Arbeitsblatt: Belsazar von Heinrich Heine

Material-Details

Ballade lesen und verstehen, Wortschatzliste, Hintergrundinfos zu Text und Autor
Deutsch
Leseförderung / Literatur
7. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

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711
6
17.12.2013

Autor/in

Carmela Wirz
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Belsazar von Heinrich Heine (1797 – 1856) Die Mitternacht zog näher schon; in stummer Ruh lag Babylon. Nur oben in des Königs Schloss, da flackert, da lärmt des Königs Tross. Dort oben in dem Königssaal Belsazar hielt sein Königsmahl. Die Knechte sassen in schimmernden Reihn und leerten die Becher mit funkelndem Wein. Es klirrten die Becher, es jauchzten die Knecht; so klang es dem störrigen Könige recht. Des Königs Wangen leuchten Glut; im Wein erwuchs ihm kecker Mut. Und blindlings reisst der Mut ihn fort, und er lästert die Gottheit mit sündigem Wort. Und er brüstet sich frech und lästert wild; die Knechteschar ihm Beifall brüllt. Der König rief mit stolzem Blick; der Diener eilt und kehrt zurück. Er trug viel gülden Gerät auf dem Haupt; das war aus dem Tempel Jehovahs geraubt. Und der König ergriff mit frevler Hand einen heiligen Becher, gefüllt bis zum Rand. Und er leert ihn hastig bis auf den Grund und rufet laut mit schäumendem Mund: «Jehovah! dir künd ich auf ewig Hohn, ich bin der König von Babylon!» Doch kaum das grause Wort verklang, dem König ward heimlich im Busen bang. Das gellende Lachen verstummte zumal; es wurde leichenstill im Saal. Und sieh! und sieh! an weisser Wand, da kam hervor wie Menschenhand. Und schrieb und schrieb an weisser Wand Buchstaben von Feuer, und schrieb und schwand. Der König stieren Blicks da sass, mit schlotternden Knien und totenblass. Die Knechteschar sass kalt durchgraut und sass gar still, gab keinen Laut. Die Magier kamen, doch keiner verstand zu deuten die Flammenschrift an der Wand. Belsazar ward aber in selbiger Nacht von seinen Knechten umgebracht. Babylon Jehova der Tross In der Antike eine der wichtigsten Städte, Hauptstadt Babyloniens, am Euphrat gelegen, 90 km südlich Bagdads im heutigen Irak. JHWH  (  ,  ausgeschrieben  meist  Jahwe  oder  Jehovah)  ist der Eigenname Gottes in der Hebräischen Bibel. Er bezeichnet dort den gnädigen Befreier und gerechten Bundespartner des erwählten Volkes Israel, der für Judentum und Christentum zugleich Schöpfer, Richter und Erlöser der ganzen Welt ist. Menschen im Gefolge des Königs sich brüsten keck Gott lästern gülden der Frevel der Hohn grauses Wort gellendes Lachen stierer Blick schwand/schwinden kalt durchgraut die Knechte angeben, aufschneiden, prahlen, sich rühmen, sich aufspielen kühn Gott fluchen, beleidigen golden Verstoss gegen religiöse Regeln/Wertvorstellungen der Spott furchterregendes Wort lautes, aufdringliches Lachen starrer, ausdrucksloser Blick verschwinden von Angst und Grauen/Schrecken gepackt, kalt und starr sein die vom König Abhängigen (Diener, Dienstmänner am Hof) HEINRICH HEINE wurde 1797 in Düsseldorf als Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre studierte er in Bonn, Göttingen und Berlin die Rechte. 1825, nach Abschluss des Studiums, liess er sich christlich taufen, denn er litt darunter, als Jude wie ein Aussenseiter behandelt zu werden. Ab 1831 lebte er als Zeitungsjournalist in Paris. Viele seiner Gedichte sind von F. Schubert und R. Schumann vertont worden. Seine politischen und kritischen Schriften waren in Deutschland verboten. Kurz vor seinem Sterben kehrte er zu seinem ursprünglichen Glauben zurück. Der Lobgesang „Bachazoz halajla mit dem Refrain „Und es war nach Mitternacht hatte ihn zu seinem „Belsazar inspiriert. Heine kannte die Geschichte, wie sie das Buch Daniel berichtet. Belsazar war Kronprinz von Babylon, der von 552 bis 543 v. Chr. an Stelle seines Vaters die Regierungsgeschäfte führte. Er herrschte über ein bedeutendes Reich, das nicht nur das Euphrat- und Tigrisland umfasste, sondern auch das ganze Küstengebiet am Mittelmeer bist zur Halbinsel Sinai, also bis zum Roten Meer hin. Sein Vater hatte Palästina erobert, den jüdischen Tempel Salomos in Jerusalem zerstört und dort die goldenen und silbernen Tempelgeräte geraubt. Im biblischen Buch Daniel, Kapitel 5 wird Belsazar als Sohn des Nebukadnezar II. genannt. Von ihm wird berichtet, dass er bei einem Gastmahl die geweihten Gefässe aus dem Tempel der Juden als Trinkbecher benutzte. Daraufhin erschien eine geisterhafte Schrift an der Wand seines Palastes. Belsazar lässt sofort seine Schriftgelehrten herbeirufen, die jedoch den Sinn der Worte nicht verstehen. Daraufhin wird der Prophet Daniel herbeigeholt: Er liest Mene mene tekel u-pharsin: Das bedeutet: Gezählt, gezählt, gewogen, geteilt: Gott hat dein Königtum gezählt und beendet. Du wurdest auf einer Waage gewogen und für zu leicht befunden. Dein Reich wird geteilt und den Medern und Persern  gegeben. Daniel wird als Belohnung für seine Übersetzung zum dritten Mann im Land erhoben. Noch in derselben Nacht wird Belsazar getötet.