Arbeitsblatt: Lügen erkennen

Material-Details

Es geht um Techniken, die uns im Alltag helfen Menschen als Lügner zu entlarven. Quelle ist mir leider verloren gegangen.
Pädagogik und Psychologie
Soziale Interaktion und Gruppe
9. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

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26.05.2016

Autor/in

Mike Graff
Land: Deutschland
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Was sind Lügen? Auch das Weglassen von Informationen führt in die Irre und ist wie die Halbwahrheiten  ebenfalls eine Lüge. Alle finden Ehrlichkeit wichtig, aber nur die wenigsten können Lügen entlarven, weil die  Menschen gute Lügner sind. Wie bereits erwähnt – eine Fähigkeit aus längst vergangener  Zeit. Früher war auch die Bestrafung für Lügen schwerer. Daher mussten Lügner gut sein. Die meisten Lügen kommen nur durch Zufall ans Licht. Lügen erkennen, während sie  ausgesprochen werden, können oft nur Verhörspezialisten. Man hat in Untersuchungen herausgefunden, dass Männer eher über sich lügen; Frauen eher  über andere, z.B.: nicht ehrlich gemeinte Komplimente. Ansonsten gibt es wohl keine  geschlechterspezifischen Unterschiede beim Schummeln. Es gibt auch keine typischen Verhaltensweisen bei Lügnern. Weder die Vermeidung von  Blickkontakt, noch nervöses Zappeln oder die Länge der Sprechpausen sind, für sich allein  genommen, ein Beweis für eine Lüge. Seelische und geistige Verfassungen, können für veränderte Verhaltensweisen zuständig sein.  Es ist auch möglich, dass bereits das Wechseln des Gesprächsthemas zu  Verhaltensänderungen führt, aber nicht weil die Person lügt, sondern weil ihr das Thema  unangenehm ist. Daher sind diese angeblichen Erkennungszeichen alleine noch kein Beweis  für eine Lüge. Sie können nur als Anhaltspunkt herangezogen werden, wenn sie dem  Referenzverhalten (Standartverhalten) widersprechen. Nun wollen wir uns einige Techniken anschauen, die Ermittler und Verhörspezialisten  anwenden um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Vielleicht können wir das ein oder andere  nutzen, um uns vor Lügnern zu schützen. #1  Nach dem Gegenteil fragen. Wir neigen dazu schnell zuzustimmen und ja zu sagen, um uns weitere Diskussionen zu  ersparen. Wenn Sie also nach dem fragen, von dem Sie eigentlich ausgehen, dass es NICHT  getan wurde, bekommen Sie immer eine Zustimmung. „Haben Sie auch ein original Mercedes Benz Ersatzteil verbaut? „Ja, natürlich. Besser: „Sie haben ja ein preiswertes NoNameErsatzteil verbaut, oder? Wenn er jetzt nein sagt und darauf hinweist, dass in dieser Werkstatt nur Qualität verbaut  wird, wissen Sie, dass es wahr ist. #2  Referenzverhalten ermitteln durch SmallTalk. Nicht einzelne Verhaltensweisen geben Aufschluss über die Lüge, sondern die Veränderung  der Verhaltensweisen. Es muss also zuerst immer ein Referenzverhalten erkannt werden. Da Menschen gerne über sich sprechen, ermittelt man die Referenz mit Belanglosigkeiten: Interessen, Hobbys, Musik, die Bilder an der Wand, Sport, letzter Urlaub, Freundeskreis. Bei  Männern muss man darauf achten, dass sie gerne in den Bereichen Beruf und Geld schon mit  dem Lügen beginnen. Hier wird dann das Referenzverhalten verzerrt! Bei Nahestehenden sind wir oft „blind, da wir an das Gute glauben wollen und einen  Vertrauensvorschuss gewähren. #3  Referenzverhalten ermitteln durch Kontrollfragen. Fragen stellen, deren Antworten man schon kennt. Bei der Wahrheit erhält man das  Referenzverhalten. Lügt die Person später, erkennt man schnell die Verhaltensänderung zum  Referenzverhalten. #4  Referenzverhalten ermitteln durch provozierte Lügen. Sie sagen: „Stiftung Warentest hat ermittelt, dass der Fernseher XY als bester abgeschnitten  hat. (das entspricht nicht der Wahrheit) Die Reaktion des Verkäufers zeigt Ihnen, ob er ehrlich ist. Sein Verhalten zeigt Ihnen, wie er  sich bei Lügen oder eventuell bei der Wahrheit verhält. Bitte bedenken Sie dabei, dass Sie das Gespräch bereits mit einer Lüge begonnen haben. Die häufigsten Änderungen des Referenzverhaltens im Überblick: • • • • • • • • • • Stimmhöhe  Lautstärke  Sprachtempo  Satzlänge  Weniger Details  Pausen  Sitzposition  Blickrichtung  Bewegungen (mehr/weniger)  Änderungen in der Mimik  Eine Veränderung allein, sagt noch nicht besonders viel aus. Erst eine Anhäufung von  Verhaltensabweichungen kann als Beweis für eine Lüge gedeutet werden. Häufige Themenwechsel zeigen erst das wahre Referenzverhalten, da auch  Verhaltensänderungen möglich sind, weil der Person beispielsweise gewisse Themen  unangenehm sind. Das bedeutet aber noch nicht, dass sie lügt. Abrupte Vorwürfe und Schuldzuweisungen führen immer zu einem Veränderten Verhalten  und sind somit kein Beweis für eine Lüge. Zwischen dem Beobachten des Referenz, bzw. Normverhaltens durch Stellen von  Kontrollfragen etc. und dem eigentlichen Thema, sollte nur wenig Zeit liegen, da auch  schwindendes Interesse und Müdigkeit zu Verhaltensänderungen führen können. #5  Reflexe erzeugen. Kritische Themen werden so verpackt, dass nur ein Täter sich durch auffälliges Verhalten  verrät. Ein Thema wird nur angeschnitten, ohne einen direkten Bezug zur Person  herzustellen und ohne jede Verdächtigung, obwohl man natürlich einen Verdacht hegt. Man  kann z.B. das gleiche Vergehen anderer Menschen zur Sprache bringen. Wer sich ertappt  fühlt, wird vom Referenzverhalten abweichen. Die Konfrontation des vermeintlichen Lügners oder Täters mit einem Sachverhalt, wird nur  vom tatsächlichen Täter als Anschuldigung verstanden. Der Reflex geschieht so schnell, dass  der Beschuldigte seine überzogene Reaktion erst erkennt, wenn es zu spät ist. Angst , Schuld und Freude. Diese drei Emotionen wurden von Psychologen, als die, für Lügner typischen, ermittelt. Daraus lassen sich die nächsten Techniken ableiten, denn Signale von Angst, Schuld und  Freude sind leicht zu erkennen. #6  Angst verstärken. Verdeutlichen Sie dem Gegenüber, wie sehr Sie Lügen verabscheuen. Damit erhöhen Sie die  Angst des Lügners vor einem Imageschaden. „Ich kann mit der schlimmen Wahrheit leben, aber nicht mit einer Lüge. (was natürlich  gelogen ist) „Und sei dir gewiss, dass ich jede Lüge durchschaue. (wieder gelogen) Dadurch, dass der Mensch dazu neigt, zu glauben was man ihm sagt, verstärkt das die Angst  des Lügners und verringert die Angst des Unschuldigen. Der Unschuldige kann nämlich  durchaus auch Symptome der Angst zeigen, wenn man ihm z.B. sagt, dass die Beziehung  beendet ist, wenn er nicht die Wahrheit sagt. Der Gegenüber muss also davon überzeugt werden, dass man ein guter Menschenkenner ist.  Das lässt sich mit einer kleinen Geschichte zu Beginn des „Verhörs bewerkstelligen. #7  Schuldgefühl verstärken. Funktioniert wie oben, aber eben mit Betonung auf „das würde mich sehr traurig machen  oder „du weißt wie sehr ich dich schätze Wer jetzt noch lügt, zeigt eindeutige Körpersignale von Traurigkeit. Der Lügner dreht den  Kopf zur Seite und kann einem nicht mehr in die Augen schauen. Der Täter möchte am liebsten ganz schnell den Raum verlassen. Das zeigt auch seine  Körperhaltung. #8  Freude entdecken. Erfahrene Lügner empfinden weniger Scham und Angst, als vielmehr Freude über eine  gelungene Täuschung. Grinsen und ein stärkerer Bewegungsdrang sind oftmals Anzeichen  