Arbeitsblatt: Der Kampf um das blaue Gold
Material-Details
Ungleiche Verteilung der Wasserressourcen in Israel / Palästina.
Geographie
Anderes Thema
12. Schuljahr
2 Seiten
Statistik
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01.03.2012
Autor/in
Martina (Spitzname)
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Der Kampf um das blaue Gold Konfliktpotenzial Wasser im Nahen Osten Die Auseinandersetzungen um die Wasserressourcen im Nahen Osten, insbesondere zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten, zählen infolge von Knappheit und ungerechter Verteilung weltweit zu den langwierigsten Konflikten. Die Länder dieser Region befinden sich laut WHOAngaben im Stadium akuter Wasserknappheit. Im zur Zeit festgefahrenen Friedensprozess wurde das Wasserproblem zu einer Hauptaufgabe gemacht. Wasser in Israel In Israel vermitteln grüne Strassenalleen, die vielen Beregnungsanlagen auf öffentlichen und privaten Grünflächen sowie die zahlreichen Schwimmbäder den Eindruck, als wäre Wasser im Überfluss vorhanden. Kahle, trockene Freiflächen, nach Wasser schreiende Bäume und defekte Wasserleitungen bestimmen dagegen den ersten Eindruck von den palästinensischen Gebieten. Die geographische Lage Israels und die geologische Beschaffenheit der verschiedenen Regionen werden in erster Linie für die Wasserknappheit in diesem Land verantwortlich gemacht. Der überwiegende Teil Israels liegt im Bereich arider bis semiarider Klimate. Das Wasserpotential1 in Israel wird auf fast 2200 Mio. 3 geschätzt. Diese Menge setzt sich zusammen aus Oberflächenwasser (See Genezareth, gestautes Wasser, aufbereitetes Abwasser, Quellwasser, etc.) und aus Grundwasser, das zum grössten Teil aus erneuerbaren Aquiferen (Grundwasserreservoiren) stammt. In Israel werden rund 60% des verfügbaren Wassers in der Landwirtschaft, weniger als 40% in Privathaushalten verbraucht. Nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt Israel das Westjordanland und die syrischen Golanhöhen, zwei strategisch wichtige Punkte für die Wasserversorgung. Im Westjordanland befinden sich wichtige Grundwasservorkommen, die direkt genutzt werden. Laut Schätzungen der Weltbank werden 80% dieses Grundwassers für die Bewässerung der israelischen Anbaugebiete genutzt; für die palästinensischen Gebiete bleiben nur 20%. In dem von Israel besetzten östlichen Teil hat Israel ausserdem die Kontrolle über das Wasser des Jordans. Das Hochplateau der Golanhöhen ist ein weiterer wichtiger Wasserlieferant, der den See Genezareth speist. Mit dem Bau des National Water Carriers, einem Kanal- und Leitungssystem, werden weite Teile des Landes im Süden mit Trinkwasser aus dem wasserreicheren Norden Israels versorgt. Das Wasser wird dabei vom See Genezareth bis in die Negev-Wüste trans-portiert. Aus Angst, das Nachbarland könne die Flüsse, die auf israelisches Gebiet fließen, umleiten, hat Israel bisher die Rückgabe der Golan-höhen an Syrien verweigert. Fazit: Rund 30% des Wasserpotentials Israels umstrittenen z.B. aus dem National weitere 30% aus den (Westjordanland, Golanhöhen). heutigen stammen aus Wassersystemen wie Water Carrier und besetzten Gebieten Gazastreifen und Abb. 1: Ungleiche Wasserverteilung zwischen Israel und dem Westjordanland: Swimming Pools und grüne Wiesen auf der einen, leere Brunnen auf der anderen Seite. www.phr.org.il Wasser in den palästinensischen Gebieten Der Gazastreifen wird bestimmt durch arides bis semiarides Klima, die jährlichen Niederschlagsmengen liegen im Süden bei knapp 200 mm und im Norden bei 400 mm. Es handelt sich um ein sehr wasserarmes Gebiet, in den das gesamte Wasserpotential aus dem 10-15 tief liegenden, sandigen Aquifer entnommen wird. Die hohe Wasserentnahme aus diesem Grundwasserreservoir führt zu einer jährlichen Senkung des Grundwasserspiegels um bis zu 20 cm. Folgen dieser Übernutzung sind Versalzung und Verunreinigung der instabilen Grundwasserschicht durch das Eindringen des