Arbeitsblatt: Menschenrechte - Dossier

Material-Details

RZG, Geschichte, Sek 2
Geschichte
Gemischte Themen
8. Schuljahr
16 Seiten

Statistik

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15.10.2026

Autor/in

Gianna Oswald
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

1 2 Warum gibt es Menschenrechte? Was ist die UNO? Die «Verfassung» der Menschenrechte Kein Dokument wurde öfter übersetzt: Die «Allgemeine Erklärung der Menschenrechte» vom 10. Dezember 1948 existiert in 464 Sprachen. So steht es im «Guinness-Buch der Rekorde». Von der Menschenrechtserklärung Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sich die Grossmächte darin einig, dass eine solche Katastrophe sich nicht wiederholen durfte. Sie gaben der 1945 gegründeten UNO sogleich den Auftrag, weltweit gültige Menschenrechte zu formulieren. Unter Führung dieser Grossmächte arbeitete eine Kommission 1948 die «Allgemeine Erklärung der Menschenrechte» (AEMR) aus. Sie sollte wie eine Verfassung die Grundsätze festhalten. Allerdings verletzten die Grossmächte selbst diese Menschenrechte: In China tobte ein Bürgerkrieg, in der Sowjetunion Stalins Diktatur, im britischen «Empire» wurden die Kolonialvölker unterdrückt und in den USA wurde die farbige Bevölkerung diskriminiert. Zudem begann der Kalte Krieg: So betonten die westlichen Staaten die individuelle Freiheit der einzelnen Menschen, die östlichen Staaten die Gleichheit unter den Menschen. Die AEMR ist zwar eine grosse Erklärung, aber sie verpflichte die Unterzeichnerstaaten nur moralisch zur Einhaltung der Menschenrechte. zu den Verträgen Erst in den 1960er-Jahren, als sich die Fronten des Kalten Krieges etwas entspannten, konnte die UNO zwei verbindliche Verträge (Pakte oder Konventionen) zustande bringen. Der «Zivilpakt» mit den Freiheitsrechten entsprach der westlichen Vorstellung von Menschenrechten, der «Sozialpakt» mit den sozialen Rechten der östlichen Vorstellung. Beide traten 1976 in Kraft und sind für diejenigen Staaten verbindlich, welche sie ratifizieren. Diese Staaten nehmen die Menschenrechte als Grundrechte in ihrer Verfassung auf. Den Zivilpakt haben heute 172 Staaten ratifiziert, wobei unter den Grossmächten China fehlt. Den Sozialpakt haben 169 Staaten für gültig erklärt; hier fehlen unter den Grossmächten die USA. 3 Aufgabe 1: Lies dir den Text gut durch. Markiere mit einer Farbe alle Jahreszahlen. Schreibe die Jahreszahlen dann in diesen Zeitstrahl ein und beschreibe kurz in wenigen Worten, was zu dem Zeitpunkt passiert ist. Aufgabe 2: a) Definiere diese beiden Begriffe: Sozialpakt: Zivilpakt: b) Ordne diese 14 Menschenrechte dem Sozialpakt oder dem Zivilpakt zu (es sind je 7). Benutze dafür zwei verschiedene Farben. Recht auf 4 angemessenen Lohn Arbeit Bildung Bildung von Gewerkschaften Mindestarbeitsalter von Kindern Niederlassungsfreiheit persönliche Freiheit Verbot Ehefreiheit Ernährung Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit der Sklaverei Privatleben Streik Versammlungsfreiheit Leben Was sind Menschenrechte? Aufgabe 1 Lies dir den Text gut durch. Markiere mit drei Farben: 1. Was erklärt das Recht auf Leben? 2. Warum ist es wichtig? 3. Wo wird es verletzt oder bedroht? Das Recht auf Leben «Selbstverständlich habe ich ein Recht auf Leben», wirst du sagen. Warum muss man ein solches Menschenrecht überhaupt formulieren? Leider ist es gar nicht so selbstverständlich. Was gilt ein Menschenleben? Leben wird auch direkt und willentlich ausgelöscht: 50 Staaten wenden heute noch die Todesstrafe an. Hat auch ein Verbrecher das Recht auf sein Leben? Nein, sagen die Vertreter der Todesstrafe: Nur so funktioniere die Abschreckung vor besonders grausamen Verbrechen, nur so bilde ein Täter keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit und erleide beispielsweise