Arbeitsblatt: religion

Material-Details

Alter Orient Kurzgeschichte
Lebenskunde
Religionslehre / Bibel
9. Schuljahr
12 Seiten

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126454
824
4
11.01.2014

Autor/in

rebekka scartazzini
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

GESCHICHTE DES VOLKES ISRAEL UND SEINER NACHBARN IN GRUNDZÜGEN Teil 1: Von den Anfängen bis zur Staatenbildung von Herbert Donner TEIL 1: DIE VORAUSSETZUNGEN KAPITEL 1: DIE QUELLEN 1.1. Die literarischen Quellen Die Quellen lassen sich in zwei Arten einteilen: archäologische und literarische. Bei den literarischen soll auch den ausseralttestamentlichen und ausserisraelitischen Quellen grosse Bedeutung zugemessen werden. So kommt ein Blick von innen und von aussen zustande. Unmittelbare und mittelbare Quellen sollen unterschieden werden. Unmittelbar:Beziehen sich auf Abläufe und Ereignisse, Konstellationen und Personen der israelitischen Geschichte direkt und aus zeitlicher Nähe. Mittelbar: Beschreiben die allgemeinen syropalästinensischen Verhältnisse oder geschichtlichen Abläufe aus grösserem zeitlichen Abstand, womöglich reflektierend. Ägypten: Texte seit dem 3.Jt.v.Chr. in hieroglyphischer, hieratischer und demotischer Schrift auf Holz, Stein, Ostraka und Papyrus erhalten. Diese Texte werden seit dem 2.Jt.v.Chr. für die Geschichte Israels bedeutsam. Mesopotamien: Keilschrifttexte seit dem 3.Jt.v.Chr. in sumerischer und akkadischer Schrift erhalten. Seit dem 1.Jt.v.Chr. auch in aramäischer Schrift und Sprache. Syrien und Palästina: Texte in akkadischer, eblaitischer, ugaritischer, aramäischer, hebräischer und altnordarabischer Schrift und Sprache. Auch seit dem 3.Jt.v.Chr. Historisch-kritische Quellenprüfung für die Literatur des AT wie auch für die ausseralttestamentliche Literatur ist gefordert. Die Quellenlage für die Zeit des 1. Jt.v.Chr. ist unvergleichlich besser, als für die Zeit vor der Staatenbildung (letzte 2 bis 3 Jahrhunderte des 2.Jt.v.Chr.) die Zeit der Patriarchen, Wüstenwanderung, Landnahme und Richter. Bis vor der Staatenbildung war Israel noch kein Volk, sondern ein Volk im Werden. Und sie waren Nomaden. Deshalb fertigten sie selbst keine Texte (Urkunden etc.) an und von den Nachbarn wurden sie noch nicht genug ernst genommen. Trotzdem wissen wir aber genau Bescheid über die Vor- und Frühgeschichte des Volkes Israel. Im Gegensatz zu altorientalischen Kulturvölkern seiner Umgebung war sich Israel immer bewusst, dass es in der Welt einmal anders ausgesehen hat als in seiner jeweiligen Gegenwart. Israel ist ein nicht-autochthones Volk. Der Anfang der Geschichte Israels wird nicht in die Urzeit datiert (Israel kommt in der Gen. nicht vor). Die Anfänge Israels führen nicht in den Mythos sondern in die Welt der Sage. Die Geschichtlichkeit der Sage ist ein Problem: Die Sage hat in der Regel einen historischen Kern, sie reduziert und vereinfacht jedoch und ihre literarische Fixierung erfolgt oft nach einer längeren mündlichen Überlieferung. 1.2. Die archäologischen Quellen Die biblische Archäologie entstand im 19. Jahrhundert. Zwei Arbeitsweisen: Ausgrabungen, archäologische Oberflächenforschung. Das Ziel einer archäologischen Ausgrabung besteht nicht im Zutagefördern spektakulärer Funde, sondern in der Klärung der Siedlungs- und Kulturgeschichte des Ausgrabungsortes. (Stratigraphie) Bibelwissenschaft und Archäologie sollen einander kritisch ergänzen. Wer auf diesem Grundsatz besteht, wird ein zuverlässiges Mittel zur Abwehr des Agerdlaubens an die Archäologie in der Hand haben. KAPITEL 2: VÖLKER UND STAATEN DES ALTEN ORIENTS IN DER 2. HÄLFTE DES 2. JT. V. CHR. Der Schauplatz der Geschichte Israels ist der Südteil der syropalästinischen Landbrücke zwischen den Kulturen und Mächten am Nil, im Zweistromland und in Kleinasien. Die Geschichte Israels darf und kann nie für sich allein betrachtet werden, sie ist untrennbarer Teil der Geschichte des Alten Orients. Das grosse historische Thema der 2. Hälfte des 2.Jt.v.Chr. ist das Gleichgewicht der Kräfte: Der Vordere Orient tritt ein in das Zeitalter der Grossreiche, in die Epoche des Imperialismus. Es bildet sich ein System von Grossreichen mit verschiedenen Schwerpunkten und Zentren. Die Beteiligten versuchen, sich die Waage zu halten. Ein Hauptgrund, der die Bildung eines Grossreichsystems und die Entfaltung imperialistischer Machtpolitik ermöglichte, war der Gebrauch von Pferden als Gespanntiere der Streitwagen: eine neue Technik der Kriegführung. Weitere Neuerungen gab es im Heerwesen und in der Administration. Den Anfang nahm der Imperialismus in Ägypten: Die oberägyptischen Fürstentümer gewannen immer mehr an Macht gegenüber den aus Vorderasien stammenden Hyksos. Kamose und Amohse (Beginn der 18. Dynastie) gelingt es, den Hyksos schwere Schläge zuzufügen. Amohse konnte die Stadt Auaris einnehmen und die Hyksos vertreiben. Unter Amohse (1552-1527) und seinem Nachfolger Amenophis (1527-1506) vollzog Ägypten den Schritt in den Imperialismus. Es begann das Neue Reich. Der Rang Thebens als Reichshauptstadt wuchs und auch der Rang des thebanischen Hauptgottes Amun. Thutmoses I. (1506-1494) war der erster Pharao. Er gelangte bis an den Euphrat. Die Pharaonen begnügten sich vorerst mit einer relativ lckeren Oberhoheit über die unterworfenen Gebiete in Vorderasien. Die ägyptische Kultur gewann an beachtlichem Einfluss in Palästina und Südsyrien. Als Thutmoses II. (1494-1490) starb, übernahm seine Gemahlin Hatschepsut (1490-1468) zunächst die Regentschaft für ihren minderjährigen Stiefsohn Thutmoses III. (1490-1436) und machte sich wenig später selber zur Königin. Als jener nach ihrem Tod an die Macht kommt, zwingt ihn das aussenpolitische Erbe zu unverzüglichem Handeln. Sein erster Kriegszug (1468) führte ihn nach Palästina. Ab jetzt kämpte er fast alljährlich in Palästina und kontrollierte grosse Teile davon. Am Vasallitätsstatus der unterworfenen Kleinfürstentümer änderte er nichts. Er richtete in Häfen der palästnischen Küste Flottenstützpunkte ein. Unetr seinen Nachfolgern wurden dann auch Garnisonenstützpunkte errichtet. Thutmoses III. kam nicht weiter als bis an den Euphrat. Das hatte seinen Grund: In Obermesopotamien hatte sich nämlich eine zweite Grossmacht gebildet: Das Reich von Mitanni- Hanigalbat. Um 1448 einigte sich Thutmoses III. mit Mitanni, verzichtete auf weitere Expansion und schloss einen förmlichen Vertrag, in dem die Einflussgebiete beider Grossmächte in Mittelsyrien gegeneinander abgegrenzt wurden. In den folgenden Jahrzehnten des 15. Jh. verschob sich das Gleichgewicht geringfügig zuungunsten der Ägypter. In der 1.Hälfte des 14. Jh., der sog. Amarnazeit, erlosch die militärische Kontrolle der unterworfenen Gebiete von seiten der Ägypter nahezu vollständig. Es folgte eine Zeit des äusseren und inneren Friedens. Unter Amenophis IV. Echnaton (1364-1347) geriet Ägypten aussen- und innenpolitisch an den Rand der Katastrophe. Der Herrscher zieht sich aus Theben in die neue Hauptstadt Horizont des Aton (Tell el-Amarna) zurück und widmet sich mehr der Theologie, während sich zwei neue Grossreiche am Horizont abzeichnen, um das mitannische Erbe anzutreten: das hettitische Neue Reich und das Mittelassyrische Reich. Aus der Amarnazeit ist ein ganzes Tontafel-Archiv erhalten, welches Einsicht in die Briefe, die die Herrscher von Mitanni, des Hettiterreichs, Assyriens, Babyloniens und der syropalästinensischen Kleinfürsten mit den Pharaonen austauschten, gibt. Sie zeigen, dass die vorderorientalischen Reiche sich zähneknirschend als gleichberechtigt anerkannten. Doch das neuägyptische Grossreich beginnt zu bröckeln. Die Amarnazeit dauert nicht mehr lange! General Haremhab (1334-1306) räumte auf: er versuchte, zunächst Ägypten im Innern zu befrieden und zu reorganisieren. Er setzte Amun von Theben in seine alten Rechte ein. In Vorderasien war er militärisch präsent und konnte wie es scheint Palästina einigermassen in Zaun halten. Auf Haremhab folgten Ramses I. (1306-1304), Sethos I. (1304-1290) und Ramses II. (1290-1224). Beherrschende Vormacht war nun das hettitische Neue Reich mit der