Arbeitsblatt: Herbstgedichte

Material-Details

verschiedene Gedichte zur Auswahl
Deutsch
Vorlesen / Vortragen / Erzählen
3. Schuljahr
10 Seiten

Statistik

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24.07.2016

Autor/in

Gianmarco Cuddè
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Die Schwalben Oktober Die Schwalben halten zwitschernd hoch auf dem Turme Rat. Die Älteste spricht bedenklich: „Der Herbst hat sich genaht. Es kommt eine Zeit da fragen wir uns Schon färben sich die Blätter, die Felder werden leer; bald tanzt kein einzig Mücklein im Strahl der Sonne mehr. „Seid ihr zur Reise fertig? Die Alten zwitschern: „Ja! Die Jungen fragen lustig: „Wohin? – „Nach Afrika! Wohl ists viel hundert Meilen von hier bis Afrika, doch kommt der Sommer wieder, sind auch die Schwalben da. Was soll denn nur werden Die Luft schmeckt so bitter Die Vögel sind über alle Berge Der Nebel macht die Häuser bleich Aufs Dach trommeln Kastanien Die kleinen Tiere gehen unter der Erde spazieren Julius Sturm Wir müssen ins Haus zurück da hält uns der Regen gefangen Elisabeth Borchers Der Tannenzapfen Hoher Herbst „Aus ists!, dachte er, als ihn der Wind vom Tannenbaum warf und forttrug geschwind. „Aus ists!; rief er. „Die Welt geht unter!, als an ihm ein Eichhörnchen munter nagte, dass in hohem Bogen Schuppen und Samen nur so flogen. Kastanie fällt. Die Walnuss wird geschlagen. Das nasse Obst: In Körben heimgetragen! Übers Jahr aus verstreuten Samen vier Tannentriebe zum Vorschein kamen: Den ersten nahm zum Frühstück ein Reh, der zweite erfror in zu wenig Schnee, der dritte hielt sich drei Jahre kaum – der vierte wurde ein grosser Baum. Der Wind aus West, der Regen treibt die Blätter. Das Astwerk bricht herab in schwerem Wetter. Die graue Zeit sinkt mit den Nebeln nieder. Die Kühle greift den Vögeln ins Gefieder. Hans Baumann Nur Rabenschrei verhallt in leeren Wäldern beim scharfen Rauch aus den Kartoffelfeldern. Karl Krolow Im Herbst Herbst Zwei Hasen hoppeln über die Stoppeln. Zwei ältere Herren mit ernstem Gesicht. Der eine spricht: Der Herbst bringt Äpfel und bringt Kohl, er ist von reifen Früchten voll, und tausend bunte Blätter wehen im Wirbelwind durch die Alleen. Der Herbst ist eine kühle Zeit. Die Drachen fliegen himmelweit, die Gans wird fett, das Jahr wird alt, und viele Blumen sterben bald. Doch darum braucht kein Mensch zu trauern: Es wird nur zwanzig Wochen dauern, dann keimt und blüht aufs neu die Welt, weshalb uns auch der Herbst gefällt. „Hier wuchs einmal Weizen. Wo ist er? Wo? Es ändert sich alles. Ists nicht so? Der andere entgegnet: „Da haben Sie recht. Erst ging es uns gut, bald geht es uns schlecht. Joseph Guggenmos Bruno Horst Bull Herbstlandschaft Der Wetterhahn Kartoffelsäcke am Raine! Das Laub des Ahorns glüht rot. Und mittags noch einmal die kleine Grillenmusik. Wie ein Boot zieht die herbstliche Wolke vorüber mit Schatten und Regengrau. Der Rübenacker liegt trüber unter dem Wäscheblau des kalten Himmels. Es fallen die Eckern im plötzlichen Wind. Und unter den Füssen knallen Schneebeeren, die reif nun sind. Wie hat sich sonst so schön der Hahn auf unserem Turm gedreht und damit jedem kundgetan, woher der Wind geweht. Karl Krolow Doch seit dem letzten Sturme hat er keinen rechten Lauf; er hängt so schief, er ist so matt, und keiner schaut mehr drauf. Jetzt leckt man den Finger halt und hält ihn hoch geschwind. Die Seite, wo der Finger kalt, von daher weht der Wind. Wilhelm Busch Der Herbst Draussen im Sturm Ich bin, das lässt sich nicht bestreiten, die herbste aller Jahreszeiten: Wer gegen den Sturm durch die Gegend geht, dass der Sturm allen Ärger aus ihm weht, Kehrt aus dem Gezerr und Gebrüll und Gebraus leichter und freier und froher nach Haus. raue Winde, scharf wie Säbel welke Wälder, graue Nebel. Die Vögel klagen leise, leise und gehen auf die Winterreise. Dann lischt die