Arbeitsblatt: Hey Girls

Material-Details

Sexualerziehung Broschüre
Lebenskunde
Sexualerziehung
8. Schuljahr
23 Seiten

Statistik

126637
907
12
17.01.2014

Autor/in

Markus von Siebenthal
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

Downloads Arbeitsblätter / Lösungen / Zusatzmaterial

Die Download-Funktion steht nur registrierten, eingeloggten Benutzern/Benutzerinnen zur Verfügung.

Textauszüge aus dem Inhalt:

HEY GIRLS! Was heisst schon Pubertät?. 4 Mein Körper, mon corps, my body. 6 Selbstbewusstsein – wo kann ich das kaufen? 8 Vorbilder, Idole und Schönheitsideale. 9 Inhaltsverzeichnis IMPRESSUM Die Periode, der Zyklus und die Tage. 10 Zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt. 13 Beziehungen sind wie das Meer 14 Ups and Downs, Achterbahn der Gefühle 16 Verliebt! Innamorata! In love! Amoureuse! . 17 Hey Jungs! . 18 Herausgeber Aids-Hilfe Schweiz (AHS), Zürich Bundesamt für Gesundheit (BAG), Bern SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz, Lausanne Lesben, Schwule, Homos, Heteros . 19 Recht und Strafgesetz . 20 Fremd ist die Fremde nur in der Fremde. 21 Text und Redaktion: Brigitta Javurek, Aids-Hilfe Schweiz Das erste Mal. 22 Verhütung, verhüten, hüten. 23 Verhütungspannen!. 27 Unter der fachkundigen, redaktionellen Mitarbeit von Bruno Bühlmann, Berner Gesundheit, sedes (Berufsverband Sexualpädagogen) und PLANeS; Lilo Gander, Lust und Frust, Fachstelle für Sexualpädagogik, Zürich; Caroline Jacot-Descombes, PLANeS, Leiterin Amorix, Lausanne; Sidonja Jehli, AHS, Koordinatorin Deutschschweiz Amorix; Lukas Meyer, Leiter Wissensmanagement AHS; Annika Schiesser, Fachstelle Aids und Sexualpädagogik Thurgau; Sibylle Vogt, AidsHilfe Bern; Monique Weber, Fondation Profa, Lausanne Geschlechtskrankheiten . 28 Schutz vor HIV/Aids . 30 Eros und Sinnlichkeit. 32 Beauty Style 33 Wissenschaftliche Mitarbeit und medizinisches Lektorat Dr. med. Christa Spycher, PLANeS Schweizerische Stiftung für sexuelle und reproduktive Gesundheit PF 1229, CH-1001 Lausanne Gewalt, Übergriffe, Ausbeutung 34 Drogen, legale und illegale 35 Schwanger?!? 36 Juristisches Lektorat Dr. iur. Caroline Suter, AHS Kreuz quer 37 Häufige Fragen – gute Antworten 38 Gestaltung und Illustration Illustration Grafik, Judith Zaugg, www.judithzaugg.ch Fotos Marilyn Manser, www.marilyn-manser.ch; Judith Stadler (S. 38), www.dasbild.ch Dankeschön Sophia Polek, Daphné Schneider, Ndinelau Xavier, Julia Jauner, Jelena Javurek, Martina Schiltknecht, Alessandra Kündig, Suse Heinz Diese Broschüre wurde finanziert von: Bundesamt für Gesundheit (BAG) Illustrationen S. 7 und S. 18 Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Organon AG, Pfäffikon. Aus dem Ordner «Aufklärungsvortrag». www.durchblick.ch, www.once-a-month.ch Literatur- und Filmempfehlungen. 39 You are so cool You are so Rock and Roll. The Subways Was heisst Küssen auf Albanisch?. 40 Stichwortverzeichnis. 41 Adressen/Links 42 Druck FO-Fotorotar AG, Egg ZH 9. Auflage 2013: 30 000 Ex. Deutsch 2013 SEXUELLE GESUNDHEIT Schweiz, Aids-Hilfe Schweiz Bundesamt für Gesundheit 2 3 Angelika, Feliz, Lyan, Susanne, Nora, Caroline, Denise, Zoe, Isabell, Melina, Rina, Mara, Selma, Valora, Anne, Jasmin, Olivia, Natalie, Frida, Allessia, Erna, Gabriella, Elisabeth, Olga, Marianne, Jelena, Christine, Eva, Danja, Shirin, Catrin, Beatrice, Lara, Dagmar, Léa, Gunda, Irene, Paulina, Dilara, Olgun, Michelle, Canan, Marie, Cathy, Sidonie, Ingeborg, Heidi, Paola, Vanessa, Zühal, Louisa, Barbara, Emily, Laila, Marina, Corinne, Silvia, Cheyenne, Noemi, Yuko, Aimée, Rita, Pavla, Cosima, Kalliopi, Irmi, Binia, Julia, Debbie, Mirjam, Sona und, und, und. So viele Namen und so viele verschiedene Mädchen und Frauen. Was geht hier ab? Was heisst schon Pubertät? Die Pubertät ist ein spannender Abschnitt im Leben. Und ein ganz wichtiger dazu. Denn bald ist man kein Mädchen mehr, sondern ein Girl, eine junge Frau. Die Pubertät ist die Zeit der Geschlechtsreifung. Zuerst verborgen – fast wie über Nacht – verändert sich vieles im Körper. Doch bald werden die ersten Veränderungen sichtbar. Und die Welt scheint verschoben, die Eltern werden schwieriger, und das Leben wird anstrengender, aber auch aufregender, interessanter. Das ist der Anfang der Pubertät. Eine Zeit, die viel Neues und Unbekanntes mit sich bringt. Nicht nur der Körper, auch die Gefühle und das Denken verändern sich. Und das nicht immer zur gleichen Zeit. Was ganz schön mühsam sein kann. Dinge, für die man sich gestern noch interessierte, sind heute total uninteressant. Umgekehrt lernt man neue Sachen kennen. Der Körper schiesst in die Höhe, in die Breite – und manchmal passiert gar nichts . Eines Morgens entdeckt man es: das erste Schamhaar*. Ganz zart und fein. Vielleicht erschrickt man ein bisschen, ist stolz oder findet es eklig. Alle diese Reaktionen sind normal. Denn an die vielen körperlichen Veränderungen, die jetzt passieren, muss man sich langsam gewöhnen. Und es sind ja nicht nur die Schamhaare, die wachsen. Ebenso die Haare in den Achselhöhlen, an den Beinen. Die Brüste werden grösser und die erste Periode ( S. 10) setzt ein. In der Pubertät werden die Geschlechtsorgane ( S. 7) aktiv. Weil die Ge schlechtsorgane dazu dienen, Kinder zu bekommen oder zu zeugen, heissen diese Organe auch Fortpflanzungsorgane. Das heisst: Jetzt wird dein Körper reif, ein Kind zu bekommen. Wann fängt die Pubertät an? Das kann niemand genau vorhersagen und ist von Mädchen zu Mädchen verschieden. In der Regel beginnt die Pubertät zwischen 9 und 12 Jahren. Wann genau, das hängt stark von den Genen (Erbanlagen) ab, die man von den Eltern mitbekommen hat. Daher sind während der Pubertät die Unterschiede in einer Schulklasse manchmal recht gross. Auch weil die Pubertät bei den Jungs rund zwei Jahre später beginnt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass zum Beispiel Lisa mit dreizehn Jahren schon wie eine erwachsene Frau aussieht und Angela noch fast keinen Busen hat. Oder dass Jörg noch eine Kinderstimme und Fatih bereits den Stimmbruch hat. Und die einen lieber im Reitstall herumhängen und andere es vorziehen, sich vor dem Spiegel schön zu machen. Mit circa 17 Jahren ist die körperliche Ent wicklung bei jungen Frauen abgeschlossen, der Körper ist ausgewachsen. In der Pubertät arbeiten das Gehirn und die Hormone eng zusammen. Den «Start schuss» zur Geschlechtsreifung geben Hormone (das sind chemische Botenstoffe im Körper, S.16). Wachstumshormone sind zum Beispiel verantwortlich dafür, dass die Knochen wachsen. Das heisst, man wird grösser. Die Sexual hormone steuern das Wachstum der Brüste, der Eierstöcke und der Gebärmutter. Der Körper produziert jetzt mehr Schweiss, und auch der Körpergeruch verändert sich. Action Die Pubertät ist also eine Zeit, in der ganz viel passiert. Kunststück, dass man sich jetzt immer wieder mit der Freundin, der Schwester, dem Mädchen aus der anderen Klasse vergleicht und tausend Fragen hat. Bis der Körper ausgewachsen ist, die Hormone, das Gehirn und auch der «Bauch» miteinander in Einklang sind, dauert es einfach seine Zeit. Und diese Zeit erlebt jedes Mädchen individuell, also anders. Vielleicht hast du in dieser Zeit mit Erwachsenen mehr Zoff. Da kann es helfen, die Erwachsenen daran zu erinnern, dass auch sie einmal eine Pubertät hatten. Jeder Mensch hat diese Zeit einmal durchgemacht und dabei viel gelernt. Über sich selber und über andere. Vielfalt statt Einfalt Cest avec classe que je te désire, mais avec le respect en tout cas, cest avec classe et ça marche chaque fois. Corneille Titel und alle Wörter, die unterstrichen sind, findest du im Stichwortverzeichnis wieder S. 41 Einen Tag Honig, Einen Tag Zwiebel 4 Stell dir einmal vor, es gäbe auf der ganzen Welt nur zwei Frauentypen. Eine wäre blond und hätte eine weisse Haut, und