Arbeitsblatt: Zeitformen bilden / Deutsch

Material-Details

Ein leidiges Thema. Wie werden die Zeiten gebildet. Wie werden die Zeiten gebraucht. Einfache und v.a. verständliche Erklärungen.
Deutsch
Grammatik
klassenübergreifend
20 Seiten

Statistik

128216
597
5
23.02.2014

Autor/in

Schule Neuenhof / Johnny Balas
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

So bilden Sie das Perfekt der Deutschen Grammatik Die Regel für die Bildung lautet: Hilfsverb (haben/sein) Partizip II (SatzENDE) Hilfsverb bedeutet hier, dass auf Position 2 im Hauptsatz (wo IMMER das konjugierte Verb steht) ein Verb steht, das uns dabei hilft, die Zeitform des Perfekts in der deutschen Grammatik zu bilden. Dieses Hilfsverb hat an sich keine Bedeutung, es hat nur eine grammatische Funktion. Deswegen gibt es hier grundsätzlich nur zwei mögliche Verben, die man als Hilfsverb benutzen kann, nämlich das Verb haben und das Verb sein. Gleich erkläre ich Ihnen, wann man haben und wann man sein benutzt. Zunächst ein Beispiel: Präsens: Ich lerne Deutsch. Wenn wir diesen einfachen Satz ins Perfekt setzen wollen, passiert folgendes: Was passiert? Das Verb lernen wird zum Partizip II und wandert von Position 2 ans SatzENDE. An Position 2 kommt jetzt das Hilfsverb haben in konjugierter Form, also Ich habE, mit einem e. Diese Struktur bleibt immer gleich: Hilfsverb auf Position 2, Partizip II am SatzENDE, auch bei viel längeren Sätzen: 1 Für Sie ist wichtig, dass die eigentliche Bedeutung dieses Satzes nun nicht mehr im konjugierten Verb auf Position 2 liegt, sondern im Partizip II am SatzENDE. Auf Position 2 steht IMMER nur das Hilfsverb, meistens benutzen wir das Hilfsverb haben, und bei regelmäßigen schwachen Verben benutzen wir sogar IMMER das Hilfsverb haben. Wann benutzen wir das Hilfsverb sein? Die Antwort auf diese Frage ist auf den ersten Blick ziemlich einfach: Regel: Verben der Bewegung und der Zustandsveränderung benutzen das Hilfsverb sein. Und wie können wir uns das am besten merken? Ganz einfach! Seien Sie kreativ und schreiben Sie das Verb sein so auf, dass Sie damit Bewegung assoziieren können! Ich bin sicher, dass es viele kreative Menschen da draußen gibt, die das ziemlich gut können. Ich selbst habe mir immerhin dieses Bild hier ausgedacht: Und was heißt das nun genau? Verben der Bewegung sind zum Beispiel: gehen, fahren, rennen, fliegen und so weiter. Wenn wir mit diesen Verben das Perfekt bilden, müssen wir also das Hilfsverb sein in konjugierter Form auf Position 2 und wieder das entsprechende Partizip II am SatzENDE benutzen: Was sind Verben der Zustandsveränderung? Verben der Zustandsveränderung drücken aus, wenn ein Subjekt seinen Zustand von Zustand A nach Zustand B verändert. Hier ein paar Beispiele (alle Sätze in der Tabelle sind im Präsens): 2 Die Verben sterben, einschlafen, verwelken und natürlich noch viele andere sind also so genannte Verben der Zustandsveränderung und benutzen das Hilfsverb sein. Und hier noch einmal eine Übersicht in Form einer Tabelle Gebrauch Zunächst einmal müssen Sie verstehen, dass das Perfekt genau so die Vergangenheit vermittelt wie das Präteritum (Imperfekt). Es gibt keinen Unterschied! Es ist vollkommen egal, die beiden folgenden Sätze sind absolut gleichwertig: Vor 65 Millionen Jahren sind die Dino Saurier ausgestorben. (Perfekt) Vor 65 Millionen Jahren starben die Dino Saurier aus. (Präteritum) 3 Die Aussage beider grammatischen Zeiten ist also genau gleich. Der Unterschied besteht einzig im kommunikativen Kontext, in dem Sie sich befinden. Wir müssen unterscheiden zwischen einem formell-öffentlich-literarischen Koktext und einem eher lockeren informellen. Man benutzt in der Regel das