Arbeitsblatt: Autismus

Material-Details

Autismun
Lebenskunde
Persönlichkeitsentwicklung
7. Schuljahr
6 Seiten

Statistik

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22.01.2023

Autor/in

Gabriel Schuler
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Autismus 1 Wenn ihr im Lexikon nachschlagt, was Autismus ist, werdet ihr eine medizinische Erklärung finden, mit der ihr wahrscheinlich wenig anfangen könnt. Dort wird Autismus als angeborene tiefgreifende Entwicklungsstörung bezeichnet. Viele mehr oder weniger schlaue Köpfe haben versucht, eine eindeutige Definition für Autismus zu finden. Aber was können wir uns darunter nun eigentlich vorstellen und was bedeutet es für Menschen, mit Autismus zu leben? Hier könnt ihr einige Beispiele aus dem Leben von Autisten kennenlernen. Denn Autismus ist keine Theorie, sondern eine besondere Art und Weise zu leben und seine Umwelt wahrzunehmen. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Autismus. Ihnen gemeinsam ist eine veränderte Art der Wahrnehmung. Viele Autisten haben keinen Filter wie andere, der zum Beispiel in einer Menschenmenge all die Eindrücke und lauten Geräusche bündelt und ausblendet. Deshalb fühlen sie sich in solchen Situationen schnell überfordert und überladen. Es gibt nicht den Autisten oder die Autistin. Jeder unterscheidet sich vom anderen, so wie auch jeder Nicht-Autist sich von seinen Mitmenschen unterscheidet. In der Vergangenheit wurden Menschen mit Autismus in mehrere Typen eingeteilt: in so genannte Kanner-, Asperger- und atypische Autisten. Da sich viele Besonderheiten und Probleme von Menschen mit Autismus überschneiden und nicht voneinander abzugrenzen sind, spricht man inzwischen meist von einem AutismusSpektrum damit ist ein einziger großer Bereich zum Thema Autismus gemeint. Es gibt aber auch viele Unterschiede, so dass eine einzige gültige Definition für alle Autisten nahezu unmöglich ist. Abgeleitet wird das Wort Autismus vom griechischen autos, das selbst bedeutet. Damit soll ausgedrückt werden, dass ein Autist sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Manche Autisten ziehen sich tatsächlich oft zurück. Manchmal scheint es aber auch nur so, als ob ein Autist keinen Kontakt zu anderen haben möchte und eigentlich wünscht er sich Freunde, mit denen er etwas unternehmen kann. Aber was ist denn nun eigentlich anders bei Menschen mit Autismus? Eine veränderte Wahrnehmung Puzzleteile werden international als Symbol für Autismus verwendet. Eine mögliche Deutung dafür ist, dass viele verschiedene Dinge beachtet werden müssen, um Autismus zu erklären. Eine andere ist, dass Autisten vieles im Umgang mit anderen oder bei ihrer Art der Wahrnehmung nach und nach dazulernen können, um im Alltag besser zurechtzukommen. Autisten haben eine veränderte Wahrnehmung. Das bedeutet, dass bei Menschen mit Autismus die Sinneseindrücke zu stark, zu schwach oder verzögert auftreten. Sie sehen, riechen, hören, schmecken oder fühlen eventuell anders, als das normalerweise der Fall ist. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass man bei bestimmten Geräuschen Schmerzen im Ohr hat. Stellt euch vor, jemand würde euch ständig mit einer Trillerpfeiffe ins Ohr pusten. Einem Autisten geht es manchmal ähnlich, wenn viele Menschen gleichzeitig miteinander sprechen, wenn er einen Hubschrauber hört oder vielleicht auch, wenn die Kirchenglocken läuten. Es kommt dabei gar nicht unbedingt auf die Lautstärke, sondern auf die Art und die Tonhöhe des Geräusches an. Autisten fehlt häufig auch der so genannte Partyfilter, den andere Menschen haben: Stellt euch vor, ihr seid auf einem Fest oder einer Party und unterhaltet euch mit jemandem. Um den anderen verstehen zu können, müsst ihr die laute Musik, die anderen sprechenden Personen im Raum und alle Geräusche in den Hintergrund verbannen, um euch auf das Gesprochene konzentrieren zu können, das ihr verstehen wollt. Autisten können das häufig nicht, denn alles ist und bleibt gleich laut und das nicht nur auf einer Party, sondern auch im normalen Alltag: im Straßenverkehr, im Klassenzimmer, in der Sporthalle und so weiter. Dann kommt es zu einem so genannten Overload (aus dem Englischen übersetzt heißt das Überladung oder Überlastung). Es ist nicht schwer sich vorzustellen, dass das sehr anstrengend ist und für die Ohren schmerzhaft sein kann. Unterschiede bei der Wahrnehmung gibt es auch beim Empfinden von heiß und kalt. Manche Autisten fühlen etwas Heißes erst nach längerer Zeit, so dass sie kein Schmerz vor Verletzungen warnt. Auch normale Berührungen können für Autisten unangenehm sein, so dass ein freundschaftlich