eine wäre schwarzhaarig und hätte braune Haut. Der Rest wäre exakt gleich. Gleiche Augenfarbe, gleicher Body, gleiches Gesicht, ja sogar ein Muttermal wäre an derselben Stelle. Das wäre doch schrecklich langweilig. Zum Glück ist das nicht so. Jeder Mensch ist einzigartig – und das bist du auch. Vom Fragen und vom Lachen Klar, die Pubertät ist die Zeit, in der junge Mädchen oft unzufrieden sind mit sich und ihrem Körper. Man möchte so mutig sein wie die beste Freundin; man möchte die langen Beine der Cousine und den Mund dieses weltberühmten Filmstars haben. Man möchte gerne, man hätte gerne, man wäre gerne . Ja, was denn nun? Dazugehören und gleichzeitig speziell sein: Geht das überhaupt? Und wie das geht! Wichtig ist, dass du zu dir stehst und du dich gerne hast, so wie du bist. Das heisst, du akzeptierst dich mit deinen Stärken und deinen Schwächen, deinen Körper und deine Persönlichkeit. Wer sich wohlfühlt in seiner Haut, der wirkt auch auf die anderen echt. Doch sich selber gern haben, das ist gerade in der Zeit des Erwachsenwerdens leichter gesagt als getan. Wer bin ich? Was will ich? Wohin geht die Reise? Diese Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Dazu muss man sich selber kennen und lieben lernen. Lästig, wenn die Gefühle auf- und abtanzen, der Körper scheinbar macht, was er will. Und oft ist es einfacher, zu wissen, was man nicht will, als was man will. Das alles gehört in diesen spannenden Lebensabschnitt – die vielen Fragen, das Auf und Ab, das Hin und Her. Du musst selber immer wieder ausprobieren, was dir gefällt, was dir wichtig ist, wo deine Grenzen liegen. Und die Grenzen der anderen. Ein Buch, ein witziger Film oder eine Diskussion, ein Gespräch mit der Mutter, einer Freundin, einem Freund können mithelfen, sich selber besser zu verstehen und auch einmal über sich selber zu lachen (Bücher- und Filmliste S. 39). Schau rein: www.feel-ok.ch Porträt-Filme. Was meinen Jungs und Girls zur Pubertät. 5 Tipp: Wenn du neugierig bist, wie das nun genau bei dir ausschaut, suche dir einen Platz, wo du ungestört bist. Mit einem Spiegel kannst du dir genau anschauen, wie deine Scheide, deine Venuslippen oder deine Klitoris aussehen. Während der Pubertät finden viele Veränderungen statt. Wenn du weisst, was genau geschieht und wie die Dinge heissen, gibt dir das Sicherheit. Man unterscheidet zwischen inneren und äusseren Geschlechtsorganen. Die inneren sind: Scheide, Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke. Die äusseren: grosse und kleine Venuslippen (Schamlippen) und Klitoris. mein Körper, mon corps, my body Die Scheide Die Scheide (lateinisch: die Vagina) ist die Verbindung zwischen den äusseren und den inneren Geschlechtsorganen. Sie ist ein muskulöser Schlauch, mit einer Schleimhaut ausgekleidet und stark dehnbar. An ihrem Anfang befindet sich die Scheidenöffnung; im Inneren endet sie beim Muttermund, dem Eingang zur Gebärmutter. Im vorderen Teil der Scheide liegen viele Nervenzellen. Daher ist dieser Bereich sehr sensibel. Wenn eine Frau mit einem Mann schläft, nimmt ihre Scheide sein Glied auf. 6 Die Gebärmutter Die Schamlippen Die grossen Venus- oder Schamlippen sind gepolstert und umschliessen zwei zarte Hautfalten, die kleinen Schamlippen. Sie können verschieden farbig und unterschiedlich geformt sein. Einige Mädchen sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie gross die kleinen Schamlippen sein sollen. Es gibt keine Einheitsgrösse. Da sich viele Girls die Schamhaare entfernen, sieht man die kleinen Schamlippen besser, wenn sie herausschauen. Das ist normal und kein Grund sich zu sorgen. Wenn du unsicher bist, ob bei dir alles stimmt, frage deine Ärztin. Werden die kleinen Schamlippen auseinandergezogen, sieht man den Scheid eneingang, den Harnröhrenausgang und eine kleine fleischfarbene Perle, die Klitoris. Die Gebärmutter ist ein stark dehnbarer Muskel, der eine «Höhle» umschliesst. Sie sieht aus wie eine Birne, die auf dem Kopf steht. Im Innern der Gebärmutter ist die Gebärmutterschleimhaut. Jeden Monat baut sie sich für eine mögliche Schwangerschaft auf, das heisst, sie wird besser durchblutet und sie wird dicker. Ist eine Frau schwanger, dann hat sich ein befruchtetes Ei eingenistet, und das Kind wächst in der Gebärmutter heran. Wenn sich keine befruchtete Eizelle einnistet, kommt es jeden Monat zur Regelblutung, der Periode. Die Gebärmutter stösst dann die oberste Schicht der aufgebauten, aber nicht benötigten Schleim haut aus. Geschlechtsorgane: Wie sie heissen, wie sie aussehen, wozu sie da sind. Miteinander schlafen – Kinder kriegen Sex haben, miteinander schlafen, bumsen, Liebe machen, GV (Geschlechtsverkehr), ficken – es gibt unzählige Wörter für den Geschlechtsverkehr. Schöne und weniger schöne. Wenn eine geschlechtsreife Frau eindringenden Sex hat (Scheide nimmt Glied auf), kann sie schwanger werden – schon beim ersten Mal. Ausser das Paar verwendet eine sichere Verhütungsmethode ( S. 23). Eileiter und Eierstöcke In den beiden Eierstöcken reifen die Eizellen ( S. 11) heran. Zudem werden hier die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogen und Gestagen) gebildet. Mit Beginn der Geschlechtsreife entwickeln sich die Eizellen. Jeden Monat wird dann ein Ei reif, verlässt den Eierstock und gelangt in den Eileiter. Dieser Vorgang heisst Eisprung. Die beiden Eileiter sind lange, bewegliche, muskulöse Röhrchen, die in die Gebärmutter münden. Die Klitoris Die Brüste Die Klitoris – auch Perle oder Kitzler genannt – ist ein sehr empfindliches Geschlechtsorgan. Aufgrund der vielen Nerven reagiert die Klitoris stark auf Berührungen; sie zu berühren oder zu streicheln, kann viel Lust bereiten. Im nicht erregten Zustand ist die Klitoris von einer Vorhaut bedeckt. Die Brüste bestehen aus Fett- und Drüsengewebe. In der Pubertät beginnen die Brüste und die Brustwarzen zu wach sen. Es gibt unterschiedliche Formen von Brüsten. Auch die Farbe der Brustwarzen und des Warzenhofs reicht von ganz hell bis ganz dunkel. Die Brüste haben eine biologische Funktion, das Produzieren von Milch für die Säuglinge. Brüste und Brustwarzen gehören, wie die Klitoris, zu den empfindlichsten Zonen des weiblichen Körpers. Das Jungfernhäutchen Das Jungfernhäutchen (Hymen) liegt am äusseren Ende der Vagina. Es ist kein Geschlechtsorgan im eigentlichen Sinne, aber für viele trotzdem wichtig. Das Hymen ist eine weiche, dehnbare Haut falte. Sie sieht bei jedem Mädchen anders aus. Manchmal fehlt sie auch ganz, das heisst, es gibt Mädchen, die haben kein Jungfernhäutchen. Bei wenigen ist sie ganz geschlossen. Im Hymen befindet sich eine Öffnung, selten mehrere, damit das Menstruationsblut abfliessen kann. Tampons und frauenärztliche Untersuchungen verletzen in der Regel das Hymen nicht. Es kann beim ersten Geschlechtsverkehr leicht einreissen; dies ist aber nur bei der Hälfte aller Frauen der Fall. Dann kann es ein wenig bluten, aber das ist nicht immer so. 7 Tipp: Wenn du Lust auf Körperschmuck hast, sind Abziehbilder, aufklebbare Kristallsteinchen oder ein Henna-Tattoo (Achtung vor Allergien) gute Möglichkeiten, sich für ein paar Tage schmerzlos zu schmücken. Selbstbewusstsein – wo kann ich das kaufen? Selbstbewusstsein – was ist das genau? Kann man das kaufen, ist das ein Brotaufstrich? Leider nein. Wenn es so wäre, würden sich auch viele Erwachsene gerne jeden Tag eine Portion Selbstbewusst sein aufs Butterbrot streichen. Selbstbewusstsein hat was zu tun mit «wissen, wer man ist und was man kann». Und ist mal stärker, mal schwächer. Das Gute daran: Selbstbewusst zu sein, das kann man lernen. Und zwar jeden Tag. Selbstbewusstsein ist das Gefühl, das du hast, wenn dir etwas gut gelungen ist. Dann fühlst du dich stark. Jeder Mensch hat Fähigkeiten, die er gut umsetzen kann. Sei es in der Schule, im Sport, im