Arbeitsblatt: Behinderung

Material-Details

Basierend auf Materialien vom SPZ: Sinnesübungen, Querschnittlähmung, Hauptformen, Folgen, Komplikationen, Ursachen, Behandlungen, Verhalten
Pädagogik und Psychologie
Gesundheit und Krankheit
6. Schuljahr
18 Seiten

Statistik

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06.01.2017

Autor/in

Andrea Deck
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Behinderung – ein möglicher Ablauf Vor dem Thema: Rollstühle und evtl. Besuch im Paraplegikerzentrum organisieren 1. Woche Gleichzeitiger Start (wichtig: Thema geheim halten!) GA: Portrait einer unbekannten Person anhand eines Profilbildes erstellen Rollstuhl-Bilder zeigen. Und jetzt? Elternbrief mit Kindern besprechen, andere LPs wegen Rollstühlen informieren Rollstuhl-Liste und -Regeln besprechen (nicht aufstehen, vor WC stehen lassen) RB Den Traum ins Leben gerettet lesen Gespräch über das Thema Behinderung, Fragen besprechen HA: Hausaufgabenzettel besprechen 2. Woche Theorieblätter bearbeiten Sinnesübungen (waschen) Körperreise Rollstuhlrallye Teil 1 (ca. 15‘ pro Posten) 3. Woche Theorieblätter bearbeiten Rollstuhlrallye Teil 2 4. Woche Theorieblätter bearbeiten 5. Woche Test Ausflug ins Paraplegikerzentrum Thema Behinderung 6. Klasse Oktober/November 2016 1. Steckbrief Name: Alter: Wohnort: Beruf: (angestellt, selbständig)_ Zivilstand, Kinder:_ Hobby/Sport: Bevorzugtes Verkehrsmittel:_ Lieblingsessen, -getränk: Tagesbeginn, Aufstehen:_ Tagesende, zu Bett gehen:_ Was ist für sie/ ihn „in was „out: Bevorzugte Musikrichtung:_ Lebensmotto: Wie viel Zeit beansprucht die Morgentoilette: Wie könnte das Leben bisher verlaufen sein: Thema Behinderung 6. Klasse Oktober/November 2016 Infos zu den Personen (Bilder ohne Rollstuhl): Oben links: Name: Sabrina Laubscher Alter: 26 Jahre Beruf: Reitlehrerin Geschichte: Am 12. August 2008 hielt sich die 19-jährige Sabrina wie immer im Reitsportzentrum Kornwall auf. Hier hatte sie die dreijährige Lehre als Pferdepflegerin gemacht. Nach der Lehre wurde sie im Betrieb fix angestellt. Sie konnte sich nichts Besseres vorstellen, die Welt stand offen. Als sie mit einer Kollegin Stroh holen wollte, lösten sich ein paar Strohballen vom Stapel und donnerten zu Boden. Einer traf Sabrina am Kopf. Sie fiel zu Boden. „Ich habe geflucht, Schmerzen verspürte ich kaum. Aber ich hatte Angst, weil ich am Mund stark blutete und glaubte, dass ich mich innerlich verletzt hätte. Dabei hatte ich mir nur auf die Lippen gebissen. Aber dann ahnte sie, dass sie noch viel einschneidender verletzt war. „Ich hatte kein Gefühl mehr in den Beinen. Da war der Fall für mich klar. Mit der Ambulanz wurde sie ins Spital gefahren und notfallmässig operiert. Schon am nächsten Tag wurde sie nach Nottwil ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum verlegt. Unten links: Name: Jonas Beglinger Alter: 43 Jahre Beruf: Landschaftsarchitekt Geschichte: Jonas Beglinger war 1993 im bündnerischen Serneus mit knapp 20 Jahren in der 13. Woche der Rekrutenschule. Sein Zug schoss oberhalb des Ortes auf 2000 Metern mit scharfer Munition auf Scheiben. Es gab organisatorische Probleme, deshalb musste die Übung abgebrochen werden. „Ich hatte die Ski schon an, um den Gefechtsplatz zu verlassen. Er hörte einen lauten Knall und spürte, wie es ihm die Füsse unter dem Boden wegzog und er nach hinten fiel. Bei einem seiner Kollegen hatte sich Thema Behinderung versehentlich ein Schuss gelöst, der Jonas Beglinger aus nächster Nähe in den Bauch traf. „Ich merkte sofort, dass ich gelähmt war. Aber ich ging in diesem Moment sowieso davon aus, dass ich das nicht überlebe. Dieser Ansicht waren auch die Notfallärzte: „Sie sagten, sie hätten noch nie erlebt, dass jemand mit solchen Verletzungen noch durchkommt. Aber er habe halt ein Herz wie ein Stier gehabt, sagt Jonas Beglinger. Nach fünf Bauchoperationen und zwei Monaten auf der Intensivstation des Kantonsspitals Chur kam er schliesslich zur Erstrehabilitation nach Nottwil. Der kräftige Mann war von 75 auf 40 Kilogramm abgemagert. Psychisch ging es ihm anfangs nicht gut. Ein grosser Rückhalt war seine Familie, die ihm zur Seite stand. Oben rechts: Name: Sebastian Tobler Alter: 45 Jahre Beruf: Fachhochschullehrer Geschichte: Laufen, Velofahren, Skifahren, Schwimmen, Krafttraining – sportliche Herausforderungen hatten in Sebastian Toblers Leben einen hohen Stellenwert. Im Juli 2013 reist der 43-jährige Fachhochschullehrer in den Semesterfeien ins Trainingslager seines Clubs „La Pédale