Arbeitsblatt: Leseverstehen Boot Camps

Material-Details

Leseverstehen inkl. Aufgaben
Deutsch
Textverständnis
8. Schuljahr
5 Seiten

Statistik

192826
249
18
14.01.2020

Autor/in

barbara lehnherr
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

1 Leseverstehen – 78S – 14.1.2020 2 Boot Camps: Tod im „amerikanischen Gulag1 3 4Hilfsmittel: Duden, Lesezeichen 5Aufgabe: Beantworte die Frage mithilfe des Texts und des Dudens direkt auf das 6 Aufgabenblatt. Achtung Rechtschreibung; pro 2 Fehler 0.5 Pt Abzug! 7 8Lies den Text gut durch und bearbeite ihn, wie du es gelernt hast und wie es dir am passendsten erscheint. 9 10 BOOT CAMPS Tod im amerikanischen Gulag 11 12Sie werden angebrüllt, in Uniformen gesteckt und über Hindernisstrecken gejagt. Redeverbot, 13Isolationshaft oder Fussketten sollen dafür sorgen, dass aus widerborstigen Teenagern mit Hang 14zu Drogen und Schulschwänzen fügsame Jugendliche mit den richtigen Idealen werden. 15Sir, yes Sir lautet die devote Standardantwort der Kids auf Befehle ihrer Instruktoren. Verbale 16Ausfälle, Beleidigungen und animalisches Gebrüll im Soldatenjargon sind in amerikanischen Boot 17Camps an der Tagesordnung. Pummelige Teenager ächzen unter Liegestützen und krabbeln über 18meterhohe Hindernisse, um die Freude an der persönlichen Grenzüberwindung zu erfahren. 19Die jugendlichen Normabweichler lernen, Ordnung zu halten, ihr Bett zu machen und brav den 20Rücken durchzudrücken. Weil die trägen Stadtkinder nicht an Bewegung gewöhnt sind, erleiden 21einige Kreislaufzusammenbrüche und Schwächeanfälle. Hysterische Ausbrüche ob des 22plötzlichen Freiheitsentzuges und der rüden Umgangsformen sind keine Seltenheit. 23Befehlsverweigerung, Regelverletzungen und Fehlverhalten werden umgehend bestraft: In 24gepolsterten Einzelzellen, so genannten Get-right-rooms, sollen renitente Minderjährige in 25kompletter Isolation von der Aussenwelt zur Vernunft kommen. Mit dem Paddle, einem in Amerika 26benutzten Schlagholz, versuchen sadistisch veranlagte Camp-Mitarbeiter, den Willen der Kinder 27zu brechen. 28Unfähig, verantwortungslos oder naiv? Warum Eltern ihre Kinder in Umerziehungslager 29schicken. 30Die Minderjährigen werden mit Einverständnis ihrer Eltern in die so genannten Teen Help 31Programme gebracht. Üblicherweise unterschreiben die Erziehungsberechtigten vor Eintritt ihrer 11 Russische Straflager für politische Gefangene zurzeit des Kalten Kriegs 32Kinder ins Camp einen Vertrag mit den Organisatoren, der das Personal autorisiert, für den 33verabredeten Zeitraum als Agenten der Eltern zu agieren. Ein Freibrief für die Wächter im Dienst. 34Die Motivation, das eigene Kind freiwillig in eine dieser von Kritikern auch als amerikanischer 35Gulag bezeichneten Anstalten zu schicken, ist so unterschiedlich wie die Schicksale der Kinder 36selbst: Von Ignoranz und Hilflosigkeit bis zu dem festen Glauben, nur militärischer Drill und 37unbarmherzige Disziplin könnten pädagogische Wunder wirken, sprechen die Kommentare der 38Eltern. Eines jedoch ist nicht zu übersehen: Die Mehrzahl der Erziehungberechtigten ist schlicht 39überfordert mit ihrem Nachwuchs und gibt das Problem deshalb in die Hände von Experten. 40Dass diese in den Camps tobenden Experten häufig weder eine pädagogische noch eine 41therapeutische Ausbildung besitzen, scheint für die meisten Eltern nicht von Bedeutung zu sein. 42Es gibt in den Vereinigten Staaten bisher keine einheitlichen und rechtlich verbindlichen 43Vorgaben, was die Qualifikation des Personals und ihre Arbeit in den rund 400 Boot Camps 44betrifft. 