Umgang mit anderen Menschen oder Tieren. Andere Dinge gelingen vielleicht nicht so gut. Das ist nicht schlimm. Supergirls und Supermänner gibt es nur im Film. Im richtigen Leben kann niemand alles gut. Das kann verunsichern, aber auch stark machen. Wichtig ist, dass du merkst: Je besser du dich kennst und je genauer weisst, was du willst, desto stärker wird dein Selbstbewusstsein. Es wächst mit dir. 8 Tipps • Wenn du wieder einmal das Gefühl hast, du seist eine richtige Versagerin, schreibe auf ein Blatt, was du gut kannst und gerne machst. Vielleicht zusammen mit deiner besten Freundin oder deiner Mutter, deinem Vater oder einer Person, die du cool findest. Du wirst sehen, du kannst ganz schön viel. • Man kann und darf auch seinen Körper lieben. Oftmals ist das, was nicht alle haben, das Spezielle. Gut möglich, dass du jetzt genau das nicht magst und lieber anders wärst. Sei nicht zu hart mit dir selber, denn Schönheit ist nie für alle dasselbe. Und dein Körper verändert sich jetzt stark. Also: Geduld haben. • Wenn du in den Spiegel schaust und dich «grottenhässlich» findest, schneide ein paar Grimassen und lache dir zu. Du wirst sehen, es hilft. Denn heute ist ein neuer Tag und die Welt hat sich schon wieder verändert. Und wenn es nur ein ganz kleines bisschen ist. • Auch während der Pubertät sind nicht alle Tage schreckliche Tage. Oftmals hast du einfach ein Hoch, es geht dir gut, du findest dich schön, traust dir alles zu. Geniesse dieses Gefühl und versuche dich daran zu erinnern, wenn es dir schlecht geht. Selbstbestimmung, mitbestimmen Selbstbestimmung ist ein wichtiges Wort und bedeutet, dass jeder Mensch seine eigenen Ideen und Wünsche in Freiheit verwirklichen kann. Ohne unterdrückt und bedrängt zu werden. Natürlich nur, wenn damit nicht jemand anderes eingeschränkt wird. Das heisst, man kann trotz Selbstbestimmung nicht alles machen, bloss weil man es will und Lust dazu hat. Mit jedem Tag, den du älter wirst, kannst du mehr selber bestimmen. Denn die Pubertät ist ja auch die Zeit, in der du dich Schritt für Schritt von deinen Eltern oder dir wichtigen Menschen loslöst, die obligatorische Schule beendest und neue Wege gehst. Und du bestimmst, wohin diese Wege führen sollen. Das heisst aber auch, dass du immer mehr Verantwortung übernimmst für dein Tun. Piercing UND Tattoo Vorbilder, Idole und Schönheitsideale We are beautiful, no matter what they say. Christina Aguilera Die Pubertät ist auch eine Zeit des Vergleichens: mit der Freundin, der Schwester, dem beliebtesten Mädchen in der Klasse oder Vorbildern. Das können die Eltern, die Grosseltern, eine Sportlerin, eine Schönheitskönigin, ein Filmstar, eine Künstlerin oder ein Popstar sein. Vorbilder sind wichtig, denn sie zeigen, wie man selber sein möchte oder wie man etwas machen kann. Jede Generation hat ihre eigenen Vorbilder und Schönheitsideale, und die Medien (Fernsehen, Radio, Kino, Magazine, Zeitungen) bestimmen mit. Sie zeigen täglich, was als schön, was als cool und was als hässlich gilt. Knochendürre Models, Schönheitsköniginnen, Filmstars und Popgrössen sind für viele Mädchen Idole. Und wenn man einen Wunsch frei hätte, möchte man am liebsten aussehen wie .? Aber Models und Filmstars sind keine Durchschnittsfrauen und machen oftmals alles für ihr Aussehen. Radikale Diäten, Schönheitsoperationen und viel Sport. An ihrem Aussehen wird zudem nachträglich am Computer kräftig nachgebessert. Kein Hollywoodstar oder Model sieht am frühen Morgen so umwerfend aus wie im Film oder im Modemagazin. Ein positives Beispiel sind die vielen farbigen Frauen im Showbusiness, die mit Stolz und Selbstbewusstsein ihre Rundungen zeigen. Ihre Botschaft lautet: Nehmt mich, wie ich bin, und ich bin schön, so wie ich bin! Nicht vergessen: Ein Vorbild ist ein Bild und nicht die Realität. Körperschmuck gehört in vielen Kulturen seit je zum Leben. Hier im Westen hat der Körperschmuck in den letzten Jahren stark zugenommen. Viele Musikund Filmstars, aber auch Sportlerinnen verzieren ihre Körper mit immer neuen Tattoos und Piercings. Sie setzen damit einen Trend. Junge Menschen orientieren sich gerne an den neusten MustHaves («muss ich haben»). Doch im Gegensatz zur Kleidung, die immer wieder gewechselt werden kann, sind beim Piercing oder beim Tätowieren ein paar Dinge zu beachten: • Ohne die Einwilligung der Eltern sollte man sich besser – bis zur Volljährigkeit ( S. 20) – kein Piercing oder Tattoo machen lassen. • Ein seriöser Tätowierer fragt nach der Bewilligung der Eltern und hält sämtliche Hygienevorschriften ein (Gefahr von Hepatitis B, S. 30). • Ein Piercing oder ein Tattoo können Infektionen und Allergien auslösen. • Eine Tätowierung kann nicht einfach rückgängig gemacht werden. • Auch so genannte «Bio-Tattoos» verschwinden nicht einfach nach ein paar Jahren. • Streng genommen sind auch Ohrringe ein Piercing. 9 Fruchtbare und unfruchtbare Tage Die Periode, « Ich habe mich gefreut, als ich zum ersten Mal meine Tage hatte. Aber es war der Zyklus und auch ganz schön komisch. » Julia, 13 die Tage Periode, Zyklus, Regel, meine Tage haben, Monatsblutung, Mens – alle Wörter meinen die Menstruation. Menstruation ist ein lateinisches Wort, welches «das alle Monate Wiederkehrende» bedeutet. Gemeint ist die Blutung, die ab der Pubertät ungefähr alle 28 bis 32 Tage eintritt. Erst in den Wechseljahren – bei den meisten Frauen zwischen 45 und 55 – hört die Monatsblutung wieder auf. Der Körper bereitet sich dann nicht mehr monatlich auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Die allererste Blutung wird die Menarche genannt. Ab dann bist du biologisch gesehen kein Kind mehr, sondern eine Frau und kannst Kinder bekommen. Bevor es zur ersten Blutung kommt, sondert die Scheide einen weissen Schleim ab, den so genannten Weissfluss. Der Weissfluss – den Mädchen im Slip oder am Toilettenpapier bemerken – ist ein Zeichen dafür, dass bald die erste Menstruation einsetzen wird. Manchmal dauert es aber trotzdem längere Zeit. Nach der ersten Blutung kann es Monate dauern, manchmal bis zu zwei Jahre, bis sich die Menstruation regelmässig einstellt. Jetzt reift ungefähr alle vier Wochen eine Eizelle heran. Wenn diese im Eileiter durch die Samenzelle eines Mannes befruchtet wird, kann sie sich in der Gebärmutter einnisten und zu einem Kind entwickeln. Kommt es nicht zur Befruchtung, so löst sich die Eizelle auf. Die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut und etwas Blut (circa 50 bis 100 Milliliter) werden aus der Scheide herausgeschwemmt – als Monatsblutung. Im Laufe eines Zyklus hat eine Frau frucht bare und unfruchtbare Tage. Bestimmt werden diese durch verschiedene Hormone. Sie heissen Östrogen, Progesteron, follikelstimulierendes und luteinisierendes Hormon. Es ist nicht einfach die fruchtbaren Tage zu berechnen. Entscheidend ist der Eisprung. Eine Samenzelle kann bis zu sieben Tage im weiblichen Körper auf die Eizelle warten. Das heisst, dass auch ein Geschlechtsverkehr, der mehrere Tage vor dem Eisprung stattgefunden hat, zu einer Schwangerschaft führen kann. Nach dem Eisprung bleibt das Ei während rund 24 Stunden befruchtungsfähig. Da die Länge des Zyklus nicht immer regelmässig ist und Stress, Krankheiten, Diäten, Reisen ect. den Zyklus beeinflussen können, ist eine exakte Bestimmung der fruchtbaren und der unfruchtbaren Tage schwierig. Befruchtung/Menstruation Der MenstruationsZyklus Die Zeit vom ersten Tag der Blutung bis zum letzten Tag vor der nächsten Blutung wird Zyklus genannt. In der Regel geht man dabei von 28 Tagen aus. Es gibt aber auch kürzere und längere Zyklen, das ist von Frau zu Frau verschieden. Der Zyklus wird in zwei Phasen eingeteilt. Die erste Phase reicht vom ersten Tag der Blutung bis zum Eisprung und dauert im Schnitt 14 Tage. Der Eisprung ist der Zeitpunkt, wenn das Ei aus einem der beiden Eierstöcke in den Eileiter abgegeben wird. Hier kann nun das Ei von einem männlichen Samen – innerhalb der nächsten 24 Stunden – befruchtet werden. Die zweite Phase beginnt nach dem Eisprung und dauert bis zum letzten Tag vor der nächsten Blutung – im Schnitt ebenfalls 14 Tage. 1 In den Eierstöcken reift einmal pro Zyklus (durchschnittlich alle 28 Tage) eine Eizelle heran. 