Arbeitsblatt: Bewusster Konsum
Material-Details
Karotten Schweiz Holland Schweiz
Wirtschaft, Arbeit, Haushalt
Ökologie
9. Schuljahr
2 Seiten
Statistik
48919
1148
12
14.11.2009
Autor/in
wig (Spitzname)
Land: Deutschland
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Schweiz-Holland retour: Karotten auf langer Reise Monika Balmer saldo 20.11.2002 Schweizer Rahm und Rüebli werden im Ausland verpackt und zum Verkauf wieder in die Schweiz gefahren. Der Umweltschutz bleibt dabei auf der Strecke. Die zarten Baby-Rüebli sehen zum Anbeissen aus. Tieforange und taufrisch wie aus Nachbars Garten liegen sie in kleinen Plastiksäcken abgepackt in der Gemüseabteilung der Grossverteiler. Die Verlockung hat ihren Preis. Coop führt sie unter dem Namen Snack-Karotten zu Fr. 1.80 das 150-Gramm-Päckchen. Die Rüebli aus der Migros sind mit 2 Franken pro 250 Gramm etwas günstiger. Doch die Illusion der taufrischen, knackigen Ware aus Nachbars Garten fällt in sich zusammen, wenn man das Kleingedruckte auf der Packung liest. Der Weg der Karotten bis ins Verkaufsregal ist lang. Sehr lang. Waschanlage liegt 850 Kilometer entfernt Angepflanzt werden die Rüebli der Marke Sugar Snack im freiburgischen Düdingen. Wenn sie eine Länge von 30 Zentimetern erreicht haben, werden sie geerntet, auf Lastwagen verladen und in das über 850 Kilometerentfernte Espel in den Niederlanden gefahren. Die Firma Fresh Valley zaubert aus einer ausgewachsenen Möhre anschliessend drei zarte Baby-Rüebli. Damit sie taufrisch aussehen, gibts vor dem Abpacken ein Eiswasserbad. Im Lastwagen geht es dann über 850 Kilometer zurück in die Schweiz. Migros und Coop rechtfertigen den weiten Transport mit dem Argument, Convenience-Produkte wie die vorgeschnittenen Rüebli seien sehr gefragt. Der Transport habe produktionstechnische Gründe: «Die Produkte werden auf leistungsfähigen Maschinen im Ausland verarbeitet, weil es diese Maschinen – so weit uns bekannt in der Schweiz nicht gibt», sagt Karl Weisskopf, Pressesprecher von Coop. Der Schweizer Markt ist offenbar zu klein, um solche spezialisierte Maschinen genügend auszulasten. Walter Staub von der Migros führt ebenfalls die Zwänge des Herstellungsprozesses an. «Es ist aber unser Ziel, die ganze Wertschöpfungskette mittelfristig in die Schweiz zu bringen.» Alf Arnold, Geschäftsführer der Alpeninitiative in Altdorf UR, kann die Argumentation der Grossverteiler nich tnachvollziehen: «Der Rüebli-Transport ist nur ein Beispiel von vielen unsinnigen Transporten. Als Einzelfallbetrachtet ist er sicher nicht so tragisch, wenn man aber die Summe nimmt, wird schnell klar, wie es zu dem Problem mit dem Schwerverkehr gekommen ist.» Die Alpeninitiative hat deshalb diesen Herbst erstmals einen Preis für unsinnige Transporte vergeben. Preisträger waren die Migros-Tochter Estavayer Lait (Elsa) und die Aargauer Zentralmolkerei (AZM). Beide Firmen transportieren Rahm, der für den Schweizer Markt bestimmt ist, zum Abfüllen nach Belgien und Italien. Alf Arnold hofft, mit solchen Aktionen die Bevölkerung und die Unternehmen zu sensibilisieren. Kürzere Transporte: Direkter Profit für die Umwelt Davon würde auch die Umwelt profitieren: Übers Jahr gerechnet belasten allein die Baby-Rüebli-Transporte von Coop und Migros sowie die Rahmtransporte der Elsa und der AZM die Umwelt mit 83 Tonnen Kohlendioxid und 34 Kilogramm Krebs erregendem Feinstaub.