Arbeitsblatt: Kreuzzüge und Mittelalter

Material-Details

Eine Zusammenfassung der Kreuzzüge im Mittelalter und deren Auswirkungen
Geschichte
Mittelalter
10. Schuljahr
8 Seiten

Statistik

198165
31
0
03.06.2021

Autor/in

Magdalena Barisic
Land: Österreich
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Mittelalter und die Kreuzzüge 1. Erklären Sie das mittelalterliche Lehenswesen (Abbildung aus dem GGP-Buch verwenden) und stellen Pro- und Kontraüberlegungen dazu vor. An erster Stelle stand der König, der sogenannte ‚oberste Lehensherr. Um eine wirkungsvolle Verwaltung zu gewährleisten, brauchte der König weitere Helfer, die ihn dort vertreten sollten, wo er gerade nicht sein konnte. Grafen, Bischöfe, Herzöge und Äbte standen ihm als Heerführer, Gesandte, Berater und Richter zur Seite, welche aus dem grundbesitzenden Adel stammen. Sie konnten dem König sehr nützlich sein, wenn sie treu zu ihm standen. Aus diesem Grund vergab der König an Adlige sogenannte Lehen, (Ländereien oder nutzbare Rechte) um diese Adligen näher an sich zu binden. Die Erträge durfte der Adlige anschließend behalten. Dafür war er jedoch zur militärischen Unterstützung des Königs verpflichtet und in Friedenszeiten musste er dem König mit seinem Rat zur Seite stehen. Die adligen Lehensinhaber wurden Vasallen genannt. Durch das persönliche Treuverhältnis zum König wurden diese später auch Kronvasallen genannt. Der Kronvasall konnte von seinem königlichen Lehen und von seinem eigenen Besitz Land weiter verleihen. Seine Vasallen wurden Untervasallen genannt und waren nur ihm, nicht dem König, zur Treue verpflichtet. Zu diesen gehörten größtenteils Ritter und Dienstmannen. Somit entstand eine Lehenspyramide. Also, wie schon genannt wären in meinen Augen die Lehen und Rechte sowohl für die Kronvasallen als auch für die Untervasallen ein Pro, zur gleichen Zeit aber auch ein Kontra, da sie im Gegenzug Dienste an den Lehensherr, zum Beispiel ihr Leben aufs Spiel zu setzen und in den Krieg zu ziehen, leisten müssen. Dies wäre wiederum für den König ein Pro, aber seine Ländereien weg zu geben eher ein Kontra. Im Großen und Ganzen denke ich, dass das System relativ ausgeglichen war und jeder Verlust, sowie Gewinn erhielt. 2. Fassen Sie die Stellung der Kirche in Europa im 11. Jahrhundert zusammen. Erklären Sie, warum der Aufruf zum Kreuzzug in alle Gesellschaftsschichten Widerhall finden konnte. Neben Seelsorge, Gottesdienst und Vermittlung der christlichen Lehre besaß die Kirche im 11. Jahrhundert ein weit-gefächertes Aufgabenfeld: Nach außen wirkte insbesondere der Missionsauftrag (einschließlich der Kreuzzüge). Innerhalb der christlichen Welt war sie bis zum Hochmittelalter in der Reichsverwaltung (fast nur Kleriker konnten schreiben und lesen), so wie in Kultur und Bildung (Klosterund Domschulen) führend. Die gesamten Dienste von der Armenspeisung bis zur Krankenpflege gehörten ebenfalls zu ihrem Wirkungsfeld. Die Ära der Kreuzzüge, oder auch Ostkreuzzüge genannt, begann im Jahre 1095 und endete mit der Eroberung von Akkon im Jahre 1291. Sie fand ihren Anfang als Papst Urban II. im Jahre 1095, anlässlich einer Bitte des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos um militärische Unterstützung gegen die Seldschuken, zur Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes aufrief. Neben