für einen Mord die gerechte Strafe. Doch, auch Verbrecher haben ein Recht auf Leben, erwidern die Gegner der Todesstrafe: Ein Fehlurteil könne mit der Todesstrafe nicht mehr korrigiert werden; ferner würden mehrheitlich benachteiligte Menschen hingerichtet, die sich vor Gericht nicht gut verteidigen könnten; und auch ein Mörder sollte sich bessern, seine Tat bereuen und nach Kräften wiedergutmachen können. Das Recht auf Leben ist also nicht unbestritten. Es wirft auch heikle Fragen auf: Ab wann gilt es? Biologisch gesehen lebt schon eine befruchtete Eizelle; wäre also ein Schwangerschaftsabbruch «Mord»? Oder auch ein hirntoter Mensch hat noch lebendiges Gewebe, auch wenn seine Hirnfunktionen erloscht sind; ist er trotzdem tot, wie man es heute annimmt? Leben und damit das Recht auf Leben sind nicht einfach zu definieren. 5 Immerhin haben seit der Erklärung der Menschenrechte 118 Staaten die Todesstrafe abgeschafft. Die Zahl der hungernden Menschen konnte seit dem Jahr 2000 von einer Milliarde auf 800 Millionen gesenkt werden. Aber das Ziel, dass 2015 «nur» noch 500 Millionen Menschen hungern, wurde nicht erreicht. Die Menschenrechte bieten keine Garantie, aber sie sind ein Wegweiser. Das Recht auf Leben an erster Stelle Das Recht aller Menschen auf Leben ist unter allen Menschenrechten das anerkannteste. 1948, nach dem Zweiten Weltkrieg, einigten sich 48 Nationen im Rahmen der UNO auf eine «Allgemeine Erklärung der Menschenrechte». Sie setzten in der Reihenfolge «Leben, Freiheit, Sicherheit» das Recht auf Leben an erste Stelle. Ähnlich hatte gut 170 Jahre vorher die Unabhängigkeitserklärung der späteren USA die Rechte auf «Leben, Freiheit und das Streben nach Glück» verkündet. Und heute anerkennen 193 Nationen, alle Mitglieder der UNO, ein solches Recht auf Leben. Aufgabe 2: Definiert das Recht auf Leben in eigenen Worten: Das Recht auf Leben bedeutet, dass 6 Recht auf Wasser Wasser – ein Menschenrecht Wasser aus dem Wasserhahn verschmähen wir manchmal – dabei ist es gar nicht selbstverständlich, dass wir frisches Hahnenwasser trinken können, wann immer wir wollen. Wassermangel – ein Verteilungsproblem Rund jeder zehnte Mensch auf der Erde muss ohne sauberes Trinkwasser auskommen. Die meisten von ihnen leben nicht in Dürregebieten, sondern in den Slums der expandierenden Grossstädte in unterentwickelten Ländern. In diesen Slums wurden keine Wasserleitungen erstellt oder sie sind zerfallen und niemand saniert sie. Ungefähr 40 Prozent des Wassers versickern dort. Die Situation hat sich jedoch verbessert: Vor 25 Jahren hatte noch jeder vierte Mensch keinen Zugang zu sauberem Wasser. In die Lücke springen nämlich Wasserunternehmer: Sie übernehmen die Wasserversorgung, indem sie Hahnenwasser oder Mineralwasser in Flaschen verkaufen. Immerhin besser als nichts. Aber damit wird sauberes Wasser zum Vorrecht für wohlhabendere Menschen – und den armen bleibt nur verschmutztes Wasser. Wasser ist unentbehrlich Jahrzehntelang herrschte Streit über die Frage, ob Wasser ein Menschenrecht (englisch: «human right») oder nur ein Konsumgut («human need») sei. Ein Menschenrecht steht allen Menschen ohne Unterschied zu; ein Konsumgut dagegen ist den Gesetzen der Wirtschaft unterworfen. So unterstützte die Weltbank nur Wasserversorgungsprojekte, wenn sie sich finanziell lohnten. Erst vor wenigen Jahren setzte sich die Überzeugung durch, dass Wasser kein gewöhnliches Konsumgut ist. Es ist ja für alle Menschen das unentbehrlichste Lebensmittel. Drei Tage ohne Flüssigkeit führen zum Tod. 2010 beendete die UNO-Vollversammlung den jahrzehntelangen Streit und erklärte mit 122 gegen 41 Stimmen Wasser zu einem Menschenrecht; die Gegenstimmen stammten vor allem aus dem Norden. Aufgabe 1 7 a) Was ist laut Text der Hauptgrund dafür, dass viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben? Fasse die Stelle in einem Satz zusammen. b) Warum verkaufen Wasserunternehmer in Slums Wasser, und welche Folgen hat das laut Text für arme Menschen? Erkläre in 2–3 Sätzen. c) Warum stimmten vor allem Länder aus dem Norden dagegen, Wasser als Menschenrecht zu erklären? Formuliere deine eigene Vermutung. d) Stell dir vor, du musst einer jüngeren Schülerin erklären, warum Wasser als Menschenrecht wichtig ist. Schreibe 3 kurze Sätze, die sie gut verstehen kann. Recht auf Gesundheit Recht auf bestmögliche Gesundheit Heute verfügen mehr Menschen über ein Handy als über eine Toilette. Verschmutztes Wasser ist in vielen Regionen der Welt ein grosses Problem. Jeder dritte 8 Mensch leidet unter den Folgen. Viele werden krank oder sterben gar. Wenn Wasser krank macht Schmutziges Wasser gefährdet die Menschen nicht nur, wenn sie es trinken, sondern auch, wenn sie ihren Körper und die Lebensmittel waschen. Ja, sogar die blosse Nähe zu einem verschmutzten Gewässer gefährdet die Gesundheit. Denn verschmutztes Wasser enthält Parasiten, Bakterien, Viren und chemische Stoffe, die Krankheiten erregen. 80 Prozent der Krankheiten in wenig entwickelten Ländern werden direkt oder indirekt durch verschmutztes Wasser verursacht. Die Weltgesundheitsorganisation der UNO (WHO) hat dafür den Begriff der «wasserbezogenen Krankheiten» geprägt. Die schlimmste Krankheit ist der für uns meist harmlose Durchfall: Er allein kostet jedes Jahr 2 Millionen Menschen das Leben. 90 Prozent davon sind Kinder unter 5 Jahren. Zudem ist Durchfall doppelt mit Unterernährung verbunden: Er wird einerseits verursacht durch verdorbene, ungenügend aufbereitete Lebensmittel und hat andererseits zur Folge, dass die Nahrung nicht genügend verdaut und verwertet werden kann. Verletzung eines Menschenrechts Man schätzt, dass wasserbezogene Krankheiten mehr Menschen töten als Krieg und Terror. Das Menschenrecht auf «das erreichbare Höchstmass an körperlicher und geistiger Gesundheit» (Artikel 12 des Sozialpakts) wird also krass verletzt. Immerhin ist der Anteil derjenigen Menschen, die unter verschmutztem Wasser und seinen Folgen leiden, in den letzten 25 Jahren gesunken. Damals litt jeder zweite Mensch darunter, heute ist es noch jeder dritte. Aufgabe 1 a) Welche Ursachen nennt der Text für wasserbezogene Krankheiten? Zähle mindestens zwei konkrete Ursachen auf. b) Warum sterben vor allem kleine Kinder an Durchfall? Erkläre in 2– 3 Sätzen, wie der Text diesen Zusammenhang beschreibt. 9 c) Warum kann man sagen, dass das Recht auf Gesundheit im Zusammenhang mit Wasser stark verletzt wird? Beschreibe deine Sicht mit einem kurzen Werturteil. d) Stell dir vor, du sollst einem jüngeren Kind erklären, warum schmutziges Wasser so gefährlich ist. Schreibe 2–3 verständliche Sätze dafür. Aufgabe 2: Brief an die UNO In eurem Brief sollt ihr erklären, warum das Recht auf Wasser und das Recht auf Gesundheit zusammengehören und gemeinsam geschützt werden müssen. 1. Erzählt euch gegenseitig die wichtigsten Informationen aus euren Texten. 2. Überlegt gemeinsam, was passiert, wenn Menschen kein sauberes Wasser haben. 3. Schreibt einen kurzen Brief mit ca. 6 Sätzen. Wichtig: Nutzt Wissen aus beiden Texten. Erklärt den Zusammenhang Wasser Gesundheit. Schreibt in eigenen Worten und verständlich. Liebe UNO, 10 --- 11 Wie werden Menschenrechte verletzt? Verletzung von Menschenrechten Dass die Menschenrechte eingehalten werden, dafür gilt es immer wieder zu arbeiten. Oft werden sie erst dann zum Thema, wenn sie verletzt werden. Dies zeigt sich in besonders krasser Weise beim Thema Folter. Ideale und Realität Im Jahr 1948 nahmen die UNO-Mitglieder die Menschenrechtserklärung an. Doch in der Zeit danach, während des Kalten Krieges, der Unabhängigkeitskriege