Arbeitsblatt: Trans-Asia-Express (Istanbul - Teheran)

Material-Details

Mit der Bahn von Istanbul nach Teheran Reisebericht
Geographie
Asien
klassenübergreifend
4 Seiten

Statistik

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23.02.2014

Autor/in

hr jaeger
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Um alle Fotos zu sehen doppelklicke obige iranische Diesellock Istanbul Nachdem mein Sohn und ich die Immigrationsformalitäten am Flughafen Atatürk hinter uns gebracht hatten, liess mein Sohn 2 Tickets aus dem Ticketautomaten. Die moderne Metro brachte uns bis zur Tramstation, wo wir wieder Tickets kaufen mussten. Einen Verkehrsverbund kennt Istanbul nicht. Vom Tram aus bekamen wir einen guten Überblick über die riesige Stadt. Allerdings füllte sich das Tram immer mehr, so dass wir wie Sardinen standen und im Gewühl vor allem auf unser Gepäck achten mussten. Im Stadtteil Sultanahmet stiegen wir aus und kämpften wir uns durch die Massen von Menschen – darunter auch viele Touristen – zur Fähre. Nach erneutem Ticketkauf erkundigten wir uns, welche der zahlreichen Fähren beim Haydarpasa- Bahnhof anlegen würde, Und schon bald schwammen wir auf dem berühmten Bosphorus vom europäischen Teil Istanbuls zum asiatischen Teil. Herrlich war der Anblick des Sultanpalastes der Hagia Sophia Moschee und der blauen Moschee auf der europäischen Seite. Auf der asiatischen Seite fielen mir vor allem die wie Pilze aus dem Boden schiessenden Wolkenkratzer auf. Bald gelangten wir beim Haydarpasa Bahnhof an. Entworfen wurde der Bahnhof, der im Neo-Renaissance-Stil gebaut ist, von Otto Ritter und Helmut Conu und wurde im Jahr 1908 eröffnet. Den besten Blick auf das Gebäude hat man vom Wasser von einer der Fähren aus, die den Bosporus überqueren. Dann nämlich bekommt man es von allen Seiten zu sehen. Es wirkt wie ein Gebäude aus einem Märchen aus 1001 Nacht und versprüht den typischen Charme von Istanbul. Er war der Ausgangspunkt der legendären Bagdad-Bahn. Mit ihr sollte das Osmanische Reich, das mit dem Deutschen Reich unter Wilhelm II. verbündet war, besser erschlossen werden. Noch heute fahren von hier aus einmal in der Woche Züge nach Teheran und Damaskus. Nach 2 Sunden Fahrt mit Metro, Tram und Fähre erreichten wir ausserordentlich günstig und mit vielen interessanten Eindrücken versehen unser Hotel. Wir hörten an der Reception, dass andre Gäste 5 Stunden unterwegs gewesen seien. Nachdem wir noch etwas am Strand promeniert waren, genossen wir auf dem Balkon unseres Hotels ein feines Nachtessen, die sprichwörtlich türkische Gastfreundschaft des Kellners und die abendliche Stimmung über den Moscheen und dem Bahnhof Haydarpasa. Dazwischen erklang vom nahe gelegenen Minarett die Stimme des Muezzin, der den gläubigen Muslems verkündete, dass sie wieder essen durften, den es war Ramadan (Fastenzeit). Am nächsten Morgen gingen wir als erstes zum Reisebüro Turista Travel um unsere übers Internet vorbestellten Bahntickets nach Teheran abzuholen. Wir erhielten unsere Tickets wunschgemäss plus einige mündliche Tipps. Ein Superservice !!! Den Tipp die Tickets über dieses Reisebüro zu organisieren, haben wir vom „The Man in the Seat 61 einer Bahnhomepage mit vielen und was noch wichtiger ist – aktuellen Informationen, z.B, ,dass der Zug neu am Dienstag um 23.55 Uhr fährt und nicht mehr am Mittwoch um 23.55 Uhr wie auf etlichen andern Homepages vermerkt, dass ab September 2011 der Trans-Asia-Express in Ankara startet etc Nun besuchten wir die blaue Moschee mit ihren 6 Minaretten. Eine längere Wartereihe hatte sich vor dem