Arbeitsblatt: 4 Kurzgeschichten

Material-Details

Leseverstehen
Deutsch
Textverständnis
8. Schuljahr
4 Seiten

Statistik

163172
579
46
14.07.2016

Autor/in

Marigona (Spitzname)
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Die Liebe der Mutter Meine Mutter hatte nur ein Auge. Ich hasste sie, weil ich mich für sie schämte. Um unsere Familie zu versorgen, arbeitete sie an meiner Schule in der Cafeteria. Als ich in der Grundschule war, besuchte sie mich eines Tages. Ich war am Boden zerstört. Wie konnte sie mir das antun? Ich ignorierte sie. Dann guckte ich zu ihr voller Hass und rannte weg. Am nächsten Tag sagte eine meiner Schulkameraden: Iiiih, deine Mutter hat ja nur ein Auge Ich wünschte mir zu sterben. Ich wollte unbedingt, dass meine Mutter für immer verschwindet. Als ich sie später sah, sagte ich ihr: Anstatt mich zu blamieren, ist es besser, dass du stirbst! Ich hab nicht eine Sekunde lang überlegt, was ich gesagt hatte. Denn ich war sauer. Ihre Gefühle interessierten mich nicht. Ich wollte sie zuhause nicht haben. Ich habe sehr hart gearbeitet und bin dann für mein Studium nach Singapur geflogen. Später hab ich geheiratet. Ich kaufte mir eine eigene Wohnung und bekam auch später Kinder. Ich war völlig zufrieden mit meinem Leben. Eines Tages kam meine Mutter zu Besuch. Seit Jahren hatten wir keinen Kontakt mehr und sie kannte auch ihre Enkelkinder nicht. Als sie vor der Tür stand, lachten meine Kinder sie aus. Ich schrie zu ihr: Wie kannst du hierher kommen und meine Kinder erschrecken, verschwinde SOFORT. Sie antwortete mir: Ich bin wohl an die falsche Adresse gekommen. Dann ist sie gegangen. Als ich in die Universität ging, um mein Studium abzuschliessen, bin ich aus Neugier zu meiner Mutter gegangen. Die Nachbarn sagten, dass sie gestorben war. Ich war überhaupt nicht traurig. Meine Mutter hinterliess mir einen Brief: Mein Lieber Sohn, du warst immer in meinen Gedanken. Es tut mir leid, dass ich deine Kinder erschreckt habe. Es tut mir leid, dass ich dich immer blamiert habe. Weisst du.als du ein kleines Kind warst, hattest du einen Unfall und hattest dein Auge verloren. Als Mutter konnte ich es nicht ertragen, dass du nur mit einem Auge aufwächst. Deswegen hab ich dir mein Auge gegeben. Ich war so stolz, dass du mit meinem Auge sehen konntest. Deine dich liebende Mutter Wenn die Liebe einer Mutter so gross ist, dann stellt selber fest, wie groß die Liebe Allahs ist. Die drei Söhne Drei Frauen wollten am Brunnen Wasser holen. Nicht weit davon saß ein alter Mann auf einer Bank und hörte zu, wie die Frauen ihre Söhne lobten. Mein Sohn, sagte die erste, ist so geschickt, daß er alle anderen hinter sich läßt . Mein Sohn, sagte die zweite, singt so schön wie die Nachtigall! Es gibt keinen, der eine so schöne Stimme hat wie er . Und warum lobst du deinen Sohn nicht? fragten sie die dritte, als diese schwieg. Er hat nichts, was ich loben könnte, entgegnete sie. Mein Sohn ist nur ein gewöhnlicher Knabe, er hat nichts Besonderes an sich und in sich . Die Frauen füllten ihre Eimer und gingen heim. Der alte Mann aber ging langsam hinter ihnen her. Die Eimer waren schwer und die abgearbeiteten Hände schwach. Deshalb legten die Frauen eine Ruhepause ein, denn der Rücken tat ihnen weh. Da kamen ihnen drei Jungen entgegen. Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad. Die Frauen riefen: Welch ein geschickter Junge! Der zweite sang so herrlich wie die Nachtigall, und die Frauen lauschten andachtsvoll mit Tränen in den Augen. Der dritte Junge lief zu seiner Mutter, hob die Eimer auf und trug sie heim. Da fragten die Frauen den alten Mann: Was sagst du zu unseren Söhnen? Wo sind eure Söhne? fragte der alte Mann verwundert. Ich sehe nur einen einzigen Sohn! Der weise Lehrer In einer Moschee in Tunesien lebte ein gutherziger und weiser Lehrer namens Dawud. Dieser unterrichtete jeden Freitag eine Gruppe von jungen Männern. Dawud war ein geduldiger Lehrer, er erklärte manche Dinge mehrere Male um es seinen Schülern verständlich zu machen. Aber trotz seiner Stellung als Lehrer hatte Dawud nie Angst, auch von seinen Schülern zu lernen. Er pflegte stets zu seinen Schülern zu sagen:, Wissen ist ein Schatz und eure Köpfe sind die Truhen dafür, also füllt diese Truhen mit dem Schatz, egal woher ihr ihn bekommt! Eines Tages gab Dawud seinen Schülern nach dem Unterricht die Aufgabe ihm die schönste Blume mitzubringen, die sie fänden. Jeder seiner Schüler brachte eine prächtige Blume mit. Als alle ihre Blumen auf dem Tisch lagen, erfreuten sie die Augen eines jeden Menschen. Dawud schaute sich jede Blume genau an: ,Eine ist schöner als die andere, dachte er sich. Jedoch entdeckte er zwischen all diesen wunderschönen Blumen eine verwelkte Rose. Sie war schon fast verwest, so trocken war sie. ‚Wer von euch hat mir