Arbeitsblatt: Leseverständnis

Material-Details

Leseverständnis
Deutsch
Textverständnis
5. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

193366
486
28
06.02.2020

Autor/in

Carole Simonet
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Leseverstehen Text Sie sehen für Blinde 01 02 03 04 Mitten in der Stadt marschiert ein ungleiches Paar zielbewusst auf einen Laden zu: eine Frau mit ihrem Hund. An der Tür bleibt das Tier kurz stehen, dann treten beide ein. Hat die Dame das Hundeverbot am Eingang nicht gesehen? 05 06 07 08 09 Nein, das hat sie tatsächlich nicht, denn die Frau ist blind. Ihr Hund hat eine besondere Erlaubnis, den Laden zu betreten, denn als Blindenführer hat er gelernt, nicht an den Waren herumzuschnuppern. Aus Erfahrung weiss er, wo seine Meisterin einkaufen will und er führt sie pflichtbewusst an den Regalen entlang. 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Doch bevor es soweit war, hatte das Tier eine lange Lehrzeit zu durchlaufen. Die ersten acht Lebenswochen bleiben die Welpen bei ihrer Mutter auf dem Schulgelände. Danach werden sie für ein Jahr oder etwas länger „adoptiert von einer sogenannten Patenfamilie, welche sich bereit erklärt, dem kleinen Kerlchen eine erlebnisreiche, glückliche Jugendzeit zu ermöglichen. Das ist sehr wichtig, damit der Hund sich später für seine Aufgabe eignet. Er muss gute Kontakte zu Menschen und Tieren finden, muss die Strassen, den Verkehr und den Lärm der Stadt kennen lernen, muss Zeit haben für ausgedehnte Spaziergänge, wildes Herumtollen und übermütiges Spielen. 19 20 21 22 23 24 25 26 Nach Ablauf der Frist müssen sich die Paten von ihrem Vierbeiner trennen, der jetzt für das eigentliche Führhundtraining zurück in die Schule gebracht wird. Anstelle seiner Leine bekommt er dort während der Arbeit ein Führgeschirr umgeschnallt, an dem ein Haltebügel für seinen späteren Herrn befestigt ist. Damit wird nun täglich eine bis zwei Stunden geübt. Nicht jeder Hund zeigt sich dabei gelehrig genug, manche haben auch zu wenig Widerspruchsgeist, und gerade diese Eigenschaft ist sehr wichtig, damit er seine Aufgabe lernen kann. 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 Kommt er nämlich an ein Hindernis für den Blinden, sei es eine Treppe, ein Loch oder irgendein Niveau-Unterschied (z.B. Trottoirrand), so versucht der Trainer, den Hund am Führgeschirr vorwärts zu stossen. Wehrt sich das Tier gegen den Druck, so wird es gelobt, obwohl es scheinbar unfolgsam war. Ein selbstbewusster Hund bekommt bald Freude an diesem Spielchen und hat damit den ersten Schritt zum verantwortungsbewussten Blindenführer getan. Nun lernt er während sechs bis neun Monaten einen ganzen Katalog von Befehlen, die er genauestens und unbedingt befolgen können muss, um seinen späteren Besitzer nicht in Gefahr zu bringen. 37 38 39 40 41 42 Kommt das Tier zum Beispiel an eine Stufe, so bleibt es stehen und geht erst weiter, wenn der Blinde die Stufe erkannt und den Befehl Weiter! gegeben hat. Trifft der Hund auf ein Hindernis, ein Loch, einen Graben, so macht er einen Bogen darum herum, der gross genug ist, dass sein Meister nicht hineintreten kann. Befiehlt der Blinde am Strassenrand Überqueren!, so wartet der Hund, bis die Strasse frei ist. 43 44 45 46 Die Tiere lernen sogar Hindernisse bis zu zwei Metern Höhe zu erkennen, an denen sich ihr Herr den Kopf anstossen könnte, und führen ihn sicher daran vorbei. Möchte der Mann sich setzen, so braucht er dem Hund nur zu sagen, dass er eine Bank suchen soll. Der Vierbeiner stellt dann seine Vorderpfoten 47 48 49 50 51 52 53 54 55 auf die nächste Sitzgelegenheit. Man kann sich vorstellen, welche Konzentration für solche Leistungen nötig sind. Es ist daher wichtig, dass man einen angeschirrten Führhund niemals ablenkt, indem man ihn lockt oder zu streicheln versucht. Nimmt ihm der Blinde jedoch das Geschirr ab, so weiss das Tier, dass es keine Verantwortung mehr zu tragen braucht. Wie jeder andere Hund zottelt er jetzt unbeschwert an vorspringenden Mauerecken, herumliegenden Steinbrocken oder anderen Hindernissen vorbei. Wie jeder Artgenosse begrüsst er andere Hunde und spielt mit ihnen, während ihn bei der Arbeit nicht einmal eine Katze zu interessieren scheint. 56 57 58 59 60 Wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, wird der Hund einem sorgfältig ausgewählten Meister anvertraut. Nicht jedes Tier eignet sich für jeden Blinden, denn es muss eine echte Partnerschaft voller Vertrauen und Liebe zustande kommen können, damit eine Zusammenarbeit überhaupt möglich wird. 61 62 63 64 65 Nun muss der Blinde mit den Befehlen vertraut gemacht werden, die der Hund gelernt hat. Ein Ausbildner hilft ihm dabei, wenn er die ersten Spaziergänge mit seinem neuen Begleiter unternimmt. Täglich wird er sicherer, und schon nach zwei bis drei Wochen kann er sich mit seinem Vierbeiner allein durch die gewohnte Gegend bewegen. 66 Mit Stolz und Freude führt nun der Hund seinen Meister sicher ans Ziel und 67 ermöglicht ihm manchen Weg, der einem Blinden sonst verschlossen bliebe.