Arbeitsblatt: Homosexualität

Material-Details

Abschlussarbeit der PH im Fach Sexualpädagogik zum Thema Homosexualität
Lebenskunde
Sexualerziehung
8. Schuljahr
7 Seiten

Statistik

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32
08.02.2014

Autor/in

Nadine Mwingira
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität Projektarbeit: Homosexualität zum Thema machen Verfasserinnen: Silvia Bufano, H05 Lea Fisler, H05 Nadine Laederach, F06 Dozentin: Lilo Gander Dozent: Lukas Geiser Zürich, den 2. Dezember 2007 1 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität Inhaltsverzeichnis 1 EINLEITUNG3 2 HOMOSEXUALITÄT ALS EINE SEXUELLE ORIENTIERUNG UNTER VIELEN .5 2.1 Hetero-, Bi-, Homosexuell oder etwas anderes?5 2.2 Woher kommt Homosexualität?6 .6 2.3 Wider die Natur? – Eine Ausstellung über die Homosexualität im Tierreich8 3 DISKRIMINIERUNG AUFGRUND SEXUELLER ORIENTIERUNG9 3.2 RECHTE UND PFLICHTEN .10 Partnerschaftsgesetz.10 Persönlichkeitsschutz, Ehrverletzung und Diskriminierung .11 3.3 COMING-OUT – PROBLEME FÜR HOMOSEXUELLE JUGENDLICHE11 4 HOMOSEXUALITÄT IN DER SCHULE ZUM THEMA MACHEN.13 4.1 ORGANISATION GLL GLEICHGESCHLECHTLICHE LIEBE LEBEN.13 Die Sch sollen 15 Sich seiner Individualität bewusst werden in Bezug auf Lebensgestaltung (Einblick in Zusammenhänge gewinnen 15 Grundlegende Erfahrungen in der Begegnung mit anderen machen und reflektieren (Einblicke in Zusammenhänge gewinnen).15 Werte und Normen erleben und ihre Auswirkungen überdenken (Wertvorstellungen klären).15 Wortschatz und Begriffe, um über sich selbst du sprechen, klären und anwenden (Orientierungswissen) 15 IN EINEM NÄCHSTEN SCHRITT KÖNNEN SCH EIN KONKRETES BEISPIEL EINES COMING-OUTS SEHEN UND DIE MÖGLICHKEIT BEKOMMEN, SICH IN EINE/N GLEICHGESCHLECHTLICH LIEBENDE/N IDENTIFIZIEREN KÖNNEN. AM BESTEN GEHT DIES WOHL MIT EINEM FILM, DER DAS COMING OUT EINES TEENAGERS DOKUMENTIERT. HIERZU GIBT ES MINDESTENS DREI GUTE BEISPIELE: 18 5 SCHLUSSFOLGERUNGEN.19 6 LITERATURVERZEICHNIS. 20 2 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität 1 Einleitung Fünf Prozent der Menschen sind homosexuell. Diese Zahl zeigt, dass Homosexualität in unserer Gesellschaft ein Thema ist. Nach unserer Erfahrung, wird dieses Thema jedoch in der Schule, wie auch in der Gesellschaft, oft tabuisiert. Da wir der Meinung sind, dass die Liebe unter Gleichgeschlechtlichen in der Schule angesprochen werden soll, möchten wir uns mit dieser Arbeit Hintergrundwissen aneignen um Sicherheit und Vertrauen zu gewinnen. Unser Ziel ist es Wissen zu erlangen, um mit dem Thema Homosexualität in der Schule bewusster umgehen zu können. Ebenfalls Handlungsmöglichkeiten erarbeiten, die uns möchten wir konkrete Ideen und als Lehrperson ermöglichen, homosexuelle Jugendliche zu unterstützen. Um diese Ziele zu erreichen haben wir für unsere Arbeit folgende Fragestellung formuliert: Was bedeutet es, homosexuell zu sein und wie kann man Jugendliche auf dieses Thema sensibilisieren und somit Diskriminierungen vorbeugen? In einem ersten Teil der Arbeit befassen wir uns mit dem Begriff der Homosexualität. Was ist Homosexualität und welche Hypothesen über den Ursprung sind vorhanden? Ein Vergleich mit der Tierwelt soll verdeutlichen, dass die gleichgeschlechtliche Liebe in der Natur vorhanden ist. Die rechtlichen Grundlagen bieten eine Übersicht über die aktuellen Gesetze in der Schweiz. In einem weiteren Schritt wird erläutert, was Coming-Out bedeutet und wie dieser Prozess abläuft. Zudem werden wir auf verschiedene Formen der Diskriminierung eingehen, mit welchen Homosexuelle konfrontiert werden können. Es folgt ein Interview mit einem Mitarbeiter von GLL. Er berichtet über seine Erfahrungen mit Jugendlichen bei Schulbesuchen. Die Lektionsplanung soll eine konkrete Umsetzung des Themas in der Schule aufzeigen. Es soll uns, wie auch anderen Lehrkräften, die 3 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität Thematisierung erleichtern und Möglichkeiten aufzeigen, den Jugendlichen die Homosexualität näher zu bringen und sie in dieser Hinsicht zu sensibilisieren. 4 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität 2 Homosexualität als eine sexuelle Orientierung unter vielen 2.1 Hetero-, Bi-, Homosexuell oder etwas anderes? 