gemeintes Umarmen für einen Menschen mit Autismus unerträglich ist. Es kann auch sein, dass die autistische Wahrnehmung es unmöglich macht, einen bestimmten Geruch auszuhalten. Manche Autisten können bestimmte Lebensmittel nicht essen, weil der Geschmack für sie extrem scharf oder bitter ist, obwohl das Lebensmittel dafür üblicherweise nicht bekannt ist. Bei einigen Menschen mit Autismus vermischen sich verschiedene Wahrnehmungsbereiche, so dass sie zum Beispiel Erdbeergeschmack auf der Zunge haben, wenn sie die Zahl 5 sehen oder vielleicht Musik hören, wenn sie das Wort Marmelade lesen oder warme Haut bekommen, wenn sie die Farbe Grün sehen. Das sind nur mögliche Beispiele, die man unzählig fortführen könnte. Man nennt diese Art der Wahrnehmung Synästhesie. Dieses Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet, dass etwas zugleich wahrgenommen wird. Ein für uns ungewohntes Verhalten Die Wahrnehmung spielt uns manchmal einen Streich: Schaut euch das Bild an und sagt laut und zügig nacheinander, in welchen Farben die Worte abgebildet sind. Hat es gleich geklappt? All diese unterschiedlichen Arten der Wahrnehmung führen zu einem Verhalten, das möglicherweise auf uns befremdlich wirkt und von dem, was für uns normal ist, abweicht. So wirft sich vielleicht ein autistisches Kind schreiend auf den Boden, weil es versucht, ein anderes Geräusch, das ihm im Ohr Schmerzen bereitet, zu übertönen. Oder ein Mensch mit Autismus läuft aufgeregt davon, um sich vor einer Menschenmenge, die ihn berühren könnte, in Sicherheit zu bringen. sind. Mitfühlend wie andere Menschen auch Autisten können Gesichtsaudrücke anderer Menschen nicht unbedingt deuten und müssen erst lernen, traurige, fröhliche, erstaunte oder wütende Gesichter zu erkennen. Dies führt oft zu Missverständnissen. Autisten wird manchmal nachgesagt, sie könnten sich kaum in andere Menschen einfühlen oder wären sogar gleichgültig gegenüber den Gefühlen anderer. Das stimmt aber nicht, nur führt die Art der Wahrnehmung autistischer Menschen oft zu Missverständnissen. Viele Autisten können Gesichtsaudrücke anderer Menschen nicht deuten. Das heißt, dass sie nicht erkennen, ob jemand ein verschmitztes Grinsen auf den Lippen hat, wütend schaut oder ein trauriges Gesicht macht. Wenn der Körper nicht so will wie der Kopf Viele Autisten haben Schwierigkeiten bei Bewegungsabläufen und können zum Beispiel Aufgaben wie das Zubinden der Schuhe, die uns selbstverständlich erscheinen, oft nicht ohne Hilfe bewältigen. Äußerlich kann man den Autismus nicht sehen Autisten sehen aus wie andere Menschen eben auch. Struktur und Ordnung Struktur und Ordnung sind im Leben von Autisten besonders wichtig. Hier hat ein kleiner Junge seine Spielsachen sorgfältig sortiert und aufgereiht eine Handlung, die man bei autistischen Kindern häufig beobachtet. Das bedeutet zum Beispiel, dass Möbel in Zimmern an festen Plätzen stehen und dort auch bleiben sollen. Es kann auch bedeuten, dass jeder Tag nach dem gleichen Muster ablaufen muss: zur gleichen Zeit aufstehen, essen, Hobbys nachgehen, Fernsehen schauen und wieder ins Bett gehen. Oder es kann heißen, dass an bestimmten Tagen oder auch mehrere Tage hintereinander immer dieselben Dinge gegessen werden. Genies Es hält sich das Gerücht, dass alle Autisten irgendetwas ganz besonders gut können und zum Beispiel Genies in Mathe sind. Es gibt wirklich Autisten, auf die das zutrifft, aber das sind Ausnahmen. Es hält sich auch das Gerücht, dass Autisten irgendetwas ganz besonders gut können, Genies in Mathe sind oder Landkarten und Telefonbücher auswendig lernen. Es gibt wirklich Autisten, auf die das zutrifft, aber das sind Ausnahmen. Manchmal wird gesagt, dass Autisten in einer anderen, eigenen Welt leben. Das vermittelt einen falschen Eindruck, denn natürlich leben wir alle in derselben Welt, nur jeder nimmt sie auf seine Art und Weise wahr. Wie entsteht Autismus? Man geht davon aus, dass bei Autisten Informationen im Gehirn anders verarbeitet werden als bei anderen Menschen. Früher dachte man, dass Menschen mit Autismus schlecht erzogen worden wären oder gefühlskalte Mütter hätten. Mittlerweile weiß man, dass das Unsinn ist und die Ursachen für die veränderte Wahrnehmung ganz woanders liegen. Man geht davon aus, dass es verschiedene Gründe gibt, die zusammenkommen müssen, damit sich ein so genanntes autistisches Syndrom entwickelt. Vermutlich spielt eine bestimmte Veränderung bei den Erbanlagen eines Menschen (man spricht von der genetischen Disposition) eine Rolle. Dafür spricht eventuell, dass etwa vier mal so viele Jungen von Autismus betroffen sind wie Mädchen.