Arbeitsblatt: Alltag im Ersten Weltkrieg

Material-Details

Stationenlernen zum Thema: Alltag an der "Heimatfront" im Ersten Weltkrieg (7 Stationen)
Geschichte
Neuzeit
10. Schuljahr
16 Seiten

Statistik

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679
11
02.02.2014

Autor/in

Andre Steinmann
Land: Deutschland
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Aufgabe Info: 1 Auf dem Foto bauen Arbeiterinnen während des Ersten Weltkriegs Maschinengewehre zusammen. Bei der Firma Krupp, einem großen Rüstungsunternehmen, arbeiteten 1915 nur 1 342 Frauen. 1918 waren es 28 302 Arbeiterinnen. Hohe Belastung der Frauen Die deutsche Wirtschaft produzierte fast nur noch für den Krieg (Kriegswirtschaft), deshalb wurden alle vorhandenen Arbeitskräfte zum Einsatz in Rüstungsoder Versorgungsbetrieben herangezogen. Da fast alle Männer an der Front waren, fehlte es überall an Arbeitskräften, vor allem in den so genannten „Männerberufen. Diese Lücke mussten die Frauen füllen: Sie arbeiteten in Lebensmittelbetrieben, als Postbotinnen, Straßenbahnschaffnerinnen, in der Verwaltung und in der Landwirtschaft. Nur wenige Betriebe gewährten den Frauen etwas Zeit zum Einkaufen der Lebensmittel und für die Besorgungen des Haushalts. Nicht selten mussten die Frauen zahlreiche Überstunden, Sonntagsarbeit und bis zu 15-stündige Nachtschichten absolvieren, um die Waffenlieferungen für die Front sicherzustellen. Frauen und Jugendlichen erhielten bei gleicher Arbeit oft nur 50% des Lohns oder weniger im Vergleich zu den Männern. Aufgaben: 1. Wie viele Frauen sind auf dem Foto abgebildet? Warum fehlen die Männer? 2. Welche Veränderungen gab es durch den Weltkrieg im Berufsleben der Frauen? Erarbeitet die Ursachen dieser Entwicklung. 3. Nehmt in eurer Gruppe folgende Positionen ein: eine Fabrikarbeiterin und dabei Mutter) ihre Kinder. (8 Jahre, 15 Jahre alt) Die Mutter ist der Meinung, dass sie ein hartes Leben hat. Begründe diese Ansicht der Mutter. (Zeit, Lohn, Haushalt, ) Notiert eure Ergebnisse. Lösung: 1. 10 Frauen. Die Männer sind als Soldaten an der Front. 2. Frauen mussten in klassischen „Männerberufen arbeiten, da die Männer als Soldaten kämpfen mussten. Daneben mussten die Frauen deutlich länger und härter arbeiten als zu Friedenszeiten. 3. Keine Zeit mehr für die Kinder, da teilweise 15 stündige Schichten (Müde, erschöpft). Geringer Lohn (Hunger und Armut). Keine Zeit für Haushalt und Besorgungen (Kinder müssen Arbeit übernehmen) Aufgabe 2 Aus einem Brief des Soldaten Paul Ludwig an seine Mutter vom 25 Mai 1916: Liebe Mutter! Wir stecken Gott sei dank so tief unter der Erde, dass man von dem ewigen Getöse der Kanonen nur wenig hört. Bei Nacht steigt man an die Oberfläche und sieht, dass der Krieg wieder ordentlich gewütet hat. Gestern haben sie unsere Gräben mit Minen radikal zusammengeschossen. Das gibt Löcher so groß wie unsere Küche. Am Abend vorher habe ich noch einen guten Kameraden von mir in nächster Nähe besucht. Gestern Abend war an derselben Stelle, wo der Unterstand vorher war, ein großes, tiefes Loch. Darunter liegen begraben 1 Offizier, 1 Feldwebel (militärischer Rang), 1 Unteroffizier und 4 Mann (einfache Soldaten). Bis heute konnten sie noch nicht geborgen werden. Unsere Gräben liegen im Wald von Haucourt. Vom ganzen schönen Wald sind nur noch ein paar kahle Stümpfe übrig, die bei Nacht schauerlich zum