Arbeitsblatt: Textanalyse_Forgive_me_H._Bender

Material-Details

Textanalyse Forgive Me
Deutsch
Leseförderung / Literatur
9. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

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21
0
30.01.2026

Autor/in

Corsin Zini
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Forgive me von H. Bender Herr Studienrat Runge sagte mit einschläfernder Stimme: Forgive me ist ein starker Ausdruck. Der Engländer gebraucht ihn eigentlich nur Gott gegenüber, im Gebet, in der höchsten Gefühlsaufwallung. Ihr werdet ihn selten hören, selten gebrauchen. Häufiger kommen vor „excuse me und „sorry, ja, vor allem „sorry. »Sorry« könnt ihr bei jeder Entschuldigung anwenden. Wenn ihr an jemandem vorbeigehen wollt, wenn ihr jemandem auf den Fuß getreten seid, sagt: Im sorry. Ich war vierzehn Jahre alt. Ich saß in der letzten Bank und war nicht besonders aufmerksam. Vor mir auf der polierten Platte lag ein blaues Oktavheftchen, in das ich die neuen Wörter eintragen sollte. Doch ich malte rechts und links von meinem Namen eine Blume. Unter dem Oktavheftchen lag ein Spiegel, in den ich ab und zu sah. Ich sah gern in den Spiegel, zupfte an meinen Haaren vor der Stirne und schnitt Gesichter. Ich wollte nämlich Schauspielerin werden. Auf dem Heimweg überholten mich drei jungen der Parallelklasse: Walter, Horst und Siegbert. Siegbert sagte: Da geht die Brigitte Horney! Die anderen lachten. Was hatte nur dieser Siegbert gegen mich? Er reizte, neckte mich, blies die Backen auf, ich aber freute mich, wenn ich ihn sah . Es war Anfang April. Der Krieg ging dem Ende zu. Von Vater kamen keine Briefe mehr. Mutter saß am Abend ohne Worte an meinem Bett. Einige Tage später wurden wir aus der Schule nach Hause geschickt. Um die Mittagszeit surrten amerikanische Tiefflieger über die Dächer. In der Nacht fuhren Lastwagen mit SS Leuten der Rheinbrücke zu, und die Fenster schütterten vom Gedröhn der Front. Dann drängten sich Autos, Pferdewagen und Panzer durch die Straßen, über die Trottoirs. Infanteristen zogen zurück, in Gruppen, vereinzelt, abgerissen, verwundet. Unsere kleine Stadt wurde aufgewühlt von Angst, Unruhe, Ungewißheit und der Erwartung, daß alles zu Ende sei. Beck, ein fanatischer Anhänger Hitlers, bewaffnete junge und alte Leute. Er verteilte Gewehre und Panzerfäuste, er ließ Sperren errichten, Gräben ausheben. Die Alten machten nur widerwillig mit, aber die jungen hatten keine Ahnung, und deshalb waren sie vielleicht sogar begeistert. Auch Siegbert. Siegbert lag unter dem Befehl eines ehemaligen Weltkriegsoffiziers auf einem Hügel vor der Stadt. Ich trug Wasser zum Hügel, Kaffee, Kuchen, Zigaretten, und die letzte Tafel Schokolade, die Vater zu Weihnachten geschickt hatte, brachte ich Siegbert. Ich saß im Graben neben ihm. Er sagte: »Du, ich habe mich getäuscht, du bist kein **** eher ein Junge. Das machte mich stolz. Ich rauchte kurz danach, ohne zu husten, meine erste Zigarette. Aber ich war kein Junge! Nein, ich war kein Junge . An einem frühen Vormittag ging ich wieder zum Hügel. Die Wege und Felder lagen wie ausgestorben, nur die Lerchen stiegen aus den Furchen. Seit diesem Morgen weiß ich, wie schön Gesang der Lerchen ist. Auf dem Hügel wurde ich nicht gerade freundlich empfangen. Einer sagte. „Son Wahnsinn. Und der Weltkriegsoffizier sagte: „Tolles Mädchen, du kannst nicht mehr zurück. „Warum? fragte ich. „Es geht los, sagte er. „Was? Was geht los? Niemand antwortete. Eine unheimliche Stille. Ich stolperte über den Hügel zu Siegbert. Er riß mich in den Graben, neben sich, preßte meinen Kopf in seine Arme und sagte: »Warum bist du nur gekommen! Warum bist du nur heute gekommen!