Arbeitsblatt: Deutsch

Material-Details

Verständliche Texte formulieren
Deutsch
Gemischte Themen
klassenübergreifend
10 Seiten

Statistik

124025
464
1
27.11.2013

Autor/in

Daniel Gillmann
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

Downloads Arbeitsblätter / Lösungen / Zusatzmaterial

Die Download-Funktion steht nur registrierten, eingeloggten Benutzern/Benutzerinnen zur Verfügung.

Textauszüge aus dem Inhalt:

ICTWerkstatt für Dozierende Dokumente für Studierende aufbereiten und uploaden 7 Verständliche Texte formulieren Die technologische Wende in der Didaktik, d.h. die additive Erweiterung bzw. Ablösung von traditionellen Unterrichtstechniken, deren aktueller Vollzug an die personale Präsenz gebunden war, mit personenunabhängigen Mediensystemen, die multisensorisches Lernen ermöglichen und kognitive Prozesse radikal modifizieren, stellt einen kopernikanischen Paradigmenwechsel dar, deren Relevanz erst in der letzten Dekade unseres Jahrhunderts in ihrer holistischen Essenz erkannt wurde. Der teilweise hypertrophe Glaube an das technisierte Lernen, basierend auf der systemübergreifenden Perspektive der kybernetischen Regelkreis-Struktur (VON CUBE, 1993), impliziert die Wechselwirkung zu den soziokulturellen Subsystemen, selbst wenn unter lernpsychologischen Aspekten diese Faktorenverkettung und der didaktisch-formale Teilaspekt der Mediatisierung der Schule nur unscharf herausgearbeitet wurde. Die damit aufscheinenden Schwierigkeiten sind dem Umstand geschuldet, dass im variablenpsychologischen Medienansatz die verschiedenen Dimensionen der schulischen Mediatisierung nicht vom Standpunkt derer analysiert werden, denen diese sekundären Erfahrungen tatsächlich gegeben sind, sondern vom Drittstandpunkt, also in Abwesenheit der „Sache selbst, konfabuliert werden müssen. Mit anderen Worten: Der Ort der Synthese der einzelnen Aspekte wird nach aussen verlagert. So ist der innere Zusammenhang verloren, und an seine Stelle treten vielfältige und beliebige Hypothesen darüber, was im jeweiligen Subjekt wohl vorgehen mag und wie dies am besten aufzugliedern und in seinen Bestandstücken zu benennen ist. Diese Vieldeutigkeit ist auch nicht durch statistische Verfahren reduzierender Beschreibung wie etwa Faktorenanalysen zu beheben, da dort einerseits die Einheit des subjektiven medialen Erfahrungsraumes aufgrund des Zusammenwerfens der subjektiven Daten in korrelativen Verteilungen eliminiert ist. Haben Sie das verstanden? Wahrscheinlich nicht, denn der Text ist mehr oder weniger sinnlos. Vielleicht haben Sie aber dennoch zunächst an Ihrer Lesekompetenz gezweifelt (Pisa lässt grüssen), statt den Sinn des Textes in Frage zu stellen.1 Ähnlich mag es wohl unseren Studierenden gehen, wenn Sie Ihnen gewisse Texte aus der Fachliteratur abgeben. Sie sind nur schwer oder überhaupt nicht verständlich geschrieben, obschon vielleicht die Botschaft selbst gar nicht so kompliziert wäre. Mit einigen wenigen Regeln können Sie Texte verständlicher machen, sodass nicht nur die Motivation am Lesen sondern auch die Behaltensleistung steigt. Bevor Sie die wissenschaftlichen Zusammenhänge und die vier Gütekriterien verständlicher Texte kennen lernen, können Sie hier nochmals prüfen, ob Sie diese sinnvollen komplizierten Sätze verstehen. Warum einfach sagen, wenn es auch kompliziert geht? 1. In meiner psychologischen Konstitution manifestiert sich eine absolute Dominanz positiver Effekte für eine labile existente Individualität Deiner Person. 2. Eine strukturell desintegrierte Finalität in Relation zur Zentralisationskonstellation provoziert die eskalative Realisierung destruktiver Integrationsmotivationen durch 1 Falls Sie auch solche Texte produzieren wollen, hilft Ihnen das sog. Schnellformulierungssystem von Broughton. Durch wahllose spalten- und zeilenweise Kombination dieser Begriffe ergeben sich hunderte von Möglichkeiten zur Schöpfung völlig nichts sagender und überflüssiger, aber hochtrabend klingender Worthülsen und welcher Zuhörer wird hier schon wagen, während des Vortrages die Berechtigung der Begriffe zu hinterfragen? 