Arbeitsblatt: Indoor-Parkour in drei Teilen

Material-Details

Leistungsnachweis zum Thema Indoor-Parkour. Umfasst eine Lektionsreihe mit Feinnpräps
Bewegung / Sport
Bewegung
5. Schuljahr
12 Seiten

Statistik

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24.01.2014

Autor/in

Pascal Künti
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Leistungsnachweis Fachdidaktik Bewegung und Sport 1 HS 2012 Dozentin: Karolin Heckemeyer Indoor-Parkour in drei Teilen Simon Poland Pascal Künti S. Poland, P. Künti 1/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung und Themenwahl Geräte sind stets ein Magnet für Kinder. Für gewöhnlich muss man einer vierten oder fünften Klasse zu Beginn einer jeden Stunde erst wiederholen, dass die Geräte erst nach Einweisung benutzt werden dürfen. Dieses starke Bedürfnis, all die Hindernisse, Matten und Bänke in allen erdenklichen Arten und Weisen einzusetzen konnten wir während unserer Praktika immer wieder bei den Kindern beobachten. Die Kreativität scheint im Anblick der Geräte momentan zu steigen. Zudem erinnern wir uns auch selbst an unsere Schulzeit und unseren Drang zum sportlichen Experimentieren – um ehrlich zu sein, ist er bis heute nicht verflogen. So möchten wir gerne in unserem Leistungsnachweis einige Möglichkeiten aufzeigen, wie man bereits mit einem relativ simplen Drei-Stationen-Rundlauf eine erhebliche Anzahl verschiedener Übungen realisieren kann. Bei den Geräten beschränken wir uns neben einigen Matten auf Bänke, Schwedenkästen und die Sprossenwand. Besonders häufig wird auch nach dem Mini-Trampolin gefragt, welches jedoch erst ab der dritten Klasse als Absprunggerät eingesetzt werden darf. Ab diesem Alter ist der Körper der Kinder robust genug und er hält den Belastungen von Bandscheiben und Wirbelkörpern stand, solange diese nur in Längsrichtung beansprucht werden (vgl. BAUMBERGER/MÜLLER 2010). Eine unkompliziertere Variante stellt hier das Reutherbrett dar, da es bedeutend weniger Federkraft hat. Aus diesem Grund ist es auch als eines der Elemente in unserem Indoor-Parkour enthalten. Vier Elemente, drei Stationen und nahezu unendlich viele Möglichkeiten: Balancieren, Fliegen, Drehen, Rutschen und die Kombination aller vorher genannten stellen die ersten vier Hauptthemen im Lehrmittel von BAUMBERGER und MÜLLER (2010) dar und sie alle lassen sich hier wiederfinden. Zunächst stellt sich die Herausforderung also keinesfalls darin, ausreichend Formen zu finden, sondern sie auf die zentralen Elemente zu beschränken. Gleichzeitig wollen wir jedoch einen Fokus auf Sicherheit und Kooperation setzen und nicht zuletzt die Ausführung der Bewegungen optimieren und dadurch Sicherheit und Ästhetik einfliessen zu lassen. Parkour nicht nur als Sportart, sondern auch als Lebensstil ist für viele Menschen heutzutage ein Lebensinhalt – dies wird nicht ohne Grund so sein, lassen sich doch so viele verschiedene Sportarten ortsunabhängig darin vereinen. Wollen wir also einen Grundstein in der Primarstufe legen, dass diese Vielseitigkeit eine Möglichkeit im Repertoire der Kinder wird – bei der einen S. Poland, P. Künti 2/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 mehr, beim anderen vielleicht weniger, Spass können alle haben. 2 Sachanalyse Bei der Recherche im Internet sind immer wieder dieselben Phrasen erschienen. Sinngemäss wären dies: „Le Parkour ist die Kunst der (Fort-)Bewegung „Le Parkour ist Hindernisse und sich selbst überwinden! In persönlichen Gespräch mit Dominik Maiori, Senior Coach von midnight sports Reinach/Aesch und aktiver Traceur, konnten wir diese Zitate bestätigen. Parkour heisst, effektiv und sicher ein Hindernis zu überqueren. Normalerweise geschieht dies in urbanen Gebieten. Solche Hindernisse wären: Mauern und Wände, Bänke und Tische, Absperrungen und Geländer, Treppenhäuser in Wohnblocks oder U-Bahnstationen. Der Wahl des Hindernisses wird keine Grenze gesetzt. Parkour ist einfach zu betreiben ohne komplizierte und teure (Sport-)Geräte. Der eigene Körper und gängige Lauf- und Sportbekleidung reicht im Allgemeinen aus.Es kann praktisch immer und zu jeder Zeit Parkour ausgeübt werden. Altersbeschränkungen gibt es eigentlich auch keine. Vom Kindesalter an, bis ins Goldene Alter ist Parkour möglich.Wichtig ist immer im Rahmen der eigenen körperlichen und geistigen Möglichkeiten zu bleiben und keine Mutproben zu bestehen. Parkour fordert den eigenen Körper und fördert die Kraft, Beweglichkeit, Geschicklichkeit und geistige Entschlossenheit.Somit kann auch im Alltag Parkour bei der Bewertung von Situationen und bei der Entscheidungsfindung unterstützend wirken.Bei Parkour ist neben der körperlichen (sportlichen) Komponente, vor allem auch die geistige Komponente essentiell.Der Respekt und die Lebenseinstellung des Traceurs findet hier eine zentrale Rolle. Der Parkour Begründer David Belle sieht Parkour nicht nur als Sportart, sondern vielmehr als kreative Kunst, die dabei hilft, die eigenen durch Körper und Umwelt gesetzten Grenzen zu erkennen und zu überwinden – ohne den Hintergedanken andere mit seinem Können beeindrucken zu wollen. Gefährliche oder waghalsige Situationen sind nicht Inhalt von Parkour (wie z.B. Flips oder Salti).Zu erwähnen ist, dass Parkour keinen kompetitiven Aspekt beinhaltet somit Wettkämpfe daher nicht in der Natur von Parkour liegen. Die sehr junge Sportart ist stets im Wandel und muss mittlerweile differenziert betrachtet werden. Man kann drei verschiedene Parkoursport-Disziplinen unterscheiden: S. Poland, P. Künti 3/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Le Parkour und effiziente Bewegungen, Schnelle gesunde Selbsteinschätzung, Flow-Gefühl Freerunning Akrobatische Bewegungen, Risikobereitschaft, Selbstdarstellung, hohe Schwierigkeit Parcouring Zeitdruck, schnelle effiziente und spektakuläre Bewegungen, Wettkampfgedanke (HEINLIN, 2008) Der Parkoursport kann als sehr abwechslungsreich in interpretiert werden. Es werden vielseitige Anforderungen an den Athleten gestellt: Um sich elegant und schnell durch und über Alltagsgegenstände zu bewegen müssen Kraft, Ausdauer, Technik, eine gute Selbsteinschätzung und Kreativität vorhanden sein. Gewisse Bewegungen spielen in dieser Sportart eine elementare Rolle: • laufen • balancieren • springen • landen • klettern • hangeln Da Parkoursport ursprünglich aus Frankreich kommt, tragen viele Bewegungen französische Bezeichnungen. Die Internetplattform hat für die diversen Bewegungen folgende Auflistung erstellt: Präzisionssprunglandung Die Präzisionssprunglandung ist eine der wichtigsten Landetechniken, die auch entsprechend oft und intensiv geübt werden soll. Zur Vermeidung von Schäden an Knie- und Fußgelenken (Sprunggelenk) sollte jede Landung auf dem vorderen Bereich des Fußes also auf den Zehen und Ballen erfolgen. Beim Landen sollte darauf geachtet werden, nicht zu sehr in die Knie zu gehen, sondern den Impact mit der Oberschenkelmuskulatur abzufangen. Vor allem bei großen Höhen und auch in Verbindung mit einer Rolle ist diese Landungsvariante eine der gebräuchlichsten. Vierpunktlandung S. Poland, P. Künti 4/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Reicht der Landeplatz bei Sprüngen aus großer Höhe nicht aus, um eine Rolle durchzuführen, kann auch die sogenannte Vierpunktlandung eine sichere Variante der Landung darstellen. Der erste Teil der Präzisionssprunglandung. Landung Nach erfolgt dem wie Abfedern bei der wird der Körperschwerpunkt weiter nach vorne verlagert und der Restimpakt mit den flachen Händen abgefangen. Roulade Rolle Die Rolle (roulade) ist eine der wichtigsten Bewegungen im Parkour und beugt Verletzungen vor. Nach hohen Sprüngen oder tiefem Fall (drop) wird die Fallenergie (impact) durch die Rollbewegung kompensiert und ermöglicht zusätzlich eine rasche Vorwärtsbewegung und einen kontinuierlichen Bewegungsablauf (flow ). Passement Rapide die rasche Überwindung Ein Passement Rapide ist bei einem nicht zu