Präteritum eher in einem formellen Rahmen, zum Beispiel in der Literatur, in seriöser schriftlicher Sprache wie Zeitungen, wissenschaftlichen Arbeiten oder auch in einer öffentlich-ernsthaften Rede. Wenn es eher lockerer zugeht, benutzen wir in der Regel das Perfekt. Wenn wir zum Beispiel mit unseren Freunden mailen, wenn wir uns ganz normal im Alltag unterhalten und so weiter. Jetzt verstehen Sie auch, warum diese Zeitform der deutschen Grammatik so wichtig ist. Wenn wir uns ganz normal im Alltag unterhalten und über die Vergangenheit sprechen, benutzen wir das Perfekt. Es ist also sehr wichtig, dass Sie es ordentlich benutzen können. Ausnahmen Die Verben sein, werden, bleiben, haben und die Modalverben (wollen, müssen, können usw.) benutzen die Deutschen in der Regel nicht in der PerfektForm. Man kann darüber spekulieren, warum das so ist ich schätze, es klingt einfach ein wenig umständlich oder altmodisch. Deswegen benutzen wir eher das Präteritum, es ist bei diesen Verben einfach einfacher. Hier ein paar Beispielsätze, um Ihnen den Unterschied zu verdeutlichen: sein Silvester 2001 bin ich in Rom gewesen. (Perfekt) Silvester 2001 war ich in Rom. (Präteritum) werden Vor einigen Jahren bin ich Deutschlehrer geworden. (Perfekt) Vor einigen Jahren wurde ich Deutschlehrer. (Präteritum) bleiben Gestern bin ich noch ein bisschen länger auf der Party geblieben. (Perfekt) Gerstern blieb ich noch ein bisschen länger auf der Party. (Präteritum) 4 haben Noch vor einem Jahr hat Paul einen guten Job gehabt. (Perfekt) Noch vor einem Jahr hatte Paul einen guten Job. (Präteritum) Modalverben Als Kind habe ich Pilot werden wollen. (Perfekt) Als Kind wollte ich Pilot werden. (Präteritum) Deutsche Grammatik ZEITFORMEN Präsens Das Präsens ist natürlich die einfachste und zugleich wichtigste Zeitform der deutschen Grammatik. Sie können damit nicht nur ausdrücken, was Sie jetzt gerade tun, sondern auch, was Sie immer wieder regelmäßig tun und sogar, was nur einmal irgendwann in der Zukunft passieren wird! Wie Sie sehen, ist das Präsens eine sehr mächtige Zeitform. Weiter unten lernen Sie mehr über den Gebrauch des Präsens. Aber zuerst erkläre ich Ihnen, wie Sie das Präsens bilden können. So bilden Sie in der deutschen Grammatik die Zeitform des Präsens Präsensstamm Personalendung Zur Bildung des Präsens brauchen Sie zunächst den Infinitiv. Das ist die Grundform eines Verbs, die auch in jedem Wörterbuch steht. Ich zeige Ihnen hier ein Beispiel für das regelmäßige Verb lernen: Wenn Sie Deutsch lernen und Sätze im Präsens bilden wollen, müssen Sie also diese sechs Personalendungen lernen: -e, -st, -t, -en, -t, -en 5 Gebrauch Wie schon gesagt, ist das Präsens sehr vielseitig. Hauptsächlich können Sie damit drei verschiedene Umstände ausdrücken. 1. Sagen Sie, was Sie jetzt gerade tun. Was machst du gerade? Ich esse eine Pizza. Ich lese ein Buch. Und so weiter . 2. Sagen Sie, was Sie regelmäßig tun. Ich fahre jeden Tag mit dem Bus zur Schule. Ich gehe einmal pro Woche zum Training. Ich fahre jedes Jahr zweimal in Urlaub. Und so weiter . 3. Sprechen Sie über die Zukunft. Sie haben richtig gelesen! Wenn wir Deutsche über die Zukunft sprechen, benutzen wir hauptsächlich die grammatische Zeitform des Präsens und nur in Ausnahmen das Futur I. Hier ein paar Beispiele: Heute Abend gehe ich ins Kino. Morgen treffe ich mich mit Freunden. Nächste Woche habe ich eine Prüfung. Nächstes Jahr ziehe ich aus meiner Wohnung aus. In zehn Jahren höre ich auf zu arbeiten. Und so weiter . Sie sehen, dass es keinen Unterschied macht, ob Sie über ein Ereignis in naher Zukunft (morgen, nächste Woche etc.) sprechen oder über ein Ereignis, das erst in 10 Jahren oder noch später stattfinden wird. In aller Regel benutzen wir das Präsens, wenn wir über die Zukunft sprechen. Das Futur benutzen wir hauptsächlich dann, wenn wir Vorhersagen machen oder wenn wir ganz besonders hervorheben wollen, was in der Zukunft passiert. Zum Beispiel: Morgen wird es voraussichtlich regnen. In tausend Jahren wird es keine Menschen mehr geben. Bald werde ich ein Produkt zum deutschen Satzbau entwickeln. Und so weiter . 