Bulloise im Bike Park von Plaffeien (FR). Dort fährt er mit dem Mountainbike in hoher Geschwindigkeit über die Piste, bis eine ungewohnt kurze Bodenerhöhung ihn aus dem Gleichgewicht wirft. Er wird in die Luft geschleudert und landet kopfvoran auf dem Boden. Wegen der Heftigkeit des Aufpralls zerbricht der Helm. Am Boden befühlt Sebastian mit der rechten Hand seinen Körper und spürt unterhalb des Schulterbereichs nichts mehr. Sofort denkt er an Querschnittlähmung. Sebastian Tobler wird notfallmässig mit dem Helikopter in die Spezialklinik in Nottwil geflogen und gleichentags während neun Stunden operiert. Sein linker Ellbogen und 6. Klasse Oktober/November 2016 zwei Halswirbel sind gebrochen. Die Ärzte des Schweizer Paraplegiker-Zentrums sollten seinen Verdacht bestätigen: Sebastian wird mit einer inkompletten Tetraplegie leben müssen. Unten rechts: Name: Licia Mussinelli Alter: 15 Jahre Beruf: Sekundarschülerin Geschichte: Licia will immer besser werden. Dafür trainiert sie zehn Stunden pro Woche, zweimal in Nottwil, ansonsten zu Hause auf der Rolle. Daneben besucht sie die dritte Klasse der Sekundarschule in einer Talentförderklasse. Sie ist seit Geburt wegen einer Spina bifida gelähmt. Spina Thema Behinderung bifida ist ein sogenannter offener Rücken oder eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Bereits als einjährige bekam sie ihren ersten Rollstuhl und übte in der Zeit, in der andere laufen lernen, den Umgang mit ihrem Gefährt. Oft und gerne spielte sie Fangen mit ihren zwei Geschwistern und den Nachbarkindern. Mit sechs begann Licia sich sportlich zu betätigen und machte in verschiedenen Rollstuhlclubs mit. „Das war mir aber bald zu wenig. Ich wollte mehr Herausforderung, sagt sie. Und so stieg sie in Nottwil zum ersten Mal in einen Rennrollstuhl. Heute sagt sie: „Ich will Spitzensportlerin werden. Mein höchstes Ziel sind die Paralympics. In Tokio 2020 dabei zu sein, wäre cool. 6. Klasse Oktober/November 2016 Material, das von zu Hause mitgenommen werden muss: Waschlappen und Tüchlein Kleines Becken oder Schüssel Milde Seife und Gesichtscrème Skihandschuhe Material, das von zu Hause mitgenommen werden muss: Waschlappen und Tüchlein Kleines Becken oder Schüssel Milde Seife und Gesichtscrème Skihandschuhe Material, das von zu Hause mitgenommen werden muss: Waschlappen und Tüchlein Kleines Becken oder Schüssel Milde Seife und Gesichtscrème Skihandschuh Material, das von zu Hause mitgenommen werden muss: Waschlappen und Tüchlein Kleines Becken oder Schüssel Milde Seife und Gesichtscrème Skihandschuhe Material, das von zu Hause mitgenommen werden muss: Waschlappen und Tüchlein Kleines Becken oder Schüssel Milde Seife und Gesichtscrème Skihandschuhe Material, das von zu Hause mitgenommen werden muss: Waschlappen und Tüchlein Kleines Becken oder Schüssel Milde Seife und Gesichtscrème Skihandschuhe Sinnesübungen: Körper Ziel: Wahrnehmung des Körpers Material: CD, Schüssel, Seife, Gesichtscreme, lauwarmes Wasser, Lappen, Tüchlein, Schuhe, Jacke, Socken, Joghurt, Handschuhe, Faden, Nadel Aufgaben Körperreise: ruhige Atmosphäre (ev. Musik), genügend Platz (ev. Aula) Du liegst am Boden und schaust an die Decke. Stell dir vor, dass du einen Unfall erlitten hast und nun wochenlang unselbständig so liegen musst. Versuche, jeden Teil deines Körpers ganz genau zu spüren! Kannst du dein Hobby noch ausüben? Wie wird es zu Hause sein? . Partnerübungen: Material bereitstellen (Schüssel, Seife, Gesichtscreme, lauwarmes Wasser, Lappen) Du liegst am Boden und schliesst die Augen. Dein Partner tritt wortlos zu dir und bewegt dich an Armen und Beinen. Dein Partner tritt zu dir, um dich zu pflegen. Er erklärt dir, was er macht: Wasche deinem Partner das Gesicht Arm. Nimm eine neutrale Gesichtscrème und pflege deinem Partner das Gesicht Arm. Material: Schuhe, Socken, Jacke Joghurt Dein Partner zieht dir die Schuhe, Socken, Jacke aus und wieder an. Dein Partner füttert dich mit einem Joghurt. Einzelarbeit: Material: Handschuhe, Faden und Nadel Versuche mit den Handschuhen einen Faden einzufädeln. 