hohen Hindernis (ca. Hüfthöhe) anzuwenden, um dieses ohne Geschwindigkeitsverlust und im Fluss der Bewegung zu überwinden. Im Lauf wird das Hindernis (z.B. Mauer, Rail) angesprungen. Vor dem Hindernis erfolgt ein einbeiniges Abstoßen, um das Hindernis mit beiden Beinen gleichzeitig seitlich vom Körper angewinkelt zu überspringen. Die Hand wird zur Führung an Hindernis abgestützt und dient zur Beschleunigung bzw. zur Koordination des Sprunges (Stabilisierung der Bewegung). Saut de chat Katzensprung Dem Hocksprung aus dem Turnen sehr ähnlich, wurde der Saut de chat an die Bedürfnisse des Parkour angepasst. Er ermöglicht weite Sprünge über Mauern oder Lücken (wie Abgänge oder Gräben), und um präzise oder in einem Armsprung zu landen. Die Bewegung wird durch einen Absprung eingeleitet. Beide Arme schwingen auf das Hindernis zu und die Beine werden gleichzeitig zu Brust gezogen und durch die Arme über das Hindernis geschwungen. S. Poland, P. Künti 5/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 3 Bezug zur Theorie 3.1 Didaktische Landkarte (Baumberger/Müller 2010) Die didaktischen Leitideen sollen alle ihren Platz finden. Ganzheitlichkeit nicht nur bezogen auf stärkere und schwächere Kinder, sondern auch auf deren vollen Einbezug beim Erarbeiten, Üben und Überprüfen neuer Formen sollen eine wichtige Position in der Einführung des Parkour einnehmen. Das Ziel sollte sein, zum Ende als Gruppe einen Fortschritt erkennen zu können, dass nicht nur jeder einzelne für sich sagen kann, was er geschafft hat, sondern auch die Klasse als Kollektiv. Dies birgt gleich mehrere positive Ansätze: Zum einen stärkt es den Klassengeist an sich – schulübergreifend, nicht auf den Sportunterricht beschränkt. Zum anderen gibt es Auftrieb, sagen zu können: „Das haben wir geschafft, wir sind eine Gruppe, die durch Zusammenarbeit leistungsmässige Fortschritte erreichen kann. Von der gegenseitigen Unterstützung im Einzelnen ist dann insbesondere bei intensiver partnerschaftlicher Zusammenarbeit zu sprechen: Die Kinder unterstützen sich in kleinen zweiergruppen, in denen sie sich gegenseitig herausfordern, behilflich sind und konstruktive Rückmeldungen geben. Dies ist unter Anderem auch eine Gelegenheit, die Lernenden die Rolle der Lehrperson ein Stück weit übernehmen zu lassen, was häufig gute Resultate mit sich bringt, solange die Einführung klar und inhaltlich genügend war. Direkt nach der Einführung und zur Optimierung der Formen steht die Selbständigkeit im Vordergrund. Das Üben und Verbessern, Fehlerkorrektur und Routine sind Aufgabenstellungen an das Individuum, sich motiviert mit dem gesamten Parkour auseinanderzusetzen und einzelne Übungen in den besonderen Fokus zu nehmen. Die normativen Voraussetzungen werden im Lehrplan Basel-Stadt leider nicht detailliert angegeben (vgl. Lehrplan Basel-Stadt 1991), hier heisst es lediglich, dass die „kindliche Freude an Spiel und Bewegung zu wecken von Bedeutung ist, jedoch „sportliche Leistungsziele und Gerätefertigkeiten [.] weniger wichtig sind (Lehrplan Basel-Stadt 1991: 1). Da unser Parkour auf dem Aufbau von Geräten basiert, scheint hier auf den ersten Blick ein Widerspruch zu bestehen, der sich jedoch auflöst, wenn man berücksichtigt, dass nicht das gezielte Leistungstraining am speziellen Gerät im Zentrum steht, sondern die motivierende Entwicklung des Kindes mithilfe der Eingesetzten Hindernisse – die gesetzten Ziele sind als Ansporn und Vergleichbarkeitskriterium und nicht als Prestigeelement gedacht. Die anthropogenen Voraussetzungen nach GISSEL/FLEMMING (2004), welche auch in die normative Ebene fallen, werden in der Sachanalyse und der Grobplanung genauer beschrieben. Auch für die situativen Voraussetzungen gilt es, das benötigte Material und das Umfeld genauer aufzuführen, was in der Unterrichtsplanung geschieht. Die Klasse ist nicht festgelegt, somit kann S. Poland, P. Künti 6/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 keine Bedingungsanalyse auf der