6 Deutsche Grammatik Zeitformen Futur 1: Das Futur 1 ist eine etwas kuriose Zeitform. Warum? Weil wir Deutsche es selten benutzen, um über die Zukunft zu sprechen. In der Regel benutzen wir es für etwas anderes. Aber eins nach dem anderen. Sprechen wir zunächst darüber, wie es gebildet wird: Bildung des Futur 1 Hilfsverb werden Infinitiv (SatzENDE) Die Bildung ist ziemlich ähnlich, wie Sie es bei der Bildung des Perfekts und Plusquamperfekts gelernt haben. Das heißt, auf der regulären Verbposition 2 benutzen wir ein konjugiertes Hilfsverb. Dieses Mal das Hilfsverb werden. Das eigentliche Verb, das den Sinn transportiert, wandert dabei von Position 2 ans Satzende. Dort steht es im Infinitiv. Lassen Sie es mich an dem folgenden Beispiel demonstrieren: Präsens: Ich lerne Deutsch. Wenn wir diesen Satz ins Futur 1 setzen wollen, passiert folgendes: Bitte beachten Sie, dass das ursprüngliche Verb lernen nun am Satzende nicht mehr konjugiert ist, denn die konjugierte Verbform steht im Hauptsatz IMMER nur auf Position 2. Stattdessen steht nun am Satzende die Infinitiv-Form. 7 Auf Position 2 steht nun die konjugierte Form des Hilfsverbs werden, also (ich) werde. Achtung! Das Hilfsverb werden ist ein unregelmäßiges bzw. starkes Verb. Es ändert seinen Stammvokal sogar schon dann, wenn wir es im Präsens konjugieren. Im Präsens? Genau! Wir benutzen das werden zwar, um das Futur zu bilden, das Hilfsverb selbst steht aber im Präsens. Hier eine Tabelle für das Hilfsverb werden Gebrauch Ok, selbstverständlich können wir diese Zeitform benutzen, wenn wir über die Zukunft sprechen, etwa Nächstes Jahr werde ich Deutsch lernen. Das klingt aber etwas dramatisch. Solch einen Satz würde eher ein Geschichtenerzähler verwenden; im Alltag benuzen wir in der Regel einfach nur das Präsens. Auch dann, wenn wir etwas über die Zukunft sagen wollen, also: Nächstes Jahr lerne ich Deutsch. Dieser Satz ist völlig in Ordnung. Wenn wir das Futur 1 für die Zukunft benutzen, sollte es sich schon umernsthafte Ereignisse mit schwerwiegenden Folgen handeln, sodass unsere Aussage etwas von einem Wahrsager erhält. Wir können es auchZukunftsprognosen nennen. Hier ein paar Beispiele: • In 50 Jahren wird das Erdöl ausgehen. • In Deutschland wird es bald keine Kernenergie mehr geben. • Wenn ich ihn das nächste Mal sehe, werde ich ihm gehörig die Meinung sagen! Sie sehen schon, dass wir solche Sätze wie in unserem Alltag nicht so häufig benutzen werden. Ups! Gerade habe ich das Futur 1 benutzt! Aber warum? Das hängt damit zusammen, wie es meistens benutzen, nämlich meistens für Vermutungen: Meistens drücken wir Vermutungen aus 8 Genau, immer dann, wenn wir etwas vermuten oder für möglich halten, könnten wir natürlich sagen Ich vermute, dass . oder Ich schätze, dass . und so weiter. Viel eleganter ist es aber, wenn wir statt dieser Phrasen einfach das Futur 1 benutzen. Warum? Weil die Phrasen zu kompliziert sind; sie bestehen nämlich aus einem Hauptsatz und einem Nebensatz. Hier ein Beispiel: 1. Was macht Paul in Deutschland? Ich weiß nicht, ich vermute, dass er dort Deutsch lernt. 