Arbeitsblatt: Aufklärung in der Schweiz

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Übersicht über die Aufklärung in der Schweiz im 18. Jh.
Deutsch
Leseförderung / Literatur
11. Schuljahr
2 Seiten

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09.05.2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Zum 18. Jahrhundert: Die Schweiz ist im 18. Jahrhundert literarisch fruchtbar (Haller, Bodmer Breitinger u. Gessner). Albrecht v. Haller (1708 1777) war Berner Patrizier, Mediziner, Botaniker, Mathematiker. Er verzichtete auf den Ruhm einer europ. Berühmtheit in Göttingen, um in Bern eine kleine Stellung zu bekleiden. Seine Dichtung war in Bern verpönt. a) Jugenddichtung: In den „Alpen, einem umfangreichen, von Brockes inspirierten Gedicht, erschliesst er das Hochgebirge für die Dichtung. Im Gegensatz zu Brockes liebt er auch das Gigantische in der Natur. Indem er den unschuldigen, einfachen Bergbewohner gegen den degenerierten Städter ausspielt, die Natur gegen die Kultur, ist er ein Vorläufer Rousseaus. Das unvollendete Gedicht „Über die Ewigkeit ist aus der Erschütterung über die modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse entstanden, die Haller nicht zum Atheismus, sondern zu de mütiger Frömmigkeit führen (Unendliche Grösse Gottes, Nichtigkeit des Menschen) b) Altersdichtung: Im Alter schreibt er politische Romane gegen das demokratische Denken, das er für falsch hält. In seinem Tagebuch unterzieht er sein Glaubensleben der Kritik. Zu Johann Jakob Bodmer: Die höchste literarische Form ist für Bodmer das heilige Epos in Hexametern. Er hat selbst einen „Noah in 1000 Hexametern verfasst Bodmer entdeckte das Mittelalter als literar. Wunderwelt. Er gab die manessische Handschrift heraus und entdeckte die Handschrift des Nibelungenliedes. Bodmer wurde am 19.7.1698 in Greifensee bei Zürich geboren. Nach seinem Studium der Theologie und einer Ausbildung zum Kaufmann war er von 1725 bis 1775 Professor für helvetische Geschichte und Politik am Gymnasium Zürich, ab 1737 zudem Mitglied des Großen Rats der Stadt. Gemeinsam mit seinem Freund Johann Jakob Breitinger vertrat Bodmer eine Ästhetik, die in deutlicher Gegenposition zu Johann Christoph Gottsched auf der schöpferischen Phantasie des Künstlers und auf der Darstellung des Wunderbaren fußt. Als Neuentdecker der mittelhochdeutschen Dichtung sowie als Übersetzer Homers und Miltons ist Bodmer bedeutsam. Am 19. Juli 1783 starb er auf Gut Schönenberg nahe Zürich. Zum 18. Jahrhundert: II Eine religiöse Bewegung, im 17.Jhdt. entstanden, erreichte im 18. ihren Höhepunkt, nämlich der Pietismus, eine protestantische Mystik. Es war eine Gegenbewegung zur sog. Orthodoxie, d.h. zur erstarrten Rechtgläubigkeit des damaligen Luthertums. Die Pietisten wollten Gott nicht nur aus der Bibel, sondern persönlich durch das Gefühl erfahren. Durch Frömmigkeitsübungen wollten sie einen Zustand völliger Zerknirschung herbeiführen, um so die sündige Seele der unmittelbaren göttlichen Eingebung würdig zu machen. Deshalb beobachteten und pflegten sie sorgfältig alle inneren Regungen, und es entwickelte sich so eine Gefühlskultur. Der Pietismus pflegte das Kirchenlied und schuf eine besondere Sprache (heute als Sprache Kanaans verspottet). Vergl. die Kirchenlieder von Gerhard Tersteegen und des Grafen von Zinzendorf! Die pietistische Gefühlskultur wurde nun auch auf den weltlichen Bereich übertragen und wurde so zur Empfindsamkeit, deren Wurzeln auch zum Teil in den nichtpolitischen Schriften von Jean Jacques Rousseau zu finden sind. Überströmende Gefühle zeigten sich vor allem im Erlebnis der Natur, der Liebe und der Freundschaft. Mit der Empfindsamkeit hängt die Beliebtheit des Tagebuches zusammen. Pietismus