Arbeitsblatt: Mann Frau Sein

Material-Details

Geschlechterollen, Merkmale der Geschlechter
Biologie
Fortpflanzung / Entwicklung
klassenübergreifend
5 Seiten

Statistik

107864
1233
5
02.12.2012

Autor/in

Jessica Stauber
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

Downloads Arbeitsblätter / Lösungen / Zusatzmaterial

Die Download-Funktion steht nur registrierten, eingeloggten Benutzern/Benutzerinnen zur Verfügung.

Textauszüge aus dem Inhalt:

ATL Frau Mann sein Einleitung Es ist ein Junge! oder Es ist ein Mädchen! ist meistens das erste was Eltern nach der Geburt von ihrem Kind wahrnehmen. Das Geschlecht des Säuglings kann sofort festgestellt werden, oft wurde es sogar während der Schwangerschaft mit Ultraschall erkundet. Das Geschlecht eines Menschen steht bereits bei der Zeugung fest; für das ganze Leben wird dann das Geschlecht ein wichtiger Bestandteil der Persönlichkeit und des Verhaltens. Jeder Mensch hat eine geschlechtliche Identität; nimmt sich selbst als Mädchen oder Bub wahr und später als Frau oder Mann. Je nach Kultur, Alter usw. unterscheiden sich die Ausdrucksformen dieser ATL. Bei diesem ATL geht es aber nicht nur um das Geschlecht oder die Sexualität sondern darum, sich als Mensch zu fühlen. Dies umfasst in erster Linie das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung. Schlüsselbegriffe Beeinflussende Faktoren, Geschlechterrolle, Geschlechtsidentität, Intimspähre, Scham, Schamgefühle, Sexualität, sexuelle Belästigung, sexuelle Orientierung Faktoren die diese ATL beeinflussen, Beispiele Körperliche Faktoren: biologisch-genetsiches Geschlecht Alter Entwicklungsstand Funktion der Geschlechtsorgane, Geschlechtshormone Empfängnisverhütungsmöglichkeiten Körperliche Veränderungen in der Schwangerschaft Körperliche Veränderungen im Klimakterium psychische Faktoren: Selbstbewusstsein Geschlechtsidentität Geschlechterrolle Erziehung Entwicklung der Beziehungsfähigkeit Scham, Schamgefühle Emotionale Umstellung von Frau und Mann in der Erwartung eines Kindes Rolle als Mutter, Rolle als Vater Seelisch reifer werden im Prozess der Lebensspanne Soziokulturelle Faktoren: Normen und Werte Männliche Beschneidungen (Juden, Muslime) Weibliche Klitorisbeschneidungen (wird in vielen afrikanischen Ländern praktiziert) Initiationsriten Rituelle Begleitung bei menschlicher Übergangsphasen, z.B. in die Zeit der körperlichen Reife Monogamie, Polygamie Der Umgang mit sexuell übertragbaren Krankheiten Selbstbewusstsein: Mit diesem Begriff verbinden wir Selbstsicherheit, Selbstwert, Selbstvertrauen oder auch Selbstachtung. Ein Kind erfährt seinen Selbstwert über Lob oder Tadel, in der Schulzeit u.a. über die Bewertung seiner erbrachten Leistungen. Das Selbstwertgefühl entwickelt sich durch Anerkennung oder Ablehnung von Eltern, KameradInnen, Lehrpersonen. In der Pubertät geraten Jugendliche meist in eine schwierige Phase. Oft werden sie mit vielen weitern Anforderungen wie z.B. das Ablösen von den Eltern, der Leistungsdruck in der Schule, Berufswahl, usw. konfrontiert. Das Selbstwertgefühl schwankt oft zwischen Selbstgefälligkeit und Selbstzweifel. Im frühen Erwachsenenalter festigt sich das Selbstwertgefühl meist, die Berufsausbildung ist abgeschlossen evt. ist ein Partner/Partnerin gefunden worden. Schicklsalschläge, Scheidung, Krankheiten usw. können aber immer wieder Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle erzeugen. Das Selbstwertgefühl ist also nicht einfach immer gleich stark, sondern entwickelt sich je nach Situation. Sexualität Definition: Geschlechtlichkeit, Gesamtheit der Lebensäusserungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht, höchste