1. konzentrierte Führungsstruktur2. integrierte Organisationsflexibilität3. permanente Identifikationsebene4. systematisierte Drittgenerationstendenz5. progressive Koalitionsprogrammierung6. funktionelle Fluktuationskonzeption7. orientierte Übergangsphase8. synchrone Wachstumspotenz9. qualifizierte Aktionsproblematik10. ambivalente InterpretationskontingenzStrapazieren Sie aber nicht die ambivalente Interpretationskontingenz Ihrer Zuhörer! Seite 1 ICTWerkstatt für Dozierende Dokumente für Studierende aufbereiten und uploaden permanent lokal aggressive Individuen der Spezies Canis. 3. Ballistische Experimente mit kristallinem H2O auf dem Areal der Pädagogischen Institutionen unterliegen striktester Prohibition! 4. Populanten von transparenten Domizilen sollen mit fester Materie keine transzendenten Bewegungen durchführen. 5. Das maximale Volumen subterraner Agrarprodukte steht in reziproker Relation zur spirituellen Kapazität des Produzenten. 6. Es existiert ein Interesse an der generellen Rezession der Applikation relativ primitiver Methoden komplementär zur Favorisierung adäquater komplexer Algorithmen. (Lösung ganz unten) Vorausgehend muss geklärt werden, dass es hier nicht darum geht, dass die Studierenden in ihrer Ausbildung ihren Wortschatz nicht mehr erweitern sollen. Es steht ausser Diskussion, dass sich auch (künftige) Lehrpersonen eine gewisse Fachterminologie aneignen müssen, um wissenschaftliche Texte zu verstehen. Dennoch muss man sich vor Augen halten, dass Texte besser verstanden, länger behalten und motivierter gelesen werden, wenn sie verständlich geschrieben sind. Und Verständlichkeit ist nicht nur didaktisch sinnvoll, um den Lernprozess zu erleichtern. Dahinter steckt auch eine pädagogische Haltung. Wer sich bemüht, sich verständlich auszudrücken, • achtet auch die Zeit und die Arbeitskraft seiner Studierenden und schätzt diese als ebenso wertvoll ein wie die eigene. • ist wirklich besorgt darum, anderen durch Schwerverständlichkeit nicht zusätzliche Mühen aufzubürden. • versucht, sich in seine Studierenden hineinzuversetzen. Wie ist ihre Situation, welche Erfahrungen haben sie, was fällt ihnen schwer, was brauchen sie? • ist bereit, die Gründe zunächst bei sich selbst zu suchen, wenn ihn seine Schülerinnen und Schüler nicht verstehen. Lösung 1. Ich liebe Dich! 2. Den letzten beissen die Hunde 3. Das Werfen von Schneebällen auf dem Schulhof ist verboten! 4. Wer im Glashaus ist, sollte nicht mit Steinen werfen. 5. Die dümmsten Bauern haben die grössten Kartoffeln. 6. Warum einfach, wenn auch kompliziert geht Seite 2 Wissenschaftliche Untersuchungen zur Verständlichkeit Psychologen erhielten den Auftrag, Originaltexte neu zu gestalten mit dem Ziel, sie in den vier Verständlichkeits-Merkmalen günstiger zu gestalten. Diese verbesserten Texte wurden vielen Lesern vorgelegt. Die Texte aus dem öffentlichen Leben lasen über 400 berufstätige Männer und Frauen, 17-50 Jahre alt, mit Volksschulbildung, Mittlerer Reife und Abitur. Die Schulbuchtexte lasen über 500 Schüler aus Volksschule, Realschule und Gymnasium, 7. und 8. Schuljahr. Die wissenschaftlichen Texte schliesslich lasen über 80 männliche und weibliche PsychologieStudenten verschiedener Semester. Jede Gruppe von Lesern halbierten wir nach dem Zufall. Der einen Hälfte gaben wir das Original, der anderen die verbesserte Fassung zu lesen. Natürlich wussten die Leser nichts davon, welche Fassung sie lasen und dass es überhaupt verschiedene Fassungen gab. Dann prüften wir, wie viel jede Hälfte