Arbeitsblatt: Linthebene

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3. Sek/Bez
Geographie
Schweiz
3. Schuljahr
5 Seiten

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09.01.2013

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sonneblueme 10 sonneblueme10 (Spitzname)
Land: Schweiz
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Textauszüge aus dem Inhalt:

Das Werden der Linthebene Albin wohnt droben im Bergdorf Rieden. Von seinem Zimmer aus sieht er auf die Linthebene, das flache Land zwischen Ziegelbrücke und dem Zürichsee. Wie ein grüner, unregelmässig gemusterter Teppich sieht sie aus. Albin hat in der Schule die Geschichte von Gallus gehört, der in Tuggen voll Zorn ein Götterbild in den Seegeschleudert haben soll – in Tuggen, das weitab vom See am Südfuss das Buechberges liegt. Der Vater erklärt seinem Buben: „ Gallus lebte vor 1200 Jahren. Damals lag Tuggen wirklich an einem See. Vor vielen tausend Jahren reichte dieser sogar bis nach Chur hinauf. Albin blickt seinen Vater erstaunt an und fragt: „Warum ist denn dieser See verschwunden? „Du hast schon oft erlebt, dass wir hier oben in Rieden hemdärmelig in der Sonne spazieren, während die ganze Linthebene unter einer dicken Nebeldecke, einem Nebelmeer, liegt. Nur drei Inselchen ragen heraus: der Buechberg, der Benkner-Büchel und als kleinster Hügel das Gasterholz. Der einstige See sah wohl ähnlich aus wie dieses Nebelmeer. Vom Glarnerland her brachte die ungebändigte Linth Geröll, füllte im Laufe der Jahrtausende den See auf und bildetet die Ebene, durch die sich die Linth in stets wechselnden Windungen schlängelte. „Kann man denn beweisen, dass Tuggen einmal am See lag? „Gewiss kann man das. Es ist aus dem Jahre 1538 eine Urkunde erhalten geblieben, in der steht, dass „das rieth, so zwüschend Utznach, Buechberg (Benkner-Büchel) und dem Duggersee ligt, eine Allmend sein soll. Warum die Not? Bis zum 18. Jahrhundert floss die Linth im unteren Teil des Glarnerlandes durch fette Wiesen und blühende Obstgärten nach Ziegelbrücke, wo sie den Abfluss aus dem Walensee, die Maag, aufnahm und sich hernach durch die Linthebene zum Zürichsee schlängelte. Dann kauften Händler im Glarnerland ganze Wälder und verkauften das Holz an Holländer. Mit dem Erlös konnten die armen Gemeinden ihre Schulden begleichen. In den meisten Waldungen durften die Ziegen frei weiden. Sie frassen die Triebe der jungen Bäume, die dadurch zwergenhaft blieben. Zum Transport des weissen Zigers von der Alp ins Tal verwendeten die Älpler sogenannte „Räuren (röhrenförmige Behälter aus Rinde). Die Bäume, deren Rinde zu diesem Zweck abgeschält wurde, gingen zugrunde. Dichter Wald hätte viel Wasser wie ein Schwamm aufgesogen und allmählich abgegeben. Jetzt aber fehlte dieser Regulator, und die plötzlich anschwellende Wassermassen rissen Geröll mit, das von der Linth in die Ebene von Ziegelbrücke geschwemmt wurde und dort den Abfluss der Maag verstopfte. Bei Schneeschmelze im Frühling und in den Regenwochen des Herbstes stieg darum der Wasserspiegel des Walensees. Der Glarner Lehrer Walter Senn schrieb: „Wo früher lachende Wiesen und Obstbäume standen, ist heute ein wogendes Meer von Schilfrohr, Binsen und Wollgras. Die Schifffahrt, einst leicht und lustig, ist wegen der Schuttinseln und Sandbänke in der Linth unmöglich geworden. In Weesen schlagen die Wellen des Walensees zuweilen an die Stubenfenster. In der Klosterkirche zu Weesen reicht das Waser bis zur Chorstiege, und im „Schwert spritzt es durch die Ritzen des Tubenbodens herauf, wenn man eintritt. Die Bewohner, die eine durch faule Dünste vergiftete