Arbeitsblatt: Grosse Flüsse

Material-Details

Aufgaben grosser Flüsse anhand des Flusses Po
Geographie
Anderes Thema
8. Schuljahr
16 Seiten

Statistik

196772
123
5
11.02.2021

Autor/in

Urs Battaglia
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Allgemeines: Funktionen von grossen Flüssen Grosse Flüsse versorgen weite Räume mit Wasser und regulieren das Grundwasser. Ausserdem bilden sie wichtige ökologische Räume. Grosse Flüsse sind auch für den Tourismus von grosser Bedeutung. Sie bilden wichtige internationale Verkehrsachsen. Oft sind Flüsse auch Energielieferanten. Ganz allgemein gesehen verbinden die Flüsse verschiedene Gebiete, Menschen und Kulturen. Einordnung und Abgrenzung Flüsse sind durch Ufer begrenzt, aber in ihren Verzweigungen unbeschränkt. Die Flussabschnitte werden in Oberlauf, Mittellauf, Unterlauf und im Falle des Po von Delta unterteilt. Nach dem Hauptfluss ist zumeist auch das Flusssystem und das Einzugsgebiet benannt. Abhängig von der Fließrichtung spricht man von linken oder rechten Nebenflüssen. Einleitung/geographische Daten Der Po ist der längste und wichtigste Fluss Italiens, der auf seinen ca. 682 Kilometern ganz Norditalien von Westen nach Osten durchfliesst und schliesslich durch ein Delta bei der Stadt Ferrata ins Adriatische Meer mündet. Seine Quelle liegt in den Hochalpen im Piemont (Monte Viso)wenige Kilometer von der italienisch-französischen Grenze entfernt. Die breiteste Stelle des Pos ist 503 Meter weit. 141 Nebenflüsse fliessen auf der ganzen Strecke in den Po, die zu seiner Geschwindigkeit und Kraft durch das ganze Land beitragen. Die mittlere Abflussmenge beträgt 1540 m3/s. Im Frühling beträgt die Wassertemperatur 10 – 18 C, im Spätsommer kann der Fluss stellenweise bis zu 25C betragen. Der Po durchfliesst folgende Regionen: Piemont mit den weltbekannten Weinen, die Lombardei mit ihren herrlichen Kunststädten, die Emilia Romagna Heimat des Parmaschinkens und des Parmesankäses, und Venetien mit wechselnden Landschaftsimpressionen. Der Po durchfliesst die wichtigen Städte Turin, Piacenza, Cremona und Ferrara. Gegen Ende seiner Reise durch Italien hat sich ein grosses Delta gebildet. Das Delta des Po umfasst etwa 370 km2 und besteht aus insgesamt fünf grossen kanalisierten und zahllosen kleineren Flussarmen, die zusammen viele grosse und kleine Flussinseln bilden. Seine Fläche vergrössert sich ständig (jährlich um 60 Hektar), da der Po hier ständig grosse Mengen an Schlamm, Sand und anderen Feststoffen ablagert. Der Fluss Po fliesst auf weiter Strecke durch die Poebene. In seinem Einzugsgebiet leben 16 Millionen Menschen. Es ist heute ein Industriegebiet in Italien und im Jahre 2002 haben mehr als ein Drittel der Bevölkerung des Landes hier gelebt! Wasserkraftwerke wurden entlang des Po gebaut und seine unerlässliche Wasserzufuhr dient der Landwirtschaft, um Getreide anzubauen und die riesigen Reisfelder zu bewirtschaften. Der Po als Dammfluss hat sein Flussbett enorm aufgeschüttet. Teilweise liegt sein Niveau bis zu 6m über dem der Ebene. Die Tatsache erfordert die Eindeichung des Flussbettes ab Pavia, um die Ebene vor Hochwasser zu schützen. Trotzdem kommt es immer wieder zu Deichbrüchen und katastrophalen Überschwemmungen. Durch die Ausbaggerung des Flussbettes und die darauf folgende Erhöhung der Erosionskraft tieft sich der Po immer mehr ein und die Hochwassergefahr wurde so in letzter Zeit verringert. Der Norditaliener Nach dem Jahr 1960 sind viele süditalienischen Arbeiter und Bauern in den industriellen Norden ausgewandert. Die Norditaliener fühlte sich seit jeher dem «ungebildeten» Süditaliener überlegen. Das Podelta Damit ein Delta entstehen kann, müssen verschiedene Bedingungen erfüllt werden. Die Küste muss flach sein, die Gezeiten und die Meeresströmung gering, denn nur