der Befreiung des Heiligen Landes waren außerdem die Gräueltaten der Muslime gegen Christen ein weiterer Grund zu diesem Aufruf. Im Laufe der Zeit wurden die Kreuzzüge immer mehr von wirtschaftlichen Motiven angetrieben. So wurden auch kriegerische Aktionen gegen Handelsgegner durchgeführt, die im Nahen Osten angesiedelt waren. Auch wurden mit der Zeit aufgrund verlorener und sinnloser Schlachten die Kritiker der Kreuzzüge immer zahlreicher, die bei ihren Argumentationen häufig auf Bibeltexte verwiesen, was den christlichen Hintergrund der Kreuzzüge ad absurdum führte. Die Kirche reagierte mit der Erhöhung der Ablässe für das Beiwohnen bei Kreuzzugspredigten, um das mangelnde Interesse an den Kreuzzügen auszugleichen. 3. Beschreiben und analysieren Sie die Ereignisse in Europa gegen Andersgläubige in der Frühphase der Kreuzzüge. Aber auch die den Juden in karolingischen Schutzbriefen gewährten Privilegien, die es der Kirche etwa verbieten, die heidnischen Sklaven von Juden zu missionieren, rufen die Gegnerschaft des Klerus hervor. Die Polemik der hohen Geistlichkeit basiert dabei auf der Ansicht, die Juden hätten die Kreuzigung von Jesus Christus zu verantworten und seien deshalb Gottesmörder (da Jesus nach dem Verständnis der Christen Gottes Sohn ist). Sie müssten, so die Auffassung der Kirche, zur Strafe für ihren Unglauben zerstreut unter den andern Völkern leben und ihre einzig mögliche Rettung sei die christliche Bekehrung. Erzbischof Agobard von Lyon, einer der größten Gegner des Judentums im Frankenreich, setzt die Juden gar mit dem Antichristen gleich, was die antijüdische Literatur bis ins 20. Jahrhundert prägen wird. Die Situation ändert sich abrupt mit dem Ersten Kreuzzug ab 1096. Sowohl das zuerst durchziehende Bauernheer, dem auch zahlreiche Verbrecher angehören, als auch das unter anderem vom späteren König von Jerusalem, Gottfried von Bouillon, angeführte große Kreuzritterheer hinterlassen eine Schneise der Verwüstung und des Todes. Zahlreiche jüdische Gemeinden im Rheinland, aber auch in Magdeburg, Regensburg und Prag werden angegriffen. Dabei geht es den Kreuzfahrern nicht allein darum, die Feinde Christi zu töten oder gewaltsam zu taufen, sondern sich auch in den Besitz ihres Vermögens zu bringen, das sie für die Finanzierung ihres Zuges benötigen. Kleinasien überließ der byzantinische Kaiser Alexios I. Komnenos wegen der Abwehr der normannischen Invasion von Epiros und Makedonien (mit dem Ziel der Eroberung von Konstantinopel) schließlich 1085 gegen einen Lehenseid bis auf wenige Stützpunkte vollständig den Seldschuken, um nicht zwischen zwei Gegnern aufgerieben zu werden. Nach dem Sieg über die Normannen bat Alexios den Papst um Unterstützung zur Rückeroberung des kleinasiatischen Reichsgebiets, das inzwischen in mehrere türkische Emirate zersplittert war, die die byzantinische Diplomatie gegeneinander ausspielte. Der große militärische Aufwand aller christlichen Mächte der damaligen Zeit ist damit zu erklären, dass der Islam als eine große Gefahr – nicht allein für das Byzantinische Reich – gesehen wurde. Schließlich grenzte das islamischarabische Machtgebiet an den Pyrenäen an Frankreich, zudem waren fast alle Mittelmeerinseln und Teile Süditaliens zeitweise von Arabern erobert worden. Letztere wurden auch nach Rückeroberung immer wieder von ihnen