Arbeitsblatt: Wasser als begrenzte Ressource

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Wie ist das Wasser global verteilt? Welches Konfliktpotenzial steckt im Wasser?
Geographie
Anderes Thema
12. Schuljahr
21 Seiten

Statistik

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05.12.2013

Autor/in

Michael Compeer
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

BKS Chur Michael Compeer 6. Wasser – global ungleiche Verfügbarkeit Global gesehen gibt es genug Wasser auf der Welt. Nach Berechnungen ist selbst dann genügend Trinkwasser vorhanden, wenn sich die Menschheit verdoppeln würde. Das meiste Wasser wird jedoch zur Produktion von Nahrungsmitteln und Industriegütern verbraucht, was sich regional sehr unterschiedlich auswirkt. Produkte werden in der globalen Wirtschaft weltweit gehandelt, dadurch wird Wasser „virtuell transportiert. Wassermangel wird sehr oft durch technische und politische Massnahmen erhöht oder vermindert die menschliche Nutzung der Naturressource ist daher entscheidend. Das folgende Kapitel befasst sich mit der Verfügbarkeit und differenzierten Nutzung des Wassers, virtuellem Wasserhandel sowie möglichen Wegen zur nachhaltigen Nutzung. 6.1 Wichtige Kennzahlen Wasser ist ein unersetzbarer Rohstoff. Leben ist auf Wasser angewiesen, es ist unentbehrlich für die Nahrungsmittelerzeugung und die wirtschaftliche Entwicklung. Von der Gesamtwassermenge der Erde (1.4 Mrd. km3) sind nur 2.5 Frischwasser (früher auch als Süsswasser bezeichnet). Als Frischwasser wird Wasser mit einem Salzgehalt von weniger als 1 Salz/kg bezeichnet. 69 des Frischwassers sind in Polareiskappen und Gebirgsgletschern gebunden. 30 entfallen auf sauberes Grundwasser, das z.T. unter schwierigen Bedingungen gefördert werden muss: Etwa die Hälfte befindet sich tiefer als 800 Meter unter der Erdoberfläche. Nur knapp 0.3 des Frischwassers kommen in Seen und Flüssen vor. 0.7 sind in Bodenfeuchtigkeit, Dauerfrost, Sumpfwasser und Grundeis gebunden, 0.01 als Wasserdampf in der Atmosphäre. Die dem Menschen insbesondere für die Trinkwasserversorgung zur Verfügung stehende Wassermenge ist also sehr gering im Vergleich zu der auf der Erde insgesamt vorhandenen Wassermenge, auch wenn weitere 8000 km 3 in vom Menschen angelegter Speicherkapazität in Talsperren hinzukommen. Abbildung 1: Globale Salz- und Frischwasserschätzungen 1% Seen, Flüsse, Bodenfeuchtigkeit, Permafrost, Sümpfe, 2.5 Frischwasser 30 Grundwasser 69 Polareis, Gletschereis 97.5 Salzwasser -1- BKS Chur Michael Compeer Aufgabe 1: Wie viel Wasser (Liter) ist in den untenstehenden Speichern enthalten? Gesamtwassermenge der Erde Polar- und Gletschereis Frischwasser Grundwasser Seen, Flüsse, Atmosphäre Aufgabe 2: Wie viele Tage lang könnte die aktuelle Weltbevölkerung (7 Mrd.) mit dem verfügbaren Wasser (Grundwasser, Seen, Flüsse,) und dem durchschnittlichen täglichen Wasserverbrauch einer Schweizerin (237 Liter pro Tag) versorgt werden? Wir nehmen der Einfachheit halber an, es gäbe keinen Wasserkreislauf, sondern das Wasser würde einmalig verbraucht. Von der globalen Gesamtwassermenge entfallen auf den für den Menschen relevanten Wasserkreislauf lediglich 0.1 %. Die Atmosphäre enthält kontinuierlich ca. 12‘300 km 3 Wasserdampf, jährlich gehen ca. 475‘000 km3 als Niederschlag auf die gesamte Erde nieder. Ein Teil verdunstet von der freien Wasserfläche und von der vegetationsfreien Erdoberfläche (Evaporation), ein Teil wird durch die Pflanzendecke aufgenommen und durch Verdunstung (Transpiration) an die Atmosphäre abgegeben. In einer Art gewaltigen Destillationsanlage wird aus Salzwasser stets überlebensnotwendiges Frischwasser für das Festland produziert und verteilt. 6.2 Wasserbedarf zur Erzeugung von Pflanzenmasse Der Transpirationskoeffizient gibt an, wie viel Liter Wasser von einer Pflanze über das Blattwerk freigesetzt werden, um 1 kg Trockenmasse zu produzieren (vgl. Tabelle 1). Zum Aufbau von Biomasse ist Kohlenstoff erforderlich, den die Pflanze der Atmosphäre entzieht. Die Pflanze nimmt für Lebensfunktion und Wachstum durch den Photosyntheseprozess CO2 auf und gibt dafür H2O an die Atmosphäre ab. Für die Erzeugung von 1 kg Trockenmasse entzieht die Pflanze der Atmosphäre ungefähr 750g CO 2. Wenn nun eine volle Badewanne mit 150 Litern Wasser veranschlagt wird, müssen die Kiefer oder die Hirse zwei Badewannenfüllungen aus dem Boden aufnehmen und in die Atmosphäre transportieren, um 750g CO 2 aus der Atmosphäre zu binden. Betrachtet man die Werte der anderen aufgeführten Pflanzen, stellt man fest, dass der Wasserverbrauch mit wenigen Ausnahmen bei den meist angebauten Kulturpflanzen mehr als doppelt so hoch ist wie die Werte der Waldbäume. Wird Wald also in Kulturland zur Ernährungssicherung der wachsenden Bevölkerung umgewandelt, steigt der Wasserverbrauch im betreffenden Gebiet sprunghaft an. Tabelle 1: Transpirationskoeffizienten einiger Pflanzen Kulturpflanzen [I/kg Trockenmasse] Bäume [I/kg Trockenmasse] Soja 700 Eiche 340 Reis 680 Birke 320 Kartoffel 640 Kiefer 300 Roggen 630 Lärche 260 Sonnenblume 600 Fichte 230 Weizen 540 Buche 170 Gerste 520 Douglasie 170 Reis 370 Flaschenbaum 150 Hirse 300 Palisanderholzbaum 140 Aufgabe 3: Der Gran Chaco oder kurz Chaco ist eine Region mit Trockenwäldern und Dornbuschsavannen im Inneren Südamerikas. Er umfasst den Norden von Argentinien, den westlichen Teil von Paraguay und den Südosten von Bolivien. Seine