2 Der Eisprung: Sobald die Eizelle reif ist, wird sie vom Eierstock freigesetzt und gelangt in den erweiterten Teil des Eileiters. Da der Eileiter beweglich ist, kann er die Eizelle auffangen und einsaugen. 3 Eine mögliche Befruchtung der Eizelle findet im Eileiter statt. Die Eizelle erreicht nach ungefähr 3 bis 4 Tagen die Gebärmutter. In dieser Zeit hat sich die Gebärmutterschleimhaut verdickt und sich mit Nährstoffen angereichert. Verschiedene Methoden geben Hinweise darauf, welches die fruchtbaren und welches die unfruchtbaren Tage sind. • Körpertemperatur messen (während des Eisprungs steigt die Temperatur leicht an) • Schleim beobachten (kurz vor dem Eisprung wird der Schleim in der Scheide feucht und klar und lässt sich zwischen zwei Fingern in die Länge ziehen) • Menstruationskalender führen Diese Methoden verlangen viel Disziplin und Erfahrung und sind für junge Frauen zur Empfängnisverhütung wenig geeignet. 4 5 Die Menstruation: Wird die Eizelle nicht befruchtet, löst sie sich auf. Die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut wird abgestossen. Dies geschieht etwa zwei Wochen nach dem Eisprung. Es kommt zur Menstruationsblutung. Wird die Eizelle im Eileiter befruchtet, nistet sie sich in der Gebärmutter ein. Damit hat eine Schwangerschaft begonnen. Aus der befruchteten Eizelle wächst der Embryo und später, nach der 8. Schwangerschaftswoche, der Fötus heran. Eins und eins ist Elf 10 Farbe auf den Nägeln? 11 Es gibt verschiedene Gründe, warum ein Mädchen das erste Mal zu einer Frauenärztin (Gynäkologin) oder einem Frauenarzt (Gynäkologen) geht: Viele Völker empfinden die Menstruation als etwas Schlechtes, Schmutziges oder beachten sie gar nicht. Es gibt aber auch solche, da wird die Menarche mit einem Fest gefeiert ( S. 21). Schmerzen Binden und Tampons Menstruation und Sex Einige Mädchen haben vor und während der ersten Tage der Menstruation verschiedene Beschwerden. Das können Essgelüste sein, Spannungen in den Brüsten, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen oder Bauch schmerzen. Warum einige Frauen Beschwerden haben und andere nicht, ist nicht ganz klar. Sicher spielen die Hormone eine wichtige Rolle. Um das Menstruationsblut aufzufangen, benützen Mädchen und Frauen Binden und/oder Tampons. Binden werden in den Slip geklebt, Tampons trägt man in der Scheide. Beide Produkte sind in unterschiedlichen Grössen erhältlich. Probiere verschiedene aus, bis du das richtige Produkt gefunden hast. Binden und Tam pons müssen – je nach Stärke der Blutung häufiger – gewechselt werden. Gebrauchte Tampons und Binden immer im Abfalleimer bzw. im Behälter in der Toilette entsorgen. Wer dazu Lust hat und sich gut fühlt, kann während der Menstruation ohne Weiteres Sex haben. Für einige Frauen und Männer ist die Idee, miteinander während der Menstruation zu schlafen, unvorstellbar, andere haben damit gar kein Problem. Sex während der Menstruation ist Ansichtssache. Vorher aber den Tampon entfernen . und Safer-SexRegeln ( S. 28) beachten. Es ist nicht möglich, dass ein Tampon im Inneren verloren geht oder zu weit eingeführt wird. Die Scheide ist kein endloser Tunnel, sondern sie wird durch den Muttermund abgeschlossen. Um einen Tampon richtig einzuführen braucht es etwas Übung. Entspannt atmen und den Tampon mit dem Zeigefinger so weit wie möglich einführen. Nicht aufgeben, wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Pinkeln kann man auch mit einem Tampon. Denn der Tampon wird in die Scheide nicht in die Harnröhre eingeführt. Menstruation und Sport Wer dazu Lust hat und sich gut fühlt, kann ohne Probleme während der Mens Sport treiben. Tipp: Bei Schmerzen kann eine wärmende Bettflasche auf dem Unterleib helfen. Spezielle Heilkräutertees (Frauenmantel, Verveine) oder pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer lindern die Beschwerden. Eine fettarme Ernährung, Sport, eine Massage oder Entspannungsübungen können Linderung verschaffen. Bei schweren Beschwerden kann eine Ärztin oder ein Arzt ein Medikament verschreiben. Wenn Menstruationsblut an der Unterwäsche ist, diese am besten zuerst mit kaltem Wasser auswaschen, bevor du sie in die Waschmaschine gibst. • Ich möchte wissen, ob alles in Ordnung ist. • Ich möchte mit meinem Freund schlafen und mit der Pille verhüten. • Ich habe Schmerzen während der Menstruation. • Ich habe einen Ausfluss, der mich stört. • Es juckt mich in der Scheide. • Meine Menstruation ist ausgeblieben. • andere Gründe Ob lieber zu einer Ärztin oder lieber zu einem Arzt – oder zuerst ein Gespräch mit deinem Hausarzt –, das muss jedes Mädchen selber bestimmen. Das erste Mal ist immer mit Unsicherheit verbunden. Was kommt da auf mich zu? Was passiert da? Tut es weh? Was fragt mich die Ärztin oder der Arzt? Normalerweise besteht der Besuch aus zwei Teilen: einem Gespräch und einer Un tersuchung. Beim Gespräch kannst du Fragen stellen und dir werden Fragen gestellt. Wenn du die Menstruation schon hast, möchten sie zum Beispiel wissen, wann deine letzte Mens begonnen hat. Für die Untersuchung nimmst du auf einem speziellen Stuhl (gynäkologischer Stuhl) Platz. Du brauchst keine Angst zu haben oder dich zu schämen. Die Ärztin sollte dir jeden Schritt, den sie macht, genau erklären. Wenn nicht, frage sie danach, was sie macht. Sie wird dir den zur Frauenärztin oder zum frauenarzt Unterbauch sowie die Scheide abtasten und in deine Scheide schauen. Dazu braucht sie ein spezielles Instrument, ein Spekulum. Das führt sie in deine Scheide ein (tut nicht weh), damit sie die Vagina und deinen Muttermund anschauen kann. Vielleicht macht sie noch andere Untersuchungen. Zum Beispiel einen Abstrich. Dafür nimmt sie mit einem Wattestäbchen ein wenig von deinem Scheidensekret und untersucht es unter dem Mikroskop. Solltest du während der Untersuchung Schmerzen haben oder bekommen, dann musst du ihr das unbedingt sagen. Die Ärztin/der Arzt unterliegt der Schwei gepflicht. Das heisst, sie oder er darf keine Auskunft über dich geben, auch deinen Eltern nicht, wenn du es nicht willst. Dies gilt auch dann, wenn du noch minderjährig bist. Vorausgesetzt du bist urteilsfähig, besitzt also die Fähigkeit, vernunftgemäss zu handeln. Tipp: Wenn du auf dem Land wohnst, findest du vielleicht nicht eine so grosse Auswahl an Frauenärztinnen oder -ärzten vor. Wenn du dich nach deinem ersten Besuch nicht wohlfühlst, kann es sich lohnen, in eine Stadt zu fahren. Denn es ist wichtig, dass du zu deiner Gynäkologin oder deinem Frauenarzt Vertrauen hast. Frage auch deine Freundinnen oder deine Mutter nach ihren Erfahrungen. Unter www.gynweb.ch und www.sante-sexuelle.ch findest du ein schweizweites Verzeichnis von Gynäkologinnen und Gynäkologen. www.sexuelle-gesundheit.ch/beratungsstellen 12 Auf Seite 37 und macht Spass? Die erste Zahl? 13 Tipp: Wenn die Spannungen mit den Eltern, Grosseltern oder Geschwistern überhandnehmen oder du richtig Streit gehabt hast, ziehe dich zurück. Höre Musik, mache etwas, was dir Spass macht. Meistens entspannt sich die Situation nach einer gewissen Zeit und man kann jetzt besser zusammen reden oder ganz einfach wieder in den Alltag steigen. Und man kann sich immer auch entschuldigen, wenn man in einer lauten Auseinandersetzung etwas Blödes gesagt hat. Das gilt auch für die Eltern. Und für die Geschwister. Und für dich. Aber es lohnt sich auf jeden Fall. Gut meinen und loslassen Beziehungen