angegriffen. Das byzantinische Sizilien wurde ab 827 von den Arabern erobert, dann von den Normannen, bis es 1194 an Heinrich VI. fiel, wodurch das Reich der Staufer ebenfalls direkt an den islamischen Machtbereich grenzte. Das morgenländische Schisma von 1054 belastete von Beginn der Kreuzzüge an das Verhältnis zwischen orthodoxen und katholischen Christen. Ein weiterer Aspekt ist das politische Verhältnis der beiden führenden Mächte der katholischen bzw. orthodoxen Staatenwelt. Die Eigenbezeichnung des deutschen wie des byzantinischen Kaiserreiches war „Römisches Reich, und der jeweilige Kaiser leitete daraus einen Führungsanspruch über die gesamte christliche Staatenwelt ab. Byzanz betrieb im 12. Jahrhundert eine expansive Westpolitik. Dynastische Heiraten mit dem ungarischen und deutschen Herrscherhaus, aber auch militärische Interventionen in Italien mit dem Ziel, auch die (west)römische Kaiserkrone zu erringen, waren eine Grundkonstante der Außenpolitik der byzantinischen Komnenendynastie. Um den Einfluss Venedigs im Byzantinischen Reich zurückzudrängen, verfolgte man in Konstantinopel in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine scharfe anti-venezianische Politik. Dies blieb in Westeuropa natürlich nicht ohne Reaktion. Die Kreuzzüge richteten sich daher zunehmend nicht nur gegen den Islam, sondern zugleich immer mehr gegen das orthodoxe, griechisch geprägte Byzanz. 4. Erläutern Sie anhand des Ablaufs des 1. Kreuzzuges, ob die Kreuzzugsbewegungüberwiegend religiöse Motive hatte. Verdeutlichen Sie Ihre Einschätzung durch dieBeschreibung und Analyse der vorliegenden Abbildungen (z.B. „Belagerung von Antiochia- werden zur Prüfung vorgelegt). Aufbauend auf den Kreuzzugsaufruf Papst Urbans II. auf der Synode von Clermont im Jahr 1095 (begleitet von dem Zuruf „Deus lo vult – Gott will es) waren viele Kreuzfahrer überzeugt, durch die Vertreibung der Muslime aus dem Heiligen Land Gottes Willen zu erfüllen und die Erlassung all ihrer Sünden zu erreichen (Ablass, Gnadenschatz). Dies muss vor dem Hintergrund christlicher Berichte und Gerüchte über Gräueltaten der islamischen Machthaber gegen die christliche Bevölkerung des Heiligen Landes gesehen werden und der Verwüstung christlicher Stätten, beispielsweise der Grabeskirche 1009 in Jerusalem. Auch der aus Aleppo stammende moslemische Chronist al-Azimi berichtet von moslemischen Übergriffen auf Pilger, wodurch der Zugang zu den heiligen Stätten verunmöglicht wurde. Auch der Prediger Peter der Einsiedler war auf einer früheren Pilgerfahrt nach Jerusalem von den Türken misshandelt und zur Umkehr gezwungen worden. In Konkurrenz mit wirtschaftlichen Interessen traten die religiösen Motive im Laufe der Zeit teilweise in den Hintergrund – besonders deutlich wird das bei der Eroberung und Plünderung der christlichen Stadt Konstantinopel im Vierten Kreuzzug. Bezüglich der Kreuzzüge in den Orient verschwanden sie jedoch nie ganz, sie hatten auch großen Einfluss auf die christliche Bevölkerung in Europa. Belagerung von Antiochia Die mangelnden Vorräte und der ungewöhnlich harte Winter machte es den Kreuzfahrern zu schaffen. Jeder siebte Mann kam vor Hunger und Krankheit ums Leben, viele desertierten. Man aß Pferdefleisch, angeblich kam es sogar zu Fällen von Kannibalismus, während die Stadt sich immer noch durch das