Eingang für Touristen gebildet. Nun mussten wir die Schuhe ausziehen. Ein „selbsternannter Führer anerbot sich, uns die Moschee zu zeigen.Vielleicht ist er kompetent, dachte ich. So erklärte er u.a., dass der Sultan die Moschee bauen liess und dass die äusserlich graue Moschee wegen der blauen Mosaike im Innern die blaue Moschee genannt wird. Ansonsten bot unser Guide nicht allzu viel – ich gab ihm 10 CHF, bevor er selber einen bestimmten Betrag fordern konnte. Anschliessend besichtigten wir die Moschee Hagia Sophia, die früher den Christen als Gotteshaus diente, wie man an einigen Deckenmalereien erkennen kann, bevor sie von den Muslems genutzt wurde. Heute ist sie ein Museum, das übrigens saftige Eintrittspreise verlangt. Bevor wir uns in einem Park beim Sultanpalast ausruhten, besuchten wir den grossen Bazaar. Nun gings mit der Fähre wieder zurück zum Hotel. Auf diesem Rückweg kauften wir noch Getränke ein und zwar in einem Geschäft mit Namen Migros (offensichtlich eine Filiale einer grossen Lebensmittelkette in der Schweiz ). Ein Kirschengetränk in Blechdosen hatte es mir besonders angetan. Im Nu hatte ich eine Dose getrunken. Vor einem Restaurant stand eine Kühltruhe, Ich sah darin Getränkedosen. Ich hob eine, die dem oben erwähnten Kirschengetränk ähnlich sah heraus, legte sie aber wieder zurück, als ich sah, dass es dem Kirschengetränk zwar ähnlich sah, aber eben nur ähnlich.Kaum einige Meter weiter geschlendert, kam ein junger Kellner daher gerannt, zeigte auf unsere Tragtasche mit den Kirschgetränken, hob eine Dose heraus und deutete wild gestikulierend an, ich hätte diese aus der Kühltruhe entwendet. Ich versuchte ihm ebenfalls mit Gesten, da er kein Wort Englisch verstand zu erklären, dass alle Dosen vom Migros seien. Er verstand nicht und fuchtelte und schimpfte weiter wild herum. Bereits hatte sich ein Kreis Zuschauer um uns gebildet – da kam –offensichtlich- der Besitzer des Restaurants angelaufen, schaute die Dose an, gab sie mir zurück und zog den jungen Kellner zum Restaurant zurück – ohne ein Wort der Entschuldigung zu verlieren.Zum Glück führt das Restaurant diese Sorte nicht, schmunzelte ich „ sonst wären wir vielleicht noch verhaftet worden Bahnhof Haydarpasa – das Trans-Asia Express Abenteuer beginnt Um 11.15 Uhr nachts fanden wir uns im Bahnhof Haydarpasa ein. Aber von unserem Zug, der um 11.55 Uhr fahren sollte weit und breit keine Spur. Andere Züge, z.B. einer nach Ankara, standen dagegen bereit. Anzeigetafeln an Perron und im Bahnhofsgebäude fehlten und auf die Anzeigetafeln an den Wagen der bereitstehenden Züge wollte ich mich nicht verlassen. So fragte ich die Schalterbeamtin, einen Zugführer und einen Geschäftsmann, wo der Trans Asia Express abfahren würde. Da sie übereinstimmend antworteten :Von Gleis 6! warteten wir eben. Mit uns warteten nur etwa 10 Leute auf Perron 6, was uns etwas stutzig machte. Um 11.50 Uhr kam dann endlich ein Zug retour auf Gleis 6 in den Kopfbahnhof gefahren – es war der Trans-Asya Expresi. Wir stiegen in den 1.-Klass-Couchette Wagen nach der E-Lok ein und bezogen gleich unser reserviertes 4-er Abteil. Wir waren die einzigen Fahrgäste in diesem Wagen. Die 2 Schaffner schauten sich unsere Fahrkarten– ohne ein Wort zu verlieren – an und entfernten sich wieder. Vor uns lagen 2968 km Bahnfahrt plus 90 km Fähre über den Vansee. Die Bettwäsche erhielten wir etwa 40 Minuten später. Istanbul Ankara Zuerst fuhr der Trans-Asia Express durch die ausgedehnten Aussenquartiere Istanbuls. Erstaunlich wie viele Leute und Kinder nachts noch zu sehen waren – vor