dann werden die Ablagerungen vom bewegten Meerwasser nicht sofort wieder abtransportiert. Das Po-Delta unterliegt einem stetigen Wandel im Laufe der Zeit. Die Entwicklung des Deltas beginnt erst im Mittelalter, da ab diesem Zeitpunkt der Po einen erhöhten Sedimenttransport aufweist, den die Küstenströmung nicht mehr von dem Mündungsgebiet wegtransportieren kann. Es kommt zu Ablagerungen vor und seitlich der Mündung. Die Erhöhte Sedimentfracht ist durch die intensivere Besiedlung der Po-Ebene und damit verbundene Entwaldung und Landnutzung zu erklären. Bis zum 17.Jahrhundert verlagert der Fluss immer wieder sein Mündungsgebiet. Im Jahr 1604 bedrohen die Schlammablagerungen des Po, dessen Mündung damals weiter im Norden lag, den Zugang zum Hafen von Venedig und damit die Lebensgrundlage der Republik bedrohte. Mit einer für damalige Zeiten wahrhaft unglaublichen Kraftanstrengung und einer Meisterleistung der venezianischen Wasserbauingenieure wurde der Flusslauf des Po nach Süden umgeleitet und die tödliche Gefahr von Venedig abgewendet. Die Bildung des «modernen Deltas» hatte damit begonnen. Heute besteht das «moderne Delta» aus einer Halbinsel. Die Entwicklung des Deltas wird durch die fünf Flussarme bestimmt. Ihre Verläufe haben sich mit der Zeit häufig geändert. Das Po-Delta ist ein einziges Labyrinth aus Wasser und Röhricht (Pflanzenart). Die Einheimischen meiden es – sie verbringen ihre Freizeit lieber am Strand. Der Natur tut das nur gut. Immer mehr Vogelarten haben im Po-Delta ein Zuhause gefunden. Ornithologen haben fast 370 Arten gezählt: Reiher, Turmfalken, Eisvögel, Stelzenläufer, Enten und viele mehr. Hier im Delta versuchen Möwen im Sturzflug aus dem Wasser springende Fische zu schnappen. Ganze Scharen von Kormoranen halten Ausschau. Das Delta stellt eine Naturschönheit dar, die vor allem für Radtouristen, Wanderer und für diejenigen, die die Naturbeobachtung und Ausflüge mit dem Boot oder mit dem Kanu lieben, zu den wichtigsten Zielen Italiens zählt. Das Podelta gehört zum Weltnaturerbe der UNESCO. Früher war das Podelta vor allem bei Jägern und Fischern beliebt, die hier auf einen nahezu unerschöpflichen Reichtum von Fischen und Vögeln hoffen konnten. Eine Legende berichtet, dass sich früher im Delta auch immer Schmuggler und Mörder aufgehalten hätten. Aber – wer kann das schon sagen. Legenden und Wahrheit vermischen sich im Delta – genauso wie der Po mit der Adria. Landnutzung Das gesamte Po-Delta ist eines der grössten Feuchtgebiete Italiens und verfügt über ein empfindliches Land-Wasser-Gleichgewicht mit bedeutenden Ökosystemen. Grösstenteils wurden die Feuchtgebiete im Zeitraum von 1870 – 1970 durch künstliche Entwässerung trockengelegt und für landwirtschaftliche Zwecke und später auch für städtische und industrielle Ansiedlungen genutzt. Südlich des Po Grande überwiegt die Landwirtschaft mit dem Anbau von Getreide, Zuckerrüben und Reis auf eingedeichten und entwässerten Flächen. Im nördlichen Teil dominieren die Fischlagunen. Es wird eine besondere Art der Fischwirtschaft, die vallicultura, betrieben. Wirtschaftliche Bedeutung, Tourismus Die wichtigste wirtschaftliche Aktivität der Küstenzone und in den Lagunen im Deltabereich ist die Fischzucht. Früher waren ebenfalls Landwirtschaft und die Jagd bedeutend. Die «Industrialisierung» der Region begann in den 1930ern mit der Entnahme von Methangas und der Schifffahrt. Der Bau eines Kraftwerkes folgte. Wegen der Hochwassergefahr gab es keine grösseren industriellen Ansiedlungen. Der Tourismus im Deltagebiet ist bisher nur auf den nördlichen Teil beschränkt. Die Gründung des Regional Parks ist für den Kultur – und Ökotourismus von grosser Bedeutung. Ebenfalls von Bedeutung für die wirtschaftliche Zukunft der Region ist die spezialisierte Landwirtschaft. Tourismus