Arbeitsblatt: Urner Sage

Material-Details

Zwei Urner Sagen: Grenzlauf, Teufelsbrücke
Deutsch
Leseförderung / Literatur
7. Schuljahr
1 Seiten

Statistik

128512
665
5
21.02.2014

Autor/in

Schattdorf (Spitzname)
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Der Grenzlauf Über den Klausenpass und die Bergscheide hinaus vom Schächental weg erstreckt sich das Urner Gebiet am Fletschbach fort bis nach Glarus. Einst stritten die Urner mit den Glarnern bitter um ihre Landesgrenze, beleidigten und schädigten einander täglich. Da sprachen die Biedermänner: Zur Tag- und Nachtgleiche solle von jedem Teil frühmorgens, sobald der Hahn krähte, ein rüstiger, kundiger Felsgänger ausgesandt werden und jedweder nach dem jenseitigen Gebiet zulaufen. Da, wo sich beide Männer begegneten, sollte die Grenzscheide festgesetzt bleiben, der kürzere Teil möge nun fallen diesseits oder jenseits. Die Leute wurden gewählt, und man dachte besonders darauf, einen solchen Hahn zu halten, der sich nicht verkrähe und die Morgenstunde auf das Allerfrühste ansagte. Die Urner nahmen einen Hahn, setzten ihn in einen Korb und gaben ihm sparsam zu fressen und saufen, weil sie glaubten, Hunger und Durst würden ihn früher wecken. Dagegen fütterten und mästeten die Glarner ihren Hahn, dass er freudig und hoffärtig den Morgen grüssen könne und dachten, damit am besten zu fahren. Als nun der Herbst kam und der bestimmte Tag anbrach, geschah es, dass zu Altdorf der schmachtende Hahn zuerst krähte, kaum dass es dämmerte. Froh brach der Urner Felsenklimmer auf, der Marke zulaufend. Allein in Linthal drüben stand schon die volle Morgenröte am Himmel, die Sterne waren verblichen und der fette Hahn schlief noch in guter Ruh. Traurig umgab ihn die ganze Gemeinde, aber es galt die Redlichkeit und keiner wagte es, ihn aufzuwecken. Endlich schwang er die Flügel und krähte. Aber dem Glarner Läufer wird es schwer sein, dem Urner den Vorsprung wieder abzugewinnen! Ängstlich sprang er und schaute gegen das Scheideck. Da sah er oben am Giebel des Grats den Mann schreiten und schon bergabwärts niederkommen; aber der Glarner schwang die Fersen und wollte seinem Volke noch so viel wie möglich vom Lande retten. Bald stiessen die Männer aufeinander und der von Uri rief: «Hier ist die Grenze!» «Nachbar», sagte betrübt der von Glarus, «sei gerecht und gib mir noch ein Stück von dem Weidland, das du errungen hast!» Doch der Urner wollte nicht, aber der Glarner liess ihm keine Ruh, bis er barmherzig wurde und sagte: «So viel will ich dir noch gewähren, als du mich an deinem Hals tragend bergan läufst.» Da fasste ihn der rechtschaffene Sennhirt von Glarus und klomm noch ein Stück Felsen hinauf, und manche Tritte gelangen ihm noch, aber plötzlich versiegte ihm der Atem und tot sank er zu Boden. Und noch heute wird das Grenzbächlein gezeigt, bis zu welchem der einsinkende Glarner den siegreichen Urner getragen habe. In Uri war grosse Freude ob ihres Gewinnes, aber auch die zu Glarus gaben ihrem Hirten die verdiente Ehre und bewahrten seine grosse Treue in steter Erinnerung. Die Teufelsbrücke Bereits im 13. Jahrhundert hatten die Urner immer wieder versucht, eine Brücke über die wilde Reuss zu schlagen, doch zu oft waren die Säumer mit ihren Maultieren und Waren in die Tiefe gestürzt. Es geht die Sage, dass die Urner immer wieder darüber rätselten, wie die Schöllenenschlucht zu überwinden sei. Schliesslich rief ein Landammann ganz verzweifelt aus: «Do sell der Tyyfel Brigg bue!» /(«Soll doch der Teufel selber da eine Brücke bauen!») Kaum ausgesprochen, stand er schon vor der Urner Bevölkerung. Der Teufel versprach ihnen einen Pakt: Die Brücke würde fortan halten. Aber der Teufel sagte zu den Leuten, er werde eine Brücke bauen, aber die erste Seele, die die neue Brücke überschreite, soll ihm gehören. Nachdem man auf diesen Handel eingegangen war, stand auch schon bald eine neue starke Brücke über der Schlucht. Doch die Urner wussten nicht, wen sie hinüberschicken sollten, bis ein schlauer Bauer eine geniale Idee hatte. Er band seinen Geissbock los und jagte den Ziegenbock auf die andere Seite. Rasend vor Wut, ergriff der Teufel einen Felsblock und drohte damit, sein Werk zu zerstören. Darauf kam ein altes Weiblein des Wegs und ritzte ein Kreuz in den Stein. Als der Teufel dies sah, verfehlte er sein Ziel, und der Fels landete in der Nähe von Göschenen. Dort liegt der Teufelsstein nun seit Jahrhunderten. Die Brücke nennt man seit dieser Zeit die Teufelsbrücke.