Arbeitsblatt: Draussen unterrichten

Material-Details

hep Verlag
Lebenskunde
Gemischte Themen
klassenübergreifend
19 Seiten

Statistik

195714
51
1
19.11.2020

Autor/in

Marianne Bürki
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Sarah Wauquiez ist Primarlehrerin, Naturpädagogin, Psychologin, Erwachsenenbildnerin und Mutter. Sie forscht zur Wirkung von Natur auf die kindliche Entwicklung und begleitet seit 1998 Kinder und Erwachsene in der Natur. wasserdichte Unterrichtsideen Dieses Buch bietet eine Fülle von Unterrichtsideen, und zwar für alle Fachbereiche der Primarstufe. Sämtliche Aktivitäten sind praxiserprobt, leicht umsetzbar und für den Lehrplan 21 relevant. Die Natur ist hier nicht bloss Zugabe, sondern ein wichtiges Mittel, um die fachspezifischen und fächerübergreifenden Unterrichtsziele zu erfüllen: Sie ermöglicht das Lernen am realen Objekt und fördert die Entwicklung der sozialen und personalen Kompetenzen. Draussen unterrichten 3 Autorinnen mit Durchblick 300 bärenstarke und Draussen unterrichten 13 3 Gründe, draussen zu unterrichten Stiftung SILVIVA (Hrsg.) Das Handbuch für alle Fachbereiche 1. und 2. Zyklus Die Kinder lernen nachhaltiger werden leiser, aufmerksamer und ausdauernder erfahren grundlegende Werte stärken ihr persönliches Wohlbefinden werden selbstständiger erweitern ihre handwerklichen Fertigkeiten verbessern ihre Wahrnehmung und ihre Bewegungen entwickeln ein gesundes Körperbild werden fokussierter, sozialer und offener festigen den Klassenzusammenhalt lernen die lokale Umgebung kennen vertiefen ihre Beziehung zur Natur stärken ihr Umweltbewusstsein Die Lehrperson erfährt mehr Freiheiten stärkt die Beziehung zu den Kindern fühlt sich gesünder und zufriedener «Draussen unterrichten» liefert attraktive Lerninhalte und wertvolle Tipps und Tricks. Es zeigt, wie bereichernd und motivierend der Unter richt draussen ist – für die Kinder wie auch für die Lehrperson. Martina Henzi ist Primarlehrerin und Mutter. Sie unterrichtet drinnen und draussen und entwickelte als Mitarbeiterin des WWF Schweiz Unterrichtsmaterialien für verschiedene Fachbereiche. Sie widmet sich ihrer Leidenschaft fürs Leben und Lernen in der Natur seit ihrer Kindheit. Nathalie Barras ist Naturpädagogin, Erwachsenenbildnerin, Sozialarbeiterin und Mutter. Seit 2008 arbeitet sie mit Kindern in der Natur, seit 2009 auch mit Erwachsenen. Sie begeistert sich für alle Ansätze von Bildung, die eine nachhaltige Lebens weise fördern. UG_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 1-5 Stiftung SILVIVA (Hrsg.) www.hep-verlag.ch /draussen-unterrichten www.draussenunterrichten.ch 14.03.18 13:53 6 Draussen unterrichten Geleitwort 8 Vorwort 10 1 So klappt der Unterricht draussen 13 Warum in der Natur unterrichten? 14 Wer? Wo? Was? Wie? 17 Fächerübergreifendes Lernen 20 Die verschiedenen Draussenlernorte 23 Organisatorisches 28 Dokumentation und Evaluation 36 2 Alle Fachbereiche draussen unterrichten 41 Aufbau des praktischen Teils 42 Sprachen 45 Abc mit der Natur 46 Ausrollgeschichten 51 Gegensätze 54 Laufgeschichten 58 Naturcomic 62 Die Sprache der Tiere 65 Wo steckt Herr Specht? 70 Sprichwörter 74 Brief aus der Natur 77 Formularkrieg 80 Lesen und präsentieren 82 Schreiben und präsentieren 86 Mathematik 93 Zählen und schätzen 94 Grundrechenarten «nature» 101 Reihen 110 Rechnen mit Stämmen und Strünken 114 Geometrische Formen 117 Zahlen und Symmetrien 122 Uhr der Natur 126 Grössen undMasseinheiten 129 Baumrekorde 134 Was ist dieser Baum wert? 140 Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 6 14.03.18 15:00 Inhaltsverzeichnis Natur, Mensch, Gesellschaft 7 147 Mein Naturplatz 148 Wunschort für 152 Orientierung 157 Meine Umgebung früher und heute 162 Feuer machen früher und heute 165 Kochen früher und heute 172 Gestalten 189 Sich einrichten am Naturort 190 Gestalt-Techniken 198 Gesichter gestalten 205 Modekollektion «nature» 210 Mit Schnee, Eis und Rotkohl 214 Wer macht Naturkunst? 