2. Den Traum ins Leben gerettet Zum Glück im besten Sinne fehlt der Familie Leemann in Zug nichts. Lebensfreude und Erfolg sind häufige Begleiter im Alltag. Die vier heranwachsenden Kinder haben eine verheissungsvolle Zukunft vor sich. Manuela, die Zweitälteste, hat soeben alle Vorbereitungen für ein Austauschjahr in den USA getroffen. Da ereignete sich bei einem Wettkampf ein Unfall mit fatalen Folgen für Manuela Leemann. Sie bricht sich die Halswirbelsäule und erleidet eine Tetraplegie. Ehe das Leben richtig begonnen hat, liegen ihre Pläne und Träume in Trümmern. Der Stundenplan stellt wieder einmal hohe Anforderungen an das Temperament von Manuela, die sich im Stillsitzen schwer tut: zwei Stunden Mathematik, Test in Geometrie und zur Krönung eine Stunde Physik. „Tschüss Mami! Leichtfüssig rennt die 16-jährige trotzdem gutgelaunt davon. Fünf Minuten später haben die vier Kinder der Familie Leemann das Haus verlassen. Die Mutter, Margerita Leemann, legt betont leise die Haustüre ins Schloss, atmet tief durch und blickt dem aufgeweckten Nachwuchs lächelnd durchs Fenster nach: Harald, Manuela, Angelika und Rainer – zwischen 17 und 12 Jahre alt. Die Vitalität ihrer Kinder ist ihr weder fremd noch ein Rätsel. Margerita ist selber erst so richtig im Element, wenn es rundherum wirbelt und sie als Ehefrau, Mutter, Haus- und Berufsfrau gefordert ist. Die ganze Familie ist sportlich und Sport macht körperlich fit und ist Kitt für so manche Fugen im Alltag. Energiebündel Manuela Manuela ist ein ausgesprochenes Energiebündel und immer in Bewegung. Die sportliche, hübsche Brünette ist ein Multitalent, überall, wo sie mitmacht, hat sie Erfolg: In den Skirennen erringt sie beachtliche Platzierungen, im Volleyball schafft ihr Team die Qualifikation für die Schweizer Meisterschaften, auf dem Tennisplatz ist sie eine variantenreiche Gegnerin und im Handball begehrtes Teammitglied. Ihre hervorragenden Eigenschaften sind zudem gute Laune, ein lachendes Gesicht, stets in Aktion; eine Kameradin, mit der man Pferde stehlen kann. Hindernislauf In der zweitletzten Sommerferienwoche im August 1997 nimmt Manuela mit dem Skiclub am jährlichen Wettkampf-Wochenende in Arosa teil. Es messen sich 90 Mannschaften. Der 3. Platz ist für die Zuger Mannschaft in Griffweite. Der Entscheid fällt im nächsten Durchgang. Manuela ist dran. Sie muss durch zwei mit Turnmatten gepolsterte Bankbalken, wie durch einen Tunnel schlüpfen. Das Publikum spornt mit Zurufen an, Manuela setzt kämpferisch alles ein, ist schnell wie ein Wiesel, es geht nur noch um Sekunden. Sie hechtet mit dem Körper Richtung Hindernis. Bei gebeugtem Hals schlägt sie mit dem Kopf auf – und bleibt ausgestreckt reglos liegen. „Ich bin gelähmt! schisst es ihr durch den Kopf. Es ist ein innerer Aufschrei. Zerstörte Nervenbahnen Manuela hat das Glück, korrekt geborgen und mit einem Halskragen versorgt, für den Helikoptertransport vorbereitet zu werden. Sie hat keine Schmerzen, fühlt sich jedoch immer noch in unbequemer Kauerstellung, trotzdem man ihr versichert, dass sie flach auf der Vakuummatratze gelagert ist. Das Hirn hat die letzte Körperstellung, vor der Verletzung des Halsmarkes, gespeichert und gibt diese Information dauernd an das Bewusstsein ab, weil die durchtrennten Nervenbahnen keine neue Meldung mehr durchgeben können. Die Mutter erfährt als Erste die schreckliche Nachricht. Wie im Traum beginnt sie zu Hause alles zu organisieren. Tausend Gedanken gehen ihr durch den Kopf. „Ich werde für dich da sein, Manuela, wie damals, nach der Geburt. Du kannst auf mich zählen, wenn nötig lebenslang. Margerita Leemann erreicht ihren Mann am Natel im Sportflugzeug während eines Rundfluges mit den Söhnen Rainer und Harald. Unverzüglich nehmen sie Kurs Richtung Flugplatz Bad Ragaz. Manuela wird zu diesem Zeitpunkt schon operiert. Der Vater, selber Arzt, sieht in den Röntgenbildern die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Fraktur des 5. Halswirbelkörpers, Zerstörung des Halsmarkes, Tetraplegie. Ja, Manuela ist gelähmt. Die Welt bricht zusammen. Im Schmerz rückt die Familie noch näher zusammen. Es vergehen qualvolle Stunden des Wartens, bis die schwer verletzte Tochter und Schwester aus der Narkose erwacht. Am Tag darauf wird Manuel mit dem Helikopter ins Schweizerische Paraplegiker-Zentrum Nottwil verlegt und dort auf die Intensivstation gebracht. Die Eltern stehen am Bett. Dem Leben eine Chance geben Da kommt Doktor Guido A. Zäch ins Zimmer. Er erfasst die Situation und nimmt die Hand der jungen Patientin: „Manuela, du wirst die Matura machen. Sicher sagt er noch anderes, aber dieser eine Satz löst Unglaubliches aus. „Diese Worte haben uns gerettet. Wir werden sie nie vergessen. Der Bann ist gebrochen, die Türe aufgestossen. Erste Besucher kamen schon bald. Es war schwierig für beide Seiten. Manuela erzählt: „ Sie wussten nicht, was sie sagen sollten und hatten Tränen in den Augen. Da musste ich auch beinahe