2. Besser und eleganter geht es mit dem Futur 1: Ich weiß nicht, er wird Deutsch lernen. Beide Varianten sagen dasselbe, aber Variante zwei ist einfacher, weil wir nun noch einen einfachen Hauptsatz brauchen, um unsere Vermutung auszudrücken, nämlich Er wird Deutsch lernen. Sehr oft benutzen wir das Futur 1 aber auch, um Hoffnungen auszudrücken; in der Regel dann in Kombination mit nicht oder dem Modalpartikel schon. Hier ein paar Beispiel: • Mach dir keine Sorgen; es wird schon nichts passieren. • Es wird schon alles gut gehen. • Er wird schon auf sich aufpassen. • Es wird morgen schon nicht regnen. Habe ich Ihnen alles gut Erklärt? Ich hoffe, dass Sie es verstanden haben, oder besser: Sie werden schon alles verstanden haben ;). Deutsche Grammatik Zeitformen Plusquamperfekt Auf Deutsch nennt man das Plusquamperfekt auch die vollendete Vergangenheit. Das klingt ein bisschen unverständlich; Sie verstehen es besser, wenn ich Ihnen erkläre, wie man diese Zeitform benutzt: Gebrauch der grammatischen Zeitform des Plusquamperfekt Es hängt damit zusammen, dass man diese Zeitform normalerweise nur benutzt, wenn eine Handlung in der Vergangenheit bereits abgeschlossen ist. Anders gesagt: 9 Ich berichte zum Beispiel von einem Ereignis, das gestern passiert ist. Dafür benutze ich eine Vergangenheitsform, z. B. das Perfekt. Also: Gestern habe ich eine Pizza gegessen. Und VORHER habe ich meine Oma besucht. Der Besuch der Oma ist also schon abgeschlossen. Nun können Sie beide Ereignisse in einem einzigen Satzgefüge (Hauptsatz und Nebensatz) unterbringen. Und das sieht dann so aus: Es ist wichtig, dass im Hauptsatz irgendeine Vergangenheitsform steht, das kannPräteritum oder Perfekt sein. Wenn aber das Ereignis im Nebensatz vorher passiert und zum Zeitpunkt des Ereignisses im Hauptsatz auch schon abgeschlossen war, dann müssen Sie in diesem Nebensatz das Plusquamperfekt benutzen. In diesem Fall spricht man auch von einem vorzeitigen Nebensatz. Wenn Sie diese Zeitform lernen, haben Sie sich sicher auch schon mit Nebensätzen beschäftigt. Dann wissen Sie auch schon, dass das ganze Satzgefüge auch mit dem Nebensatz beginnen kann. Das sieht dann so aus: Wir benutzen diese vollendete Vergangenheit eigentlich grundsätzlich nur im Nebensatz in Verbindung mit dem Perfekt oder Präteritum im Hauptsatz. 10 Es gibt aber auch einige Ausnahmen; manchmal benutzen die Leute es auch einfach statt des Perfekts oder Präteritums. Ich bin selbst nicht sicher, ob ich das dann als Umgangssprache deuten soll. Wenn man einen ganzen Text in der Vergangenheit schreibt, kann es andererseits auch eine schöne stilistische Abwechslung sein, zwischendurch mal das Plusquamperfekt zu benutzen. Jedenfalls will ich Ihnen zunächst am Beispiel des Hauptsatzes Vor vielen Jahren hatte ich einmal Deutsch gelernt erklären, wie man diese Zeitform bildet. 11 So bilden Sie die grammatische Zeitform des Plusquamperfekts Die Regel für die Bildung lautet: Hilfsverb (haben sein) im Präteritum Partizip II (SatzENDE) Hilfsverb bedeutet hier wie schon beim Perfekt, dass auf Position 2 im Hauptsatz (wo IMMER das konjugierte Verb steht) ein Verb steht, das uns dabei hilft, die Zeitform des Plusquamperfekts zu bilden. Dieses Hilfsverb hat an sich keine Bedeutung, es hat nur eine grammatische Funktion. Deswegen gibt es grundsätzlich nur zwei mögliche Verben, die man hier als Hilfsverb benutzen kann, nämlich das Verb haben und das Verb sein. Ist Ihnen schon etwas aufgefallen? Genau! Die Regel für die Bildung des Plusquamperfekts ist fast identisch mit der Regel zur Bildung des Perfekts. Der einzige Unterschied ist der, dass die Hilfsverben haben beziehungsweise sein im Präteritum stehen. Hier ist also, was passiert: Was passiert? Das Verb lernen wird zum Partizip II und wandert genau wie beim Perfekt von Position 2 ans SatzENDE. An Position 2 kommt jetzt das Hilfsverb haben im Präteritum, also Ich hatte. 