1 Hetero-, Bi- und Homosexualität sind gesellschaftliche Konstruktionen. Sie teilen die sexuellen Verhalten und Neigungen der Menschen in drei Kategorien auf, in welche aber längst nicht alle Menschen hinein passen. Im Folgenden wird der Begriff Homosexualität etwas genauer hinterfragt und definiert, um dies zu veranschaulichen. Homophilie Frauen und Männer, sowie Mädchen und Buben, leben ausgeprägte gleichgeschlechtliche Beziehungen. In gleichgeschlechtlichen Gruppen fühlen sich viele besser verstanden und können sich darin auch konfliktfreier bewegen. In den Männer- und Frauenwelten treten typische Verhaltensweisen auf. So reden Frauen typischerweise über Beziehungen und Gefühle, während in Männergruppen dieses Thema eher vermieden wird. Wir sprechen hier von Homophilie, also gleichgeschlechtlicher Freundschaft, die in unserer Gesellschaft vorherrschend ist. Oder wir können auch den Begriff homosozial verwenden. Homoerotisch und homosensuell Wenn sich Menschen gleichen Geschlechts durch die Ausstrahlung voneinander angezogen fühlen, spricht man davon, dass diese Beziehung homoerotische Züge enthält. Fühlen sie sich durch den Duft oder Geruch der anderen Person gleichen Geschlechts angezogen, nennt man dies homosensuell. Homogenital Homosexuell? Zwei Personen verhalten sich homogenital, wenn sie genitalen Kontakt mit einer anderen Person des gleichen Geschlechts haben. Diese Form von Beziehung wird in unserer Gesellschaft als homosexuell bezeichnet. Wenn man diese Vielfalt von Beziehungen mit dem gleichen Geschlecht betrachtet, stellt man sich die Frage, ob Homosexualität wirklich so einfach definiert werden kann. Beziehungen können auf den verschiedenen Ebenen gleichgeschlechtlich oder mit dem anderen Geschlecht vorzugsweise gelebt werden und die Entscheidung ob jemand homo-, hetero- oder bisexuell ist, wird dadurch schwieriger. 1 Sielert, Uwe (2005). Einführung in die Sexualpädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 5 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität 2.2 Woher kommt Homosexualität? 2 Der Begriff Homosexualität hat der Sexualforscher Richard Krafft-Ebing im Jahre 1886 eingeführt. Mit Homosexualität wird die gleichgeschlechtliche Liebe und sexuelle Orientierung von Frauen und Männern bezeichnet. Die Anzahl Homosexueller wird auf 5% geschätzt, wissenschaftliche Zahlen liegen aber nicht vor. Die Forschung befasst sich seit langem mit der Frage, woher Homosexualität kommt. Die Frage ist nach wie vor ungeklärt, es gibt aber verschiedene Hypothesen dazu. Hier werden zwei Hypothesen skizziert. Einerseits die Ergebnisse, des Kinsey-Institut, das 1980 ihre Resultate herausgebracht hat und andererseits die neuere Hypothese von Düring im aus dem Jahr 1995. Hypothese des Kinsey-Instituts Die Ergebnisse der Untersuchung des Kinsey-Institut haben Mythen in der Gesellschaft über die Herkunft von Homosexualität widerlegt. Folgende Behauptungen stimmen nicht (Sielert, 2005, S. 87): • Homosexuelle Männer würden sich stärker mit ihren Müttern identifizieren als heterosexuelle. • Die Vater-Sohn-Beziehung sei entscheidend für die sexuelle Orientierung. • Die Geschwister (beispielsweise Genitalspiele mit den Brüdern) hätten Einfluss auf die Ausbildung der Homosexualität. • Der Wunsch der Eltern, lieber ein Mädchen zu haben, könnte aus ihrem Sohn einen Homosexuellen machen. • Homosexualität entstehe durch Verführung. Als wichtigste Ergebnisse aus der Studie kommen hervor (Sielert, 2005, S. 87 88): • Die sexuellen Erlebnisse und Erfahrungen in Kindheit und Jugend sind für die sexuelle Ausrichtung im Erwachsenenalter nicht massgeblich, denn sexuelle Erlebnisse mit Angehörigen des gleichen Geschlechts kommen sowohl bei später homosexuell wie später heterosexuell ausgerichteten Menschen vor. Ebenso gibt es bei den Angehörigen beider Gruppen Erlebnisse mit Menschen des anderen Geschlechts. • Die sexuellen Empfindungen, die in Kindheit und Jugend auftauchen, sind viel entscheidender als die sexuellen Handlungen. Erwachsene Homosexuelle sind bereits in Kindheit und Jugend homosexuell empfindlich, sie berichten, dass gleichgeschlechtliche Menschen sie sexuell erregten. Die sexuellen Empfindungen und Erregungen tauchte gewöhnlich lange vor entsprechenden Betätigungen auf. Falls auch 2 Sielert, Uwe (2005). Einführung in die Sexualpädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 6 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität heterosexuelle Kontakte vorkamen, wurden sie oft als oberflächlich und nicht besonders befriedigend beschrieben. • Die sexuell Ausrichtung ist bereits sehr früh im Leben fest verankert. Die sexuellen Äusserungen in Kindheit und Jugend spielen im Grossen und Ganzen die in einem Menschen sich sehr früh ausdrückende sexuelle Präferenz wider, sie sind aber nicht die Ursache. Wesentlich mehr heterosexuelle als homosexuelle Männer berichteten, sie hätten ihre ersten sexuellen körperlichen Erlebnisse mit einem Jungen oder einem Mann gehabt. Hypothese von Düring Die Sozialwissenschaftlerin Sonja Düring hat 1995 eine neue interessante These formuliert: Frühkindliche homosexuelle Orientierung hat mit dem unbewussten Festhalten des Kindes an den sowohl männlichen wie auch weiblichen Verhaltensmöglichkeiten zu tun (Sielert, 2005, S. 88). Sie erklärt dies damit, dass die Kinder zuerst einen „bisexuellen Vollkommenheitsanspruch hätten. Das heisst, dass sie davon ausgehen, dass ihnen jegliche Verhalten zur Verfügung stehen. Mit der Zeit wachsen die Kinder jedoch in die