und Empfindsamkeit sind als Gegenströmung gleichzeitig mit der rationalistischen Aufklärung wirksam. Klopstock, Friedrich Gottlieb geb. 2. Juli 1724 in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) Vater Beamter in Diensten eines Fürsten Theologiestudium 1748 Veröffentlichung der ersten drei Gesänge des „Messias (Heldengedicht in Hexametern) legt Grund für grossen Ruhm 1748 Hauslehrer bei Verwandten unglückliche Liebe zur Kusine Maria Sophia Schmidt ( Fanny) 1750 auf Einladung Bodmers in Zürich; dieser enttäuscht, da K. zu lebensfroh (tanzt!) 1751 nach Dänemark; Pension vom dänischen König mit der Auflage, den „Messias zu vollenden 1754 Heirat mit der Hamburger Kaufmannstochter Margareta Moller ( Cidli) Sie stirbt bereits vier Jahre später. 1770 wird K.s Gönner (der Minister Bernstorff) vom dänsichen König all seiner Ämter enthoben; K. zieht nach Hamburg 1771 Veröffentlichung der „Oden in Buchform (vorher in Zeitschriften); grosser Freundeskreis, viele Besucher 1792 Ehenbürger der französischen Republik 1803 4. März: Tod Grosse Wirkung auf die zeitgenössische Dichtung (Formen, Ton, Sprache). Ohne Klopstock keine neue Lyrik (Goethe!). Die dritte Strömung des Zeitalters ist das Rokoko, eine Dichtungsart, die sich durch Leichtigkeit, Heiterkeit, Problemlosigkeit, Anmut und manchmal auch durch Frivolität auszeichnet. Bevorzugte Themen sind Liebe, Geselligkeit und manchmal Wein, Vorbild ist der griech. Dichter Anakreon (um 500 v.Chr.). Deshalb wird das Rokoko in der Lyrik auch als Anakreontik bezeichnet. Das zweite Vorbild dieser Dichtung waren die Oden des Römers Horaz (1.Jhdt. v. Chr.). Das Rokoko liebt heitere Motive aus der griechischen und römischen Mythologie. Der Schäferpoesie entnahm man die Elemente der Landschaft: grüne Täler, schattige Haine, verschwiegene Grotten, sich schlängelnde und murmelnde Bächlein, den Zephyr (Westwindchen), Lämmer, flötende Nachtigallen, zärtliche Tauben und andere kleine, harmlose Tierchen. Es ging darum, einen banalen Inhalt graziös und pointiert zu gestalten. Besonders berühmt war zu seiner Zeit der Schweizer Buchhändler, Maler, Zeichner, Forstinspektor und Porzellanfabrikant Salomon Gessner durch seine Idyllen (Bildchen) in rhythmischer Prosa. In diesen kleinen Werkchen gingen die Leichtigkeit des Rokoko, Naturverehrung des Deismus, zarte Empfindsamkeit und helvetische Biederkeit eine bezaubernde Verbindung ein und wurden in eine weiche, musikalische Sprache gegossen (vergl. „Der Wunsch). Meister des Rokoko ist aber Christoph Martin Wieland. 1733 geboren als Sohn eines Pfarrers in Württemberg, studierte er Rechtswissenschaft und war eine Zeitlang Gast Bodmers in Zürich, überwarf sich aber wegen mangelnder Bravheit mit seinem Gastgeber und ging nach Bern, wo er im Salon (Zusammenkunft von kultivierten Menschen) der Tochter eines Offiziers der Schweizergarde die französische Kultur kennen lernte. Dann wurde er Beamter in einer süddeutschen Kleinstadt, verkehrte aber viel im Schloss eines Grafen, der ebenfalls französischen Lebensstil pflegte. Dann wurde er Philosophieprofessor in Erfurt und schliesslich (3 Jahre vor Goethes Ankunft) Prinzenerzieher in Weimar. In seiner Dichtung behandelte er antike, orientalische und romantische (das hiess damals mittelalterliche) Stoffe in graziöser Form und voll Humor. Die verschiedensten Versmasse und kunstvolle Strophenformen beherrschte er virtuos,besonders die sog. freien Verse (gereimte Verse mit wechselnder Taktzahl). Wieland hat mit einer Prosaübersetzung Shakespeare in Deutschland bekannt gemacht. Eine Lieblingsgattung der Aufklärung ist die Fabel (von Gellert, Hagedorn, Lessing, Pestalozzi), weil sie der Vorliebe für Lehrhaftigkeit und Scharfsinn entgegenkommt.