Arbeitsblatt: Leseverständnis zu einem Blog-Eintrag

Material-Details

"Lasst die Kinder länger im Bett!" Blog aus dem TA vom 29.09.2012 mit Verständnis- und Diskussionsfragen
Deutsch
Lesefertigkeit
9. Schuljahr
1 Seiten

Statistik

108924
968
17
21.12.2012

Autor/in

Erika Ambühl
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Andrea Fischer am Dienstag den 25. September 2012 Lasst die Schüler im Bett! 5 Sie sind angeboren. Zumindest als Anlage: Augenringe. Die dunklen Pölsterchen unter dem Unterlid, die einem vielsagende Blicke einhandeln. Schlafzimmerblick sagen die Leute dazu, wenn sie nett sind. Etwas weniger glamourös ist es, wenn einem frühmorgens im Zug ein Junkie mitfühlend fragt, «Ui, und auf was bis Du abgestürzt?» Oder ein Studienkollege, «Ach, jetzt weiss ichs: Du bist doch die, die immer müde aussieht, von dir habe ich auch schon gehört.» 10 Egal, wie man es dreht und wendet, ich hatte auf jeden Fall schon Augenringe, als Horst Tappert noch als Derrick alias «Kommissar Beutelauge» in die Wohnzimmer linste (siehe Bild unten). Könnte ich mit Kinderfotos beweisen. Bloss wozu? – Ich habe mich längst daran gewöhnt. Ein Bisschen fies ist nur, dass auch meine Tochter zu Augenringen neigt. Und sie ist noch lange nicht ausgesöhnt mit diesem anatomischen Detail. 15 20 25 30 35 Besonders genervt ist sie, wenn sie mal wieder völlig übermüdet ist, weil abends das Einschlafen nicht gelingen wollte. Denn zu Bett geht sie theoretisch immer zur selben Zeit, nur ihr Gedankenkarussell arbeitet nun mal nicht nach Stechuhr. Ich verstehe ihren Frust, weiss ich doch noch allzu gut, wie bemühend es ist, wenn einem der Hinterste und Letzte ansieht, wie man geschlafen hat – und auch noch darüber reden will. Wie alle Mütter möchte ich, dass meine Kinder genug schlafen und den Tag ausgeruht in Angriff nehmen können. Umso mehr versetzt es mir einen Stich, so deutlich zu sehen, wenn es nicht geklappt hat. Dennoch. Übermüdete Kinder einfach früher zu Bett zu schicken, bringt etwa soviel, wie Wasser in den Rhein zu schütten. Dann liegen sie einfach noch länger schlaflos rum und ärgern sich und die Eltern damit. Und zwar auch dann, wenn alle Ratgebertipps wie «nicht fernsehen», regelmässige Rituale, Honigmilch und so weiter und so fort abgefeiert werden. Es drängt sich demnach auf, die Lösung mal am Morgen statt am Abend zu suchen. Etwas später zur Schule, etwas langsamer aufstehen, das wäre doch was. Und tatsächlich, bei meiner Suche nach dem vermeintlich Abwegigen, bin ich darauf gestossen, dass das gar nicht so absurd ist, wie ich gemeint hatte, da ich wieder mal in meine innere romantische Bauernfalle getappt war: Etwas in mir hält mir dann vor, die Bauernkinder hätten das doch auch gemusst, hart chrampfen, um vier aufstehen, Milch ab der Kuh trinken und trockenes Brot essen – wäre ja gelacht, wenn unsere das nicht auch hinkriegen. Auf jeden Fall bin ich auf eine Studie – hallelujah! – gestossen, die mir recht gibt: Für die meisten Kinder wäre ein späterer Schulanfang gesünder. Die Studie besagte: Wenn Schüler nur schon eine halbe Stunde länger schlafen dürften, wären sie leistungsfähiger, weniger übermüdet und deprimiert. Eine Berliner Schule hat demnach im Winter den Schulbeginn erfolgreich auf 9 Uhr verlegt. Ich fände das ausgezeichnet. Erst recht in der Sekundarstufe. Man hat nämlich herausgefunden, dass sich gerade bei Teenies der Schlafrhythmus nochmals in Richtung später ins Bett gehen und länger schlafen verschiebt. Doch ausgerechnet dann verschiebt sich der Schulanfang in genau die gegenläufige Richtung. 40 Eine entsprechende Anpassung der Schulzeiten tönt also sehr verlockend. Und verspräche viel weniger Morgenhektik für alle. Aber sie wird vermutlich nicht Schule machen, ist doch unser ganzes Arbeitsleben auch acht-bis-fünf-gepolt. Die meisten Eltern müssen auch früh raus, und da ist es am einfachsten, wenn die Kids dann ebenfalls losgehen, dann weiss man wenigstens, dass alles klappt. Aber man könnte das alles auch weiter spinnen. Warum nicht allgemein später anfangen zu arbeiten? Weil dann der Feierabend kürzer wird? Mal Hand aufs Herz: Was tun die meisten abends? Fernsehen. Davon eine halbe Stunde abzuschnipseln und dafür den Tag schon nach dem Aufstehen zu geniessen, statt erst um fünf, wäre doch auch nicht ohne, oder? 5 Wird wohl nicht wahr werden, denn dann müsste ja auch die gute alte «Tagesschau» verschoben werden und der Abendfilm. Eher wandert das Matterhorn freiwillig nach Italien ab. Also heisst es bei uns im Bad weiterhin: Augengel drauf am Morgen und tüchtig Grundierung und meiner Tochter zeigen, wie man trotz Augenringen halbwegs frisch daherkommt. Beantworte folgende Fragen schriftlich in dein Deutschheft. Formuliere ganze Sätze und führe deine Überlegungen aus. 10 a. Weshalb kann die Tochter trotz frühem Zubettgehen nicht einschlafen? b. Was bedeutet die Redewendung „Wasser in den Rhein schütten? c. Welche Tipps werden im Text erwähnt, um besser einschlafen zu können? d. Welche Rituale pflegst du vor dem Einschlafen/Zubettgehen? e. Was wurde in der erwähnten Studie herausgefunden? 15 f. Merkst du einen Unterschied in deiner Leistungsfähigkeit, wenn du eine Lektion später Schule hast? g. Weshalb ist unser ganzes Arbeitsleben auf acht-bis-fünf-gepolt? Erkläre diese Aussage. h. Weshalb „leidet der Feierabend unter einem späteren Beginn am Morgen? i. Welche weiteren Änderungen im Tagesablauf würden sich ergeben? Nenne mindestens drei weitere Beispiele. j. Wie wahrscheinlich ist eine solche Änderung? 20 k. Was denkst du über die Thematik? Schreibe einen kurzen zusammenhängen Text (ca. eine halbe A4-Seite), welcher deine Meinung ausdrückt. Vergiss dabei nicht, auch Argumente anzubringen.