der Kolonien und ihrer Bürgerkriege, blieb diese Erklärung oft toter Buchstabe. Der Kalte Krieg ging zwar 1991 zu Ende. Aber der weltweite Terror und der Kampf dagegen führten auf beiden Seiten zur erneuten Verletzung der Menschenrechte: Die Terroristen verachten das Recht auf Leben, indem sie Zivilisten töten; und die gegen den Terror kämpfenden Staaten neigen dazu, die Folter wieder einzusetzen. Grundlegende Menschenrechte sind heute wieder in grosser Gefahr. Die Folter Artikel 5 der Menschenrechtserklärung und Artikel 7 des Zivilpaktes verbieten die Anwendung der Folter – und zwar in jedem Fall, auch bei einem Notstand. 1984 verabschiedete die UNO-Vollversammlung zudem eine Konvention, die von 165 Staaten ratifiziert wurde. Darin verpflichteten sich die Staaten zusätzlich, diejenigen zu bestrafen, welche Folter anwenden. Aber die Organisation Amnesty International fand in 141 von 160 untersuchten Staaten Hinweise auf massenhafte oder vereinzelte Folterungen (2014). Vermutlich nehmen Folterungen sogar zu. Statistiken dazu gibt es nicht. Sicher ist nur: Jede Form der Folter ist ein Verbrechen gegen die Menschenwürde. 12 Indirekte Gewalt Werden Menschen gefoltert und getötet, so ist die Verletzung der Menschenrechte offensichtlich. Viel öfter aber werden Menschenrechte nicht durch direkte Gewalt verletzt, sondern durch indirekte Gewalt: Wirtschaftliche Ausbeutung, Armut und Vorschriften aus Tradition oder Religion verletzen die Menschen und ihre Rechte. Versklavt für Schokolade «Sklaven müssen sein, sonst wäre der Zucker zu teuer.» Das sagte der französische Aufklärer Charles de Montesquieu vor 200 Jahren. Heute ist Zucker nicht mehr teuer. Aber Montesquieus Aussage trifft für Kleider, Handys und Schokolade leider immer noch zu. Kindersklaven für die Kakaoproduktion Fast sechs Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 17 Jahren arbeiten in Ghana und in der Elfenbeinküste auf Kakaoplantagen. Das Arbeiten mit schweren, scharfen Messern (Macheten) ist gefährlich und das Schleppen schwerer Säcke gesundheitsschädigend. Manche dieser Kinder und Jugendlichen werden aus Nachbarländern verschleppt und zur Arbeit auf den Plantagen gezwungen. Teils verkaufen die Eltern ihre Kinder, weil sie diese nicht selbst ernähren können und weil sie ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen wollen. Die Kakaoplantagenbesitzer interessieren sich für billige Arbeitskräfte, die Regierungen für Steuerabgaben und Bestechungsgelder, die grossen Schokoladenfirmen für billigen Kakao – und wir wollen billige Schokolade. Wer ist verantwortlich dafür, dass die Menschenrechte dieser Kinder und Jugendlichen verletzt werden? Arbeit als Fluch Kinder leiden nicht nur auf Kakaoplantagen, sondern beispielsweise auch in Coltan-Minen im Kongo; das Mineral wird in allen elektronischen Geräten verwendet. Oder Kinder und Erwachsene arbeiten in Ostasien unter schlimmen Bedingungen in der Textilproduktion. Wir können dann Kleider zu Schleuderpreisen kaufen. Aufgabe 1 a) Gib wieder was du über die Kakaoproduktion in der Elfenbeinküste und Ghana im Text erfährst. 13 b) Welche Gefahren und Folgen entstehen durch die Kinderarbeit? c) Wer ist besonders daran interessiert, dass die Kakaoproduktion möglichst wenig kostet? Fiktives Rollenspiel Aufgabe 1 Lies dir deine Rolle gut durch und beantworte dann die Fragen. a) Wie denkst und fühlst du in dieser Situation? b) Welche Probleme und Zwänge erlebst du? c) Warum handelst du so, wie du handelst? Aufgabe 2 Setze dich mit deinen Mitschüler: innen mit der gleichen Rolle zusammen. Die Lehrperson wird euch den weiteren Auftrag erteilen. 