Arbeitsblatt: Fasnachtsbräuche von der Schweiz

Material-Details

Texte zu Fasnachtsbräuchen aus der Schweiz
Wirtschaft, Arbeit, Haushalt
Anderes Thema
7. Schuljahr
8 Seiten

Statistik

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350
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19.07.2016

Autor/in

claudia Brun
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Alte Fasnachtsbräuche aus der Schweiz Appenzell Botzerössli, Trömmelibuebe ond Trömmelimeedle Die «Botzerössli» sind eine appenzellische Eigenheit und ein einzigartiges Kulturgut der Appenzeller Fasnacht. Knaben und Mädchen in ausgedienten Feuerwehruniformen «reiten» einfache Pferdeattrappen. Über ihren Schultern tragen sie mit Lederriemen die Holzrössli wie einen Rucksack und werden durch die Trömmelibuebe ond Trömmelimedle angetrieben. Chalandamarz Der Chalandamarz ist ein Brauch des romanischsprachigen Teils des Schweizer Kantons Graubünden, der am 1. März jedes Jahres gefeiert wird (chalanda erster Tag des Monats). Er stammt noch aus der Zeit, als die Römer das damalige Rätien besetzt hielten. Damals markierte Chalandamarz den Anfang des Jahres und diente dazu, die bösen Geister zu vertreiben. Später wurden an diesem Tag die im Februar gewählten Gemeindepräsidenten, Schreiber und Säckelmeister (Schatzmeister) in ihre Ämter eingesetzt. Heute zieht die Schuljugend an diesem Tag singend und schellend durchs Dorf, um den Winter zu vertreiben. Die genaue Durchführung der Festivitäten unterliegt von Dorf zu Dorf merklichen Unterschieden. Dazu gehören Peitschenknallen, Kuhglockengeläute, Dorfbrunnenumrundung und vieles mehr. Eine prominente Darstellung des Brauchs machte der Künstler Alois Carigiet im Bilderbuch Schellenursli. Im Jahr 2003 erschien von Swissmint, der offiziellen Münzprägestätte der Schweizerischen Eidgenossenschaft, eine Gedenkmünze zu diesem Thema. Urnäscher Bloch Am Blochmontag (am Montag nach Aschermittwoch), wird dieser Brauch heute noch jährlich von Kindern in Hundwil, Stein und Schwellbrunn abgehalten. In Urnäsch sind es Erwachsene, die sich in einer Gesellschaft organisiert haben. Um den Buben keine Konkurrenz zu machen, haben sie ihren Blochtag auf den Fasnachtsmontag vorverschoben. Seit 1966 findet das Urnäscher Bloch nur noch in den ungeraden Jahren statt. Ein Fichtenstamm (Bloch) wird auf sorgfältig geschmücktem Wagen durch mehrere Dörfer gezogen. Die Urnäscher Blochgesellschaft zieht ihren Stamm jeweils bis nach Herisau und zurück. Kässelibuben in Clownkostüm mit ratternden Sammelbüchsen laufen dem Umzug oft weit voraus. An der Spitze des Zuges reiten Herolde, Burschen in historischen Kostümen, meistens auf stämmigen Bauernpferden. Das Bloch wird von paarweise gehenden Männern gezogen, die in Kleidung und Ausrüstung alle mit dem Werkstoff Holz zusammenhängende Berufe darstellen, also Holzer, Zimmerleute, Landwirte usw. Neben oder hinter dem Wagen her tappt ein Bär, der unterwegs mit der schaulustigen Bevölkerung allerlei Schabernack treibt, an der Kette geführt von einem zigeunerhaft aufgemachten Bärenführer. Am Abend wird das Bloch in Urnäsch auf dem Dorfplatz versteigert Die wilde Urner Maske Der Drapoling ist der ausgeprägteste und wildeste Urner Maskentyp. Der Name deutet auf italienischen Ursprung hin, denn der seltsame Name dürfte von «drappo» (Italienisch «Stoff») hergeleitet werden. Der Drapoling hat wohl vom Harlekin sein Kleid entlehnt. Der Drapoling ist eine Figur in der Urner Sagenwelt und