anthropogenen Ebene durchgeführt werden. Jedoch soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass von einem relativ hohen Mass an Heterogenität in der Klasse auszugehen ist. Da die Klassengrösse tendenziell stetig etwas zunimmt und auch die Durchmischung verschiedener kultureller und sozialer Hintergründe innerhalb einer Klasse. Was können in dieser Hinsicht Hindernisse und Herausforderungen in dieser spezifischen Lernumgebung sein? Glücklicherweise ist für den Parkour keine spezielle Kleidung notwendig, was die Rahmenbedingungen nicht schwieriger als in anderen Sportstunden macht. Zudem ist Parkour nicht etwa Nationalsport eines bestimmten Landes. Natürlich ist er in einigen Ländern stärker vertreten (z.B. in seinem Ursprungsland Frankreich), jedoch noch sehr jung und deshalb wenig etabliert (vgl. ROCHHAUSEN 2011: 10f.). Einziger Schwachpunkt scheint in diesem Fall die oft symbolisch verwendete Höhe der Hindernisse zu sein. Gelingen, Scheitern und Ästhetik sollen nicht durch die physischen Voraussetzungen der Individuen beeinflusst werden. Unser Ziel ist es, jedem und jeder eine möglichst gleichgrosse Aussicht auf Erfolg gewähren zu können und dafür die notwendigen Vorkehrungen zu treffen: Der Schwierigkeitsgrad muss variabel sein. 3.2 Allgemeine Lern- und Lehrtheorie Die Grundlagen für die Klärung der folgenden zentralen Bewegungselemente sind alle aus „Broschüre 3 des Lehrmittels Sporterziehung Band 4 von BAUMBERGER/MÜLLER 2010 genommen. Balancieren: Das Balancieren auf verschiedenen Geräten soll gefördert werden. Das vermutlich am häufigsten verwendete Utensil hierfür ist wohl die Langbank. In unserem Parkour ist eine Langbank mit Steigung vorgesehen, sowie quergestellte Schwedenkästen. Somit sind zwei verschiedene Arten von Balanceübungen miteinbezogen. Die Frage „Warum muss man Balance überhaupt trainieren? könnte von Eltern oder Bildungsbeauftragten zu Recht gestellt werden. Keine äusserlich sichtbare Muskulatur wird dadurch massgeblich trainiert. Beim Training auf diesen wackeligen Unterlagen übt man, den Körper gegen die Instabilität der Unterlage zu stabilisieren. Dadurch verbessert sich das Zusammenspiel von Nervensystem und Muskeln. Der Körper lernt, durch das Training insgesamt schneller auf Gleichgewichtsanforderungen zu reagieren. Ausserdem muss der ganze Körper in Spannung gebracht werden, um das Gleichgewicht zu halten. Dies trainiert vor allem die Tiefenmuskulatur. Und diese ist wichtig, um den Rücken und die Gelenke zu stabilisieren und die Körpermitte zu festigen. (BECKER, CLEMENS et al. 2010: 87). S. Poland, P. Künti 7/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Tiefenmuskulatur. Die äusserlich Das Zauberwort nicht erkennbare, lautet tief also liegende Muskulatur wird unbewusst aus dem Reflex heraus gesteuert und ist enorm wichtig für das Gleichgewicht und somit die Unfallprophylaxe. Unter diesem Aspekt sollte die Wichtigkeit der Balanceübungen deutlich geworden sein. Fliegen: Ein besonderer Fokus beim Fliegen gilt nicht etwa dem Absprung – ein Fehler wäre hier verzeihlich. Anders sieht es bei der Landung aus – da hier starke Belastungen auf die Gelenke einwirken, kann eine falsche Haltung schnell Verletzungen mit sich bringen. Auch ein Aufschlagen des Kinns auf die Knie ist ein häufiger Unfall, der durch einfache Anweisungen verhindert werden kann. Drehen: Der Rückwärtssalto ist in dieser Unterrichtseinheit kein Inhalt, auch wenn er im Parkour als Sportart eine zentrale Rolle einnimmt. Zunächst muss Sicherheit bei horizontalen Drehungen ausgebaut und im Anschluss daran möglicherweise zunächst ein Vorwärtssalto angestrebt werden, doch auch das wäre erst im Anschluss denkbar. Die Herausforderung bei einer 360-Drehung um die eigene X-Achse ist zunächst sehr gross. Wie beim Fliegen ist die Landung auch hier anspruchsvoll, wenn man die Drehung nicht vollendet, was bei den ersten Versuchen mit grosser Wahrscheinlichkeit passieren wird, so muss man sich an