Arbeitsblatt: Sucht und Drogen

Material-Details

Konsumformen
Lebenskunde
Drogen / Prävention
9. Schuljahr
4 Seiten

Statistik

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17.02.2015

Autor/in

Laura Häfliger
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Konsumformen Es gibt mehr oder weniger „gefährliche Drogen z.B. solche, die besonders schnell und stark abhängig machen können oder besonders grosse gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Wichtig ist aber auch die Frage, wie konsumiert wird: Manche Konsumformen bergen geringere Risiken, manche können zu schweren Problemen führen oder sind bereits Ausdruck eines schweren Problems. Experimentierkonsum Die Motive für einen Experimentierkonsum sind vor allem Neugierde, der Wunsch nach neuen Erfahrungen, die Suche nach Vergnügen, eine Anpassung an Gruppennormen oder der Druck aus der Gleichaltrigengruppe. „Diese Woche habe ich zum ersten Mal mit einem Freund einen Joint geraucht. Ich habe es übrigens getan, um mich ihm gegenüber besser zu fühlen. Freizeitgebrauch Gelegentlicher Freizeitkonsum hat seinen Grund z.B. in der Suche nach Vergnügen, im Gemeinschaftserleben, in der Suche nach Rausch oder „Ausflippen. „Ich konsumiere ab und zu an Wochenenden Cannabis. „Ich trinke zum Abendessen gerne mal ein Glas Wein und sonst ab und zu mal ein Bier. Starker Gebrauch, Missbrauch Einem Missbrauch liegen oft schwerer wiegende Motive zugrunde, zum Beispiel Langeweile, der Wunsch nach Vergessen oder Realitätsflucht. „Ich brauche abends im Ausgang so meine drei Bier, um vom Tagesstress runterzukommen. Abhängigkeit Bei einer Abhängigkeit ist die Kontrolle über den Konsum verloren gegangen. Andere Interessen werden zu Gunsten des Konsums aufgegeben. Neben einer psychischen Abhängigkeit kann es je nach Substanz auch zu einer körperlichen Abhängigkeit kommen. „Ich kann nicht mehr auf den Konsum von Cannabis verzichten. „Wenn ich keinen Alkohol trinke, beginne ich zu zittern. Abhängigkeit Ein missbräuchlicher Konsum kann – je nach Suchtpotenzial einer Substanz – früher oder später in eine Abhängigkeit münden. Nach der internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD10) liegt dann eine Abhängigkeit vor, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien zutreffen: • Innerer Zwang zum Konsum: Verminderte Kontrollfähigkeit über den Konsum • Körperliche Entzugssymptome, wenn der Konsum gestoppt oder reduziert wird • Toleranzbildung: Dosis muss erhöht werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen • Andere Interessen werden vernachlässigt, erhöhter Zeitaufwand für die Beschaffung, für den Konsum oder für die Erholung vom Konsum • Trotz Wissen um bereits vorliegende Gesundheitsschäden wird weiter konsumiert Die Diagnose einer Abhängigkeit kann nur eine Fachperson (Arzt/Ärztin, PsychologIn, SozialarbeiterIn etc.) mit entsprechender Fachausbildung stellen. Körperliche und psychische Abhängigkeit Eine körperliche Abhängigkeit liegt dann vor, wenn eine Substanz in den Stoffwechsel eingebaut worden ist. Bei Absetzen oder Reduktion der Droge kommt es zu körperlichen Entzugssymptomen. Nicht alle Suchtmittel können eine körperliche Abhängigkeit hervorrufen, aber alle können zu einer psychischen Abhängigkeit führen. Psychisch abhängig zu sein bedeutet, „im Kopf nicht mehr auf die Wirkung der Droge verzichten zu können, einen starken, gar unbezwingbaren Drang zum Konsum zu verspüren das Leben dreht sich letztlich fast nur noch um den Konsum. Die Überwindung einer körperlichen Abhängigkeit – die sehr belastend und schmerzhaft sein kann – dauert in der Regel einige Tage und ist dann vorbei. Oft ist eine ärztliche Begleitung, je nachdem auch ein Klinikaufenthalt, wichtig. Ein körperlicher Entzug von Alkohol zum Beispiel kann zu Komplikationen führen, die lebensgefährlich sein können. Die Überwindung der psychischen Abhängigkeit ist eine besondere Herausforderung und bietet oft besondere Probleme. Deswegen muss der Nachbetreuung oder Rehabilitationsphase besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Planung ist wichtig. Fachpersonen von Suchtberatungsstellen