217 Schrift und Schreibzeug 222 Körbe 230 Mit Lehm und Ton 235 Naturspielzeug herstellen 240 Tierwohnungen bauen 247 Weben und nähen 252 Musik 257 Naturinstrumente 258 Klangkarten 268 Klanggeschichten 272 Naturlieder 276 Bewegung und Sport 285 Aufwärmspiele 286 Steckenspiele 288 Ein Tag im Leben eines Eichhörnchens 293 Natur-Vitaparcours 298 Highland Games 306 Seilkonstruktionen 316 3 Grundlagen und weiterf ührende Materialien 325 Argumente für das Draussenunterrichten 326 Planungsbeispiele 330 Zahlen, die zählen 332 Literaturtipps 334 Bildnachweis 336 Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 7 14.03.18 15:00 Draussen unterrichten 8 Geleitwort Niemand kann ein Kind von aussen formen. Es kann die Netzwerke in seinem Gehirn, die für die Steuerung von Fähigkeiten und Fertigkeiten und für die Verankerung von Wissensinhalten zuständig sind, nur selbst herausbilden. Dazu können wir unsere Kinder einladen, ermutigen und inspirieren. Und am besten geht das immer dann, wenn wir ihnen Zugang zu einer Lebenswelt ermöglichen, in der es nicht so sehr auf ganz bestimmte Fähigkeiten und ganz bestimmtes Wissen ankommt. Das müsste eine Lebenswelt sein, die den Kindern möglichst viele und möglichst verschiedenartige Gelegenheiten bietet, all das zu entdecken und zu gestalten, was es dort zu ent decken und zu gestalten gibt. Eine Lebenswelt auch, welche die Kinder dazu anregt, sich um möglichst vieles zu kümmern, was ihrer Sorge, ihrer Aufmerksamkeit und ihrer Zuwendung bedarf. So weit, so gut. Aber wo finden Heranwachsende noch einen Erfahrungsraum, der sie ermutigt und inspiriert, all dies zu erfahren, aber auch einlädt, achtsam zu sein und sich behutsam mit dem zu beschäftigen, was es zu entdecken und zu gestalten gibt? In geschlossenen Klassenräumen ist das schwer, aber draussen in der Natur, im Wald, am Bach, auf Wiesen und Feldern, sind solche Erfahrungen unvermeidbar. Dort erleben Kinder und Jugendliche ihre eigene Eingebundenheit in die Natur, dort kommen sie wieder in Kontakt mit ihren natürlichen, lebendigen Wurzeln. Dort ist nichts programmiert, dort findet ihre Entdeckerfreude und Gestaltungslust eine Überfülle an Nahrung. Dort spüren sie wieder die Verbindung zu dem, was sie lebendig macht. Die Möglichkeiten, die die Natur für Entdeckungsreisen bietet, sind unbegrenzt. Nichts funktioniert dort auf vorgefertigte Weise, alles kann man gar nicht selbst entdecken, nichts ist gleich. Kein Blatt, kein Ast gleicht dem anderen, und alles kann man für irgendetwas verwenden. Überall lässt sich etwas finden, was wächst, was lebt, was einzigartig ist – wie die Kinder selber. Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 8 14.03.18 15:00 Geleitwort 9 Natur ist für Kinder so essenziell wie gute Ernährung. Sie ist ihr angestammter Entwicklungsraum. Hier stossen die Kinder auf vier für ihre Entwicklung unverhandelbare Quellen: Freiheit, Unmittelbarkeit, Widerständigkeit, Bezogenheit. Aus diesen Erfahrungen bauen sie das Fundament, das ihr Leben trägt. In der Natur können Kinder dieses besondere Gefühl von Dankbarkeit entwickeln, dass sie Teil dieser lebendigen Natur sind. Und dort können sie begreifen, dass es etwas gibt, was widerspenstig ist und seinen eigenen Regeln und Gesetzen folgt. Wie das funktionieren kann, worauf es dabei ankommt und was dort draussen alles möglich wird, beschreibt dieses Buch. Es ist eine Anregung mit sehr konkreten Umsetzungshilfen für alle Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und in der Kinderbetreuung tätigen Personen, denen