diese Blume gebracht? fragte Dawud verwundert. Einer der Schüler stand sogleich auf und antwortete: ,Ich war es, ehrenwerter Dawud. Der Junge, welcher ihm geantwortet hatte, hiess Mikail. Dawud wunderte sich sehr, wieso sein Schüler ihm so eine Blume mitbrachte! Er wollte ihnen doch die Vielfalt in Gottes Schöpfung zeigen. ‚Nun Mikail, wieso bringst du mir eine verwelkte Rose, wo es doch so schöne Blumen gibt, die Allah erschaffen hat, um seine Macht zu demonstrieren?! Mikail hielt ein paar Sekunden inne, dann sah er Dawud an und sprach:,Wir sollten dir, ehrenwerter Dawud, die schönsten Blumen bringen, die wir finden können. Als ich mich auf die Suche begab, fand ich so viele wunderschöne Blumen, dass ich am liebsten alle mitgenommen hätte, aber dann kam mir der Gedanke: ‚Wer so schönen Dingen leben schenkt, sollte auch der Einzige sein, der es ihnen auch wieder nimmt. Deswegen brachte ich dir eine Rose, deren Leben schon zum Schöpfer zurückgekehrt war. Ich hoffe du bist über mein Tun nicht erzürnt, ehrenwerter Dawud, doch ich schämte mich zu sehr vor Allah, etwas zu tun, das eigentlich seine Aufgabe ist. Als Dawud diese Rede hörte war er zu Tränen gerührt und die restlichen Schüler schämten sich, dass ihnen kein solcher Gedanke gekommen war und gleichzeitig erstaunt über die Klugheit des sonst so stillen Mikails. Die Moral dieser Geschichte ist, dass wir immer respektvoll mit Allahs Schöpfung umgehen sollen, denn wer weiss, wie lange Allah uns diese Geschenke lässt, die das Auge erfreuen. Der König und seine vier Frauen Es war einmal ein reicher König, der hatte 4 Frauen. Er liebte die 4. Frau am meisten, schmückte sie mit wertvollen Roben und verwöhnte sie mit den erlesensten Delikatessen. Er gab ihr immer nur das Beste. Aber liebte auch seine 3. Frau sehr und prahlte mit ihr aufgrund ihrer Schönheit vor den angrenzenden Königreichen. Allerdings befürchtete er immer auch, dass sie ihn eines Tages wegen eines anderen verlassen würde. Er liebte auch seine 2. Frau. Sie war seine Vertraute, immer freundlich, rücksichtsvoll und geduldig mit ihm. Wann immer der König sich mit einem Problem konfrontiert sah, konnte er darauf vertrauen, dass sie ihm durch die schwierigen Zeiten half. Die 1. Frau des Königs war eine sehr loyale Partnerin und hatte großen Anteil an der Erhaltung seines Vermögens und seines Königreichs. Er jedoch erwiderte die tiefe Liebe seiner 1. Frau nicht, ja er nahm kaum Notiz von ihr. Eines Tages wurde der König schwer krank, und es wurde ihm bewusst, dass seine Zeit knapp bemessen war. Er dachte an sein luxuriöses Leben und überlegte: Jetzt habe ich 4 Frauen, aber wenn ich sterbe, werde ich ganz allein sein. Daher fragte er die 4. Frau: Dich habe ich am meisten geliebt, habe dich mit den feinsten Gewändern ausgestattet und dir die beste Pflege angedeihen lassen. Nun, da ich sterbe, wirst du mir folgen und mir Gesellschaft leisten? Ich denke nicht daran! entgegnete sie ihm und ging weg ohne irgend ein weiteres Wort. Ihre Antwort schnitt wie ein scharfes Messer mitten in das Herz des Königs. Dann fragte er traurig seine 3. Frau: Ich habe dich mein Leben lang geliebt. Nun, da ich sterbe, wirst du mir folgen und mir Gesellschaft leisten? Nein! rief die 3. Frau aus. Das Leben ist zu schön! Wenn du stirbst, werde ich wieder heiraten! Sein Herz verkrampfte, so dass es fast erstarrte. Schließlich fragte er die 2. Frau: Ich habe mich immer an dich gewandt, wenn ich Hilfe brauchte und du warst immer für mich da. Wenn ich sterbe, wirst du mir folgen und mir Gesellschaft leisten? Tut mir leid, diesmal kann ich dir nicht behilflich sein, antwortete die 2. Frau.Ich kann dich höchstens bis zu deinem Grab begleiten! Ihre Antwort kam wie ein Donnerschlag, und der König war am Boden zerstört. Da vernahm er eine Stimme: Ich werde mit dir gehen und dich begleiten, wo auch immer du hingehst. Der König blickte auf, und da war seine 1. Frau. Sie war so schmächtig und ausgehungert, sie litt sichtlich an Unterernährung. Zutiefst betrübt sagte der König. Ach, hätte ich mich doch um dich viel besser gekümmert, als ich noch dazu die Gelegenheit hatte! In Wahrheit haben wir alle diese 4 Frauen in unserem Leben! Unsere 4. Frau ist unser Körper. Egal wie viel Zeit und Mühe wir darauf verschwenden um ihn zu verschönern; er wird uns verlassen, wenn wir sterben. Unsere 3. Frau ist unser Besitz, unser Status und Reichtum. Wenn wir sterben, geht er auf andere über. Unsere 2. Frau sind unsere Familie und unsere Freunde. Egal wie sehr sie für uns da waren, der weiteste Weg, den sie mit uns gehen können, ist der bis zum Grab. Und unsere 1. Frau ist unsere Seele, oft vernachlässigt während der Jagd nach Reichtum, Macht und den Vergnügungen des Egos. Die Seele ist jedoch die einzige, die uns folgt und begleitet, wohin wir auch gehen.