von dem Gelesenen verstanden und behalten hatte. Die Leser mussten schriftliche Fragen zum Text beantworten und Anwendungsaufgaben lösen, zum Teil auch frei wiedergeben, was sie behalten hatten. Behalten, und sie traten auch nicht bei jedem Text auf. Alle Intelligenz- und Bildungsgruppen profitieren gleichermassen von der VerständlichkeitsVerbesserung: In den meisten Fällen ergab sich: • Intelligentere Leser und Leser mit mehr Schulbildung erbrachten durchschnittlich bessere Leistungen. Dies gilt sowohl für die Originale als auch für die verbesserten Fassungen. • Diese Leistungsunterschiede waren bei den verbesserten Fassungen genauso gross wie bei den Originalen. Das bedeutet: alle Intelligenz- und Bildungsgruppen profitierten von Verständlichkeits-Verbesserungen in etwa gleichem Ausmass. Auch für intelligente und sog. gebildete Leser sind die Original-Texte also nicht verständlich genug. • Bei verbesserten Texten erreichten weniger intelligenten Leser oder Leser weniger Schulbildung genauso viel und zum erheblich mehr Verständnispunkte als gebildeten Leser bei den Original-Texten. Welche Haupterkenntnisse liegen vor? • Texte, die im öffentlichen Leben, in Schulen und in der Wissenschaft weit verbreitet sind, weisen schwere Mängel auf: Die Leser, für die diese Texte bestimmt sind, können vieles nicht richtig verstehen, und sie empfinden das Lesen als nicht angenehm. Selbst Leser mit höherer Intelligenz und guter Schulbildung haben zum Teil beträchtliche Schwierigkeiten. • Die Texte sind nicht deswegen so schwer zu verstehen, weil ihre Inhalte zu schwierig sind, sondern weil sie ungünstig gestaltet sind. Besonders mangelt es ihnen an Einfachheit und Gliederung-Ordnung. Verständlichkeits-Experten sind in der Lage, jeden schlecht verständlichen Text ohne Veränderung seines Inhaltes so umzuformulieren, dass er wesentlich verständlicher wird. Durchschnittlich nehmen die Leser verbesserter Fassungen 50% mehr an wichtigen Informationen auf. • Verständliche Texte zu lesen, ist in der Regel angenehmer und macht mehr Spass. Das ist wichtig. Denn wer gern liest, wird vieles lesen und sich umfassend informieren. • Die vier Verständlichmacher sind allgemeingültig vermutlich für alle Arten von Sachtexten und Lesergruppen. Sie gelten gleichermassen für Verträge und für hochwissenschaftliche Texte, für junge Schüler und berufstätige Erwachsene, für Was ist herausgekommen? Verbesserte Texte wurden besser verstanden als die Originale: Die Leser der verbesserten Texte verstanden und behielten durchschnittlich ca. 50% mehr wichtige Informationen als die Leser der Originaltexte! Bei einem Text waren es sogar 142% mehr Informationen. In keinem Fall wurde ein Originaltext besser verstanden als ein verbesserter Text. Je mehr sich der verbesserte Text vom Original unterschied, desto grösser waren auch die Unterschiede im Verständnis: Wenn der Originaltext schon relativ günstig gestaltet war, liessen sich durch eine Verbesserung kaum noch grössere Verständnisleistungen erzielen. Je ungünstiger jedoch das Original abgefasst war und je grösser daher die Unterschiede zwischen den beiden Textfassungen waren, desto grösser war auch der Gewinn an Verstehen und Behalten bei den Lesern der verbesserten Fassung. Dabei schien es besonders auf die Merkmale Einfachheit und Gliederung-Ordnung anzukommen. Viele der verbesserten Fassungen kamen auch gefühlsmässig beim Leser besser an als die Originale. Die Unterschiede obwohl teilweise beträchtlich waren allerdings insgesamt nicht so beeindruckend wie beim Verstehen und Urs Büeler Iwan Schrackmann die mit Teil die April 2004 Seite 3 Intelligente und weniger Intelligente, für Personen mit Volksschulbildung und mit Matura, für Studienanfänger wie für ältere Semester. Was ist Verständlichkeit? Verständlichkeitsforscher haben aus vielen Untersuchungen vier Merkmale der Verständlichkeit herauskristallisiert: 1. 