Himmel ragen. Der Boden ist umgepflügt, das Unterste ist zu oberst geraten. Die Leute hocken in Stollen (Höhlen) an die Wand gelehnt. Wir erhalten bei Nacht einen schwarzen Kaffee, sonst nur kalte Verpflegung. Das dauert 14 Tage. Soll man da noch singen und fröhlich sein? Ich wollte, ich wäre es. Fräulein Schiller hat mir vor 8 Tagen auch geschrieben. Im Allgemeinen bin ich zu stumpfsinnig (ideenlos), um viel zu berichten. Meine Korrespondenz (Briefe) ist auf das Mindestmaß beschränkt. Mit herzlichen Grüßen Dein treuer Sohn Paul. 1. Aufgabenstellung: 1. 2. 3. Lies den Brief genau durch. Versuche dich in die Mutter zu versetzen. Wie muss es ihr gehen, wenn sie diesen Brief liest? Wie wird die Mutter antworten? Versuche für Sie einen Brief an ihren Sohn zu formulieren. Lösung: 1. Erfreut, dass ihr Sohn noch lebt und nicht verletzt ist. Angst um Ihren Sohn. Mitleid mit der Situation und die schlechte Verpflegung. Bedenken des Abstumpfens des Sohnes. 2. Individuelle Antwort. Info: Aufgabe 3 Steckrüben gab es in allen Variationen: Steckrübensuppe, Steckrüben mit Kartoffeln, braune Steckrüben, Steckrübenauflauf, Steckrübenpudding, Steckrübenfrikadellen, Steckrübenauflauf, Steckrübenmarmelade usw. 1. Arbeitsauftrag: 1. 2. 3. 4. Schau dir das Video an: Minute 23:47 bis 25:47. Beschreibe in sachlichen Worten die Ernährungslage der Menschen. Zu welchen Problemen kann diese Ernährung führen? Zur Hilfe kannst du auch den Infotext noch lesen. Kohlrübenwinter 1916/17 An den Leiden der Bevölkerung durch Hunger und Kälte haben meine Familie und ich unser redlich Teil getragen. Es verstand sich von selbst, daß ich als Lebensmitteldiktator mich strengstens an die Rationierungsvorschriften halten mußte und mich mit dem Schleichhandel, der fast allen anderen ein wenig nachhalf, in keiner Weise einlassen durfte. Infolgedessen war bis zum Kriegsschluß Schmalhans Küchenmeister in meinem Hause. Ich selbst nahm, als die Butter und Schokolade aus dem Handel verschwanden, in kurzer Zeit 15 Kilo an Körpergewicht ab. Aber schlimmer als der Hunger erschien mir die Kälte. Die Zentralheizung des Hauses durfte infolge der Knappheit nachts nicht durchgefeuert werden, so daß meine beste Arbeitszeit, abends von 10 bis 2 Uhr, kalte Zimmer fand. Mit einem kleinen Kanonenöfchen suchten wir den Übelstand zu mildern; doch war es schwer, Heizmaterial zu bekommen. An das Herz griff einem der Anblick meiner Kinder. Ich sehe sie noch, den 15jährigen Manfred und die 11jährige Vera, aus der Schule kommen und wortlos in Speisekammer und Büfett nach etwas Eßbarem für ihren Hunger suchen. Das Traurigste waren die Kämpfe mit der Frau, die ihre ohnehin schmale Portion den Kindern zusteckte und ihre Gesundheit damit gefährdete. 5 oder 6 Zentner Kohlrüben haben wir in jenem schlimmen Winter gegessen. Früh Kohlrübensuppe, mittags Koteletts von Kohlrüben, abends Kuchen von Kohlrüben. Und bei alledem waren wir noch viel besser dran als hunderttausende andere, vor allem in den Grenzgebieten. Erinnerungen von Walter Koch (* 1870) aus Dresden, Chef des Sächsischen Landeslebensmittelamtes Quelle: Lösung: 1. Die Ernährungslage war sehr schlecht, da es zu einer Missernte bei den Kartoffeln gekommen war. Zu essen gab es fast nur noch Steckrüben. Alles wurde mit Steckrüben gestreckt (dem Essen wurde Steckrüben zugesetzt, um nicht reine Steckrüben essen zu müssen). 