Arbeitsblatt: Der Schelm von Bergen, H. Heine

Material-Details

Ballade mit Wortschatzliste und Abbildung (Theateraufführung) Hintergrundinformationen zum Autor, zu geschichtlichem Hintergrund
Deutsch
Leseförderung / Literatur
7. Schuljahr
3 Seiten

Statistik

123858
1074
4
12.11.2013

Autor/in

Carmela Wirz
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Schelm von Bergen Im Schloss zu Düsseldorf am Rhein Wird Mummenschanz gehalten; Da flimmern die Kerzen, da rauscht die Musik, Da tanzen die bunten Gestalten. Da tanzt die schöne Herzogin, Sie lache laut auf beständig; Ihr Tänzer ist ein schlanker Fant, Gar höfisch und behändig. Er trägt eine Maske von schwarzem Samt, Daraus gar freudig blicket Ein Auge, wie ein blanker Dolch, Halb aus der Scheide gezücket. Es jubelt die Fastnachtsgeckenschar, Wenn jene vorüberwalzen. Der Drickes und die Marizzebill Grüssen mit Schnarren und Schnalzen. Und die Trompeten schmettern drein, Der närrische Brummbass brummet, Bis endlich der Tanz ein Ende nimmt Und die Musik verstummet. »Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir, Ich muss nach Hause gehen -« Die Herzogin lacht: »Ich lass dich nicht fort, Bevor ich dein Antlitz gesehen.« »Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir, Mein Anblick bringt Schrecken und Grauen -« Die Herzogin lacht: »Ich fürchte mich nicht, von Heinrich Heine (1797 – 1856) Ich will dein Antlitz schauen.« »Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir, Der Nacht und dem Tode gehör ich -« Die Herzogin lacht: »Ich lasse dich nicht, Dein Antlitz zu schauen begehr ich.« Wohl sträubt sich der Mann mit finsterm Wort, Das Weib nicht zähmen kunnt er; Sie riss zuletzt ihm mit Gewalt Die Maske vom Antlitz herunter. »Das ist der Scharfrichter von Bergen!«, so schreit Entsetzt die Menge im Saale Und weichet scheusam die Herzogin Stürzt fort zu ihrem Gemahle. Der Herzog ist klug, er tilgte die Schmach Der Gattin auf der Stelle. Er zog sein blankes Schwert und sprach: »Knie vor mir nieder, Geselle! Mit diesem Schwertschlag mach ich dich Jetzt ehrlich und ritterzünftig, Und weil du ein Schelm, so nenne dich Herr Schelm von Bergen künftig.« So ward der Henker ein Edelmann Und Ahnherr der Schelme von Bergen. Ein stolzes Geschlecht! es blühte am Rhein. Jetzt schläft es in steinernen Särgen. der Schelm von Bergen der Mummenschanz der Fant behändig blanker Dolch gezücket die Fasnachtsgeckenschar der Drickes die Marizzebill närrisch „Durchlauchtigste Frau das Antlitz sich sträuben der Scharfrichter von Bergen scheusam stürzt fort der Henker von Bergen der Maskenball der Jüngling flink, geschickt glänzender, hell schimmernder Dolch gezogen die verkleidete Fasnachtsgesellschaft männliche Fasnachtsfigur (-maske) weibliche Fasnachtsfigur (-maske) komisch, albern, verdreht, verrückt ehrenvolle/höfliche Anrede an adelige Person das Gesicht sich wehren der Henker von Bergen erschrocken, entsetzt eilt, rast weg der Gemahl tilgen die Schmach der Geselle unehrliche Berufe ritterzünftig künftig der Edelmann der Ahnherr der Schelme von Bergen der Ehemann vertreiben den Ehrverlust Titel für einen ausgebildeten Handwerker Berufe, die die Menschen, die diese ausübten, zu Aussenseitern/Ausgestossenen der Gesellschaft machten. Wer mit einem Aussenseiter Kontakt hatte, wurde ebenfalls aus der Gesellschaft ausgestossen. zum Ritterstand gehörend: Der Herzog schlägt ihn zum Ritter und macht ihn so zu einem geachteten Mitglied der Gesellschaft. in Zukunft ein Mann von Adel der erste Vorfahre/der Stammvater des Rittergeschlechtes „Schelme von Bergen HEINRICH HEINE wurde 1797 in Düsseldorf als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre studierte er in Bonn, Göttingen und Berlin die Rechte. Nach Abschluss des Studiums, liess er sich christlich taufen, denn er litt darunter, als Jude wie ein Aussenseiter behandelt zu werden. Ab 1831 lebte er als Zeitungsjournalist in Paris. Viele seiner Gedichte sind von F. Schubert und R. Schumann vertont worden. Der Schelm von Bergen gehört zu Heinrich Heines dritter und letzter Gedichtsammlung im Romanzero und erschien 1846. Eines der Hauptanliegen des Romanzero ist das Aufdecken von Missständen, welche dem Volk deutlich gemacht werden sollen. Heine bedient sich dabei der Ironie. In seinen Gedichten setzt er sich kritisch mit Themen der Gesellschaft auseinander. In seinen mythischen, sagen- und märchenhaften Stoffen, nimmt er z. T. aktuelle politische Themen mit auf. Darum wurde der Romanzero schon 1851 in Österreich verboten; in Preussen wurde das Buch polizeilich beschlagnahmt. Was ist ein Schelm? Das Wort Schelm war im Hochmittelalter des 12. und 13. Jahrhunderts ein ritterlicher Beiname und bedeutete Todbringer. Dieser Beiname deutete wohl auf die Kampfeigenschaften des Ritters hin. Im Spätmittelalter wurde die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Schelm mit der Tätigkeit des Scharfrichters verbunden und wurde dadurch auch zur Bezeichnung dieser Berufsgruppe. Da Scharfrichter aber ausserhalb der damaligen Gesellschaft lebten, wurde die Bezeichnung Schelm gegenüber anderen zur tödlichen Beleidigung. Ein Schelm ist in der letzten Bedeutung des Wortes ein Bösewicht oder auch dessen Scharfrichter. Die Verwendung des Begriffes Schelm als Schimpfwort war noch im 17. Jahrhundert strafbar. Obwohl ursprünglich Scharfrichter, wurde der Sage nach der „Schelm von Bergen bei Frankfurt in den Adelsstand erhoben und trug diesen Namen mit Stolz. Urkundlich erwähnt ist dieses Geschlecht von 1194 bis 1768. Heinrich Heine und Karl Simrock haben die Geschichte unterschiedlich in Gedichten festgehalten. Jedoch ist diese Geschichte eine Erfindung der Romantik und hat nichts mit dem Rittergeschlecht der Schelme von Bergen gemein.