Sankt-GeorgsTor mit Nahrungsvorräten versorgte. Ende Mai erreichte die Kreuzfahrer die Kunde, dass sich der Stadt ein großes muslimisches Heer aus Mosul unter dem Kommando von Kerboga näherte. Vor der Ankunft des Hilfsheeres musste Antiochia fallen, sonst hätten Christen keine Chance. Ein armenischer Kommandant namens Firuz erklärte sich bereit, eine Lederleiter herablassen, was auch geschah, woraufhin die Kreuzritter am 2. Juni die Stadt erstürmten. Die Kreuzfahrer plündern anschließend die Stadt und veranstalten ein Blutbad an der muslimischen Bevölkerung. Die meisten Christen werden jedoch verschont. Am 5. Juni 1098 errreichte Kerbogas Armee aus Mosul Antiochia. Er versuchte sogleich, in einem Sturmangriff die Stadt einzunehmen, scheiterte jedoch und baute einen Belagerungsring auf. Die Moral der Kreuzfahrer, die Hunger litten und in der Stadt keine weiteren Lebensmittelvorräte entdeckten, sank erheblich. In dieser verzweifelten Lage hatte ein einfacher Mönch namens Peter Bartholomäus die Vision, in der ihm der heilige Andreas erschien und ihm den Aufenthaltsort der Heiligen Lanze zeigte. Man fand an der prophezeiten Stelle tatsächlich die Spitze einer Lanze, was sich positiv auf die Kampfmoral der Truppen auswirkte. Die Kreuzfahrer stellten sich am 28. Juni dem moslemischen Heer zum Kampf und konnten den Sieg für sich verbuchen. 5. Beurteilen sie welche, Auswirkungen die Kreuzzüge auf die einzelnen Länder bzw.Menschen hatten. Hatten die Kreuzzüge, das erreicht, was sie laut christlicher Kirchesollten? Die Kreuzzüge spielten eine wichtige Rolle bei der europäischen territorialen Expansion. Der erste Kreuzzug führte zur Bildung von gekreuzten Staaten in der Levante, die ursprünglich regiert und zu einem kleinen Teil von Europäern bevölkert wurden. Die Kreuzzüge in Nord- und Osteuropa führten zur Expansion von Königreichen wie Dänemark und Schweden sowie zur Schaffung neuer politischer Einheiten wie Preußen. Im Mittelmeer führten die Kreuzzüge zur Eroberung und Kolonisierung vieler Inseln, was die christliche Kontrolle der Handelsrouten im Mittelmeer sicherstellte. Die Kreuzzüge spielten auch eine Rolle bei der Eroberung der Iberischen Halbinsel, heute Spanien und Portugal. Dies wurde im Jahr 1492 abgeschlossen, als die spanischen Monarchen die letzte muslimische Gemeinde in der Stadt Granada eroberten. Die Kreuzzüge veranlassten den europäischen Durst, neue Territorien zu entdecken und zu erobern. Dank dieses Einflusses konnte Europa, wie im Falle Amerikas, neue Gebiete erschließen. Die Kreuzzüge trugen dazu bei, den Reichtum der Kirche und die Macht des Papsttums zu erhöhen. Diese Bewegung trug dazu bei, die Kontrolle des Papstes über die Kirche zu festigen, und es wurden zentrale finanzielle Neuerungen für die Arbeit der Kirche geschaffen. Der Papst sammelte häufig Steuern, um Kreuzzüge zu bezahlen, Steuern, die direkt von den Menschen übernommen wurden, und ohne jegliche Unterstützung von örtlichen politischen Führern. Viele Menschen gaben der Kirche auch ihre Güter im Austausch für päpstliche Segnungen. Die Hauptrolle des Papstes in den Kreuzzügen erhöhte natürlich seine Autorität und seinen Einfluss, indem er die Armeen und Ressourcen des Christentums in seine Hände legte. Er benutzte auch Leute, um die Päpste als Führer und Führer zu sehen. Tausende von Kreuzfahrern, die in ihre Häuser zurückkehrten, die in Gesundheit und Geist besiegt waren, suchten Zuflucht in den Klausuren des Klosters und bereicherten die Einrichtungen, in die sie mit ihren Waren eintraten. Darüber hinaus wurde die große Menge gewöhnlicher Gaben des Papsttums durch die extreme Inbrunst der religiösen Begeisterung gemästet, die diese Periode kennzeichnete. Die Europäer haben viele Dinge von Muslimen gelernt, einschließlich verschiedener Arten, Boote zu bauen und zu navigieren und Magnetkompasse herzustellen und zu benutzen. Die Europäer wurden auch mit vielen verschiedenen Tauschgeschäften vertraut gemacht, während sie an den Kreuzzügen teilnahmen; Dazu gehörten Seide, Baumwolle, verschiedene Arten und neue Formen von Kunst und Literatur. Dieser Kontakt hat auch einen Gedankenaustausch ausgelöst: philosophisch, wissenschaftlich, mathematisch, pädagogisch und medizinisch. Hunderte von arabischen Wörtern wurden in europäische Sprachen eingeführt, die alte Gewohnheit, den Bart zu rasieren, kehrte zurück, die Medizin wurde verbessert und öffentliche Toiletten und Latrinen wurden eingeführt. Zuvor gab es ein großes Vorurteil gegen das Militär, zumindest unter den Männern der Kirche. Die Kreuzzüge veränderten all dies und schufen ein neues Bild des christlichen Dienstes: der Kriegermönch. Die ältesten militärischen Orden entstanden während des ersten Kreuzzugs in Jerusalem. Eine militärische Ordnung ist eine religiöse Ordnung, in der die Mitglieder traditionelle Gelübde ablegen (Armut, Gehorsam und Keuschheit), sich aber auch im Namen des christlichen Glaubens zur Gewalt verpflichten. Einige bekannte Beispiele sind die Tempelritter, die gastfreundlichen Ritter und die Kreuzritter. Die militärischen Befehle stellten eine große theologische und militärische Entwicklung dar. Sie spielten weiterhin eine zentrale Rolle bei der Bildung wichtiger politischer Einheiten, die heute noch als Nationen existieren. Die Kreuzzüge brachten Veränderungen in der Art der religiösen Befolgung. Aufgrund des ausgedehnten Kontakts mit so vielen heiligen Stätten wuchs die Bedeutung religiöser Reliquien.Ritter, Priester und Könige brachten fortwährend Stücke und Stücke von Heiligen und Kreuze mit und erhöhten ihre Bedeutung, indem sie sie in wichtige Kirchen stellten. Die lokalen religiösen Führer kümmerten sich nicht und ermutigten die Einheimischen, diese Reliquien zu verehren. Die Tendenzen der Hingabe waren ebenfalls betroffen. Zum Beispiel gab es eine Widmung an St. George seit dem Mittelalter, aber die Intensität dieser Hingabe stieg in Europa nach 1098 dank des ersten Kreuzzuges. Die Finanzierung der Kreuzzüge war eine enorme Anstrengung, die zu Entwicklungen in Bankwesen, Handel und Steuern führte. Diese Veränderungen im Handel und Steuern halfen, das Ende des Feudalismus zu beschleunigen. Die feudale Gesellschaft war ausreichend für individualistische Aktionen, aber sie war nicht geeignet für die massiven Kampagnen, die so viel Geld und Organisation benötigten. Vor den Kreuzzügen war der Warenaustausch aus dem Osten von den Juden kontrolliert worden; aber mit der Menge der Nachfrage hat die große Zahl von christlichen Kaufleuten die Juden beiseite geschoben. Dies war möglich durch repressive Gesetze, die ihre Fähigkeit einschränkten, Handel zu treiben. Viele der Massaker an