Arbeitsblatt: Eine neue Klasse übernehmen

Material-Details

Eine neue Klasse übernehmen
Administration / Methodik
Hilfen
klassenübergreifend
5 Seiten

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210
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14.08.2018

Autor/in

Rok Tominec
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

37 Eine neue Klasse übernehmen Gestatten, mein Name ist . Drei junge Lehrkräfte im Lehrerzimmer beim Gespräch über die allererste Stunde in der neuen Klasse: Hast Du auch so ein mulmiges Gefühl im Magen? Morgen muss ich zum erstenmal in die neue 9c. Ich hab mir überlegt, ich geh mal ganz locker rein und warte mal was so auf mich zukommt. In der ersten Stunde haben die ja eh noch nicht die richtige Lust. Bücher und Hefte haben sie ja auch noch nicht dabei und außerdem muss ich mir erst einmal eine Reihe überlegen. In der zweiten Stunde werd ich dann erst mal gucken, was aus dem letzten Schuljahr noch da ist. Das gefällt mir nicht, denn 45 Minuten können ganz schön lang sein, da muss man sich schon was einfallen lassen. Ich werde mich erst einmal vorstellen, erzählen wo ich herkomme, was mich interessiert, welche Hobbys ich habe und so. Das interessiert die Schüler und das bringt auch einen menschlichen Kontakt zur Klasse. Dann stelle ich mein System der Notengebung, der Hausaufgabenkontrolle und das Ordnungssystem in meinem Unterricht vor. Ich habe vor, Störer an die Tafel zu schreiben, im Wiederholungsfall gibts einen Strich und bei drei Strichen einen Klassenbucheintrag. Also, ich mach das ganz anders! Ich fange sofort mit dem Stoff an. Wenn das Trödeln schon in der ersten Stunde anfängt, dann kriegt man das nie mehr raus. Die sollen von Anfang an merken, dass bei mir gearbeitet wird. Nach sechs Wochen Ferien sind die doch froh wieder mal was machen zu können. Alles andere klärt sich später. Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Koblenz Grundsätzliches • Der erste Eindruck ist immer sehr nachhaltig. Dementsprechend sollte der Start in der neuen Klasse wohlüberlegt sein. • Überlegen Sie sich: Was wünschen Sie sich als Antwort auf die Frage der Eltern am Mittagstisch: Und wie ist die/der -lehrerin/.-lehrer? Was nicht unbedingt zu empfehlen ist • Lange und übermäßige Gute-Verhältnis-Absichtserklärungen und Moralische-Goodwill-Beschwörungen sind verdächtig. Das langfristige Verhältnis zu einer neuen Klasse entscheidet sich nicht in der ersten Stunde durch Absichtserklärungen. Vertrauen muss im Handeln erworben werden. • Extensive Ausführungen über Regeln, Gebote, Verbote, Maßnahmen sind unangebracht, können kontraproduktiv wirken und eine selbstgebaute Falle sein, wenn sie später nicht eingelöst werden. • Kein zu ausgeklügeltes und detailliertes System der Notengebung darlegen. Das legt zu frühzeitig fest und kann dem Lehrer zur Fessel werden. Darüberhinaus überbetont das die Notengebung. Was zu empfehlen ist • Empfehlenswert ist ein beherztes Auftreten und Agieren, das den Schülern signalisiert: Da ist eine Lehrerin, die kann etwas, die engagiert sich für uns, und da kann ich was lernen. Schüler möchten von kompetenten Lehrern unterrichtet werden. • In der ersten Stunde zügig zu Sache kommen. Ein Thema so aufbereiten, dass es modellhaft für das Arbeiten in und mit der Klasse ist. Zu passender Zeit (nach einigen Stunden/Wochen) beispielgebunden Erläuterungen, Regeln, Maßnahmen, Notengebung erörtern. Dabei Kritik, Wünsche und Anregungen aufgreifen. • In den ersten Stunden einen klaren Unterricht gestalten, der eine deutliche Struktur hat, die durch Tafel, Arbeitsblätter, Heftführung etc. nach außen deutlich wird. Im Anspruchsniveau nicht zu einfach, aber nicht überfordernd. • Bereiten Sie sich auf folgenden Stundenkillereinwurf vor: Wir können heute nichts machen; wir haben nämlich keine Sachen dabei! Planen Sie die Stunde so, dass die Klasse nur ein Blatt braucht. Als Hausaufgabe kann die Mitschrift ins Heft übertragen werden. • Einen Sitzplan aus der Lehrersicht anfertigen lassen und möglichst schnell die Namen lernen. • Wenige kurze Informationen geben, die für den Unterricht der ersten Woche wichtig sind: Ihr braucht ein DIN A4-Heft, kariert, ein Geodreieck, . Das Buch jede Stunde mitbringen (Das Buch mitbringen, wenn ich es ankündige .). Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Koblenz 37-1 • In den ersten Stunden eindeutige, maßvolle Hausaufgaben stellen, die leicht kontrollierbar sind. Besser keine Hausaufgaben stellen als solche, die nicht gemacht werden, nicht kontrollierbar oder in der Besprechung sperrig sind. • Bei Stoffüberhängen oder Stofflücken des vorangegangenen Jahre ist der Einstieg in das neue Thema mit einer integrierten Wiederholung empfehlenswerter als eine langatmige Wiederholung oder Auffrischung. Im optimistischen Blick nach vorne: Das Thema gehört zwar noch in die .-Klasse. Ich werde Euch das an der passenden Stelle ganz zügig und kurzgefasst nachliefern. • Bei beginnenden Störungen abgestuft in Maßen reagieren. Der gutgemeinte Vorsatz, jede Störung durch hartes Eingreifen schon beim ersten Mal für immer im Keim zu ersticken, erfordert ein hohes Maß an Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen. Erfahrungsgemäß führt das bei Anfängern zu überhitzten Reaktionen, die die Glaubwürdigkeit eher unterminieren als erhöhen. • Bei beginnenden Störungen keine langen Androhungen und Ankündigungen vorab, sondern nach einer gewissen Beobachtungszeit in situ bei der/dem Richtigen maßvoll, aber konsequent reagieren. • Lassen Sie sich nicht auf zu ausgedehnte Verhandlungen ein. Stellen Sie lieber eine Entscheidung zurück: Ich werde das mit dem Klassenlehrer abklären und gebe Euch nächste Stunde Bescheid. oder Ich erkundige mich beim Fachlehrer des letzten Schuljahres. Gelegentlich setzt sich die Klasse aus verschiedenen Klassen mit unterschiedlicher Tradition neu zusammen. Lassen Sie sich dann kurz die Verfahrensweisen von einem Schüler schildern. Je einer aus der ehemaligen 8a, 8b, 8c berichtet wie ihr das geregelt habt. Ich höre mir das an und gebe Euch nächste Stunde Bescheid. Wer berichtet uns? Berichtende Schüler vorab benennen, dann nacheinander ohne Zwischenrufe berichten lassen und anschließend Ergänzungen zulassen. • Vermeiden Sie überhöhte Risiken im professionellen Handling. Überfordern Sie sich selbst nicht in den ersten Stunden, weder organisatorisch noch unterrichtsdramaturgisch. Weniger kann mehr sein. Z. B. Eine komplizierte Gruppenarbeit, die organisatorisch schiefläuft ist kontraproduktiv. Medien, die organisatorisch klemmen schaffen mehr Probleme als sie lösen. Sie werden nervös und unsicher. Geeigneter sind sichere und klassische Medien, die Sie verstehen einzusetzen. Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Koblenz 37-2 Studienseminar Koblenz Allgemeines Seminar Trainingsbaustein 1: Eine neue Klasse übernehmen Was Sie vorher planen können: Informieren Sie sich frühzeitig über die Schülerinnen und Schüler Ihrer neuen Klasse(n): § Wie heißen meine Schülerinnen und Schüler (Namensliste im Sekretariat)? § Von welchen Grundschulen kommen sie( 5.Klasse), ist die Lerngruppe aus verschiedenen Klassen zusammengesetzt (meist in den 7.Klassen und in der 11.Jahrgangsstufe) § Welche Kenntnisse bringen sie aus dem Vorjahr mit (Gespräch mit Kollegen, Vorgaben im Lehrplan)? Vermeiden Sie es sich detailliert über die Leistungen und Noten der einzelnen Schüler zu informieren bilden Sie sich zunächst in ihrem Unterricht ein eigenes Urteil, jeder Schüler soll die Chance haben, von Ihnen neu und unbefangen wahrgenommen zu werden. Erstellen Sie in den Ferien einen Plan für das Halbjahr, in dem Sie die geplanten Unterrichtsthemen mit dem vorgesehen Zeitumfang bestimmen. Diesen Plan sollen Sie später der Klasse vorstellen und mit den Wünschen/ Anregungen der Schüler abstimmen. Legen sie in Ihrem Halbjahresplan auch mögliche Termine für die Klassenarbeiten fest (in welcher Form werden diese Termine an Ihrer Schule „veröffentlicht?). Erkundigen Sie sich (beim Klassenlehrer), welche Termine (Klassenfahrten u. a.) für das kommende Schuljahr anstehen. Wenn Sie selbst die Klassenleitung übernehmen, planen sie solche Termine rechtzeitig ein. Informieren Sie sich darüber, wie viele Klassenarbeiten für die Klasse vorgeschrieben sind, planen Sie, welche anderen Formen der Leistungsmessung Sie einsetzen werden. Bereiten Sie Ihre erste Stunde gut vor!! Die erste Stunde in der neuen Klasse Bedenken Sie: Der erste Eindruck ist immer sehr nachhaltig. Dementsprechend sollte der Start in der neuen Klas se wohlüberlegt sein. Überlegen Sie sich: Was wünschen Sie sich als Antwort auf die Frage der Eltern am Mittagstisch: Und wie ist die/der -lehrerin/.