Ostgrenze bilden die Flüsse Río Paraná und Río Paraguay, während sich seine Westgrenze von Nord nach Süd etwa von Santa Cruz de la Sierra (Bolivien) über Santiago del Estero (Argentinien) bis nach Córdoba erstreckt. In den letzten Jahrzehnten wird das Land zunehmend von grossen Agrarbetrieben erschlossen und zum Teil intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Agrarfront breitet sich zurzeit rasch auch in die trockeneren Gebiete des Gran Chaco aus. Im Mittelpunkt steht dabei die Anpflanzung riesiger Monokulturen, -2- BKS Chur Michael Compeer beispielsweise von Soja, für den Export. Neu ist der Anbau von Jatropha für Biodiesel in den trockeneren Regionen. a) Erklären Sie in eigenen Worten, weshalb der Wasserverbrauch steigt, wenn im Gran Chaco Bäume wie der Flaschenbaum oder der Palisanderholzbaum beispielsweise den Soja-Monokulturen weichen müssen. b) Um welchen Faktor steigt der Wasserverbrauch für eine Soja-Monokultur gegenüber dem eines Waldes aus Flaschen- und Palisanderholzbaum an? Wie bewerten Sie diesen Faktor? 6.3 Wasserknappheit Die Industrieländer der Nordhemisphäre müssen trotz ihres hohen Pro-Kopf-Verbrauchs kaum Wasserknappheit und damit eine Verschlechterung ihrer ökonomischen Lage befürchten. Aufgrund ihrer Lage in den Mittelbreiten steht auch in Zukunft genug Wasser zur Verfügung. Hingegen wird der Pro-KopfVerbrauch in der Dritten Welt allein wegen des starken Bevölkerungswachstums in den nächsten Jahren und Jahrzehnten konstant zunehmen. Zu den Staaten mit ausreichender Wasserversorgung gehören solche, welche über Reserven von mindestens 1700 m3 (Frisch-)Wasser pro Kopf und Jahr verfügen. Staaten mit Wassermangel verfügen über Reserven von weniger als 1000 m3/Kopf und Jahr. Aufgabe 4: Im Jahr 2010 standen jedem Bewohner Saudi-Arabiens 118 3 Wasser zur Verfügung. Tansania gehörte 2002 mit 1749 m3 Wasser pro Kopf zu den Ländern mit ausreichender Wasserversorgung. In welchem der beiden Länder ist die Wasserversorgung stärker gefährdet? Weshalb? Abbildung 2: Globaler Wasserkreislauf Wasserknappheit ist aber auch das Resultat von Wasserverschwendung. Obwohl ein knappes Gut, fehlt der Anreiz zum Sparen, da es oftmals sehr billig zu haben ist. Wasserpreise werden häufig aus politischen Gründen niedrig gehalten. Den Versorgungsunternehmen mangelt es an Geld für qualifiziertes Personal und nachhaltig gewartete Versorgungssysteme. Beide Faktoren zählen zu den Hauptursachen für eine unzureichende Wasserversorgung in den Entwicklungsländern. Darüber hinaus profitieren von diesem subventionierten Wasser eher die Reichen als die Armen, die zumeist keinen Anschluss an das Wasser- und Abwassernetz haben. Wegen der niedrigen Einnahmen, bedingt auch durch ineffizientes Management, fehlen den öffentlichen Wasserversorgern oftmals die Mittel, um die Armenviertel an ihr Ver- und Entsorgernetz anzuschliessen. Private Wasserhändler schliessen diese Lücke gegen teures Geld und der Abgabe von Wasser teilweise minderer Qualität. 6.4 Wasser und seine Verwendung Global gesehen verbraucht die Landwirtschaft mit ca. 70 das meiste Wasser. Etwa 22 des Verbrauchs entfallen auf die Industrie und nur 8 auf die Haushalte. Die Verwendung von Wasser variiert im Einzelnen je nach wirtschaftlicher Entwicklung, Klima und Bevölkerungsdichte eines Landes. Während z.B. in den altweltlichen Trockengürteln Wasser primär zur Bewässerung in der Landwirtschaft eingesetzt wird, nutzt das hoch industrialisierte Europa mehr als die Hälfte der Wasservorkommen für seine Industrie und zur Energieerzeugung. 6.4.1 Wasserverbrauch im Haushalt Für die Schweiz gibt es aufgeschlüsselte Angaben zur Nutzung von Wasser im privaten Haushalt. Dank der in den Haushalten durchgeführten Wassersparmassnahmen werden im Durchschnitt nur noch 123 Liter pro Person und Tag im Privathaushalt verbraucht (im Detail vgl. Tabelle 2). Dies ist im Vergleich zu anderen Industriestaaten ein niedriger Wert (z.B. England ca. 150 Liter/Person/Tag, Norwegen 260 Liter). Tabelle 2: Wasserverbrauch im privaten Haushalt pro Kopf und Tag in der Schweiz Verwendungsart Anteil Verwendungsart Anteil Toilettenspülung Garten bewässern Baden oder Duschen Putzen -3- BKS Chur Wäsche Körperpflege Geschirr spülen Michael Compeer Kochen und Trinken Autowäsche Der Mensch braucht, grob ermittelt, 4 Liter Trinkwasser pro Tag, das er direkt durch Getränke oder indirekt durch Speisen konsumiert. Hochgerechnet auf die globale Bevölkerung wären dies ca. 10.2 km 3 pro Jahr. Diese Menge entspricht einem Zehntausendstel des jährlichen Niederschlags auf dem Land. Daraus folgt, dass rechnerisch Trinkwasser selbst bei weiter anwachsender Bevölkerung in ausreichendem Masse vorhanden ist. Der im Vergleich zu Industrie und Landwirtschaft geringe Wasserbedarf pro Haushalt steigt im Allgemeinen mit wachsendem Lebensstandard. Diese Entwicklung zeigt sich deutlich im häuslichen Wassergebrauch von reichen und armen Ländern: Während in den ländlichen Regionen in afrikanischen Trockengebieten rund 20 Liter pro Tag zur Verfügung stehen, benötigt ein US-Amerikaner im Durchschnitt fast 300 Liter pro Tag. Um Trinkwasser unbedenklich nutzen zu können, sind Qualitätsstandards erforderlich, die in vielen Regionen der Erde (noch) nicht gegeben sind, insbesondere aufgrund der Verschmutzung durch Chemikalien in Landwirtschaft und Industrie. Die Tragweite einer Verseuchung durch Chemikalien veranschaulicht folgendes