Luft einatmen, sehen blass und kränklich aus. Immer wenn der Frühling einkehrt, sind die Dörfer voll Fieberkranker. Es war die Malaria, eine von Insekten auf den Menschen übertragenen Sumpffieberkrankheit, die die 16000 Bewohner der Linthebene bedrohte. diese wurden durchschnittlich zehn Jahre weniger alt als die Leute auf dem Kerenzer Berg. Der junge Alfred Escher schrieb nach einem Besuch von Walenstadt: „Die Marktschiffe fuhren durch die Tore in die Stadt hinein. Sowie man in die Stadt tritt, sieht man die Erdgeschosse aller Häuser von einer scheusslichen Pfütze, auf der Kröten und faulende Pflanzen herumschwimmen, eingenommen. In den breiten Strassen liegen schilfreiche Sümpfe mitten zwischen den Wohnungen der Menschen, die traurig und matt auf hingelegten Brettern durch diesen vergiftenden Schlamm gehen. Sie warten wieder auf die Fluten des Sees, die sie zwingen, in Schiffen herumzufahren und ein Fenster des ersten Stockes gebrauchen. als Wie Abhilfe schaffen? Haustüre zu Als erste machten zwei ehemalige Sarganser Landvögte den Vorschlag, die Linth in den Walensee zu leiten, damit deren Geschiebe – rund 10000 Kubikmeter pro Jahr – im See abgelagert würde. Der Berner Ingenieur Lanz entwarf einen Plan und errechnete die Kosten auf 9000 Gulden. Die Tagsatzung verfügte aber über kein Geld, und so verschwand der Plan in der Schublade. Der grosse Retter: Hans Conrad Escher Zur Zeit, da Hans Conrad Escher noch ein Knabe war, gingen die meisten Kinder nicht in die Schule, denn Schulbesuch war nicht obligatorisch. Er aber er lernte lesen, schreiben und rechnen, damit er auch ein so tüchtiger Mann werde wie sein Vater. Dieser besass eine Fabrik, in der bunte Seidenstoffe hergestellt wurden. Die Lateinschule aber war für Hans Conrad eine Qual. Er sollte so viele Wörter auswendig lernen, lateinische und griechische, dass es ihm schwindelte. Viel lieber hobelte und zeichnetet er oder er las das spannende RobinsonBuch. So kam es, dass er immer in den hinteren Bänken sitzen musste. In jener Schule sassen nämlich die besten Schüler zuvorderst, die schlechteren hinten, genau nach den Noten. Wenn er seine miserablen Zeugnisse nach Hause brachte, ärgerte sich sein Vater sehr, und die Mutter wurde traurig. In Zürich bestand noch eine höhere Schule, eine Kunstschule. Hier lernte Escher mit wahrem Bienenfleiss Rechnen, Zeichnen und Naturlehre. Bald sass er in der vordersten Bank. Nach einer Studienzeit in Zürich reiste er nach Genf, Paris und London. Zweiundzwanzigjährig trat er in das Geschäft des Vaters ein. Schon als Knabe lernte Conrad Escher die Not im Linthgebiet kennen. Nach einer längeren Regenperiode ritt er mit seinem Vater über die verschlammte Ebene. In hundert schmutziggelben Bächen schwammen Holztrümmer, entwurzelte Bäume, verienzelt auch tote Ziegen und Rinder. Am Rande dieser Wüste klammerten sich weinende Kinder an die Schürze ihrer Mutter, die bekümmert ihre Habseligkeiten vor den trüben Fluten zu retten suchte. Auf seinen Auslandreisen sah Escher die Not der Armen. Als er nach Zürich zurückkehrte, war er fest entschlossen, seine Lebenskraft nicht nur der Seidenfabrik zu widmen, sondern den Armen in der Linthebenen Hilfe zu bringen. Dieses Stück Heimat bezeichnetet er offen als „Schandfleck des Vaterlandes. Er studierte, wie das Übel am besten behoben werden könnte. Er griff den Plan Wagner auf und sah klar: Die Linth muss in einem Kanal in den Walensee geleitet werden. Vom Walsee in den Zürichsee ist ein neues, schnurgerades Bett mit tiefer Sohle zu graben. Der Spiegel des Walensees wird damit gesenkt. So kommt die Umgebung von Weesen und Walenstadt