weinen und begann sofort zu plaudern, damit sie hören konnten, dass ich normal schwatzen kann! Sie fühlte sich wohl in der guten Atmosphäre des SPZ Nottwil. Mit Eifer engagierte sie sich in Therapien und klammerte sich an die stille Hoffnung, dass sich die Lähmung teilweise vielleicht doch noch bessern würde. Im Verlauf der Wochen trat tatsächlich eine Erholung ein, die Manuela wesentliche Funktionen zuerst im linken, später auch im rechten Arm zurückgaben. „Ein unbeschreibliches Geschenk – es sind Welten, die ich zurückgewonnen habe, freut sie sich, auch wenn man von aussen kaum einen Unterschied sieht. Sie verabscheute Hilfsmittel, strengte sich deshalb enorm an und liess sich von erfahrenen Tetraplegikern schon früh Trickbewegungen zeigen. Die Erstrehabilitation dauerte acht Monate. Am 21. April konnte Manuela ins Elternhaus zurückkehren, das in der Zwischenzeit rollstuhlgängig umgebaut worden war. 3. Was ist eine Querschnittlähmung? Von einer Querschnittlähmung spricht man, wenn durch Unfall oder Krankheit das Rückenmark verletzt oder geschädigt ist und in der Folge Lähmungen auftreten. Das Rückenmark ist ein kleinfingerdicker Strang von Nerven, der knöchern geschützt im Wirbelkanal verläuft. Das Erleiden einer Querschnittlähmung ist wohl einer der härtesten gesundheitlichen Schicksalsschläge, die einen Menschen treffen können. Die durch Unfall Querschnittgelähmten sind in der Regel junge Menschen, im Durchschnitt 27 Jahre alt. 1 2 3 4 5 Nerv Nervenzellen Leitungsbahnen Wirbelkörper Wirbel Beschrifte die Ansicht der Wirbelsäule mit folgenden Wörtern: Brustwirbelsäule, Halswirbelsäule, Steissbein, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein 4. 4. Die Hauptformen der Querschnittlähmungen Die Querschnittlähmung ist bis heute nicht heilbar, weil das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) nicht regeneriert. Man unterscheidet zwei Hauptformen von Querschnittlähmungen: Paraplegie Eine Paraplegie ist die Folge einer Schädigung des Rückenmarks auf der Höhe der Brust oder Lendenwirbelsäule mit Lähmungen des Rumpfes und der Beine. Ein Paraplegiker ist in der Regel in den Verrichtungen des täglichen Lebens selbständig und nicht auf fremde Hilfe angewiesen, da er seine Arme und Hände vollumfänglich gebrauchen kann. Tetraplegie Eine Tetraplegie ist die Folge einer Schädigung des Rückenmarks auf Höhe der Halswirbel. Ist das Rückenmark auf der Höhe des 4. Halswirbelkörpers und höher betroffen, kann der Patient nicht selber atmen und muss deshalb künstlich beatmet werden. Dort entspringt der Nerv, der das Zwerchfell, unseren Hauptatmungsmuskel, versorgt. Ein Tetraplegiker ist in der Regel auf fremde Hilfe in den täglichen Verrichtungen angewiesen. Umso mehr, je höher die Schädigung am Halsrückenmark liegt. 5. Folgen der Rückenmarksschädigung auf den Körper Lähmung der Muskeln Die Lähmung der Muskeln ist die offensichtlichste Folge der Rückenmarksschädigung. Oft ist ein Rollstuhl zur Fortbewegung unumgänglich. Nicht sichtbar sind aber andere Störungen von Körperfunktionen. Zusätzlich zu den Lähmungen beeinträchtigen sie den Betroffenen erheblich. Empfindungsstörungen Es liegen immer auch Empfindungsstörungen vor. Sie betreffen den Sinn für Berührung, Wärme-/Kälteempfindung, Vibration, Schmerz und Lage im Raum. Diese Empfindungen können ganz oder nur teilweise ausfallen. Deshalb ist der Querschnittgelähmte gefährdet für Verbrennungen oder aber Druckstellen. Im gelähmten Bereich des Körpers kann die Haut diese Empfindungen nicht mehr wahrnehmen. Blasen-, Darm- und Sexualfunktionsstörungen Es handelt sich hier um einen Verlust der Kontrolle von Blasen- und Darmschliessmuskel. Ebenfalls ist die Sexualfunktion gestört. Es ist aber möglich, dass querschnittgelähmte Menschen Kinder zeugen oder bekommen können. Störungen innerer Organe und der Atemfunktion Weiter können Störungen der inneren Organe auftreten. Beim Tetraplegiker nimmt z.B. die Herzfrequenz deutlich ab. Störungen der Atemfunktion sind bei hoher Paraplegie und bei Tetraplegie zu erwarten, da die Zwischenrippenmuskeln teilweise oder ganz ausfallen. 6. Komplikationen Querschnittlähmung bei Aufgrund der Folgen der Rückenmarksschädigung kommt es häufig zu Komplikationen. Infektionen von Blase und Nieren, der Lunge oder aber der Haut sind häufig. Druckgeschwüre sind leider auch eine häufige Komplikation. Durch Druck kommt es zum Absterben von Hautarealen, Muskulatur und sogar teilweise Knochen, beispielsweise durch zu langes Sitzen auf der gleichen Stelle. Spastik ist eine erhöhte Muskelspannung im gelähmten Gebiet, die den Patienten sehr stören kann. Nicht kontrollierte Muskelzuckungen können auftreten. Schmerzen sind eine häufige Komplikation bei Querschnittlähmung und vergleichbar mit dem Phantomschmerz beim Amputierten. Wegen der Trägheit des Darmes nach Lähmung ist die Verstopfung eher die Regel als die Ausnahme. 