Geschlechterrollen hinein und merken, dass ihnen als Mann oder als Frau bestimmte Verhalten zugeschrieben werden. Kommen sie damit nicht zurecht und wollen sie sich weiterhin in eine Richtung entfalten, die der gesellschaftlichen Erwartung nicht entspricht, geraten sie in einen Konflikt zwischen dem biologischen Geschlecht und der vorgegebenen Geschlechterrolle. Sie müssen also auf Möglichkeiten des anderen Geschlechts verzichten. Diese Entwicklung geschieht oft unbewusst und kann dazu führen, dass sich die sexuelle Orientierung in Richtung Bisexualität oder eben Homosexualität entwickelt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass weiter Forschungen wieder neue Ergebnisse und Hypothesen liefern können. Es steht jedoch fest und kann als bewiesen angesehen werden: Homosexualität entsteht nicht durch Verführung, ist weder widernachtürlich noch krank und kann somit nicht therapiert werden. 7 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität 2.3 Wider die Natur? – Eine Ausstellung über die Homosexualität im Tierreich 3 Ein Jahr lang, vom 12. Oktober 2006 bis zum 19. August 2007, konnte im Naturkundemuseum in der norwegischen Hauptstadt Oslo eine Ausstellung zu Thema Homosexualität im Tierreich besucht werden. Der norwegische Zoologe Geir Söli hat damit weltweit die erste Ausstellung über dieses Thema gewagt. Die Ausstellung zeigte gleichgeschlechtliche Paarung, wie bei Giraffen, Pinguinen, Walen und Delfinen beobachtet werden konnte. Doch dies sind nur Beispiele. Gesamthaft wurden bisher bei mindestens 1500 Tierarten homosexuelles Verhalten beobachtet. Die Ausstellung stand unter dem Motto „Wider der Natur?. Dies zeigt, dass ein Hauptziel der Ausstellung war, Homosexualität als etwas Natürliches zu vermitteln und nicht als eine Krankheit oder sogar Störung bei Menschen. So meinte der Zoologe Geir Söli: „Man kann über Homosexualität denken, was man will. Aber man kann nicht sagen, dass es widernatürlich ist. Bereits vor etwa 2300 Jahren berichtete Aristoteles vom Liebesspiel von Hyänenmännchen und Weibchen. Doch dies ist ein seltener Fall in der Vergangenheit. Meist wurde die Homosexualität im Tierreich von Zoologen einfach ignoriert. Konnten zwei Giraffenmännchen beim Liebesspiel beobachtet werden, wurde dies als Revierkampf ausgelegt, selbst wenn eine Ejakulation beobachtet werden konnten. Die Forscher wollten die Augen vor dem Thema verschliessen. Die Ausstellung in Oslo hat nun endlich die Homosexualität im Tierreich zur Sprache gebracht. Sie berichtete darüber, dass Wale Zwei männliche Rostgänse. Bei Tieren, bei beobachtet wurden, wie sie ihre erigierten welchen Männchen und Weibchen einfach zu Penisse aneinander rieben, unterscheiden sind, ist die Homosexualität wie besonders gut erforscht. Delphinweibchen ihre Flosse in den Genitalschlitz ihrer Partnerin schoben und wie Möwenmännchen gemeinsam Nester bauten. Auch bei Königspinguinkolonien fanden Wissenschaftler heraus, dass jedes zehnte Pärchen homosexuell war. 3 Bilder:www.nhm.uio.no 8 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität 3 Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung 3.1 Diskriminierungsformen Obwohl sich in den letzten Jahren eine verstärkte öffentliche Akzeptanz vom Homosexualität und gleichgeschlechtlichen Lebensweisen konstatieren lässt, sind Homosexuelle im Alltag nach wie vor mit unterschiedlichen Formen von Diskriminierung konfrontiert. Diese reichen von Ignoranz, Intoleranz und Inakzeptanz über soziale und rechtliche Benachteiligung bis hin zu massiven Anfeindungen und Gewalttaten. Diskriminierungen die von Seite der Gesellschaft her kommen, haben oft einen kulturellen, sozialen und religiösen Hintergrund. In Ländern, die stark vom Glauben geprägt sind, haben es Homosexuelle schwer, sich zu outen und zu integrieren. Nicht nur in unterschiedlichen Ländern lässt sich diese Tatsache beobachten, sondern auch das Verhältnis Stadt-Land zeigt einen Unterschied bezüglich Toleranz und Akzeptanz von Homosexuellen auf: In kleinen Dörfern, wo sich alle kennen, wo der Ruf und der Status wichtige Elemente sind, fällt es Homosexuellen schwerer, nach ihren Wünschen und Bedürfnissen zu leben. Wo hingegen eine gewisse Anonymität und Individualität vorherrscht, also in den Grossstädten, fühlen sie sich freier so zu leben, wie sie es für richtig halten. Wenn man von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung spricht, kann man die Diskriminierungsformen auf verschiedenen Ebenen betrachten. Auf rechtlicher Ebene werden Homosexuelle benachteiligt und diskriminiert, weil es an Diskriminierungsverboten aufgrund der sexuellen Orientierung mangelt. Zudem ist die rechtliche und soziale Absicherung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen (Eheschliessung bzw. Eingetragene Lebenspartnerschaft) noch nicht überall festgelegt und umgesetzt worden. Das hat benachteiligende Folgen für homosexuelle Paare im Bereich der Steuern, Mieten, Erbschaft, Rente und Adoption. Die gesellschaftliche Diskriminierung von homosexuellen Frauen und Männern bezieht sich im Wesentlichen auf historisch gewachsene, sozial, kulturell und religiös geprägte Benachteiligungen. Dabei spielt die individuelle Norm- und Wertvorstellung eine wichtige Rolle. Wer bereit ist, sich kulturellen und religiösen Vorschriften loszulösen, ist auch bereit, den Homosexuellen eine Chance in unserer Gesellschaft zu geben. Um Diskriminierung an einem Konkreten Beispiel zu zeigen, ist hier eine Liste von diskriminierenden Vorgehensweisen gegenüber homosexuellen Lehrpersonen aufgezeigt4: 4 • Psychologischer Druck und Drohungen • Belästigungen und Diskriminierungen • Isolierung und Ausgrenzung • Grobe Witze und verächtlicher Humor www.schwulelehrer.de 9 BE 623 Sexualpädagogik • Physische Gewalt • Ungleiche Arbeitsbedingungen • Willkürliche Entlassungen Homosexualität Gleichgeschlechtlich Liebende werden im Alltag zum Teil mit Ausgrenzung, Anfeindung, Beschimpfungen und Mobbing konfrontiert. Bezeichnungen wie „schwuler Sauhund oder „blöde Lesbe werden zu oft zu schnell ausgesprochen, obwohl sie sehr verletzend sein können. Gerade im Bereich der Sprache kann gegen Diskriminierung von Homosexuellen viel beigetragen werden. Jugendliche sollen mit dem Hintergrundwissen ihre Wortwahl bewusst entscheiden, und sich darüber im Klaren sein, welche Auswirkungen Worte haben können, auch im Bereich der Homosexualität wie im Allgemeinen. Viele Organisationen (wie zum Beispiel Lesbenorganisation Schweiz LOS, ILGA) kämpfen aktiv gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und geben somit auch den Betroffenen eine wichtige Unterstützung, damit sich die Situation in der nahen Zukunft bessern wird. 3.2 Rechte und Pflichten Homosexuelle in der Schweiz haben mit der Einführung des Partnerschaftsgesetzes vor zwei Jahren deutlich mehr Rechte und Pflichten bekommen. Auch im Gesetz gibt es einige Bestimmungen, die Rechte für Homosexuelle festlegen. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte ausgeführt. Partnerschaftsgesetz Am 5. Juni 2005 wurde in der Schweiz über das neue Partnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare abgestimmt. Seit dem 1. Januar 2007 ist nun dieses Gesetz in Kraft getreten. Nun können sich homosexuelle Paare als Partnerin und Partner registrieren lassen. Die Registrierung hat nicht nur symbolischen Wert, sondern bringt teilweise gleiche Rechte und Pflichten mit sich, wie sie in einer Ehe vorherrschen. Wichtigste Veränderungen des Gesetzes sind: • Regelungen im Erbrecht: Ist kein Testament vorhanden, geht mindestens die Hälfte des Erbes an den Partner oder die Partnerin. • Beruflichen Vorsorge: Registrierte Paare haben gegenseitig Unterhaltungs- und Unterstützungspflichten. Die Zusprechung von Alimenten kann bei der Trennung verordnet werden. • Binationale Paare: Mit der Eintragung erhält der/die ausländische Partner/in eine Aufenthaltsbewilligung. Im Gegensatz zu der Ehe, gibt es aber kein Recht zur erleichterten Einbürgerung. 10 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität Gleichgeschlechtlichen Paaren sind jedoch die Adoption, sowie die Methoden der künstlichen Befruchtung weiterhin verboten. Dafür kämpfen heute viele Schwulen- und Lesbenorganisationen. Persönlichkeitsschutz, Ehrverletzung und Diskriminierung Im Zivilgesetzbuch gibt es Bestimmungen zum Persönlichkeitsschutz, im Strafgesetzbuch zum Schutz der Ehre. Sie bieten Möglichkeiten sich gegen Diskriminierung zu wehren und bei Persönlichkeitsverletzungen kann sogar Schadenersatz verlangt werden. In der Bundesverfassung steht ein Diskriminierungsverbot, das verbietet jemand wegen seiner „Lebensform, worunter auch homosexuelle Orientierung gehört, zu diskriminieren. Bund, Kantone und Gemeinde müssen sich daran halten und dürfen keine Unterscheidungen auf Grund der sexuellen Orientierung machen. 3.3 Coming-out – Probleme für homosexuelle Jugendliche Im folgenden Abschnitt wird der Begriff Coming-out erklärt und darauf eingegangen, mit welchen Problemen Jugendliche während des Coming-outs konfrontiert werden können. Der Begriff Coming-out kommt aus dem Englischen und bedeutet primär den individuellen Prozess, die eigenen gleichgeschlechtlichen Empfindungen wahrzunehmen und sich deren bewusst zu werden. In einem zweiten Schritt geht es in diesem Prozess darum, die eigene Homosexualität dem nähren sozialen Umfeld mitzuteilen, somit auch selbstbewusst zur eigenen sexuellen Orientierung zu stehen. Der Familie, den Freunden mitzuteilen, dass man homosexuell ist, wird auch Outing genannt. Dieser Prozess lässt sich nicht nur bei Menschen mit einer homosexuellen Orientierung feststellen, sondern im Allgemeinen auch bei denjenigen, die eine besondere geschlechtliche Orientierung haben bzw. nicht heterosexuell sind, wie zum