für einen glücklichen Lügner. Wer überteuerte Aktienfonds verkauft und der Meinung ist,  dass jeder selbst Schuld hat, der zu viel zahlt, hat weniger ein schlechtes Gewissen, als  vielmehr Spaß am Geld verdienen. AngstEmotionen erkennen (die häufigsten Verhaltensweisen): • • • • • • Blinzeln  Lange Pausen  Stottern  Wiederholung der Frage (Zeit gewinnen)  Höhere Stimmlage  Steifes Verhalten (Lügner neigen zu wenig Gestik und Mimik, um sich nicht zu  verraten)  SchuldEmotionen erkennen: • • • • • Trauriger Blick  Vermeidung von „ich und „mein (Entpersonalisierung der Aussage)  Körper wegneigen  Füße Richtung Tür strecken (würde am liebsten flüchten)  Steifes Verhalten (Lügner neigen zu wenig Gestik und Mimik, um sich nicht zu  verraten)  FreudeEmotionen erkennen: • Verhalten erscheint unpassend  • Anzeichen von Stolz und freudiger Erregung  • Grinsen  #9  Diskrepanzen erkennen: Oben – Unten – Diskrepanz: Am wichtigsten ist das Beobachten der oberen Gesichtshälfte, da diese bei künstlichen  Gesichtsausdrücken am schwersten zu kontrollieren ist. Beispiel: der Mund lächelt, die Augen nicht. Wenn die Augen nicht lächeln, ist die Emotion eher aufgesetzt. Es können aber auch Links –  Rechts – Diskrepanzen auftreten. Beispiel: Ein Lächeln, das den Mund nur in eine Richtung  verzieht. Zeitpunkt der Mimik: Echte Emotionen treten im Gesicht VOR den Worten und der Gestik auf. Bei Lügen ist es oft  umgekehrt. Dauer und Intensität von Emotionen: Werden Emotionen vorgespielt, sind sie oft zu heftig und die Darstellung dauert zu lange. Der LaienSchauspieler neigt zur Übertreibung. Wechsel der Emotionen Ein Mensch, der die Wahrheit sagt und mit dem was er sagt, eine bestimmte Reaktion  erreichen will, hat dabei eine einzige Emotion. Beispiel: Er droht ODER er bettelt ODER er zeigt Enttäuschung. Ein Lügner testet häufig alle diese Emotionen in kurzer Folge, weil er wissen will, was bei  Ihnen am besten wirkt. #10  0,5 Sekunden wahre Gefühle. Bevor der Täuscher seine aufgesetzte Mimik zur Schau stellt, zeigt er für die maximale Dauer  einer halben Sekunde, seine wahren Emotionen. Mit etwas Übung und guter  Beobachtungsgabe, lassen sich diese MikroAusdrücke (entdeckt von den Therapeuten  Haggard und Isaacs) erkennen. #11  Fragetechniken. • Keine Fragen stellen, auf die man mit Ja oder Nein antworten kann.  • Längere SchweigeZeiten einfügen. (verunsichert den Befragten)  • Bei längeren Handlungsfolgen nachhaken und zeitlich springen. (Lügner können ihre  Geschichte meist nur in chronologischer Folge erzählen) Springt man vor und zurück  und fragt nach dem „was davor war, gerät der Lügner durcheinander.  • So tun, als wisse man bereits genau Bescheid, was tatsächlich vorgefallen ist.  • Verständnis für eine eventuelle Lüge zeigen. (führt hin und wieder zum Geständnis)  #12  Auf Details achten. Wahre Geschichten enthalten viele emotionale, verwirrende, verrückte Details und unpassend wirkende Gedächtnislücken. Zudem sind sie oft unstrukturiert und werden mit zeitlichen  Sprüngen erzählt. Bei der wiederholten Erzählung, findet man oft leichte Abweichungen in  der Erzählweise. Auch kleinere Gedächtnislücken, sind bei wahren Geschichten häufig.  Lügen hingegen sind einstudiert, immer gleich und chronologisch logisch – aber es fehlen die  Details und die emotionalen Ausbrüche. Es ist doch seltsam, dass es keinerlei Gedächtnislücken bei Uhrzeit, Ort und Handlung gibt,  aber alle anderen Details komplett fehlen. Wie war die Stimmung der Anwesenden? Wie war  seine eigene Stimmung? Kleidung? Musik? Gesprächsthemen? – und viele andere Dinge, an  die man sich normalerweise erinnert, fehlen bei Lügen oftmals ganz.