allgemein Der Fluss ist von der Einmündung des Ticino bis zur Adria schiffbar. Die ersten schiffbaren 218 km sind mit grosser Vorsicht zu befahren, dies vor allem mit etwas grösseren Booten. Die Schwimmstege sind mehrheitlich für Boote bis 7 Länge gedacht. Nicht einmal grössere Städte wie Piacenza mit über 100000 Einwohnern verfügen über einen Landsteg. Trotzdem werden von diversen Reiseveranstaltern Flusskreuzfahrten angeboten. Diese haben in der Regel eine Dauer von 8 Tagen. Oftmals wird noch eine Toskana Rundreise im Anschluss sowie ein Aufenthalt in Venedig angeboten. Interessante Landausflüge führen auf diesen Flussreisen zum Beispiel nach Mantua in der Lombardei und Padua, eine der ältesten Städte Italiens, am Rande der Poebene gelegen. Radfahren der Po-Radweg Das Podelta ist eine Welt aus geraden Kanälen, krummen Flussarmen und plattem Land. Das macht Italiens größtes Feuchtgebiet zu einem idealen Revier für Radfahrer. Der Po-Radweg hat eine Gesamtlänge von rund 787 Kilometer. Den grössten Teil der Strecke legt man auf kleinen Landstrassen und auf den berühmten Dammwegen zurück. Auszug aus einem Reisebericht «Oben Himmel – unten Po, 3.5.2009 von Annette Rübensamen» «Auf der Sandbank fahren wir kilometerweit am Meer entlang. Es ist Ebbe, der Sand ist feucht und fest und so dicht mit Muscheln bedeckt, dass es beim Hinüberfahren leise knistert. Zurück auf dem Festland radeln wir zwischen Lagunenteichen weiter. Es sind mit Salzwasser gefüllte, flache Becken, in denen Fische gezüchtet und geangelt werden.» Angeln am Po Der Po ist sehr bekannt und beliebt zum Wallerangeln (Wels). Ein Top Wallerrevier ist das Gebiet bei Borgoforte, wo in einer üppigen Natur viele kleine Inseln und Bachmündungen zum Angeln einladen. Die Waller sind ab 11 Grad Wassertemperatur beissfreudig. Auch findet man im Po einen grossen Karpfen- und Zanderbestand. Katastrophen Die grosse italienische Überschwemmungskatastrophe Zur schlimmsten Überschwemmung des Deltas kam es im November 1951, als der Po, voll bis zum Anschlag, mit unvorstellbaren 12 000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde dem Meer entgegenrauschte. Bis die Dämme brachen. Über 1000 Quadratkilometer Land wurden überschwemmt, etwa hundert Menschen starben, und das ertrunkene Vieh zählte Tausende. Auszug aus «der Spiegel 49/1951 «Auf freiem Feld, in kümmerlichen Sträucher-Hütten, in Nässe und Gestank kampierend, warten am Rand des Überschwemmungsgebietes noch 25000 durch Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit abgestumpfte Opfer der schlimmsten Naturkatastrophe des Landes auf Abtransport. Ihre geretteten, hungrigen Tiere müssen sie schlachten oder an Schwarzhändler für Spottpreise verkaufen.» Ölpest Im Februar 2010 wurde der Fluss von einer Ölpest verschmutzt, indem mutwillig aus einer stillgelegten Raffinerie mehr als 2500 Kubikmeter Rohöl in den Nebenfluss Lambro geleitet wurden. Po-Ebene Der Fluss Po, der in den Bergen entspringt, fliesst durch eine 400 Kilometer lange Tiefebene nach Osten, wo er in die Adria mündet. Im Norden der Po-Ebene liegen die Alpen und im Süden der Apennin. Sie ist seit jeher eine der fruchtbarsten und bevölkerungsreichsten Regionen Italiens. Zuckerrüben, Mais, Weizen und vor allem Wein werden angebaut. Klimatisch gehört die Po-Ebene zur warmgemässigten Zone. Wegen der kalten Winter ist die Vegetation aber eher mitteleuropäisch. Im Mittelalter und in der Renaissance hat sich in der Po-Ebene eine glänzende Stadtkultur entwickelt. Städte in der fruchtbaren Tiefebene Cremona – Geigenbauerstadt am Ufer des Po Die Stadt am nördlichen Ufer des Po ist vor allem bekannt für ihren Geigenbau. Seit dem 16. Jahrhundert haben die Familien der Amati, Guarneri und schliesslich der Stradivari die Violine bis zur Perfektion gebracht. Weniger bekannt