Beispiel: Der Grenzwert für Pflanzenschutzmittel im Trinkwasser beträgt in der Schweiz laut Trinkwasserverordnung 0,0001 mg/l für die Einzelsubstanz. Bereits 1 Gramm eines Pflanzenschutzmittels reicht somit aus, um 10 Mio. Liter Wasser für die Trinkwassernutzung ohne Aufbereitung unbrauchbar zu machen. Dieses Wasservolumen entspricht dem Tagesbedarf einer Stadt mit 77‘000 Einwohnern. Ein Wasserverbrauch von etwa 30-40 Litern pro Person und Tag genügt für ein gesundes, lebenswürdiges Dasein. Rein mengenmässig wäre das Potenzial für die grundlegende sanitäre Versorgung selbst für eine sich verdoppelnde Weltbevölkerung mit steigenden zivilisationsbedingten Ansprüchen vorhanden, da sie mit Nutzung und Klärung des verbrauchten Wassers nicht einmal 1 des Frischwassers in Anspruch nimmt. Das positive Bild wird jedoch nachhaltig beeinträchtigt durch die Tatsache, dass 2004 nur 57 der Weltbevölkerung Zugang zu Sanitäreinrichtungen hatte. Es mangelt nicht an Wasser, es fehlen die Einrichtungen und es bedarf veränderter gesellschaftlicher Strukturen, um eine den Qualitätsanforderungen entsprechende Infrastruktur nachhaltig zu betreiben. Der fehlende Zugang zu sauberem Wasser und damit verbunden zu nicht gesundheitsgefährdenden sanitären Einrichtungen ist Hauptursache insbesondere für Durchfallerkrankungen wie Cholera, Typhus oder Ruhr, für Viruserkrankungen wie Kinderlähmung oder Hepatitis A, für Parasitenkrankheiten wie beispielsweise Bilharziose. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 88 der weltweit auftretenden Fälle von Krankheiten und Epidemien auf qualitativ ungenügende Wasserressourcen, fehlende Versorgung mit sauberem Trinkwasser, mangelnde Hygiene und fehlende sanitäre Anlagen zurückzuführen sind. Dies verursacht den Tod von etwa 5000 Menschen täglich, alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an einer Erkrankung, die durch sauberes Wasser hätte vermieden werden können. Aufgabe 5: Dem obigen Text lässt sich entnehmen, dass ein Gramm eines Pflanzenschutzmittels ausreicht, um 10 Mio. Liter Wasser für die Trinkwassernutzung ohne Aufbereitung unbrauchbar zu machen. Im afrikanischen Mali stehen den 14‘517‘176 Einwohnern (2009) pro Tag durchschnittlich 19.6 Liter zur Verfügung. Wie viele Kilogramm Pflanzenschutzmittel reichen aus, um den Jahresbedarf an Trinkwasser (gemäss Schweizer Normen) in Mali zu zerstören? 6.4.2 Fokus 1: Das Beispiel Las Vegas „Welcome to fabulous Las Vegas, so begrüsst die Stadt der Superlative jährlich mehr als 37 Millionen Besucher. Sie folgen dem Versprechen, die prunkvollsten Hotels, die exklusivsten Shows und die höchste Dichte an Spielkasinos der Welt zu erleben. 16 der 20 grössten Hotels der Welt stehen in Las Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung in Las Vegas Vegas, darunter auch mit dem „Wynn das derzeit teuerste (2.1 Mrd. €). In Las Vegas befindet sich die höchste Achterbahn der Welt (Stratosphere Tower), der grösste künstliche Vulkan (Mirage) sowie das weltweit grösste Wasserspiel (Bellagio). A) Wirtschaftsmotor Tourismus -4- BKS Chur Michael Compeer Das immense Angebot lockt eine Vielzahl von Touristen nach Las Vegas: Waren es im Jahr 1970 noch 7 Millionen Besucher, so stieg die Zahl bis 2007 auf 39 Millionen Besucher. Für sie standen 2009 154‘944 Hotelzimmer zur Verfügung. Die Touristinnen und Touristen sichern den Hotels eine traumhafte Auslastungsquote von nahezu 90 Prozent. Da Las Vegas knapp 500‘000 Einwohner zählt, kommen auf einen Einwohner je 78 Besucher. Weil Las Vegas völlig von der Unterhaltungs-branche dominiert wird, ist sie die wichtigste Stütze der Wirtschaft. Insgesamt bietet Las Vegas 885‘500 Beschäftigten einen Arbeitsplatz, von denen etwa 20 Prozent in Hotels und Casinos sowie 7.5 Prozent in der Gastronomie tätig sind. Die durch das Gambling gewonnenen Einnahmen in Las Vegas liegen bei geschätzten 7.6 Mrd. US-Dollar; insbesondere die Steuereinnahmen fliessen in die Erhaltung und Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur zurück. Stadtentwicklung Las Vegas B) Wassersituation der Stadt Jahrelang stellte der enorme Ressourcenanspruch kein Problem dar. Der vom Hoover Damm aufgestaute Lake Mead versorgte die Stadt mit Trinkwasser und die elektrische Energie wurde in den Wasserkraftwerken des Hoover Damms günstig produziert. Allerdings ist das Wasser des Colorado Flusses nicht alleine Las Vegas vorbehalten. Der Colorado versorgt neben Nevada sechs weitere US-Staaten sowie Mexiko mit Wasser. Der Verteilungsschlüssel wurde 1922 mit dem Colorado River Compact beschlossen und gilt bis heute. Allerdings basierte die Berechnung auf einer Reihe von niederschlagsreichen Jahren, sodass heute deutlich mehr Rechte am Wasser des Colorado bestehen als tatsächlich abfliesst. Abbildung 4: Klimadiagramm Las Vegas Bislang konnten die Lower Basin Staaten (Kalifornien, Nevada und Arizona) das Überschusswasser verwenden, das von den Upper Basin Staaten (Utah, Colorado, Wyoming und New Mexico nicht genutzt wurde. Doch auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Gebiete ist in Zukunft nicht mehr mit Überschüssen zu rechnen. Der im Colorado River Compact 1922 Nevada zugesprochene Wasseranteil beträgt gerade einmal 2 Prozent. Damals war Nevada dünn besiedelt und die Verantwortlichen dachten nicht daran, dass der Staat jemals mehr Wasser benötigen könnte. Doch heute ist Las Vegas die am schnellsten wachsende USMetropole. Mit der Einwohnerzahl ist auch der Wasserverbrauch angestiegen und zwar all eine in den letzten zehn Jahren von 370 Mio. m3 auf 600 Mio. m3 pro Jahr. Hinzu kommt, dass Las Vegas seit 2005 nach einigen Jahren Dürre besondere Probleme hat. Trotz ergiebiger Niederschläge im Winter gehen die Wasservorräte im Lake Mead zurück. Ein „Weiter so wird unweigerlich zum Zusammenbruch des Systems führen, zumal Meteorologen davon ausgehen, dass die Dürre weiter andauern und der Pegel noch weiter absinken wird. Wasserverbrauch in Las Vegas Anteile am Wasserverbrauch [%] Täglicher Wasserverbrauch: 870‘000‘000 Liter Lake Mead -5- BKS Chur Michael Compeer Aufgabe 5: Stellen Sie die Wassersituation von Las Vegas aufgrund der beiden oberen Kästchen in einer Strukturskizze dar. Durch Stichworte, Pfeile und Anordnungen sollen die Ursachen und Wirkungen verdeutlicht werden. Stimmen aus Las Vegas Wassernutzung Aufgabe 6: Die Southern Nevada Water Authority (SNWA) ist unter anderem für die Wasserversorgung von Las Vegas zuständig. Schlagen Sie als Mitglied dieser Institution mögliche Lösungen für das Wasserproblem in Las Vegas vor. Verwenden Sie auch die untenstehende Abbildung 5. Welche Schwierigkeiten stehen Ihren Lösungsvorschlägen entgegen? Lösungsstrategien Probleme Fortsetzung Aufgabe 6: Lösungsstrategien Probleme Abbildung 5: Nevada Karte des Bundesstaates Nevada Niederschlagshöhen in den USA (Ausschnitt) Zukünftige Wasserversorgung die Suche nach Lösungen Blatt einkleben 6.4.3 Wasser zur Erzeugung von Nahrungsmitteln Die Landwirtschaft verbraucht etwa zwei Drittel des weltweit verfügbaren Wassers, in vielen Entwicklungsländern sogar über 80 Prozent. Fast 40 Prozent aller Nahrungsmittel werden mit künstlicher Bewässerung erzeugt. Abbildung 6: Nahrungsmittelproduktion -6- BKS Chur Michael Compeer Viele Nahrungsmittel werden über Bewässerung erzeugt ob Tomaten in einer modernen Tropfanlage in Ungarn oder grossflächig gefluteter Reis auf Java. 2000 Liter pro Person werden durchschnittlich eingesetzt, um die Nahrungsmittel zu produzieren, die der Einzelne täglich konsumiert. Die Nachfrage nach Wasser zu Bewässerungszwecken übersteigt in vielen Ländern bei weitem das Wasserdargebot von Flüssen und Grundwasserkörpern. Der Grundwasserspiegel sinkt vor allem in Regionen einzelner Staaten deutlich ab, die zusammen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung auf sich vereinen (Mexiko, USA, Saudi-Arabien, Iran, Jemen, Israel, Indien und China). Während die Bevölkerung Mexikos jährlich um zwei Millionen wächst, sinkt der Grundwasserspiegel in der Kornkammer der Provinz Guanajuato jährlich um bis zu 3.3 Meter. Die USA, Indien und China produzieren zusammen über die Hälfte der globalen Getreideernte und in diesen Ländern fallen die Grundwasserstände besonders schnell (USA: Region des Ogallala-Aquifer; Indien: insbesondere Punjab und Haryana; China: der Norden und die Nordchinesische Ebene). Wegen des zunehmenden Wasserverbrauchs ist es sehr schwierig, eine Steigerung in der Erzeugung von Anbauprodukten zu erzielen, die mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten kann, ohne sich wesentlich auf die Ökosysteme im Wassereinzugsgebiet auszuwirken. Aufgabe 7: Technische Unzulänglichkeiten sind eine weitere Ursache für eine begrenzte Wasserverfügbarkeit. Nennen Sie drei Beispiele. Technische Unzulänglichkeiten sind eine weitere Ursache für eine begrenzte Wasserverfügbarkeit. Insbesondere in Entwicklungsländern geht in defekten und ineffizienten Bewässerungssystemen mehr als die Hälfte des Wassers verloren: Offene, breite Kanäle bewirken eine hohe Evaporation, nicht abgedichteter Kanalboden lässt kostbares Wasser versickern, kaum gewartete Kanalrohre führen zu Lecks. Wasser, das im grossflächigen Bewässerungsfeldbau verschwendet wird, fehlt dafür an anderer Stelle, nämlich den Kleinbauern oder in den Städten. Laut FAO (UN Food and Agriculture Organization) besteht eine ausgewogene Ernährung aus 2400 kcal pro Tag pflanzlicher und 600 kcal pro Tag tierischer Nahrungsmittel. Um sich nach FAO-Einschätzungen ausgewogen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln zu ernähren, müssen für die „Produktion von 2400 kcal 1200 Liter Wasser pro Tag eingesetzt werden. Bei nicht-vegetarischer Ernährung braucht man für die Produktion von 1000 kcal Fleisch bei Stallviehhaltung ca. 4000 Liter Wasser oder den knapp achtfachen Bedarf für Getreide. Der ausgeprägte Unterschied liegt darin begründet, dass rund 90% des Futters zur reinen Lebenserhaltung der Tiere dienen und somit nur 10% in den Aufbau von Fleisch gehen. Für die als notwendig erachteten 600 kcal pro Tag tierischer Nahrungsmittel müssen also 2400 Liter Wasser angesetzt werden. In der Summe ergeben sich für eine ausgewogene Ernährung 3600Liter pro Tag die rund 25-fache Wassermenge wie für Trink-, Sanitär- und Industriewasser zusammen. Das Rechenexempel der FAO für eine gesunde Ernährung berücksichtigt jedoch nicht die unterschiedlichen Ernährungsgewohnheiten und -möglichkeiten: Während die Nordamerikaner 1800 und die Europäer 1600 3 Wasser pro Person und Jahr für die Ernährung verbrauchen, werden in Teilen Afrikas und Asiens nur 600 bis 900 m3 pro Person und Jahr zur Nahrungsmittelproduktion eingesetzt. 