Bestandteil des fasnächtlichen Geschehens. Als einzige, eigenständige Urner Maske vermochte er sich in die neue Zeit hinüber zu retten, allerdings nicht sehr zahlreich, so dass er heute vom Aussterben bedroht ist Er legt ein tolles und freches gebaren an den Tag und ist in ständiger Bewegung, damit die zahlreichen Schellen seines Gurtes unaufhörlich klingeln. Entweder rennt er mit grossen Schritten herum, was ein rhythmisches Geschell verursacht, oder trippelt unruhig an Ort, so dass die Glöcklein bedrohlich klingeln. Der Drapoling verfolgt die Leute auf der Strasse, vor allem natürlich junge Mädchen, und versucht sie mit den Stricken und Schweinsblasen zu schlagen. Er packt die strampelnden Buben und Mädchen und trägt sie in den Armen eine Strecke weit fort. Er dringt in die Wirtschaften und bringt eine von Fröhlichkeit und Schrecken gemischte Stimmung in die Lokale. Er hebt die Gäste mitsamt ihren Stühlen vom Boden empor, schaukelt sie hin und her und stellt sie schliesslich mit unsanftem Ruck wieder nieder, nicht ohne ihnen mit der Hand die Haare ordentlich zerzaust zu haben. Aber plötzlich, so unerwartet wie er gekommen ist, lässt er sein ausgelassenes Spiel und verschwindet wieder. Der Drapoling tritt selten allein auf, denn als Gruppe steigert sich die schreckhafte Wirkung noch, die er verbreitet. In Amsteg gab es einmal Drapolinge, die Reisbesen mit sich führten. Mit diesen kehrten sie die Strasse und fuhren dann plötzlich, ihre Arbeit unterbrechend, auf harmlose Zuschauer los. Im wesentlichen ist der Drapoling eine stumme Maske. Er spricht kein Wort und gibt abgesehen vom erwähnten Schellengeklirr keinen Laut von sich, was seine unheimliche Wirkung zweifelhaft wesentlich erhöht. Der Drapoling ist eine Maskenfigur, die nur im unteren Reusstal und im vorderen Schächental beheimatet ist. Er ist in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts noch bezeugt aus Altdorf, Schattdorf, Erstfeld, Silenen, Amsteg und Bürglen. Am stärksten vertreten ist er heute noch in der Gegend von Silenen-Amsteg. Das Auftreten des Drapolings ist auf die Fasnachtszeit beschränkt. Sein hauptsächlichster Tag ist aber heute ohne Zweifel der Schmutzige Donnerstag. Einsiedeln: Tüüfel, Sühudi, Joheen, Mummerien Die Fasnachtstage in Einsiedeln üben einen besonderen Reiz aus. Die religiöse Atmosphäre, welche die Wallfahrtsstätte prägt, mag bis heute dazu beitragen, dass im Klosterdorf das Bedürfnis gross ist, das wilde Fasnachtstreiben kurz vor der Fastenzeit intensiv auszuleben. Wie kaum anderswo in der Schweiz treffen in Einsiedeln zwischen dem Schmutzigen Donnerstag und dem Dienstag vor Aschermittwoch, die Sinnbilder des Guten und des Bösen so unvermittelt aufeinander. Dies vor allem dann, wenn am Güdelmontag die Kinder nach dem Besuch der Messe auf dem Klosterplatz dem leibhaftigen Teufel gegenüber stehen. Mächtig gross, mit gewaltigen Hörnern, mit einer Heugabel in der Hand und an einer Kette rasselnd, verschaffen sich die Gestalten gehörig Respekt Zum Gefolge der Tüüfel gehört eine unübersehbare Menge Sühudis, die an Hässlichkeit kaum zu übertreffen sind. Angeführt von den Trychlern, ziehen sie in einem unorganisierten, morgendlichen Umzug durch die Strassen und Gassen von Einsiedeln. Geordneter geht es gleichentags am Nachmittag zu und her, wenn der grosse Fasnachtsumzug startet, an dem sich meistens auch auswärtige Gruppen beteiligen Wie an anderen Orten auch, werden regionale oder landespolitische Ereignisse glossiert. Abends