Meerwassers. Auch das ungeklärte Abwasser hat jahrelang das Grundwasser verunreinigt. Trotzdem wird das Grundwasser weiterhin in unkontrollierten Mengen aus der Tiefe geschöpft, sowohl von den Palästinensern als auch von den dort ansässigen israelischen Siedlern. In der Westbank hingegen ist die Situation völlig anders. Das Wasserpotential wird auf 600 m3 geschätzt, das sich auf drei Aquifere (nördlicher, westlicher und östlicher Aquifer) verteilt. Die jährlichen Niederschlagsmengen bewegen sich fast überall zwischen 600 und 900 mm. Das Wasserproblem in der Westbank liegt also nicht in der Knappheit, sondern in der Verteilung begründet. Israel behält sich seit der Besetzung des Westjordanlandes 1967 die Rechte über die Nutzung und Verteilung des Wassers in der Westbank – auch in den Gebieten unter palästinensischer Hoheit – vor. Israel kontrolliert die 1 Jährliche Wasserverfügbarkeit Abb. 2: Ein palästinensisches Mädchen legt auf dem Weg zum Wasserholen eine Rast ein. Iyad El Baba/UNICEF-oPt Wasserressourcen: Den Palästinensern bleibt einerseits der Zugang zum Jordanwasser verwehrt, andererseits haben sie nur bedingten Zugang zum Grundwasserbecken unter ihren Füßen. Auch das Bohren und Reparieren von Brunnen wurde streng reglementiert und im Friedensvertrag von Oslo wurde festgeschrieben, dass Israel den Löwenanteil der sich erneuernden unterirdischen Reserven nutzen darf. Während die Israelis täglich pro Kopf 300 Liter verbrauchen, müssen die Palästinenser im Westjordanland mit 60 Litern auskommen. Diese Aufteilung des Wassers ist inzwischen einer der Hauptgründe dafür, dass sich die Palästinenser ungerecht behandelt fühlen. Wasser bedeutet Leben. Ohne Wasser können wir nicht überleben, ebenso wenig unsere Tiere und Pflanzen klagt eine Bewohnerin des palästinensischen Dorfes Susya. Die Zisternen des Dorfes wurden in den Jahren 1999 und 2001 von der israelischen Armee zerstört. Die palästinensischen Bewohner müssen seitdem weite Wege zurücklegen um Wasser zu besorgen. Dieses ist oft von zweifelhafter Qualität und überteuert. Viele Dorfbewohner sehen sich gezwungen ihre Heimat zu verlassen. Probleme entstehen auf palästinensischer Seite auch durch das marode Kanalsystem, wodurch große Mengen Wasser aus den veralteten Rohren entweichen und ungenutzt im Boden versickern. Ein zusätzlicher Konfliktherd zwischen Israel und Palästina ist die Frage des Umgangs mit Abwässern auf palästinensischer Seite, denn nur rund 40% der Gebäude sind an die Kanalisation angeschlossen. Eigentum oder Nutzungsrecht? Diese Frage stellt sich immer wieder, wenn Nutzungsberechtigte sich um die Verteilung von Wasser streiten. Im Laufe der Zeit haben sich einige Prinzipien herausgebildet, an denen sich Nutzungen und Kooperationen orientieren. Auf der einen Seite gilt das Prinzip der absoluten territorialen Souveränität (Eigentum), das vor allem von den Oberanrainern als Argument verwendet wird. Auf der anderen Seite wird das Prinzip der Integrität favorisiert, das den Oberanrainern das alleinige Recht über Nutzung und Verteilung des Wassers abspricht und eine Nutzung des Wassers verbietet, die einem anderen Anrainer eine Beeinträchtigung zufügen könnte. Trotz aller internationaler Konflikte, die mit der Wasserverteilung im Zusammenhang stehen, wird zur Lösung dieser Probleme ein internationales, bindendes Recht vermisst. Zwar hat die UN 1997 ein Flussgebietsübereinkommen angenommen, welches Oberanrainerstaaten eine angemessene und vernünftige Wassernutzung (Equitable and reasonable utilization) zugesteht, diese jedoch darauf achten müssen, dass möglichst geringe Nachteile für die Unteranrainer entstehen (Obligation not to cause significant harm). Die für ein Inkrafttreten notwendige Anzahl von Unterzeichnerstaaten (35) wurde jedoch bislang noch nicht erreicht (Stand 2012: 23). Quellen: Geografie heute 169/1999 naturefund.de „Wasser: Schlüssel zu Krieg und Frieden im Nahen Osten (Lutz Dommel, 2002)