6.4.4 Fokus 2: Grundwasserkonflikte – Fallbeispiel naher Osten Der Nahe Osten ist höchst unterschiedlich mit Oberflächengewässern und Grundwasser ausgestattet. Aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten schwanken die Niederschläge regional und saisonal. Niederschlagsgebiete, landwirtschaftliche und urbane Bedarfsregionen fallen ebenso auseinander wie Hauptniederschlagsphase und Zeiten erhöhten Wasserbedarfs. Für die Inwertsetzung der Wasserressourcen ist daher ein umfassendes System der Wasserbereitstellung erforderlich. Israel, Jordanien und die palästinensischen Gebiete verfügen heute über ein Wasserangebot von unter 500 3 pro Kopf und Jahr. Damit ist die absolute Untergrenze für eine adäquate wirtschaftliche und soziale Entwicklung erreicht. Bereits ein Wasserangebot von 1000 bis 2000 m3 pro Kopf und Jahr wird als kritisch angesehen. Wasserknappheit ist eine relative und dynamische Grösse. Zahlreiche Faktoren bestimmen, wann Wasser knapp wird. Im Nahen Osten gelten Bevölkerungs- und Städtewachstum als Antriebskräfte der Nachfrageentwicklung. Die abnehmende Wasserqualität ist hierbei eine oft unterschätzte Grösse. Wichtige Ursachen für die Wasserverschmutzung im Nahen Osten -7- BKS Chur Michael Compeer In allen Ländern der Region strömen mehr als 50% des bereitgestellten Wassers in die Bewässerungslandwirtschaft. Vor allem ideologische und sicherheitspolitische Motive führten zum Aus- und Aufbau „durstiger Agrarsektoren. Die Agrarsektoren hängen heute am Tropf einer hoch subventionierten WasserbereitsteIlung. Wassertarife sind keine relevante Grösse. Der Schlüssel zur Entschärfung der Wasserknappheit liegt in erster Linie in der Bewässerungslandwirtschaft, wo erhebliche Einsparpotenziale liegen. -8- BKS Chur Michael Compeer A) Kurze Geschichte Israels Der Staat Israel geht zurück auf die Vision des Wiener Juden Theodor Herzl, der 1896 sein Buch „Der Judenstaat veröffentlicht. Darin fordert er für das jüdische Volk einen eigenen Staat als Heimstatt und als Zuflucht vor dem Antisemitismus. Die Bewegung, die für die Umsetzung dieser Vision kämpft, wird als Zionismus bezeichnet. 1917 wird den Juden die Aussicht auf einen eigenen Staat in Palästina eröffnet, das 1920 britisches Mandatsgebiet wird. In der Zeit der britischen Mandatsherrschaft nimmt die Zahl jüdischer Siedler in Palästina stark zu, vor allem aufgrund der Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland. Die Staatsgründung erfolgt 1948 nach einem einjährigen Krieg gegen fünf arabische Staaten in Anlehnung an den Teilungsplan der UNO. 1967 kommt Israel im Sechs-Tage-Krieg einem Angriff der arabischen Nachbarstaaten zuvor und erobert neben dem ägyptischen Sinai und dem Gazastreifen auch die jordanische Westbank und die syrischen Golanhöhen. Aus dem Sinai zieht sich Israel nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 zurück. Die übrigen Gebiete bleiben jedoch besetzt. Vor allem auf der Westbank (Westjordanland) betreibt Israel seit 1967 eine gezielte Enteignungs- und Siedlungspolitik. Dort stehen sich heute rund 2.45 Millionen Palästinenser und etwa 200‘000 jüdische Siedler gegenüber. Im Gazastreifen mit seinen 1.4 Millionen Einwohnern v.a. in Gaza-Stadt – kommt es auch in jüngster Vergangenheit immer wieder zu Konflikten. Abbildung 7: Israel Teilungsplan der UNO Israel 1967 Palästinensergebiete 2008 B) Wasserknappheit im nahen Osten „Wir führen einen Wasserkrieg mit den Arabern. Die Zukunft des jüdischen Staates ist abhängig vom Ausgang dieser Schlacht. (Ben Gurion, Ministerpräsident Israels, 1956) Neben grenzüberschreitenden Einzugsgebieten von Flüssen gibt es auch grenzüberschreitende Grundwasservorkommen (Aquifere). Letztere werden aber nur selten als politisches bzw. wirtschaftliches Problem wahrgenommen. Als grösster grenzüberschreitender Aquifer weltweit gilt der Nubische Sandstein unter der Ostsahara, an dem Ägypten, Libyen, der Sudan und der Tschad Anteil haben. Er hat eine Fläche von 2.2 Mio. km2 und enthält schätzungsweise 6500 km3 nutzbares Grundwasser. Spannungen und Konflikte treten dann auf, wenn einzelne Staaten oder Bevölkerungsgruppen einen Aquifer exklusiv für sich beanspruchen und ausbeuten. Dies ist der Fall in Israel, das den grössten Anteil des Grundwassers unter dem Westjordanland, den sogenannten Westbank-Aquifer, für sich beansprucht. Auf der bis zu 1018 Meter hohen Westbank fallen 600 bis 800 mm Niederschlag im Jahr, überwiegend auf palästinensischem Territorium. Von dort aus strömt das Grundwasser der Schwerkraft folgend zu allen Seiten ab. Die ergiebigsten Grundwasserströme fliessen nach Westen in Richtung auf die israelische Küste mit dem Ballungsraum Tel Aviv Jaffa. Der Küstenaquifer ist bereits völlig übernutzt. -9- BKS Chur Michael Compeer C) Grundwasserkonflikte im Westjordanland Auf der Westbank gibt es kaum Flüsse, die das ganze Jahr über Wasser führen. Die Dolomitformationen der Berge sind aber von Höhlen und Schluchten durchzogen, in denen sich das Regenwasser sammelt. Ausserdem befinden sich unter der Westbank drei Aquifere. Das Nährgebiet des grössten, des westlichen Aquifers, verläuft von den Abhängen im Westen in Richtung Israel und Mittelmeer. Der zweite, etwas unterhalb von Nablus, erstreckt sich nach Norden und versorgt einen Grossteils Galiläas; der dritte liegt unter dem Jordantal. Gemeinsam nennt man sie die Bergaquifere, die sprichwörtlich einzige Wasserquelle der Palästinenser und zugleich Kern des palästinensisch-israelischen Konflikts um das Wasser. Und das kam so: In den 1950er-Jahren, als die Palästinensergebiete von Jordanien verwaltet