sind wie das Meer Für eine Beziehung braucht es immer mindestens zwei. Und Beziehungen sind für alle Menschen elementar. Manche Beziehungen dauern einen Augenblick, andere ein ganzes Leben. Beziehungen können gut, schlecht, eng, freundschaft lich, geschäftlich, beruflich, diplomatisch oder – am allerschönsten – liebend sein. Eine ganz wichtige Beziehung ist jene zu den Eltern und Geschwistern. Und genau diese Beziehung beginnt sich in der Pubertät zu verändern. Im Laufe der Pubertät lösen sich Jugend liche langsam, aber stetig von ihren Eltern, Pflegeeltern, von ihren Geschwistern oder jenen Menschen ab, bei denen sie aufgewachsen sind. Die Welt draussen wird wichtiger als das Zuhause. Freundinnen und Kolleginnen, vielleicht auch die erste grosse Liebe, werden neue Bezugspersonen. Man will eigene Wege gehen und ist doch noch vom Zuhause abhängig, finanziell und gefühlsmässig. « Ich habe oft mit meinen Eltern richtig grossen Stress. Sie sagen immer, ich mache nicht genug, ich sei faul und mein jüngerer Bruder machte alles besser. Mich scheissen sie zusammen und er wird gelobt. Und wenn ich mal nicht sofort nach Hause komme, rufen sie hundertmal auf mein Handy an. Ich bin doch kein kleines Kind mehr. Rebecca, 14 » Streit und Stress mit jüngeren oder älteren Geschwistern kennen fast alle. Sie können ja auch ganz schön nerven. Entweder wollen sie überall mit dabei sein oder sie geben, wenn sie älter sind, gute Ratschläge und sind strenger als die Eltern. Manchmal ist man ihr Vorbild, ein andermal petzen sie ein Geheimnis aus, weil sie eifersüchtig sind. Beziehungen sind wie das Meer, einmal ganz tief, einmal ganz ruhig, einmal ganz stürmisch, immer in Bewegung. Auf der andern Seite stehen die Eltern oder Erziehungsberechtigten, für die es oft nicht so leicht ist, ihre Tochter ziehen zu lassen. Denn sie haben bis zur Mündigkeit auch die Erziehungsverantwortung über ihre Tochter. Möglich, dass sie überfordert damit sind, dass ihr kleines Mädchen jetzt langsam eine Frau wird. Sie machen sich Sorgen und «meinen es doch nur gut». Es braucht – auf beiden Seiten – immer wieder Geduld. Denn: Beide Seiten müssen lernen, loszulassen und einander zu vertrauen. Man hat immer zu wenig davon? Private, freundschaftliche oder berufliche Beziehungen: Manchmal ist es gar nicht so klar, was für eine Beziehung man mit wem hat. Und was das heisst. Will ich ihre beste Freundin sein oder nur eine Kol legin? Möchte ich ihn als Freund oder will ich gar nichts mit ihm zu tun haben? Beziehungen entwickeln und verändern sich. In der Pubertät lernt man häufig neue Menschen kennen. Im Ausgang trifft man Gleichgesinnte, hört zusammen die gleiche Musik und verkehrt an den gleichen Orten. Hauptsache, man ist zusammen und fühlt sich gut. Es kommt aber immer wieder vor, dass einzelne Mädchen oder Jungen ausgegrenzt und gehänselt werden. Aus den verschiedensten Gründen. Weil sie anders angezogen sind, weil sie eine andere Sprache sprechen, weil sie nicht cool, nicht hübsch, einfach anders sind. Das ist ein blödes Verhalten. Wer andere «fer tigmacht», zeigt seine eigene Schwäche. Denn wer stark ist, hat es gar nicht nötig, andere «kleinzumachen». Man kann und muss nicht zu allen Menschen einen guten Draht haben. Respekt zeigen und das Gegenüber akzeptieren ist ein Muss. « In meiner Klasse wird ein Junge total fertiggemacht. Ich weiss nicht warum, er ist eigentlich ganz nett. Ich glaube, es geht ihm nicht gut, er tut mir leid. Dem Lehrer hat er es schon gesagt, da wurde es nur noch schlimmer! Valora, 14, auf www.tschau.ch » Einsam und allein Vielleicht bist du schüchtern und brauchst länger als andere, bis du Freunde findest. Vielleicht bist du unsicher, ob dich die andern mögen oder nicht. Vielleicht wurdest du schon einmal arg enttäuscht und hast dich zurückgezogen. Wer über lange Zeit das Gefühl hat, allein und einsam zu sein, keine Freundinnen zu haben, mit niemandem sprechen zu können, fühlt sich mies. « Ich glaube, mein Sporttrainer ist verliebt in mich. Im Training sagt er zwar nichts, er schaut einfach immer so komisch, aber er schickt mir immer SMS. Er will mich treffen und mit mir etwas trinken gehen. Ich will das nicht, aber er schickt mir immer wieder Nachrichten. Er ist sicher fast 30 Jahre alt. » Eine Hand Allein kann nicht klatschen 14 Verschiedene Beziehungen Claudia, 16 Das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Jugendlichen ist juristisch ( rechtlich) ganz klar geregelt ( S. 20). Erwachsene, die in einem Erziehungs-, Betreuungs- oder Arbeitsverhältnis zu Jugendlichen stehen – also ein Sporttrainer, ein Lehrer oder eine Lehrerin –, müssen sich an genau vorgegebene Grenzen halten. Sie dürfen keine sexuelle Beziehung mit Jugendlichen eingehen, sonst machen sie sich strafbar. Tipp: Versuche mit einer Person, die du gerne hast, über deine Situation zu sprechen. Wenn dir das Reden schwerfällt, versuche es mit einem Brief oder einer E-Mail. Es kann einfacher sein, seine Gedanken aufzuschreiben, als direkt mit jemandem zu sprechen. Wenn du glaubst, dass du keine Bezugsperson hast, wende dich an eine Beratungsstelle ( S. 42). Oft fällt es leichter, sich jemandem anzuvertrauen, den oder die man nicht kennt oder nicht sieht. Beratungspersonen unterstehen der Schweigepflicht und dürfen daher mit niemandem über dich sprechen, wenn du es nicht willst. Das Tier mit dem Rüssel? 15 Vorsicht, Baustelle! Ups and Downs, Achterbahn der Gefühle Oftmals gleicht die Pubertät einer Fahrt auf der Achterbahn. Im Leben geht es hin auf und hinunter, man hat das Gefühl, aus der Kurve zu fliegen, geniesst den Rausch der Geschwindigkeit oder fühlt sich hundeelend. Und immer sollen die Hormone schuld sein. Aber so einfach ist das nicht. Auch das Gehirn spielt in der Pubertät eine wichtige Rolle. Verschiedene Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen bezeichnen das Gehirn während der Pubertät als Baustelle. In der Pubertät werden unzählige neue Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen geknüpft. Das Gehirn und die Persönlichkeit sind noch nicht «fertig». Man ist kein Kind mehr, aber auch noch nicht erwachsen. «Weder Fisch noch Vogel», sagen die Erwachsenen. Das Gehirn steuert auch die Emotionen und Triebe (Sexualtrieb). Das heisst, wie ich mich entscheide, ob ich vergesslich und launisch bin, hat viel mit der Baustelle im Gehirn zu tun. Es ist, wie wenn man ein neues Handy in Betrieb nimmt. Viele Bereiche arbeiten einfach, in andere müssen zuerst Daten eingegeben werden, damit es tadellos funktioniert. Genauso müssen auch im Gehirn die Wege neu verkabelt werden. Und das dauert einige Jahre, genau während der Pubertät. Das ist einer der Gründe, warum sich Girls in dieser Zeit manchmal so unbeschreiblich «superlässig» oder «megaverschissen» fühlen können. Oder warum sie sich einfach nicht entscheiden können. Auf einer Baustelle muss man aufpassen und wach sein, dass man sich nirgends verletzt. Darum ist auch der Gebrauch von Drogen, von Alkohol und Nikotin speziell in der Pubertät nicht ungefährlich. In der Pubertät können auch Zweifel und Unsicherheit gross sein. Nicht alle, aber doch einige Mädchen leiden unter Essstörungen, andere ritzen und manche denken an Selbstmord. Hormone Tipp: Obwohl die HorHormone sind chemische Sub mone und das Gehirn in der Pustanzen, die dafür verant bertät eine wichtige Rolle spielen, heisst wortlich sind, dass unser das noch lange nicht, dass sie an jedem und allem, was in dieser Zeit schlecht läuft, schuld Organismus funktioniert. sind. Während der Pubertät geht es auch darum, Sie werden von bestimmten Drüsen abgegeben und Verantwortung zu übernehmen und langsam steuern so wichtige Körper erwachsen zu werden. Und nicht immer eifunktionen wie Wachstum, Ge ne Ausrede zu suchen, wenn einmal schlechtsreife, aber auch Reaktietwas