Intimität zwischen zwei Menschen. Schon Neugeborene werden liebkost, gewiegt und gestreichelt und mit ca. 6 Monaten entdecken Kinder, wie sie sich selber durch das Berühren der Geschlechtsteile angenehme Gefühle hervorrufen können. Im Alter von 2 3 Jahren haben Kinder ein Gefühl dafür entwickelt, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sind. Im Vorschulalter richtet sich das Interesse vermehrt dem anderen Geschlecht zu. In Doktorspielen und Mutter-Vater-Kindspielen befassen sie sich mit dem Körper anderer Kinder. Im Alter von 4 6 Jahren beschäftigt die Kinder oft die Frage, woher die Babys kommen. In diese Lebensphase fällt auch die Abgrenzung zum anderen Geschlecht und die erste Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Tabus (z.B. nicht nackt herumlaufen). Die Pubertät beginnt mit dem Auftreten der sekundären Geschlechtsmerkmale und endet mit der Geschlechtsreife. Jugendliche experimentieren in dieser Zeit oft mit verschiedenen Möglichkeiten, ihre Geschlechtlichkeit auszudrücken z.B. Masturbation, sexuelle Kontakte mit dem eigenen oder anderen Geschlecht usw Erwachsene können durch vielfältige Formen sexuellen Verhaltens die geschlechtsbezogenen Erwartungen der Gesellschaft erfüllen oder durchbrechen, Kinder zeugen, eine Familie gründen oder auch nicht. Abgesehen vom eigentlichen Geschlechtsakt gehören noch viele weitere Ausdrucksformen der Sexualität zu den Menschen. Hier nur wenige Beispiele: das äussere Erscheinungsbild, die Art und Weise sich zu kleiden und zu flirten, der persönliche Umgang mit Zärtlichkeiten, der sprachliche Ausdruck, uvm. Es gibt verschiedene Arten, die eigene Geschlechtlichkeit auszudrücken: Heterosexualität: Dies ist die häufigste Form sexueller Ausrichtung und sie orientiert sich eindeutig am anderen Geschlecht, das heisst, Frauen fühlen sich zu Männern hingezogen und Männer zu Frauen. Homosexualität: Diese Variante sexueller Orientierung ist mit ca. 10% in der Bevölkerung vertreten. Diese Menschen fühlen sich zu gleichgeschlechtlichen Partnern hingezogen, das heisst, Frauen zu Frauen (Lesben) und Männer zu Männer (Schwule). Bezüglich Diskriminierungen haben Homosexuelle eine lange Geschichte hinter sich. Sie wurden oft Bedrohungen und Gewalt ausgesetzt, sie wurden als psychisch krank und als kriminell bezeichnet. Viele der diskriminierenden Ansichten sind heute noch aktuell und sie erschweren die Lebensbedingungen der Homosexuellen. Die allgemeine Haltung gegenüber den Schwulen und den Lesben wird aber in der westlichen Welt zunehmend liberaler. Bisexualität: Bei dieser Form sexueller Ausrichtung fühlen sich die Betroffenen zu beiden Geschlechtern hingezogen. Transsexualität: Bei Transsexuellen hat sich eine Identität entwickelt, die zum körperlichen Geschlecht im Widerspruch steht. Sie sind körperlich eindeutig weiblich oder männlich, fühlen sich jedoch psychisch in jeder Hinsicht dem anderen Geschlecht zugehörig. Bei diesen Menschen ist oft ein grosser Leidensdruck vorhanden. Es besteht der Wunsch nach hormoneller und chirurgischer Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen. Transvestismus: Diese Menschen haben die Neigung, Kleider, Schuhe und Perücken des anderen Geschlechts zu tragen. Dieses Bedürfnis ist mit sexueller Erregung verbunden. Geschlechtsidentität bedeutet das Bewusstsein und die Überzeugung einem bestimmten Geschlecht anzugehören, sich als Mann oder Frau zu fühlen. Die Geschlechtsidentität entwickelt sich schon in den ersten Lebensjahren und bleibt dann meist stabil. Dabei spielt neben den biologischen Faktoren die Erziehung eine grosse Rolle. Mit der Geschlechterrolle