Arbeitsblatt: bürger: lenore
Material-Details
kurze gedichtsinterpretation
Deutsch
Leseförderung / Literatur
8. Schuljahr
2 Seiten
Statistik
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720
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17.01.2013
Autor/in
jessica fankhauser
Land: Schweiz
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Bürger: Lenore Stropheneinteilung: Strophe 1–4, Einleitung -Vergangenheit und die Situation in der Gegenwart. -Lenore ist eine junge Frau, die zuhause auf die Rückkehr ihres Verlobten wartet, der in die Prager Schlacht (1757 war die zweite Schlacht im Siebenjährigen Krieg zwischen Preußen, Pragern, und den kaiserlichen Truppen Österreichs) gezogen ist. Strophe 5–12, Dialog -Dialog zwischen der Mutter und Lenore. -Der Verlobte befindet sich nicht unter den Zurückkehrenden und Lenore ist verzweifelt. „Nun fahre Welt und alles hin! -Lenore ist voller Emotionen, hadert mit Gott und beschimpft ihn, die Mutter versucht ihre GotteslästerungBlasphemie (Verneinen, Verhöhnen oder Verfluchen bestimmter Glaubensinhalte einer Religion) zu beenden. Sie gibt Lenore an, dass Wilhelm wohl in Ungarn eine andere Frau gefunden habe und dass sie von ihm loslassen solle. Im fernen Ungerlande sich seines Glaubens abgetan zum neuen Ehebande? Laß fahren, Kind, sein Herz dahin! Er hat es nimmermehr Gewinn! -Die Mutter versucht zu besänftigen und beruft sich auf Gott, der das Schicksal immer in die richtigen Bahnen lenkt. Was Gott tut, das ist wohlgetan. -Doch Lenore bleibt sehr betrübt und hat sogar Suizidgedanken: „Der Tod, der Tod ist mein Gewinn! „Lisch aus, mein Licht! auf ewig aus! -Lenore hadert bis in die Nacht mit Gott, die Mutter ist stets bemüht, sie zu beruhigen. Strophe 13–32, Ritt und Tod -Wilhelm taucht als Geist auf und entführt/überredet Lenore zu einem Ritt durch die Nacht. -Lenore ist sehr glücklich und aufgeregt: „Sag an wo ist dein Kämmerlein? oder „Hat Raum für mich? – „Für dich und mich? -Sein Erscheinen überrascht, aber erfreut Lenore natürlich auch, was in der Redewendung Herein, in meinen Armen, Herzliebster, zu erwarmen! ausgedrückt wird. -Lenore ist voller Vorfreude und fühlt sich in Wilhelms Nähe geborgen, was man daran erkennen kann, dass sie auf Wilhelms auffallend häufig gestellte Frage „Graut Liebchen vor den Toten? immer sicher fühlend die Antwort „Ach! Lass sie ruhen die Toten! gibt. -Es wird deutlich, dass der Reiter in Wahrheit nicht Wilhelm sein kann, da sich Andeutungen und Ausrufe, die Bezug auf den Tod nehmen, häufen. !!! -Wilhelm will Lenore in ihr Hochzeitsbett bringen. „Muß heut noch hundert Meilen Mit dir ins Brautbett eilen. Nach Lenores Aufforderung an Wilhelm, in das Haus zu kommen, antwortet dieser: „Ich darf allhier nicht hausen! -Während des Ritts begegnen sie vielen Geistern und Gesindel. Allmählich beginnt Lenore zu begreifen, dass ihr Verlobter tot ist. Es endet der Ritt an einem Friedhof und der vermeintliche Verlobte entpuppt sich als der Tod. Lenores Schicksal ist nun besiegelt, was sich letztendlich auch in der körperlichen Wandlung des Reiters auf grausige Art und Weise offenbart. -Lenore wird in ihr Hochzeitsbett gebracht, (Sechs Bretter und zwei Brettchen) das sich als Sarg herausstellt. Sie stirbt und wird für ihre Gotteslästerung bestraft. -Wegen ihrer Ungläubigkeit wurde ihr der Tod zuteil. Sprachliche Mittel: -Wörtliche Rede „O weh! Lass ruhn die Toten. -Interjektionen unterstreichen die Dynamik des Rittes „Und hurre, hurre, hop, hop, hop!. -Aneinanderreihungen von ausdrucksstarken Verben „Schön Liebchen schürzte, sprang und schwang. -Zahlreiche Ausrufe und Fragen „Hallo, Hallo! Tu auf mein Kind! „Ach, Wilhelm, du? – So spät bei Nacht? Epoche: August Bürger hat es vor allem durch „Lenore (1773) geschafft der deutschen Ballade den Rang hoher Poesie zu verleihen. --Sturm und Drang: Dies ist zum einen auf die Entstehungszeit zurückzuführen, lässt sich aber auch an konkreten Merkmalen festmachen. In der Person der Leonore spiegelt sich die Auslebung der starken Gefühle, der Leidenschaft wieder, die diese Epoche kennzeichnen. Angedeutet wird in der Ballade auch indirekte Kritik am Absolutismus, was ebenfalls ein Charakteristikum für den „Sturm und Drang ist. Man kann auch sehen, dass Lenore zu Beginn der Handlung sehr selbstbewusst auftritt. Sie äußert in der Diskussion mit ihrer Mutter klar ihre Meinung und hat auch keine Skrupel Gott in Frage zu stellen. Diese Einstellung, dieses Selbstbewusstsein ist ebenfalls typisch für die angesprochene Epoche. Sozialballade: deshalb weil die Handlung die Frauenschicksale in Kriegszeiten verdeutlicht und damit auch den Krieg bzw. die Inszenierung der Kriege durch die absoluten Herrscher kritisiert. Protest gegen die Kirche (Die Kirche und die Bibel spenden nicht den gewünschten Trost, der es einem leichter macht über den Verlust eines geliebten Menschen hinwegzukommen.) Naturballade: Die düstere Natur bei Nacht spiegelt in gewisser Weise Lenores Schicksal wieder, nämlich ihren bevorstehenden Tod. Des weiteren kann sie als Mensch dem Tod auch nicht entfliehen. Botschaft: -Lenore ist eine Sagenfigur aus einem alten Volkslied. Sie ist eine zeitgenössische Gestalt und das Volk kann sich somit mit ihrem Schicksal identifizieren. -Dem Protest am Glauben kann man nur teilweise zustimmen, da Lenore ja am Ende für ihre Ungläubigkeit oder Gottesfrevelung bestraft wird. Vielleicht könnte man es als Vorschlag für eine Reformierung des Glaubens verstehen, da ja angeführt wird, dass man im heiligen Sakrament und bei Gott keinen ausreichenden Trost bei seelischem Leid mehr findet. -Der Verlust des Geliebten durch den Krieg bringt Lenore zur Kritik an der Staatspolitik u. am Kirchenglauben. Sie richtet sich also gegen die Sinnlosigkeit des Krieges und gegen den Glauben, der besagt, dass Entsagungen im Diesseits zu Belohnungen im Jenseits führen. -Die Hauptaussage der Ballade ist die Sünde der Gotteslästerung (Blasphemie) und ihre unausweichliche Sühnung. (Die Sünderin stirbt am Ende der Geschichte.) Die Mutter bittet im Dialog um Vergebung für die Sünden ihrer Tochter („Ach, daß sich Gott erbarme) und sagt ihr mehrmals, dass alles, was Gott tut, Sinn hat und vorherbestimmt sei. -Kritik an den Kritikern, denen die Gottes Entscheidungen hinterfragen bzw. Gott nur für die negativen Ereignisse verantwortlich zu machen.