wurden, schien es auf der Westbank ausreichend Wasser zu geben. Damals fiel dort weitaus mehr Regen, sodass die Aquifere immer wieder erneuert wurden. Das überschüssige Wasser aus dem westlichen Aquifer trat im Grenzgebiet zwischen der Westbank und Israel in Quellen zutage und speiste die beiden grössten Flüsse des Landes, den Yarkon und den Taninim, die nach Westen ins Mittelmeer flossen. Doch als in Israel die Bevölkerungszahl stieg, begann man, den westlichen Aquifer auszubeuten, indem man nahe der Grenze Brunnenfelder anlegte. Bald entnahmen die Israelis dem Aquifer unter der Westbank weit mehr Wasser, als die Palästinenser es bis dahin getan hatten, und das, ohne je den Fuss auf die Westbank gesetzt zu haben. „In den frühen 1960er-Jahren haben wir dem Aquifer etwa 300 Mio. 3 entnommen und die Araber ungefähr 20 Mio. m3, Gemeinsam haben wir die volle Kapazität des Aquifers ausgeschöpft und ein wenig mehr, sagt Seev Golani, später ein Regierungsbeamter Israels auf der Westbank. Der Wasserspiegel des westlichen Aquifers begann zu sinken, und die beiden Flüsse trockneten aus. Das Bett des Yarkon wurde ein offener Abwasserkanal der schnell wachsenden Gemeinden im Umland von Tel Aviv. Und Golani ergänzt: „Als Israel 1967 die Kontrolle über die Westbank übernahm, legten wir fest, dass zukünftig niemand mehr zusätzliches Wasser abpumpen darf jedenfalls nicht für die Landwirtschaft. Und seither hat sich daran nichts geändert. Seit 1967 ist es den Palästinensern in einem Grossteil des Gebietes allgemein verboten, neue Brunnen zu graben, und nur selten dürfen alte ersetzt werden. Vor 1967 besassen die Palästinenser auf der Westbank 774 Brunnen. 35 Jahre später werden davon nur noch 321 genutzt, die restlichen sind entweder ausgetrocknet oder liegen in Sperrzonen, die das israelische Militär beschlagnahmt hat. Den Palästinensern steht daher immer weniger Wasser pro Kopf zur Verfügung. Abbildung 8: Der nahe Osten Jahresniederschläge Landnutzung und Bewässerung Nach zuverlässigen Schätzungen ergibt sich für Israel in durchschnittlichen Jahren ein Wasserangebot von insgesamt 2060 Mio. m3. Davon stammen 570 Mio. 3 aus dem Jordanbecken, 640 Mio. 3 aus dem Aquifer des Westjordanlandes, 330 Mio. m3 aus dem Küstenaquifer, und der Rest von 520 Mio. 3 stammt aus kleineren Grundwasserleitern, Zisternen, Entsalzungsanlagen oder Wasseraufbereitungsanlagen. Für das Jahr 2005 ergab sich auf der Grundlage dieses Wasserangebotes eine Frischwassermenge pro Einwohner von rund 200 m3 und Jahr. Als besonders kritisch gilt die Lage im GazaTabelle 3: Wasserpotenzial und Nutzung in Palästina Streifen, der wegen seiner hohen Bevölkerungszahl von 1.44 Millionen Menschen Angaben in Mio. m3 pro Jahr auf 365 km2 zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde gehört ( 3945 Einw./km 2). Als Trinkwasserquelle dient dort ein Teil des Küstenaquifers. Aufgrund der zu hohen Wasserentnahme dringt aber bereits Salzwasser vom Mittelmeer in den Aquifer ein, sodass in vielen Brunnen das Wasser brackig (schwach salzig) und ungeniessbar ist. Pro Person und Jahr liegt das Wasserangebot rein rechnerisch hier nur noch bei 27-38 m3. Daher sind die hygienischen und gesundheitlichen Folgen zum Teil gravierend und die Lebensbedingungen sehr schlecht. Auch im Westjordanland sind die Folgen der Wasserknappheit für die Palästinenser deutlich spürbar, und dies trotz des ergiebigen Aquifers. Die Palästinenser nutzen zusammen 115 Mio. 3 Grundwasser pro Jahr, die Israelis dagegen 485 Mio. m3. Zudem ist das Grundwasser, das die Palästinenser aus traditionellen Brunnen und aus Quellen fördern, qualitativ wesentlich schlechter als das Grundwasser aus den Tiefbrunnen, das in die israelischen Küstenstädte und an die israelischen Siedler im Westjordanland geliefert -10- BKS Chur Michael Compeer wird. Der Wasserverbrauch ist auch ein Ausdruck der unterschiedlichen Lebensstile und der unterschiedlichen Lebensqualität: Zum American Way of Life vieler Israelis mit einem Eigenheim gehören bewässerte Rasenflächen, und auch Swimmingpools sind eine beliebte Einrichtung wohlhabender Israelis. Die Palästinenser leben dagegen in ihrer grossen Mehrheit sehr eingeschränkt. Sie haben oft keinen Wasseranschluss im Haus bzw. in der Wohnung. Zisternen und Tanklastwagen werden überall dort von ihnen in Anspruch genommen, wo kein Grundwasser mehr zur Verfügung steht oder wo dieses zu stark verschmutzt ist. Im Gegensatz zu den israelischen Siedlungen, für die in grossem Stil seit 1967 neue Tiefbrunnen gebaut wurden, erhalten palästinensische Ortschaften oft keine Genehmigung für den Bau von neuen Brunnen oder für die Reparatur alter Brunnen. Diese Ungleichbehandlung verschärft die politischen und sozialen Spannungen im Westjordanland und erschwert eine Lösung des Palästina-Konfliktes. Fische in der Wüste Aufgabe 8: Erklären Sie in einem Satz, warum im nahen Osten Wasserknappheit herrscht. Aufgabe 9: a) In welchem zahlenmässigen Verhältnis stehen im Westjordanland die palästinensische und die israelische Bevölkerung? b) Wie viel Wasser (Liter) nutzt ein Palästinenser im Westjordanland pro Tag? Wie viel nutzt ein Israeli? c) In welchem Verhältnis steht die tägliche Wassernutzung? Aufgabe 10: Welche Auswirkungen hat die Wasserverfügbarkeit v.a. für die Menschen im Gazastreifen? -11- BKS Chur Michael Compeer Aufgabe 11: Beschreiben Sie, welche Massnahmen Israel gegen die Wasserknappheit ergreift. Studieren Sie dazu die Karte rechts. Aufgabe 12: Der Verlauf der Bewässerungskanäle ist ein Politikum. Nehmen Sie zu dieser Aussage Stellung. 