sind Verhaltensweisen gemeint, die in einer Kultur für ein bestimmtes Geschlecht als typisch oder akzeptabel gelten. Obwohl die Gleichberechtigung schon seit Jahrzehnten angestrebt wird, gibt es in unserer Kultur auch heute noch klare Vorstellungen, wie eine Frau oder ein Mann sich verhalten soll. Dies ist aber nicht nur negativ zu sehen, besonders Kinder benötigen in der Entwicklung ihrer Identität eindeutige Vorbilder. Auf der anderen Seite bergen diese Rollenbilder aber auch Gefahren. So sind in unserer Gesellschaft Frauen und Männer rechtlich zwar gleich gestellt, Frauen werden aber immer noch bei Beförderungen übergangen, für gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt usw. Männer hingegen finden oft keine Teilzeitstellen um mehr Zeit für ihre Familie zu haben und werden als Hausmänner ausgelacht oder ignoriert. Um solche und andere Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und dagegen vorzugehen, wurde 1988 das eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann gegründet (www.equality-office.ch). Der Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung und das Gleichstellungsgesetz bilden die Grundlage für ihren Auftrag. Ziel ist die Förderung der Gleichstellung der Geschlechter in allen Lebensbereichen und die Beseitigung jeglicher Form direkter und indirekter Diskriminierung. In anderen Kulturen wird die Rolle der Frau und des Mannes anders ausgelegt. So werden in Japan auch heute noch viele Frauen vorrangig zum Dienen gegenüber ihren Eltern, dem Mann, den Kindern und dem Beruf erzogen. Im Islam verhüllen Frauen ihren Körper zum eigenen Schutz und um die Männer nicht zu reizen. In einigen Ländern Afrikas werden Mädchen noch heute beschnitten um ihre sexuelle Erlebnisfähigkeit einzuschränken. Unterstützung und Förderung der ATL Umgang mit Scham/Schamgefühlen: Scham meint ein auf Schutz und Distanz bedachtes Sozialverhalten, das die Personenwürde und Unantastbarkeit der Intimsphäre sichert. Bei der Körperpflege berühren Pflegende Patientinnen und Patienten an Stellen, die normalerweise nicht von fremden Menschen berührt werden, ausser in einem sexuellen, intimen Zusammenhang. Die Intimpflege ist eine der vielen Situationen, in denen häufig Schamgefühle entstehen. Das Schamgefühl ist, auf den Körper bezogen, kulturell unterschiedlich ausgeprägt. In Schweden sieht man an öffentlichen Badeplätzen Männer und Frauen, die nackt ihr Sonnenbad geniessen. Auf der anderen Seite dürfen streng gläubige Muslimas nur verhüllt an die Öffentlichkeit, damit sie die Männer nicht durch ihre weibliche Körperformen aufreizen. Schamgefühle und die Art, wie sie zum Ausdruck kommen, sind also immer im Zusammenhang mit den kulturellen Normen und Werten einer Gesellschaft zu sehen. Scham kann sich unterschiedlich äussern, z. B. als Wut, als Angst, in aggressivem Verhalten, in regressivem Verhalten. Als Pflegende bemühen wir uns, Verletzungen des Schamgefühls möglichst zu vermeiden. Es ist deshalb wichtig, dass wir den Patientinnen und Patienten das Gefühl vermitteln, in ihrer Individualität respektiert zu sein. Ein konsequentes Schützen der Intimsphäre ist dabei selbstverständlich. Auch bei Pflegepersonen entstehen oft Schamgefühle wenn sie in die Intimsphäre von Patientinnen und Patienten eindringen. Offenheit, aber auch Diskretion, können helfen, mit der Situation umzugehen. Intimsphäre Die Intimsphäre ist der ganz persönliche und vertrauliche Lebensbereich eines Menschen, nicht nur bezüglich der Sexualität. Intimität ist ein gegenseitiges Gefühl de Akzeptanz, der fürsorglichen Verpflichtung, der behutsamen Zuwendung des Vertrauens.