Arbeitsblatt: Gesellschaftsordnungen

Material-Details

Zum Thema Gesellschaftsordnungen werden die sozialistische Gesellschaftsordnung (Sozialismus) mit der freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung (Demokratie) verglichen. Zudem wird der Begriff Kulturmarxismus behandelt. Geeignet für Klassen 9/10 der Mittelstufe in den Fächern Politik, Wirtschaft, Gesellschaftslehre.
Diverses / Fächerübergreifend
Anderes Thema
10. Schuljahr
6 Seiten

Statistik

194510
116
1
06.06.2020

Autor/in

Marco Kruse
Land: Deutschland
Registriert vor 2006

Downloads Arbeitsblätter / Lösungen / Zusatzmaterial

Die Download-Funktion steht nur registrierten, eingeloggten Benutzern/Benutzerinnen zur Verfügung.

Textauszüge aus dem Inhalt:

Klasse: Gesellschaftsordnungen Datum: Grundlagen Definition: Eine Gesellschaftsordnung beschreibt die Art und Weise wie eine Gesellschaft wirtschaftlich, politisch und sozial aufgebaut ist. 5 Behandeln wollen wir beispielhaft die freiheitlich-demokratische und die sozialistische Gesellschaftsordnung. Die sozialistische Gesellschaftsordnung kann verschiedene Ausprägungen 10 haben. Da wäre z.B. der Marxismus-Leninismus, Stalinismus, Kommunismus, Maoismus, Nationalsozialismus u.a. Der Kommunismus z. B. ist ein internationaler Sozialismus, der darauf ausgelegt war, den Kommunismus auch auf andere 15 Länder zu übertragen und mit diesen eine internationale Einheit zu bilden. Hammer Sichel: Link zum Bild Währenddessen orientierte sich der Nationalsozialismus eher auf die eigene Nation und dessen (kriegerische) Vergrößerung. Reichsadler Hakenkreuz: Link zum Bild Die freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung sieht die Freiheit des Individuums und die demokratische Beteiligung als notwendige Bestandteile an. Freiheitsst atue: Link zum Bild 20 25 Im Parlament werden die politischen Parteien oft in links, Mitte und rechts aufgeteilt. Historisch geht das auf die Sitzverteilung der französischen Abgeordnetenkammer von 1814 zurück. Auf der linken Seite saßen die Parteien, die eine politische Veränderung wollten (die Progressiven) und auf 30 der rechten Seite die, die bestehende Verhältnisse bewahren wollten (die Konservativen und Monarchisten). Heute wird die parlamentarische Bezeichnung „links meist als das Lager der Sozialisten bezeichnet. Die Nationalisten werden in der Regel dem „rechten politischen Lager zugeordnet. Wobei dies die Extrempositionen der politischen Richtung 35 darstellt. Weiter ist problematisch, da die Nationalsozialisten eben beides sind, Nationalisten und Sozialisten, aber historisch gesehen politisch feindlich den internationalen Sozialisten (Kommunisten) gegenüberstanden. 40 Merkmale Wir wollen uns nun die verschiedenen Merkmale der beiden Gesellschaftsordnungen genauer anschauen: politisch: Wie ist das politische System grundsätzlich 45 aufgebaut? Wie sieht die Verfassung/Grundgesetz aus? Wie steht man zu Wahlen und Abstimmungen? Rechtsprechu ng: Link zum Bild sozial: Wie sehen die Rechte des Einzelnen aus? Wie tritt man nach außen als Gesellschaft auf? Wie funktioniert das 50 Zusammenleben? Welche gesellschaftlichen Werte liegen zugrunde? 1 Zusammenha lt: Link zum Bild 5 Dieses Dokument wurde erstellt von MK und steht unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Bildquellen: pixabay.com Staaten und Parteien sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden und ehemaligen Staaten und Parteien sind rein zufällig. Die dargestellte Meinung stellt nicht zwangsläufig die Meinung des Autors dar. Klasse: Gesellschaftsordnungen wirtschaftlich: Wie werden Güter und Dienstleistungen bereitgestellt? Wie funktioniert das Geldsystem? Datum: Markt: Link zum Bild 55 A1 Fülle in kurzen Aussagen die Tabelle mithilfe der Texte M1 und M2 aus. Nutze, wenn nötig, auch die Rückseite des Arbeitsblattes. sozialistische Gesellschaftsformen freiheitlich-demokratische