Arbeitsblatt: S´Totemügerli

Material-Details

Eine Sage aus der Schweiz Schweizerdeutsch
Deutsch
Vorlesen / Vortragen / Erzählen
4. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

190351
152
2
02.09.2019

Autor/in

Stephanie Ulrich
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

S Totemügerli auf Deutsch Wenn sich mir schon die Gelegenheit bietet und wie hier alle so schön beieinandersitzen, habe ich mir gedacht, ich könnte euch vielleicht eine kleine Geschichte erzählen. Es ist zwar eine besonders unanständige und unerhört schauerliche Begebenheit, sie hat sich jedoch vor gar nicht mal so langer Zeit im mittleren Schatteggtal ereignet. Der Schnulleredmund und der Holunderstaudenpascal marschierten einst spät am Abend, als schon der alte Birkhahn durch das Schatteggmos rief, über die Wiese des alten Batzmeiers in Richtung des kleinen Weilers Erpfenwil. Während dem kurzen Marsch konnten sie es nicht unterlassen, einander zu verspotten und sich gegenseitig auf die Schippe zu nehmen. Man hätte tatsächlich fast meinen können, aus dem Spass würde Ernst und sie würden als nächstes aufeinander losgehen. „Noch so eine miese, hinterhältige Behauptung über meine Frau, und ich prügle so sehr auf dich ein, dass du denkst, Oster und Weihnachtsglocken läuten dieses Jahr am selben Tag! „Dabei wärst du froh, wenn deine Frau doch wenigstens ein kleines Vermögen mit in die Ehe gebracht hätte! Und so gab ein Wort das andere, es mache den Anschein, als würden sie sich als nächstes in einen brutalen Kampf stürzen. Plötzlich aber sagte der Holunderstaudenpascal verstohlen zum Schnulleredmund: „Still! Was keucht dort hinten in der Nähe des Friedhofs geschäftig auf und ab? Schnullermund blinzelte wie ein Kanalarbeiter nach zwölf Stunden Dienst und sah es schliesslich auch. Ein Seelenaussauger! Und nicht nur einer! Nein, zwei, drei, viel, fünf, eine ganze Fussballmannschaft voller Seelenaussauger. Alle sind sie dort hinten herumgehüpft, geschlendert, geschlichen, gekrochen, und geeilt, beim blossen Anblick wurde einem Angst und Bange! Schnulleredmund und Holunderstaudenpascal blinzelten einander versteckt zu und wollten sich heimlich davonschleichen. Aber kaum hatten sie sich umgedreht, kreischte ein Seelenaussauger: „Hey, ihr zwei! Der gellende Schrei fuhr ihnen durch Mark und Bein wie ein Blitz, der im Boden einschlägt. Kleinlaut und eingeschüchtert blieben sie stehen, wie zwei Lausebengel die beim Klauen von Knallfröschen erwischt wurden. Es sie sich versahen, stand der Seelenaussauger auch schon neben ihnen. Er musterte die zwei zuerst eine halbe Ewigkeit lang und schaute sie schief an, dann fragte er sie höflich: „Könntet ihr uns helfen, die Leiche der alten Buchbinderin aus dem Friedhofsareal zu schleppen? Als Schnulleredmund hörte, was die Seelenaussauger vorhatten, schien es ihm, als fiele ihm sein Herz hinunter in die Hose und entwische als nächstes aus seinem Hosenbund. Aber Holunderstaudenpascal raunte ihm zu: „Du weißt doch, dass man einem Seelenaussauger keinen Wunsch abschlagen darf! Uns so schlurften die beiden halt angsterfüllt zum Friedhof. „So ihr zwei! sagte der Seelenaussauger als sie endlich beim Grab der alten Buchbinderin angelangt waren, die anderen Seelenaussauger waren ganz diskret herbeigeeilt und musterten die Unglücksraben nur verstohlen. Die zwei wussten jedoch, was sie zu tun hatten, wenn ihnen ihr Leben lieb war und machten sich sogleich an die gefürchtete Arbeit. Sie packten die Leiche, der einte am Schopf und der andere an den Füssen. Was war das für eine elende Last! Sie schleppten und schleppten – so lange, dass ihnen bald alle Sinne vergingen. Urplötzlich, als sie den Friedhofshügel schon fast hinter sich gelassen hatten, fing sich die Leiche zu bewegen und die alte Buchbinderin meldete sich mit scheuem Stimmlein: „Oh was knurrt mir der Magen! Jetzt hatte Schnullermund endgültig das Herz in der Hose! Er liess die Leiche auf den Boden plumpsen und machte sich aus dem Staub, wie wenn der Teufel persönlich hinter ihm her wäre. „Komm zurück und halte durch Edmund! schrie ihm Holunderstaudenpascal noch nach, aber mehr konnte er auch nicht tun. Am anderen Morgen fand ihm Bachmeiers Elsa. Schwach und elend wie ein halbtoter Vogel, und es verging mehr als ein Monat, bis er wieder aus dem Haus und am Friedhof vorbei gehen konnte. Sein Leben lang sah er keinen Seelenaussauger mehr und das Grab der alten Buchbinderin fand man nie wieder. Aber auch Schnulleredmund war von der gesichtsträchtigen Nacht an, spurlos verschwunden.