2. 3. 4. Einfachheit Gliederung Ordnung Kürze Prägnanz Anregende Zusätze. 1. Einfachheit Einfachheit bezieht sich auf die Wortwahl und den Satzbau, also auf die sprachliche Formulierung: geläufige, anschauliche Wörter sind zu kurzen, einfachen Sätzen zusammengefügt. Treten schwierige Wörter auf (Fremdwörter, Fachausdrücke), so werden sie erklärt. Dabei kann der dargestellte Sachverhalt selbst einfach oder schwierig sein es geht nur um die Art der Darstellung. Das folgende Merkmalsbild zeigt in übersichtlicher Form, welche einzelnen Eigenschaften das Merkmal Einfachheit umfasst. Es enthält auch das Gegenteil von Einfachheit: Kompliziertheit. Einfachheit Kompliziertheit einfache Darstellung kurze, einfache Sätze geläufige Wörter Fachwörter erklärt konkret anschaulich komplizierte Darstellung lange, verschachtelte Sätze ungeläufige Wörter Fachwörter nicht erklärt abstrakt unanschaulich Ein Beispiel für Einfachheit: Die folgenden beiden Texte Was ist Raub unterscheiden sich wesentlich in ihrer Einfachheit, dagegen kaum in den drei anderen Merkmalen der Verständlichkeit. Komplizierte Fassung: Was ist Raub? Einfache Fassung: Was ist Raub? Raub ist dasjenige Delikt, das jemand durch Entwendung eines ihm nicht gehörenden Gegenstandes unter Anwendung von Gewalt oder von Drohungen gegenüber einer anderen Person begeht, sofern die Intention der rechtswidrigen Aneignung besteht. Jemand nimmt einem anderen etwas weg. Er will es behalten. Aber es gehört ihm nicht. Beim Wegnehmen wendet er Gewalt an oder droht dem anderen, dass er ihm etwas Schlimmes antun werde. Dieses Verbrechen heisst Raub. Urs Büeler Iwan Schrackmann April 2004 Seite 4 2. Gliederung – Ordnung Dieses Merkmal bezieht sich auf die innere Ordnung und die äussere Gliederung eines Textes. • Innere Ordnung: Die Sätze stehen nicht beziehungslos nebeneinander, sondern sind folgerichtig aufeinander bezogen. Die Informationen werden in einer sinnvollen Reihenfolge dargeboten. • Äussere Gliederung: Der Aufbau des Textes wird sichtbar gemacht. Zusammengehörige Teile sind übersichtlich gruppiert, z. B. durch überschriftete Absätze. Vor- und Zwischenbemerkungen gliedern den Text. Wesentliches wird von weniger Wichtigem sichtbar unterschieden, z. B. durch Hervorhebungen (Fettdruck oder kursiv) oder durch Zusammenfassungen. Gliederung Ordnung Ungegliedertheit Zusammenhanglosigkeit gegliedert folgerichtig übersichtlich gute Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem der rote Faden bleibt sichtbar alles kommt schön der Reihe nach ungegliedert zusammenhanglos wirr unübersichtlich schlechte Unterscheidung von Wesentlichem und Unwesentlichem man verliert oft den roten Faden alles geht durcheinander Ein Beispiel für Gliederung Ordnung: Die folgenden beiden Texte Was ist Raub unterscheiden sich wesentlich in ihrer Einfachheit, dagegen kaum in den drei anderen Merkmalen der Verständlichkeit. Ungeordnete Fassung: Was ist Raub? Gegliederte Fassung: Was ist Raub? Jemand wendet gegen einen anderen Gewalt an. Das ist Raub, es gehört ihm nämlich nicht. Er will es für sich behalten, was er ihm wegnimmt. Zum Beispiel ein Bankräuber, der dem Angestellten mit der Pistole droht. Auch wenn man jemandem droht, dass man ihm etwas Schlimmes antun will, ist es Raub. Raub ist ein Verbrechen: Jemand nimmt einem anderen etwas weg, was ihm nicht gehört. Er will es behalten. Dabei wendet er Gewalt an oder droht dem anderen etwas Schlimmes an. Drei Dinge sind wichtig: 1. etwas wegnehmen, was gehört 2. es behalten wollen 3. Gewalt oder Drohung einem nicht Beispiel: Ein Bankräuber droht dem Angestellten mit der Pistole und nimmt sich das Geld. Sie sehen: In der ersten Fassung geht alles durcheinander, in der zweiten Fassung ist alles