Gesellschaftsformen Politische Merkmale Soziale Merkmale Wirtschaftliche Merkmale Sonstige Merkmale 2 10 Dieses Dokument wurde erstellt von MK und steht unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Bildquellen: pixabay.com Staaten und Parteien sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden und ehemaligen Staaten und Parteien sind rein zufällig. Die dargestellte Meinung stellt nicht zwangsläufig die Meinung des Autors dar. Klasse: 60 1 Gesellschaftsordnungen Sozialistische Gesellschaftsordnung der Union der Sozialistischen Volksrepubliken (UdSVR) Datum: Roter Stern mit Hammer Sichel: Link zum Bild Die UdSVR ist nach einer Revolution vor 50 Jahren gegründet 65 worden. Seitdem wurde die Gesellschaft komplett umgestaltet. Grundsätzlich gilt: Der Staat bestimmt in allen Bereichen! Die kleinste soziale Einheit ist die Familie und hat in der UdSVR keine große Bedeutung. Die Verbindung von Mann und Frau dient nur zum 70 Kinderkriegen. Ansonsten lebt man in Gemeinschaftsunterkünften nach Geschlechtern getrennt. Die Kinder werden nach der Geburt weitgehend in staatliche Obhut gegeben: ganztägliche Kinderkrippen/-gärten, Schule, Studium. Die Eltern wurden von der Erziehungspflicht befreit, damit sie weiter ihrer Werktätigkeit nachgehen können. Die soziale Gemeinschaft besteht aus 75 weitgehender Einheitlichkeit. Jeder Mensch ist gleich. Man erkennt es nach außen durch fast einheitliche (zumindest sehr ähnliche) Kleidung. Individualität ist kaum erkennbar. Man vertraut ganz und gar auf den Staat, der sich um die Gemeinschaft kümmert („Von der Wiege bis zur Bahre). Der Staat gibt die öffentliche Meinung vor. Abweichende Meinungen werden bestraft. Es gibt in der 80 UdSVR ein Sozialpunktesystem. Wer sich systemkonform verhält, erhält Pluspunkte, wer dagegen verstößt, erhält Minuspunkte. Der Punktestand entscheidet darüber, welche Wohnungszuweisung man bekommt, welchen Arbeitsoder Studienplatz oder ob man Kinder bekommen darf. Die Punktestände eines jeden einzelnen sind öffentlich einsehbar. 85 Das politische System besteht aus einem starken Staat. An deren Spitze steht der Generalsekretär der Partei des Sozialismus (PaSoz). Es gibt nur diese eine Partei, die alles im Staat kontrolliert. Auf Parteikongressen wird die generelle sozialistische Staatslinie vorgegeben. Die Volksdelegierten auf dem Parteikongress 90 dürfen vom Volk gewählt werden. Wer allerdings gewählt werden darf, bestimmt die Parteiführung in Person des Generalsekretärs. Daher sitzen im Parteikongress nur sehr systemtreue Parteimitglieder. Direkte Einflussnahme Monument Nordkorea: Link zum Bild durch das Volk ist nicht vorgesehen. Personen, die sich der PaSoz widersetzen, werden hart bestraft. Polizei und Militär 95 sind im öffentlichen Raum sehr präsent. Todesurteile gegen Systemkritiker sind genauso üblich wie staatliche Umerziehungslager. Hunderttausende vielleicht auch schon Millionen Menschen sind so „verschwunden. Der Generalsekretär ist überall im öffentlichen Leben auf Bildern und Statuen zu sehen. Er wird vom Volk gefeiert 100 und verehrt. Sein Wort gilt immer und überall. Die Menschen fügen sich teilweise aus Angst, aber meist aus Überzeugung in das System ein. Das wirtschaftliche System ist ähnlich straff organisiert wie das politische. Es gilt umfassend die Staats- bzw. Planwirtschaft. Die Staatsbehörden geben 5105 Jahrespläne heraus. In diesen ist genau vorgegeben, welche Produkte in welchen Mengen wo produziert werden. Alle Betriebe sind im Staatsbesitz. Privateigentum ist verboten. Das gilt auch für landwirtschaftliche Betriebe. Diese sind in Gemeinschaftsgesellschaften zusammengefasst worden. Die Arbeiter in Landwirtschaft und Produktion sind in Einheiten fast schon militärisch organisiert. 