6.4.5 Wasser zur Erzeugung industrieller Produkte Zwischen 1950 und 2000 stieg die weltweite industrielle Wasserentnahme von 200 km 3 pro Jahr auf nahezu 800 km3 pro Jahr. Das sind etwa 20 Prozent der weltweiten Wasserentnahme. Schätzungen zufolge nimmt global der jährliche industrielle Wasserbedarf bis zum Jahr 2025 auf 1170 km 3 zu. Entwicklungs- und Schwellenländer, die in der industriellen Entwicklung noch erst aufholen und mehrheitlich auf rohstoffintensive Wirtschaftszweige wie Grundstoffgewinnung setzen, dürften am meisten zu dieser Zunahme beitragen. Wasser wird im direkten Produktionsprozess (Waschen, Kochen, Kühlen usw.) nur zu einem kleinen Anteil gebraucht. Den Löwenanteil verschlingt die Energieerzeugung. In Europa liegt der Anteil der Wassernutzung für industrielle Zwecke im Durchschnitt bei rund 10%, ohne die Entnahmemengen zu berücksichtigen, die für die Energieerzeugung benötigt werden. Bezieht man die Mengen mit ein, die zur Energieerzeugung in Wasserkraftanlagen genutzt bzw. für Kühlzwecke in fossilen oder atomaren Kraftwerken benötigt werden, so steigt der Anteil der industriellen Wasserentnahmen auf ca. 32%. Doch ist in vielen Industriestaaten, vor allem in den letzten 20 Jahren, insgesamt die industrielle Wasserentnahme deutlich zurückgegangen. Die Industrie nutzt Wasser oft mehrfach. Je nach Branche und immer ausgefeilteren Produktionstechnologien bzw. Materialien (z.B. Substitution von Stahl durch Aluminium mit einem tieferen Schmelzpunkt und damit weniger Energieaufwand) erhöht sich die Anzahl der Wiederverwendungen und verringert sich die Frischwasserentnahme. Ein Beispiel: Vor 70 Jahren waren für die Produktion einer Tonne Stahl noch ca. 100 Tonnen Wasser nötig, mittlerweile genügen 5 Tonnen. Eine beträchtliche Reduzierung industrieller Wassernutzung speziell in Westeuropa liegt auch darin begründet, dass wasserintensive Industrien wie Färbereien oder Stahl- und Eisenerzeugung in Schwellenländer ausgelagert wurden. Problematisch für den menschlichen Organismus sind Industrieabwässer, die, wenn nicht angemessen behandelt, das lokale Oberflächen- und Grundwasservorkommen bedrohen, in das sie zurückgeleitet werden. Aufgabe 13: Viele Staaten haben mittlerweile die Notwendigkeit erkannt, der Wasserverschmutzung durch die Industrie entgegenzuwirken. Weshalb mangelt es in vielen Staaten gleichwohl an griffigen Massnahmen? Je nach industriellem Prozess ist es schwierig, einen industriellen Wasserverbrauch pro Kopf und Tag in Zahlen zu fassen. Die zuverlässigste Zahl für den durchschnittlichen industriellen Wasserverbrauch stellt sicher der auf eingehenden Analysen von Shiklomanov (2000) basierende Wert von 130 Liter pro Person und Tag dar. -12- BKS Chur Michael Compeer 6.5 Virtuelles Wasser Als virtuelles Wasser bzw. latentes Wasser wird jenes Wasser bezeichnet, das zur Erzeugung eines Produkts aufgewendet wird. Zieht man die Bilanz des virtuellen Wassers, verbraucht jede Schweizerin und jeder Schweizer pro Tag rund 4000 – 5000 Liter Wasser. Den Begriff prägte der englische Geograf John Anthony Allan um 1995. Bei der Herstellung eines Mikrochips werden 32 Liter Wasser verbraucht, bei der Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch 15‘000 Liter. In die Bilanz fliesst auch der auf den ersten Blick verdeckte Wasserverbrauch ein. Zum Beispiel fällt bei der Erzeugung von Rindfleisch nicht nur der Verbrauch von Trinkwasser für die Tiere an, sondern auch der natürliche Niederschlag und die Bewässerung von den Feldern und Wiesen, welche das Futter liefern. Es wird zwischen grünem virtuellem Wasser (Niederschlag und natürliche Bodenfeuchte) und blauem virtuellem Wasser (künstliche Bewässerung) unterschieden. 6.5.1 Bilanzierung des virtuellen Wassers Die Untersuchungen zielen auf einen künftig sparsameren Wasserverbrauch in Regionen mit Wassermangel. Insbesondere soll transparent gemacht werden, dass wasserintensive und exportorientierte Agrarnutzung in Trockenregionen der Erde ökologisch unsinnig und wirtschaftlich vergleichsweise unrentabel ist. Wasserarme Länder können durch gezielten Import von Gütern, deren Herstellung viel Wasser benötigt, ihre eigenen Wasserressourcen schonen. Aufgabe 14: Errechnen Sie den virtuellen Wasserverbrauch des untenstehenden Beispiels. Füllen Sie dazu die rechte Spalte der Tabelle aus. Die Berechnung des virtuellen Wassers ermöglicht auch, den internationalen Transfer von Wasser zu untersuchen, das in Produkten gebunden ist. Beispielsweise die Schweiz exportiert virtuelles Wasser, das in 80 der Industrieproduktion verbraucht wird und importiert virtuelles Wasser vor allem in Agrarprodukten (zu 100 denen auch die besonders wasserverbrauchende Baumwolle gehört). 100 280 6.5.2 Water Footprint 560 lumfasst die Der englische Begriff Water Footprint, übersetzbar mit Fussabdruck des Wasserverbrauchs, Gesamtmenge an Wasser, die für die Produktion der Güter und Dienstleistungen benötigt wird, welche die 2400 Bevölkerung eines Landes in Anspruch nimmt. Diese Definition umfasst also auch Wassermengen, die 75 Dabei wird ausserhalb dieses Landes verbraucht wurden für Güter, die für dieses Land produziert werden. 