2. Zu eintöniger Ernährung und Mangelerscheinungen. Daneben führt diese Ernährung zu Unternährung, die zu Krankheiten führen kann oder gar bis zum Tod. Aufgabe 4 1. 1.ust 1914 1. August 1914 Am Bahnhof kommt Zug für Zug, alle 10 Minuten, mit Militär. Und die Begeisterung dabei! [] 1. Oktober 1915 Mein einziger Bruder wird seit dem 26. September vermisst. [] Neujahr 1915 [] Wie viele junge, lebensfrohe Menschen mussten [] ihr Leben lassen und wie viele [] müssen noch sterben? Es ist ein Hinmorden von tausend jungen Leuten. 21. März 1916 Die Soldaten sind missmutig – aber auch alle – und sind nahe daran den Gehorsam zu verweigern. Und erst die Stimmung im Volk! Die ist nicht zu beschreiben. Es ist bald kein Haus, wo nicht ein Angehöriger gefallen ist []. 12. Juni 1917 Eugen ist am 5. Juni fort, mit ausgerückt nach Baranowischi. Ob er jemals wiederkommt? Ich glaube es nicht [] Heute sind es acht Jahre, dass wir verheiratet sind. Acht Jahre Glück, was mag jetzt wohl kommen? Q: Journal für Geschichte, 2 (1980) S28ff Aus dem Tagebuch der Anna Kohn, das sie während des 1. Weltkrieges führte. Aufgaben: 1. Beschreibt die Auswirkungen des Krieges auf die Familien in der Heimat. (Sorgen, Ängste, ) 2. Betrachtet das Foto des Kriegsverletzten. Versetzt euch in die Personen hinein: Welche Gedanken/Probleme könnten er haben? Was erwartet ihn in der Heimat? Denkt an Beruf, Alltag, Kriegserlebnisse Lösung: 1. Viele Familien haben Verluste durch den Tod zu erleiden. Daneben gibt es viele Verwundete zu beklagen. Die Familien machen sich große Sorgen um ihre Verwandten, die an der Front kämpfen. Die Angst vor dem Verlust von Verwandten ist immer da. 2. Probleme dürfte der Verletzte haben ein „normales Leben zu führen. Auch eine Arbeit wird er kaum finden und somit in Armut leben müssen. Die Kriegsereignisse, die zu seiner Verwundung führten, dürften zu Alpträumen führen. Für ihn wird es schwer sich in das „normale Leben wieder einzugliedern. Aufgabe 5 Aus dem Bericht des Polizisten Krupphausen vom Oktober 1915: „Nach 25 Minuten treffe ich in der Edisonstraße ein und fand hier auch eine Menge von mehreren Tausend Männern und Frauen, welche laut johlend (brüllend) einige Gendarmen (Polizisten) stark bedrängten. Vom dort diensthabenden Gendarmerie Oberwachtmeister, welcher am Kopf erheblich von der Menge verletzt war, erfuhr ich, dass die Menge mehrere Butterläden wegen zu hohen Preisen gestürmt hatte. Ich wurde gebeten, die Edisonstraße absperren zu lassen, da die wenigen anwesenden Gendarmen der Menge gegenüber völlig machtlos seien. Verschiedentlich wurde ich noch mit Gegenständen, wie Blumentöpfen aus der Menge beworfen [.]. Ich wurde gebeten, die Edisonstraße absperren zu lassen, da die wenigen Aufgabenstellung: 1. Lies den Bericht des Polizisten genau durch. 2. Wie würde die Bildzeitung über ein solches Ereignis berichten. Überlege dir eine Überschrift und verfasse einen kurzen Zeitungsbericht. 1. Lösungen: 1. Zum Beispiel: Der Mob wütet in den Straßen Die Menschen haben Läden wegen zu hoher Preise gestürmt und geplündert. Die Polizei hat nicht genug Personal, um die Plünderungen zu verhindern. Die Polizisten werden angegriffen (mit Sachen beworfen). Aufgabe 6 Info Kriegsanleihe* Monat Erlös in Millionen Jahr Reichsmark I. September 1914 4351 II. März 1915 8921 III. September 1915 11981 IV. März 10502 1916 V. September 1916 10404 VI. März 1917 12790 VII. September 1917 12253 VIII. März 1918 14635 IX. September 1918 10119 besondere Gelder 973 Summe* *Kriegsanleihen waren Kredite der Menschen an den Staat. Mit diesem Geld wurden die riesigen Ausgaben für den Krieg bezahlt. Aufgabenstellung: 1. 2. 3. 4. 5. Berechne, wie viel der Staat am Ende des Krieges seinen Bürgern schuldet? Versuche die Werbeanzeige aus dem Jahr 1916 zu lesen. (Du kannst auch die Hilfe verwenden, wo das Altdeutsch in unsere heutige Form übertragen ist) Wie wird in der Anzeige versucht die Bevölkerung für den Kauf (Zeichnen der Kriegsanleihen zu gewinnen. Stell dir vor, du hättest auf die Anzeige gehört und deine ganzen Ersparnisse in Kriegsanleihen angelegt. Ist das eine sichere Geldanlage, d.h. bekommst du dein Geld irgendwann zurück? Bedenke dabei, ein Kilogramm Brot kostete 1917 nur 40 Pfennig. Für die neunte Kriegsanleihe ist der Erlös deutlich geringer als für die vorhergehenden. Welche Ursachen könnte dies haben? 1. Lösungen: Text in neuem Deutsch Nun wirds aber höchste Zeit Dass auch du Dich auf Deine Pflicht besinnst! Am Montag, dem 16 April, Mittags 1 Uhr, wird die Zeichnung auf Die 6. Kriegsanleihe geschlossen. Willst Du wirklich unter den Wenigen sein, die ihr Vaterland in so einer Stunde im Stich lassen haben? Was sollte wohl aus uns allen, aus Dir selbst werden, wenn andere ebenso vernünftig dächten wie Du? Willst du zögern, bis es zu spät ist? Willst Du Dich der Gefahr aussetzen, vor Deinem Angehörigen, Deinen Freunden Und Bekannten erröten zu müssen? Hole sofort das Versäumte nach Und zeichne mit allem, was Du hast Und was Du auftreiben kannst, Kriegsanleihe! 1. 96929 Millionen Reichsmark oder 96,929 Milliarden Reichsmark. 2. Es wird an das schlechte Gewissen appelliert, weil man das „Vaterland in der Not im Stich lassen würde und man sich vor seinen Bekannten und Verwandten schämen müsse. 3. Nein es ist keine sichere Anlage, da das Geld nur bei einem Sieg des Deutschen Reichs mit Zinsen zurückgezahlt würde. Der Sieg ist aber ungewiss und am Ende hat das Deutsche Reich den Krieg verloren und somit ist das gesamte Geld verloren. 4. Weil der Krieg nur zwei Monate später verloren ist und somit kaum Zinsen gezahlt wurde. Aufgabe 7 Info: Das Bild ist von Käthe Kollwitz. Der Namen des Bildes lautet: Gefallen. Käthe Kollwitz Sohn fiel 1916 in der Schlacht von Verdun. Arbeitsauftrag 1. Beschreibe das Bild. 2. Überlege, wie sieht die Zukunft dieser Familie aus. Schreibe ein Tagebucheintrag der Mutter mit ihren Ängsten und Sorgen. Lösung: 1. Trauer Entsetzten Weinen Schreck Angst Kinder scharen sich um Mutter düster (schwarz/weiß) 2. Die Zukunft sieht schlecht aus, der Vater ist tot, kein Geld mehr, Mutter muss arbeiten gehen, keine Zeit für die Kinder, u.s.w. Laufzettel Bearbeite die Aufgaben zu zweit. Schreibe die Antworten in deinen Ordner. Die ersten drei Aufgaben sind Pflichtaufgaben Aus den vier weiteren Wahlaufgaben bearbeitest du mindestens eine Aufgabe. Zu jeder Aufgabe gibt es ein Lösungsblatt, wo du deine Ergebnisse überprüfen kannst. Die Reihenfolge der Bearbeitung ist frei. Trage in den Laufzettel die erledigten Aufgaben ein. Aufgabe 1. Hohe Belastung der Frau (Pflicht) 2. Feldpostbrief an die Mutter (Pflicht) 3. Die Ernährungslage (Pflicht) 4. Kriegserlebnisse erledigt Kommentar (Wahl) 5. Plünderung (Wahl) 6. Kriegsanleihen (Wahl) 7. Gefallen (Wahl)