die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen am Herzen liegt. Sie können es mit dem Herzen lesen, aber umsetzen sollten Sie es mit Verstand – weil Sie verstanden haben, worum es geht. Göttingen im Herbst 2017 Gerald Hüther Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 9 14.03.18 15:00 Draussen unterrichten 10 Vorwort Wir freuen uns ausserordentlich, dass Sie mit diesem Handbuch nun das erste wichtige Element des Projekts «Draussen unterrichten» in den Händen halten können. Das vorliegende Buch soll Sie als Lehrpersonen möglichst praktisch und unkompliziert beim Unterricht im Freien unterstützen. Das Handbuch, das parallel auch beim Verlag La Salamandre auf Französisch erscheint, ist aber nur ein zentraler Bestandteil einer viel grösseren Vision. Das langfristige Ziel besteht darin, dass möglichst viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit erhalten sollen, vom Draussenlernen zu profitieren. Denn dieses ist auf vielfältige Weise bereichernd, lernfördernd und stärkend. Dieses Projekt zielt darauf ab, Sie als Lehrpersonen bei der Umsetzung I hrer Hauptaufgabe des Unterrichtens zu unterstützen. Darüber hinaus will das Projekt auch den Schulleitungen, der breiteren Öffentlichkeit und den Vertreterinnen und Vertretern der Bildungspolitik verständlich machen, warum draussen lernen ein selbstverständlicher Bestandteil einer sinnvollen Schullaufbahn sein sollte. Zudem möchte SILVIVA im Rahmen dieses Projekts angehenden und ausgebildeten Lehrpersonen in Kursen und Weiterbildungen anschaulich vermitteln, wie leicht und gewinnbringend draussen unterrichten in den Schulalltag integriert werden kann und wie ein ganzes Schulteam sich zusammen auf eine Lernreise begeben kann, um den Unterricht draussen zu einem Teil der Schulkultur zu machen. Zusammen mit dem WWF bieten wir schweizweit Draussen-Tage an, an denen alle interessierten Schulen den Unterricht im Freien testen können. Das Projekt «Draussen unterrichten» ist das Produkt einer langjährigen fruchtbaren Zusammenarbeit: So gäbe es das Projekt gar nicht, wenn die Hauptautorin Sarah Wauquiez nicht mit der Buchidee auf SILVIVA zugekommen wäre. Und es wäre bei einer schönen Idee geblieben, hätte ILVIVA sich das Projekt nicht zu eigen gemacht und sich um die nötige Finanzierung gekümmert. Und ohne die grosszügige Bereitschaft der Stiftung Mercator Schweiz, das Projekt finanziell zu unterstützen, wären wir heute keinen Schritt weiter. Dass dann mit dem WWF Schweiz, dem Bundesamt für Umwelt, der 3FO Förderorganisation und der Stiftung «Perspektiven» Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 10 14.03.18 15:00 Vorwort 11 von Swiss Life noch weitere Förderpartner zusagten, das Projekt grosszügig zu unterstützen, zeugt dafür, dass wir damit einen Nerv der Zeit, ein tief liegendes Bedürfnis getroffen haben. Sowohl bei der Suche nach Testpersonen für die Lernaktivitäten als auch bei der Bestellung des Beirats sind wir immer auf offene Türen gestossen. Es scheint, dass die Projektidee wie selbstverständlich Sinn ergibt. Aber diese Idee wäre nie umgesetzt worden ohne die harte Arbeit der Projektleiterin Lea Menzi, der drei Autorinnen Sarah Wauquiez, Nathalie Barras und Martina Henzi, ohne die Rückmeldungen der 170 Testlehrpersonen und der sieben Fachlektorinnen und Fachlektoren, ohne die gestalterische Arbeit der Grafikerin Eva-Maria Bolz, ohne die Unterstützung unseres Lektors Lukas Meier und der gesamten Crew des hep verlags, ohne die wunderschönen Fotos von Timo Ullmann und Gabriela Fürer. Ihnen allen und all denjenigen, die wir hier nicht namentlich nennen können, gebührt deshalb unser herzlichster Dank. Ihnen, liebe Lehrpersonen, wünschen wir nun mindestens so viel Spass beim Draussenlernen wie Ihren Schülerinnen und Schülern. Sie werden spürbar erfahren und erleben, wie sich Ihr Lehr-Lern-Portfolio erweitert und sich das Draussen und das Drinnen gegenseitig befruchten. Zürich im August 2017 Rolf Jucker, Geschäftsleiter SILVIVA Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 11 14.03.18 15:00 Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 12 14.03.18 15:00 1 So klappt der Unterricht draussen Warum in der Natur unterrichten? 