Hauptstadt Hattusa. Sethos I. kam auch gleich in Konflikt mit den Hettitern. Er ging bis über Palästina hinaus, konnte zwar Kadesch einnehmen, aber zu einem dauerhaften Machtausgleich mit den Hettitern kam es nicht. Erst unter Ramses II. fiel die Entscheidung: Er kämpfte 1285 gegen die Streitkräfte des hettitischen König Muwatalli bei Kadesch. Keiner ging als der klare Sieger aus der Schlacht hervor. Und erst 1270 kam es zum Friedensschluss zwischen Ramses II. und Mursili. Die Grenze zwischen den Einflussgebieten verlief wahrscheinlich auf der Höhe des Flusses Eleutheros (Mittelsyrien). Um 1200 brach das Grossreichsystem relativ rasch zusammen. Den Anstoss dazu gab die sog. Seevölkerbewegung. Die Seevölker kamen aus der ägäischen Inselwelt, z.T. vielleicht auch aus dem Balkan. Ihnen erlag das hettitische Neue Reich (um 1200). Auch für die Ägypter wurden sie gefährlich. Bereits Merenpath (1224-1204), der 13. Sohn von Ramses II., bekam es mit ihnen zu tun, als sie sich mit den Libyer verbündeten, die eine grossangelegte Inavsion des Deltas planten. Ramses III. (1184-1153) schlug die erste bekannte Seeschlacht der Geschichte und es gelang ihm tatsächlich, die Seevölker vom ägyptischen Territorium fernzuhalten und ägyptens Oberhoheit über Palästina zumindest theoretisch zu bewahren.Unter den späteren Ramessiden (1153-1070) sank Ägypten jedoch völlig auf das Nilland zurück und verlor sein gesamtes vorderasiatisches Einflussgebiet. Dann war das komplizierte Grossreichsystem, das Vordersien während eines halben Jahrtausends geprägt hat, endgültig zugrunde gegangen. Durch das sich Auflösen des Hettiterreichs und der ägyptischen Hegemonie, entstand in der Landbrücke ein Vakuum, das durch eigene politische Gebilde der betroffenen Gebiete aufgefüllt wurde. Diese Möglichkeit ist durch den Zustrom und das Aufkommen neuer Bevölkerungselemente befördert und schliesslich Wirklichkeit geworden: durch die Philister und die Aramäer. Philister: Über ihre Herkunft ist nichts Genaues bekannt. Das AT bringt sie mit Kreta in Verbindung. Ev. aber auch Balkan. Vielleicht siedelte Ramses III. oder einer seiner Nachfolger sie in der südpalästinensischen Küstenebene an, um sie als Bollwerk gegen andere, vom Norden her andrängende Seevölker einzusetzten. Sie fühlten sich als legitime Erben der ägyptischen Hegemonie. Sie bemühten sich in der Folgezeit, auch das zentralpalästinensische Gebirge unter ihre Kontolle zu bringen, was ihnen aber nicht gelang, weil sie nicht das einzige neue Bevölkerungelement in der Gegend waren. Aramäer: Die Aramäer waren keine homogene Bevölkerungsgruppe. Zu den Aramäern gehörten die ostjordanischen Ammoniter, Moabiter und Edomiter und jene Stämme, die später unter dem Namen Israel hauptsächlich im Westjordanland Fuss gefasst haben. Sie trafen im Gebirge auf die Philister und die Philister auf sie ein Konflikt von höchster historischer Bedeutsamkeit, der schliesslich zur israelitischen Staatenbildung geführt hat. KAPITEL 3: DAS LAND PALÄSTINA UND SEINE BEWOHNER Palästina: Gebiete des heutigen Israel, Jordanien und Selbstverwaltungsgebiet der Palästinenser. Palästina, Westsyrien und Libanon bilden geographisch eine Einheit. So gewöhnte man sich daran, als Nordbegrenzung Palästinas eine theoretische Linie zu betrachten, die nicht geographisch sondern historische Gründe hat: östlich des Jordangrabens auf der Höhe des Yarmuk und westlich des Jordangrabens auf der Höhe des Leontes. Palästina ist kein fruchtbares Land und es besitzt so gut wie keine Bodenschätze. So war es nie Handelszentrum, aber Durchgangsgebiet, durch das die grossen, transkontinentalen Handelsstrassen liefen und sich kreuzten. Palästina ist zum Meer hin verschlossen, zur Wüste hin aber relativ offen. Bis vor einem halben Jahrhundert lebte die Bevölkerung vor allem vom Ackerbau. Bauern und Nomaden. Die arabischen Kleinviehnomaden (Beduinen) leben mit ihren Herden nicht selten in den Steppengürteln und an den Wüstenrändern des Fruchtbaren Halbmondes. Dies ist aber bloss während des regnerischen Winters möglich. Im Sommer sind sie im Kulturland. Diesen Weidenwechsel nennt man Transhumanz. Das Pendel der Transhumanz schlägt immer mehr Richtung Kulturland aus. Die Sesshaftwerdeung nennt man Sedentarisation. Sie ist ein schwieriger Prozess. Früher wurde in der Forschung davon ausgegangen, dass ein solcher Prozess zur Landnahme Israels führte. Heute jedoch weiss man, dass eine solche Analogie nicht ohne weiteres anzunehmen ist, gibt es die Beduinen in ihrer heutigen Form erst seit 500-200 v. Chr. Natürlich gab es schon in älteren Zeiten Nomaden, doch ist ihre Soziostruktur nicht in allem mit heutigen Nomaden vergleichbar. Das Bild, das im Deutronomium durch Moses Abschiedsrede von Palästina gezeichnet wird, ist eine tabula rasa, ein Vakuum. Es entspricht nicht der Realität. Um ca. 1200-1000 dominierte in Palästina das uneinheitliche semitische Bevölkerungelemnt der Kanaanäer. Sie sind in kleine Stadtstaaten geordnet und sie sind in der Regel monarchisch verfasst, an ihrer Spitze steht ein König. Vergleichbar mit einem Bürgermeister. KAPITEL 4: TRENNUNG, SAMMLUNG UND GLIEDERUNG Das Werden eines Volkes ist kein Naturvorgang sondern ein historischer Prozess. Im AT finden wir Zeugnisse dieses Prozesses in Sagenform. Die Sage geht wie folgt vor: Jede Menschengruppe, jedes Volk, jede Gemeinschaft wird auf einen oder mehrere fiktive Ahnherren zurückgeführt. Tragen diese Ahnherren den Namen der Gruppe, die sie repräsentieren, nennt man sie Eponyme. Genealogisches Denken im Altertum. Dahinter steht das Bestreben, menschliche Verhältnisse im grossen nach Analogie im kleinen zu verstehen und anschaulich zu machen.Es handelt sich um eine mikrokosmische Betrachtungsweise des Makrokosmos der Völker- und Menschenwelt. Israel will zunächst möglichst wenig mit dem kanaanäischen Volk zu tun haben (s. Völkertafel Gen 10). Ham repräsentiert das ägyptische Neue Reich, Japhet die Völkerschaften des Nordens auf dem Territorium des um 1200 v. Chr. zugrunde gegangenen hettitischen Neuen Reichs und Sem die Völker Mesopotamiens und eines Teils des nord- und mittelsyrischen Raums. Israel taucht in der Liste nicht auf; es wird später genealogisch aber so behandelt, dass man Sem als seinen Ahnherrn erkennt. Es fühlt sich also mit Kanaan nicht enger verwandt, als alle Menschen es sind. Über Noah nämlich. Israel hat ein starkes Gefühl der Fremdheit gegenüber den Kanaanäern entwickelt und durchgehalten. Im Laufe der Zeit kam es zu einem mehr oder minder ausgeglichenen Nebeneinander von Israel und Kanaan. Mit den Aramäern des späten 2. Jt. v. Chr. und den Protoarabern der ersten Hälfte des 1. Jt. v. Chr. hat sich Israel verwandt gefühlt. Verwandschaft heisst Zusammengehörigkeit ausgedrückt in den Kategorien des genealogischen Denkens. Gen 29, 1-29; Gen 29, 32-30; Gen 35, 16-18; 22-26: Jakob ist ein Eponym. Seine Söhne haben vier verschiedene Mütter. Daraus lassen sich verschiedene Theorien entwickeln. Sicher ist aber, dass die komplizierte Herleitung der Söhne nichts anderes ist, als der genealogische Niederschlag eines Systems, mit dem man die Grösse Israel gliedernd zu begreifen und verständlich zu machen versuchte. Die Zeit festzumachen, aus der dieses System stammen könnte ist schwierig. Vor der Landnahme kann das System nicht entstanden sein, weil es eine Phase, in der alle in ihm erfassten Stämme gleichzeitig in Palästina nomadisierten, anscheinend gar nicht gab. Es kann aber auch nicht nach der Landnahme entstanden sein, weil die von ihm erhaltenen altertümlichen Züge das Ergebnis des Landnahmevorgangs keineswegs sachgemäss abbilden. Eine genealogische Fiktion aus späteren Epochen kann es aber auch nicht sein, denn Fiktionen pflegen den Verhältnissen ihrer Entstehungszeit zumindest in den Umrissen Rechnung zu tragen. So bleibt nur der Landnahmeprozess selbst übrig. Das System entstand stufenweise im Laufe der Landnahme: Es ist das systematisierende, konservierende Resultat eines verwickelten historischen Prozesses, der in ihm allenthalben seine Spuren hinterlassen hat. Es ist der Versuch, eine im Entstehen begriffene und schliesslich entstandene geschichtliche Grösse gewissermassen fort- und festzuschreiben und genealogisch zu erklären. Die Frage nach dieser geschichtlichen Grösse (Zwölfzahl) ist die schwierigste überhaupt: Die Zwölfzahl ist wohl konstitutiv für das System überhaupt. Es gibt aber zwei Formen davon: Normal (mit Levi und Joseph); literarisch jüngere (Num 26,4-51) ohne Levi und Joseph, dafür Ephraim und Manasse je für sich gezählt. 