schön geordnet und das Wesentliche hervorgehoben. Schon bei diesen ziemlich kurzen Texten erhöht Gliederung Ordnung spürbar die Verständlichkeit. Noch wichtiger ist dieses Merkmal bei längeren Texten. Denn je länger der Text, desto leichter kann man die Übersicht verlieren. Urs Büeler Iwan Schrackmann April 2004 Seite 5 3. Kürze Prägnanz Bei diesem Merkmal geht es um die Frage: Steht die Länge des Textes in einem angemessenen Verhältnis zum Informationsziel? Eine knappe, gedrängte Ausdrucksweise bildet das eine Extrem, eine ausführliche und weitschweifige das andere. Solche Weitschweifigkeit beruht z.B. auf: Darstellung unnötiger Einzelheiten, überflüssige Erläuterungen, breites Ausholen, Abschweifen vom Thema, umständliche Ausdrucksweise, Wiederholungen, Füllwörter und leere Phrasen. Kürze – Prägnanz Weitschweifigkeit zu kurz aufs Wesentliche beschränkt gedrängt aufs Lernziel konzentriert knapp jedes Wort ist notwendig zu lang viel Unwesentliches breit abschweifend ausführlich vieles hätte man weglassen können Ein Beispiel für Kürze -Prägnanz: Weitschweifige Fassung: Was ist Raub? Kurz-prägnante Fassung: Was ist Raub? Ja, Raub, das darf man nicht machen. Raub ist ein verbotenes Verbrechen. Man darf es nicht mit Diebstahl verwechseln. Diebstahl ist zwar auch ein Verbrechen, aber Raub ist doch noch etwas anderes. Angenommen, jemand raubt etwas. Was heisst das? Das heisst: Er nimmt einem anderen etwas weg, was ihm nicht gehört, um es für sich zu behalten. Das ist natürlich nicht erlaubt. Jetzt muss aber noch etwas hinzukommen: Während der Verbrecher die Sache wegnimmt, wendet er Gewalt an gegenüber dem anderen, zum Beispiel: er wirft ihn einfach zu Boden oder er schlägt ihn bewusstlos, dass er sich nicht mehr wehren kann. Es kann aber auch sein, dass er nur droht, dem anderen etwas anzutun. Auch dann ist es Raub, und der Mann (oder die Frau) wird wegen Raubes bestraft. Ein Verbrechen. Wer einem anderen etwas wegnimmt, was ihm nicht gehört, um es zu behalten, begeht Raub. Hinzukommen muss, dass er dabei gegen den anderen Gewalt anwendet oder ihn bedroht. Urs Büeler Iwan Schrackmann April 2004 Seite 6 4. Anregende Zusätze Dieses Merkmal bezieht sich auf anregende Zutaten, mit denen ein Schreiber oder Redner bei seinem Publikum Interesse, Anteilnahme, Lust am Lesen oder Zuhören hervorrufen will. Zum Beispiel: Ausrufe, wörtliche Rede, rhetorische Fragen zum Mitdenken, lebensnahe Beispiele, direktes Ansprechen des Lesers, Auftretenlassen von Menschen, Reizwörter, witzige Formulierungen, Einbettung der Information in eine Geschichte. Anregenden Zusätze Keine anregenden Zusätze anregend interessant nüchtern farblos gleichbleibend neutral unpersönlich abwechslungsreich persönlich Ein Beispiel für Kürze -Prägnanz: Nichtanregende Fassung: Was ist Raub? Anregende Fassung: Was ist Raub? Jemand nimmt einem anderen etwas weg. Er will es behalten, obwohl es ihm nicht gehört. Beim Wegnehmen wendet er Gewalt an oder er droht dem anderen, dass er ihm etwas Schlimmes antun werde. Dieses Verhalten (Wegnehmen mit Gewalt oder Drohung) heisst Raub. Raub wird mit Gefängnis oder Zuchthaus bestraft. „Nimm an, du hast keinen Pfennig Geld in der Tasche. Aber was ist das? Da geht eine alte Dame mit ihrer Handtasche über die Strasse. Du überlegst nicht lange: ein kräftiger Schlag auf den Arm, und schon bist du mit der Tasche auf und davon. Haltet den Dieb!, ruft die Dame, weil sie es nicht besser weiss. Richtiger müsste sie rufen: „Haltet den Räuber!, denn wenn man dabei Gewalt anwendet oder Drohungen ausstösst, dann ist es Raub. Und wie endet die Geschichte? Nun, meistens endet sie im Knast. Quellenangabe: Langer, I., Schulz von Thun, F. Tausch, R. (1993). Sich verständlich ausdrücken. München: Ernst Reinhardt Verlag. Urs Büeler Iwan Schrackmann April 2004 Seite 7