14 Wer? Wo? Was? Wie? 17 Fächerübergreifendes Lernen 20 Die verschiedenen raussenlernorte 23 Organisatorisches 28 Dokumentation und Evaluation 36 Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 13 14.03.18 15:00 So klappt der Unterricht draussen 14 Warum in der Natur unterrichten? Lust am Lernen Als Lehrperson sind Sie Fachfrau bzw. Fachmann dafür, dass Kinder lernen zu lernen. Die Kinder sollen sich Lebenskompetenzen aneignen, die es ihnen ermöglichen, ein sinnvolles, erfülltes und verantwortungsvolles Leben zu führen. Zusammen mit den Eltern und anderen Bezugspersonen sind Sie eine zentrale Person im Leben jedes Kindes. Sie können Türen weit aufstossen und die Kinder dabei unterstützen, Lust am Lernen zu entwickeln und auch zu bewahren. Möglicherweise sind Sie nicht zuletzt aus solchen Gründen überhaupt erst Lehrperson geworden: wegen Ihrer Begeisterung für die Kinder und deren leuchtende Augen, wenn sie wachsen und wenn sie lernen, die Welt, sich selber, ihr soziales Umfeld und die Natur immer besser, tiefer, differenzierter, toleranter und mit Weitblick zu verstehen. Mit diesem Handbuch möchten wir Ihnen das praktische Rüstzeug liefern, um diese Lernprozesse erfolgreich zu unterstützen – und zwar einfach und praktisch umsetzbar, in jedem Fachbereich des 1. und 2. Zyklus. Das Spezielle daran: Wir möchten Sie und Ihre Kinder nach draussen entführen, in die Natur, in den Kulturraum. Und zwar nicht als nette Zugabe, sondern damit Sie Ihre Unterrichts- und Lehrplanziele erfüllen können. Sie fragen natürlich zu Recht: Warum draussen? Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 14 14.03.18 15:00 Warum in der Natur unterrichten? 15 Wie Sie sicher schon gemerkt haben, benutzen wir in diesem Buch anstelle von «Schülerinnen und Schüler» den Ausdruck «Kinder». Der Grund dafür ist, dass wir diese jungen Menschen nicht in einer Funktion, sondern als ganzheitliche Personen betrachten möchten. Draussen unterrichten ermöglicht lernen am realen Objekt «Nur dadurch, dass ich Wasser anfasse, kann ich lernen, was es heisst, dass Wasser nass ist. Zugleich höre ich es glucksen oder tropfen, sehe ich Wellen und Reflexe, rieche vielleicht das Meer oder das Gras am Seeufer und erhalte so einen Gesamteindruck, der in mir – zusammen mit vielen anderen solcher Erfahrungen – zu einer komplexen und differenzierten Repräsentation von Wasser führen wird. Wenn ich diese innere Repräsentation (noch) nicht habe, kann ich auch die buntesten Bilder und die schrillsten Töne aus dem Computer gar nicht verstehen. Die bereits stattgefundene Wechselwirkung mit der wirklichen Realität ist also Voraussetzung dafür, dass ich mit der virtuellen Realität des Computers auch nur im Ansatz umgehen kann» (Spitzer, 2006, S. 225). fördert Sozialkompetenzen und Klassenklima Für Lehrpersonen, die häufig draussen unterrichten, zählen die verbesserten Beziehungen zwischen Kindern und Lehrpersonen sowie zwischen den Kindern untereinander zu den wichtigsten Aspekten des Draussenunterrichtens. Dieser gestärkte soziale Boden spart längerfristig Zeit und hilft bei der Alltags gestaltung des Unterrichts, drinnen wie draussen. ist gesund Draussen bewegen sich die Kinder mehr, was zum Abbau von Aggressionen und zu besserer Konzentration, körperlicher Fitness und einem besseren