misslingt. onen auf Stress oder Krankheit. Bei den Frauen heissen zwei wichtige Hormone Östrogen und Progesteron. Auch Männer produzieren kleine Mengen an Östrogenen, umgekehrt produzieren auch Frauen Testosteron, ein wichtiges Hormon für die Männer. Bis sich die Hormonproduktion im Körper eingependelt hat, braucht es Zeit. 16 Fällt vom Himmel und ist nass Essstörungen sind eine ernsthafte Erkrankung. Vordergründiges Ziel ist die Gewichtskontrolle, aber eigentlich will das Mädchen oder die junge Frau damit Konflikte und Schwierigkeiten meistern. Da sich in der Pubertät viele an den gängigen Schönheitsidealen orientieren, bei denen das Gewicht weit unter der Norm liegt, fühlen sie sich zu dick und können ihren Körper nicht akzeptieren, so wie er ist. Wenn du unsicher bist, ob du an einer Essstörung leidest, findest du unter www.netzwerk-essstoerungen.ch Informationen. Vom Ritzen (sich selber verletzen, Schnitte in die Unterarme) sind besonders Jugendliche und junge Frauen betroffen. Sie versuchen so, nicht mehr auszuhaltenden Druck und Kummer abzubauen. Wenn du schon geritzt hast und/oder es immer wieder machst, solltest du dich unbedingt beraten lassen. Das kann anonym (Internet) oder persönlich sein. Wenn du oft traurig bist, viel weinst und manchmal keinen Sinn im Leben siehst, musst du dir unbedingt Hilfe suchen. Du findest hier im Heft Adressen von Beratungsstellen ( S. 42), bei denen du dich melden kannst. Vielleicht fällt es dir leichter, anonym, also unerkannt, über deine Probleme zu sprechen. Hier kann eine Internetberatung das Richtige sein: www.tschau.ch, www.feel-ok.ch. Oder du schreibst ein Gratis-SMS (maximal 160 Zeichen) an 147.ch Liebeskummer! You, your sex is on fire. Kings of Leon Du hast Schmetterlinge im Bauch, siehst alles rosarot, fliegst auf Wolke sieben, schwebst über dem Boden, könntest den ganzen Tag singen und die Welt umarmen, fühlst dich federleicht, hast keine Probleme, bist ganz kribbelig, stehst irgendwie neben den Schuhen, lebst von Luft und Liebe, und nachts im Bett kannst du nicht einschlafen. Keine Frage: Du bist verliebt! Und denkst jede Sekunde, jeden Herzschlag nur an ihn, den Allerliebsten deiner Wahl. Verliebtsein ist ein wunderschönes Gefühl. Oftmals kann man es mit Worten gar nicht beschreiben. Mit einem Schlag dreht sich das ganze Leben um eine Person. Das Ich ist nicht mehr so wichtig, dafür das Du, Du, Du. Verliebte Paare fühlen sich wie der Bauchnabel der Welt, und alles dreht sich um sie herum. Sie sind berauscht und tanzen zwischen Himmel und Erde. – Etwa drei Monate später landen die Verzauberten wieder im Alltag, im Hier und Jetzt. Statt ausschliesslich rosa leuchtet die Welt jetzt wieder in allen Farben. Was nicht heisst, dass man nicht mehr verliebt ist. Es ist ganz einfach so, dass sich nach dem ersten grossen Liebessturm die Gefühle von Verliebtheit in Liebe umwandeln kön nen. Und die Geschichte deiner Verliebtheit jetzt ein neues Kapitel schreibt und schreibt und schreibt . Für die Liebe braucht es immer zwei. Ich und du. Ob der wunderbare Jüngling, das wunderbare Girl deine Gefühle erwidern wird, kann niemand voraussagen. Das ist ja das Schöne und zugleich Unfassbare an der Liebe. Wenn das Verliebtsein einseitig ist und du all deine überschwänglichen Gefühle nicht mit dem Prinzen deiner Träume ausleben kannst, tut das verdammt weh. Oder ihr hattet eine tolle Zeit zusammen und plötzlich will er nichts mehr mit dir zu tun haben. Liebeskummer ist ein genau so starkes Gefühl wie das Verliebtsein. Wer unter Herzschmerz leidet, kann unter Umständen tagelang nichts essen, tagelang heulen, tagelang telefonieren. Man kann Wutausbrüche haben, möchte getröstet werden – und weiss doch, dass alles nichts nützt. Es braucht Zeit, bis der Kummer schwindet und man akzeptieren kann, dass diese Liebe vorbei ist. Verliebt! Innamorata! In Love! Amoureuse! In der Schweiz ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Liebeskummer ist einer der Gründe dafür. Wer keinen Sinn mehr im Leben sieht, sich nutzlos und überflüssig fühlt, braucht jemanden, um sich auszusprechen. Das kann eine vertraute Person oder eine Fachperson sein. Unter der Nummer 147 kannst du Tag und Nacht anrufen und dich aussprechen. Daneben stehen für Jugendliche und junge Erwachsene verschiedene Angebote bereit ( S. 42). Tipp: Wenn du Liebeskummer hast, nimm dir Zeit für dich. Viele beginnen in der Zeit des Liebeskummers mit einem Tagebuch oder schreiben Gedichte oder Songtexte. Es kann helfen, seine Gefühle in Worte zu fassen. Eine weitere Möglichkeit, sich den Kummer von der Seele zu schreiben, bietet das Internet. Auf speziellen Sites für Jugendliche ( S. 42) kannst du dich austauschen oder dir Rat holen. Auch ein Gespräch mit Freunden hilft. Vielleicht willst du einfach allein sein und die ganze blöde Welt soll untergehen. Oder du bist wütend und aggressiv, möchtest alles kurz und klein schlagen. Lass dich zu nichts drängen. Auch wenn dumme Sprüche fallen wie: «Sei nicht so eine Sissi, er hat dich eh nicht verdient.» Du nimmst dir die Zeit, die du brauchst, und machst nicht, was die anderen wollen. Grosse Kleidergrösse 17 Tipp: Auch Jungs sind nicht immer so cool, wie sie sich geben. Etliche sind scheu und verunsichert. Und manche verstecken ihre Gefühle und wollen lieber stark und unabhängig erscheinen. Auch Jungs haben Vorbilder und wollen sein wie diese. In der Gruppe verhalten sie sich meist anders, als wenn ein Mädchen mit ihnen allein ist. Genau wie bei den Girls auch. Jungs wollen, dass man sie ernst nimmt und sich auch für ihre Anliegen interessiert. Jungs sind anders, und genau das macht sie so anziehend. Die Männlichen Geschlechtsorgane Lesben, Schwule, Homos, heteros Für welches Geschlecht du dich interessierst, ob für Männer oder Frauen, dem sagt man sexuelle Orientierung. Während der Pubertät sind Jugendliche auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität. Das dauert seine Zeit und ist nicht immer ein fach. Einige durchleben in dieser Zeit ihr Coming-out. Das englische Wort heisst so viel wie «sich zeigen» und bedeutet, dass man in der Öffentlichkeit dazu steht, wenn man als Mädchen lesbisch ist, also auf Mädchen steht, bzw. als Junge schwul ist und auf andere Jungs steht. Man unterscheidet drei Formen sexueller Orientierung: Heterosexuell: Ein Mädchen interessiert sich sexuell für Jungen oder umgekehrt und sie haben eine sexuelle Beziehung. «Hetero» heisst auf Griechisch «verschieden». Hey Jungs! Wenn ein Junge sexuell erregt ist, pumpt sein Kreislauf Blut in sein Glied. Dadurch wird es steif und richtet sich auf. Erst dieses steife Glied kann er in die Vagina einer Frau einführen. 