aus dem Sumpf heraus. Das war schneller gesagt als getan. Die Kantone überlegten sich den Kostenpunkt sehr wohl, und erst nach langem Hin und Her wurde Escher der Auftrag erteilt, ans Werk zu gehen. Ein Aufruf an die Kinder In einem Neujahrsblatt erschien dann von Hans Conrad Escher folgender Aufruf an die Kinder: „Denkt euch, wie euch zumute sein müsste, wenn die Strassen unserer Stadt, in denen ihr so munter herumhüpft, jeden Frühling fast einen Meter tief oder noch mehr unter Wasser stünden, so dass man den Häusern entlang Notstege errichten müsste, um von einem Jaus zum anderen zu gelangen! – (In Weesen und Walenstadt sind die Strassen schon einige Male erhöht worden, aber jetzt sind sie wieder überflutet.) Denkt euch alle unsere Keller ganz mit Wasser ausgefüllt! Selbst in unseren Hausgängen und Erdgeschossen stiege das Wasser mehrere Fuss hoch an, so dass diese geräumt werden müssten! – Denkt euch: In den kleinen, niedrig stehenden Häusern würde das Wasser bis an das erste Stockwerk hinaufreichen. Ihr könntet von den Notbrettern nicht mehr auf die Treppen gelangen, sondern müsstet durch ein Fenster in eure Wohnstube hineinklettern! Eure Betten, eure Tische, eure Hausgeräte stünden im Wasser. Ihr müsstet am Morgen das Wasser in der Kammer ausschöpfen und den Stubenboden mit Brettern belegen, um im Trockenen zu stehen. Keine Möglichkeit, euch zu retten, denn alle eure Verwandten, alle Nachbarn, alle Einwohner der ganzen Stadt befänden sich im gleichen Elend! Und das viele Wochen lang! Oft sogar jedes Jahr zweimal! – Der Stadtbrunnen wurde schon dreimal gehoben, aber bei Hochwasser ist es trotzdem kaum mehr möglich, frisches Wasser aus der Röhre in die Gefässe fliessen zu lassen. Väter und Mütter sehen keine Aussicht auf Besserung. Und die Kinder? Was soll aus ihnen werden? Sie können nicht denken: „Wenn wir gross sind, ist alles vorbei. – Im Gegenteil, sie müssen befürchten: Dann wird es noch viel schlimmer aussehen! Ans Werk! Die Gemeinden und Kantone brachten zu wenig Geld zusammen für das grosse Werk. Es wurde eine Aktiengesellschaft gegründet. Aktien zu 200 Franken wurden ausgegeben. Jeder, der ein solches Wertpapier kaufte, erhielt nach Beendigung des Werkes sein einbezahltes Geld wieder zurück, da der Boden nach der Entsumpfung grösseren Wert besass. Escher holte Rat beim Rheinwuhrinspektor Tulla. Dieser berechnete die Grösse der beiden Kanäle und zeichnete Skizzen und Pläne. Escher übernahm die Bauleitung. Man möchte glauben, dass die Bewohner der Linthebene mit grosser Freude am Rettungswerk gearbeitet hätten! Sie zogen doch den grössten Nutzen daraus. Aber weit gefehlt! Wassersnot und Sumpffieber hatten sie abgestumpft. „Rettung ist nicht möglich! sagten sie und blieben serbelnd auf ihren ungesunden Höfen. Nur Geduld, mein Lieber, und den Mut nicht sinken lassen! Die Arbeiter wollten sich am Anfang nicht befehlen lassen. Erst mit der Zeit gewöhnten sie sich daran, die Weisungen der Vorarbeiter zu befolgen. Escher sass nicht immer in seinem Büro in Schänis, sondern besuchte bei jedem Wetter die Arbeitsstätten – tagelang, monatelang, 14 Jahre lang! Escher ass mit den Arbeitern. Notleidende unterstützte er aus seiner eigenen Tasche. Wenn Arbeiter über Nässe und Dreck und Erschöpfung klagten, griff er selber zu Pickel und Schaufel und beschämte so die Unzufriedenen. Bei jedem Wetter stand Escher auf dem Bauplatz, auch wenn ihm das Wasser in die Stiefel hineinrann. Einst glitt er aus und erlitt eine Quetschung, doch ein paar Tage später stand er mit dem Arm in der Schlinge wieder auf seinem Posten. Einmal versank er so im tiefen