Arbeitsblatt: Von der Idee zum Drehbuch
Material-Details
Dossier zum Anfertigen eines Drehbuchs für ein Filmprojekt im Fach Deutsch
Deutsch
Anderes Thema
9. Schuljahr
4 Seiten
Statistik
89805
849
9
18.11.2011
Autor/in
Oliver Meckmann
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Deutsch AB 4 Von der Idee zum Drehbuch Filmprojekt – Von der Idee zum Drehbuch Im Folgenden wird es darum gehen, von einer Idee zu einer Geschichte zu kommen. Weshalb brauchst du aber eine Geschichte? Du willst doch einen Film machen! Eine Geschichte brauchst du, weil jeder Film eine Geschichte erzählt. Und die Regeln, nach denen man eine Geschichte erzählt, sind im Grunde genommen immer dieselben. Ganz am Schluss wirst du deine Geschichte in die Form eines Drehbuchs bringen. 1 Die Idee – die Log line Die Idee muss weder sehr originell sein, noch ausführlich. Eine Idee kann man immer haben: bei einem Spaziergang, wenn man auf den Bus wartet, sogar während einer Mathematikprüfung. Das Wichtige ist, dass man eine Idee packt, wenn man sie hat. Die Idee ist nur ein kleines Stückchen einer Geschichte, die erste Rate. Eine Idee könnte zum Beispiel sein: „Ein Junge verliebt sich in ein Mädchen. Oder: „In der Geschichte spielt eine grosse grüne Wiese eine sehr wichtige Rolle. Wenn du auf eine Idee kommen willst, hilft es dir vielleicht die Frage zu stellen: „Was wäre wenn.? Was wäre, wenn sich ein Junge in ein Mädchen verliebt? Was wäre, wenn Ausserirdische in Rothenthurm landeten? Was wäre, wenn die Welt nur noch einen Tag bestehen würde, weil ein Meteor auf sie zusteuert? Um aus der Idee eine Geschichte zu machen, hilft es enorm, wenn man weiss, was es weiter noch zu packen gilt. Und hier kommt eine wichtige Regel: Um aus einer Idee eine Geschichte zu machen, braucht man: 1. Eine Person, um die sich die Geschichte dreht (Protagonist/Protagonistin) 2. Einen Handlungsort, an der die Geschichte spielt (Setting) 3. Ein Problem, eine Aufgabe, welche die Hauptperson zu bewältigen hat (Konflikt) Diese Regel kann eine grosse Entlastung sein, denn sie befreit dich von einer grossen Last, nämlich davon, die superdupereinsAtotaloriginellnochniedagewesene Idee haben zu müssen (die es wahrscheinlich sowieso nicht gibt). Der Protagonist kann ein ganz normaler Junge sein, das Setting ein Dorf im sumpfigen Hochland von Schwyz und der Konflikt, dass der Junge mit einem ganz bestimmten Mädchen zusammenkommen möchte. Diese Idee ist nun wirklich nicht originell, doch entspricht sie etwa der Grundidee von den meisten HollywoodFilmen (das Setting in Hollywood Filmen ist zugegebenermassen ziemlich selten ein Dorf in den sumpfigen Highlands der Innerschweiz, aber ersetze Rothenthurm mit New York, und du bist im Business). Was du bei der Idee noch nicht haben musst, ist die Lösung des Problems, das Ende der Geschichte. Es geht nur drum, dass du irgendwo starten kannst. Wenn du die Idee aufschreibst (also Protagonist, Setting und Konflikt), dann hast du eine sogenannte Log line. Die Log line ist im Präsens geschrieben und zwischen 1 und 3 Sätzen lang. Sie erzählt noch nichts über den Schluss der Geschichte. Sie entspricht in etwa der kurzen Beschreibung eines Films in einer Fernsehzeitschrift. Im Filmgeschäft wird die Log line unter anderem dazu gebraucht, Geldgeber oder Geldgeberinnen für ein Projekt zu finden. Und du brauchst sie natürlich, um daraus die Geschichte zu entwickeln. Deutsch AB 4 Von der Idee zum Drehbuch Auftrag 1.1: Schreibe zu drei Filmen, die du kennst, einen Log line. Beispiel „Herr der Ringe: Setting: Mittelerde Protagonist: Frodo Beutlin Konflikt: Den Ring gilt es zu vernichten, der Weg muss zurückgelegt werden. Log line: Der Hobbit Frodo Beutlin erbt einen goldenen Ring. Er erfährt, dass dieser Ring das gefährlichste Ding in Mittelerde ist. Er macht sich auf den Weg, den Ring zu vernichten. Auftrag 1.2: Nachdem du zu drei Filmen eine Log line geschrieben hast, sollte es für dich