110 Die Produktivität ist meist gering. Der Staat gewährleistet die Versorgung der 3 15 Dieses Dokument wurde erstellt von MK und steht unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Bildquellen: pixabay.com Staaten und Parteien sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden und ehemaligen Staaten und Parteien sind rein zufällig. Die dargestellte Meinung stellt nicht zwangsläufig die Meinung des Autors dar. Klasse: Gesellschaftsordnungen Datum: Bevölkerung mit lebenswichtigen Produkten. Hochwertige Konsumartikel, wie z.B. Unterhaltungselektronik, sind sehr teuer und können nur von höheren Parteimitgliedern angeschafft werden. An den Mangel hat sich die einfache Bevölkerung gewöhnt. Damit dies alles funktioniert, steht die Geldschöpfung unter 115 staatlicher Kontrolle. Geld wird durch die Zentralbank auf politische Anordnung zur Verfügung gestellt. Daher verliert das Geld ständig an Wert. Auf den Umweltschutz wird in der UdSVR so gut wie kein Wert gelegt. Alles ist der Planerfüllung in der Produktion unterworfen. Daher ist die Umweltverschmutzung 120 in der UdSVR hoch. Auch in der Kunst und Kultur gilt die Staatsvorgabe. Was vom wem geschaffen werden darf, bestimmt der Staat. Die Presse und die Medien stehen unter staatlicher Kontrolle. Es werden nur staatlich genehmigte Inhalte verbreitet. Meistens besteht das Programm aus staatlicher Propaganda und seichter Unterhaltung. Ausländische Inhalte und Sender sind strengstens 125 verboten. Freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung der Vereinigten Staaten von Bemerika (United States of Bemerica, USB) 2 130 Die USB sind vor etwa 250 Jahren gegründet worden. Man hat sich in einem langen Freiheitskampf von einer Kolonialmacht losgesagt. Daher ist die Freiheit die Triebkraft allen Handelns der Menschen. Der soziale Bereich hat als Grundlage die Individualität eines jeden 135 Menschen. Jeder Mensch hat garantierte Grundrechte und das Recht Familie: Link zum Bild nach eigenem Willen nach Glück zu streben. Jeder Mensch ist vor dem Gesetz gleich. Beschränkt werden diese Rechte erst dann, wenn sie die Rechte des anderen berühren. Der wichtigste Pfeiler der Gesellschaft stellt die Familie dar. Mann und Frau können sich in freier 140 Entscheidung in einer Ehe binden und eine Familie gründen. Der Schutz der Ehe und aller Menschen – auch vor der Geburt – hat Verfassungsrang! Die Kinder bleiben in den ersten Lebensjahren in der Familie, um dort Schutz und Erziehung zu erfahren. Erst später können sie in privat organisierten Krippen gegeben werden. Eine Schulpflicht besteht ab dem 6. 145 Lebensjahr. In den USB gibt es sowohl staatliche als auch private Schulen nur am Vormittag. Die Religion spielt eine wichtige Rolle. Sie vermittelt Werte, die Orientierung im Leben geben. In den USB gibt es ein vielfältiges soziales Leben: Kirchen, Vereine, Organisationen, diese finanzieren sich durch ihre Mitglieder. Jeder Bürger fühlt sich verpflichtet, seinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Auf 150 soziale Hilfe hat nur der Anspruch, der unverschuldet in Not geraten ist oder seine Lebensleistung erbracht hat. Das politische System der USB ist die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Die Verfassung garantiert die Grundrechte der Menschen, wie z.B. 155 Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Unverletzlichkeit der Wohnung, körperliche Unversehrtheit, Postgeheimnis, Pressefreiheit u.v.m. In Wahlurne: Link zum Bild direkten Wahlen und Abstimmungen entscheiden die Bürger über die drei Gewalten (Exekutive, Legislative, Judikative). Jeder Bürger kann sich zur Wahl stellen. Parteien gibt es im politischen System 160 nur am Rande als politische Vereine, die z. B. Diskussionsveranstaltungen anbieten. Soweit es möglich ist, wird über Gesetze in Volksabstimmungen abgestimmt. Auch Kinder haben eine Wahlstimme, die durch die Eltern wahrgenommen wird. Dies führt zu einem hohen politischen Interesse der Bürger und den hohen Stand der Familie. 