die schräge Landung erst gewöhnen. Eine weiche Unterlage ist also Voraussetzung. Kooperieren: Die Verbesserung der Teamfähigkeit ist uns ein Anliegen. Das bekannte Sprichwort „Vier Augen sehen mehr als zwei kommt nicht von ungefähr – eine zusätzliche Aussenperspektive kann sehr viel nützen, um Abläufe zu optimieren. Aufeinander angewiesen zu sein, ist nicht immer angenehm. Es kommt häufig vor, dass ein Teil des Teams nicht produktiv arbeiten möchte, zudem die Arbeitsrhythmen und Methoden unterschiedlich sind. Hier ist eine ganz grundlegende Verbesserung der Sozialkompetenz gefragt. Toleranz und Einfühlungsvermögen sind die Grundlage für eine funktionierende Zusammenarbeit. Für Hilfestellungen und einige Übungen sind Kombinieren: Kombinationen sind nur für die Lektionen gegen Ende der Einheit geplant. Beispielsweise lassen sich 360-Drehung und Katzensprung kombinieren. Dies ist jedoch für die fortgeschrittenen unter den Lernenden gedacht. Ansonsten bleibt der Parkour in seiner Aufstellung bestehen und direkte Kombinationen zwischen den Posten sind nicht geplant. Eine serielle Kombination ergibt sich lediglich durch den Rundlauf-Charakter, welcher das Aneinanderreihen der einzelnen Übungen erfordert. S. Poland, P. Künti 8/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 4 Planung 4.1 Unterrichtseinheit Für unsere Unterrichtseinheit haben wir uns für eine Serie von 5 Lektionen von jeweils 45 Minuten entschieden. Als Altersstufe empfehlen wir eine 5. Klasse. Über alle Lektionen hinweg werden dieselben drei Posten aufgestellt. Die heissen Katzensprung, Weitsprung und Klettern. Katzensprung: Hierfür werden 3 Schwedenkästen benötigt, die je nach Leistungsstand eine unterschiedliche Anzahl von Kastenelementen aufweisen. Die Schwedenkästen werden hintereinander aufgestellt. Zwischen ihnen befinden sich immer jeweils zwei dünne Matten. Ziel ist es, die Schwedenkästen mithilfe von Parkourtechniken flüssig zu überwinden. Alternative zum Katzensprung ist die Überwindung des Hindernisses via Passement Rapide oder Demi-tour. Weitsprung: Als Basis für diesen Posten dienen zwei mittlere Matten. Vor den Matten wird ein Reutherbrett installiert. Dieses funktioniert als Absprunghilfe für Weitsprünge mit und ohne Drehung. Der Weitsprung beim Parkour unterscheidet sich vom regulären durch den einbeinigen Absprung, das Überwinden von Lücken oder Hindernissen und der Landung, welche nicht auf den Fersen erfolgt. Die Landung kann in Form einer Roulade, Präzisions- oder Vierpunktlandung erfolgen. Wand: Zwei Sprossenwände werden ausgeklappt, eine Bank angestellt und fixiert. Hinter jeder Sprossenwand wird eine dicke Matte installiert. Das Balancieren auf der Bank stellt die erste Herausforderung dar. Diese kann sowohl laufend wie auch im Vierfüsslergang erklommen werden. Oben angekommen erfolgt ein Absprung auf die dicke Matte. Ziel ist es nun die Landung mit einer Vierpunktlandung abzufedern. Die Zweite Sprossenwand wird direkt erklettert. Daraufhin erfolgt der Absprung mit einer Roulade als Landung. S. Poland, P. Künti 9/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Im Folgenden wird eine Übersicht über die 5 Lektionen gegeben: 4.1.1 Lektion 1 Hauptinhalt der ersten Lektion ist die Einführung des Parkours und der ersten Station „Katzensprung. Benötigt werden drei Schwedenkästen und drei dünne Matten. Die Schwedenkästen bestehen nur aus Grund-, Mittel- und Oberteil. Der Abstand zwischen den Kästen beträgt zwei Mattenlängen, dies verhindert im Fall eines Sturzes das Anschlagen am nächsten Kasten. Ziele: • Die Schülerinnen und Schüler sind an allen drei Stationen des Parkours aktiv gewesen. • Sie können die drei Kästen in einem Zug überwinden. • Bevorzugte Methode der Hindernisüberwindung ist gegen Ende der Lektion der Katzensprung, das Passement Rapide und gegebenenfalls der Demi-tour. • Jede/r Schüler/in kann jedoch mindestens eine der Methoden anwenden. Durchführung: Zu Beginn wird die gesamte Gruppe durch den Parkour geführt. Die einzelnen Stationen werden erläutert und auf mögliche Gefahren hingewiesen. Sodann werden drei Gruppen eingeteilt, welche sich an die Posten verteilen. Beim Pfiff können die Kinder beginnen, ihren Posten zu erkunden. Die Gruppe, welche am Posten 1 ist, wird in die drei Überwindungsmethoden eingewiesen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass jedes Kind mindestens eine Methode zum Ende der Stunde beherrschen soll. Anschliessend wird dies mit den anderen zwei Gruppen wiederholt. 