Selbstbewusstsein führt. Naturaufenthalte verbessern das Wohlbefinden und dämpfen Stress. Draussen zu unterrichten, ermöglicht Ihnen, die Ziele des fächerübergreifenden Themas «Gesundheit» zu erreichen und die personalen Kompetenzen der Kinder zu fördern. entlastet Sie langfristig Am Anfang bedeutet draussen unterrichten für Sie Aufwand und Wagnis. Aber Lehrpersonen, die regelmässig draussen unterrichten, berichten über genau dieselben positiven Effekte wie die Kinder auch: Sie haben mehr Freiheit, fühlen sich gesünder und zufriedener, kommen abends entspannter nach Hause, ihre Unterrichtspraxis wird bereichert. Mit der Zeit und Regelmässigkeit werden die Kinder draussen selbstständiger, kreativer, motivierter und aufmerksamer. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Gründe, warum draussen unterrichten sinnvoll sein kann – aus wissenschaftlicher Sicht und aus der Sicht erfahrener Lehrpersonen. Wir haben diese Gründe für Sie in Teil 3 ( 326 – 328) zusammengestellt. Vielleicht nützen Ihnen diese Grundlagen in der Diskussion mit ltern, Schulleitung und Kolleginnen und Kollegen. Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 15 14.03.18 15:00 16 So klappt der Unterricht draussen Draussen und drinnen Draussen unterrichten kann Ihnen mehrere zusätzliche Pfeile im Köcher I hrer Lehr-Lern-Arrangements bieten. Es ermöglicht und ergänzt Dinge, die im Klassenzimmer nur eingeschränkt möglich sind. Draussen lernen ist eine gut erprobte und wirksame Erweiterung Ihrer Handlungsmöglich keiten als Lehrperson – variabel und flexibel einsetzbar nach Gutdünken auf Basis Ihrer professionellen Kompetenz als Lernspezialistin bzw. Lernspezialist. Sie haben die ganze Bandbreite an Möglichkeiten: von einem einstündigen Aufenthalt auf dem Schulhof bis zum ganztägigen und regelmässigen Unterricht im Wald. Draussen lernen ist nicht besser als drinnen lernen, und der Unterricht draussen kann auch nicht das Klassenzimmer ersetzen – und umgekehrt. Warum also nicht alle Vorteile vereinen und drinnen mit draussen kombinieren? Den Kindern sowohl High-tech-Erfahrungen als auch High-touch- Erfahrungen in authentischen Lernumgebungen ermöglichen? Ein solches Lernen ist zukunftsweisend, weil es Schule und Alltag, Theorie und direkte Erfahrung vereint. Es ermöglicht den Kindern, ihre unmittelbare Mitwelt kennen, schätzen und respektieren zu lernen. Lernen am realen Objekt Unmittelbare Eindrücke festhalten Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 16 14.03.18 15:00 17 Wer? Wo? Was? Wie? Wer? Unterrichten Sie selber draussen, anstatt Experten einzuladen. Je mehr Sie draussen unterrichten, desto einfacher und gewinnbringender wird es. Holen Sie sich zu Beginn eine im Draussenunterricht erfahrene Lehrperson als Tandempartnerin bzw. Tandempartner. Wo? Unterrichten Sie regelmässig draussen im nahen Schulumfeld, sowohl in der natürlichen als auch in der kulturellen Mitwelt. Was? Unterrichten Sie fächerübergreifend und testen Sie alle Fachbereiche draussen aus. Machen Sie den Link zwischen Naturerfahrung und Alltagshandeln, zwischen der Schule draussen und der Schule drinnen. Arbeiten Sie an beiden Lernorten an denselben Zielen und Themen. Überlegen Sie sich, wie Sie die Vor- und Nachbereitung im Schulzimmer gestalten wollen. Was soll drinnen vertieft bzw. evaluiert werden? Verfolgen Sie draussen nicht nur Fachbereichsziele; behalten Sie immer auch die überfachlichen Kompetenzen im Auge, etwa diejenigen Kompetenzen, die eine nachhaltige Lebensweise fördern. Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 17 14.03.18 15:00 18 So klappt der Unterricht draussen Wenn Sie regelmässig draussen unterrichten: Bauen Sie Aktivitäten ein, die sich jedes Mal wiederholen, zum Beispiel den Besuch eines persönlichen Naturplatzes. Dies erleichtert die Planung, schafft Kontinuität, schult die Beobachtung und vertieft die Naturbeziehung. Die Kinder erwerben draussen viele fächerübergreifende Kompetenzen während der selbstgesteuerten Lernphasen. Planen Sie daher genügend Zeit ein für Freispiel, für Pausen, für Aktivitäten mit offenen Fragestellungen und für eine individuelle Wahl der Realisationsart und Sozialform. Integrieren Sie jeweils eine Phase der Auswertung, Reflexion, Evaluation – drinnen oder draussen. Halten Sie immer ein bis zwei Zusatzaktivitäten in Reserve, falls das Programm schneller abläuft als geplant oder falls die Kinder Bewegung brauchen (etwa weil es kälter ist als gedacht). Wie? Arbeiten Sie nicht nur in, sondern auch mit der Natur. Der respekt volle Umgang mit der Mitwelt wird in jeder Sequenz gelebt und geübt. Die Zeit verläuft draussen anders als drinnen. Planen Sie die Zeit pro Aktivität grosszügig. Es geschehen immer unvorhergesehene Dinge, die das Interesse der Kinder wecken und Zeit brauchen. Achten Sie darauf, dass die Kinder draussen die meiste Zeit aktiv tätig sind. Lassen Sie die Kinder zusammen problemlösungsorientiert arbeiten – an konkreten und sinnvollen Situationen. Verwenden Sie hingegen darbietende und interrogative Methoden nur über kurze Zeitspannen – oder vor- und nachbereitend im Klassenzimmer. Wagen Sie es, auch mal ohne Vorbereitung in die Natur zu gehen, um zu schauen, was die Natur und die Kinder für Impulse geben. Mit der Erfahrung neigen viele Lehrpersonen dazu, den Kindern draussen mehr selbstgesteuerte Lernzeit zur Verfügung zu stellen, da viele Lernund Lebenskompetenzen dabei besser erreicht werden. Lehrpersonen mit Erfahrung im Draussenunterrichten erleben diese Art von Unterricht als einfach. Schlechtes Wetter, misstrauische ltern, Schulsystem und Arbeitsbelastung sind keine Hindernisse mehr. Und mit Übung ist ein Aufenthalt im Wald auch nicht gefährlicher als ein Spiel auf dem Pausenplatz oder in der Turnhalle. Tipps für den Tagesablauf Weg zum Naturort Der Weg ist bereits das Ziel. Mit Suchaufträgen oder Rätseln auf dem Weg sensibilisieren Sie die Kinder für die Umgebung und das Thema. Nehmen Sie sich auf dem Weg die Zeit, auf spontane Impulse der Kinder und der Mit- und Umwelt einzugehen. Fördern Sie die aufmerksame Wahrnehmung der Kinder, indem Sie sie auf kleine oder überraschende Dinge hinweisen, die Ihnen auffallen. Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 18 14.03.18 15:00 Wer? Wo? Was? Wie? 19 Gemeinsamer Beginn Beginnen Sie mit einer Aktivität, die Begeisterung weckt und ins Thema einführt. Je nach Klasse und Weg ist hier eine bewegungsorientierte, spielerische oder ruhige Aktivität angebracht. Mittelteil Bei jüngeren Kindern besteht dieser Teil aus Freispiel. Bei den älteren Kindern ist es wichtig, dass dieser Teil gut rhythmisiert ist: Wechseln Sie zwischen ruhigen und dynamischen Aktivitäten ab, nutzen Sie verschiedene Zugänge zur Natur, ändern Sie die Sozialformen. In dieser Sequenz sollten die Kinder aktiv tätig sein und die Umgebung unmittelbar erfahren können. Je nach Klasse braucht es zum Einstieg eine Aktivität, welche die Aufmerksamkeit der Kinder fokussiert: ein Tasträtsel machen, Natur durch das Handmikroskop oder mit dem Spiegel beobachten, möglichst viele Geräusche sammeln, häufige Tierspuren gemeinsam anschauen und beschreiben, bevor wir sie selber suchen gehen Gemeinsamer Abschluss Führen Sie eine Evaluation durch oder machen Sie einen Abschlusskreis, tauschen Sie Entdeckungen, Erfahrungen und Empfindungen aus, machen Sie einen Bogen zum Anfang, erzählen Sie eine Geschichte usw. In Teil 3 finden Sie zwei Planungsbeispiele mit Aktivitäten für einen Halbtag draussen ( 330 und 331). Lernen mit dem, was die Umgebung bietet Zusammen problemlösungsorientiert arbeiten Inhalt_DraussenUnterrichten_Hfl_1A_18.indd 19 14.03.18 15:00 Sprachen 46 Abc mit der Natur Die Kinder suchen Buchstaben und Laute in der Natur (Sprachen, NMG), gestalten ein Abc-Buch (Sprachen, Gestalten, Medien und Informatik), schreiben und lesen in der Geheimschrift der Natur (NMG, Sprachen), organisieren selber ihr Vorgehen (personale, soziale und methodische Kompetenzen). wie Baumstamm Einstieg Material keines 1.