Arbeitsblatt: Eine Übersicht zur Akkordlehre 2

Material-Details

Akkordverwandtschaften, Einstieg in die funktionale Harmonielehre
Musik
Musiktheorie / Noten
klassenübergreifend
2 Seiten

Statistik

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524
1
04.03.2011

Autor/in

Frank Segner
Land: Deutschland
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Merkblatt: Akkorde 2 1. Einfache Kadenzen Für die Begleitung einfacherer Lieder etwa mit der Gitarre (vor allem in Dur) reichen im Allgemeinen die drei Hauptdreiklänge (Tonika I, Subdominante IV, Dominante V) aus. Die Töne, aus denen diese bestehen, decken den Tonvorrat der Tonart ab. Im Laufe der Zeit haben sich „Formeln der Verwendung der Dreiklänge ergeben, die eine besondere Schlusswirkung erzeugen. Diese „Formeln nennt man Kadenzen. Die Verbindung - - z.B. wirkt als Schluss, vor allem dann, wenn die Tonikadreiklänge in Oktavlage und der Subdominantdreiklang in Quintlage erscheinen, da hier der Grundton der Tonart in der Ober(Melodie-)stimme als ruhender Pol liegen bleibt. Außerdem sorgt die Leittonspannung (Halbtonschritt) zwischen Terz der und Grundton der (in Dur) für eine Schlusswirkung. Eine solche Kadenz nennt man plagale Kadenz oder Plagalschluss (s. NB 1). Eine noch stärkere Schlusswirkung bietet jedoch die Verbindung - - - T, die sogenannte authentische Kadenz bzw. den authentischen Schluss (s. NB 2). Den besonderen Schlusscharakter dieser Klangfolge beruht bei der Verbindung - auf den gleichen Gegebenheiten wie beim Plagalschluss, hinzu kommt jedoch in der Schlussverbindung - T, dass hier die Leittonspannung vom siebten Ton der Tonleiter (Terzton der D) zum Schluss- bzw. Grundton der Tonart (T) ausgenutzt wird. plagal NB1 T8 S5 T8 authent. NB2 T8 S5 D3 T8 2. erweiterte Harmonik: 2.1 Nebendreiklänge Natürlich beschränkten sich die Komponisten nicht auf die Verwendung der Hauptdreiklänge. Sie bezogen die Nebendreiklänge mit ein. Die Funktionsharmonik benennt diese aufgrund ihrer Terzverwandschaft (Mediantik) zu den Hauptdreiklängen als Paralleldreiklänge (Grundton im Abstand einer kleinen Terz von dem des Hauptdreiklangs oder als Gegenklänge (Grundton im Abstand einer großen Terz von dem des Hauptdreiklangs ). Auch hier gilt: Großbuchstabe für Dur, Kleinbuchstabe für Moll: h C/C E/e gis/G h Dreiklänge (#) Dur (ohne #) Moll ( (ohne #) tP dG Sp #TG (Tg) Dp #D sP (D 7) tG ------ (Sg) Tp (D 7) harmonisch Moll natürlich Moll Merkblatt: Akkorde 2, Seite 2 Die stärkere Einbeziehung der Nebendreiklänge in den harmonischen Satz bringt eine stärkere Farbigkeit der Harmonik sowie eine dichtere Verzahnung der Klänge mit sich. Auch die (später noch zu behandelnden) Tonartenwechsel lassen sich mit ihrer Hilfe eleganter und organischer Einleiten. Mit dem Erscheinen etwa der Tp in der authentischen Kadenz statt der schließenden Tonika entsteht auch der spannungsreiche Effekt des Trugschlusses, der häufig als dramatische Wendung eingesetzt wird um die Entspannung in einen Schluss zu verzögern oder einen weiteren Satzkomplex einzuleiten. 2.2 charakteristische Dissonanzen Vierklänge Um den Hauptdreiklangverbindungen noch größere Wirkung etwa im Erzielen von Schlusswirkungen zu verleihen, erweiterte man die Dreiklänge der S/s und der zu Vierklängen. Dies geschah analog zur Bildung der Dreiklänge durch die Hinzufügung einer weiteren Terz zum Dreiklang. Da diese Gebilde immer zwangsweise das Intervall einer Septime (1 3 5 7), also eine Dissonanz beinhalten, haben sie einen höheren klanglichen Reizwert und streben daher nach einer Auflösung. So wurde die zu einem Durdreiklang mit der tonarteigenen kleinen Septime, der sogenannte Dominantseptakkord (D7). Wie man im NB 3a sehen kann, bereichert die Septime die um einen weiteren Leitton, der abwärts zum Terzton der führt, womit die Schlusswirkung deutlich gesteigert wird. Eine ähnliche Erweiterung erfuhr die S, die allerdings um eine Terz unter dem Grundton erweitert wurde, sozusagen also eine Verschmelzung der mit der Sp darstellt. Hierdurch erhält die einen Ton, den sie mit der gemeinsam hat, wodurch die klangliche Verbindung von und weniger springenden Charakter erhält und somit organischer klingt. Da diese neue Verbindung in der Kadenz fast ausschließlich als Stellvertreter der vorkommt, bezeichnet man sie nicht etwa als Sp7 sondern als Subdominante sixte ajoutée (Subdominante mit hinzugefügter Sexte) nach der Namensgebung durch einen wichtigen Komponisten und einen der ersten Theoretiker der funktionalen Harmonielehre, Jean Philippe Rameau (s. NB 3b) NB 3a D7 Sp Sp7 oder S6 NB 4: authentische Kadenz mit charakteristischen Dissonanzen S6 D7 Weitere Dissonanztöne können zur Verstärkung der Klangwirkung und der Auflösungsbestrebungen der Akkorde zum reinen Drei- bzw. Vierklang hinzutreten (etwa 2,4,9). Solche Klänge sind vor allem für die Romantik, die Spätromantik und den Jazz charakteristisch. Auch die Nebendreiklänge können durch Dissonanzerweiterung klanglich bereichert werden. Weitere Möglichkeiten der Klangmanipulation entstehen durch das Verändern einzelner Akkordtöne um einen Halbton (Alteration) oder das Weglassen des Grundtones (Verkürzung).