18 Das andere Geschlecht, die Jungs, kommt rund zwei Jahre später als die Mädchen in die Pubertät. Auch bei ihnen ist ganz schön viel los. Das wichtigste männliche Sexualhormon bei den Jungs heisst Testosteron und wird vor allem in den Hoden produziert. Erst dieses Hormon ermöglicht die Produktion von Spermien. Es beeinflusst daneben auch den Sexualtrieb, das Körperwachstum, die Muskelentwicklung, das Wachstum der Körperbehaarung, die Stimme, die Dicke der Haut. In dieser Zeit haben Jungs den Stimmbruch, beginnt der Bartwuchs, und sie haben den ersten Samenerguss. Aus Jungs werden Männer. Wie bei den Girls sind die Sexualhormone auch an den Veränderungen im Wesen beteiligt. Neben ihrem Körper verändert sich auch ihr Verhalten. Jungs suchen sich Freunde, ziehen in Gruppen durch die Welt, messen ihre wachsenden Kräfte und beginnen sich für Girls zu interessieren. Anderes Wort für «grusig»? Homosexuell: Gleichgeschlechtliche Liebe wird das auch genannt. Da interessiert sich ein Mädchen sexuell für Mädchen oder Frauen und hat sexuelle Beziehungen zu Mädchen. Dies wird als lesbische Orientierung bezeichnet. Oder ein Junge interessiert sich sexuell für Jungen oder Männer und hat mit Jungen sexuelle Beziehungen. Dies heisst schwule Orientierung. Bisexuell: Wer sich zu beiden Geschlechtern, also zu Männern und zu Frauen, hingezogen fühlt, ist bisexuell. Bisexuelle haben einmal mehr Lust auf Sex mit einem Mann, dann wieder mehr auf Sex mit einer Frau. Wenn du dich von Mädchen und Frauen sexuell angezogen fühlst oder du dich in ein Girl verliebt hast, heisst das nicht unbedingt, dass du lesbisch bist. Einige Mädchen wissen recht schnell, dass sie sich für Mädchen interessieren. Andere sind einfach am Ausprobieren und einige sind erst sicher, auf welches Geschlecht sie abfahren, wenn sie schon erwachsen sind. Wenn du über deine Ge fühle reden möchtest oder wissen willst, ob du wirklich lesbisch bist, kannst du dich an eine Lesbenberatungsstelle wen den. Du kannst dir die Informationen telefonisch oder über das Internet anonym holen: www.du-bist-du.ch Bei manchen geistern noch immer seltsame Vorstellungen über lesbische oder homosexuelle Paare im Kopf herum. Man che meinen, das sei eine Krankheit oder pervers, was ganz klar nicht stimmt. Homosexualität ist eine Variante der sexuellen Orientierung und genauso okay wie die Heterosexualität. Lesbische Paare sind genauso Liebespaare, die sich lieben, necken und streiten, wie heterosexuelle Paare auch. Manche Menschen lehnen homosexuelle Beziehungen aus religiösen Gründen strikte ab. In der Schweiz dürfen Homosexuelle nicht diskriminiert ( schlechter behandelt) werden und nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgegrenzt werden. In der Schweiz gibt es viele lesbische und homosexuelle Paare. Seit 2007 dürfen sie sich in der Schweiz auf dem Zivilstandsamt eintragen lassen. Das heisst, sie haben ähnliche Rechte wie ein heterosexuelles verheiratetes Paar. In der Broschüre «Coming-out, Mittendrin» erfährst du vieles über Lesbisch-, Schwul- und Bisexuell-Sein und das Coming-out. Gratis bestellen: www.shop.aids.ch Tel. 044 447 11 11 Weitere Links: www.tgns.ch www.los.ch Lesben-, Schwulenfeindlichkeit «Scheisslesbe» oder «Schwule Sau», zwei Schimpfwörter die immer wieder gebraucht werden. Für eine junge Frau, die sich zu andern Frauen hingezogen fühlt und sich (noch) nicht getraut darüber zu sprechen, sind solche Schimpfwörter sehr verletzend. Oftmals wissen diejenigen, die diese Wörter brauchen nicht genau was gemeint ist. Bei vielen stecken Nichtwissen, Angst und eine ab wehrende Haltung gegenüber der gleich geschlechtlichen Liebe im Zentrum. Diese Abwertungen nennt man Homo phobie (Lesben-, Schwulenfeindlichkeit). Junge Menschen, die noch auf der Suche nach ihrer Identität sind, reagieren oft gemein und gewalttätig gegenüber Schwulen und Lesben. Wie Rassismus (Abwertung und Ablehnung von Menschen aus anderen Kulturen) oder Antisemitismus (Abwertung und Ablehnung von Juden und Jüdinnen) darf man auch Homophobie nicht akzeptieren. Wer Opfer von Homophobie ist, kann Anzeige erstatten. Meldestelle für homophobe Gewalt: www.rainbowgirls.ch, Tel. 0848 80 50 80 Eine Stunde, eine Minute, eine . 19 Recht und Strafgesetz Jede Gesellschaft hat eigenen Wertvor stellungen und Gesetze. Was im Gesetz steht, ist immer ein Spiegel der Gemeinschaft und der Geschichte des jeweili gen Landes. Gesetze ändern sich immer wieder und werden wieder neu angepasst. Eine wichtige Gesetzessammlung ist das Schweizerische Strafgesetzbuch, www.admin.ch Hier stehen die Regeln für das Zusammenleben und was der Einzelne oder die Einzelne darf und was nicht. Man darf vieles, aber man darf nicht alles. Je älter man wird, desto mehr Rechte und Pflichten hat man. Bei Kindern sind die Eltern oder Betreuungspersonen verantwortlich für deren Tun. Für Jugendliche, das heisst ab 15 Jahren, gelten bereits andere Bestimmungen. Für Jugendliche ist das so genannte sexuelle Schutzalter wichtig: Jede Person, die Handlungen sexueller Natur (Küssen, Petting, miteinander schlafen) mit einem Mädchen oder mit einem Jungen von unter 16 Jahren vornimmt oder sie zu einer solchen Handlung verleitet, macht sich strafbar. Ausnahme: Wenn der Altersunterschied weniger als drei Jahre beträgt, ist die Handlung nicht strafbar. Darf also ein Junge, der 17-jährig ist, mit einem Mädchen, das 15-jährig ist, Liebe machen?* Mit 16 Jahren wird man sexuell mündig, das heisst: Ab jetzt hast du das Recht, dein Sexualleben so zu gestalten, wie du es gerne möchtest. Volljährig wird man in der Schweiz mit 18 Jahren. Ab diesem Alter kann man abstimmen und Auto fahren, darf man heiraten oder mit jemandem zusammenleben und ist für alle seine Handlungen verantwortlich. Sexuelle Handlungen mit Menschen zwischen 16 und 18 Jahren sind strafbar, wenn der/die Erwachsene in einem Erziehungs-, Betreuungs- oder Arbeitsverhältnis zur Jugendlichen bzw. zum Jugendlichen steht. Konkret gilt das für Lehrer, Lehrmeister, Heimleiter, Vereinstrainer und andere. Wenn sich also eine Schülerin in einen Lehrer/eine Lehrerin oder in einen Trainer/eine Trainerin «verknallt» und gerne eine sexuelle Beziehung mit ihm oder ihr hätte, darf die ältere Betreuungsperson auf keinen Fall eine solche eingehen. • In der Oberstufe haben die meisten Jugendlichen ein Handy und einen iPod. Mit diesen Geräten können, nebst vielem anderem, Filme und Fotografien ausgetauscht werden. Sie können aber auch als Werkzeuge für Belästigung und Gewalt missbraucht werden. Das Gesetz verbietet es, pornografisches Material Jugendlichen unter 16 Jahren an zubieten, zu zeigen oder zu überlassen. Wer Gewaltdarstellungen und «harte» Porno grafie aus dem Internet auf das Handy/den iPod lädt und sie weitergibt oder herumzeigt, macht sich strafbar. Harte Pornografie ist die Darstellung von sexuellen Handlungen mit Kindern, Tieren, Kot und Urin oder Darstellungen, die Gewalt enthalten. • In jedem Alter ist es strafbar, jemanden mit Drohung, Gewalt oder mit psychischem Druck zu sexuellen Handlungen zu nötigen, also zu zwingen. Dazu zählen Vergewaltigungen ( S. 34). Gleichfalls strafbar ist, wenn man eine Person mit Drogen so «zudröhnt», dass diese Person nicht mehr weiss, was sie tut, und dann mit ihr sexuelle Handlungen vornimmt. Diese Straftat heisst Schändung. Die Site www. castagna-zh.ch ist eine spezifische Fachstelle für Opfer sexueller Ausbeutung. • Oft haben Mädchen und Jungen schon ganz konkrete Vorstellungen, was man «sexuell» so macht, was geil sein soll. Dabei sind diese Ideen vielfach geprägt davon, was junge Menschen in Spielfilmen, im Internet, in Videoclips sehen. Leider auch viel sexuelle Gewalt und Ausbeutung. Das sind Fantasien von Erwachsenen, die wenig mit der Realität zu tun haben. Ja, sie dürfen miteinander schlafen. 