4.1.2 Lektion 2 Hauptinhalt dieser Lektion ist das Erweitern des Parkours um den Weitsprung und die anschliessende Landung. Das Material umfasst lediglich ein Reutherbrett und zwei halbdicke Matten. Ziele: • Die Schülerinnen und Schüler sind an allen drei Stationen des Parkours aktiv gewesen. • Sie können einen einbeinigen Weitsprung vom Reutherbrett aus durchführen. • Mindestens eine Landemethode wird angewendet. Durchführung: Die Lektion beginnt mit einer kurzen Repetition der vorangegangenen Stunde. Es werden drei neue Gruppen eingeteilt, welche sich auf die Posten verteilen. Die Gruppe, welche sich bei Posten 2 befindet, wird in den Weitsprung und die Landemanöver eingewiesen. Besonderer Fokus auf Risiken. Es wird wiederum rotiert. S. Poland, P. Künti 10/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 4.1.3 Lektion 3 Hauptinhalt der dritten Lektion ist die Einführung des letzten Postens. Klettern, Balancieren und zwei Varianten des Landens sollen hier erlernt werden. Die Sprossenwände, eine Bank und zwei dicke Matten werden benötigt. Ziele: • Die Schülerinnen und Schüler sind an allen drei Stationen des Parkours aktiv gewesen. • Entweder im Vierfüsslergang oder aufrecht ist das Ersteigen der Bank gelungen. • Das Abspringen erfolgt unter Zuhilfenahme einer der bereits am Reutherbrett erlernten Landemethoden. Durchführung: Die Lektion beginnt mit einer Repitition der vorangegangenen Stunden zum Thema Parkour. Sodann werden drei Gruppen zugeteilt, diese Verteilen sich an die Posten. Die Gruppe, die sich bei Posten 3 aufhält, bekommt eine Einweisung in die Anforderungen und die Ausführung. Ein Fokus wird auch hier auf die Gefahren gelegt. 4.1.4 Lektion 4 Hauptinhalt dieser Lektion ist die gegenseitige Evaluation der Kinder während einer Begleitung in Peergruppen. Ziele: • Die Schülerinnen und Schüler begleiten und korrigieren sich beim Rundlauf durch die drei Posten. • Jedes Kind füllt in der zweiten Hälfte der Stunde einen Feedback-Bogen für seinen Partner aus Durchführung: Zu Beginn wählt jedes Kind eine/n Partner/in. Nun können die Kinder gegen den Uhrzeigersinn durch den Parkour laufen, wobei immer ein Kind den ganzen Parkour am Stück absolviert, während das andere beobachtet, korrigiert und kommentiert. Nach einer Runde wird gewechselt. Die Kinder werden angewiesen, darauf zu achten, dass ihre Kritik umgesetzt wird. Es sollen Überlegungen angestellt werden, wie die Performance zum Abschluss der Unterrichtseinheit aussehen soll, hierzu ist das Feedback des Partners wichtig. Beim letzten Durchlauf füllt jedes Kind für seinen Partner den Feedbackbogen aus. 4.1.5 Lektion 5 Hauptinhalt dieser Lektion ist die Bewertung der Leistungen der einzelnen Kinder. Hierzu steht ein Kompetenzraster zur Verfügung, welches den Kindern durch die vorangegangene Lektion bekannt S. Poland, P. Künti 11/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 ist. Die Bewertung soll transparent und fair sein. Der Anreiz für die Kinder soll gegeben sein, ihre beste Leistung zu erbringen. Ziele: • Jedes Kind absolviert einen Rundlauf mit allen Geräten und zeigt seine Performance Durchführung: Um die effektive Bewegungszeit zu maximieren, wird immer ein Kind zur Bewertung begleitet, während die anderen weiter dem Parkour folgen. S. Poland, P. Künti 12/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 4.2 Lektion Fach: Lektionsthema: Bewegungserziehung und Sport Name Studenten:Pascal Künti, Simon