geht der Trubel in den Lokalen weiter. Mummerien Der Tüüfel ist aber nicht die einzige fasnächtliche Gestalt in Einsiedeln. Weitere uralte Narrenfiguren sind am Güdeldienstag beim Brotauswerfen zu sehen. Die Joheen, Sennen mit Kuhglocke und Tannreisbesen, und die Mummerien mit umgehängtem Pferdegeröll, die abgewirtschaftete Rosshändler darstellen, erscheinen umtanzt von den weissen Hörelibajassen, die Schweinsblasen schwingen. An mehreren Plätzen im Dorf werfen die Masken Joheen und Mummerien mit Holzlarven tonnenweise Brot in die dichtgedrängte Menschenmenge. Das ganze Zermoniell weist darauf hin, dass dieser Brauch bis ins Mittelalter zurückgeht. Die drei Maskentypen unterscheiden sich auch durch die Gangart: Die Joheen scheinen zu schweben, die Mummerien hüpfen und die Bajasse springen ständig auf und ab. Die Krienser Maskentypen Kriens ist im Kanton Luzern die eigentliche Hochburg der Maskenschnitzerei und dieses Brauchtum wird da auch etwa seit dem Jahre 1800 gepflegt. Zu den ältesten Masken gehören die sogenannten Murmasken von Gallus Rüttimann (1792-1867). Der wohl bekannteste Krienser Maskenschnitzer war Alois Blättler (1903-1978). Er hatte einen prägenden Einfluss auf die heutigen Holzmaskentypen. Die Krienser Larven zeichnen sich normalerweise durch einen typisch, stark ausgeprägten Gesichtsausdruck aus, der die Herkunft der Larve sofort Erkennbar macht. Heute wird zwischen Schreckmasken und Charaktermasken unterschieden. Daneben gibt es aber auch solche, die weder als Schreck- noch als Charaktermasken eingestuft werden können. Die Unterscheidung dieser beiden Maskentypen wurde erst von Alois Blättler sen. und dem Lehrer Franz Schütz konsequent ab etwa 1930-35 vollzogen. Vor l930 waren die Unterschiede nicht so markant. Bärnerwiib Die Charaktermasken sind fein ausgearbeitete Larven die Menschen Gesichter in den verschiedensten Merkmalen und Gesichtszügen darstellen. Als typische Fasnachtsgestalten gelten: Deckelböög, Bärnerwiib, Puuremaa, Puurewyb und Wöschwyb. Über die Herkunft dieser Figuren hört man von den Krienser Lokalhistorikern und Gallizünftlern Verschiedenes. Die Krienser Charaktermasken Art findet man heute praktisch im ganzen Kanton Luzern und noch weiter darüber hinaus. Der Deckelböög, Puuremaa und Bärnerwiib zählen zu den Schreckmasken und gelten im Volksglauben als personifizierte Waldgeister vom Pilatus. Nach einer anderen Deutung verkörpert der Deckelböög einen verwilderten Soldaten aus der Franzosenzeit. Worauf die obligatorische blau-weiss-rote Trikolore des Deckelkostüms hinweisen könnte. Die Maske taucht tatsächlich nach der Franzosenzeit erstmals 1820 in der Schweiz auf. Der Krienser Leon Schnyder meint, die Figur gehe auf einen Reisläufer in den Diensten König Ludwigs XVI. zurück, der sich nach dem Sturm auf die Bastille 1792 auf der Flucht befand und, mit einer Keule bewaffnet, in den Wäldern umher irrte. Wöschwiib Wöschwiib, Heubeeriwiib Chrüterwiib usw, die mit ihren dem Leben nachgebildeten, karikierten Charaktermasken, gelten als freundliche Begleiter der beiden Schreckmasken Bärnerwiib und Deckel. Die populäre Figur des Wöschwiibs tritt meist intrigierend in Gruppen auf. Das Kopftuch und ihr Kostüm sind aus kariertem Kölsch (Baumwollstoff). Als Attribut trägt sie ein kleines Waschbrett. Osterreichische und deutsche Mädchen, die nach dem 2. Weltkrieg in Luzern und Umgebung als Dienstmädchen und Wäscherinnen arbeiteten, gelten als Ursprung dieser populären Figur.