Arbeitsblatt: Lerntypen

Material-Details

Mit diesem Lerntypen-Test können die Sch. herausfinden, über welchen Lerntyp sie verfügen bzw. wie sie am einfachsten lernen und Stoff aufnehmen können.
Lebenskunde
Persönlichkeitsentwicklung
klassenübergreifend
15 Seiten

Statistik

78413
1193
14
11.03.2011

Autor/in

Michelle Häuselmann
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Wer sich mit Lernen beschäftigt, stößt früher oder später auf die Lerntypentheorie. Diese besagt, dass Lernen über unterschiedliche Wahrnehmungskanäle erfolgt. Lerneffektivität kann nach dieser Auffassung dadurch gesteigert werden, dass der richtige Wahrnehmungskanal beim Einzelnen angesprochen wird. Frederic Vester unterschied vier Lerntypen (1975): den auditiven, den optisch/visuellen, den haptischen und den durch den Intellekt lernenden. Ausgehend von diesen Typen haben sich mit der Zeit viele Autoren diesem Thema gewidmet. In ihrem Artikel Lerntypen?- Ein pädagogisches Konstrukt auf dem Prüfstein setzt sich Maike Looß kritisch mit dieser Typologie auseinander: Bei der Betrachtung der vier Lerntypen fällt auf, dass drei Typen über Wahrnehmungskanäle charakterisiert werden, während der vierte Typ sich auf den Verstehensprozess bezieht. Dies suggeriert, dass der Intellekt bei den anderen drei Typen keine Rolle für Denken oder Verstehen spielt. In der Kognitionswissenschaft gibt es keine Belege für die Existenz solcher Lerntypen oder Lernstile. Sinnesdaten als solche haben keine innenwohnende Bedeutung. Erst der Lernende gibt den Sinnesdaten durch Interpretationen Bedeutung. Je nach Beschaffenheit der Daten erfolgen die Interpretationen unterschiedlich. So liefern Bilder als analoge Repräsentationen von Wirklichkeit dem Einzelnen Informationen über visuell feststellbare Eigenschaften. Wenn es aber darum geht, einen Sachverhalt zu verstehen, der sich auf andere Eigenschaften bezieht (z.B. Gewicht oder Klang), reicht eine visuelle Präsentation nicht aus, um Verstehen zu erzeugen. Verstehen ist in erster Linie ein Bemühen um Bedeutung, womit die semantische Informationsverarbeitung einen zentralen Stellenwert bekommt. (Looß. 2001). In Fachdidaktiken und Schulbüchern tauchen in Zusammenhang mit den Lerntypen immer wieder die Begriffe Lernen mit allen Sinnen, ganzheitliches Lernen und handlungsorientiertes Lernen auf. Looß weist auf die Problematik hin, dass diese Begriffe in Abgrenzung zu kognitivem Lernen benutzt werden. In Bezug auf den Lernprozess sind sie jedoch allenfalls als wünschenswerte Voraussetzungen des Lernens zu betrachten. Die kognitive Verarbeitung von Informationen ist keine Alternative, sondern die Reaktion auf die jeweilige Sinnesstimulation. Ob ein Schüler die unterschiedlich dargebotenen Informationen erfolgreich nutzen kann, hängt in hohem Maße davon ab, ob er in der Lage ist, richtige Verknüpfungen durch Vorwissen herzustellen und Schlussfolgerungen zu ziehen und ob er an Erkenntnis interessiert ist und in der Lage ist, seine Aufmerksamkeit auf die notwendigen Informationen zu richten. Lernbereitschaft kann zwar durch unterschiedliche Methoden geweckt, aber nicht erzwungen werden. Sinnesdaten werden vom Gehirn gespeichert. Wir haben mental eine Vorstellung davon, wie die Dinge klingen, aussehen, riechen, sich anfühlen oder schmecken. Individuell unterschiedlich ist die Ausprägung dieser Vorstellungen, d.h. die Behaltensleistung kann durch die Art der Wahrnehmung beeinflusst werden. Die Beliebtheit der Vesterschen Lerntypen und die daraus entstandenen Didaktiken scheinen Aufschluss über die Art und Weise schulischen Lernens zu geben. Wenn es um reproduzierbares Wissen, um Auswendiglernen geht, können aus den Lerntypen abgeleitete und vermittelte Strategien des Lernens durchaus nützlich und ausreichend sein. Sobald jedoch komplexere Lernleistungen erwartet werden, reicht diese Form des Unterrichtens nicht aus. Möglicherweise spiegeln Untersuchungen wie die TIMS-Studie den Zustand unserer Schulen wider. Statt Problemlösung zu fordern und einzuüben begnügt man sich mit Einprägen und Wiedergabe von Wissen.