14 Wie werden Menschenrechte geschützt? Gruppe 1: UNO-Menschenrechtsrat Zwar haben sich fast alle Regierungen verpflichtet, die Menschenrechte zu achten und Menschenrechtsverletzungen zu bestrafen. Aber wenn eine Regierung sich selbst nicht daran hält – wer kann sie bestrafen? Es gibt keinen allmächtigen Weltgerichtshof dafür. Die UNO hat 2006 einen Menschenrechtsrat mit Sitz in Genf eingerichtet. Politiker aus 47 Staaten vertreten dort die UNOVollversammlung. Sie prüfen regelmässig die Einhaltung der Menschenrechte in den UNO-Mitgliedstaaten. Sie können jedoch nicht bestrafen, nur tadeln. Ein grosser Teil dieser 47 Staaten verletzt die Menschenrechte selbst! Denn die Mehrheit der UNO-Mitglieder und des Menschenrechtsrates sind nicht Demokratien und Rechtsstaaten. Und so werden Verletzungen der Menschenrechte nur in ganz krassen Fällen getadelt. Und getadelt werden Staaten, die wenig Verbündete unter den 47 Vertretern haben. Gruppe 2: Internationaler Strafgerichtshof Mehr Wirkung zeigt der 1998 gegründete Internationale Strafgerichtshof mit Sitz in Den Haag (Niederlande). Er arbeitet mit der UNO zusammen, stützt sich aber auf einen separaten Vertrag unter rund 123 Staaten. Er verfolgt Einzelpersonen wegen Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, also besonders schlimmen Menschenrechtsverletzungen. Zum ersten Mal in der Geschichte können Einzelpersonen vor ein internationales Gericht gebracht werden. Tatsächlich wurden auch schon ehemalige und amtierende Staatschefs angeklagt und teilweise verurteilt. Eine Schwäche des Gerichts besteht darin, dass Grossmächte wie die USA, Russland und China den Vertrag nicht unterzeichnet haben. Sie betrachten es als Eingriff in ihre Souveränität, wenn ihre Bürger einem internationalen Gericht zugeführt würden. Gruppe 3: Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Der auf Europa beschränkte Gerichtshof in Strassburg wurde schon 1959 als Gericht des Europarates gegründet, gewann aber erst nach Ende des Kalten Krieges an Einfluss. Seitdem kann jeder Einwohner, der in einem der 47 Mitgliedstaaten lebt, vor dem EGMR eine Klage einreichen. Vor allem seit dem Beitritt der osteuropäischen Staaten ist die Zahl solcher Klagen enorm gestiegen, sodass lange Wartefristen entstehen. Aber die Entscheide des EGMR müssen von 15 den Behörden der einzelnen Staaten umgesetzt werden. Der Gerichtshof kann seine Urteile nicht selbst durchsetzen. Gruppe 4: Nichtregierungsorganisation NGO: Eine Nichtregierungsorganisation wählt ihre Arbeitsmethoden selbst. Sie kann keine Polizei oder Armee einsetzen. Sie sammelt Geld, aber erwirtschaftet keinen Gewinn für sich. Sie nimmt weniger Rücksicht auf nationale Souveränität und Diplomatie. Sie hilft benachteiligten oder bedrohten Menschen etwa durch Beschaffung von Lebensmitteln, durch Hilfe bei Krankheiten, durch Unterstützung gegenüber den Behörden oder durch Information der Öffentlichkeit. Denn Menschenrechtsverletzungen werden oft verheimlicht. Indem eine Nichtregierungsorganisation sie aufdeckt, anprangert und den Opfern zeigt, dass sie nicht vergessen sind, hilft sie ihnen. NGOs halten sich nicht immer an die staatlichen Gesetze; sie ermitteln oft mithilfe verdeckter Informationen oder – als Gegensätze – machen mit einer spektakulären, unerlaubten Demonstration auf einen Missstand aufmerksam. Strafen dafür nehmen sie in Kauf. Aufgabe 1 Jeder beantwortet die Fragen für sich und schreibt sie in seine Ecke des Blattes: Wer sind wir (unsere Organisation)? Wo liegen unsere Grenzen oder Schwierigkeiten? Warum ist unsere Arbeit wichtig? Aufgabe 2 Diskutiert über eure Antworten. Besprecht dann folgende Frage und schreibt die Antwort in die Mitte des Blattes. Wie tragen wir dazu bei, dass Menschenrechte weltweit geschützt werden? 16 Aufgabe 3 Vergleicht die drei Institutionen (VT1–VT3) bezüglich ihrer Stärken und Schwächen. Welche findet ihr die beste? Begründe. Das Bild unten kann auch dabei helfen (NGO fehlt). 17