Morast, dass ihn ein paar Arbeiter herausziehen mussten. Escher sah oft so dreckig aus wie seine Arbeiter, und als einer meinte: „ Wenn ich Präsident wäre, würde ich als Herr bei diesem Wetter daheim bleiben, gab ihm Escher die träfe Antwort: „ Darum hat Euch der liebe Gott wohl nie ein Herr werden lassen. Einmal mass Escher bei grimmiger Kälte einen Kanal aus. Ein Besuch wurde in seinem Schäniser Büro angemeldet. Doch Escher liess sich nicht stören: „Er soll daherauskommen, sonst habe ich keine Zeit! Als Eschers älteste Tochter heiratete, ging er nicht einmal ans Hochzeitsfest. An der Vermählung seiner zweiten Tochter nahm er wohl teil, stand aber am Abend schon wieder im Sumpf bei seinen Arbeitern. Escher erhielt als Taglohn Fr. 1.35, die Arbeiter 30 Rappen. Jeden Samstag wanderte Escher die 60 Kilometer von Schänis nach Zürich, und am Sonntagabend traf er nach langem Fussmarsch wieder in seinem Büro im ehemaligen Stift Schänis ein. Sein Arbeitszimmer kann heute noch besichtigt werden. Das Werk lobt sein Meister Es war am 8. Mai 1811. Ein Schiff voll jauchzender Kerenzer und Mühlehorner fuhr an winkenden Zuschauern vorbei auf der neuen Linth in den Walensee hinab. Abends steuerte Conrad Escher selber ein Schiff auf seinem Kanal. Die Bewohner in der Umgebung von Weesen mussten keine Angst mehr haben, die Linth trete nochmals über die Ufer. Sichere Dämme schützten sie. Auch der Kanal vom Walensee in den Zürichsee war vollendet. Seine Sohle war so tief, dass bei der Eröffnung der Walenseespiegel um 45,4 Meter sank. Die Bergbäche wurden in Nebenkanäle geleitet. Der Boden trocknete, die Leute gesundeten. Vorbei die Seuchen, die Not. Die Menschen freuten sich wieder am Leben. Tonröhrchen nehmen durch Poren das Bodenwasser auf. In Sammelgräben fliesst es den beiden Pumpwerken zu, die es in Kanäle beidseits der Linth befördern. Schwere Pflüge brachen den entwässerten Boden um .Dünger wurde in die lockere Erde gemischt, Samen ausgestreut. Heute werden von grossen, neuen Bauernhöfen aus mit modernsten Maschinen die weiten Felder bearbeitet. Euch sei er Vorbild! Nur ein kleines Stück Ried blieb erhalten: das kaltbrunnerriet. Die Lachmöwen fliegen zu Hunderten ins Linthgebiet, um im Naturreservat die Eier auszubrüten und die Jungen auszuziehen. Jeden Frühling beobachten die Vogelfreunde vom grossen Holzturm aus, der zwischen Benken und Uznach steht, mit dem Feldstecher das Leben der Möwen, Enten, Kiebitze, Brachvögel und andere Wasservögel. Zum Dank wurde Johann Conrad Escher in den Adelstand erhoben; von nun an durfte seine Familie den Titel „Escher von der Linth tragen. Eine im Sumpf geholte Krankheit brachte ihn aufs Totenbett. Die Inschrift auf einer Gedenktafel in Ziegelbrücke lautet: Dem Wohltäter dieser Gegend Joh. Conrad Escher von der Linth geb. den 24. August 1767, gest. den 9. März 1823 die eidgenössische Tagsatzung. Ihm danken die Bewohner Gesundheit, der Boden die Früchte, der Fluss den geordneten Lauf. Natur und Vaterland hoben sein Gemüt. Eidgenossen, Euch sei er Vorbild. Aus Riedland Ackerland wird Wies- und Nach dem Werk Eschers wurde die Linthebenen nie mehr überschwemmt, aber sie blieb sumpiges Riedland. Als der Zweite Weltkrieg die Schweizer vor die Wahl stellte, entweder mehr anzupflanzen oder zu hungern, wurde auch die Linthebene entwässert. Von 1941 an arbeiteten während Jahren sommers 50 bis 150, winters 200 bis 300 Personen an diesem Meliorationswerk. 200 Rollwagen und 12 Zugmaschinen besorgten auf 8 Kilometer Rollbahngeleise den Materialtransport. Ein engmaschiges Netz von Wasserleitungen aus Ton – und Zementröhren wurde verlegt. Die