Sommersonne aus. Holt eure Gummischuhe raus! Masche Kaléko Josef Guggenmos Nebel Kastanien Ich stehe am Fenster und schaue hinaus. Ei! Seht doch: Verschwunden ist Nachbars Haus! Kommt alle, hier gibts was, hier liegt was im Gras. Sagt: Wo ist die Strasse, wo ist der Weg? Wo sind die Zäune, wo ist der Steg? Der Nebel bleibt hängen, hält alles versteckt, hat Strassen und Häuser ganz zugedeckt. Da liegen Kastanien. Zehn werfen wir bis Spanien. Ernst Kreidolf Aber die andern, die wir entdecken, tragen wir heim in unseren Säcken. Und machen dort aus den Kugeln, den braunen, eine Herde zum Staunen. Josef Guggenmos Der Herbst ist da Was der Nebel fertigbringt Schau an, den Baum! Plötzlich ist er bunt. Jedes Blatt ist wie im Traum statt grün heute rot. – Wer kennt den Grund? Er setzt jedem Busch einen Zauberhut auf, und die Büsche sind nicht mehr zu sehen. Wo kommt denn diese Farbe her für die Blätterpracht? Hat da wer drauflosgemalt, einfach über Nacht? Josefine Bienath Er setzt jedem Baum einen Zauberhut auf, und die Bäume sind nicht mehr zu sehen. Er setzt jedem Haus einen Zauberhut auf, und die Häuser sind nicht mehr zu sehen. Er setzt jedem Berg einen Zauberhut auf, und die Berge sind nicht mehr zu sehen. Setzt er sich dann selbst einen Zauberhut auf, ist der Nebel nicht mehr zu sehen – und Berge und Häuser fern und nah und Bäume und Büsche sind wieder da! Hans Baumann Ein Herbsttag Wind, Wind. Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! Die Luft ist still, als atmete man kaum, und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, die schönsten Früchte ab von jedem Baum. Draussen bläst ein starker Wind, zaust die Haare jedem Kind. Von den Bäumen fallen wieder gelb und braune Blätter nieder. Doch der Herbst bringt gute Gaben, Äpfel, Birnen solln wir haben. Trauben bringt er, zuckersüsse, Zwetschgen auch und viele Nüsse. Oh, stört sie nicht, die Feier der Natur! Dies ist die Lese, die sie selber hält, denn heute löst sich von den Zweigen nur, was von dem milden Strahl der Sonne fällt. unbekannt Christian Friedrich Hebbel Herbstgedicht Lampionumzug Langsam fällt jetzt Blatt für Blatt, von den bunten Bäumen ab. Wir kommen durch das schwarze Tor. Und jedes trägt ein Licht. Und jedes einen runden Kopf. Und jedes ein Gesicht. Jeder Weg ist dich besät und es raschelt, wenn man geht. Bunte Blätter falln vom Baum, schweben sacht, man hört es kaum. Plötzlich trägt der Wind sie fort, wirbelt sie von Ort zu Ort. Wie sie flattern, wie sie fliegen, sinken und am Boden liegen. unbekannt Wir tragen uns das Licht voraus. An jeder Tür vorbei. Und Sonne, Mond und Sterne ziehn mit uns in einer Reih. Wir ziehn, es zieht mit uns die Welt. Und jedes ist ein Kind. Und die Papierlaterne macht uns schöner, als wir sind. Und alle Schatten kommen mit. Und etwas Furcht kommt vor. Ein kleines Kind auch, das sich ganz ans runde Licht verlor. Wir gehen durch das schwarze Tor. Und jedes trägt ein Licht. Und jedes einen runden Kopf. Und jedes sein Gesicht. Fritz Gafner Nordisches Nebellied Der Herbst steht auf der Leiter Wer ist des Finstere, der über die Erde fährt? Er verschlingt das Wasser und den Wald und er liegt im Streit mit der Sonne, er fürchtet sich nicht vor den Menschen, er fürchtet sich nur vor dem Wind. Der Herbst steht auf der Leiter und malt die Blätter an, ein lustiger Waldarbeiter, ein froher Malersmann. Der Finstere ist der Nebel, der den Himmel verschliesst, den Wald frisst und das Wasser, der Sonne raubt er den Glanz. Und er flieht allein vor dem Wind. Anne Faber Er kleckst und pinselt fleissig auf jedes Blattgewächs und kommt ein frecher Zeisig, schwupp, kriegt der auch nen Klecks. Die Tanne spricht zum Herbste: Das ist ja fürchterlich, die andern Bäume färbste, was färbste nicht mal mich? Die Blättern flattern munter und finden sich so schön. Sie werden immer bunter. Am Ende falln sie runter. Peter Hacks