-lehrer? Was nicht unbedingt zu empfehlen ist Vermeiden Sie lange und übermäßige Absichtserklärungen zum „guten Verhältnis mit der Klasse. Das ent scheidet sich nicht in der ersten Stunde durch Absichtserklärungen. Vertrauen muss im Handeln erworben werden. Legen sie nicht schon in der ersten Stunde Regeln, Gebote, Verbote fest. Stellen Sie nicht schon in der ersten Stunde Ihre Notengebung dar. Zu passender Zeit (nach einigen Stunden/Wochen) erläutern und erörtern Sie Ihre Notengebung, aber erstellen Sie dabei kein zu ausgeklügeltes und detailliertes System. Das legt zu frühzeitig fest und überbetont die Notengebung. Was zu empfehlen ist Empfehlenswert ist ein beherz tes Auftreten und Agieren, das den Schülern signalisiert: Da ist eine Lehrerin, ein Lehrer, die/ der kann et was, die/ der engagiert sich für uns, und da kann ich was lernen. Schüler möchten von kompetenten Lehrern unterrichtet werden. Kommen Sie in der ersten Stunde zügig zu Sache kommen, indem Sie ein Thema so aufbereiten, dass es modellhaft für das Arbeiten in und mit der Klasse ist Gestalten Sie in den ersten Stunden den Unterricht klar und für die Schüler erkennbar struk turiert (durch Ta fel, Arbeitsblät ter, Heft führung , im Anspruchsniveau nicht zu einfach, aber nicht überfordernd. Bereiten Sie sich darauf vor, dass die Lerngruppe in der ersten Stunde keine Bücher und Hefte dabei haben wird und planen Sie so, dass die Klas se nur ein Blatt braucht. Als Haus aufgabe kann die Mitschrift ins Heft übertragen werden. Geben Sie wenige kurze Informationen, die für den Unterricht der ersten Woche wichtig sind: Ihr braucht ein DIN A4-Heft, kariert, liniert. Das Buch jede Stunde mitbringen (Das Buch mitbringen, wenn ich es ankündige .). Lassen Sie von einem Schüler einen Sitzplan aus der Lehrersicht anfertigen und prägen Sie sich möglichst schnell die Namen ein (Foto der Klasse?). Für die folgenden Stunden Stellen Sie in den ersten Stunden eindeutige, maßvolle Haus aufgaben, die leicht kontrollierbar sind. Besser keine Haus aufgaben stellen als solche, die nicht gemacht werden, nicht kontrollierbar oder in der Besprechung sperrig sind. Für das gemeinsame Arbeiten mit den Schülern vereinbaren Sie notwendige Regeln und Rituale bzw. informieren sich beim Klassenlehrer über bereits bestehende Vereinbarungen. Bemerken Sie, dass aus dem vorangegangenen Jahr Stoffüberhänge oder Stofflücken bestehen, so vermeiden Sie eine langatmige Wiederholung oder Auffrischung. Besser ist der Einstieg in das neue Thema mit einer integrierten Wiederholung und dem Hinweis: Das Thema gehört zwar noch in die .-Klasse. Ich werde Euch das an der pas senden Stelle ganz zügig und kurzgefasst nachliefern. Bei beginnenden Störungen reagieren Sie abgestuft in Maßen. Der gut gemeinte Vorsatz, jede Störung durch hartes Eingreifen schon beim ersten Mal für immer im Keim zu ersticken, erfordert ein hohes Maß an Wahrnehmungs- und Reaktionsvermögen. Erfahrungs gemäß führt das bei Anfängern zu überhitzten Reaktionen, die die Glaubwürdigkeit eher unterminieren als erhöhen. Las sen Sie sich nicht auf zu aus gedehnte Verhandlungen ein. Stellen Sie lieber eine Ent scheidung zurück: Ich werde das mit dem Klas senlehrer ab klären und gebe Euch nächste Stunde Bescheid. oder Ich erkundige mich beim Fachlehrer des letzten Schuljahres. Oder lassen Sie kurz die vorher üblichen Verfahrens weisen von einem Schüler schildern. Je einer aus der ehemaligen 6a, 6b, 6c berichte, wie ihr das geregelt habt. Ich höre mir das an und gebe Euch nächste Stunde Bescheid. Wer berichtet uns?