20 Die Lippen sind .? Der Himmel hat überall die gleiche Farbe Fremd ist die Fremde nur in der Fremde Mädchen und junge Frauen in der Schweiz, deren Eltern aus einer andern Kultur oder einem andern Land kommen, leben in einer speziellen Situation. Oftmals sind sie mehrsprachig, was ein grosser Vorteil sein kann. Das Aufwachsen und Erwachsenwerden in zwei Kulturen bereichert das Leben, kann aber auch anstrengend sein. Freundinnen aus der Clique oder in der Schule leben unterschiedlich, dürfen andere Dinge tun – und da möchte man auch dazugehören, Verschiedenes ausprobieren und entdecken. Das kann zu Konflikten mit den Eltern führen, wenn diese die Kultur und die Bräuche ihres Heimatlandes in der Familie weiterführen möchten. In der Schweiz leben viele verschiedene Nationen zusammen, und das ist eine grosse Chance. Nutzt sie! Fragt einander und tauscht euch aus. Warum trägt ein Mädchen ein Kopftuch, wer möchte einmal heiraten und Kinder kriegen und wer nicht, wer ist der berühmteste Star in deinem Heimatland? Jedes Girl, das in zwei Kulturen aufwächst, ist eine Expertin und hat viel zu erzählen. Sex vor der Ehe In allen grossen Religionen gilt die Jungfräulichkeit vor der Ehe als hohes Gut. Das heisst, dass in stark religiös geprägten Familien oder in ländlich geprägten Gebieten Sex vor der Ehe ein Tabu (kulturelles Verbot) sein kann, und wer es bricht, kann ernsthafte Schwierigkeiten bekommen. In den letzten 50 Jahren hat sich diese Vorstellung in den westlichen Ländern gewandelt. Die meisten Menschen halten sich nicht mehr an diese Vorgabe, und wer Sex vor der Ehe lebt, muss kaum mit gesellschaftlichen Konsequenzen rechnen. Menstruation Die Menstruation ist für jedes Mädchen etwas Besonderes, auf der ganzen Welt. Kulturelle Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten bestehen im Umgang mit der Menstruation. Es gibt die Vorstellung, menstruierende Mädchen und Frauen seien unrein oder das Menstruationsblut sei schädlich für den Partner. Einige Menschen glauben, Frauen sollten während der Menstruation keinen Schlagrahm schlagen, keine Dauerwelle machen lassen, und andere Dinge mehr, die uns seltsam vorkommen. Wissenschaftlich ist nichts davon erwiesen. In einigen Familien wird nicht über die Menstruation gesprochen, und das kann für ein Mädchen peinlich sein. Keine Frau braucht sich für die Menstruation zu schämen. Nicht aus Liebe: Zwangsheirat In der Schweiz ist die Zwangsheirat verboten. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche aus ausländischen (migrierten) Familien. Und doch kommt es immer wieder vor. Wenn du gegen deinen Willen heiraten sollst, kannst du dich kostenlos beraten lassen. www.zwangsheirat.ch Wenn du aus einer kulturell gemischten Familie oder aus einem andern Kulturkreis stammst und du das schwierig findest, suche dir jemanden, mit dem du gut reden kannst. Vielleicht eine Freundin oder die Lehrerin. Auch ein Gespräch mit einer Fachperson kann weiterhelfen. Unter Telefon 147 erhältst du 24 Stunden, jeden Tag, gratis professionelle Beratung. Oder du schreibst ein SMS (gratis) an die Nummer 147. Es dauert in der Regel drei Tage, bis du eine Antwort erhältst. Das heisst, für Notsituationen eignet sich das SMS nicht. « Meine Eltern kommen aus England. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen. Ich fühle mich manchmal mehr englisch, manch mal mehr schweizerisch. Das ist cool. Magie, 14 » « Eine gute Kollegin kommt aus dem Kosovo. Jetzt zwingt sie ihr Vater, nach Kosovo zu gehen und dort einen Mann zu suchen, und dann muss sie heiraten! Meine Kollegin ist 17 und will nicht heiraten! Fullmoon auf www.tschau.ch » Wer macht «Iah!»? 21 Pille und Präservativ? JA! Das erste Mal Endlich! Das erste Mal! Der erste Geschlechtsverkehr! Das erste Mal ist meist von vielen Fragezeichen, Unsicherheiten, Herzklopfen, aber auch Vorfreude begleitet. Wo wollen wir das erste Mal mit einander schlafen? Ist meine Scheide nicht zu eng? Wie wollen wir verhüten? Wenn ihr euch entschieden habt, miteinander ein erstes Mal Liebe zu machen, ist es nicht schlecht, zuerst gemeinsam ein paar Fragen zu beantworten. Wo? Am schönsten lässt sich das erste Mal an einem Ort erleben, wo ihr wisst, dass ihr allein seid und nicht gestört werdet. Das kann in deinem oder seinem Zimmer sein, zu Hause, wenn die Eltern weg sind, in der Natur oder in gemeinsamen Ferien. Wo das erste Mal statt findet, ist allein eure Sache. Wann? Es gibt kein richtiges und kein fal sches Alter, wenn es um das erste Mal geht. Wichtig ist, dass du bereit bist und dass du es willst. Was passiert genau? Beim Miteinander schlafen dringt der Penis des Mannes in die Vagina der Frau ein. Das Jungfernhäutchen ( S. 6) kann dabei einreis sen. Nun bist du keine Jungfrau mehr. Das kann ein wenig bluten und schmerzen, muss aber nicht, und verheilt rasch. Je entspannter und erregter du bist, desto weniger weh tut es beim ersten Mal. Wie? Ganz einfach immer mit einem Präservativ. Das Präservativ schützt vor einer Schwangerschaft, einer Ansteckung mit HIV ( S. 28) und vielen anderen (aber nicht allen) Geschlechtskrankheiten. Macht vorher ab, wer das Präservativ besorgt, oder ihr kauft das Ding gemeinsam. Wenn ihr das erste Mal mit einem Präservativ verhüten wollt, nehmt euch Zeit. Denn ein Präservativ ist nur ein wirksa- 22 Sie ist es, meine Göttin! Meine Liebe! wüsste sie, dass sie es ist! Verhütung, verhüten, hüten Shakespeare mes Verhütungsmittel, wenn ihr es richtig verwendet. Am besten ist, wenn ihr vorher zusammen schon mal das Abrollen geübt habt. Sollte es zu einer Verhütungspanne gekommen sein S. 27. Auch den Rest bestimmt ihr zusammen. Im Dunkeln oder bei Kerzenlicht, mit eurem Lieblingssong? Sprecht gemeinsam über eure Vorstellungen und Wünsche. Trau dich zu sagen, was du magst, wo du gestreichelt werden willst, was dich erregt. Das bringt euch einander näher und schafft Vertrauen. ( S. 6) nicht vergessen! Setz dich nicht unter Druck, denn Stress und Orgasmus, das geht nicht zusammen. Und: Übung macht die Meisterin. « Ich möchte gerne mit meinem Freund schlafen, weiss aber nicht so genau, was ich machen muss. Ich möchte nicht ungeschickt sein. Lara, 16 » Orgasmus «Liebe machen ohne Orgasmus ist wie ein Hamburger ohne Ketchup», behaupten die einen. Andere finden den Orgasmus nicht so wichtig. Aber was ist überhaupt ein Orgasmus? Der Orgasmus ist der Höhepunkt des sexuellen Lusterlebens. Kurz vor dem Orgasmus steigert sich die Durchblutung der Geschlechtsorgane, und während des Orgasmus ziehen sich die Muskeln im Genitalbereich ( Geschlechtsbereich) rhythmisch zusammen. Wie es sich genau anfühlt, ist schwer zu beschreiben. Jeder Mensch erlebt seinen Orgasmus individuell. Bei Jungs und bei Männern geht der Or gasmus meist einher mit dem Samenerguss. Dabei wird rhythmisch Samenflüssigkeit aus dem Penis ausgestossen. Die darin enthaltenen Samenzellen können das weibliche Ei befruchten. Die meisten Mädchen erleben beim ersten Mal noch kein «supermegageiles Gefühl». Das ist nicht schlimm, denn einen Orgasmus zu bekommen, kann man lernen. Einige Girls/Frauen haben immer einen, andere manchmal. Wenn du deinen Körper besser kennst und entspannter bist, wirst du früher oder später einen Orgasmus erleben. Klitoris Sie ist meine beste .? • Es mag verführerisch sein, sich vor dem ersten Mal Mut anzutrinken. Aber Vorsicht: Alkohol ist eine Droge, und wer zu viel trinkt, dessen Sinne sind benebelt. Wenn Männer zu viel Alkohol trinken, kann es sein, dass der Penis nicht richtig steif wird. Auch das Handling mit dem Präservativ kann schwieriger sein. • Wenn du dich aus irgendwelchen Gründen unwohl fühlst, denk daran: Du kannst immer und jederzeit STOPP und NEIN sagen. Höre auf deine Gefühle, nimm sie ernst. Zusammen schlafen ist schön. Und man macht es gemeinsam. Verhüten sollte man auch gemeinsam. Sicher, es ist nicht einfach, über Verhütungsmittel zu sprechen. Denn: Miteinander-Liebe-Machen hat viel mit Spontaneität und Emotionen zu tun, Verhütung dagegen viel mit Vernunft und Überlegungen. Beides unter einen Hut zu bringen, ist schwierig. Aber die Konsequenzen einer unerwünschten Schwangerschaft sind eindeutig unangenehmer. Die Entscheidung, welches Verhütungsmittel das richtige ist, hängt von vielen Faktoren ab. Das Alter, die persönliche Situation, religiöse Überzeugungen, die Einstellung zum Körper und die Gesundheit spielen eine Rolle. Keine Methode ist hundertprozentig sicher und gleichzeitig frei von Nebenwirkungen und erst noch jederzeit zur Hand. Das Präservativ ist das einzige Verhütungsmittel, das der Mann anwenden kann. Mit allen anderen Methoden verhütet die Frau. Im Laufe eines Frauenlebens ändern die meisten Frauen ihre Verhütungsmethoden ein paar Mal. Für einige Verhütungsmittel braucht man ein Rezept (z.B. für «die Pille»), andere wie das Präservativ kann man einfach in der Apotheke, an der Tankstelle oder im Supermarkt kaufen. In der Schweiz werden Verhütungsmittel von den