Juden in Europa und im Heiligen Land durch die Kreuzfahrer halfen auch christlichen Kaufleuten, sich frei zu bewegen. Am Ende haben die italienischen Handelsstädte das Mittelmeer kartographiert und kontrolliert und es so zu einem christlichen Meer für den europäischen Austausch gemacht. Waren die Kreuzzüge berechtigt? Der geschichtliche Hintergrund zeigt, dass man die eigentliche Absicht der Kreuzzüge grundsätzlich als berechtigt ansehen kann. Es ging hier weder um Imperialismus noch um Zwangsbekehrung der Muslime. Auch die These, die Kreuzzüge hätten lediglich der persönlichen Bereicherung der Teilnehmer gedient (landlose jüngere Söhne des europäischen Adels seien auf diese Weise zu Besitz und Titeln gekommen), ist zu einfach. Die Anführer des ersten Kreuzzuges, Gottfried von Bouillon, Robert von der Normandie, Bohemund von Tarent, Raimund IV. von Toulouse und Robert von Flandern waren alle erstgeborene Söhne und Erben bedeutender Herzogtümer und Grafschaften. Teilweise mussten sie sogar ihren eigenen Besitz verkaufen bzw. verpfänden, um das Unternehmen zu finanzieren. Von Seiten der Kirche stellte man auf der Synode von Clermont von Anfang an klar: »Nur wer aus Frömmigkeit und nicht zur Erlangung von Ehre und Geld zur Befreiung der Kirche Gottes nach Jerusalem aufgebrochen ist, dem soll die Reise auf jede Buße angerechnet werden.« Der Papst konnte zwar zu einem Kreuzzug aufrufen, aber auf den Ablauf hatte er kaum einen Einfluss. Er residierte im fernen Rom, und seine Botschafter wurden häufig von den Herrschern übergangen. Die weltlichen Herrscher dagegen nutzten den Aufruf zum Kreuzzug auch für ihre Zwecke. So fanden nicht nur im Nahen Osten Kreuzzüge statt; die iberische Halbinsel (heute Spanien und Portugal) befand sich z.B. fast vollständig in muslimischer Hand. Die durch den Aufruf zum Kreuzzug gewährte Verstärkung aus ganz Europa ermöglichte den spanischen Königen, die Muslime immer weiter zurückzudrängen. Und auch in Osteuropa kämpften Ritter gegen heidnische Slawen und Wikinger. 6. Stellen Sie Überlegungen an – was spricht dafür, was spricht dagegen -, dass die Kreuzzugsbewegung mit den Aufrufen des politischen Islam der Gegenwart zum „Dschihad verglichen werden kann. Immer wieder hört man als Antwort auf den Dschihad: die Kreuzzüge. Das ist ein merkwürdiger Vergleich. Die Kreuzzüge waren eine Abfolge von – je nach Zählweise – sieben losen Kampagnen innerhalb von 200 Jahren in einem eng begrenzten Gebiet im östlichen Mittelmeerraum, das bereits christlich gewesen war. Der Dschihad ist der permanente Eroberungskrieg des Islams seit den Lebtagen Mohammeds, also seit gut anderthalb tausend Jahren: von den staubigen Dünen Arabiens zu den Säulen des Herakles, bis tief in das Delta der indischen Flüsse. Ziel sind nahezu ausschließlich Gebiete, die nie muslimisch waren. Seine Kampagnen sind global, unablässig und – nur von Waffenruhen oder DhimmiVerträgen unterbrochen – nie zu Ende. Die Vorstellungen vom islamischen Dschihad und den christlichen Kreuzzügen mögen ähnlich erscheinen, aber es gibt tiefe Unterschiede zwischen ihnen, erklärt ein französischer Historiker. Jean Flori, Mediävist und Forschungsdirektor des Staatlichen Zentrums für soziologische Forschung und des Zentrums für höhere Studien der mittelalterlichen Zivilisation in Poitiers, ist Autor des Buches Der