Arbeitsblatt: Antisemitismus in der Moderne
Material-Details
Arbeitsblatt zum Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert.
Geschichte
Politik
7. Schuljahr
2 Seiten
Statistik
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11.01.2026
Autor/in
Tibor Sarvari
Land: Deutschland
Registriert vor 2006
Textauszüge aus dem Inhalt:
Auszug aus der Antisemitenpetition von 1880 Im 19. Jahrhundert (1800 – 1900) fand in Europa die sogenannte „Industrielle Revolution statt. Viele Erfindungen (Dampfmaschine, Eisenbahn, Auto) führten zur Gründung von immer mehr Fabriken und viele Sachen (Kleidung, Maschinen, Möbel, Spielzeug, usw.) konnten nun „am Fließband hergestellt werden. Dadurch kamen viele Menschen zu viel Geld und die Innenstädte verwandelten sich. Die schönen alten Häuser, die zum Beispiel in Frankfurt noch heute stehen, wurden damals gebaut. Gleichzeitig mussten viele Menschen aber auch in den Fabriken schuften. Die Arbeiter lebten oft in furchtbaren Verhältnissen in viel zu kleinen Wohnungen. Man kann sich vorstellen, dass es eine angespannte Situation war. In dieser Situation diskutierte man auch immer wieder über die Stellung der Juden, die bis dahin aus der Gesellschaft ausgeschlossen waren. Bild: Der Römer in Frankfurt im 19. Jahrhundert In den Jahrhunderten zuvor war es Juden verboten gewesen, Handwerker, Beamte, Ärzte oder Juristen zu werden, sie durften auch nicht studieren. Nun wurden ihnen die gleichen Rechte gegeben und sie konnten erstmals Teil der Gesellschaft werden. Dies führte dazu, dass es in den deutschen Städten ein sichtbares jüdisches Leben gab. Die jüdischen Gemeinden bauten prächtige Synagogen (Gotteshäuser), von denen bis heute sehr viele zerstört wurden. Im Jahr 1873, also vor ca. 145 Jahren, kam es dann zu einer großen Finanzkrise in ganz Europa und die Wirtschaft brach zusammen. Viele Fabriken gingen pleite und viele Menschen wurden arbeitslos. Die Schuld wurde in einigen Fällen bei den Juden gesucht und es entwickelte sich eine Verschwörungstheorie, die überall Juden am Werk sah, wo etwas schieflief. In dieser Zeit verfasste eine Gruppe deutscher Bürger eine Petition, in der den Juden nachgesagt wurde, dass sie die christliche Bevölkerung kontrollieren würden, während sie selbst auf der faulen Haut liegen könnten. Diese Petition gilt als erstes großes Zeugnis des modernen Antisemitismus. Hier seht ihr einen Auszug (einige Begriffe werden in den Klammern genauer erklärt). Auszug aus der Antisemitenpetition von 1880: „In allen Gauen (Gebieten) Deutschlands hat sich die Überzeugung durchgerungen (durchgesetzt), dass das Überwuchern des jüdischen Elementes die ernstesten Gefahren für unser Volksthum (die Lebensweise unseres Volkes) in sich birgt, Allerwärts (überall), wo Christ und Jude in soziale Beziehungen treten, sehen wir den Juden als Herrn, die eingestammte (schon lange dort wohnende) christliche Bevölkerung aber in dienstbarer Stellung. An der schweren Arbeit der großen Masse unseres Volkes nimmt der Jude nur einen verschwindend (winzig) kleinen Antheil; auf dem Acker und in der Werkstatt, in Bergwerken und auf Baugerüsten, in Sümpfen und Kanälen allerwärts regt sich nur die schwielige (vor Anstrengung angeschwollene) Hand des Christen. Die Früchte seiner Arbeit aber erntet vor allem der Jude. Weitaus der größte Teil des Kapitals (Geldes), welches die nationale Arbeit erzeugt, konzentriert sich in jüdischer Hand; gleichzeitig mit dem beweglichen Kapital (also mit dem Geld) aber (ver)mehrt sich der jüdische Immobiliarbesitz (Immobilien sind Gebäude). Nicht nur die stolzesten Paläste unserer Großstädte gehören jüdischen Herren, deren Väter oder Großväter schachernd (Geld anhäufend) die Grenzen unseres Vaterlandes überschritten haben, sondern auch der ländliche Grundbesitz (also Boden, auf dem Landwirtschaft betrieben wird) [], gelangt mehr und mehr in die Hände der Juden. [] Aufgaben: 1. 2. 3. 4. Unterstreiche die Arbeiten, die angeblich nur von Christen ausgeführt werden, blau. Unterstreiche die Tätigkeiten, die angeblich nur von Juden ausgeführt werden, grün. Wie werden die Juden beschrieben, wie werden die Christen beschrieben? Die Juden waren viele hundert Jahre aus der Gesellschaft ausgeschlossen und durften nur wenige Berufe ausüben. Einer dieser Berufe war das Bankwesen, mit dem die christliche Bevölkerung aus religiösen Gründen nichts zu tun haben wollte. Denke darüber nach, welche Vorurteile es über Juden gibt und lies den Text noch einmal. Was hat ein Antisemit davon, alles Übel der Welt bei den Juden zu suchen? 5. Finanzkrisen (die es auch heute noch gibt) zu erklären, ist sehr kompliziert. Auch heute streiten sich die Wissenschaftler noch darüber, welche Theorie eine Finanzkrise am besten erklärt. Überlege, wieso die Erklärung, dass die Juden schuld seien, so weit verbreitet war (und teilweise noch ist).