allem in Gartenrestaurants.Allmählich wurden wir doch vom Schlaf übermannt. Morgens, nachdem wir erwacht waren, sah ich neben uns die 2-gleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke Istanbul – Ankara. Die leicht hügelige Landschaft wurde vor allem durch die Farben gelb (Gräser) und braun(abgeerntete Äcker bestimmt). Um 10 Uhr trafen wir in Ankara – der Hauptstadt der Türkei – ein. 2 neue Mitbewohner in unserem Abteil Hier nisteten sich noch 2 Iraner in unserem Abteil ein. Beide verstanden und sprachen Englisch. Der eine recht gut, der andere nur beschränkt. Schon bald kam ein Gespräch übers woher und wohin in Gang. Im Laufe der Fahrt sollte die Kommunikation mit dem einen noch mehr Tiefgang bekommen – und vor allem sehr persönlich werden. Die Verständigung mit dem andern verlief dagegen schleppend und kam immer wieder ins Stocken. Letzterer führte ein Büchlein mit Ausdrücken in verschiedenen Sprachen (französisch, spanisch, deutsch .ja sogar chinesisch). Damit sprach er verschiedene Touristen an, sammelte neue Ausdrücke und notierte sie wieder in seinem Büchlein. Mein Sohn und ich nannten ihn deshalb „Professor. Bald tauschten wir auch Esswaren aus. Landschaft Nach Ankara kletterte der Zug- nun mit einer Diesellok an der Spitze -auf eine Hochebene. In den Talsenken, wo ein Fluss oder Grundwasser vorhanden ist, wird fleissig angepflanzt Weizen, Mais, Sonnenblumen. Melonen,Hier wachsen auch grünbelaubte Büsche und Bäume. Rund um diese kultivierten Flächen aber erstreckt sich steppenartiger Boden mit gelben Gräsern oder sandig, steiniger Grund. Bei Kayseri erhebt sich sogar ein Berg mit Schneefeldern. Je mehr sich unser Zug Tatvan näherte, umso hügeliger und gebirgiger wurde die Landschaft. Um sich ein Bild von der durchfahrenen Landschaft Anatoliens zu machen, bitte Landschaft Anatoliens anklicken. Speisewagen Während der Fahrt besuchten wir auch 4- 5 mal den Speisewagen. Ich geniesse es auf langen Zugfahrten immer wieder im Speisewagen zu sitzen. Man hat viel Zeit, kommt ins Gespräch, sieht die Landschaft und das Kulinarische im türkischen Speisewagen schmeckte gut. Meistens sassen die gleichen Gäste an den Tischen. Als wir im Wagen waren, waren nie alle Tische besetzt. Vielleicht, weil Ramadan war. Ein Iraner hatte erklärte uns zwar erklärt, dass man auf Reisen essen dürfe Christen und Freiheit im Iran Im Abteil outete sich unterdessen der gut Englisch sprechende Iraner als Christ und schilderte ausführlich, wie schwierig es für bekennende Christen im Iran sei. Sie würden sich heimlich treffen. Erschwerend käme dazu, dass seine Frau und ihre Familie Muslime seien. Er denkt ernsthaft darüber nach, mit seiner Familie auszuwandern, obwohl er im Iran einen guten Job hat. Er war deshalb in die Türkei gefahren, um sich mit einer christlichen Gruppe zu treffen. Er erklärte uns auch, wie ungern die meisten der Iraner im Zug in ihre Heimat zurückkehren würden. Er erzählte uns dies nur wenn der 2. Iraner nicht im Abteil war. Sobald der andere zurückkam, wechselte er das Thema. Die Erfahrung, dass man Fremden gegenüber im Zug offener ist, habe ich nicht zum ersten Mal gemacht. Die Menschen denken wohl, dass man sich kaum mehr wieder trifft PKK droht Militärschutz für den Trans-Asia Express Im letzten Teilstück vor Tatvan führt die Strecke stetig bergab. Wir krochen nun buchstäblich bergab. So sammelten wir fleissig Verspätung ein. Wahrscheinlich waren/sind die Geleise nicht im besten Zustand. Endlich in Tatvan angekommen, wurden wir zuerst auf ein Abstellgeleise manövriert. Grund dafür waren angeblich