Arbeitsblatt: Faschismus, Nationalsozialismus, Gleichschaltung

Material-Details

Eine Zusammenfassung mit Inhalten aus dem Lehrmittel "Durch Geschichte zur Gegenwart" und Ergänzungen - in einem Fliesstext mit Grafiken aus dem Lehrmittel. Zwei Seiten mit Leitfragen am Anfang
Geschichte
Neuzeit
9. Schuljahr
8 Seiten

Statistik

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16.01.2014

Autor/in

Barbara Inderbitzin
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Fragen und Aufgaben zum Thema 1. Aus welchen Volksgruppen schlossen sich Mussolini vor allem Anhänger an? In welchen Volksteilen genoss er Sympathien und warum? 2. Wann gelangte Mussolini an die Macht? Warum wurde er vom König zum Ministerpräsidenten ernannt? 3. Die Nationaldemokratische Partei Deutschland (NPD) ist heute die größte und aktivste extrem in Deutschland. Sie steht für Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie, Nationalismus, Geschichtsrevisionismus und Faschismus ein. rechte Partei Das Plakat rechts stammt von Gegnern dieser Partei, das sie gegen die NPDKundgebung, welche am 25.09.2009 in München stattfinden sollte, gemacht hatten. Was sagen die Gegner der NPD damit aus? Warum ist Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen? 4. Was denkst du: Arbeiteten die faschistischen Bewegungen in den verschiedenen Ländern zusammen? Begründe! 5. Welche politischen Gruppen in Deutschland lehnten die demokratische Ordnung, die nach dem ersten Weltkrieg geschaffen wurde, ab? 1 6. Nenne die wesentlichen Gründe, die zur Vergrösserung der nationalsozialistischen Anhängerschaft führten und nach der Machtergreifung Hitlers 1933 einen „Führerkult entstanden liessen? 7. Hätte man die nationalsozialistische Machtübernahme verhindern können? Warum? 2 8. Definiere den Begriff Gleichschaltung! Was gehört alles dazu? 9. Wie stellst du dir das vor, Mitglied bei der Hitlerjugend oder dem Bund deutscher Mädel zu sein? Müsstest du überhaupt Mitglied sein? Italienischer Faschismus So gut wie alle faschistischen Bewegungen in Europa, einschliesslich des Nationalsozialismus, orientierten sich bei ihrer Entstehung am italienischen Faschismus. Dieser wiederum hatte aber kein Vorbild, sondern stellte ein historisches Novum dar. In seinem Ursprung war der Faschismus eine Bewegung, keine Partei, und war untrennbar mit Benito Mussolini verbunden. Der 23. März 1919 gilt als Gründungsdatum des Faschismus – denn damals wurde der erste italienische Kampfbund gegründet, aus dem sich dann der Faschismus entwickelte. Mussolini erkannte das politische Potential in den Frontkämpfern, die aus dem ersten Weltkrieg heimkehrten und gesellschaftlich grösstenteils entwurzelt waren. Ganz allgemein waren die Italiener nach dem ersten Weltkrieg und ihrer Beteiligung sehr unzufrieden mit dessen Ausgang und dem, was für sie dabei herausgeschaut hatte. Aus der Sparte des Militärs kamen dann auch Mussolinis erste politische Gefolgsleute. Später fand er dann vor allem in Kreisen der Landwirtschaft und der Industrie Unterstützung. Im Oktober 1922 gelang es den Faschisten, nach dem Marsch auf Rom, an die Macht zu kommen. Mussolini forderte damals den König auf, ihn zum Ministerpräsidenten zu ernennen. Dem König blieb nichts anderes übrig, denn wenn er sich dagegen gewehrt hätte, hätte er mindestens 30 000 Faschisten gegen sich und seine schwache Armee gehabt, die sich an drei Orten in der Umgebung von Rom postiert hatten. Auch das Parlament leistete kaum Widerstand. So wurden alle anderen Parteien ausser der faschistischen verboten, Mussolini war als Führer „Duce zum Diktator Italiens geworden und schaffte alle sofort aus dem Weg, die sich ihm widersetzten. Die Industrie in Italien war nach dem ersten Weltkrieg noch weniger entwickelt als in West- und Mitteleuropa und die Arbeiterlöhne extrem niedrig. Auf dem Land spielten Grossgrundbesitzer in weiten Gebieten die massgebende Rolle. Alle Landarbeiter, die nur zeitweise beschäftigt waren und auch viele Pächter waren von den Grossgrundbesitzern abhängig. Die sozialen Gegensätze waren also dementsprechend riesig. Politisch schien sich das Land auf dem Weg zur Demokratie zu befinden. Zwar stand an der Spitze ein König, aber die von ihm eingesetzte Regierung brauchte eine Mehrheit im Parlament. Zwei Parteien kümmerten sich um die Anliegen des Volkes: Die Sozialistische Partei, von der sich dann um 1921 die Kommunisten abspalteten) und die Katholische Volkspartei. Beide erzielten bei den Wahlen grosse Erfolge. Durch das Elend auf dem Land bildeten sich da ausserdem Landarbeiterbünde, die von den Grundbesitzern Minimallöhne, regelmässige Beschäftigung und Verzicht auf Entlassungen verlangten. Wurden die Forderungen nicht ausgeführt, wurde gestreikt. Auch in den Städten wurde häufig gestreikt und es kam zu Fabrikbesetzungen. Es schien, als stünde das Land kurz vor einer Revolution – welche von Grundbesitzern, Unternehmern und Angehörigen des Mittelstandes sehr gefürchtet war! Für sie war Benito Mussolini quasi der Retter in der Not, als er Führer der antisozialistischen Kampfbünde (fasci di combattimento, also der 3 Faschisten) wurde. Mussolini stammte aus einfachen Verhältnissen; war Redaktor einer sozialistischen Zeitung, kämpfte selbst im ersten Weltkrieg und war ein begabter Redner, der nach Macht strebte. 4 Merkmale des Faschismus Die demokratische Staatsform wurde von den Faschisten abgelehnt. Stattdessen wollten sie einen allmächtigen Führer, welcher den Staat lenkt. Dieser sollte dann auch die einzelnen Bürger nach ihren Fähigkeiten einsetzen und ihnen die dazu nötigen Rechte und Pflichten einräumen. Die Idee der Gleichwertigkeit der Menschen wurde abgelehnt. Die liberale Auffassung, dass jeder Mensch vor allem sein persönliches Glück anstreben sollte, wurde bekämpft. Für die Faschisten galten die einzelnen Menschen bloss als Glied des Staates eine Existenzberechtigung. Die Einordnung in das staatliche Gefüge war wichtiger als die persönliche Freiheit. Deshalb wurde auch in Uniformen aufgetreten und Massenkundgebungen durchgeführt. Die Faschisten wollten einen Kampf der Nationen gewinnen: Das heisst, dass sie für diesen Kampf und den winkenden Aufstieg der eigenen Nation zur Gross- oder sogar Weltmacht nur dann gewinnen konnten, wenn sich alle Bürger bedingungslos einordnen. Der Krieg als Mittel der Politik – also der Kampf für die Nation – war bei den Faschisten erlaubt und sogar erwünscht. Sie hüteten die Ideologie, dass sich erst im Krieg die Qualitäten eines Menschen zeigen und der Tod im Kampf für die eigene Nation die höchste Vollendung des Lebens darstellt. Alles, was das Gedankengut der Faschisten und somit die Grösse der eigenen Nation in Frage stellte, musste bekämpft werden. Die Faschisten glaubten, der Gegensatz zwischen Arbeitgebern und –nehmern könne geschlichtet werden, wenn sich beide Seiten ganz dem Staatsinteresse unterordnen würden. Deutscher Nationalsozialismus Der Sturz des Kaisers am Ende des ersten Weltkrieges liess das Deutsche Reich zu einer Republik werden und es erhielt eine demokratische Verfassung. Ein Parlament (der Reichstag) und der Reichspräsident wurden vom Volk gewählt. Von Anfang an gab es verschiedene politische Gruppen, welche die neue demokratische Ordnung grundsätzlich ablehnten oder gar bekämpften. Kommunistische Partei: Sie hatte die Sowjetunion als Vorbild und wollte die Alleinherrschaft im Deutschen Reich erringen, um dann die Wirtschaft zu verstaatlichen. Konservative: Sie wollten zu den Verhältnissen um 1914, also zur Monarchie, zurückkehren. Ausserdem wollten sie die durch den ersten Weltkrieg verlorenen Gebiete zurück und erstrebten den Wiederaufbau einer starken Armee. Nationalsozialisten: Sie wollten das Dritte Reich (ein erstes deutsches Kaiserreich bestand vom Jahr 800 bis ins Jahr 1806, ein zweites von 1871 bis 1918) unter einem alleinigen Führer. Die Unzufriedenheit der Deutschen nach dem ersten Weltkrieg war gross: Die Siegermächte diktierten mit dem Versailler Vertrag eine neue Ordnung für Europa. Deutschland verlor dadurch Gebiete, wurde weitgehend entwaffnet und hatte Kriegsentschädigungen zu leisten. Die Weltwirtschaftskrise, die mit dem Black Friday am 24.10.1929 ihren Lauf nahm, traf Deutschland dann umso härter und das Volk wurde immer unzufriedener. Sie wollten von der Demokratie nichts mehr wissen, weil auch jene Parteien, die für die demokratische Ordnung eintraten, auch keine Lösungen für die Misere hatten. Bei den Reichstagswahlen von 1932 erreichten die Oppositionsgruppen – also jene, die gegen die Demokratie waren – deutlich die Mehrheit. Von den drei Oppositionsgruppen hatten die Nationalsozialisten mit ihrer Partei, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) 5 aber weitaus am meisten Erfolg. Die Konservativen wurden nämlich immer mehr als rückwärtsgewandte Vertreter der oberen Gesellschaftsschicht abgetan, die ja bloss mit Rezepten der Vergangenheit die Probleme der Gegenwart lösen wollten. Die Kommunisten hatten nur in grösseren Städten Erfolg und wegen ihrer Bindung an die Sowjetunion galten sie vielerorts als „undeutsch. Ausserdem waren sie mit allen Parteien verfeindet. Die NSDAP und ihr Erfolg war eng an Adolf Hitler geknüpft. Er war sehr redegewandt und vermochte es, verschiedene soziale Gruppen vor allem auf der gefühlsmässigen Ebene anzusprechen und sie so für sich und die Ideologien der Partei zu gewinnen. Mehr und mehr gerieten auch Demokraten und der Reichskanzler Paul von Hindenburg – die ja eigentlich für die Demokratie einstehen würden – unter den Einfluss der Konservativen, weil sie keine Lösung für die Wirtschaftskrise fanden. Da diese aber bei den Wahlen hinter den Nationalsozialisten standen, verbündeten sich die Demokraten mit den Nationalsozialisten. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler dann schliesslich vom bisherigen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum neuen Reichspräsidenten ernannt. Hindenburg und die Konservativen, die nun hinter ihm standen, glaubten, dass es besser wäre, lieber mit Hitler verbündet zu sein und ihn dann beeinflussen zu können, als sich ganz gegen ihn abzugrenzen. Bald zeigte sich aber, wie falsch die Konservativen die Machtverhältnisse eingeschätzt hatten: Denn der nationalsozialistische Minister Hermann Göring dehnte den Polizei- und Sturmabteilung (SA)-Terror systematisch aus und betrieb rechtsradikale Propaganda. Am 27. Februar 1933 steigerte sich das Ganze in den Reichstagsbrand. Am 23.03.1933 kam das Ermächtigungsgesetz zum Zuge, das Hitler mit falschen Zusicherungen, Zugeständnissen und Lügen im Reichstag durch die Zweidrittelmehrheit des Parlaments durchsetzen konnte. Durch dieses Gesetz hatte Hitler das Recht erhalten, allein Gesetze zu erlassen. Hitler benützte dies, um seine Stellung als uneingeschränkter Führer des Deutschen Reiches aufzubauen und zu festigen. Hitler konnte sich dann aber doch nicht einfach nur auf Propaganda stützen. Um das Volk hinter sich zu bringen, musste er auch andere Taten folgen lassen. Schliesslich hatte die nationalsozialistische Regierung dem Volk versprochen, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen. So verfolgte die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik drei Ziele: 1. Arbeitslosenzahl durch staatliche Unternehmungen (z.B. Autobahnbau, Trockenlegung von Sümpfen) und Staatshilfen (z.B. Wohnbauförderung) verringern 2. Aufrüsten im Hinblick auf einen Krieg, was wiederum sehr viele Arbeitsplätze geschaffen hat 3. Selbstversorgung mit lebensnotwendigen Gütern möglichst hoch halten, damit man im Kriegsfall möglichst unabhängig sein könnte Durch diese Massnahmen gelang es schlussendlich, die Wirtschaftskrise zu überwinden. Die Unternehmer wurden wieder aktiv, produzierten mehr und bauten die Betriebe aus. Sie erhielten Staatsaufträge, hatten es mit einer stabilen Regierung zu tun und konnten auf lange Sicht planen. Bereits 1938 produzierte die deutsche Wirtschaft fast doppelt so viel wie noch 1932. 6 7 Gleichschaltung Unmittelbar nach ihrer Machtübernahme begann die Führung der NSDAP mit der Ausschaltung jener Organisationen, die sich ihrem Totalitätsanspruch zu widersetzen drohten. Eine Anpassung aller staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen an die politisch-ideologischen Ziele der NSDAP sollte die pluralistische Vielfalt der Weimarer Republik ersetzen. Bei der Durchdringung des Staats, der Justiz und der Gesellschaft sowie bei der Etablierung ihres Herrschaftssystems, bedienten sich die Nationalsozialisten vor allem der Gleichschaltung. Die Gleichschaltung beinhaltete administrative Maßnahmen, ebenso wie brutalen Straßenterror. Aufgrund der „Notverordnung zum Schutze von Volk und Reich, die nach dem Reichstagsbrand zum Zuge kam und alle Grundrechte der Menschen aufhob, hatte das NS-Regime bei der Verfolgung von Oppositionellen freie Hand. Verschleppt und inhaftiert wurden vor allem Funktionäre der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Vor der erdrückenden Übermacht und dem Terror der NSDAP resignierend, lösten sich sämtliche Parteien bis Anfang Juli 1933 selbst auf, nachdem die SPD am 22. Juni verboten worden war. Die Errichtung des Einparteienstaats sowie die Verschmelzung der Ämter des Regierungschefs und Reichspräsidenten nach dem Tod Paul von Hindenburgs am 2. August 1934 in der Person Hitlers vollendeten die Einheit von Partei und Staat. Mit sofortiger Wirkung leistete die Reichswehr von nun an ihren militärischen Eid auf den Führer und Reichskanzler Hitler. Zur Gleichschaltung gehörte ausserdem die Militarisierung der Jugenderziehung. Die Mitgliedschaft bei den nach Alter und Geschlecht organisierten Bewegungen war Pflicht. 8