Beispiel bei Bisexuellen oder Menschen mit sadomasochistischen Vorlieben. Vermutlich entsteht dieser Prozess aufgrund unserer Gesellschaft, die stark durch Werte und Normen geprägt ist, in diesem spezifischen Falle von der Norm „Heterosexualität als sexuelle Orientierung. In diesem Abschnitt wird der Fokus auf das Coming-out von homosexuellen Menschen gelegt. Die Frage, wann das Coming-out stattfindet, hat keine genaue Antwort. Der Prozess verläuft sehr individuell und hängt sehr davon ab, in welchem Umfeld man lebt, wie konservativ bzw. liberal die Gesellschaft ist, wie stark das Bedürfnis ist, sich zu offenbaren und auch wie sicher man bereits ist, dass man eine homosexuelle Neigung hat. Denn auch das wahrnehmen der eigenen sexuellen Empfindungen kann sehr stark unterdrückt werden, somit dauert die Selbstfindung länger. Durch die gesellschaftlichen Normen und Werte kann das Outing sehr erschwert werden, da man von Ängsten und Unsicherheiten geplagt wird. Deshalb kann es auch vorkommen, dass sich Homosexuelle erst im hohen Alter outen, auch wenn sie bereits verheiratet sind und schon Kinder haben. 11 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität Wenn wir den Weg des Coming-outs bei Jugendlichen anschauen, kommen noch mehrere Faktoren hinzu, die den Prozess erschweren. Die Pubertät ist bekanntlich eine sehr turbulente Zeit, man stellt hohe Ansprüche an sich selbst, muss mit dem sich ändernden Körper zu recht kommen und soll zusätzlich noch mit der eigenen Gefühlsachterbahn umgehen können. Jugendliche die während der Pubertät ihre homosexuellen Neigungen entdecken, erleben oft ein Gefühl von Fremdheit und Abnormalität, nicht nur den anderen gegenüber, sondern auch eine eigene Fremdheit. Da sie oft nicht wissen, was mit ihnen los ist, ob das nur eine vorübergehende Phase sei, erleben sie diese „Entdeckung als belastend. Besonders in der Zeit der Pubertät sucht man sich als Jugendlicher den Halt bei Gleichaltrigen, man möchte dazugehören und sich mit der Peergroup identifizieren. Doch homosexuelle Jugendliche müssen feststellen, dass sie sich in einem wesentlichen Punkt von den Gleichaltrigen unterscheiden: Sie fühlen sich vom gleichen Geschlecht angezogen. Das festzustellen löst Ängste und Unsicherheiten aus, die fatale Konsequenzen haben können. Angst vor den Reaktionen von Familie und Freunden, Angst nicht mehr geliebt zu werden, Angst vor Isolierung und Angst vor Diskriminierungen führen zu einer hohen Emotionalen Belastung, die wiederum zu Alkohol- und Drogenkonsum, Essstörungen und Selbstverletzungen führen kann. Zudem ist erwiesen, dass die Suizidgefährdung bei homosexuellen Jugendlichen tendenziell viermal so hoch ist wie diejenige von heterosexuellen Jugendlichen5. Im positiven Falle suchen sich homosexuelle Jugendliche den Kontakt zu gleichgeschlechtlich Liebenden, zum Beispiel in homosexuellen Foren und Clubs. Somit können sie einerseits eigene Erfahrungen sammeln und somit eine gewisse Bestätigung der eigenen Homosexualität zu erhalten, anderseits haben sie die Möglichkeit sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen, um das Gefühl des Alleinseins wieder zu stillen und auch um sich auszutauschen und die Erfahrungen von Gleichfühlenden mitzubekommen. Da die Gesellschaft vorgibt, Heterosexualität sei die Norm, erleben homosexuelle Menschen, insbesondere auch Jugendliche, dass sie zu einer Minderheit gehören. Dieser emotionale Kampf mit sich selbst bzw. sich zu entscheiden, ob man sich der Gesellschaft anpassen möchte und die eigenen Gefühle und Wünsche unterdrücken möchte (so weit es geht) oder sich outen möchte und das Risiko aufnimmt von Menschen, die man liebt, enttäuscht und abgelehnt zu werden, ist sehr hart. Die langfristige Unterdrückung der eigenen Empfindungen, Wünschen und Gefühlen führen zu einer psychischen Belastung, die, wie bereits erwähnt, tragische Konsequenzen haben können. Zur eigenen homosexuellen Orientierung stehen und sich der Gesellschaft gegenüber zu outen braucht eine Menge an Selbstbewusstsein und Unterstützung von Seite des Freundeskreises und der Familie. 5 Herwig, Gabriela (2000): „Meine Sache, Mädchen gehen ihren Weg, Fachtagung zur Sexualpädagogischen Mädchenarbeit 19.-21. Juni 2000, Dokumentation. Berlin. 12 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität Weil der Prozess des Coming-outs eine sehr heikle und schwierige Phase ist, die im negativen Falle zur Selbstzerstörung führen kann, ist es wichtig, die Gesellschaft darüber aufzuklären, was für einen grossen Einfluss auf homosexuelle Menschen haben kann. Das Wissen darüber, dass viele Jugendliche sich das Leben nehmen oder sehr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung leiden, ist erschreckend und sollte zum Nachdenken auffordern. Wichtig ist auch, dass Personen, die sich der eigenen homosexuellen Orientierung bewusst werden, wissen, wo sie sich Hilfe suchen können, sei das in einer Selbsthilfegruppe oder in einer professionellen Beratung. 