12 Weil die vollendete Vergangenheit aber wie gesagt meistens in Nebensätzen benutze wird, müssen Sie auch die Satzbauregeln von Nebensätzen beachten. Das konjugierte Verb steht immer am Ende! Das konjugierte Verb ist in unserem Falle das Hilfsverb (haben sein) im Präteritum. Dieses wandert ans Ende des Nebensatzes und steht deswegen hinter dem Partizip II. Für Sie ist wichtig, dass die eigentliche Bedeutung dieses Satzes nun nicht mehr wie sonst bei Nebensätzen im konjugierten Verb am Ende liegt, sondern im Partizip II. Wann benutzen wir das Hilfsverb sein? Die Regeln und auch meine Lernhilfe dazu ist exakt gleich wie beim Perfekt. Ausnahmen Auch hier gelten dieselben Regeln wie beim Perfekt. Die Verben sein, haben und die Modalverben (wollen, müssen, können usw.) benutzen die Deutschen in der Regel nicht im Plusquamperfekt. Niemand sagt: Bevor ich ein Auto hatte, hatte ich ein Fahrrad gehabt. Ich habe solche oder ähnliche Sätze wohl schon einmal gehört, aber ich kann ihnen versichern, dass das grundsätzlich schlechter Stil ist. Sprechen Sie niemals so! :) Wir würden sagen: Bevor ich ein Auto hatte, hatte ich ein Fahrrad. So ist das in Ordnung. Das Präteritum als spezielle Zeitform Sonderfall werden und sein Zunächst einmal: Für das Präteritum wird oft auch der Begriff Imperfekt verwendet. Deswegen benutze ich hier beide Begriffe synonym. Das Präteritum beziehungsweise Imperfekt nennt man im Deutschen auch einfache Vergangenheit. Das liegt sicher daran, dass man diese Zeitform einfach durch eine 13 spezielle Präteritumsendung bilden kann. So einfach ist es am Ende dann aber leider doch nicht, weil es verschiedene Verbtypen gibt, die das Präteritum unterschiedlich bilden. Im folgenden Abschnitt erkläre ich Ihnen dazu alles, was ich aus meiner Perspektive als Deutschlehrer dazu sagen kann. Die Bildung der grammatischen Zeitform des Präteritums bei regelmäßigen schwachen Verben Wie gesagt, ist die Bildung nicht immer ganz einfach, weil es darauf ankommt, mit welchen Verben wir es zu tun haben. Grundsätzlich gibt es • regelmäßige bzw. schwache Verben • unregelmäßige starke Verben • Mischverben • Modalverben • das Verb sein • Präteritum von werden Bei den regelmäßigen Verben ist es am leichtesten, das Präteritum zu bilden. Grundsätzlich lautet hier die Regel: Präsensstamm t Personalendung im Präteritum Wir erinnern uns kurz an die folgende Darstellung, die ich Ihnen bereits auf der Page zum Präsens gezeigt habe: Wenn Sie nun das Imperfekt bilden wollen, müssen Sie einfach die Infinitivendung durch die Personalendung im Präteritum ersetzen, und davor noch ein t einfügen. Eine kleine Lernhilfe gebe ich Ihnen in dieser Grafik: 14 Die Bildung der grammatischen Zeitform des Präteritums bei unregelmäßigen starken Verben Die unregelmäßigen starken Verben bilden das Präteritum noch leichter, da sie kein t benutzen. Die Regel lautet also: Infinitivstamm Präteritumsendung der unregelmäßigen Verben. Die Präteritumsendung der unregelmäßigen Verben sind fast identisch mit denen der regelmäßigen Verben. Der einzige Unterschied ist, dass es in der 1. und 3. Person Singular gar keine Endung gibt. In der Grafik wird es sicher verständlicher: Wie Sie sehen, benutzen also unregelmäßige Verben gar kein t in der Mitte und in der 1. und 3. Person Singular sogar gar keine Endungen. Alles scheint also viel einfacher als bei den regelmäßigen Verben. 