12erZahl: Noth fand in jüngeren griechischen und italienischen Genealogien Analogien von 12Stämmebünden. Es handelt sich um Bünde von Stämmen oder Städten zum Zwecke der Aufrechterhaltung des Kultus eines Zentralheiligtum. Für dies Art von Bünden wurde der Begriff Amphiktyonie (Gemeinschaft der Umwohneneden) eingeführt. Entscheidend ist die Existenz eines Zentralheiligtums. In Israel die Lade Jahwes. Problem: Kein dauerhafter Standort. Gegen diese Hypothese Noths sprechen vier Argumente: 1. Schwächster Punkt: Die Israel-Amphiktyonie besass kein Zentralheiligtum. Die Lade Jahwes ist kein Kultort sondern ein Kultgegenstand. Es gibt keine Amphiktyonien mit wechselndem Kultort des Zentralheiligtums. Die Lade als gesamtisraelitisches Kultobjekt ist im AT nicht zu belegen. 2. Es gibt auch keine Belege für gemeinsame amphiktyonische Aktionen des israelitischen Zwölferstämmevebands. D.h. keine gemeinsamen kultischen Handlungen. (Gemeinsame Kriegshandlungen machen eine Amphiktyonie nicht aus.) 3. Die griechisch-italienischen Amphiktyonien waren nicht Nomadenstämme. Die Nomadenvölker, mit denen Israel zuerst verglichen werden sollte, kennen keine Amphiktyonien. Deshalb wird ein Analogieschluss schwierig. 4. Neuere Untersuchen haben wahrscheinlich gemacht, dass die griechischen und italienischen Amphiktyonien Überreste politischer Stämme- oder Städteföderationen sind. Dann aber wäre eine Analogie unmöglich, sollen doch der israelitische Stämmebund politischen Institutionen vorausgehen. Wenn der israelitische Zwölfstämmeverband keine Amphiktyonie war, was denn sonst? Kein sakraler Bund, sondern politische Föderation. Alle ähnlich gearteten aramäischen und protoarabischen Staatenbünde sind vormonarchisch. So auch Israel. Politische Bünde erleichtern den Nichtsesshaften, ihre Interessen durchzubringen und die Anarchie (Fehden, Razien, Überfälle, Blutrache) zu überwinden. Die (ev. fiktive) verwandtschaftliche Zusammengehörigkeit ist selbst schon ein Ordnungsfaktor. Innerhalb des Stämmebundes können Koalitionen gebildet werden, gemeinsame Feinde (Symmachen) bekämpft werden und Auseinandersetzungen innerhalb der Föderation bleiben begrenzbar. Nicht die Religion, schon gar nicht die Jahwereligion war das Agens für die Föderation, sondern regional-politische Gegebenheiten. Wir wissen nicht, welchen Religionen die israelitischen Stämme in dieser Frühphase anhingen. Jahwe spielte jedoch noch keine Rolle. Dies sieht man daran, dass im Wort Israel das Wort El vorhanden ist, aber nicht Jahwe. Diesen brachte erst die Moseschar mit. Er war zur religiösen Dominanz bestimmt. Die Verehrung Jahwes wurde zu einem mächtigen Impuls im Gemeinsamkeitsbewusstsein. Man begann erst jetzt ein Volk im vollen Sinn des Wortes zu werden. Zur Volksbildung gehört die Besinnung auf gemeinsame Schicksale: Jahwe ist den Stämmen Israels zum Schicksal geworden. Exkurs: Die Hebräer Hebräer ist kein Begriff, den Israel vorzugsweise und zu allen Zeiten für sich selber angewendet hätte. Eine Theorie sagt, dass Hebräer eine soziale, keine ethnische Bezeichnung ist und für Menschen minderen Ranges angewendet wird oder von solchen als Selbstbezeichnung gebraucht wird. Outlaws der bronzezeitlichen Städte, die sich zu ihrem Schutz für ihr Leben in Abhängigkeitsverhältnisse geben mussten. Hebräer und Israelit sind kein Synonym. KAPITEL 5: DIE VORGESCHICHTE ISRAELS: DIE NACHMALIGEN ISRAELITEN VOR DER LANDNAHME Themen, um die sich die Überlieferungen der Vorzeit, aus der Zeit, in der sich die Israeliten und ihre Vorfahren noch nicht oder noch nicht endgültig im Gelobten Land befanden: die Erzväter, der Auszug aus Ägypten und der Bundesbeschluss am Gottesberg Sinai. 1. Die Erzväter Lit. Dokument: Genesis (Gen 12-35). Israel existiert zur Zeit der Erzväter noch nicht einmal nach dem Selbstzeugnis des AT. Die Genesis erzählt eine Familiengeschichte über drei Generationen fast ohne Wirkung nach aussen und die wenig von den kulturellen Veränderungen um sie herum wahrnimmt. Unstetes Wanderleben der Patriarchen. Ihre Wege sind verworren und ziemlich merkwürdig. Deshalb muss angenommen werden, dass diese Wege überlieferungsgeschichtliche Gründe haben. Keiner der Väter hat je seinen Fuss in die Küstenebene oder in das Hügelland gesetzt, keiner ist in Galiläa gewesen. Die Orte, in denen sie öfters weilten liegen alle in Mittel- und Südpalästina und im Ostjordanland: Sichem, Bethel, Mamre, Hebron, Beerseba, Gerar, Beerlachajroi, Gilead, Machanaim, Sukkoth. Die Wanderungen sind sekundäre Verknüpfungen. Die Orte sind wichtiger als die Väter selbst. Die Erzählungen sind einzelne Sagen, die miteinander verknüpft wurden durch die Wanderungen. Sechs der Orte (Sichem, Bethel, Mamre, Beerlachajroi, Machanaim, Pnuel) sind Orte, wo Gott erschienen ist, heilige Orte. Der Grund für die friedliche Grundstimmung der Genesis ist, dass Gott mit den Menschen fast verkehrt als wären sie seinesgleichen. Sagen solcher Art sind Gründungssagen, ätiolische Sagen. Zu diesen Gründungssagen lässt sich noch mehr sagen: Z.T. lässt sich beweisen, dass die Heiligtümer schon vor der Entstehung Israels existierten. (Einige der Orte sind z.B. Appellativa für kanaanäische Gottheiten: Bethel.) Auch die Sage in Gen 18 geht nicht ganz auf. Da erscheinen dem Abraham drei Männer. Es liegt auf der Hand, dass diese drei Männer in der vorisraelitischen Fassung drei Gottheiten waren. Wenn aber die Sagen älter sind als Israel, dann hat Israel die kanaanäischen Offenbarungsgottheiten durch Jahwe und die Offenbarungsträger durch einen oder mehrere Patriarchen ersetzt: Israel hat sich nach der Landnahme die alten kanaanäischen Heiligtümer zu eigen gemacht. Zu den Offenbarungsträgern machte es Abraham, Isaak und Jakob. Sie waren Viehzüchter. Schutzbürger. Hatten Grundbesitz. Sie führten eine nichtsesshafte, nomadische Existenz. Sie waren sog. Bergnomaden und Kulturlandnomaden, d.h. Nichtsessahfte, die sich an den Rändern des Kulturlandes aufhielten und zwischen den Dörfern und Städten. Historisch lässt sich vermuten, dass sie Prototypen der Urisraeliten waren. Die Erzväter waren wohl Sippenoberhäupter von Kulturlandnomaden, die regional und zeitlich zu jenen Gruppen gehörten, aus denen später Israel hervorgegangen ist, oder die im späten Israel aufgegangen sind. Abraham und Isaak sind die Patriarachen der Leagruppe. Jakob ist der Patriarch der Rahelgruppe. Die Leagruppe gelangte früher zur Sesshaftigkeit als die Rahelgruppe. Es gibt beachtliche positive Gründe für die Historizität der Patriarchen. Wären sie bloss Eponyme, müsste es nach ihnen benannte Völkergruppen geben, gibt es aber nicht. Sie sind Individuen, tragen für die damalige Zeit typische Männernamen. Das Problem der Historizität darf jedoch nicht unterschätzt werden. These von A. Alt: Theorie vom Gott der Väter: Schon immer bemerkte man, dass in der Väterüberlieferung seltsame Gottesnamen vorkommen (der Gott meines/deines/seines Vaters Abraham, Isaak, Jakob, der Gott Nahors (Gen 31,53), der Schreck Isaaks (Gen 31,42.53).). Es handelt sich bei diesen Bezeichnugen um die Spur eines vorisraelitischen Religionstyps, der dann auf ähnliche Weise jahwisiert worden ist wie die kanaanäischen Gottheiten der Kulturheiligtümer. Man könnte auch versuchen, die Vätergott-Epitheta mit der gemeinorientalischen Vorstellung vom persönlichen Schutzgott eines Menschen und einer Familie zusammenzustellen. Dann wäre bei den Vätergöttern aber nicht unbedingt mit einem eigenständigen Religionstypus zu rechenen sondern einfach mit der Ausprägung persönlicher Frömmigkeit innerhalb einer schon gegebenen Religion, der Jahwereligion. Die Konsequenz erscheint naheliegend, jedoch nicht zwingend, dass die Vätergottreligion tatsächlich einen altertümlichen Religionstypus darstellte: einen gewissermassen sozialen. Drei Gründe für eine spätere Rekonstruktion der Abstammungslegende Abrahams aus Ur in Chaldäa (Südbabylonien): 1. Abraham sollte dorther stammen, wo die Urgeschichte katastrophal endete, aus dem Land des Turmes von Babel (Gen 11, 1-9). 