unterstützen dabei! Die Überwindung des Konsumwunsches (des „Reissens) nach der Droge ist ein langfristiger Prozess, in dem es auch darum geht, Lebensgewohnheiten aufzugeben und neue anzunehmen. Die Arbeit an den Ursachen für die Abhängigkeitserkrankung ist ein wichtiges Element der Rückfallprävention. Man muss lernen, die Bedürfnisse, die man vorher durch den Konsum zu erfüllen versuchte, anders zu erfüllen. Ursachen und Bedingungen von Abhängigkeit und Sucht Es gibt keinen typischen und schon gar keinen „vorgezeichneten Weg in eine Abhängigkeit. Aber es gibt Risikofaktoren, welche die Entstehung einer Abhängigkeit beeinflussen können. • Soziales Umfeld: z.B. stressauslösende Situationen, ungünstige Verhältnisse in Familie/Schule/Arbeit • Persönlichkeit: z.B. geringe Selbstwertschätzung, niedrige Frustrationstoleranz, geringe Konfliktfähigkeit • (Sucht)Mittel: z.B. Art des Suchtmittels, Erhältlichkeit, Dauer der Einnahme • Gesellschaft: z.B. negative Zukunftsbilder, Konsumorientierung, Leistungsorientierung Achtung: Es gibt sehr viele Menschen, die trotz vieler Risikofaktoren gesund bleiben und keine Abhängigkeit entwickeln! Folgen einer Abhängigkeitserkrankung Eine Abhängigkeitserkrankung hat nicht für jede/n Abhängigen dieselben Auswirkungen, aber im Allgemeinen kann man sagen, dass sie alle Lebensbereiche betrifft, das heisst psychische, soziale, körperliche und nicht selten auch rechtliche Folgen hat. Folgen einer Abhängigkeit von Alkohol Im Übermass konsumierter Alkohol schädigt praktisch jedes Organ. Durch die Abhängigkeit verringert sich die Arbeitsleistung, oft verkleinert sich das Interessengebiet, und soziale Beziehungen werden aufgegeben. Psychische Folgeprobleme sind häufig. In Familien von Alkoholkranken entstehen oft auch grosse soziale Probleme. Betroffene wie Mitbetroffene leiden körperlich und seelisch und erleiden oft Schädigungen, die lange – manchmal ein Leben lang – nachwirken können. Auch die oft auftretenden wirtschaftlichen Probleme sind eine grosse Belastung. Hinzu kommt, dass Gewalt innerhalb und ausserhalb der Familie und Selbsttötung oft in Zusammenhang mit Alkoholüberkonsum stehen. Die Folgekosten des Alkoholmissbrauchs für die Gesellschaft sind enorm. Hinzu kommen nicht bezifferbare Folgeschäden für die Betroffenen und die mitbetroffenen Familienangehörigen. Folgen einer Abhängigkeit von Heroin, Kokain und ähnlichen Substanzen Schwer Drogenabhängige leiden oft unter Selbstvernachlässigung, grosser psychischer Belastung, sozialer Isolation. Verschiedenste gesundheitliche Probleme können als Folge des Konsums oder der schwierigen Lebensumstände auftreten. Oft kommt es durch Drogen, Streckmittel oder Fehl und Unterernährung zu Organschäden. Infektionskrankheiten (HIV, Hepatitis C) sind insbesondere beim intravenösen Drogenkonsum häufig, wenn Spritzbesteck gemeinsam benutzt wird. Konsum, Handel oder Anbau von illegalen Drogen kann auch zu schwer wiegenden Konflikten mit dem Gesetz führen. Die Illegalität erschwert es Abhängigen oft auch, ihr Problem einzugestehen. Individuelle Risikofaktoren Alkohol und andere Drogen sind für jeden Menschen ein Risiko. Aber: Bezüglich der „Verletzlichkeit sind wir individuell verschieden. Es gibt Menschen, die schneller abhängig oder vom Konsum geschädigt werden als andere. Es gibt auch Faktoren, die vor Suchtmittelkonsum oder missbrauch schützen und andere, die das Risiko erhöhen. Die Zusammenhänge sind allerdings komplex und bis heute nicht restlos geklärt. Am Beispiel von Alkohol soll gezeigt werden, wie diese individuellen Unterschiede aussehen können: Körpergewicht Bei Personen mit kleinerem Körpergewicht wirkt dieselbe Menge Alkohol stärker als bei schwereren Personen, weil der Alkohol auf weniger Körpermasse verteilt wird. Das bedeutet auch, dass bei leichteren Personen das Risiko von Schädigungen grösser ist. Geschlecht Der Körper von Frauen enthält anteilsmässig mehr Fett und weniger Wasser als der Körper von Männern. Das bedeutet, dass sich bei Frauen dieselbe Menge Alkohol auf weniger Wasser verteilt. Frauen müssen also vorsichtiger sein: Gleich viel Alkohol führt