« Dann explodierte die Ruhe. Einschläge schüttelten den Hügel. Zornige Granaten durchwühlten die Erde, die wenigen Leben herauszuwerfen, herauszupflügen wie Kartoffeln auf dem Felde. Hatte ich Angst? Hatte ich keine Angst? Ich weiß es nicht. Erdfontänen sprangen hoch. Splitter regneten, und der Rauch nahm den Atem. Eine Stimme gellte: „Sie sind auf der Straße! Dann wurde es ruhig, doch in der Ruhe war ein dunkles Rollen. Siegbert sagte: „Mal nachsehen. Er richtete sich auf und schaute, den Kopf über dem Grabenrand, zur Straße hinüber. Ich sah zu ihm auf und fragte: »Siehst du etwas? Siehst du -? Da schoß das Blut aus seinem Hals, ein roter Strahl, wie aus einer Röhre. In der Kirche war ein Bild: Das Lamm Gottes über einem Kelch. Blut, ein roter Bogen, wölbte sich aus einer klaffenden Halswunde zum Kelchrand. So war es bei Siegbert. Ich hatte das Bild in der Kirche lange nicht gesehen. jetzt sah ich es genau. Das Bild war mein einziger Gedanke, ein dummer, deplazierter Gedanke. Lähmend. Ich konnte nicht schreien, nichts tun. Ich sah das Blut aus seinem Hals stoßen und dachte an das Bild in der Kirche . Dann brach sein Körper zusammen, nach vom, zu mir, sackte in die Hocke, die Stirn schlug auf die Knie, und die Hände legten sich nach unten geöffnet neben die Füße auf die Erde. In die Unheimlichkeit meiner Angst fiel ein Schatten. Oben, am Grabenrand, stand ein Soldat, ein fremder Soldat, in fremder Uniform, mit einem fremden Stahlhelm und einer fremden Waffe, die noch nach Siegbert zielte. Sein Mörder! Aber der senkte die Waffe, warf sie zur Erde und sagte: „Forgive me. Er beugte sich herab, riß meine Hände an seine Brust und sagte. „Forgive me. Learning Outcomes Die S* analysieren die Texteigenschaften einer literarischen Erzählung und kennen deren Bedeutung. Die S* können in Eigenregie eine literarische Erzählung weiterschreiben. Die S* beschreiben nachvollziehbare Figuren mit glaubhaften Charaktereigenschaften, Motiven, Gedanken und Geschichten. Aufgabenstellung 1. EA/PA 10 Lies dir den Text „Forgive me von H. Bender aufmerksam durch und tausch dich danach mit deinen Sitznachbarn aus: · Um was dreht sich die Geschichte? · Welche Gefühle weckt die Geschichte in euch? · Wie hat der Autor die Geschichte erzählt, sodass sie diese Emotionen in euch weckt? 2. EA/PA 10 Wie werden die Figuren der Geschichte beschrieben (Charakter, Aussehen, Motive, Uberzeugungen.)? Mache dir Notizen und tausche die mit deinen Sitznachbarn aus. 3. EA 30 Wie könnte die Geschichte weitergehen? Erzähle in deinen eigenen Worten und versuche dabei, die Spannung hochzuhalten. Die Leser sollen nicht merken, dass dein Teil der Geschichte nachträglich hinzugefügt wurde. Versuche, folgende Schreibtipps umzusetzen: Beschreibe den Lesern, was du dir ausmalst. Der rote Faden wird mit mehr Informationen klarer und nachvollziehbarer. Versuche, Emotionen in deine Geschichte zu packen und uberlege dir, was die Leser uberraschen oder fesseln konnte. Formuliere zusammenhangend und in einer logischen Reihenfolge. Mache Uberleitungen, vermeide Wortwiederholungen und bringe Abwechslung in deine Geschichte. Achte auf deine Grammatik: Schreibe die korrekten Wortendungen je nach Fall, benutze die passende Zeitform, konjugiere und dekliniere ohne Fehler. Achte auf deine Rechtschreibung: das oder dass, Gross-/Kleinschreibung, Zusammen/Getrenntschreibung, Doppelkonsonanten. 4. PA 10 Tauscht zu zweit eure fertigen Texte und gebt euch gegenseitig Rückmeldung und Verbesserungsvorschläge. Macht letzte Anderungen, wo nötig. 5. Austausch im Plenum 10 Fragen zusammen durchgehen, beantworten, jemand vorlesen.