ist, dass es im Centro Storico einige besondere Bauten und Plötze gibt, allen voran die Piazza del Commune, einer der schönsten Plätze der Welt. Dort steht auch das Wahrzeichen von Cremona: der mit 111 Metern höchste Glockenturm Italiens. Cremona verfügt über einen Binnenhafen. Turin – Hauptstadt der Region Piemont Turin ist die Hauptstadt der Region Piemont im Norden Italiens und ist für seine raffinierte Architektur und Küche bekannt. Die Alpen erheben sich im Nordwesten der Stadt. Prächtige Barockbauten und alte Cafés säumen die Alleen und herrlichen Plätze von Turin, beispielsweise die Piazza Castello und die Piazza San Carlo. In der Nähe befindet sich die aufragende Turmspitze der Mole Antonelliana, eines Turms aus dem 19. Jahrhundert, in dem das interaktive Nationale Kinomuseum untergebracht ist. Piancenza – Kunsthandwerkerstadt am Po Die Stadt am Po lag in der Römerzeit an der Kreuzung zweier Fernstrassen und ist seither bedeutendes Zentrum für Handel und Handwerk. Die kleine Altstadt ist von einer Festungsmauer umschlossen. Paläste säumen die Gassen, die auf die Piazza del Cavalli zulaufen. Von dem zentralen Platz, der von zwei Reiterstandbildern beherrscht wird, führt eine autofreie Einkaufsstrasse zum romanischen Dom. Ferrara – die schönsten Gassen der Emilia-Romagna Ferrara liegt im Herzen der Po-Ebene. Sehr vieles ist noch von der Zeit der Renaissance zu erleben: der Glanz des Hofes der Este, die wundervollen Gemälde, das Schloss, die Stadtmauern, die Museen, Kirchen, die vielen grünen Innenhöfe und die gepflegten Parkanlagen. Seit 1995 ist das historische Zentrum von Ferrara von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe als bewundernswertes Beispiel einer Stadt aufgeführt, deren Prjekte auf die Renaissance zurückgeht und die über einen vollständig erhaltenen Stadtkern verfügt. Ferrara verfügt über einen fast inaktiven Hafen, den man verschlammen lässt. Der Staat macht sehr wenig für den Schiffstourismus. Wirtschaft und Industrie Die Wirtschaft der Region ist begünstigt vor allem durch die Lage im Norden Italiens, direkt angrenzend an Österreich und die Schweiz und unweit der Grenzübergänge nach Frankreich, was die Kontakte und den Austausch mit den Ländern Zentraleuropas erleichtert. Nahrungsmittel sind neben anderen Industriezweigen eines der wichtigsten Exportgüter dieser Region. In der Poebene gibt es ausgedehnte Erdgasvorkommen, die besonders wichtig sind, weil Italien sonst über sehr wenige Bodenschätze verfügt. Die Industrie ist von kleinen und mittleren Betrieben geprägt, aber auch von einigen multinationalen Unternehmen. Die wichtigsten Sektoren sind: die mechanische, elektronische und metallverarbeitende Industrie sowie die chemische und pharmazeutische Industrie. Weiterhin sind die Textilindustrie von Bedeutung (besonders die Schuhindustrie) und die Möbelindustrie. Das andere Gesicht der Po-Ebene: Im Norden Italiens herrscht dicke Luft. Von der Po-Ebene bis in die Toskana liegt Smog. Dieser ist so schlimm, dass einzelne Gemeinden bereits Fahrverbote erlassen haben. Die Ursachen sind vielfältig. Einerseits ist die Po-Ebene ein auf drei Seiten abgeschlossener, riesiger Kessel, in dem die Luft bei gewissen Wetterlagen wochenlang liegen bleibt. Weiter hat es in der Po-Ebene sehr viel Industrie und Privatverkehr. Es gibt noch zu viele veraltete Autos und Heizungen und zu wenig öffentlichen Verkehr. Tatsächliche Entlastung bringt nur ein Wetterumschwung, wenn heftiger Regen oder heftige Winde die Luft der Po-Ebene austauschen. Schluss: Wie geht es wohl weiter mit dem grossen Fluss? Ob er für immer in seinem Flussbett bleibt oder sich wieder ein anderes sucht? Möglich. Die Venezianer zum Beispiel befürchten seit Jahren, dass der Fluss irgendwann doch noch Kurs auf ihre Stadt nimmt. Wir werden es sehen.