– 2. Zyklus D.1.A D.2.A D.5.A FS.5.A–C 1. Zyklus Die Lehrperson sagt: «Hier in der Umgebung haben sich überall Buchstaben versteckt. Wer sieht etwas, was wie ein Buchstabe aussieht?» Die Kinder schauen ringsherum. Wenn ein Kind etwas gefunden hat, was einem Buchstaben gleicht, meldet es sich, nennt den Buchstaben und zeigt, wo es ihn sieht. Falls niemand etwas entdeckt, hilft die Lehrperson nach: «Wie welcher Buchstabe sehen denn Baumstämme aus?» 1.– 2. Zyklus Gemeinsam versucht die Klasse, so viele Naturelemente wie möglich in der Umgebung zu entdecken, die mit einem bestimmten Buchstaben oder Laut beginnen. Die Lehrperson gibt den ersten Buchstaben oder Laut vor. Die Kinder schauen ringsumher. Wenn ein Kind etwas entdeckt hat, meldet es sich, nennt das Naturelement und zeigt den anderen, wo es ist. Die Lehrperson korrigiert, wenn nötig. Findet niemand mehr etwas, darf das Kind, das zuletzt einen Gegenstand entdeckt hat, einen neuen Buchstaben oder Laut nennen. Im 2. Zyklus kann diese Aktivität auch in einer Fremdsprache durchgeführt werden. Abc mit der Natur 47 Abc-Buch Die Lehrperson legt eine Auswahl an Buchstaben auf den Boden. Jedes Kind geht nun alleine auf die Suche nach diesen Buchstaben in der Umgebung. Wer ein Objekt gefunden hat, das einem der Buchstaben gleicht, schreibt diesen zehnmal in der Luft nach. Danach fotografiert er das Objekt oder skizziert es ins Natur-Lernjournal. Falls ein Buchstabe nicht gefunden wird, darf er auch mit Naturmaterial auf den Boden gelegt oder dreidimensional geformt werden – zum Beispiel mit Waldrebe, Efeu oder Gräsern. Variante Jedes Kind markiert alle Buchstaben, die es gefunden hat, mit rotem Faden. Nachdem alle mindestens einen Buchstaben entdeckt haben, geht die Klasse alle Buchstaben besichtigen. Die Lehrperson fotografiert. Dann bildet sie Zweiergruppen und teilt jeder Gruppe einen Buchstaben zu, der noch nicht gefunden wurde. Die Kinder gehen ihn suchen und markieren ihn. Zurück in der Schule, werden dann einige Fotos ausgewählt und ausgedruckt oder die Skizzen ins Reine gezeichnet. Die Kinder kleben die Fotos oder Skizzen in ihr Schreibheft und üben darunter den Buchstaben – mithilfe von Wörtern, die sie in der Umgebung draussen entdeckt haben. Hat die Klasse das gesamte Alphabet draussen entdeckt, erstellt sie ein gemeinsames Abc-Buch: Jedes Kind gestaltet ein bis zwei Seiten. Kind legt Buchstaben Buchstabe in der Natur Material Handykamera Fotoapparat, Buchstaben (laminiert oder in Plastikmäppchen), Schreib unterlage, Natur-Lernjournal, Bleistifte, evtl. roter Faden 1. Zyklus D.2.A MI.1.3 BG.1.B BG.2.C 48 Sprachen Buchstaben- und Lautjagd Material Buchstaben (laminiert oder in Plastikmäppchen), kleine Tücher, Papier, Schreibunterlagen, Stifte 1.