bei ihnen zu einer höheren Konzentration von Blutalkohol als bei einem gleich schweren Mann. Allerdings missbrauchen Frauen Alkohol sehr viel seltener und werden seltener alkoholabhängig als Männer. Der unterschiedliche Gebrauch hängt stark mit Rollennormen zusammen. Alter Vor allem wegen ihres kleineren Körpergewichts sind Kinder und Jugendliche anfälliger für die schädlichen Wirkungen von Alkohol. Bei kleinen Kindern kann schon wenig Alkohol eine tödliche Atemlähmung bewirken. Junge Personen können Alkohol weniger gut abbauen als Erwachsene, und oft können sie die Wirkung noch weniger gut einschätzen. Organe, die noch in Entwicklung sind, sind besonders anfällig auf Alkohol, so z.B. das Gehirn. Häufiger Alkoholkonsum behindert natürlich auch die Persönlichkeitsentwicklung und die Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden. Je früher der Alkoholkonsum beginnt, desto grösser ist das Risiko, später im Leben eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Jugendliche, die unter schweren Belastungen leiden und zur „Entlastung Alkohol missbrauchen, sind besonders gefährdet.Mit zunehmendem Alter verträgt man Alkohol wieder weniger gut, weil er sich weniger gut im Gewebe verteilt und länger im Körper bleibt. Dieselbe Menge Alkohol führt bei älteren Menschen zu einer höheren Konzentration von Blutalkohol als bei jüngeren Erwachsenen. Dies kann tragische Folgen haben, z.B. Autounfälle oder Stürze. Viele ältere Menschen nehmen auch Medikamente ein. Für sie gilt (wie für alle Personen, die Medikamente konsumieren): Unbedingt mit einem Arzt oder Apotheker über das Zusammenwirken von Alkohol und Medikamenten sprechen! Gesundheitszustand Kranke und Personen, die Medikamente einnehmen, müssen mit ihrem Arzt besprechen, ob Alkohol ihnen zuträglich ist, und wenn ja, wie viel. Bei bestimmten Erkrankungen ist Vorsicht geboten, z.B. wenn ein Organ betroffen ist, das durch Alkohol noch stärker belastet würde. Zudem beeinflussen sich Alkohol und Medikamente oft auf unvorhersehbare Weise, was zu schwerwiegenden Problemen führen kann. Schwangerschaft Alkohol gelangt von der Mutter zum werdenden Kind und kann bei diesem schwere Missbildungen verursachen (fötales Alkoholsyndrom). Genetische Unterschiede Nach Berechnungen amerikanischer Forscher ist Alkoholismus mit hoher Wahrscheinlichkeit zu 48 bis 58 Prozent genetisch bedingt. Den Rest bestimmen die Einflüsse einer unterschiedlichen Umwelt im späteren Leben. Bei Söhnen alkoholkranker Väter gibt es eine Gruppe, die Alkohol anders im Körper abbaut. Achtung: Eine genetische Veranlagung führt nicht zwangsläufig zu einer Alkoholkrankheit! Sie kann sich als Erkrankung äussern. Ob es dazu kommt, hängt auch vom Lebensstil und den konkreten Lebensrisiken ab. Diese genetische Veränderung gibt es offenbar auch bei Töchtern von alkoholkranken Vätern, allerdings in etwas schwächerer Form. Zwischen Menschen gibt es auch Unterschiede bezüglich der Empfindlichkeit für durch Alkohol verursachte Erkrankungen. Auch diese Unterschiede können genetische Ursachen haben. Bei den einen kann schon wenig Alkohol eine Erkrankung hervorrufen, bei anderen kommt es erst bei grösseren Mengen zu vergleichbaren Schädigungen. Lebensumstände Eine belastende Lebenssituation erhöht die Gefahr einer Abhängigkeit. Wenn versucht wird, durch Alkoholkonsum Belastungen auszublenden, ist das Risiko besonders gross. Dieses Verhalten kann sich zu einer Gewohnheit entwickeln und in eine Abhängigkeit münden. Nicht Alkohol trinken, wenn man sich schlecht fühlt! Persönlichkeit Ein Risikofaktor für die Entstehung einer Abhängigkeit kann auch die Persönlichkeit sein. Starkes Verlangen nach Glückserlebnissen oder Rausch, Neigung zu Flucht und Verdrängung, tiefe Frustrationstoleranz, Sinnleere können eine Suchtentstehung begünstigen. Umwelt Belastende Konkurrenzsituationen, Mangel an Zukunftsperspektive, schlechte Umwelt und Lebensqualität können die Entstehung einer Sucht fördern. Deswegen ist es wichtig, dass Prävention auch immer an der Gesellschaft und der Lebenswelt des Menschen ansetzt, das heisst auf der strukturellen, politischen Ebene.