Arbeitsblatt: Eigenverantwortung

Material-Details

Paulo Coelho berichtet über eine Stadt in Holland, die auf Verkehrtszeichen verzichtet! Seit dieser Einführung geschieht das UNGLAUBLICHE - es passieren keine Unfälle mehr.
Lebenskunde
Ethik / Moral
klassenübergreifend
2 Seiten

Statistik

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1215
8
04.11.2011

Autor/in

Rosa Hofer
Land: Österreich
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Paulo Coelho: Vorfahrt für Eigenverantwortung Im Anschluss an einen Vortrag in Den Haag in den Niederlanden wollte mich eine Gruppe von Lesern einladen, ihre Stadt zu besuchen, damit ich ein in Europa einzigartiges Experiment kennen lerne. Ich weiß, was ich von einzigartigen Erfahrungen oder Experimenten zu halten habe; andererseits liebe ich es, mich mit Fremden zu unterhalten. Also machten wir ein Treffen am nächsten Tag aus, da ich erst am Abend nach Paris weiterfliegen musste. Die Leser – zwei junge Frauen und vier Männer – versprachen, mich rechtzeitig zum Flughafen zu bringen und fuhren mit mir in die Stadt Drachten. Sie gingen mit mir in ein Cafe. Während sie ihr Bier tranken und ich meinen Kaffee, schauten sie mich erwartungsvoll an. Doch ich hatte keine Ahnung, was mir hätte auffallen sollen. Nach einer Weile fragte einer von ihnen: Haben Sie nichts bemerkt, was anders ist als sonst? Eine kleine, hübsche Stadt, in der Leute an einem sommerlichen Herbsttag unterwegs waren. Alles war genau wie in allen anderen Städten der Welt auch. Die jungen Leute bezahlten, wir überquerten die Straße, gingen in ein anderes Cafe. Sie baten mich, noch einmal genau hinzuschauen. Ich fand Drachten weiterhin sehr sympathisch und sagte, dass es sich von anderen kleinen Städten Europas in nichts unterscheide. Sie enttäuschen mich, sagte eine der Frauen. Und ich dachte, Sie glauben an Zeichen! Selbstverständlich tue ich das. Und haben Sie hier irgendein Zeichen gesehen? Nein. Aber das ist es ja gerade! Drachten ist eine Stadt ganz ohne Zeichen! Ihr Freund fügte erklärend hinzu: Verkehrszeichen. Und plötzlich bemerkte ich, dass sie vollkommen recht hatten. Es gab weder das berühmte Stop-Zeichen noch Zebrastreifen noch Schilder, die Kreuzungen ankündigen, noch Vorfahrtsschilder. Es gab keine einzige Ampel mit ihren roten, gelben und grünen Lichtern! Und zu meiner Überraschung gab es nicht einmal eine Unterscheidung zwischen Bürgersteig und Fahrbahn. Es war eine Menge los, Lastwagen, Personenwagen, die in Holland überall anwesenden Radfahrer, Fußgänger waren unterwegs – und alles wirkte vollkommen wohlorganisiert in einem Ort, in dem es keine Zeichen gab, die den Verkehr regelten. Ich hörte keinen einzigen Fluch, kein unvermitteltes Bremsen, kein ohrenbetäubendes Hupen. Auf dem Weg zum Flughafen erzählten sie mir etwas mehr über das Experiment, das zugegebenermaßen wirklich einmalig ist. Die Idee stammte von einem Ingenieur, Hans Mondermann. Als er in den siebziger Jahren für die niederländische Regierung arbeitete, machte er sich Gedanken darüber, wie man die ständig steigende Zahl von Unfällen herabsetzen könnte, und kam zu dem Schluss, dass man einfach nur den Fahrern die ganze Verantwortung für ihr Tun überlassen müsse. Mondermanns erste Maßnahme war, sämtliche Durchfahrtsstraßen durch die Dörfer zu verengen, statt Asphalt rote Ziegel zu benutzen, die Mittellinie und Verkehrsinseln wegzunehmen, die Alleen mit Brunnen und schönen Anlagen zu versehen, damit die Leute, die im Stau steckten, etwas zu bewundern hatten. Dann fällte Mondermann seine wohl radikalste Entscheidung: alle Verkehrszeichen wegzunehmen und die Geschwindigkeitsbegrenzung aufzuheben. Die sechstausend Pendler, die täglich durch Drachten fuhren, reagierten zunächst verstört: Wo darf ich abbiegen? Wer hat Vorfahrt? Und so achteten sie doppelt so genau auf das, was um sie herum passierte. Zwei Wochen später lag die Durchschnittsgeschwindigkeit unter den Innerorts erlaubten dreißig Stundenkilometern. Mondermann hatte hoch gepokert: Wenn ein Fußgänger die Straße überquert, wird der Wagen selbstverständlich halten. Unsere Großeltern haben uns höfliches Benehmen beigebracht. Bis heute hat das geklappt. Als ich am Flughafen ankam, war ich mir jedoch sicher, dass Mondemann nicht nur ein vorübergehendes Verkehrsexperiment versucht hatte, sondern etwas sehr viel Tiefergreifendes. Hier seine Begründung: Behandelt man jemanden wie einen Idioten, wird er Regeln befolgen, weiter nichts. Gibt man ihm aber Verantwortung, wird er sie zu gebrauchen wissen. Kategorie: Paulo Coelho, Kolumnen Langenberger impressionen