7. Forschung bei Querschnittlähmung Die Querschnittlähmung ist nicht heilbar. Ein Teil der Forschung richtet sich jedoch auf die stetige Verbesserung von Hilfsmitteln aus. Es wurde eine Zungenmaus entwickelt, die es dem höchstgelähmten, dauerbeatmeten Tetraplegiker ermöglicht, seine PC mit einer Maus, die auf einer Gaumenplatte montiert ist, zu bedienen. Er steuert die Maus mit der Zunge und klickt durch Zusammenbeissen der Zähne. Die Forschung hat aber ihr Interesse auf die Regenerationsmöglichkeit des zentralen Nervensystems gelenkt. 8. Ursachen der Querschnittlähmung Man unterscheidet im Wesentlichen krankheitsbedingte Querschnittlähmungen: unfall- und Unfälle 75% aller Querschnittlähmungen sind unfallbedingt. In unserem Land steht an erster Stelle der Verkehrsunfall (50%). Dabei ist der Autounfall wesentlich häufiger als der Motorradunfall und alle übrigen Verkehrsunfälle. Danach kommen mit etwa einem Viertel die Sport- und Freizeitunfälle. Fast jeder Sport kann zur Verletzung der Wirbelsäule und Schädigung des Rückenmarkes mit Querschnittlähmungsfolge führen, z.B. Gleitschirmfliegen, Skifahren, Tauchen, Reiten, Schwingen, Velofahren usw. Arbeitsunfälle sind die nächste grosse Gruppe. Dabei handelt es sich häufig um Sturz vom Baugerüst, Sturz im Haushalt, Sturz von der Leiter und vieles mehr. Krankheiten Bei den 25% krankheitsbedingten Querschnittlähmungen unterscheidet man vier grosse Gruppen von Gesundheitsstörungen: Verbinde die Krankheiten mit der richtigen Erklärung. Infektionen Tumoren 0 Systemerkrankunge o Degenerative Erkrankungen Dies sind Erkrankungen, deren Ursachen man in der Regel nicht kennt. Sie befallen das zentrale Nervensystem, z.B. die MS (Multiple Sklerose). Dies sind Störungen, die vor allem bei älteren Leuten auftreten. Sie betreffen entweder die Wirbelsäule mit Auswirkungen auf das Rückenmark oder aber bestimmte Zellen des Rückenmarkes selber, z.B. der Bandscheibenvorfall. Das sind Krankheiten, die durch Erreger (Bakterien, Viren, Pilze) verursacht werden können. Sie führen zu einer Schädigung des Rückenmarkes, z.B. AIDS, durch Zecken übertragene Krankheiten, . Hier handelt es sich um Wucherungen, die das zentrale Nervensystem befallen. 9. Behandlung der Querschnittlähmung Die Behandlung Querschnittgelähmter in der Schweiz richtet sich nach dem von Doktor Guido A. Zäch entwickelten Konzept der ganzheitlichen Rehabilitation. Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil, die Schweizer Paraplegiker-Stiftung in Basel und die Schweizer ParaplegikerVereinigung in Nottwil bilden dabei den Dreiklang der Hilfe für Querschnittgelähmte in unserm Land. Vier Phasen der Behandlung werden unterschieden: 1. Unfallort Helfen darf nur, wer nicht schadet. Zur Bergung und Lagerung sind 45 Helfer mit Erfahrung nötig. Die ersten Stunden nach erlittener Querschnittlähmung sind entscheidend. Der schonendste Transport geschieht durch die REGA. Eine sofortige Gabe von hochdosierten Spezialmedikamenten ist nötig, um einen weiteren Schaden am Rückenmark zu vermeiden. Innerhalb von 6 Stunden sollte die definitive Versorgung der verletzten Wirbelsäule erfolgen. 2. Akutphase Bei der Akutphase spricht man von der Erstversorgung. Oft wird eine operative, Korrektur der Fehlstellung der Wirbelsäule gemacht, damit das Rückenmark wieder Platz hat und kann, falls es nicht vollständig zerstört ist, sich wieder erholen. 3. Rehabilitationsphase Diese Phase ist gekennzeichnet durch Training der noch vorhandenen Körperfunktionen, durch das Erlernen des Rollstuhlfahrens, durch das Üben des Umgangs mit dem gelähmten Körper und den gezielten Einsatz von Hilfsmitteln. Ziel ist es eine grösstmögliche Selbständigkeit bei kleinstnötiger Abhängigkeit von fremder Hilfe zu erreichen. Dazu braucht ein Paraplegiker im Schnitt 4-5 Monate, ein Tetraplegiker im Schnitt 7-8 Monate. Dies erfolgt in einer Spezialklinik. 4. Lebenslange Nachsorge Eine lebenslange Nachbetreuung der Querschnittgelähmten ist notwendig. Es gilt Komplikationen durch regelmässige Kontrolluntersuchungen zu vermeiden oder aber frühzeitig zu erkennen. 