45In einigen Staaten wie Arizona sind Kinder- und Jugendschutzgesetze nur auf jene 46Umerziehungsprogramme anwendbar, die 12 Monate und länger dauern. Private 47Korrekturanstalten, die sich auf sechsmonatige Programme beschränken, erhalten deshalb ohne 48Probleme eine Lizenz. Es ist schwerer, einen Angelschein zu bekommen, als ein Lager für Jungs 49zu führen bestätigte der demokratische Senator Chris Cummiskey aus Arizona gegenüber der 50New York Times. 51 52Auf dem Weg der Besserung verstorben Todesfälle in Boot Camps 53Es ist diese gesetzliche Grauzone, die dem Missbrauch von Schutzbefohlenen immer öfter 54Vorschub leistet. Ehemalige Lagerinsassen berichten von gewaltsamen Übergriffen, sexuellem 55Missbrauch und menschenverachtenden Züchtigungsmethoden. Und damit nicht genug: Laut 56Angaben der New York Times sind seit 1980 in elf Staaten mindestens 30 Teenager in Boot 57Camps ums Leben gekommen. 58Der vorerst letzte Fall dieser Art ereignete sich am 1. Juli 2001 in Arizona. Der 14-jährige Anthony 59Haynes starb in einem westlich von Phoenix gelegenen Boot Camp, nachdem er offenbar 60stundenlang der intensiven Wüstenhitze ausgesetzt und dazu gezwungen worden war, Sand zu 61essen. Laut Berichten ehemaliger Beschäftigter des Camps waren Schläge, Tritte und der Befehl, 62Schmutz zu essen, an der Tagesordnung. 63Die Ermittler fanden heraus, dass zwei Männer aus dem Camp den Jungen orientierungslos 64aufgefunden und in ein Motel gebracht hatten, wo sie ihn in eine Badewanne mit laufendem 65Wasser gelegt hätten. Als man Anthony später mit dem Gesicht unter Wasser fand, wurde er 66zurück ins Camp gebracht, weil der Leiter der Erziehungsanstalt, Charles F. Long II, glaubte, der 67Junge habe seinen Zustand lediglich vorgetäuscht. 68Heute hält Mister Long, Mitglied der America Buffalo Soldiers Re-Enactor Association, diesen 69Vorfall für tragisch und eine traurige Sache. Er ist allerdings fest entschlossen, seine Camps 70weiter zu betreiben, und zwar bis zu dem Tag, an dem ich sterbe. 71 72Teuer und ineffizient: Boot Camps bringen nichts 73In Deutschland steht man den amerikanischen Erziehungslagern von jeher skeptisch gegenüber. 74Nicht nur die mögliche Verletzung von Menschen- und Persönlichkeitsrechten steht hier im 75Vordergrund, sondern auch die Ineffizienz der angewandten Methoden. 76Der niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer hat die Entwicklung der Boot Camps in den 77Vereinigten Staaten verfolgt. Es gibt ganz klare empirische Beweise dafür, dass Boot Camps 78überhaupt nichts bringen, sondern lediglich viel Geld kosten, betonte er gegenüber SPIEGEL 79ONLINE und verwies auf Forschungsergebnisse aus den USA, die dazu geführt hätten, dass sich 80viele Experten und ehemalige Befürworter der staatlichen Boot Camps völlig von der Idee solcher 81Erziehungslager abgewandt hätten. Der militärische Drill erhöht die Anpassungsbereitschaft der 82Jugendlichen nur vorübergehend. Die Persönlichkeit kann man damit im Kern nicht verändern. 83 84 85a) Erkläre die Bedeutung der folgenden Wörter mithilfe des Dudens (8) 86 87 88 89 90 93 94 95 96 renitent (Zeile 24): 91 92 widerborstig (Zeile 13): autorisiert (Zeile 32): empirisch (77): 97b) Auf der Zeile 54 steht der Begriff „Vorschub leisten; gib an, welcher der folgenden Begriffe diesen 98Ausdruck ersetzen könnte. (1) unterstützt verhindert bestraft 99 100c) Warum schicken Eltern ihre Kinder in diese Boot Camps? Erkläre. (4) 101_ 102_ 103_ 104_ 105_ 106d) Erreichen die Boot Camps ihre angestrebten Ziele? Sind sie erfolgreich? Erkläre und begründe. (6) 107_ 108_ 109_ 110_ 111_ 112_ 113_ 114_ 115e) Erkläre das Zitat von Senator Chris Chummiskey in deinen eigenen Worten: „Es ist schwerer, einen 116Angelschein zu bekommen, als ein Lager für Jungs zu führen. (Zeilen 48/49) (6) 117_ 118_ 119_ 120_ 121_ 122f) Welche Meinung hast du zu solchen Boot Camps? Erkläre und begründe. (6) 123_ 124_ 125_ 126_ 127_ 128_ 129_ 130_ 131_ 132 133Punkte max.: 31 134Note 4 18.5 Punkte erreicht: Note: