Arbeitsblatt: Sprachwandel- Posten 3 - Jugendsprache

Material-Details

Der Posten 3 behandelt die Jugendsprache als Faktor für den Sprachwandel.
Deutsch
Gemischte Themen
9. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

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26.01.2014

Autor/in

Basil Blösch
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Warum wandelt sich die Sprache ! Gruppe 3: Jugendsprache! Zu den fleißigsten Schöpfern neuer Ausdrücke gehören Teenager. »Mit der herkömmlichen, ausgetretenen Sprache kann man niemanden beeindrucken«, sagt Roland Hinterhölzl von der Humboldt-Universität Berlin. »Wer sich klug und gewitzt ausdrücken will, muss etwas Besonderes tun.« So versuchen insbesondere Jungs, die Mädchen mit »cooler« Sprache zu beeindrucken. Gerade die Jugendsprache ist allerdings derart schnelllebig, dass so manche »Schnalle« (Mädchen) ins Grübeln kommt, wenn sie nach ihrem »Taschendrachen« gefragt wird. Die einen haben noch nie etwas davon gehört, dass damit ein Feuerzeug gemeint ist; die anderen haben es schon längst wieder vergessen.! Die Jugendsprache ist der Jargon der Jugend. Jugendliche sprechen anders als Erwachsene, anders als ihre Eltern. Jugendsprachen kann man überall auf der Welt beobachten, oft noch deutlich ausgeprägter als bei uns; z.B. sprechen die Jugendlichen in den Slums der Großstädte von Kenia eine völlig neue Sprache, das Sheng.! Als wesentliche sprachliche Motive und Motivationen erscheinen Abgrenzung und Selbstdefinition (Identitätsfindung). Jugendsprache wird meistens nur unter Gleichaltrigen verwendet, in den so genannten Peer Groups (Bezugsgruppe gleichaltriger Jugendlicher).! Das Spiel mit Sprache, das Basteln am sprachlichen Material («Bricolage»), ist ein wichtiges Merkmal jugendlichen Sprechens. Hierzu gehören in der Deutschschweiz solche Äusserungen wie Tue mi nid produziere! oder Du kasch mir nid schamponiere, in denen ein Wort bewusst durch ein anderes ersetzt wird. Häufig werden in solchen Sprachspielereien auch Medientexte, Liedtitel, Filmzitate, Werbesprüche usw. eingebaut, oder es werden Äusserungen verfremdet. Ein Mittel dieser Verfremdung ist das Sprechen in gebrochenem Deutsch (Gömmer Migros? Hesch mer Zigarett?), das in der Schweiz als «Balkandeutsch», in Deutschland als «Türkenslang» bezeichnet wird. Dabei ist es keineswegs so, dass es die Sprecher nicht besser könnten und in ihren Schulaufsätzen nicht Artikel und Präpositionen korrekt setzen würden. Häufig sind es Jugendliche, die auf diese Weise mit Sprache spielen, ihr Medienwissen unter Beweis stellen wollen (indem sie etwa aus Comedy-Sendungen, in denen ein solches Deutsch inszeniert wird, zitieren: Was guckst du?) oder sich einfach dem Sprechstil der Gruppe anpassen.! Zu diesem Spiel mit der Sprache gehört auch das Spiel mit der Schreibung. Interessant sind Nonstandard- Schreibungen vom Typ thanx oder chillä oder kul, also die phonetische Verschriftung von Anglizismen. Überhaupt spielt das Englische in der Jugendsprache, wie in der Gegenwartssprache generell, eine wichtige Rolle (vgl. die Verwendung von Wörtern wie easy,okay,cool).Bemerkenswert ist für Aussenstehende die Kombination von Mundart und Englisch (Gömmer go foode), was in der Deutschschweiz aber nicht ein spezifisch jugendsprachliches Merkmal darstellt. Spezifisch für den jugendlichen Sprachgebrauch ist der häufige Wechsel zwischen Deutsch und Englisch (Nicht schlecht, but not good enough; Tschuessli, see you!), das Verwenden ganzer Satzteile in englischer Sprache (Why not; Check it out; No joke; Lets go; No problem) und das Einfügen englischer Wörter in deutsche Flexionsmuster (eine bigge Party).! Erwachsene, die von Sprachverfall reden, übersehen, dass aus «Verfallendem» zuverlässig Neues hervorgeht. Sprachwandel ist daher das treffender Wort für den Vorgang. Und Sprachwandel folgt stets zwei Prinzipien: der Vereinfachung und der Verdeutlichung. Wenn also Jugendliche von «Wumme» statt Schusswaffe sprechen, wenn sie «fonen» statt telefonieren, aus einem Konzert ein «Konzi» machen oder «Häsch Zigarett?» fragen, wenden sie nichts anderes als diese Prinzipien an – und tragen damit «kreaktiv» zum Sprachwandel bei: Sie lassen Elemente weg, verschieben Bedeutungen, erfinden neue und aus ihrer Sicht treffendere Wörter. Genauso vereinfachte sich einst das lateinische «octo» für acht im Italienischen zu «otto» und wurde aus der «Dirne» als ehemaliges Synonym für Mädchen bedeutungsmässig eine Hure. Und was das «Überrolltwerden von Anglizismen» betrifft: Bei Lehnwörtern aus anderen Sprachen haben sich auch frühere Generationen schon gerne bedient. Unser altbewährtes Pyjama stammt aus dem Iranischen, die Suppe ist französischen Ursprungs, und der Schmetterling flog uns aus dem Slawischen zu.! Vor 20 Jahren konnten nur extrem Computerversierte mit Begriffen wie Modem oder Internet etwas anfangen. Blog war ein hässliches Mehrfamilienhaus, Handy bestenfalls ein Geschirrspülmittel. Dank Mobiltelefon und Internet haben sich Erwachsene neue Kommunikations- und Jugendliche ihre spezifischen Sprachplattformen geschaffen. Dass die ausgeprägte SMS- und Chat-Kultur die Vereinfachung ihrer Sprache zusätzlich vorantreibt, soll nicht heruntergespielt werden. Das heisst nun aber nicht, dass die meisten Jugendlichen sich nicht «normal» ausdrücken können, wenn es die Situation verlangt – denn wie erwähnt: Jugendsprache ist eine Welt für sich, und junge Menschen können gut zwischen Welten «switchen». Ausserdem: Wer aus dem Teeniealter herauswächst, verlässt in der Regel auch die entsprechende Sprachwelt.! Aufgaben:! 1. 2. 3. 4. 5. 6. Erkläre als Experte/Expertin wie Jugendliche zum Sprachwandel beitragen ?! Erkläre warum Jugendliche neue Wörter erfinden?! Wo tritt Jugendsprache auf (geografisch) ?! Erkläre als Experte/ Expertin die Rolle der SMS- und Chatkultur.! Was passiert, wenn Jugendliche älter werden ?! Welche Wörter kommen euch in den Sinn, die euch gefallen und die Erwachsene unmöglich kennen können diskutiert und tauscht euch aus !! Macht euch gute Notizen für die zweiten Phase des Gruppenpuzzles (ihr müsst den anderen euer Thema erklären können ihr seid die Experten !)! !