Drohungen der PKK (militante kurdische Arbeiterpartei, die sich für einen unabhängigen Kurdenstaat einsetzt). Nun hiess es vorerst einmal warten. Als der Zug schliesslich retour zur Fähre fuhr, um dort den Gepäckwagen zu deponieren, wurden wir von mit Maschinengewehren bewaffnetem Militär eskortiert. Endlich durften wir den Zug verlassen. fröhliche, ausgelassene Fährenüberfahrt Mit Sack und Pack ging‘s auf die rostige alte Fähre, die uns in gut 4 Stunden über den Vansee von Tatvan nach Van schaukeln sollte. Auf dem offenen Hinterdeck herrschte bald ein fröhliches Treiben. Wir sprachen z.B. mit einem iranischen Mathematikprofessor, der sich furchtbar über die iranische Regierung beklagte, vor allem auch über den Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad. Danach wurden wir von einer türkischen Familie zum Sitzen auf einer Decke eingeladen und mit Sonnenblumenkernen bewirtet. Kinder spielten fröhlich Karten oder Tanzspiele. Dabei trafen die verschiedensten Kulturen aufeinander – verschleierte Iranerinnen mit Chinesinnen in Hotpants – es gab keine Kleidervorschriften oder Verhaltensnormen – einfach, spontanes Zusammensein. Im Bordrestaurant tanzten einige Passagiere zur Musik aus Kassettenrecorder. „Das wird sich nach der iranischen Grenze schlagartig ändern meinte ein Iraner traurig Das lange Warten in Van und am türkischen Zoll Nachdem wir in Van die Fähre verlassen hatten, begann das lange Warten auf den iranischen Zug. Wir schauten unterdessen zu, wie eine türkische Diesellok Güterwagen aus der Fähre zog und danach neue Wagen in die Fähre manövriert. Plötzlich kommt Bewegung in die Wartenden. Sie strömen in den Wartesaal, wo Tickets und Pässe kontrolliert werden. „Ich habe keine Eile, erkläre ich meinem Sohn ,„wir haben ja unsere reservierten Plätze schon! Das sollte sich aber bald als Irrtum erweisen – man bekam neue Plätze zugeteilt und zwar der Reihe nach wie man eingestanden war. So hatten wir diesmal 2 Korridorplätze und nicht wie ursprünglich reserviert 2 Fensterplätze. Das Beziehen des Abteils war dann auch ziemlich chaotisch – es war schon belegt. Nun gabs ein Hin und Her mit den Wagenschaffnern. Der eine meinte, wir seien im falschen Wagen der andere glaubte ,es sei das falsche Abteil. Schliesslich teilten wir ein Abteil mit 2 älteren türkischen Männern, die sehr freundlich waren, aber leider kein Englisch sprachen. Wir konnten uns nur mit Händen und Füssen unterhalten. Aber wir halfen einander gegenseitig die Betten machen. Um 3 Uhr nachts erreichten wir die türkisch – iranische Grenze, wo alle aussteigen mussten. Nach Männlein und Weiblein getrennt mussten wir anstehen. Am Schluss führten die 2 Reihen vor einem Schalter mit einem Zollbeamten zusammen, der in aller Ruhe di Pässe kontrollierte und die Namen eintrug. Später kam noch der iranische Zoll, der die Pässe zum Glück im Zug kontrollierte. Nun waren wir also im Iran. In Tabriz hatten wir einen längeren Aufenthalt und konnten uns im Bahnhof die Beine vertreten. Alle Frauen –auch die Touristinnen- trugen einen Schleier oder zumindest ein Kopftuch, sogar die Chinesin. Auch sah man niemanden etwas essen oder trinken – hier hielt man sich an den Ramadan. Wir wechselten auch noch Geld und fühlten uns gleich als Millionäre, denn für 100 Euro bekamen 1‘500‘000 Rial. Nach Tabriz hatten wir das Abteil für uns allein, was natürlich mehr Bewegungsfreiheit bedeutete. Landschaft Nach Tabriz stieg die Landschaft allmählich an und wurde hügeliger. Das oben erreichte Plateau erwies sich wieder als fruchtbarer. Je länger die Fahrt