15 Wenn Sie aufmerksam waren, ist Ihnen aber auch sicher aufgefallen, dass der Vokal des Verbstamms sich geändert hat: Aus fahr- wurde fuhr. Das größte Problem dabei ist, dass jedes unregelmäßige Verb andere Vokaländerungen hat. Bei manchen unregelmäßigen Verben ändert sich der Vokal sogar schon im Präsens, und dort auch nur in der 2. und 3. Person Singular; so zum Beispiel bei dem starken Verb lesen: Ich lese, du liest, er/sie/es liest, wir lesen, ihr lest, sie/Sie lesen. In dem folgenden Video erkläre ich alles noch einmal und gebe Ihnen eine tolle Merkhilfe für die Präteritumsendungen der regelmäßigen und unregelmäßigen Verben. Bitte schauen Sie sich das Video unbedingt an Sie werden staunen :) 16 Die Bildung der grammatischen Zeitform des Imperfekts bei Mischverben Mischverben sind eine Mischung zwischen starken und schwachen Verben. Das heißt, diese Verben ändern in verschiedenen Formen ihren Stammvokal wie ein starkes Verb, aber die Präteritumsendung ist genau wie bei den schwachen Verben, also t Präteritumsendung der schwachen Verben. Hier ein Beispiel für das Mischverb kennen: Wie Sie sehen, haben diese Verben im Präteritum die Eigenschaften von den regelmäßigen UND von den unregelmäßigen Verben. Zum Glück gibt es nicht sehr viele dieser Verben. Die wichtigsten Mischverben sind: Modalverben, werden, brennen, kennen, denken, rennen, wissen, bringen, und wahrscheinlich noch ein paar, die ich vergessen habe. Präteritum von werden Sehr viele Deutsch Lernende fragen mich immer wieder nach dem Präteritum von werden. Auch dieses Verb ist ein Mischverb. Da der Präsensstamm werd- aber auf d endet, benötigen wir nun kein t zwischen dem Stamm und der Endung. Ansonsten funktioniert werden wie alle anderen Mischverben. Es ändert seinen Stammvokal von e zu u und benutzt die Präteritumsendung der schwachen Verben. Hier eine kleine Lernhilfe für das Präteritum von werden: 17 Die Bildung der grammatischen Zeitform des Präteritums bei Modalverben Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, auch die Modalverben zu den Mischverben gehören. Die Vokaländerung ist bei den Modalverben aber sehr einfach. Im Präteritum fällt einfach nur der Umlaut weg. Und dann wird natürlich wie bei allen Mischverben ein t und die Personalendung der schwachen Verben angehängt. Hier ein paar Beispiele für das Präteritum einiger Modalverben: • können, ich konn-t-e • müssen, ich muss-t-e, • dürfen, ich durf-t-e Die Bildung der grammatischen Zeitform des Imperfekts bei dem Verb sein Das Verb sein ist aufgrund seiner sprachhistorischen Entwicklung ein ganz besonderes Verb. Für Ihre Fortschritte beim Deutsch-Lernen ist der genaue Hintergrund nicht wichtig. Damit Sie das verrückte Phänomen ein bisschen besser verstehen, sage ich Ihnen einfach nur, dass es im Mittelalter noch ein anderes Verb mit ungefähr derselben Bedeutung gab. Dieses Verb hieß wesen. In dem neuhochdeutschen Verb verwesen ist dieses ursprüngliche Verb noch enthalten. Jedenfalls hat es sich so entwickelt, dass für die Bildung des Präteritums der Wortstamm von wesen benutzt wurde. Deswegen hat das Präteritum von sein gar keine Ähnlichkeit mehr mit den Präsensformen. 18 Hier also noch einmal eine Zusammenfassung: Das Präteritum von sein wird aus dem Infinitiv des Verbs wesen abgeleitet. Der Vokal e wird zum a und zusätzlich wird aus dem s ein r. Das Verb benutzt die Konjugationsendungen der starken Verben. Gebrauch des Präteritums Imperfekts Diese Form der einfachen Vergangenheit benutzen Sie selten selbst aktiv in Ihrer Alltagssprache. In der Regel benutzen wir das Präteritum in der Schriftsprache (Zeitungen und Literatur). Wenn wir selbst sprechen, benutzen wir in der Regel das Perfekt. Es kommt dabei immer ein bisschen auf den Kontext an. Deswegen ist es eigentlich wichtiger für Sie, diese Zeitform zu verstehen, als sie selbst aktiv zu benutzen. Wann immer Sie Bücher oder Zeitung lesen, sind Sie sehr oft mit dem Imperfekt konfrontiert. 19