Poland Klasse: 5 Anzahl SchülerInnen: 15 Indoor-Parkour Tag, Zeit: 21.12.2012 Ort: Lausen Grobziele: Pragmatisch Motorisch: Die SuS können sich im Parkour zurechtfinden, Station 1 effektiv bewältigen, auf dem Schwedenkasten beim Überwinden das Gleichgewicht halten. Kognitiv: Die SuS können sich einschätzen, in welchem Tempo und mit welchem Schwierigkeitsgrad sie Posten 1 bewältigen können. (Für besonders grosse Kinder sind Kästen mit 2 Mittelelementen vorgesehen) Sozial: Die SuS geben bei Versagen konstruktive Rückmeldung und lachen nicht aus. Unterstützen einander bei Schwierigkeiten und beobachten andere. Affektiv Emotional: Die SuS mindern mögliche zu Beginn bestehende Ängste ohne sich zu überschätzen. Anmerkung: Da es sich um die erste Lektion handelt, wird der Parkour vor Beginn von der LP aufgestellt. In den folgenden Lektionen kennen die SuS den Aufbau und können die Aufgabe übernehmen. Voraussetzungen: Material: 3x Bändel (farbig), 3xSchwedenkasten, 6xMatte (dünn), 1xReutherbrett 2xMatte (mittel), 1xLangbank, 2xMatte (dick), Trillerpfeife Zeit: S. Poland, P. Künti Unterrichtsverlauf Organisation Anmerkungen Material 13/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Käferfangis: Wer gefangen ist, liegt wie ein Fänger werden Käfer auf dem Rücken und kann nur durch Geburtstag nach ausgewählt. Umdrehen von Mitspielern befreit werden. LP Fänger werden einmal gewechselt. unterbricht Klasse wird zusammengerufen und in drei Fehlverhalten. Zur Einteilung wird auf 3 Gruppen (à 5) KA beobachtet Bändel x3 -- Innerhalb des Parkours, und Geräte werden nicht benutzt! bei KA eingeteilt. durchgezählt Sicherheitshinweis: „Es wird noch nirgends heruntergesprungen, bis die Einweisung gegeben wurde! Wechsel erfolgt jeweils bei Pfiff. Einweisung Katzensprung in Gruppen: 5er-Gruppe verteilt um Der Kasten wird frontal mit beiden Beinen Kasten. Vorzeigen falls gleichzeitig besprungen. SuS wünschen, Die Hände sind dabei seitlich neben den ansonsten durch LP. Füssen auf dem Kasten aufgestützt Leistungsheterogenität beachten. -- Besonderer Hinweis auf Hilfestellung: Hinten Arme ausbreiten, um Rückensturz vorzeigen (ev. Kind) zu vermeiden. Hinweis: „Wer es sich zutraut, darf auch direkt aufgestützt überspringen, ohne mit den Füssen zu berühren. Einführung Passement rapide: Bei einseitigem Abstützen des Armes wird S. Poland, P. Künti GA 14/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 der Kasten schräg überschritten. Hierbei können, müssen aber die Beine nicht den Deckel berühren. Enthusiasten können am Ende die Drehung anfügen. (Demi-tour) Anschliessend Rotation der Gruppen Freies Üben und Rotieren der Posten. EA Gegen UZS. GA Jede Gruppe versorgt ihren aktuellen Posten und merkt sich die Position der Geräte. KA Feedbackrunde im Kreis. „Was war schwierig? „Was hat euch gefallen? „Wer konnte beide Methoden anwenden, wer eine? S. Poland, P. Künti 15/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 5 Evaluation 5.1 Selbstevaluation Die Bewertung der Kinder Untereinander hat mehrere wichtige Aspekte: Zum einen lernen die SuS bewusst auf Details der Bewegungsabläufe zu achten, wodurch sie auch ihre eigenen Bewegungen bewusster anpassen können. Mithilfe eines Bogens werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt und evaluiert. Die Schülerinnen und Schüler erhalten für das Partnerfeedback den gleichen Bewertungsbogen, den auch die Lehrperson benutzt. Der Gedanke dahinter ist Transparenz bei der Bewertung: Die Kinder sollen unsere Bewertungsmuster so gut wie möglich nachvollziehen können. 