Arbeitsblatt: AB Freitag Brüder

Material-Details

Lückentext zu den Brüdern Freitag
Werken / Handarbeit
Textil
1. Schuljahr
3 Seiten

Statistik

126138
926
4
06.01.2014

Autor/in

Marisa Loher
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

1 «RESPECT, BROTHERS» 2 THE BEGINNING TEXT: OLIVER GEMPERLE Zwei Brüder begannen in Heimarbeit Taschen zu schneidern und machten damit ihrem Mitbewohner das Leben zur Hölle. Nun erobern die «freewaybags made in Switzerland» die Welt. In den frühen neunziger Jahren zog ich von zu Hause aus und nahm mir ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft – ein Fehler, den so mancher junge Mensch begeht, nur weil er endlich in der grossen Stadt leben will. In meinem Fall hiess die Stadt Zürich, alles andere als eine Metropole also. Zudem lag unsere Wohnung an der Transitroute Deutschland – Italien, die das auf den ersten Blick malerische Zürich durchschneidet wie eine Motorsäge die Zuckerbäckertorte. Ein anhaltendes Beben erschütterte das Haus, der Putz blätterte in tellergrossen Stücken von der Decke, und in den Wänden taten sich Risse auf. Ich lebte dennoch gerne in dieser Wohngemeinschaft. Dann aber entwickelten mein Mitbewohner Markus Freitag und sein Bruder Dani eine Idee, die mich noch mehr als jeder Lärm an den Rand des Wahnsinns bringen sollte. Ich verbrachte die meiste Zeit damit, eine Geschichte zu ersinnen, aus der irgendwann ein Roman werden sollte. Mein Mitbewohner Markus Freitag war da vollkommen anders. Als der mehr aktive Typ setzte er eines Tages den Beginn zu einer realen Geschichte. Markus spannte einen Anhänger an sein Fahrrad und fuhr in ein nahe gelegenes Industriegebiet; als er zurückkam, schleppte er eine ausgediente LKW-Plane in das fünfte Stockwerk herauf und begann sie in der Badewanne zu schrubben. In seinem Zimmer, zwischen Matratze und Stereoanlage, breitete er die gewaschene Plane aus und zeichnete ein Schnittmuster darauf. Der Prototyp der FREITAG Tasche entstand. In der Folge veränderte sich unsere gemütliche Wohnung, und es veränderte sich mein Leben. Über Wochen war die Badewanne gefüllt mit schwarzem, stinkendem Wasser, in dem die LKW-Planen schwammen. Im Flur stapelten sich Kisten mit erlesenen Rohmaterialien: alte Fahrradschläuche, Autogurte, die Markus auf Schrottplätzen aus den Autowracks gerettet hatte, und noch mehr intensiv nach Plastik riechende Planen. In der Küche wurde der Tisch durch eine frühindustrielle Nähmaschine ersetzt, deren Elektromotor jedes Strassengeräusch übertönte. Als die Produktion der zweiten Serie in höherer Stückzahl anlief, hatte mich der Schwerverkehr vollends umzingelt. Dani Freitag hatte während seiner Weltreise die Tasche einem der wildesten Bike-Messenger von San Francisco zum Härtetest übergeben. Nun war auch Dani von der Realisierbarkeit des Vorhabens überzeugt, und kaum war er wieder in Zürich, installierte er im letzten freien Winkel der Wohnung einen Computer. Lieferscheine, Adressverwaltung, Rechnungen – der Drucker ratterte die ganze Nacht. Als Entschädigung für die Qualen bekam ich zwei Taschen geschenkt, das kleine und das grosse Urmodell, und ich hatte meine Freude daran. Aus dem Müll war eine robuste Umhängetasche geworden, eine Art Fahrradkuriertasche, jedoch eleganter geschnitten, und das Beste: Keine glich der anderen! Die Schnittmuster wurden auf den mit Werbung bedruckten LKW-Planen so platziert, dass sich immer wieder neue Kombinationen von Formen, Buchstaben und Farben ergaben. Nun zweifelte ich nicht mehr daran, dass aus dem Projekt etwas werden würde. Für einen Mietzins, der an Wucher grenzt, habe ich mir in einer ruhigen Seitenstrasse eine neue Wohnung gemietet, die vor meinem Einzug renoviert wurde und mit allerlei Gadgets ausgerüstet ist, zum Beispiel mit einer Fernsteuerung für die Heizung im Badezimmer, damit ich am Morgen immer angenehm temperierte Badetücher habe. Und um die Gebrüder Freitag ist eine richtige kleine Firma entstanden, mit 40 Angestellten, einer sehenswerten Homepage (www.freitag.ch) und allem, was dazugehört. Die Taschen werden nicht mehr selbst genäht, sondern u.a. in einem Behindertenheim in Auftrag gegeben, neben dem ökologischen Argument also noch ein soziales. Schlagworte wie «Innovation», «Kreativität» und «Marktnischen», diese dürren Strohhalme, die in den letzten Jahren so oft beschworen wurden, treffen auf die Firma FREITAG zu wie auf wenig andere. Die FREITAG Taschen scheinen uns gleich einem Hoffnungsfunken zu sagen: Seht her, es ist noch möglich, ein gutes Produkt herzustellen. An dieser Stelle möchte ich eine Begegnung schildern, die ich wahrhaftig so erlebt habe: Ich war in New York, um für meinen neuen Roman zu recherchieren und wollte in das aufregende Nachtleben eintauchen. An der Lower East Side betrat ich eine Bar, sie war äusserst karg eingerichtet – vielleicht war sie erst seit wenigen Stunden geöffnet, und die Einrichtung fehlte noch, bei diesen Bars weiss man das nie so genau. Die Besucher bestätigten mir durch ihre Anzahl und die Dresscodes jedenfalls, dass ich mich an einem superhippen In-Place befand. Ich war am Ziel. Als ich mich an die Bar drängte und mir einen Drink bestellte, sprach mich ein Szene-Guy an. «Nice jacket!» Er zeigte auf meine Regenjacke, die ich einzig dann anziehe, wenn es wie blöd regnet. «Looks bit like these FREITAG bags! Do you know them?» Danach kamen wir miteinander ins Gespräch, und ich erzählte eine Kurzfassung meiner Erlebnisse, wobei der Typ immer wieder schrie: «Wow! That must have been GREAT FUN!» Allen, die gern eine FREITAG Tasche tragen würden, kann ich folglich nur sagen: «Leute, die FREITAG Tasche ist und bleibt ein gutes Produkt, und die beiden Jungs haben den Erfolg verdient. Respect, Brothers!»