165 Man versucht, politische Entscheidungen so nah wie möglich am Bürger zu 20 4 Dieses Dokument wurde erstellt von MK und steht unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Bildquellen: pixabay.com Staaten und Parteien sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden und ehemaligen Staaten und Parteien sind rein zufällig. Die dargestellte Meinung stellt nicht zwangsläufig die Meinung des Autors dar. 25 Klasse: Gesellschaftsordnungen Datum: entscheiden (Subsidiarität). Die Amtszeiten der Regierenden sind begrenzt. Wer in ein Amt in Exekutive und Judikative gewählt werden möchte, muss entsprechende Qualifikationen vorweisen. Der Staat beschränkt sich auf seine Kernaufgaben: Rechtsprechung, innere und äußere Sicherheit. Dadurch sind die Steuersätze in 170 den USB auch sehr niedrig. In der Wirtschaft geht es ebenfalls sehr frei zu. Die Wirtschaftsordnung ist die freie Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt. Alle Betriebe sind im Privatbesitz. Staatsbetriebe sucht man in den USB vergebens. Der Staat 175 achtet nur darauf, dass sich keine Oligo- oder Monopole bilden können. Zudem wird in der Wasser- und Stromversorgung auf transparente Standards geachtet. Das Privateigentum führt zu einem sehr sorgsamem Kapitaleinsatz. Bis in die kleinsten Ebenen sorgt der Markt für eine umfangreiche Versorgung mit Waren und Dienstleistungen. Jeder ist in seiner Berufs- und Arbeitsplatzwahl frei. Die 180 Marktwirtschaft besitzt eine hohe Produktivität und Innovationskraft. Dadurch ist es gelungen, die Einkommen der Arbeiter zu steigern und so insgesamt den Wohlstand in breite Bevölkerungsschichten zu bringen. Grundsätzlich gilt: Wer die Chance genutzt hat, sich seinen Wohlstand hart zu erarbeiten, z.B. durch eine Unternehmensgründung mit allen seinen Risiken, der genießt hohes Ansehen. 185 Hüter des stabilen Geldes ist eine unabhängige Zentralbank. Hoher Ressourcenverbrauch ist ein Kostenfaktor und wird somit vermieden. Der Staat bietet hier zusätzliche Anreize. Daher ist weitreichender Umweltschutz auch ein Ergebnis der Marktwirtschaft. Kunst und Kultur sind in den USB ein hohes Gut. 190 Es gibt viele Museen und Galerien. Die Presse und die Medien sind sehr vielfältig aufgestellt. Es finden sich dort alle politischen Überzeugungen in einem gesunden Wettbewerb. Wer seine Informationen lieber in ausländischen Medien sucht, hat ungehinderten Zugang. 195 200 205 210 215 220 A2 Lies den Text M3. Beschreibe zunächst die Situation und markiere entsprechende Merkmale aus A1. Interview mit Leo Villemont aus Schlummerland Interviewer: Guten Tag, Herr Villemont! Ich freue mich auf das Interview. Wie lange leben Sie schon in 3 Schlummerland? Interview: Link zum Bild Villemont: Ich freue mich auch hier zu sein. Ich lebe bereits mein ganzes Leben lang in Schlummerland. Ich wurde Mitte der 1970er hier geboren. I: Wie haben Sie Schlummerland in Ihrer Kindheit und Jugendzeit erlebt? V: Ich erinnere mich an eine unbeschwerte Kindheit. Mein Vater besaß ein kleines Handwerksunternehmen. Meine Mutter war, als ich klein war, zu Hause. Mit drei Jahren kam ich in den Kindergarten. Nur vormittags, währenddessen konnte meine Mutter zu Hause die Büroarbeit für meinen Vater erledigen. Danach Grundschule und später die Mittelschule; der Standard halt, vormittags Schule nachmittags Freizeit. Eigentlich eine schöne Zeit. I: Sind Sie heute immer noch so zufrieden? V: Grundsätzlich schon. Ich arbeite als Leiter in einer Kindertagesstätte. Der Name sagt es schon, die Kleinen kommen spätestens mit drei Jahren zu uns und das dann von morgens bis abends. Die Eltern, wenn sie überhaupt noch beide zusammenleben, müssen beide ganztags arbeiten gehen. Die alleinerziehende Mutter ist aber mittlerweile die Regel geworden. Bei meiner Frau und mir war es noch ganz altmodisch. Während unser Sohn noch klein war, war einer von uns zu Hause. Die