2. Ur war in neubabylonischer Zeit (6.Jh.v.Chr.) durch den Kultus des Mondgottes Nannar-Sin eng mit dem obermesopotamischen Harran verbunden. 3. In Südbabylonien wohnten seit 586 judäische Exulanten, denen Abrahams Aufbruch ein Zeichen der Hoffnung auf Heimkehr sein mochte. Aus eben dieser Zeit datiert die priesterschriftliche Quelle des Pentateuch. In der Priesterschrift wird dieser Herkunftsort am meisten betont. 2. Der Auszug aus Ägypten Es kann nicht zweifelhaft sein, dass die Exodusgeschichte das Ergebnis eines teils vorliterarischen, teils literarischen Werde- und Kompositionsprozesses ist. Um aus Ägypten ausziehen zu können, muss man erst einmal eingewandert sein. Folglich waren die Vorläufergruppen des späteren Israels Nomaden. Irgendwann mussten sie vom Osten her in Ägypten eingewandert sein. Welche Gruppen jedoch wanderten in Ägypten ein? (Möglichkeiten: Rahelgruppe: Joseph ist ein Sohn Rahels und er wurde nach Gen 37 nach Ägypten verschleppt. Leagruppe: Mose stammt aus der Leagruppe.) Diese Tatsachen als mögliche Antworten zu nehmen ist sehr schwierig, weil die Historizität der Geschichten nicht sicher ist. Man darf nicht davon ausgehen, dass die Gruppierungen, unter denen sich das spätere Israel in Palästina darstellt, bereits vor der Landnahme vorhanden gewesen seien. Zwei Modelle der Landnahme sind möglich: 1. Die späteren Israeliten sind in verschiedenen Phasen von aussen nach Palästina eingedrungen. Vom Osten und vom Süden. Bei dieser Annahme kann von einem vorpalästinensischen Gemeinsamkeitsbewusstsein ausgegangen werden, und dann sind die grösseren Gruppen Grössen, die bereits ansatzweise in der Wüste existierten. 2. Nimmt man aber an, dass die Landnahme ein innerpalästinensischer Vorgang war, dann besteht die Landnahme darin, dass sich Bauern und Nomaden unterschiedlicher Herkunft in Palästina ihrer Gemeinsamkeit bewusst wurden und zur Sesshaftigkeit übergingen. Verhält es sich so, kann man fragen, zu welcher der in Palästina entstandenen Gruppen die Ägypten-Leute nach ihrem Auszug gestossen sind und welchen sie zuerst ihre Tradition übermittelten. Die Exodusereignisse (Ex 1) fallen in die Zeit des Pharao der Bedrückung (Ramses II., 12901224). Wer aber war der Pharao des Auszuges? Historisch lässt sich das Datum des Exodus überhaupt nicht bestimmen, wie auch die Frage, wer auszog. Auch die berühmte Israel-Stele aus dem Jahr 1219 v.Chr., die über die ägyptischen militärischen Siege triumphiert hilft nicht bei der Datierung. Auf ihr taucht zum ersten Mal der Name einer Gruppierung namens Israels auf. Auszug- und Schilfmeerkomplex sind literarisch nicht einheitlich, sondern ein kunstvolles, redaktionelles Kompositionsprodukt, an dem sowohl J, P, und auch beteiligt waren. (Aufteilung Donners siehe S.108) J: AufbruchortRamsesstadt. P: Der Weg führt entlang der Küstenstrasse. JPE machen uneinheitliche Ortsangaben über den Verlauf des Exodus und des Schilfmeerwunders. In der Rezeption der Exodus- und Schilfmeerwundergeschichte war eines immer klar: Jahwe hat es ermöglicht und es wurde nicht von Menschenhand noch von der Natur bewirkt. 3. Der Gottesberg in der Wüste Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass das Überlieferungsthema vom Gottesberg in der Wüste ursprünglich selbständig war und erst sekundär mit den Traditionen vom Auszug und von der Landnahme verbunden worden ist. Der Gottesberg hat offenischtlich zwei Namen: Sinai und Horeb. Auch seine Lage ist nicht zuverlässig bekannt. Schon Israel hat zu historischer Zeit nicht viel mehr gewusst, als dass der Gottesberg irgendwo weit im Süden, bzw. im Südosten Palästinas liegt. Das Christentum lokalisierte den Gottesberg schon seit dem 4.Jh. im zentralen Gebirge des Südteils der Sinaihalbinsel. Es ist der Gebel Musa. Dies ist durchaus möglich, aber nicht sicher. Auch nicht sicher wissen wir, was sich am Gottesberg ereignete. Literarisch gesehen ist fraglich, ob die Schichten und überhaupt im Bericht vertreten sind. Und in der Priesterschrift gipfelt die Darstellung der klassischen Heilszeit ohnenhin nicht in den Ereignissen am Gottesberg, sondern in der Einrichtung der sog. Stiftshütte (Ex 25-31; 35-40). Die Hauptabsicht: Am Gottesberg wird die endgültige Bindung des Volkes an Jahwe vollzogen. Israel ist das erwählte Volk, der Bund ist das Siegel. Was ist historisch? Eine Menschengruppe, die später in Israel aufging könnte am Gottesberg ein traditionsbildendes Erlebnis mit Jahwe gehabt haben oder ihn am Gottesberg erst kennengelernt haben. So könnte Jahwe ursprünglich auch eine Berggottheit gewesen sein. Die Gottesbergüberlieferung gehört zu den dunkelsten Kapiteln de Vorgeschichte Israels. 4. Die Wüstenwanderung Literar- und formkritisch ergibt sich, dass es sich bei der Wüstenwanderung nicht um einen geschlossenen Komplex handelt, sondern um lauter Einzelstücke, die beliebig angeordnet sind. Ausnahmen sind folgende Einzelsagen: Manna und Wachteln; Wasser aus dem Felsen; Amalekiterschlacht; die Gabe der ekstatischen Prophetie; der Aussatz Aarons und Mirjams; der Untergang der Rotte Korach (Stellenangaben siehe S. 119). Es ist möglich, dass das spätere Israel Institutionen und Gegebenheiten, die ihm wichtig waren, ätiologisch in die klassische Heilszeit zurückprojizierte, um ihnen das Gewicht mosaischen Urprungs zu verleihen und sie dadurch sakrosankt zu machen. Weiter ist nicht ganz auszuschliessen, dass Gruppen, die später in Israel aufgegangen sind, einzelne Wüstentraditionen mitgebracht haben. Dafür kommen Verbände nach der Art der Sssw-Nomaden in Frage. Exkurs: Mose Trotz der Fülle an Geschichten über ihn, weiss man nicht wer er war. Gründe für diese Unsicherheit: 1. Der Auszug aus Ägypten und somit Mose stehen so krass im Zentrum der israelitischen Heilszeit, dass die nachgeborenen Generationen ihre Anschaungen und Ideale in diesen Mose hineinprojizierten. So wurde die Gestalt Mose verwischt. 2. Die Überlieferungen liegen hauptsächlich in Form von Sagen vor. Sie vereinfachen komplizierte geschichtliche Konstellationen und reduzieren z.T. den Personalbestand. Für ältere Sagen gilt die Regel von einer zentralen Hauptfigur und dafür konnte nur Mose in Frage kommen. So rutschte er vielleicht auch in Sagen, in denen er vorhin nichts zu tun hatte. 3. Jeder Überlieferungskern vermittelt ein anderes Mosebild. 4. Der schlechthin zentralen Stellung des Mose im Pentateuch steht die auffallend schwache Bezeugung seiner Person in den ausserpentateuchischen Teilen des AT gegenüber. Die Mehrzahl der Texte, in denen er noch vorkommt ist nicht vor dem Exil entstanden. Der Verdacht liegt also nahe, dass sich die Überhöhung Mose erst den theologischen Bemühungen der nachexilischen Zeit verdanke. Die Geschichte der Geburt Mose ist unhistorisch. Ziemlich sicher jedoch ist, dass er in Ägypten geboren wurde. Sein Name ist ägyptisch. Theorien über wer Mose war: s. Seite 127/128 (beachte Theorie Nr.14). Theorie Noths: Mose war ein ostjordanischer Beduinenscheich. 