10. Ausscheidung: Urin, Darmentleerung, Schweiss Bei der Querschnittlähmung sind Blasen- und Darmfunktion sowie die Schweissabsonderung gestört. Dies beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich und verursacht Missempfindung und Unsicherheit. Zum Teil muss bei der Darmentleerung und bei der Urinausscheidung Hilfe in Anspruch genommen werden. Urin Ein grosser Teil der Querschnittgelähmten benutzt, um Wasser zu lösen, einen Katheter (röhrenförmiges Instrument, durch das eine Flüssigkeit abgeleitet wird). Mit Hilfe eines sterilen Gleitmittels wird ein Röhrchen durch die Harnröhre bis in die Blase geschoben, nun kann Urin ausfliessen. Ein grosses Problem bei der Katheterisierung von Männern und Frauen ist die Übertragung von Bakterien in die Blase, was häufig zu Entzündungen führt. Blasenentzündungen können sehr gefährlich sein, die Folgen gehörten früher bei den Gelähmten zu den häufigsten Todesursachen! Dank heutigem Wissen um die Vorbeugung (viel trinken) und den grösseren Erkenntnissen der Medizin können ihre Folgen heute in Schranken gehalten werden. Bei Frauen kann um normales Wasser zu lösen ein Blasensimulator notwendig sein. Dies ist ein kleiner Apparat, der die Blase durch die Bauchdecke reizt, um dem Muskel den Befehl zur Leerung zu geben. Darmentleerung Die Darmentleerung ist bei allen querschnittgelähmten Personen gestört. Die Funktion des Darms, der die verdaute Nahrung zur Ausscheidung führt, ist durch die Lähmung und durch Bewegungsmangel gestört. Durch natürlich abführende Produkte, wie z.B. Leinsamen, Kleie oder Feigensirup oder allenfalls medikamentös, kann der Stuhl weich gehalten und die verbleibenden Funktionen des Darms angeregt und optimal ausgenützt werden. Der Rollstuhlfahrer kann die Darmtätigkeit durch Bauchmassagen unterstützen. Ist der Darm nicht mehr ausscheidungsfähig, muss der Stuhl, um keine Verstopfung hervorzurufen von einer Hilfsperson manuell abgeführt werden. Schweissabsonderung Bei hochgelähmten Para- und Tetraplegikern ist die Funktion der Wasserabsonderung über die Haut gestört. Sie können auch bei grosser Hitze nicht schwitzen. Bei hohen Temperaturen müssen sie deshalb von Zeit zu Zeit mit einer Sprühflasche gekühlt werden. Direkte Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden, ausserdem muss die Kleidung besonders gut dem Wetter angepasst werden: ein Sonnenhut wird zum wichtigen Utensil. Schwitzen kann aber auch Ausdruck einer Körperstörung sein und muss deshalb eventuell als Alarmzeichen gewertet werden (Fieber, Infektionen, Schmerz, der nicht anders wahrgenommen werden kann). 11. Was kann ich tun? Alles über den richtigen Umgang mit behinderten Menschen. Hast du schon einmal mit einem behinderten Menschen gesprochen? Dann hast du vielen Kindern und Jugendlichen etwas voraus, denn die meisten trauen sich gar nicht erst, einen Menschen mit Behinderung anzuschauen, geschweige denn, ihn direkt anzusprechen. Meist will man den anderen mit Fragen nicht peinlich berühren. Obwohl sich viele Menschen mit einer Behinderung über eine direkte Ansprache und ein Gespräch freuen würden! Setze die Titel der Abschnitte am richtigen Ort ein: Abgeblitzt, na und? Keine Angst! Der hört doch eh nix! Direkt ansprechen! Vorsicht, Blindenhund! Erst fragen, dann helfen! Jeden ernst nehmen! Geduldig zuhören! Menschen mit einer Behinderung sind oft nicht weniger glücklich als Nichtbehinderte und freuen sich über ihr Leben. Deswegen ist Mitleid unangebracht. Dass man aber eine Hemmschwelle hat, ist etwas Normales. Am besten gehst du offen auf sie zu und sagst: „Darf ich Sie etwas fragen? Wenn der Behinderte bejaht, legst du los mit den Fragen, die dir auf der Zunge brennen. Wenn er verneint, lässt du es. Wenn du einem Menschen mit Behinderung helfen willst, dann frage ihn vorher, ob er das auch möchte. Du kannst Rollstuhlfahrern oder anderen körperlich Behinderten hierbei deine Hilfe anbieten: Türe öffnen, Hilfe beim Treppensteigen, Stützen, um die Trottoirkante zu bewältigen oder bei Glätte. Achtung: Wenn du hilfst, frage nach, wie du es am besten tun kannst und achte auf die Anweisungen des Behinderten. Wenn du einen Rollstuhlfahrer fragst, ob du ihm helfen sollst, dann ist das wunderbar! Es kann aber sein, dass er deine Hilfe ablehnt, weil er eine Hürde selbstständig nehmen kann. Das ist völlig okay und du darfst stolz auf dich sein, dass du deine Hilfe zumindest angeboten hast. Der Rollstuhlfahrer muss auch Vertrauen in dich haben, denn er ist dir völlig ausgeliefert, wenn du seinen Rollstuhl stösst. Einen blinden Menschen