4 Homosexualität in der Schule zum Thema machen 4.1 Organisation GLL gleichgeschlechtliche Liebe leben In diesem Abschnitt werden wir die Organisation GLL vorstellen. Wir hatten die Möglichkeit Mark, Student und seit fünf Jahren Mitglied der GLL-Organisation, zu interviewen. Die wichtigsten Aussagen werden hier nochmals aufgenommen. Die folgenden Informationen über GLL haben wir der Website www.gll.ch entnommen. Hinzugefügt werden Informationen, die wir im Interview erfahren haben. GLL ist eine Gruppe von Lesben, Schwulen und Eltern gleichgeschlechtlich Liebender. Sie machen Schulbesuche, um Jugendliche über Homosexualität zu informieren. Die Schulbesuche finden in der ganzen Deutschschweiz statt. An einem Schulbesuch nehmen immer drei Personen von GLL teil, ein homosexueller Mann, eine homosexuelle Frau und eine Mutter oder ein Vater mit einem homosexuellen Kind. Wir haben im Interview herausgefunden, dass ganz bewusst diese drei „Elemente während eines Schulbesuchs dabei sind, denn die Jugendlichen sollen die Möglichkeit haben die Perspektive einer Lesbe und eines Schwulen und ausserdem mögliche Reaktionen von Eltern kennen zu lernen. Wichtig, so betonte Mark in seinem Interview, sei, dass die Jugendlichen erfahren, dass jede homosexuelle Person auf unterschiedliche Weise das Coming-out erlebt, dass es vielleicht Faktoren gibt, die bei allen gleich sind, doch schlussendlich sei es eine sehr individuelle Sache, die immer anders erlebt wird. Die Ziele von GLL sind, der Homosexualität ein Gesicht zu geben, über gleichgeschlechtliche Liebe zu Informieren, Vorurteile auszuräumen und Berührungsängste abzubauen. Weitere Ziele von GLL sind, Jugendliche mit homosexuellen Gefühlen ein positives Bild zu vermitteln, der 13 BE 623 Sexualpädagogik ganzen Homosexualität Klasse zu zeigen, wie sie betroffenen Kollegen und Kolleginnen beim Coming-out unterstützen können und Jugendliche in einem Alter zu erreichen, in dem Sexualität ein zentrales Thema ist. Im Interview haben wir erfahren, dass ein Schulbesuch etwa drei Lektionen dauert, und dass er folgender Massen aufgebaut ist: Zu Beginn werden die Schüler mit dem Thema „Anderssein konfrontiert, dabei soll jedem Schüler und jeder Schülerin bewusst werden, dass auch sie in irgend einer Hinsicht anders sind, sei das, weil sie keinen Computer zu Hause haben oder weil sie die Farbe blau nicht mögen. Es werden auch sehr oft Rollenspiele mit der Klasse durchgeführt, dabei ist das Ziel, sich in die Rolle einzufühlen und einen Perspektivenwechsel vorzunehmen. Nach diesem spielerischen Einstieg wird ein Infoblock zur Homosexualität eingeschoben, danach erzählen die drei Mitglieder von GLL von ihren persönlichen Erfahrungen, die Homosexuellen, wie sie ihr Coming-out erlebt haben, der Elternteil über seine Erfahrung mit der Homosexualität. Zum Schluss haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit Fragen zu stellen. Die Klasse wird bei der Fragerunde in drei Gruppen aufgeteilt um die Fragen an eine Person von GLL stellen, das rotiert, damit die ganze Klasse alle Mitglieder befragen konnte. Manchmal werden die Mädchen von Jungen getrennt, aber das kommt sehr auf die Zusammensetzung der Klasse an. Mark hat uns auch darüber berichtet, wie die Jugendlichen bei der ersten Begegnung auf ihn wirken, sie seien sehr distanziert, man spüre, dass sie ein Bewusstsein für „Du bist anders als ich, weil du schwul bist hätten. Diese Distanz verschwindet bei den meisten während des Besuchs, manchmal gibt es aber auch Schüler, vor allem Jungs, die sich nicht auf dieses Thema einlassen wollen. Und da kann man auch nicht viel dagegen machen, denn oft kommt die Offenheit gegenüber der Homosexualität erst in einem höheren Alter. Die Jugendlichen haben ein sehr genaues Bild von Homosexuellen, das, was ihnen von den Medien eingetrichtert wird. Sie erleben den Besuch von GLL oft als Überraschung, da sie sich diese gleichgeschlechtlich Liebenden anders vorgestellt hatten. Die Rückmeldungen von Seite der Schülerinnen und Schüler, aber auch diejenige von Seite der Lehrpersonen sind positiv, die Offenheit, mit der die Leute von GLL über ihre persönliche Erfahrung sprechen wird sehr geschätzt. Die Klasse kann auf einen Besuch vorbereitet werden, das muss aber nicht unbedingt sein. Mögliche Vorbereitungen sind, sich konkrete Fragen für den Besuch zu überlegen oder auch einen Film über Homosexualität zu schauen. Als Nachbearbeitung des Besuchs sind Gespräche über das Empfinden der Schülerinnen und Schüler hilfreich. Was uns besonders wichtig erscheint in einem Gespräch mit GLL, ist, dass die Jugendlichen erfahren, dass das Leben als Homosexueller, sich nicht völlig vom Rest der Menschheit unterscheidet, sondern, dass man nur in einer sehr spezifischen Hinsicht anders ist: Man liebt das