dauerte, desto gebirgiger wurde die Landschaft. Tunnel reihte sich an Tunnel. Dazwischen natürlich auch Brücken. Den Augen boten sich herrliche Bilder und Farbtöne (letztere auch wegen der Wechselwirkung zwischen Sonnenschein, Gewitterwolken in allen Schattierungen und Regentropfen. Salzseen, Halbwüsten, Wüsten, sogar Wanderdünen, steppenartige Flächen und auch fruchtbarere Abschnitte zogen am Fenster vorbei siehe Landschaft Tabriz-Teheran .Die Siedlungen auf dem Land wirkten ärmlicher als diejenigen in der Türkei. Im Abteil wurden wir noch mit Nahrung versorgt, z.B. mit Thunfisch und Fladenbrot. Das Essen im Speisewagen schmeckte allerdings nicht so gut. 7 Stunden Verspätung Wir hatten unterdessen 7 Verspätung und ich musste versuchen unser Hotel in Teheran darüber zu informieren, dass wir morgens um 4 Uhr – und nicht abends um 21 Uhr ankommen würden. Ich hatte allerdings Zweifel, ob mir das mit meinem alten Handy gelingen würde, befanden wir uns doch noch in ziemlich gebirgiger Gegend. Und ich schaffte es im ersten Versuch. Ich vernahm deutlich (als ob sie neben mir sitzen würde) die Stimme der Frau an der Reception. Sie sprach ausgezeichnet english und erklärte, wir könnten zu irgendwelcher Zeit kommen. Unterdessen war es dunkel geworden und wir legten uns etwas aufs Ohr. Um 02.30 Uhr fuhren wir durch die Aussenquartiere mit Wohnhäusern aber Industrieanlagen. Wir mussten unsere Betten und diejenigen unserer früheren Abteilsgenossen abziehen, die Bezüge in Koffertaschen verstauen und in den Korridor stellen. Bei andern unternommenen Zugreisen standen die Fahrgäste jeweils schon früh im Korridor, um am Ziel möglichst rasch aussteigen zu können. In unserem Zug dagegen war das ganz anders. Die Leute blieben in den Abteilen und standen erst nachdem der Zug angehalten hatte auf. Für einige zurückkehrende Iraner/innen war die Rückkehr in ihre Heimat, in welcher die Opposition mit Gewalt unterdrückt wird, nicht leicht. Auch wird das öffentliche Leben stark durch die geistige religiöse Führung bestimmt. Das äussert sich in Kleidervorschriften (vor allem für die Frauen), Internet- und Fernsehzensur um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Teheran Wir schleppten uns mit unserem Gepäck durch die Bahnhofshalle und wurden am Ausgang gleich von einer Horde Taxifahrer umzingelt. Dass wir um diese Zeit ein Taxi nehmen mussten, war uns klar – um 3 Uhr nachts fuhren ja kaum oder gar keine Busse. Also begaben wir uns mit einem der Taxifahrer zu seinem Gefährt, das allerdings kein Taxischild auf dem Dache hatte, aber einen Taxometer und andere Merkmale eines Taxis aufwies. Es stellte sich schnell heraus, dass es sich um ein gasbetriebenes Fahrzeug handelte. Dem Fahrer gelang es trotz wiederholten Versuchen nicht, den Motor zu starten – auch nicht nach Herumhantieren am Motor. Ein herbeigerufener Kollege konnte auch nicht helfen. Also beschlossen sie den Wagen anzustossen. Mein Sohn und ich stiegen aus, um auch mitzustossen – wir wollten ja nicht die arroganten „Westler spielen – auch ein anderes Taxi zu nehmen schien mir nicht ratsam zu sein. Zur Sicherheit schnallte ich aber meinen kleinen Rucksack mit Kamera, wichtigen Dokumenten und einem Teil des Geldes auf meinen Rücken – das Ganze hätte ja auch ein Trick sein können, um plötzlich mit unserem Gepäck davonbrausen zu können, bevor wieder einsteigen konnten. Nach vielen Reisen wird man etwas vorsichtiger. Dank dem Anstossen sprang der Motor aber schnell wieder an und wir konnten wieder einsteigen. Meine Befürchtungen hatten sich also als grundlos erwiesen. Im