Arbeitsblatt: Die Adligen im Mittelalter

Material-Details

Übersichtstext
Geschichte
Mittelalter
8. Schuljahr
1 Seiten

Statistik

86997
730
2
21.09.2011

Autor/in

Irene Antener
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Die Adligen im Mittelalter Wir haben bei der mittelalterlichen Ständelehre gesehen, dass die Adligen ein eigener Stand waren (neben der Geistlichkeit und den Bauern). Ihre Aufgabe bestand darin, das Reich der Christenheit zu beschützen; sowohl gegen äussere Feinde, als auch gegen innere Streitigkeiten. Sie hatten damit das Recht und die Pflicht, mit Waffen, einer Rüstung und einem Pferd in die Schlacht zu ziehen. Diese Aufgabe gab ihnen eine ausserordentliche Machtfülle, und die christlichen Denker und Würdenträger ermahnten die Adligen immer wieder, sich an die christlichen und ritterlichen Tugenden wie Gerechtigkeit, Mässigung oder den Einsatz für die Schwachen zu halten. Im hohen Mittelalter wurde das Ideal vom mutigen, gebildeten und gesitteten Ritter sehr populär. Auch kleine Adlige verstanden sich und ihre Söhne als ehrenhafte Ritter, die für die christliche Sache und die Liebe zu einer schönen, edlen Dame auf einer Burg in den Krieg zögen. Zu dieser Ritterkultur gehörte der sogenannte Minnesang: In Gedichten wurden die heldenhaften Taten im Dienste der schönen Dame besungen. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist das Epos Parzival oder der Dichter Walther von der Vogelweide. Auch die berühmten Ritterturniere gehören übrigens zu diesem Ideal. In der Realität sah es wohl nicht so heldenhaft und romantisch aus, denn das Rittertum blieb zu grossen Teilen ein Ideal, das man beschwor und besang. Im Mittelalter waren Fehden – bewaffnete Streitigkeiten zwischen Adligen – sehr häufig. Auch die Ritter lebten oft in Armut. Wenn sich solche Ritter zusammenschlossen und Angst und Schrecken im Land verbreiteten, sprach man vom Raubrittertum. Die Adligen im Mittelalter beschäftigten sich zudem dauernd mit der Frage, welche Adligen nun höher oder tiefer standen, als andere Adlige. Doch auch diese Frage schien in der Theorie eigentlich beantwortet zu sein, nämlich in der Vorstellung des Lehenswesens. Das Lehenswesen hatte seinen Ursprung darin, dass der König oder Kaiser – der oberste Adlige – seine Gefolgsleuten dafür belohnen musste, dass diese ihn unterstützten, ihm militärische Dienste leisteten und ihm mit Rat zur Seite standen. Als Gegenleistung gewährte ihnen der König Schutz und sorgte für ihren Lebensunterhalt. Dafür verlieh er ihnen auf Lebenszeit ein Lehen. Dies konnte ein Gut sein (Grundbesitz mit Hof und Bauern), ein nutzbares Recht (z.B. Zolleinnahmen ), ein Amt (z.B. Herzog, Markgraf, Pfalzgraf), oder all dies zusammen. Den König bezeichnete man daher als Lehensherr und die hohen Adligen als Kronvasallen. (Vasall Knecht; Dienstherr). Doch nicht nur der König konnte Lehen vergeben. Auch die Kronvasallen verliehen wieder Lehen an sogenannte Untervasallen, also an kleinere Adlige. Mit der Vergabe von Lehen konnte man also niedere Adlige an sich binden, denn Vasall und Lehensherr hatten sich zu gegenseitiger Treue verpflichtet. Dank dem Lehenssystem konnten grosse Territorien militärisch gesichert und verwaltet werden, weil alle mächtigen Personen miteinander verbunden waren. Mit der Zeit entstand auf diese Weise eine komplexe Lehenspyramide mit dem König an der Spitze und den niederen Rittern am unteren Ende der Pyramide. Die Bauern konnten keine Lehen empfangen, geschweige denn solche vergeben. Doch weil sie Teil der adligen Grundherrschaften waren und zu ihren Grundherren ebenfalls in einem Schutz- und Dienstverhältnis standen, kann man auch sie zu dem ganzen System dazurechnen. Wenn man die mittelalterliche Gesellschaft betrachtet, spricht man daher oft von der Feudalgesellschaft (feudum lat. Lehen).