(Masters, Johnson 1990, S.206) Im Spital ist es meist schwierig, den Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Intimität ausleben zu können. Oft leben die Patienten in Mehrbettzimmern mit völlig fremden Menschen auf engstem Raum. Es ist deshalb besonders wichtig, von Seiten der Pflegenden alles zu unternehmen um die Intimsphäre des Einzelnen so gut wie möglich zu schützen. Hier einige Beispiele: • Klopfen Sie deutlich an, bevor Sie ein Zimmer betreten. • Verrichten Sie wenn möglich mehrere Tätigkeiten auf ein Mal. Dies erfordert eine gute Planung. Die Patientin der Patient sollte nicht unnötig gestört werden. • • • Nehmen Sie die Bettdecke nie ohne Vorankündigung weg. Verwenden Sie als Sichtschutz Vorhang oder Paravent. Decken Sie bei der Ganzkörperwäsche nur immer einen Teil des Körpers auf und decken Sie den Patienten so schnell wie möglich wieder zu. • Fragen Sie vor jedem Griff ins Nachtschränkchen oder in den Schrank um Erlaubnis. • Werfen Sie nichts weg, ohne die Patientin den Patienten zu fragen. • Wenn Sie mit der Patientin dem Patienten persönliche Gespräche führen, weichen Sie in ein anderes Zimmer aus oder bitten Sie MitpatientInnen für eine Weile heraus. • Achten Sie darauf, dass der Patient die Patientin beim Verlassen des Zimmers einem Morgenmantel und Hausschuhe trägt, vor allem, wenn er sie ein Flügelhemd trägt. • Sprechen Sie bei den Geschlechtsteilen von Penis und Vagina, benutzen Sie keine Ausdrücke aus der Umgangssprache oder Babysprache. • Tragen Sie bei der Intimpflege Handschuhe. • Bitten Sie bei Benutzung des Toilettenstuhls und des Steckbeckens wenn möglich andere PatientInnen aus dem Zimmer heraus, lüften Sie anschliessend ausgiebig, schützen Sie PatientIn vor Kälte und Zugluft. Sagen Sie niemals (z.B. vor einer Untersuchung oder Operation): das ist nicht so schlimm oder es wird schon nicht wehtun. Alle diese Verhaltensweisen drücken den Respekt vor der Persönlichkeit der Patientin, des Patienten aus. Umgang mit Sexualität Das Thema Sexualität steht am Ende des 20. Jahrhunderts so stark in der Öffentlichkeit wie nie zuvor. In der Werbung, in Diskussionssendungen im Fernsehen, im Internet überall ist Sexualität ein Thema und doch fällte es den meisten Menschen schwer, offen über Sexualität zu sprechen. Dies kann zu einer starken Verunsicherung und Stress führen, besonders wenn die eigenen Vorstellungen von Sexualität nicht den Anforderungen der Glanzwelt der Medien entspricht. Auch im Berufsalltag sind Pflegende oft mit dem Thema Sexualität konfrontiert. Engste und intimste Kontakte gehören zum Alltag. Sexuelle Fantasien, Empfindungen und Handlungen sind bei Patienten und Pflegenden zu beobachten und lösen oft Scham, Peinlichkeit und Schuld, aber auch Lust aus. Um mit der Sexualität im Berufsalltag umgehen zu können, ist es wichtig: • einen positiven Umgang mit seiner eigenen Sexualität zu haben • Toleranz gegenüber andersartigen Überzeugungen bzw. der Geschlechtlichkeit • ein umfangreiches Wissen über den menschlichen Körper und seine Reaktionen zu haben, • sich Mitverantwortlich zu fühlen, dass die Sexualität von Betagten, Behinderten und Kranken nicht eine behinderte Sexualität ist, • sensibel auf Bedürfnisse zu achten, Grenzen setzten, wo nötig Distanz zu wahren und Freiheiten zu gewähren • offen zu sein für die Probleme der Betroffenen, wie auch für Informationen aus der Forschung, damit neue Erkenntnisse allen zugute kommen. Alter und Sexualität Die Sexualität ist auch im Alter ein Bestandteil der Gesamtpersönlichkeit, ein Lebensbestimmender Faktor und eine Quelle physischen und psychischen Wohlbefindens. Sie ist ein Teil der Lebensbiographie; sie