Gegenteil – der Taxifahrer schien beeindruckt davon zu sein, dass wir geholfen hatten anzustossen. Als wir durch ein Tor das innere Bahnarreal verliessen, sahen wir einige unserer Reisekollegen/innen. Etwas wehmütig winkten wir einander zuüber 70 Stunden gemeinsam unterwegs bildet doch ein Gemeinschaftsgefühl. Mein Sohn zeigte auf Taxis, die hier parkten und meinte lakonisch „Das wären die offiziellen Taxis! So sassen wir also in einem inoffiziellen Taxi. Ich hatte dem Taxifahrer den Namen des Hotels auf einen Zettel geschrieben. Dazwischen erkannte ich den Khomeini Boulevard. Ich zeigte auf ihn und nannte den Namen der Strasse. Er sollte nur wissen, dass ich eine Ahnung hatte, wo wir uns befanden. Beim Hotel angekommen, bezahlte ich ihn (ca. 8 US –Dollar) und wollte ihm noch ein Trinkgeld geben, was er überraschenderweise ablehnte. Er begleitete uns noch bis zur Reception, wo wir freundlich begrüsst wurden. Eine Stunde später fielen wir müde aber zufrieden ins Bett. Wir schliefen nur kurz, weil wir das Frühstück nicht verpassen wollten. Wir wollten nämlich nicht ausserhalb des Hotels essen, da in Teheran im Unterschied zu Istanbul der Ramadan, was wir sahen, ziemlich strikt befolgt wurde. Als wir das Hotel verliessen, schlug uns heisse- zum Glück trockene- Luft entgegen. 39 Grad am Schatten – ich musste mich zuerst an diese Hitze gewöhnen. Zuerst besuchten wir das Nationalmuseum, das aus 2 Gebäuden besteht, der vorislamistischen Ausstellung, welche wir besuchten und der islamistischen Ausstellung, welche leider geschlossen war. Zu sehen gibts u.a. eine Relieftafel mit der iranischen Hochebene und den Gipfeln der hohen Gebirgskette, welche einen grossen Teil Irans ausmachen. Weiter findet man Keramikgefässe. Bronzegegenstände u.v.m Ich muss gestehen, ich schlich vor allem den Klimaanlagen nach, die so herrlich kühle Luft in den Ausstellungsraum bliesen. Die Museumswächter/innen musterten mich nachdenklich, als ich minutenlang vor der Klimaanlage stehen blieb. Wieder draussen kämpften wir uns über die Strassen, da die motorisierten Teheraner/innen Fussgängerstreifen und Rotlichtampeln ignorieren. Am schlimmsten ist es, wenn man zögert, weil die Hundertschaften von Motorradfahrern nicht mit einem Zögern rechnen In einem Stadtpark beobachteten wir die verschiedenen Kopf-bzw. Gesichtsbedeckungen der Frauen. Bahnhoferlebnis Am nächsten und letzten Tag in Teheran wollte ich nochmals den Bahnhof bei Tageslicht sehen. Also fuhren wir mit dem Taxi hin, das Bussystem mit nur persischen Schriftzeichen war uns zu mühsam. Natürlich wollte ich das markante Gebäude mit übergrossen Konterfei Khomeinis fotografieren. Dass beim zweiten Bild auch noch eine verschleierte Iranerin drauf war, störte mich nicht im Geringsten. Plötzlich kam ein sichtlich wütender Polizist dahergerannt, schrie mich an und zeigte auf meine Kamera. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich nicht gewusst hätte, dass man den Bahnhof nicht fotografieren dürfe. Aber leider sprach und verstand er nicht englisch. Zum Glück kam ein älterer Iraner dazu und versuchte den jungen Polizisten zu beruhigen, was ihm sichtlich gelang. Ich verstaute meine Kamera im Rucksack und bedankte mich bei beiden in englisch und iranisch. Mein Sohn meinte nachträglich, er glaube, der Polizist hätte gedacht, ich fotografiere ihn Nun begaben wir uns noch in den Bahnhof. Leider durfte man ohne gültige Fahrkarte die Perrons nicht betreten. Das Fotografieren im Bahnhof liess ich nach dem vorhergehenden Erlebnis bleiben Grosser Bazar Nun ging‘s zum grossen Bazar.