170 Fussabdruck der Wasserverbrauch nach blauem, grünem und grauem Wasser unterschieden: Der blaue bezieht sich auf das Grund- und Oberflächenwasser, das bei der Produktion direkt verdunstet wird. Der 2645 ist somit grüne Fussabdruck beschreibt die Wassermenge, die durch die Vegetation selbst verdunstet und vor allem in der Landwirtschaft von Bedeutung. Der graue Fussabdruck umfasst die Wassermengen, die 240 durch Produktionsprozesse verunreinigt werden. 270 50 Abbildung 9: Der Wasserverbrauch eines Produkts summiert sich im Verlauf des Produktionsprozesses zum 26 Wasser-Fussabdruck. 75 Abbildung 10: Der Wasserfussabdruck pro Einwohner und Jahr in den Staaten der Erde 92.5 240 993.5 280 140 190 35 645 4843.5 -13- BKS Chur Michael Compeer Abbildung 11: Beispiele für den virtuellen Wassergehalt in verschiedenen Produkten Quellen: Wasserverbrauch CH: Transpirationskoeffizienten: Zugriff: 09.01.2013 Wasserverbrauch Zürich: Zugriff: 09.01.2013. Naher Osten: Pearce, F.: Wenn die Flüsse versiegen. München 2007, S. 21Sf. Naher Osten: Renger, Jochen: Wasserressourcen im Nahen Osten. In: Geographische Rundschau 212002, S. 51-55. Naher Osten: Zugriff: 13.01.13. Wasser und Industrie: Mauser, W.: Wie lange reicht die Ressource Wasser? Vom Umgang mit dem blauen Gold. Frankfurt a.M. 2007 (Forum für Verantwortung) Virtuelles Wasser: Zugriff: 14.01.13. Virtuelles Wasser: Zugriff: 14.01.2013. Die Southern Nevada Water Authority (SNWA) ist unter anderem für die Wasserversorgung von Las Vegas zuständig und hat strenge Vorschriften zur Kontrolle des Wasserverbrauchs erlassen. Pläne regeln genau, wer an welchen Tagen der Woche seinen Garten bewässern darf. Ohnehin sollen Rasenflächen möglichst reduziert werden. Grundstückseigentümer erhalten Prämien, wenn sie Rasenflächen zugunsten dürreresistenter Pflanzen oder Steingärten aufgeben. Neubauten von Swimming-Pools werden nicht mehr genehmigt. Autos dürfen nur noch einmal pro Woche gewaschen werden. Jede Form von Wasserverschwendung wird mit Geldbussen belegt, deren Höhe sich mit jedem wiederholten Verstoss verdoppelt. Bei einer Telefonhotline können die Bürger Wasserverschwendungen in ihrer Nachbarschaft melden. Die SNWA setzt auf eine mehr als 550 km lange, eine Milliarde teure Pipeline, die aus dem dünnbesiedelten Norden Nevadas Wasser (20 Mio. m3/Jahr) nach Las Vegas bringen soll. Der USKongress hat ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Doch gegen das Projekt kündigten Naturschützer und Umweltverbände heftigen Widerstand an, da sie befürchten, dass sich die Trockenheit in den betroffenen Gebieten noch weiter verschärft und der Lebensraum bedrohter Pflanzen und Tierarten gefährdet wird. Ausserdem zog sich die SNWA die Feindschaft der Bauern im nördlichen Nevada zu. Die Southern Nevada Water Authority (SNWA) ist unter anderem für die Wasserversorgung von Las Vegas zuständig und hat strenge Vorschriften zur Kontrolle des Wasserverbrauchs erlassen. Pläne regeln genau, wer an welchen Tagen der Woche seinen Garten bewässern darf. Ohnehin sollen Rasenflächen möglichst reduziert werden. Grundstückseigentümer erhalten Prämien, wenn sie Rasenflächen zugunsten dürreresistenter Pflanzen oder Steingärten aufgeben. Neubauten von Swimming-Pools werden nicht mehr genehmigt. Autos dürfen nur noch einmal pro Woche gewaschen werden. Jede Form von Wasserverschwendung wird mit Geldbussen belegt, deren Höhe sich mit jedem wiederholten Verstoss verdoppelt. Bei einer Telefonhotline können die Bürger Wasserverschwendungen in ihrer Nachbarschaft melden. Die SNWA setzt auf eine mehr als 550 km lange, eine Milliarde teure Pipeline, die aus dem dünnbesiedelten Norden Nevadas Wasser (20 Mio. m3/Jahr) nach Las Vegas bringen soll. Der USKongress hat ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Doch gegen das Projekt kündigten Naturschützer und Umweltverbände heftigen Widerstand an, da sie befürchten, dass sich die Trockenheit in den betroffenen Gebieten noch weiter verschärft und der Lebensraum bedrohter Pflanzen und Tierarten gefährdet wird. Ausserdem zog sich die SNWA die Feindschaft der Bauern im nördlichen Nevada zu. Die Southern Nevada Water Authority (SNWA) ist unter anderem für die Wasserversorgung von Las Vegas zuständig und hat strenge Vorschriften zur Kontrolle des Wasserverbrauchs erlassen. Pläne regeln genau, wer an welchen Tagen der Woche seinen Garten bewässern darf. Ohnehin sollen Rasenflächen möglichst reduziert werden. Grundstückseigentümer erhalten Prämien, wenn sie Rasenflächen zugunsten dürreresistenter Pflanzen oder Steingärten aufgeben. Neubauten von Swimming-Pools werden nicht mehr genehmigt. Autos dürfen nur noch einmal pro Woche gewaschen -14- BKS Chur Michael Compeer werden. Jede Form von Wasserverschwendung wird mit Geldbussen belegt, deren Höhe sich mit jedem wiederholten Verstoss verdoppelt. Bei einer Telefonhotline können die Bürger Wasserverschwendungen in ihrer Nachbarschaft melden. Die SNWA setzt auf eine mehr als 550 km lange, eine Milliarde teure Pipeline, die aus dem dünnbesiedelten Norden Nevadas Wasser (20 Mio. m3/Jahr) nach Las Vegas bringen soll. Der USKongress hat ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet. Doch gegen das Projekt kündigten Naturschützer und Umweltverbände heftigen Widerstand an, da sie befürchten, dass sich die Trockenheit in den betroffenen Gebieten noch weiter verschärft und der Lebensraum bedrohter Pflanzen und Tierarten gefährdet wird. Ausserdem zog sich die SNWA die Feindschaft der Bauern im nördlichen Nevada zu. -15-