5.2 Fremdevaluation Da Parkour keine kompetitive oder statistisch erfassbare Sportart ist – und nach David Belle auch keine sein soll – ist eine Evaluation durch Dritte, insbesondere zu Bewertungszwecken, schwierig. Trotzdem soll ein Leistungszuwachs und der tatsächlich erbrachte Aufwand dokumentiert werden. Zu diesem Zweck ist ein Kompetenzraster wesentlich angemessener als ein simples Notensystem. Wir haben uns bewusst gegen ein normiertes Notensystem entschieden, da dies sowohl unsere Bewertung auf ein viel zu abstrakteres Niveau bringt und die Leistung der Kinder nicht präzise wiederspiegelt. Wesentliche Punkte in unserem Kompetenzraster sind die folgenden: Schwierigkeitsgrad: Der gewählte Schwierigkeitsgrad sollte ein angemessenes Verhältnis zwischen Herausforderung und Sicherheit sein. Das Kind soll sich nicht auf bereits Gelerntes verlassen, sondern neue Bewegungserfahrungen sammeln und anwenden. Flow: Ziel eines Traceurs ist es, die Hindernisse möglichst ohne Unterbruch zu bewältigen. Dies soll auch in der Leistung der SuS erkennbar sein. Ausführung/Ästhetik: Dieser Punkt kann mit der B-Note im Kunstturnen gleichgesetzt werden. Hier gilt die Sauberkeit in der konkreten Umsetzung der gewählten Elemente. Sicherheit: Stabilität und Selbstbewusstsein sollen in den Bewegungen zum Ausdruck kommen. Mit zunehmender Sicherheit wächst auch das Vertrauen in den eigenen Körper, weshalb dies ein Punkt in unserem Bewertungsraster sein soll. 6 Fazit und Reflexion Es war uns eine grosse Erleichterung, einen Traceur in Person antreffen zu können. Durch S. Poland, P. Künti 16/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 Pascal Küntis Tätigkeit als Projektleiter für die Midnight Sports Reinach/Aesch hatten wir den Kontakt zu Dominic Maiori. Durch das Interview ist uns deutlich geworden, dass Parkour ein sehr vielseitiger, attraktiver und nur sporadisch kompetitiver Sport ist. Diese Einsicht war für unsere Arbeit von zentraler Bedeutung, da sie den Mehrwert des Indoor-Parkours in dir Primarstufe untermauert. Die Vielseitigkeit und Anspruchslosigkeit in Hinsicht auf Material und Umgebung setzt einen Kontrapunkt zum herkömmlichen Geräteturnen, da es unter den Kindern als Trendsport anerkannt ist. Die Möglichkeit den Parkour in der Freizeit fortzuführen ist aus ebendiesem Grund gegeben: Die Kinder benötigen keine kostenintensive Ausrüstung, um selbst als Traceur aktiv zu werden. Gleichzeitig fördern wir die Bewegungszeit der Kinder ausserhalb der Schule. Gleichzeitige Förderung von verschiedenen Muskelgruppen und der Tiefenmuskulatur im Zusammenspiel mit koordinativen Fähig- und Fertigkeiten ist durch die Vielschichtigkeit der Übungen gewährleistet. Parkour ist auf allen Niveaus durchführbar. Es lässt sich variabel steigern und ausgesprochen gut auch in der Primarstufe einführen. Richtiges Landen nach einem Sprung kann auch der Vermeidung von Verletzungen im Alltag zuträglich sein. Während unseres Arbeitsprozesses konnten wir selbst ein Interesse an dieser Sportart entwickeln und unsere Motivation, selbst aktiver Traceur zu werden wurde angeregt. Wir warten nun noch auf die Gelegenheit, diese Unterrichtsplanung durchzuführen, um die Qualität überprüfen zu können. Selbstverständlich würde sich die Durchführung nach erstmaligem Versuch ändern, eine rein theoretische Lektionsserie ist in unseren Augen schwierig, da die Rahmenbedingungen zu vage gehalten sind. Sollten wir beispielsweise eine enorm starke Gruppe antreffen, so müssten wir die Ziele höher setzen und gegebenenfalls neue Elemente einfügen. Um die Planung dennoch so allgemein wie möglich darzustellen, haben wir uns für ein mittleres Niveau in einer leistungsheterogenen Klasse entschieden. 7 Literatur • Becker, Clemens; Freiberger, Ellen; Hammes, Antje; Lindemann, Ulich; Regelin, Petra; Winkler, Jörn (2010) und Deutscher Turner-Bund (Hrsg.): SturzprophylaxeTraining. Alsdorf: B.O.S.S Druck und Medien GmbH. S. 87. • Baumberger, Jürg und Müller, Urs (2010): Lehrmittel Sport Band 4 – 4.-6. Schuljahr. Eidgenössische Sportkommission ESK. S. Poland, P. Künti 17/18 LNW FD Bewegung und Sport HS 2012 • Heinlin, Christian (2008): Parkour – Lart du déplacement, in: Sport Praxis Jg. 49, Heft 11, Limpert, Wiebelsheim. • Lehrplan Primarschule Kanton Basel-Stadt (1991). In: 14.12.2012] • Auszug aus traceur.net. in: 21.12.2012] 8 Anhang S. Poland, P. Künti 18/18