solltest du immer von vorne ansprechen, damit er dich wahrnimmt. Viele Blinde erschrecken, wenn sie ohne Ankündigung berührt werden. Auch hier gilt: erst fragen, dann helfen. Wenn du einem Blinden über die Strasse hilfst, kannst du ihn ruhig an der Hand nehmen und sagen, was du siehst, z.B. wenn eine Pfütze oder ein anderes Hindernis naht. Vorsicht: Hat der Blinde einen Blindenhund dabei, darfst du den Blinden nicht einfach so anfassen! Der Hund könnte dich beissen. Dennoch kannst du gehörlosen Menschen helfen. Viele Gehörlose können Lippen lesen! Dafür musst du allerdings langsam und deutlich in normaler Lautstärke und ohne Übertreibung sprechen. Wenn du Gesten hinzufügst, wirst du dich bestimmt mit einem Gehörlosen unterhalten können. Wird es zu kompliziert, schreibst du einfach auf, was du sagen willst. Wenn du einen Menschen mit einer Sprachbehinderung triffst, dann solltest du ihm geduldig zuhören. Die meisten Sprachbehinderten sprechen noch schlechter, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlen. Wenn du selbst sprichst, dann verstell dich nicht, sondern sprich deutlich und normal und nicht in Babysprache! Jeder behinderte Mensch, egal ob geistig oder körperlich, leicht oder schwer behindert, möchte wie du auch – ernst genommen werden. Geistig behinderte Menschen verstehen viel mehr, als allgemein angenommen wird. Deswegen sollen Höflichkeit und Freundlichkeit selbstverständlich sein. Du kannst jeden Menschen behindert oder nicht direkt ansprechen und brauchst keinen Umweg über den Begleiter zu gehen. Das zeugt von Respekt und du wirst sehen – in den meisten Fällen bekommst du eine Reaktion zurück. Und wer sagt denn, dass man immer nur mit Wörtern kommunizieren kann? Manchmal sagen Blicke mehr als tausend Worte! 12.Stefan Caviezel: das Unbegreifliche meistern Im Sommer 1999 traf im Sekretariat der Schweizer Paraplegiker-Stiftung ein Brief ein, der Aufsehen erregte. Absender war Stefan Caviezel, ein achtjähriger Bub aus dem Bündnerland. Er vermachte sein Sackgeld der Unterstützung Querschnittgelähmter. Weniger als vier Jahre später ereilte ihn dasselbe harte Schicksal. Nach einem folgenschweren Unglück ist Stefan Caviezel dabei, sich auf ein Leben im Rollstuhl vorzubereiten. Die Botschaft in Primarschulschrift ging unter die Haut: Liabs Parapelgikerzentrum, Stefan Caviezel 8 Johr alt, möchta mis Sackgeld, statt für derscht Augustsacha, Ina spenda für guta Zweck. liaba Gruas vom Stefan Caviezel Am Brief war mit einer Büroklammer ein Zwanzigernötli befestigt. Stefan ist ein lebhafter und doch sensibler Junge, der kaum stillsitzen kann und fast immer draussen anzutreffen ist, egal ob die Sonne scheint oder ob es Bindfäden regnet. Ein neugieriger Naturbub, stets in Bewegung und auf Entdeckung aus. Im Winter ist ihm kein Skihang zu steil. Stefan kann aber auch stundenlang mit der Angel neben Vater Alfred am Hinterrhein oder mit Freunden am Walensee stehen und fischen. Sein bisheriger Rekordfang war eine Bachforelle länger als das Schullineal. Er hat viele Wünsche . Aber wie auch immer: Diesmal wollte Stefan sein Sackgeld den Querschnittgelähmten schenken. Eine verlockende Einladung Gründonnerstag 2003 – es ist der 17. April. Schulfrei. Nix wie raus aus dem Schulhaus. Öfter verbringt Stefan seine Freizeit auch mit dem Forstwart, einem guten Bekannten der Familie, der einen imposanten Lastwagen fährt. Heute muss oben im Murgtal Holz geholt werden. „Willst du mitkommen, Stefan? Als ob es da einen Zweifel geben könnte. Flink klettert der Junge auf den Beifahrersitz und ist schneller in der Fahrerkabine als der Chauffeur. Auf der Fahrt plaudern die beiden ungezwungen. Stefan stellt wie immer Fragen. Er interessiert sich für alle technischen Details des Lastwagens. Fataler Sturz nach hinten Auf dem Umladeplatz im Wald angekommen, steigt Stefan aus und schaut zu, wie der Laster zum Aufladen des Holzes rückwärts manövriert werden muss. Zwei schwere Baumstämme liegen mit kleinem Abstand hintereinander am Boden. Stefan stellt sich auf den vorderen, um besser zuschauen zu können. Plötzlich gerät dieser Baum ins Rollen, der Knabe verliert das Gleichgewicht und fällt nach hinten. Er gerät mit dem Gesäss zwischen die beiden Stämme und wird mit der ganzen Wucht des rollenden Baumstammes gegen den anderen zusammengeklappt wie ein Sackmesser. Vor Schmerz schreit der Knabe laut auf. Sofort stellt er Empfindungslosigkeit in beiden Beinen fest und weiss blitzartig, dass jetzt etwas gar nicht mehr gut ist. Das Ambulanzfahrzeug ist schnell da. Der Fahrer erfasst die Situation augenblicklich präzise und handelt folgerichtig. Ruhig, aber bestimmt erklärt er, dass die Symptome der empfindungslosen und bewegungsunfähigen Beine auf eine gravierende Verletzung der Wirbelsäule und des Rückenmarkes schliessen lassen, die so schnell wie möglich in die Hände von Spezialisten gehört. Die REGA wird alarmiert und es geht nicht lange, bis der Rettungshelikopter in der Nähe des Unfallplatzes aufsetzt. Stefan ist ein grosser REGA-Fan. Trotz heftiger Schmerzen versucht er, möglichst viel mitzubekommen. Er beisst auf die Zähne. Auf Vakuummatratze und Schaufelbahre sorgfältig und stabil gelagert, fliegt der kleine Patient direkt Richtung Schweizer Paraplegiker-Zentrum Nottwil. Der Baumstamm, der ihn erdrückt hat, war 5 Meter lang, 38 Zentimeter im Durchmesser und eine halbe Tonne schwer. Die Eltern trifft die Unfallnachricht wie ein Blitzschlag. Sie fahren sofort nach Nottwil. Fachgerechte Erstversorgung Im Schweizerischen Paraplegiker-Zentrum treffen die Eltern gerade rechtzeitig ein, um Stefan noch zu sehen, bevor er in den Operationssaal gefahren wird. Die Wirbelsäule ist zwischen dem 10. und 11. Brustwirbel verschoben, das Rückenmark ist auf dieser Höhe zerquetscht. Die verschobenen Wirbelkörper müssen wieder gerichtet und operativ stabilisiert werden, damit die Wirbelsäule ihre tragende Funktion wieder gewährleisten kann. Damit wird auch das Rückenmark vom Druck entlastet und ihm so die Voraussetzung gegeben, sich zu erholen. Leider hat die schwere Rückenmarkverletzung eine komplette Paraplegie zur Folge. „Ich kann vielleicht nie mehr gehen, sagt er tapfer zu seinen Eltern und seinem besten Freund Gabriel, „warum muss gerade mir das passieren, obwohl ich doch einmal etwas gespendet habe? Das ist eigentlich nicht fair, oder? Der Junge hat ungeschminkt ausgesprochen, was alle denken. Doch Stefan gibt nicht auf. Er wartet neugierig auf die erste Bewegung mit dem Rollstuhl. Er hat vom Bett aus seinen Kollegen genau zugeschaut und kann es kaum erwarten, das Gefährt endlich selber ausprobieren zu können. Vorerst fordert die Liegezeit aber noch Geduld, nicht gerade seine Stärke eines 12-jährigen. Stefan kämpft tapfer und wird dabei unterstützt. Den Transfer vom Bett in den Rollstuhl schafft Stefan auf Anhieb. Und kaum sitzt er richtig in seinem Gefährt, beginnt er Pirouetten zu drehen und will bereits das Kippen auf zwei Rädern lernen. Seine Klasse macht die Schulreise nach Nottwil und Stefan zeigt seinen Kameraden, dass er im Paraplegiker-Zentrum zusätzlich zu den Therapien auch Schulunterricht bekommt, damit er nach dem Abschluss des Klinikaufenthaltes wieder in die gleiche Klasse zurückkehren kann. Im Schulhaus in Mols wird zurzeit ein Lift eingebaut. Licht trotz vielen Schatten Auch daheim wird umgebaut. Der Hauszugang, Bad und WC und Stefans Zimmer müssen rollstuhlgängig sein. Die finanzielle Unterstützung, die Stefan als Mitglied der Gönner-Vereinigung erhält, macht das möglich. Stefan beweist während der herausfordernden Rehabilitation immer wieder grosse innere Kraft, starken Lebenswillen und ausgeprägte Lebensfreude. Es ist aber auch Tatsache, dass er sich verändert hat. Den Eltern ist es nicht entgangen, dass der Zwölfjährige viel nachdenklicher geworden ist. Es gibt aber auch diese schwierigen Momente: Manchmal blickt Stefan schweigend und in Gedanken versunken in die Ferne, mit ernstem, aber nicht traurigem Ausdruck. Dann wird man einfach vom Mitgefühl überwältigt und möchte ihm helfen. 13.Querschnittgelähmt und was passiert in der Seele? Eine Querschnittlähmung bewirkt einen rücksichtslosen, gewaltsamen und unbarmherzigen Einschnitt in sämtliche Bereiche des intimen, persönlichen und sozialen Lebens eines Betroffenen, seiner Umgebung und seiner Angehörigen. Die seelische Grundsituation der traumatisch schwer bewegungsbehinderten Personen ist gezeichnet von Gefühlen der Ohnmacht, Hilflosigkeit, Abhängigkeit, Unsicherheit und Angst. Nach der Akutphase folgt die Zeit der Ruhigstellung. Der Patient muss während mehrerer Wochen ruhig im Bett liegen, er oder sie kann sich nur sehr begrenzt bewegen und spürt immer deutlicher, in welchem Umfang Körper, Empfinden, Umgebung und die Zukunft sich verändert haben. 1. Mache Beispiele für die unterstrichenen Wörter. 2. Unterstreiche die verschiedenen Gefühle. 3. Erkläre in eigenen Worten, was der letzte Satz kursiv) bedeutet. 4. Nenne mindestens zwei Sachen, die wir einem behinderten Menschen geben müssen.