heilige Krieg: Entstehung der Idee des Kreuzzugs im christlichen Abendland, herausgegeben von Trotta und der Universität von Granada. Auf die Frage, ob es möglich sei, die Kreuzzüge mit dem islamischen Gedanken des Dschihad zu vergleichen, erklärte Flori gegenüber ZENIT: Es ist eine schwierige Frage, die man nicht mit ein paar Worten behandeln kann. Ich würde sagen ‘Nein, wenn sich die Frage um den gegenwärtigen Dschihad dreht, genauso wie er gepredigt wird und beklagenswerter Weise von den muslimischen Fanatikern, die wir Islamisten nennen, praktiziert wird. In der Tat haben diese (die Islamisten, Anm.) eine Politik des blinden Terrors angenommen und schlagen gegen westliche Bevölkerungen wahllos zu, mit keinem anderen Ziel als Rache und rassistischem und religiösem Hass, erläuterte der Historiker. Im Gegensatz dazu hätten die Kreuzzüge, ganz gleich wie schrecklich und verurteilenswert sie gewesen seien, ein anderes Ziel gehabt, erklärte Flori, nämlich die Rückgewinnung und Verteidigung des Heiligen Grabes in Jerusalem, des wichtigsten heiligen Ortes des Christentums, der 638 von den Muslimen erobert wurde. Trotzdem könne im Mittelalter in einem bestimmten Sinne der Kreuzzug mit dem Dschihad verglichen werden, nämlich in dem Sinne, dass sie beide Massaker und Grausamkeiten zuließen. Es gebe jedoch bemerkenswerte Unterschiede, hielt er fest. Der Dschihad wurde von Anfang an von Mohammed, dem Gründer des Islam, praktiziert. Jesus hingegen lehnte in seinen Handlungen und in seinen Predigten jeden Griff zu den Waffen und Gewalt ab. Der Dschihad, in seiner kriegsähnlichen Form, wurde von Beginn an erlaubt, bemerkte Flori. Er ging dem christlichen heiligen Krieg voraus, der eine Abweichung von der kirchlichen Lehre war. Das Ziel des Dschihad war die Eroberung von Gebieten, die vom Islam nicht besiedelt waren, den sogenannten Kriegsgebieten, mit der Absicht, islamisches Recht zu etablieren und nicht, um seine Einwohner zu bekehren. Der Kreuzzug hatte die Rückeroberung der heiligen Stätten und der alten christlichen Gebiete zum Ziel, die noch immer von zahlreichen christlichen Völkern bewohnt wurden, sagte der französische Historiker. Flori erklärte, dass heute von manchen versucht werde, den von den USA geführten Krieg mit dem Begriff des Kreuzzug gleichzusetzen. Er meinte, dass die extremistischen Islamisten nur glücklich damit seien, da sie ja ihre eigenen Ziele mit Begriffen wie Juden, Kreuzzüge und Verräter und Tyrannen definieren – Wörter, die rassistische, religiöse und politische Untertöne tragen. Wenn es in der kriegsähnlichen Reaktion der Bush-Administration Facetten eines religiösen Fundamentalismus gibt, dann ist das beklagenswert, aber dieser Krieg kann nicht mit einem Kreuzzug oder einem heiligen Krieg verglichen werden, sagte Flori. Dieser Krieg wurde weder im Namen einer Religion gepredigt noch verspricht er irgendeinen spirituellen Lohn für die Teilnehmer. Das wären Merkmale eines heiligen Krieges, sagte er. Nur religiöse Würdenträge könnten einen heiligen Krieg ausrufen, fügte Flori hinzu. Eine Proklamation dieser Art ist nur in einer Gesellschaft möglich, die vom Klerus kontrolliert und geführt wird, wie es in der mittelalterlichen christlichen Gesellschaft der Fall war, und wie es heute in muslimischen Staaten, die zahlreicher denn je sind, der Fall ist.