hat eine vielschichtige Bedeutung und Auswirkung für und auf den einzelnen Menschen. Das Verlangen nach Erotik, Lust und Zärtlichkeit ist ein biologisches Grundbedürfnis, das ein Leben lang besteht. Damit verbunden ist die Fähigkeit, sich in jemanden zu verlieben und der Wunsch ihm auch körperlich nahe zu kommen. Dies beinhaltet auch das Bedürfnis nach Nähe, Wärme, Vertrauen, Austausch, Berührung und Gemeinsamkeit, Wohlbefinden und Glück. Aber Sexualität und Alter war und ist immer noch ein schwieriges Thema, das oft tabuisiert wird. Aus dem Blickwinkel unserer Kultur sind Alter und Sexualität nicht kompatibel: Sexualität ist der Anfang, das Alter das Ende. Sexualität ist jung, schön, farbig, schöpferisch, flexibel, schnell, Alter in allem das Gegenteil. Im Rahmen einer Studie über Alterssexualität des Pharmakonzerns Pfister wurde ein Umfrage bei 26000 Menschen zwischen 40-80 Jahren in allen fünf Kontinenten gemacht. Dabei wurde festgestellt, dass in dieser Gruppe der Wunsch nach Sexualität, aber auch die gelebte Sexualität weit höher ist als angenommen. Liebesbeziehungen und Sexualität im Heim ist ein wichtiges Thema. Der Alterungsprozess führt zu einer Veränderung der körperlich sexuellen Reaktionen. Bei der Frau nimmt der Östrogenspiegel ab, was zu vermehrter Trockenheit der Vagina führt beim Mann führt der tiefere Testosteronspiegel zu längeren Stimulationsphasen bis es zur Erektion kommt. Diese körperlichen Veränderungen mindern jedoch nicht die Qualität einer sexuellen Beziehung. Sexualität im Alter kann ebenso lustbetont wie genussvoll, erfüllend und befriedigend erlebt werden. Was können Pflegende tun? • Hinterfragen Sie eigene Haltung zur Alterssexualität, versuchen Sie evtl. Vorurteile abzubauen. • Respektiere sie Privatsphäre und lassen Sie diese zu, z.B. durch räumliche Veränderungen. • Bauen Sie Kontrolle und Beobachtung ab. • Lassen Sie Flirten unter den Bewohnern zu und machen Sie dies nicht lächerlich. • Entwickeln Sie Feinfühligkeit und Respekt im Umgang mit sexuellen Empfindungen und Gefühlen. • Bauen Sie Vertrauen auf und gewähren Sie Diskretion. • Gestalten Sie Berührungen wertschätzend, vermeiden Sie Lieblosigkeiten. • Setzen Sie klare Grenzen, z.B. keine sexuelle Kontakte zwischen Pflegepersonen und Bewohner, Schamgefühle und Privatsphäre von Mitbewohner müssen geschützt werden, Gewalt sollte in jeder Form verhindert werden, Aidsprävention, Prävention von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, Verhütung von Schwangerschaft beachten. Welche Angebote wären möglich? • Wohnformen flexibel gestalten und dadurch Geborgenheit fördern. • Bewohner könnten ein Schild „Bitte nicht stören aufhängen. • • • • Unterstützung und Beratung bei „sich schön machen. Verhütungsmittel zum Thema machen, da wo es nötig ist. Sinnlichkeit unterstützen, z.B. durch Begegnung mit Kunst (Musik, Tanz, Bild) Beginn und auch Ende einer Liebesbeziehung ernst nehmen mit all ihre Konsequenzen, d. h. auch bei Unsicherheiten und beim trösten beistehen. Sexuelle Belästigung Definition Sexuelle Belästigung zeichnet sich dadurch aus, dass sie durch ihren aufdringlichen und unerwünschten Charakter bei der betroffenen Person ein Gefühl der Herabschätzung und Demütigung hervorruft. Sexuelle Belästigung geschieht hauptsächlich (aber nicht ausschliesslich) durch Männer gegenüber Frauen. Es geht dabei um Verhaltensweisen, durch die Personen abgewertet werden und in eine unterlegene Position gezwungen werden. Primär geht es bei sexuellen Übergriffen nicht um Sex, sondern um Macht, Erniedrigung und Demütigung. Formen von Belästigung • Anzügliche und peinliche Bemerkungen • Sprüche