gleiche Geschlecht. Alles andere ist gleich. Und vor allem ist eine homosexuelle Liebe nicht 14 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität nur auf den sexuellen Akt bezogen, sondern auch da stehen Gefühle wie Liebe, Zuneigung und Vertrauen im Vordergrund. Das Interview mit Mark war sehr interessant. Seine Offenheit, sein Interesse uns mehr über GLL zu erzählen hat uns sehr beeindruckt. Wir sind der Meinung, dass es sich lohnt, einen Besuch von GLL in der Schule zu nutzen, vor allem dann, wenn man sich als Lehrperson nicht sicher ist, wie man das Thema in der Schule angehen soll. 4.2 Lektionsplanung zum Thema Homosexualität ohne GLL Lernziele der Lektionen (Lehrplanbezug): Die Sch sollen Sich seiner Individualität bewusst werden in Bezug auf Lebensgestaltung (Einblick in Zusammenhänge gewinnen Grundlegende Erfahrungen in der Begegnung mit anderen machen und reflektieren (Einblicke in Zusammenhänge gewinnen) Werte und Normen erleben und ihre Auswirkungen überdenken (Wertvorstellungen klären) Wortschatz und Begriffe, um über sich selbst du sprechen, klären und anwenden (Orientierungswissen) 15 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität Lektionsplanung Zeit 15 WOZU? Lernschritte: Die Schüler/innen (Sch) sollen: Sch sollen feststellen, dass es keinen grossen Untschied von Hetero- und Homosexualität gibt, wenn man auf der Gefühlsebene diskutiert 20 Sch sollen erkennen, was die Wissenschaft bis zum heutigen Tag über Homosexualität weiss und in der Lage sein gegen immer noch in der Gesellschaft bestehende Mythen und Klischees zu argumentieren. 10 Sch sollen erfahren, wie es sich Sozi Medi Das WAS und das WIE auf Seiten der Lehrkraft (L): schreibt gross SEXUALITÄT oben auf die Wandtafel und lässt die Sch alles darunter aufschreiben, was ihnen in den Sinn kommt. schreibt nun HOMO, so dass sich an der WT das Wort HOMOSEXUALITÄT bildet und fordert die Sch auf, alle Wörter zu durchstreichen, welche nicht mehr unter das neue Wort passen. Dies sollte die Sch zu einer vom Lehrer geführten Diskussion anregen um Erfahrungen mit Homosexualität im Umfeld auszutauschen. Das WAS und das WIE auf Seiten der alfor en Sch: Die Sch werden vermutlich Begriffe wie Zärtlichkeit, Liebe, Vertrauen und KL WT Sexualpraktiken and die WT schreiben. fordert Sch auf, zu zweit zwei Klischees und Vorurteile gegenüber homosexuellen Menschen aufzuschreiben und an die WT zu kleben. gibt einen Input von Zahlen und Fakten über Homosexualität und fordert die Sch auf hinter jede Aussage an der WT ein „falsch oder ein „wahr zu setzen. fordert Sch auf, sich im Raum zu Sch diskutieren zu Zweit, welche PA Vorurteile sie schon gehört haben und KL schreiben diese auf. Am Schluss des LInputs sollten sie in der Lage sein, zu beurteilen, ob dieses Aussage korrekt ist oder nicht. 16 Die Sch werden feststellen, dass eigentlich nur Begriffe wie Vaginalverkehr nicht mehr passen. Sch sollen sich ganz klar für eine Seite KL WT BE 623 Sexualpädagogik anfühlt, wenn man diskriminiert wird, nur weil man in der Minderheit steht und so einen Perspektivenwechsel erleben. Homosexualität positionieren. Zum Beispiel sollen positionieren können und sich auf ein alle Blauäugigen/Linkshänder/ Rollenspiel einlassen. Wenn sie in der Blonden oder solche, die auf Minderheit sind, sollten sich möglichst bestimmte Musik stehen auf die eine ruhig verhalten und erst nach ein paar und alle anderen auf die andere Minuten erzählen, was in ihnen vorging. Am Schluss sollte den Sch klar Seite. fordert die jeweilige sein, dass es für Homosexuelle, Mehrheit auf, abfällige genau wie für jede Minderheit, eine Bemerkungen über die Minderheit Qual ist, diskriminiert zu werden. zu machen. (Natürlich kann das nicht mit jeder Klasse und mit jedem Kriterium durchgeführt werden. Die hat den Ablauf strengstens zu überwachen und sieht zu, dass keine Grenzen überschritten werden ). Nach jeder „Diskriminierung von Minderheiten sollte der Lehrer die kleinere Gruppe auffordern zu reflektieren, wie sie sich gefühlt haben. 17 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität In einem nächsten Schritt können Sch ein konkretes Beispiel eines Coming-Outs sehen und die Möglichkeit bekommen, sich in eine/n gleichgeschlechtlich Liebende/n identifizieren können. Am Besten geht dies wohl mit einem Film, der das Coming Out eines Teenagers dokumentiert. Hierzu gibt es mindestens drei gute Beispiele: Sommersturm (Deutschland, 2004) Das Sommercamp mit der Rudermannschaft hatte sich Tobi eigentlich anders vorgestellt. Zunächst hat sein bester Kumpel Achim nur mehr Augen für die hübsche Sandra während er selbst sich eher genervt fühlt von den Annäherungsversuchen der jungen Anke. Als dann auch noch das konkurrierende Ruderteam erscheint und sich als schwule Paddelbrigade vom RC Queerschlag entpuppt, ist die jugendliche Verwirrung komplett. Freundschaft, erste Liebe und