kein Problem sein, für deine eigene Idee eine Log line zu schreiben. Der Erste Unterauftrag lautet also: Habe eine Idee! Zweitens: Bring deine Idee in die Form einer Log line. Und zuletzt gehst du zu deiner Lehrperson und lässt dir die Weiterarbeit an deinem Projekt genehmigen. Zum letzten Punkt noch eine Bemerkung: Die Lehrperson funktioniert hierbei als Filmproduzent. Die Filmproduzenten sind jene Leute, welche die grundsätzliche Haltung vertreten, dass die Umsetzung einer Idee viel zu teuer sei. Wenn du also die Idee hast, dass eine Geschichte von einem ganz normalen Jungen handelt, der mit einem ganz normalen Mädchen zusammenkommen möchte, und das alles auf Hawaii spielt, dann rechne damit, dass die Lehrperson einige kritische Fragen zur Finanzierbarkeit eines Drehs auf Hawaii stellt. Doch lass dich von den Fragen auch nicht gleich entmutigen. Eine Topfpalme und ein Sonnenschirm verwandeln jeden Stall in eine super HawaiiInsel. 2 Die Geschichte – das Treatment Mit deiner Log line bist du in der Geschichte schon viel weiter, als du vielleicht denkst. Du hast damit einige Weichen gestellt, die dir den Weg vorgeben, der deine Geschichte nimmt. Das Setting bietet den Rahmen, in der deine Geschichte spielt, der Konflikt gibt die Handlung vor, und der Protagonist oder die Protagonistin bestimmt die Perspektive. Ist das Setting eine mittelalterliche Stadt, dann werden ziemlich sicher keine Autos, keine Maschinengewehre und keine Handys in der Geschichte vorkommen – ausser du willst diesen Regelbruch absichtlich begehen (vielleicht lässt du einen Menschen aus der Gegenwart mit seinem Auto im Mittelalter landen, mit einem Handy in der Tasche und einem Maschinengewehr im Kofferraum). Wählst du als Protagonisten einen ganz normalen Jungen, dann wird dieser wahrscheinlich über keine aussergewöhnlichen Fähigkeiten verfügen, um sein Ziel zu erreichen – ausser du entscheidest dich ganz absichtlich dafür (denke an Harry Potter: ein ganz normaler Junge erfährt, dass er zaubern kann. Du siehst: Bei der Hauptperson und dem Setting kannst du durch Regelbrüche die Geschichte interessant machen, gar den Konflikt in der Geschichte auslösen. Der Kern der Geschichte bildet dabei aber nach wie vor der Konflikt. Wenn der Konflikt darin besteht, dass ein verrückter Professor Deutsch AB 4 Von der Idee zum Drehbuch daran gehindert werden muss, die Welt in die Luft zu jagen, dann wird es in der Geschichte darum gehen, dass versucht wird, einen Professor daran zu hindern, die Welt in die Luft zu jagen. Spinne jetzt also deine Geschichte zu Ende. In einem ersten Schritt kann dir die Frage nach den Charaktere helfen: Gibt es jemanden, der oder die sich dem Protagonisten oder der Protagonistin in den Weg stellt? (Antagonist oder Antagonistin) Hat die Protagonistin oder der Protagonist Leute um sich, die auf ihrer oder seiner Seite stehen? (Alliierte) Gibt jemand dem Protagonisten oder der Protagonistin einen entscheidenden Hinweis oder ein wichtiges Hilfsmittel? (Mentor) Hat der Antagonist oder die Antagonistin eine Gefolgschaft? (Sekundäre Gegnerinnen und Gegner) Wird die Protagonistin oder der Protagonist von jemanden verraten? (Verräterin oder Verräter) Um die Geschichte zu einem Ende zu bringen, musst du dich irgendwann fragen, wie der Konflikt gelöst wird: Wird der Antagonist oder die Antagonistin geschlagen? Merkt der Protagonist im Laufe der Handlung, dass das von ihm angestrebte Ziel das falsche war? (Z.B. In seinem Versuch, das Herz des Mädchens seiner Träume zu erobern, hat der Junge gar nicht gemerkt, dass ein anderes Mädchen viel besser zu ihm passt.) Auftrag 2.1 Sammle all deine Ideen zur Handlung der Geschichte und deren Auflösung in Stichworten. Du weisst jetzt wer was wo will. Weiter hast du eine Vorstellung davon, von wem er oder sie wie daran gehindert wird. Schliesslich weisst du auch noch, wie der Konflikt gelöst wird. Oder anders gesagt: Du hast das Grundgerüst