer oval sind. Die kati zum Beispiel ähnelt einer Schraube. Nebst Kartoffeln sind aber auch Reis, Obst, Käse und Milch von grosser Bedeutung für die Zubereitung von verschiedenen Köstlichkeiten. Sehr wichtig beim Kochen sind auch die verschiedenen Gewürze, welche reichlich angewendet werden, dazu gehören auch sehr scharfe Gewürze. Am verbreitetsten ist das Rindfleisch, danach folgt das Pouletfleisch. Im ganzen Land weit verbreitet ist die saltena. Eine knusprige Teigtasche, welche mit Huhn- oder Rindfleisch, Rosinen, Oliven und Kartoffeln gefüllt ist. Das Lamafleisch wird zunehmend als Delikatesse geschätzt. Es ist arm an Fetten und Cholesterin und deshalb sehr gesund. Nur zu Festtagen kann sich der Arbeiter ein Meerschweinchen leisten, welches als lebendiger Fleischvorrat unter dem Küchentisch gehalten wird. Natürlich findet man in den Grossstädten auch viele Restaurants mit europäischer Küche. Ein Menu kostet aber lediglich ein Drittel soviel wie bei uns. Auch der Fast Food hat vor den Städten Boliviens nicht halt gemacht. Es gibt unzählige Imbissbuden für Hamburger, Würste und Pommes Frites. Sport Die ganze Sportbegeisterung der Nation gilt dem Fussball. Bolivien ist bei uns nicht als typische Fussballnation bekannt, so wie ihr Nachbar Brasilien. Auch sind sie nicht so erfolgreich wie die brasilianischen Ballkünstler. Aber wenn die beiden Mannschaften in Bolivien gegeneinander antreten, macht die dünne Höhenluft von La Paz dem Gegner oftmals so zu schaffen, so dass Bolivien auch stärkerer Mannschaften wie Brasilien oder Argentinien schlagen kann. Kultur, Religion und Bräuche Lies die Fragen gut durch. Lege die Fragen beiseite und höre den Text ein zweites Mal. Achte dabei besonders auf die Informationen, welche du zum Beantworten der Fragen benötigst. Nachdem du den Text ein zweites Mal gehört hast, versuchst du die richtigen Antworten zu geben. Lies die Behauptungen gut durch und kreuze die richtige Aussage an. Es gibt bei jedem Buchstaben nur eine richtige Antwort. a) Jemanden einzuladen bedeutet, dass man ihn sehr gern hat. In Bolivien lädt man Leute ein, um Streitereien zu beseitigen. Jemanden einzuladen bedeutet, dass man an ihn denkt. b) 70 Prozent der Bevölkerung sind Katholiken und etwa 20 Prozent sind Protestanten. 90 Prozent der Leute sind Katholiken, aber auch der indianische Glaubensgedanke spielt eine Rolle. Nur 50 Prozent der Bolivianer sind Christen. Es leben auch sehr viele Hinduisten in Bolivien. c) Die Männer und die Frauen erledigen gemeinsam den Haushalt. Die Kinder sind für den Haushalt verantwortlich, da beide Elternteile auswärts Geld verdienen müssen. Meistens müssen alle Familienmitglieder auswärts Geld verdienen. Die Frau erledigt zudem noch den Haushalt. d) Kartoffeln sind der wichtigste Bestandteil in der bolivianischen Küche. Es existieren 230 verschiedene Sorten. Fleisch ist absolut unentbehrlich bei jeder Mahlzeit. Eine Delikatesse ist das Lamafleisch. Wichtig für die Bolivianer ist ein ausgewogenes Frühstück, damit sie den Tag überstehen. Formuliere die gesuchten Antworten in vollständigen und korrekten Sätzen!! Erkläre in welcher Weise die Leute in Bolivien Gespräche führen. Worin liegt der Unterschied gegenüber unserer Art mit Menschen zu sprechen? Welches Ereignis wird jedes Jahr gebührend gefeiert? Woher hat das Land Bolivien seine Namensgebung erhalten? Zähle zwei spirituelle Bedeutungen der Koka-Pflanze auf. Weshalb besuchen so wenig bolivianische Kinder trotz Schulpflicht die Schule? Welche Zutaten sind für die bolivianische Küche wichtig? Dank welchem Umstand gelingt es der Bolivianischen Fussballmannschaft manchmal stärkere Gegner zu besiegen?