– 2. Zyklus D.1.A D.2.A D.4.A D.4.F D.5.A–C FS.5.A–C NMG.2 Zu zweit gehen die Kinder auf Buchstaben- und Lautjagd, in Deutsch oder einer Fremdsprache. Die Lehrperson gibt jedem Team ein bis zwei Buchstaben oder Laute. Die Teams suchen nun nach Objekten in der Umgebung, die diesen Buchstaben bzw. Laut enthalten (einfache Version) oder damit beginnen (schwierige Version). Bei der Teambildung sollte man darauf achten, dass mindestens eines der Kinder einen ausreichenden Wortschatz in der verlangten Sprache besitzt. Die Teams legen die gefundenen Naturelemente auf ein kleines Tuch zum entsprechenden Laut oder Buchstaben. Die Klasse besichtigt die Ausstellung, jedes Team präsentiert seine Beute. In Klassen, die bereits alle Buchstaben beherrschen, verfasst jedes Team eine Liste mit den Namen der gefundenen Elemente. Jedes Team kontrolliert, ob es alle notierten Gegenstände in der Umgebung findet. Danach werden die Listen zwischen zwei Gruppen getauscht. Die Partnerteams korrigieren einander gegenseitig die Rechtschreibung und den Inhalt der Listen. Variante Auch eine gemeinsame Buchstabenjagd ist möglich. In diesem Fall legt die Lehrperson auf einem Tuch alle oder ausgewählte Buchstaben des Alphabets aus. Die Klasse versucht, so schnell wie möglich zu jedem Buchstaben ein Naturelement in der Umgebung zu finden, das mit diesem Buchstaben beginnt. Die Kinder organisieren ihr Vorgehen selber. Die Lehrperson kann die Suche beschränken oder erweitern: nur Adjektive, nur Verben oder nur Nomen suchen, Fantasiewörter entwickeln, Wörter in einer Fremdsprache bzw. in den Herkunftssprachen der Kinder erhaschen. Kinder auf Buchstabenjagd Ausstellung zum Abc mit der Natur 49 Geheimschrift der Natur Kennen die Kinder die Namen der Naturelemente gut, werden sie in die Geheimschrift der Natur eingeführt. Die Lehrperson teilt nun die Klasse in Gruppen auf und verteilt jeder Gruppe ein Wort, eventuell ergeben alle Wörter zusammen einen Satz. Die Gruppen suchen für jeden Buchstaben ihres Wortes ein natürliches oder vom Menschen geschaffenes Objekt in der Umgebung, das mit demselben Buchstaben anfängt. Die Lehrperson legt unterdessen kleine Tücher nebeneinander auf dem Boden aus, für jede Gruppe eines. Jede Gruppe legt dann die gefundenen Elemente in der richtigen Reihenfolge auf ihr Tuch. Falls ein Buchstabe zu schwer zu finden ist, darf er auch mit Naturmaterial geschrieben werden – aber nur einer! Die Teams, die schnell fertig sind, erhalten ein Zusatzwort zum Schreiben. Material kleine Tücher 2. Zyklus D.2.A D.5.A NMG.2 Haben alle Teams ihr Wort bereit, geht es weiter: Jedes Team versucht nun, die Wörter sämtlicher Gruppen zu entschlüsseln. Hat die Lehrperson Wörter verteilt, die zusammen einen Satz ergeben, gilt es zudem, die Wörter in die richtige Reihenfolge zu bringen und den Inhalt des Satzes zu erraten. Spannend sind Sätze, die eine Anweisung bzw. Frage enthalten, zum Beispiel: «Was ist in der alten Spechthöhle?» In der leeren Spechthöhle hat die Lehrperson zuvor eine Überraschung versteckt. Reimschlangen Jedes Kind erhält ein Naturelement aus der Umgebung zugeteilt. Die Auf gabe ist es nun, das betreffende Naturelement zu finden, zu untersuchen und eine seiner Eigenschaften mit einem Reimwort zu beschreiben, zum Beispiel: «Der Stein ist klein.» Danach kommt die Klasse im Kreis zusammen. Ein Kind beginnt, es legt sein Naturelement in die Mitte und sagt seinen Reimsatz dazu. Das nächste Kind im Kreis macht weiter, es legt sein Naturelement hin, wiederholt den ersten Satz und sagt seinen dazu. So wird die Reimschlange immer länger, je nach Altersstufe bis zum fünften oder zehnten Kind. Das folgende Kind im Kreis beginnt dann eine neue Schlange. Der Stein ist klein Der Stein ist klein, das Moos ist grandios. Der Stein ist klein, das Moos ist grandios, das Ahornblatt ist aalglatt. Variante Die Kinder suchen ein Naturobjekt, das mit demselben Buchstaben wie der eigene Name anfängt: Anna hat ein Ahornblatt. Anna hat ein Ahornblatt, Luca hat ein Lindenblatt. Anna hat ein Ahornblatt, Luca hat ein Lindenblatt, Reto hat eine Rinde. Gegen Ende des 2. Zyklus kann diese Aktivität auch in einer Fremdsprache durchgeführt werden. Material keines 1.– 2. Zyklus D.1.A D.3.A–B D.4.B–D D.5.C