deiner Geschichte. Jetzt musst du sie nur noch aufschreiben, von bis Z. Du musst das Treatment erstellen. Das Treatment ist eine Beschreibung des Films in Prosa. Es kommt keine direkte Rede darin vor. Es ist viel ausführlicher als die Log line und gibt auch das Ende des Films preis. Bei der Lektüre des Treatments muss sich die Leserin oder der Leser den Film vorstellen können, ihn sozusagen gedanklich sehen. In aller Regel ist ein Treatment etwa ein Viertel so lange wie das Drehbuch. Bei einem Spielfilm sind das etwa 20 bis 30 Seiten, bei einem Kurzfilm kann das etwas mehr als eine Seite sein. Achte beim Verfassen deines Treatments darauf, dass du es in einen Anfang, eine Mitte und ein Ende aufteilst. In einem Spielfilm gilt die Faustregel, dass der Anfang etwa 1/4 des Films ausmacht, die Mitte 2/4 und das Ende wieder 1/4. Bei einem Kurzfilm kann sich das etwas verschieben. Die drei Teile sind durch Plotpoints getrennt. Deutsch AB 4 Von der Idee zum Drehbuch Anfang: Protagonist oder Protagonistin wird eingeführt, eventuell auch weitere Charaktere und das Setting Plotpoint 1: Der Konflikt wird erklärt Mitte: Die Protagonistin oder der Protagonist versucht den Konflikt zu lösen, wobei sich ihr oder ihm Probleme in den Weg stellen Plotpoint 2: Der Konflikt wird in irgend einer Weise gelöst Schluss: Wir erfahren, wie der Protagonist oder die Protagonistin mit der neuen Situation umgeht Zwei Beispiele: 1. Anfang: Lena und ihre Freundinnen haben kein Geld, sie müssen deshalb ihr Essen stehlen und so weiter Plotpoint 1: Lena schlägt vor, die Bank im Dorf auszurauben (Konflikt: Wie kommt man in die Bank rein) Mitte: Lena und ihre Freundinnen erstellen einen Plan, wie sie in die Bank einbrechen können und setzen diesen in die Tat um Plotpoint 2: Lena und ihre Freundinnen haben es geschafft, sie haben das ganze Geld aus dem Safe in ihre Taschen gepackt Schluss: Weil ihr Plan nicht beinhaltet hat, dass sie auch wieder aus der Bank raus müssen, werden sie am nächsten Morgen, mit all dem Geld in der Tasche, von der Polizei verhaftet und wandern in den Knast, Lena nutzt die Ruhe und Abgeschiedenheit im Knast, um den nächsten Bankraub zu planen (was aber nur noch angedeutet wird) 2. Anfang: Wir lernen Charly kennen, er geht jeden Tag zur Schule, trifft dort seine Freunde und sieht Karoline, in die er unsterblich verliebt ist Plotpoint 1: Charly entscheidet sich, Karoline seine Liebe zu gestehen Mitte: Charly versucht auf verschiedene Art und Weise, Karoline seine Liebe zu gestehen (Liebesbrief, Ständchen unter dem Balkon, er lässt ihr Blumen ins Klassenzimmer bringen), scheitert aber immer damit (der Liebesbrief geht verloren, er irrt sich im Balkon, anstatt Blumen werden Frösche geliefert) Plotpoint 2: Charly sprayt seine Liebesbotschaft an die Schulhausmauer, wird erwischt und muss ein Semester lang jedes Wochenende nachsitzen Schluss: Charly ist, wie jedes Wochenende, am Nachsitzen, als Karoline durchs Fenster steigt und ihm gesteht, dass sie ihn auch ganz toll findet Auftrag 2.2 Deutsch AB 4 Von der Idee zum Drehbuch Schreibe das Treatment deiner Geschichte. Wenn du dein Treatment hast, setze es in ein Drehbuch um. Siehe AB45 und folgende. Einige Grundregeln zum Drehbuchschreiben: Schreibe direkt auf Schweizerdeutsch, wenn im Film Schweizerdeutsch gesprochen wird (es ist verdammt knifflig, eine gute Übersetzung aus dem Hochdeutschen hinzubringen) Lass die Leute nur sprechen, wenn sie etwas zu sagen haben (ein Tipp, der vielen Leuten auch im realen Leben gut täte) Wenn du etwas mit Bildern sagen kannst, müssen es die Personen im Film nicht auch noch sagen (wenn jemand weint, muss er oder sie nicht noch sagen: „Ich bin ja so etwas von traurig!) Baue nur Dinge in dein Drehbuch ein, die du auch brauchst (muss Figur XY wirklich einen italienischen Akzent haben? oder hast du das nur hineingeschrieben, weil du persönlich den italienischen Akzent so sympathisch findest?)