und Witze, die eine Person aufgrund ihres Geschlechts beleidigt • Pornographische Bilder in allgemeinen Räumen • Unerwünschte Körperkontakte und aufdringliches Verhalten • Wiederholte unerwünschte Einladungen die zweideutig sind • Annäherungsversuche, die mit Versprechen von Vorteilen oder Androhen von Nachteilen einhergehen Zu den gesetzlichen Straftaten zählen: (schweizerisches Strafgesetzbuch) • Abhängigkeit/Ausnützung der Notlage (Art. 188 Art. 193) • Sexuelle Nötigung (Art. 189) • Vergewaltigung (Art. 190) • Schändung (Art. 191) • Exhibitionismus sexuelle Belästigung (Art. 194 Art. 198) • Pornographie (Art. 197) Sexuelle Belästigung kann überall stattfinden, z.B. im Wald, auf der Strasse, im Schwimmbad wie auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Park oder in der Schule. Auch im Arbeitsbereich kann sexuelle Belästigung auf viele Arten vorkommen, z.B: • • • ein Patient (oder eine Patientin) der (oder die) anzügliche Bemerkungen macht ein Arzt, (es kann auch eine Ärztin sein) der Pflegende immer wieder unaufgefordert berührt ein Pfleger, der immer wieder frauenfeindliche Witze erzählt usw. Was unterscheidet ein Kompliment oder einen kleinen Flirt von einer sexuellen Belästigung? Barbara Dahinden, Beraterin beim Nottelefon Zürich sagt dazu: „Wenn eine Frau ihrem Gefühl vertraut, merkt sie schon, wenn etwas nicht stimmt. Wer sexuell belästigt wird, fühlt sich erniedrigt, gedemütigt und zum Objekt gemacht. Dazu kommt die Angst, der Macht eines Mannes ausgeliefert zu sein. Ein Belästiger ist keineswegs immer der grosse Unbekannte. Oft sind es auch Familienangehörige, Freunde, Kollegen oder Bekannte. Falls Sie betroffen sind: • Haben Sie den Mut und reagieren Sie! Zeigen Sie Ihr Unbehagen und sagen Sie „nein! • Handeln Sie rasch und zögern Sie nicht, Hilfe zu beanspruchen. • Sie müssen Sich nicht rechtfertigen oder auf Diskussionen einlassen. • Es ist empfehlenswert, wenn Sie sich zur Unterstützung an eine Vertrauensperson wenden. • Machen Sie sich keine Selbstvorwürfe, Sie sind nicht für das Fehlverhalten anderer verantwortlich Es ist Ihr gutes Recht sich zu wehren. Es geht um die Achtung ihrer persönlichen Grenzen. Indem Sie rechtzeitig handeln, schützen Sie sich in Ihrer persönlichen Integrität. Dadurch vermeiden Sie negative Folgen in Ihrer persönlichen Entwicklung Oftmals wehrt sich das Opfer nicht, z.B. aus Angst, als prüde, empfindlich oder humorlos zu gelten. Viele ignorieren die Belästigungen – was dann oft als Zustimmung gedeutet wird. Die Folgen sexueller Belästigung auf die psychische und physische Gesundheit können schwerwiegend sein. Glossar Exhibitionismus Entblössung der Geschlechtsteile in der Öffentlichkeit zur Triebbefriedigung Integrität Unversehrtheit, Unberührtheit Interaktion, -en wechselseitige Beziehung, aufeinander bezogenes Handeln, gegenseitige Beeinflussung Masturbation Selbstbefriedigung Östrogenspiegel Vorhandenes weibliches Sexualhormons Regressives Verhalten Sich zurückziehen Testosteronspiegel Vorhandenes männliches Geschlechtshormon Quellen: Thiemes Pflege, 10. Auflage Die Elemente der Krankenpflege, Nancy Roper, RECOM Verlag, Basel Pflege, L.Juchli, Thieme Verlag, 1997 Zeitschrift Altenpflege, Oktober 99, Artikel: Wohlbefinden von K. Starke, Sexualwissenschaftler Alter und Sexualität, P. Otto und U. Hauffe, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2003 Sexualität im Alter, Artikel im AZ 9.11.2001, Gertrud Amstutz Broschüre: „Nein sagen der Universität Basel Merkblatt: Mobbing und Sexuelle Belästigung, Kanton Aargau,2004 Artikel: Die grosse Last der Belästigung, Marianne Siegenthaler, Brückenbauer Nr.21 20.5.03