5. Historisch kontrollierte Spekulation? Hypthese von E.A.Knauf, der grosse Beachtung geschenkt werden sollte. S. Seite 132/133: Eine Midianiterin namens Maryam sah im 13.Jh.v.Chr., wie südöstlich von el-Aqaba ein oder zwei ägyptische Streitwagen im Meer versanken. Sie verfasste ein Lied darüber, das ihre Stammesgenossen tradierten. Ein Syrer namens Mose (Bai-Irsu), oberster Beamter des Siptah und der Tausret, wollte nach deren Tod selbst den Thron besteigen und heuerte zu seiner Unterstützung semitische Söldner an, palästinische apiru und midianitsiche Sssw. Nach diesem Usurpationsversuch, der scheiterte, wanderten eine lebensbedrohte midianitsiche und palästinensiche Gruppe in Palästina ein und brachten ihren Gott mit. Teil 2: Die Frühgeschichte Israels: Beginn und Entfaltung KAPITEL 1: DIE LANDNAHME DER NACHMALIGEN ISRAELITEN IN PALÄSTINA UND IHRE FOLGEN 1. Der Verlauf Bericht über die Landnahme der israelitischen Stämme in Palästina: Jos 1-12. Josua musste mit Ausnahme Gibeons alle Städte militärisch erobern. Dieser Bericht ist historisch jedoch unbrauchbar. Er behandelt sie als eine gemeinsame Aktion des Zwölfstämmeverbandes Israel. Israel hat sich jedoch erst allmählich auf dem Boden des palästinensischen Kulturlandes gebildet. Es gibt keine eintige Stadt, in der die Vorgänge der Josuaerzählungen archäologisch bestätigt werden können. Es sind ätiologische Sagen. Der Josuabericht stammt aus dem dtr. Geschichtswerk. D.h. er ist ein halbes Jahrtausend jünger, als die Ereignisse, von denen er berichtet. Jos 2-9 sind ursprünglich im Stamm Benjamin beheimatet. Im Richterbuch werden die Landnahmen der Stämme einzeln aufgeführt. Jeder Stamm hatte seine eigene Landnahme. Nach Richter 1, 19.21.27-35 setzte sich Juda im Gebirge fest, konnte jedoch nicht in das Küstengebiet vordringen. An dieser Stelle des Richterbuches werden die negativen Besitzverhältnisse aufgezeigt. Die Gebiete, die die einzelnen Stämme nicht einnehmen konnten, liegen mit Ausnahme von Jerusalem alle in den Ebenen Palästinas. Die israelitischen Stämme besiedelten also v.a. das Gebirge. Die israelitische Landnahme hat eine beachtliche Veränderung der politischen Karte Palästinas eingeleitet: zum ersten Male begannen die Gebirgsgegenden eine nennenswerte Rolle zu spielen. Weiter zeigt sich, dass das Siedlungsgebiet der israelitischen Stämme auf den Gebirgen an zwei Stellen durch ostwestlich verlaufende Querriegel fester kanaanäischer Städte unterbrochen war, die dasTerritorium Israels gewissermassen drittelten: 1. der nördliche kanaanäaische Querriegel: Bethschean, Jibleam, Thaanach, Megido, Dor. 2. der südliche kanaanäische Querriegel: Jerusalem, Ajjalon, Har-Cheres, Saalbim, Gezer. Diese Querriegel sind seit dem ca. 15.Jh.v.Chr. bezeugt. Die israelitischen Stämme zogen zunächst also ins damals noch waldige Gebirge und siedelten dort in relativer Isolation und mieden die bestentwickelten Landesteile Palästinas. Zunächst musste also Wald gerodet werden. Landnahme: Besitzergreifung von Land durch neue Bodenverteilung und Besiedelung. Es gibt drei Verstehensmodelle, wie sich die Landnahme zugetragen haben könnte. 1. Das Migrationsmodell: Es löst die Landnahme in viele Landnahmen auf. Verschiedene nomadische Gruppen kamen von verschiedenen Seiten und Zeiten aus der Wüste nach Palästina uns setzten sich dort allmählich fest. Sie wuchsen erst auf dem Boden Palästinas zu Israel zusammen. Die Sesshaftwerdung erfolgte nicht immer friedlich. Unter einer dieser Gruppe war auch die Moseschar, die Jahwe mitgebracht hat. Doch, was waren das für kriegerische Gruppen? Solche Gruppen, die zu solchen Aktionen fähig gewesen wären, sind aus jener Zeit nicht bekannt. 2. Das Penetrationsmodell: (A.Alt) Die Landnahme ist das Ergebnis der Transhumanz. Gab es aber Transhumanznomaden? Die grossen Nomadenwellen hat es nach heutigen Forschungsstand nicht gegeben. 3. Das Revoltenmodell: (G. Mendenhall) Die drei Grundvoraussetzungen (1. die Israeliten kamen von aussen nach Palästina, 2. sie waren Nomaden, 3. ihre Solidarität beruhte auf ethnischer Verwandtschaft) sind falsch. Der entscheidende soziale Unterschied ist nicht der zwischen Nomaden und Bauern, sondern zwischen Bauern und Städtern. Die Landbewohner, die sich nicht in den feudal gegliederten Städten aufhielten waren sozial niedriger gestellt. Outlaws. Die schon erwähnten Hapiru. Sie übten eine Revolte gegen die Städte aus. Nach diesem Konzept war die Landnahme das Ergebnis eines sozialen Umschichtungsprozesses innerhalb des palästinensischen Kulturlandes, ohne nennenwerten Zugang von aussen, abgesehen von der Zwangsarbeitergruppe aus Ägypten, die die Revolte angeführt hatte. Auch bei diesem Modell ist das Nomadenproblem das Hauptproblem. Kann man jegliche Historizität des Nomadentums verneinen? Nach diesen drei Modellen lässt sich nichts Bestimmtes über die Landnahme sagen, ausser, dass es sie so nicht gegeben hat. Statt dessen eine Mehrzahl von regional und zeitlich versetzten Ansiedlungsvorgängen, an denen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen beteiligt waren. Die Landnahme und der erste Anfang des Volkes Israel fallen zusammen. Sie lässt sich nicht genau datieren. In Frage kommen das 12. und 11. Jh. v. Chr. Für die allerersten Anfänge ev. auch schon das 13. Jh. Exkurs: Josua Er war Ephraimit. Seine Rolle muss überlieferungsgeschichtlich erklärt werden. A.Alt: Er ging von Josuas Grabstätte aus, im ephraimitischen Gebirge. In die Traditionen der anderen Stämme gelangte er durch die Schlacht in Gibeon (Jos 10,1-15): Seine Funktion war dabei die eines charismatischen Retters. Seine Gestalt hatte also ein ähnliches Schicksal wie die des Mose: durch die feste Verbindung mit einer Überlieferung der Magnet für viele Überlieferungen zu werden. Das Josuagrab scheint bekannt gewesen zu sein. Der historische Josua könnte ein Kriegsmann gewesen sein, der im Spätstadium der Landnahme Ephraims und Benjamins, als es zu vereinzelten kriegerischen Auseinandersetzungen mit Kanaanäerstädten kam, eine bedeutende Rolle spielte. 2. Die Folgen Sonderschicksale der einzelnen israelitischen Stämme. Quellen: Theoretische Abhandlungen zur Stämmegeographie Israels im Ost- und im Westjordanland. Spruchsammlungen. (Genaue Angaben s. Seiten 150/151) a) Simeon und Levi: In Gen 34 wird angedeutet, dass sie in einem sehr frühen Stadium der Landnahme versuchten, in Sichem Fuss zu fassen. Die Sache scheiterte. Im späteren Zwölfstämmesystem werden sie nur noch der Zwölfzahl wegen mitgeführt. Levi schied aus den landnehmenden Stämmen aus. Levi wird zu einer Berufsgemeinschaft. Simeon gerät in völlige Bedeutungslosigkeit. Ihm wurde der äusserste Süden des Kulturlandes, um Beerseba zugeteilt. b) Juda: Die Wohnsitze des Stammes Juda lagen auf dem südlichen Teil des zentralpalästinischen Gebirge, etwa zwischen Jerusalem und Hebron. Zwischen dem Gebirgsabfall südlich von Hebron und den Weidegebieten der Simeoniten um Beerseba lagen die Wohnsitze verschiedener nichtisraelitischer Gruppen: die Kalibbiter (ein Sippenverband der Kenizziter), die Othnieliter, die Keniter und die Jerachmeeliter. Über diese Gruppen gewann Juda wohl im Laufe der Zeit die Hegemonie. So bildete sich Gross-Juda heraus, das unter David als Staat Juda in Erscheinung trat. Diese Entwicklung ist in Gen 49,8-12 vorweggenommen. c) Benjamin: Ist nach Dan das kleinste Siedlungsgebiet. Zwischen Jerusalem und Bethel bis nach Jericho. Wirklich bewohnbar war aber nur das Umland um Jericho. Obwohl dieser Stamm winzig war, hatte er sehr grosse Bedeutung, er stellte z.B. den ersten König. Hängt wohl auch mit seiner günstigen verkehrsgeographischen Lage zusammen. d) Dan: Versuchte in einem ersten Stadium der Landnahme westlich von Benjamin Fuss zu fassen. Dort spielen auch die Geschichten von Dans stärkstem Sohn Simson. Dieser Versuch scheiterte jedoch, weil die Städte des südl. kanaanäischen Querriegels zu stark waren und Dan zog weiter bis in die obere Jordansenke (Ri 18 und Jos 19,40-48). e) Joseph: Neben dem Haus Juda ist das Haus Joseph der grösste und bedeutendste Stammesverband des früheren Israels. Seine Gebiete lagen zwischen Bethel und dem südlichen Rand der Ebene von Megiddo. Joseph ist kein Stamm, sondern ein Verband von Stämmen, hauptsächlich der Stämme Manasse und Ephraim. Die josephitische Zusammengehörigkeit beider Stämme ist ein ungelöstes Problem. Ephraim ist ein Gebietsname, Manasse ein Personenname. Es kommt noch ein weiterer Personenname, Machir (Ri 9; 1. Chr 7, 14-19), dazu, von dem man nichts genaueres weiss. Haben sich zwei Führerpersönlichkeiten abgelöst, oder kam eine zweite, eigenständige Grösse später dazu, die dann mit Manasse fusionierte? Ein weiters Rätsel des Hauses Joseph ist, dass man Ephraimiten und Manassiten nicht nur auf dem zentralpalästinischen Gebirge, sondern merkwürdigerweise auch im Ostjordanland antrifft. Ephraim in Gilead, Manasse