meiste Zeit meine Frau. 5 30 Dieses Dokument wurde erstellt von MK und steht unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Bildquellen: pixabay.com Staaten und Parteien sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden und ehemaligen Staaten und Parteien sind rein zufällig. Die dargestellte Meinung stellt nicht zwangsläufig die Meinung des Autors dar. Klasse: 225 230 235 240 245 250 255 260 265 270 275 Gesellschaftsordnungen Datum: I: Hat sich somit die Kindheit heute stark verändert? V: Ja, auf jeden Fall. Man beobachtet immer häufiger, dass die Eltern in der wenigen Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen, zunehmend überfordert sind. Verhaltensauffälligkeiten nehmen stark zu. Die klassische Familie wird zum Auslaufmodell. Häufige Berufsortswechsel und wechselnde Bezugspersonen zerstören die Familienwelt. Die Erziehungsarbeit wird dann auf Kindergarten und Schule geschoben. Allerdings können wir unsere eigenen Erziehungsvorstellungen immer weniger einbringen. Die Politik gibt zunehmend den Takt vor. Projekte wie frühkindliche Sexualerziehung und Gender sind beispielhaft für die merkwürdigen Vorstellungen zu nennen. Wir haben seit diesem Jahr bei uns in der Kita eine Kindertoilette für das dritte Geschlecht. Die Kinder wissen damit nichts anzufangen. Was auch gut ist! I: Und das zieht sich dann auch so in der Grundschule fort? V: Die Lehrkräfte dort haben ja noch genauere Vorgaben durch die Ministerien als wir. Mein Sohn hat schon vor einigen Jahren große Probleme bekommen als die Rechtschreibung reformiert wurde. Jetzt sollen sie auch in Aufsätzen mit Gendersternchen arbeiten. Damit ist die Sprache als Kulturgut völlig verhunzt. Dann sitzen mittlerweile auch noch völlig unterschiedlichste Leistungsgruppen in einer Klasse zusammen. Inklusion ist auch noch dazugekommen. Alle Kinder sind gleich, heißt es. Wir haben hier im Kindergarten auch behinderte Kinder in den Gruppen. Das funktioniert aber nur, wenn es passt. Meistens sind dazu spezialisierte Einrichtungen besser geeignet. I: Warum müssen, Ihrer Meinung nach, die Eltern schnell wieder in die Berufstätigkeit zurück? V: Die Arbeitswelt hat sich heute dramatisch verändert. Die Einkommen haben sich nicht so entwickelt wie die Lebenserhaltungskosten. Der Arbeitsdruck nimmt zu. Die Unternehmen müssen ihre Kosten immer weiter drücken. Höchstwahrscheinlich auch, weil die ganzen gesetzlichen Vorschriften immens zugenommen haben. Meine Frau arbeitet in einer Bank. Sie sagt, ein Drittel ihrer Arbeitszeit geht damit drauf, irgendwelche Beratungsdokumentationen anzufertigen, die dann nur abgeheftet werden. Aber das sieht man auch in der Automobilindustrie. Die Abgasvorschriften sind so streng geworden, dass die Entwicklung neuer Motoren immer teurer wird. Unternehmertum macht keinen Spaß mehr. I: Sie meinen also, der Staat mischt sich zu viel ein? V: Ja, absolut. Überall versucht der Staat hineinzuregieren. Das Sozialsystem ist zwar stark ausgebaut worden. Aber zu welchem Preis? Alles auf Pump oder die Kosten in die Zukunft verschoben. Kinder kann man sich doch kaum noch bei den hohen Steuern und Abgaben leisten. Aber wenn keine Kinder mehr da sind, wer soll dann den Laden hier in Zukunft noch zusammenhalten? I: Genau deshalb verstärkt ja die Regierung zu Zuwanderung. V: Gegen Zuwanderung ist prinzipiell nichts einzuwenden. Die Regierung müsste allerding darauf achten, dass besonders qualifizierte Fachkräfte zu uns kommen. Die brauchen wir dringend. Im Moment sehe ich eher Probleme bei der Integration der neu Zugewanderten. Das bringt den gesellschaftlichen Zusammenhalt ins Wanken. Aber Kritik daran ist problematisch. Interview Gespräch: Link zum Bild I: Wie meinen Sie das? Man kann doch seine Meinung sagen. V: Das wäre dann aber politisch nicht korrekt. Die Regierung sagt, dass wir die Zuwanderung brauchen und dann müssen das auch