Toleranz stehen auf dem Stundenplan dieser einfühlsamen Teenagerkomödie Fucking Amal (Schweden, 1998) Die 15jährige Elin hat ihren Platz im Leben noch nicht gefunden und reagiert unsicher, wie sie auf die Avancen von Johan, einem Freund des Boyfriends ihrer Schwester Jessica, und der zugereisten Agnes reagieren soll. Bei Agnes Geburtstagsparty küssen sich die beiden Mädchen, gleichzeitig lässt sich Elin auch mit Johan ein. Als Gerüchte ihrer lesbischen Freundschaft die Runde machen, muss Elin sich entscheiden. Get real (Grossbritannien 1998) Der 16-jährige Steven Carter ist schwul. In dem konservativen Örtchen Basingstoke, in dem er lebt, ein Problem. Aber Steven hat jetzt keine Lust mehr aufs Versteckspielen. Auch, weil seine Mitschülerin Jessica heftig mit ihm flirtet und er nicht weiß, wie er sie abblitzen lassen soll, ohne sie zu kränken. Da gesteht ihm der umschwärmte John Dixon, der Star der Schule, seine Liebe. Steven und John werden ein Paar. Doch während Steven sein Glück in die Welt hinausschreien möchte, drängt John auf absolute Diskretion. Ein solcher Film kann ganz oder auch nur ausschnittsweise angeschaut werden. Allerdings ist eine nachfolgende Reflexion darüber notwendig. Die Sch sollen zu zweit oder zu dritt überlegen, wie sie sich verhalten hätten in der Situation des Hauptdarstellers, der Hauptdarstellerin im Film um dies dann anschliessend im Plenum zu diskutieren. Für eine solche Sequenz sollte zusätzlich noch etwa 20 Minuten einberechnet werden. 18 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität 5 Schlussfolgerungen Im ersten Teil dieser Arbeit wurde deutlich, dass Homosexualität viele Gesichter hat und dass es bis heute unklar ist, woher die Anziehung zum gleichen Geschlecht eigentlich kommt. Fest steht jedoch, dass sie nicht durch eine besonders offene Erziehung entstehen kann. Auch das Argument, dass Homosexualität gegen die Regeln in der Natur verstösst, konnten wir mit dem Beispiel der oft beobachteten gleichgeschlechtlichen Paarung in der Tierwelt widerlegen. Für die Schule sind wir nun also gewappnet mit Wissen über Homosexualität und können dies den Schülerinnen und Schülern vermitteln. Im zweiten Teil dieser Arbeit wurde uns bewusst, dass Homosexualität in der Gesellschaft trotz der in der Schweiz seit 2005 eingeführten Partnerschaftsgesetzes durchaus nicht als normal betrachtet und immer noch Gegenstand von Diskriminierung ist. Bis heute werden also in Schulhäusern als homosexuell „geoutete SchülerInnen sowie Lehrpersonen gemoppt und ausgegrenzt. Deshalb fällt fast allen Jugendlichen schwer, zu seiner/ihrer andersartigen sexuellen Orientierung zu stehen und begehen auch deutlich öfter Suizid als heterosexuelle Heranwachsende. Dies sollte uns genug Anlass geben, um Homosexualität im Unterricht zum Thema zu machen und Diskriminierung vorzubeugen. Im letzten Teil dieser Arbeit machten wir uns mit der Organisation GLL bekannt und erkannten, dass es für Lehrpersonen keinen besseren Weg gibt, um seine/ihre SchülerInnen auf das Thema „Anders sein und Homosexualität zu sensibilisieren. Auf diese Art können die Jugendlichen ihre Fragen von den kompetentesten und glaubwürdigsten Fachpersonen beantworten lassen und können gleichzeitig Berührungsängste abbauen indem sie erkennen, dass sich gleichgeschlechtlich Liebende in anderen Belangen gar nicht von Heterosexuellen unterscheiden. Wenn man Heranwachsende in weniger Zeit und ohne eine solche Organisation wie GLL ins Thema einführen will, kann man dies mit verschiedenen Rollenspielen und dem damit einhergehenden Perspektivenwechsel tun. Wichtig ist, dass SchülerInnen erkennen, dass man es sich nicht aussuchen kann, hetero-, bi- oder homosexuell orientiert zu sein und dass dies im menschlichen Miteinander keine Rolle spielen sollte. 19 BE 623 Sexualpädagogik Homosexualität 6 Literaturverzeichnis Sielert, Uwe (2005). Einführung in die Sexualpädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Verlag Tietz, Lüder (2004). Homosexualität verstehen. Kritische Konzepte für die psychologische und pädagogische Praxis. MännerschwarmSkript Verlag. Hamburg. Internet: Seidler, Christoph (25. Oktober 2006). Homosexualität bei Tieren. Männchen mit Männchen, Weibchen mit Weibchen. Verfügbar unter: [Datum des Zugriffs: 09.11.07] Naturhistorisk museum (2006). Homoseksualitet in Dyreriket. Verfügbar unter: [Datum des Zugriffs: 09.11.07] Feelok. Rechte und Pflichten. Verfügbar unter: programliebe&moduleL_Homo [Datum des Zugriffs: 14.11.07] Katholische internationale Presseagentur (2007). Der Zivilstand für Homosexuelle wird der Ehe gleichwertig. Verfügbar unter: [Datum des Zugriffs: 14.11.07] Pink Cross (2007). Diskriminierungsschutz. Verfügbar unter: [Datum des Zugriffs: 14.11.07] (8.11.07, 11:34) (8.11.07, 11:52) www.vielfalt-statt-gewalt.de (8.11.07, 12:05) www.los.ch (8.11.07, 12:15) www.sozialnetz.de (8.11.07, 12:20) 20