nördlich des Jabbok. f) Issachar und Sebulon: Issachar und Sebulon gehören zusammen. Issachar wohnte im östlichen Teil des untergaliläischen Berglandes und reichte in die von Kanaanäern besiedelte Bucht von Bethschean hinein. Sebulon wohnte im westlichen Teil Untergaliläas. Der Jakobsegen Gen 49 zeigt, dass die Landnahme Issachar mit den kanaanäischen Städten erfolgte und nicht gegen sie (Gen 49, 14.15). Dies zeigt auch, das dieser Spruch sehr alt sein muss, verschwand doch Issachar aus der Geschichte. Die Issachariten lebten nomadisch und das, was man bei anderen Stämmen Landnahme nennt, erfolgte bei ihnen durch den freiwilligen Eintritt in kanaanäische Abhängigkeit. Issachar bedeutet Lohnarbeiter. Sebulon und Issachar bilden eine Art Kultgemeinschft mit einem Heiligtum auf dem Tabor. Es ist nicht auszuschliessen, dass Sebulon (und auch Asser) zum Mittelmeer hin orientiert waren und mit den Phöniziern Handel trieben (vgl. Gen 49,12; Ri 5,17). g) Asser: Seine Wohnsitze liegen nördlich von Sebulon im westlichen Obergaliläa. h) Naphtali: Seine Wohnsitze liegen im östlichen Obergaliläa und reichten in der Theorie bis an die Ufer des Sees von Tiberias (Genezareth). Die Naphtaliten kämpften in der Deborahschlacht (Ri 4, 10; 5, 18). Es lässt sich sagen, dass Galiläa vor Jesu Geburt keine grosse Wichtigkeit in der Geschichte Israels besass. Wie auch das Ostjordanland. i) Gad: Nach Jos 13, 24-28 lebte Gad auf dem Westabfall des ostjordanischen Tafelgebirges zwischen dem Jabbok und dem Nordende des Toten Meeres. Doch Jos 13 ist Num 32 nachgeordnet und in Num 32 sass der Stamm auf dem Gebiet, das in Jos 13 fälschlich Ruben zugeteilt wird. Also weiter südlich, zwischen Arnon und dem Nordende des Toten Meeres. j) Ruben: Ruben lag dort, wo sich nach Jos 13 irrtümlicherweise Gad hätte befinden sollen. Ruben konnte sich nicht behaupten, wurde jedoch in der Tradition immer wiederbelebt oder am Leben erhalten (Gen 35,22; Dtn 33, 6; Gen 49,3 ist ein Kunstgebilde; nur Ri 5, 15f lässt noch etwas vom Stamm Ruben erkennen.) KAPITEL 2: FORMEN UND ORDNUNGEN DES LEBENS DER ISRAELITISCHEN STÄMME IN PALÄSTINA Über die Ordnungen und Formen des israelitischen Lebens zur Zeit der Richter ist wenig genaues bekannt. Die Quellenlage ist äusserst schlecht: Richterbuch, Streiflichter aus dem Pentateuch, dem Josuabuch und den ersten sechs Kapitel des 1. Samuelbuches. Ausseratl. Quellen stehen keine zur Verfügung. Die Nahcbarn haben Israels Landnahme nicht wahrgenommen. Vereinzelung ist das Stichwort der Epoche. Fast nur in der Vereinzelung, nicht im Gesamtverband werden die Stämme fassbar. Bei aller Vereinzelung lassen sich aber gemeinsame Regelmässigkeiten vermuten: 1. Es gab verschiedene Jahweheiligtümer im Lande. Z.T. war auch mehreren Stämmen ein gemeinsames Heiligtum (z. B. Tabor: für Sebulon und Issachar). 2. Es gab eine Jahwepriesterschaft. 3. Es gab ein Gottesrecht. Doch auch in der Rechtspraxis waren die Israeliten von den Kanaanäern abhängig. Sie adaptierten kanaanäisches Recht. 4. Ri 10, 1-5 und Ri 12, 7-15 überliefert eine Liste von sechs Kleinen Richtern, die eine Aufgabe über alle Stämme Israels zu erfüllen hatten. Welche Aufgabe das genau war, lässt sich nicht sagen. Noth: Pflege des Gottesrechts; W. Richter: herrschen, regieren. 5.Es gab Oberhäupter der einzelnen israelitischen Stämme, die den Titel nasi (plur. nesiim) trugen. Ihre Funktion jedoch ist unklar. Sicher darf man nicht auf ein gesamtisraelitisches Parlament o.ä. spekulieren. 6. Die Struktur der israelitischen Stämme. Nach der Landnahme wurde die Einheit des Stammes jedoch mehr und mehr zur Theorie. Wichtiger wurde die Ortschaft, die oft mit dem Sippenverband identisch war. 7. Eine Ausnahme des vorher gesagten bildet das Militärwesen. Bei grösseren Fällen musste nämlich der Stammesheerbann antreten. Die Kriege wurden als Jahwekriege geführt. Der eigentlich Kämpfende war Jahwe. Nach einem Sieg wird am Gegner dar Bann vollstreckt. Das bedeutet Ausrottung und völlige Vernichtung. 8. Die Sozialordnung war patriarchal wie in allen antiken Kulturen. Die Ältestenräte hatten grosse Aufgaben innerhalb eines Stammes. Ein gesamtisraelitisches Ältestenkollegium gab es aber nicht. KAPITEL 3: BEDROHUNG UND ERRETTUNG DER EXISTENZ ISRAELS IN PALÄSTINA Die Erreignisse der Zeit zwischen Landnahme und Staatenbildung behandelt das Richterbuch, genauer Ri 2,6-16,31 und Ri 17-21 (Anhang). Nach der literarischen Analyse darf als ziemlich sicher gelten, dass dem Richterbuch eine vordtr Sammlung von Rettergeschichten zugrundelag, die stufenweise dtr bearbeitet wurde und schliesslich Aufnahme in das dtr Geschichtswerk fand. Die Retter tragen in der Regel keine Titel. Zwei Ausnahmen: mosia (Ri 3 ,9.15) und sofetim (Ri 2, 16-19 dtr Programm). Die Retter besassen das Charisma für die Rettung, es war die ruah, die rettete, also Jahwe selbst. Die dtr. Anteile am Richterbuch fallen als historisch aus. Sie sind theoretische Konstruktionenen unter den Leitgesichtspunkten der Generalisierung und Nationalisierung. Weil das Richterbuch ausschliesslich aus Sagen besteht ist seine Historizität sehr schwer zu erfassen. Die Gestalten der sechs Kleinen Richter: a) Othniel (Ri 3, 7-11): Dieser Abschnitt ist dunkel und historisch unbrauchbar. Es handelt sich nicht um eine Sage, sondern um eine dtr formulierte Notiz. Eine Notiz, die den nordisraelitischen Charismatikern einen judäischen hinzufügen will. Dabei ist Othniel genau genommen ein Kenizziter aus der Gegend südlich von Hebron. Und er ist nicht einmal eine historische Figur. b) Ehud (Ri 3, 12-30): Die Taten des Benjaminiten bilden eine farbenreiche Heldensage. c) Schamgar (Ri 3, 31): Samgar ist sicher keine Erfindung, wurde aber erst sekundär eingefügt. d) Barak und Debora (Ri 4-5): Beide Texte beziehen sich auf das gleiche Ereignis. Dem Deboralied gebührt wohl der Vorzug. In Ri 4 kämpfen nur Sisera gegen Sebulon und Naphtali unter der Führung des von Deborah designierten Barak. Sie steigen vom Berge Tabor hinab in die Ebene von Megiddo und kämpfen dort gegen Sisera. Sisera wird während eines Erschöpfungsschlafes von der Keniterin Jael getötet. In Ri 5 stehen einander als Gegner gegenüber: Die Könige von Kanaan unter prominenter Beteiligung von Sisera und Israel, eine Koalition von sechs israelitischen Stämmen. Im Deboralied werden zehn Stämme erwähnt. Die, die nicht an der Schlacht beteiligt waren, werden getadelt. Eine Möglichkeit, weshalb Simeon und Juda nicht einmal erwähnt werden ist, dass sie durch den südl. kanaanäischen Querriegel derart abgetrennt von den anderen Stämmen sind, dass man ihre Hilfe nicht einmal aufbietet. Mögliches Datum der Deborahschlacht: erste, vielleicht erst gar zweite Hälfte des 11. Jh. v. Chr. nicht lange vor Saul. Sie hatte wichtige Auswirkungen auf das Gemeinsamkeitsbewusstsein der israelitischen Stämme: sie zeigte ihnen zu was sie fähig waren, wenn sie unter der Führung Jahwes zusammenhielten. Auch die Bedeutung Jahwes wurde nun erkannt. e) Gideon (Ri 6-8): Aus dem Stamm Manasse. Nach Ri 6-8 fällt Gideon in eine Zeit, als midianitische Kamelreiterhorden heuschreckenartig in Manasse einfielen und das Land verwüsteten. Dies ist historisch jedoch unwahrscheinlich, hätten sich doch die kanaanäischen Stadtstaaten gewehrt und es hätte wohl kaum ein einziger Sieg Gideons am Ostrande der Ebene von Megiddo gereicht, um die Midianiter vollständig zu vertreiben. Die Realität der midianitischen Überfälle mag wohl etwas bescheidener ausgesehen haben. Um mehr als um Razzias und kleinere, aber dank der Kamele schnelle, Überfälle mag es sich wohl kaum gehandelt haben. Die Midianiter wagten sich wohl weniger in die kaaanäischen Städte, dafür ins durch Strassen und Wege gut erschlossene manassitische Gebirge. Dort wurden sie den israelitischen Kleinbauern tatsächlich gefährlich durch ihre Plünderungen. Um diesen ein Ende zu machen wurde dem Retter Gideon von einem Engel das Charisma gegeben. An einem strategisch geschickten Ort, dem Ortsausgang der Megiddoebene, konnte er die Midianiter ein für allemal besiegen. Dieser Sieg war wichtig für das israelitische Bewusstsein (Jes 9,3). f) Jephtah (Ri 10, 6-12,6): Dtr gerahmte, generalisierende und nationalisiernde Sagensammlung. Es gelang ihm, die Ammoniter zu besiegen. g) Simson (Ri 13-16): Der grösste Sohn des Stammes Dan. Schauplatz ist der Westrand des zentralpalästinischen Gebirges. Die Gegend in der der Stamm Dan zuerst Fuss zu fassen versucht hat. Aber auch die philistäische Küstenebene. Die Feinde waren nämlich die Philister und nicht die Kanaanäer. Simson war kein Charismatiker, sondern ein Einzelkämpfer. Die Erzählunhg ist ziemlich skurril. Die vorstaatliche Existenz der israelitischen Stämme in Palästina war nicht nur von aussen gefährdet, sondern auch von innen durch Spannungen und Konflikte unter den Stämmen selbst. Es gibt nur wenige Zeugnisse darüber in der atl Überlieferung. Es sind aber Stammesrivalitäten v.a. in Mittelpalästina zu erkennen, die in regelrechte Kriegshandlungen ausarten konnten: a) Ri 7, 24-8, 3: Die Anektote ist manassitischer Herkunft. Die Ephraimiter werden als Leute dargestellt, die zu spät kommen und von Jahwe mit nur geringer Intelligenz ausgestattet worden sind. b) Streitigkeiten zwischen west- und ostjordanischen Israeliten. Ri 21, 8-12. V.a. Ri 12, 1-6. c) Ri 19-21: schauerliche Geschichte der Schandtat von Gibea und ihre Folgen. Noth interpretiert sie als Niederschlag eines Amphiktyonenkrieges. Dies ist ja aber bekanntlich auszuschliessen. Es könnte eine regionale Auseinandersetzung gewesen sein, die dann gesamtisraelitisch gedeutet wurde. Ri 19-21 ist deutlich jünger als das restliche Richterbuch, diese Kapitel setzten nämlich spätere Teile des AT voraus. Es lässt sich sagen, dass Mittelpalästina im Norden des südlichen kanaanäischen Querriegels bereits in vorstaatlicher Zeit ein spannungsreiches Gebiet war, in welchem es die Stämme der Rahelgruppe nicht immer leicht hatten, sich miteinander zu arrangieren. Den schwersten Stand hatte der Stamm Benjamin, dessen Siedlungsgebiet kleiner war als das der anderen Stämme, und der seine günstige verkehrsgeographische Lage nicht immer dazu genutzt hat, sich Freunde zu machen (vgl. Gen 49, 27). Teil 3: Das Zeitalter der Staatenbildungen KAPITEL 1: DIE GRÜNDUNG DES REICHES ISRAEL DURCH SAUL Die Bildung israelitischer Nationalstaaten hat auffallend lange auf sich warten lassen. Es ist deutlich, dass die israelitischen Stämme nach der sog. Landnahme zunächst längere Zeit im Zustand der Staatenlosigkeit verharrten. Gründe: Israel war ein lockerer Stämmeverband, der organisatorische Fragen den einzelnen Sippen überliess. Israelitisch ausgedrückt: er überliess die Errettung aus Gefährdungen und Bedrohungen Jahwe, der von Fall zu Fall Charismatiker erweckte, um Gefahren von Israel und seinen Teilen abzuwenden. Weiter ist eine antikönigliche Hemmung zu spüren. Israel bedürfe nicht eines Königs, weil es den König Jahwe hat (vgl. Ri 8, 22f). Zunächst versuchte der Manassit Abimelech, von Sichem aus sich als König durchzusetzen (Ri 9). Dies gelingt ihm jedoch nicht, er muss seine eigene Basis zerstören und wird von einer Frau umgebracht. Abimelech scheiterte, weil sein Staatsgründungsversuch sein persönliches Werk sein sollte, das nicht von einem weiteren Kreis als seinen Söldnern getragen wurde, weil sein Unternehmen kanaanitisch gedacht war und weil die Zeit wohl noch nicht reif war um Kanaanäer und Israeliten vor denselben Wagen zu stellen. Er zeigte den Israeliten, wie man es eben nicht machen sollte. Wenn die Bildung eines Nationalstaates nicht zwingend aus den Lebensformen der Stämme erwuchs, dann muss es äussere Notwendigkeiten gegeben haben für die Gründung des Staates: Die Bedrohung kam von den Philistern. Sie waren ein Seevolk, das immer mächtiger wurde und sich als natürlicher Nachfolger der ägyptischen Herschaftsordnung sah. Ihre Fürsten verfügten über schwerbewaffnete Fusskämpfer und waren somit den schwerbeweglichen Heerbannaufgeboten der israelitischen Stämme überlegen. Zunächst konnten sie die Küstenebene in ihre Gewalt bringen und stiessen dann weiter in Richtung Gebirge vor, wo sie eine ernsthafte Gefahr für die israelitischen Stämme bildeten. Es kam zu grösseren Schlachten. Die Philister konnten feste Posten einrichten, von wo aus sie die Region kontrollieren konnten. Wie weit sie vorstiessen ist unklar, Galiläa und das Ostjordanland blieben jedoch verschont. Aus Sam 13,19f geht hervor, das die Philister das Eisenmonopol besassen einhergehend mit einem Waffenverbot. Sie bildeten somit eine chronische Bedrohung für die israelitischen Stämme (vgl. 1. Sam 8-11). Überlegungen zu 1. Sam 8-11: Komposition. Wellenhausen machte zwei verschiedene Textgruppen aus: eine königsfeindliche und eine königsneutrale. Diese Gruppen sind in sich keine fortlaufende Erzählungen, sondern auch wieder komponiert. 1. Sam 8: Die Philister kommen nicht vor. Es wird um die Imitation einer Einrichtung gebeten, die Israel nicht hat: den König. Jahwe fürchtet zwar um seine Theokratie, gewährt aber den König. Israel soll aber schlechte Erfahrungen mit ihm machen. Der Text ist dtr und königfeindlich. Mögliches Urgestein der Überlieferung: 1. Sam 11, 4-8; die Berufung Sauls zum charisamtischen Führer. Diese Stelle konkurriert jedoch mit 9, 1-10, 16. Saul ist es gelungen, die Philistergefahr abzuwenden. Der Held der Philisterkämpfe ist jedoch sein Sohn Jonathan. Die Auseinandersetzungen konzentrieren sich auf das Gebiet des Stammes Benjamin, weil die Philister die Gebirgsübergänge, die auf dem Gebiet Benjamins lagen erobern wollten. Deshalb stellte Benjamin wohl den ersten König. Seine Residenz war in Gibea (Benjamin). Beim Königtum Sauls handelt es sich um ein nationales Heerkönigtum. Seine Hauptaufgabe bestand darin, die Philister abzuwenden und weniger darin, innenpolitische Funktionen zu übernehmen (Recht, Gebietsverteilungen.). Ausser einer persönlichen Gefolgschaft Sauls, gab es keinen Staats- und Verwaltungsapparat im Staatswesen Sauls. Die Frage nach dem territorialen Bestand des Reiches Sauls ist ungeklärt. Sauls Israel entsprach wohl etwa dem des Deboralieds. Der Süden (Juda und Simeon) gehörten nicht dazu. Wohl wegen des südl. kanaanäischen Querriegels. Jahwe war der Nationalgott. Doch Saul ging nicht sorgfältig mit ihm um, deshalb nahm Jahwe das Charisma wieder von ihm. Saul scheiterte. Wegen seines körperlichen und psychischen Verfalls und weil seine Aufgabe erfüllt war. Die Gefahr der Philister war gebannt. Es mutet merkwürdig an, dass der Anstoss zum Untergang gerade von den Philistern ausging. Darüber berichtet 1. Sam 31: Saul hatte zwar das zentralpalästinische Gebirge philisterfrei machen können, es gelang ihm aber nicht, ein militärisches Gleichgewicht herzustellen, geschweige denn die Hegemonie über die Philister zu erreichen. So entbrannte die Schlacht bei Gilboa, die mit einer katastrophalen Niederlage Sauls, dem Tod seiner Söhne und seinem Selbstmord endete. KAPITEL 2: DIE GRÜNDUNG DES REICHES JUDA DURCH DAVID UND DIE PERSONALUNION ZWISCHEN JUDA UND ISRAEL Mit David beginnt die Geschichtsschreibung. Sie wurde jedoch aus der vorstaatlichen Möglichkeit geschichtlichen Denkens entwickelt. Was geschah nach dem Tode Sauls? Die Philister versuchten den Zustand vor Saul (Hegemonie auf dem Gebirge) nicht wieder herzurichten wohl absichtlich, denn das saulidische Reich ist nicht sogleich völlig zugrunde gegangen: Abner, der israelitische Heerbannfeldmarschall machte den übriggebliebenen Sohn Sauls Eschbaal im ostjordanischen Machanaim zum König. Dieser war jedoch ziemlich unfähig und erst noch ohne Designation Jahwes gewählt. Sein Niedergang war offensichtlich. Die Stämme wandten sich immer mehr vom saulidischen Königshaus ab und wandten sich David zu. Auch Abner. Kurz nach seinem Übertritt wird er von Davids Heerbannfeldmarschall Joab erschlagen, was David bestürzte, hätte er doch Abners Kompetenz gut brauchen können beim Aufbau seines Königreichs. Eschbaal überlebte auch nicht lange. Er wurde von eigenen Söldnern umgebracht. Der Weg für den neuen Mann war frei. David. David machte schon am Hofe Sauls Karriere. Wäre es nicht zu einem Zerwürfnis zwischen Saul und David gekommen, wäre er vielleicht in die Katastrophe in Gilboa hieingezogen worden und umgekommen. Saul fürchtete sich aber immer mehr vor diesem jungen Rivalen um die Gunst des Volkes. David musste vor Saul fliehen. Im judäischen Gebirge setzt er das Kriegshandwerk fort. Dafür bildete er eine Söldnergruppe. Er wollte die Gunst der Judäer haben, deshalb heiratete er zwei judäische Witwen, Achinoam und Abigail. Er trat in den Dienst des Philisterfürsten Achisch von Gath. Dieser beauftragte ihn, die Südgrenze des Kulturlandes gegen Übergriffe der Amalekiter zu schützen. Dies half David, seine Beziehungen zu Juda zu stärken, sein Prestige auf dem Gebirge wuchs zusehends. So halfen ihm die Philister auf doch entscheidende Weise zu seiner Erhebung zum König. Zu dieser Zeit erfolgte im Norden der Untergang Sauls. David wurde unter ganz andere Umständen zum König als Saul: nicht durch Designation, sondern als logische Folge einer sich länger abzeichnenden Entwicklung. Davids Herrschen auf dem judäischen Gebirge (immer noch als philistischer Vasall) schien die Philister zunächst nicht beunruhigt zu haben. Doch sein judäischer Staat wuchs immer mehr und gewann an Prestige. Er brauchte nun nicht mehr auf seine Söldner zurückzugreifen, sondern hatte ein judäisches Heerbann. David überstürzte nichts. Er hatte insbesondere zwei Fähigkeiten: er wartete ab und liess gleichzeitig keine Gelegenheit vorübergehen, seine persönliches Ansehen unter den Stämmen Israels zu festigen. Er blieb immer loyal gegenüber dem rechtmässig herrschenden Saul. Nach dem Tod Sauls und Eschbaals blieb den Stämmen keine Wahl, als sich an David zu wenden. David schloss in Hebron vor Jahwe einen Vertrag mit den Ältesten Israels. Doch die Designation durch Jahwe blieb aus. Nord und Süd des Reiches blieben aber weiterhin zwei eigenständige Grössen, in David erfolgte aber eine Personalunion des Herrschers. Mehr war nicht möglich, die Unterschiede zwischen Nord und Süd waren zu gross. Dies brachte auch Gefahren mit sich. KAPITEL 3: DAS GROSSREICH DAVIDS Als David in die Tradition des Nordreichs eingetreten war, entschlosen sich die Philister zum Präventivkrieg. Sie rückten in den südl. kanaanänischen Querriegel ein: Die schwächste Stelle in Davids Reich. Doch David trug den Sieg davon. Er konnte nicht länger in dem zu Juda gehörenden Hebron bleiben. Er musste sich einen strategisch besseren Ort suchen. Seine Wahl fiel auf Jerusalem, ein jebusitischer Stadtstaat mit geringer Bedeutung. Er lag strategisch und politisch sehr geschickt. David überführte die Lade Jahwes nach Jerusalem. So erlangte Jerusalem eine sakrale Bedeutung. David vereinigte drei Kronen auf seinem Haupt: Jerusalem, Israel und Juda. Der erste Schritt war die Unterwerfung der Philisterstädte in der Küstenebene, dann verleibte er die kanaanäischen Städte Israel ein. Bei diesen Unterwerfungen handelte es sich bereits um die Bildung eines Grossreiches Israel. Wie David mit den einverleibten Gebieten und ihren Fürsten umging, erfahren wir in 2. Sam 5, 11 und 2. Sam 8. David und sein Reich wuchsen zum Ideal für alle nachfolgenden Geschlechter. David richtete einen Verwaltungsapparat in Jerusalem ein. Auffallend ist das Fehlen eines Justizministers; doch das Richten lag sowieso seit je her in der Macht Jahwes. Um seine Nachfolge zu sichern, errichtete David eine Dynastie, doch seine Nachfolge sollte das einzige Problem seiner Laufbahn sein, das zu lösen ihm nicht befriedigend gelang. 2. Sam 9-20 und 1. Kön 1-2 sind genial komponierte Geschichtsdarstellungen jener Zeit, obwohl sie aus einem bestimmten historischen Interesse heraus geschrieben wurden. Sie sind von hohem Quellenwert. Die Thronnachfolge Davids wurde zur Tragödie. Seine Söhne aus Hebron disqualifizierten sich selbst. Gestützt von Zadok, Nathan und dem Söldnerführer Benajahu wurde Salomo, der Sohn der Bathseba, Nachfolger, als David schon alt und schwach war. KAPITEL 4: DIE HERRSCHAFT SALOMOS (1. Kön 3-11) Salomo war ein Friedensherrscher. Aggressive Gegner gab es zunächst nicht. Salomos Politik bestand darin, das Grossreich auf dem Bestand Davids zu erhalten, nicht es auszudehnen. Er baute das Reich innenpolitisch und kulturell aus. Er war jedoch bestrebt, internationale Beziehungen zu knüpfen. Dies nicht zuletzt durch sein Harem. Mit dem Stadtkönig Hiram von Tyrus bestand ein Handelsabkommen. Über die Weisheit Salomos weiss man geschichtlich nicht gerade viel. Universale Berühmtheit erwarb sich Salomo durch den Bau des Tempels, den er im 4. Regierungsjahr begann und im 11. vollendete. Für diesen Bau brauchte er Fronarbeiter. Unter Salomo wurde das Fronwesen ausgebaut. Die Innenpolitik hatte unter Salomo Vorrang. Davids Grossreich zerbröckelte an den Rändern: Ein Mann namens Rezon machte sich selbständig und gewann mit einer Söldnertruppe die Herrschaft über Damaskus. Auch im Südosten begannn es zu gären. Palästina jedoch blieb fest in der Hand Salomos. Er richtete seine Innenpolitik vorwiegend auf die Konsolidierung der Verhältnisse in Palästina. Durch das Festungsbauprogramm, durch eine Reorganisation des Heerwesens (er richtete ein stehendes Heer ein), durch verwaltungs- technische Durchgliederung des Reichs, durch Beibehaltung der davidischen Ämter. Die Beschaffenheit des salomonischen Quellenmaterials ist nicht von der Art, dass daraus ein umfassendes historisches Bild entstehen könnte. Das hängt damit zusammen, dass die Wirkungsgeschichte (Glorifizierung) dieses Königs schon früh begann. EXKURS: ZUR CHRONOLOGIE DER STAATENBILDUNGSZEIT Eine Chronologie der vorstaatlichen Zeit gibt es nicht und die Chronologie der Staatenbildungszeit ist immer noch unsicher und schwankend. Schwierigkeiten: 1. Das relative chronologische System der Königsbücher ist in sich selbst nicht einheitlich. 2. Die Koregentenschaften haben das System durcheinandergebracht. 3. Die Kanzleien der altorientalischen Reiche haben sich teils der Vordatierung, teils der Nachdatierung bedient (s. S.258). 4. Problem des Jahresbeginns. Teil 4: Juda und Israel als Glieder des syrisch-palästinischen Kleinstaatensystems KAPITEL 1: DER ZERFALL DES REICHES DAVIDS UND DIE AUFLÖSUNG DER PERSONALUNION ZWISCHEN JUDA UND ISRAEL Kurz nach dem Tod Salomos zerfällt das Grossreich. Der Regierungsantritt seines Nachfolgers und ältesten Sohns Rehabeam erfolgte ohne Probleme. Nur im Norden wurde seit je her das dynastische Königtum der Familie Davids nicht akzeptiert. Rehabeam begab sich also eines Tages nach Sichem um dort durch Akklamation die Königswürde über Nordisrael zu erlangen. Dies erwies sich jedoch als schwierig. Nordisrael warf Rehabeam vor, die Politik des Jochs seines Vaters fortzusetzen, was dieser auf Rat der Jüngeren im Kronrat auch bestätigte. Die Bedingung Nordisraels für ein vereinigtes Königreich wäre die Auflösung des Jochs gewesen. Nordisrael sagt sich als Folge ein für allemal von der davidischen Dynastie los. Nichterneuerung der Personalunion zwischen Juda und Israel. Jahwe hatte wieder freie Hand, einen neuen Mann auf den Königsthron Nordisraels zu setzen. Es war der Ephraimit Jerobeam ben Nebat, der es unter Salomo zum Frondienstbeamten unter der Oberaufsicht des Adoniram gebracht hatte, später aber vor Salomo nach Ägypten fliehen musste. Bei ihm zögerten die Ältesten Nordisraels nicht, ihn durch Akklamation zum König zu machen. Die Aussengebiete des Grossreichs lösten sich sehr rasch ab und wurden selbständig. Es entstand von neuem ein System kleiner, selbständiger Staaten. Juda und Israel mussten sich darin als Glieder einrichten. Dies fiel Juda sehr viel leichter als Nordisrael. 1. Jerobeam I. ben Nebat (927-907) Seine erste zu lösende Frage war die des Residenzortes. Er baute Sichem, Pnuel und Thirza zu Residenzstätten aus. Eine erheblich schwierigere Frage war die religions- und kultuspolitische. Jerobeam wollte vermeiden, dass die Leute aus seinem Staat nach Jerusalem pilgerten. Also installierte er Heiligtümer an strategisch geschickten Orten: in Bethel und Dan. Nun fehlte aber noch ein mit der Lade Jahwes vergleichbares Kultobjekt. Deshalb liess er in Bethel und Dan je ein goldenes oder ve