alle so hinnehmen und sich entsprechend verhalten. I: Klingt da Kritik an der Regierung durch? V: Laut Verfassung hat man natürlich das Recht seine Meinung zu sagen. Aber die Politik ist in den letzten Jahren sehr in eine Richtung gerückt. Konservative 6 35 Dieses Dokument wurde erstellt von MK und steht unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Bildquellen: pixabay.com Staaten und Parteien sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden und ehemaligen Staaten und Parteien sind rein zufällig. Die dargestellte Meinung stellt nicht zwangsläufig die Meinung des Autors dar. Klasse: 280 285 290 295 300 305 310 315 320 Gesellschaftsordnungen Datum: Themen sind nun tabu. Heikle politische Themen sollte man im Bekanntenkreis lieber nicht mehr ansprechen. Viele sind schon gleichgebürstet. Man sieht auch immer die gleichen Köpfe seit Jahren in der Regierung. Aber was soll man tun? Wahlen ändern ja sowieso nichts. Die meisten Parteien unterscheiden sich ja kaum noch. I: Aber dann hat doch bestimmt die Presse genug Themen zum Kritisieren! V: Leider nicht. Die Presse ist in den letzten Jahren zunehmend zum Sprachrohr der Regierung geworden. Überall die gleichen Meldungen und Meinungen. Menschen, die Kritik äußern, werden schnell zur Zielscheibe der Öffentlichkeit. Teilweise werden Meinungsäußerungen in den digitalen Medien schon zensiert. Das hat auch bekannte Persönlichkeiten erwischt. Die waren danach beruflich oder politisch erledigt. Nun traut sich kaum noch jemand. I: Aber in der aktuellen Wirtschaftskrise hat die Regierung doch starke Maßnahmen getroffen. V: Wenn Sie das so sehen. Einige große Unternehmen sollen sogar zur Rettung verstaatlicht werden. Die Rettung von Unternehmen wird mit neuen Schulden bezahlt. Solange die Zentralbank noch Geld drucken kann, mag das ja gehen. Aber was passiert, wenn das nicht mehr geht oder nicht mehr reicht. Viele haben ihren Arbeitsplatz schon verloren und damit ihre Hoffnung auf ein gutes Leben. Menschen brauchen laut einem neuen Gesetz ihre Verträge nicht mehr erfüllen, z.B. ihre Miete nicht mehr bezahlen. Das klingt erstmal gut, könnte alles aber nur noch schlimmer machen. Da bleibt vielen nur noch ein starker Glaube. I: Ist dann nicht die Kirche als spiritueller Fluchtort wichtig? V: Die Kirche hat viel Einfluss unnötig verloren. Ich denke, auch sie hat sich dem Meinungsdiktat der Zeit gebeugt. Religiöse Werte wurden vielfach über Bord geworfen. Die Kirche verhält sich in großen Teilen wie eine NGO (NichtRegierungsorganisation). Sie sollte zu ihren Wurzeln zurückkehren und sich um den Glauben ihrer Schäfchen kümmern. Der Glauben kann besonders in harten Zeiten Kraft schenken. I: Klingt alles eher pessimistisch. V: Es hat sich in Schlummerland einiges verändert. Es ist nicht immer offensichtlich. Einige, die wenig politisch interessiert sind, bekommen auch gar nichts mit. Bei vielen Menschen macht sich aber ein ungutes Gefühl breit, dass das keine gute Richtung nimmt. Ich halte es mit einem Spruch, den ich auf einer Reise gesehen habe. Er steht über dem Eingangstor des Hamburger Rathauses. Wie er heißt, bekommen Sie schon selbst heraus! I: Danke für das Interview! Und ich werde nun mal nach diesem Spruch suchen! A3 Analysiere die Situation in Schlummerland anhand der behandelten Merkmale. Tipp: Recherchiere den Begriff „Kulturmarxismus. Recherchiere nach dem Spruch, der am Ende des Interviews angesprochen wurde. Tipp: Er steht im Original in lateinischer Sprache. Schreibe ihn auch in der deutschen Übersetzung auf. Nimm Stellung zu dem Spruch. A4 7 40 Dieses Dokument wurde erstellt von MK und steht unter der CC BY-SA 4.0 Lizenz. Bildquellen: pixabay.com Staaten und Parteien sind frei erfunden, Ähnlichkeiten zu bestehenden und ehemaligen Staaten und Parteien sind rein zufällig. Die dargestellte Meinung stellt nicht zwangsläufig die Meinung des Autors dar.