Arbeitsblatt: Im Westen nichts Neues

Material-Details

Zwei Textstellen schildern eindrücklich mit welchem Enthusiasmus sich viele zum Dienst gemeldet haben und wie sie dann die Realität an der Front erleben. Mit Fragen.
Geschichte
Anderes Thema
9. Schuljahr
2 Seiten

Statistik

2533
2180
23
30.10.2006

Autor/in

Selma Haag
Land: Schweiz
Registriert vor 2006

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Textauszüge aus dem Inhalt:

Im Westen nichts Neues (von Erich Maria Remarque, geboren 1898 in Osnabrück) Das Buch „Im Westen nichts Neues beschreibt eindrücklich das Leben an der Kriegsfront im ersten Weltkrieg. Im ersten Textauszug wird beschrieben, wie die Hauptpersonen im Buch Soldaten wurden. „Kantorek war unser Klassenlehrer, ein strenger, kleiner Mann in grauem Schossrock, mit einem Spitzmausgesicht. Es ist übrigens komisch, dass das Unglück der Welt so oft von kleinen Leuten herrührt; sie sind viel energischer und unverträglicher als grossgewachsene. Ich habe mich stets gehütet, in Abteilungen mit kleinen Kompanieführern zu geraten. Es sind meistens verfluchte Schinder. Kantorek hielt uns in der Turnstunde so lange Vorträge, bis unsere Klasse unter seiner Führung geschlossen zum Bezirkskommando zog und sich meldete. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er uns durch seine Brillengläser anfunkelte und mit ergriffener Stimme fragte: „Ihr geht doch mit, Kameraden? Einer von uns allerdings zögerte und wollte nicht recht mit. Das war Josef Behm, ein dicker, gemütlicher Bursche. Er liess sich dann aber überreden. Er hätte sich auch sonst unmöglich gemacht. Vielleicht dachten noch mehrere so wie er; aber es konnte sich niemand gut ausschliessen, denn mit dem Wort „feige waren um diese Zeit sogar die Eltern rasch bei der Hand. Die Menschen hatten eben alle keine Ahnung von dem, was kam. Am vernünftigsten waren eigentlich die armen und einfachen Leute. Sie hielten den Krieg gleich für ein Unglück, während die bessergestellten vor Freude nicht aus noch ein wussten, obschon gerade sie sich über die Folgen viel eher hätten klar werden können. Sonderbarerweise war Behm einer der ersten, die fielen. Er erhielt bei einem Sturm einen Schuss in die Augen, und wir liessen ihn für tot liegen. Mitnehmen konnten wir ihn nicht, weil wir überstürzt zurück mussten. Nachmittags hörten wir ihn plötzlich rufen und sahen ihn draussen herumkriechen. Er war nur bewusstlos gewesen. Weil er nichts sah und wild vor Schmerzen war, nutzte er keine Deckung aus, so dass er von drüben abgeschossen wurde, ehe jemand herankommen konnte, um ihn zu holen. Frage 1. Warum hatte sich die ganze Klasse geschlossen zum Kriegsdienst gemeldet? Im zweiten Textauszug besuchen die Kameraden einen gemeinsamen Kollegen, der verwundet im Lazarett liegt. „Bevor wir zu Kemmerich aufbrechen, packen wir seine Sachen ein. Er wird sie unterwegs gut brauchen können. Im Feldlazarett ist grosser Betrieb. Es riecht wie immer nach Karbol, Eiter und Schweiss. Man ist aus den Baracken manches gewohnt, aber hier kann einem doch flau werden. Wir fragen uns nach Kemmerich durch. Er liegt in einem Saal und empfängt uns mit einem schwachen Ausdruck von Freude und hilfloser Aufregung. Während er bewusstlos war, hat man ihm seine Uhr gestohlen. Müller schüttelt den Kopf: „Ich habe dir ja immer gesagt, dass man eine so gute Uhr nicht mitnimmt. Müller ist etwas tapsig und rechthaberisch. Sonst würde er den Mund halten, denn jeder sieht, dass Kemmerich nicht mehr aus diesem Saal herauskommt. Ob er seine Uhr wiederfindet, ist egal, höchstens, dass man sie nach Hause schicken könnte. „Wie geht‘s denn, Franz?, fragt Kopp. Kemmerich lässt den Kopf sinken. „Es geht ja ich habe bloss so verfluchte Schmerzen im Fuss. Wir sehen auf seine Decke. Sein Bein liegt unter einem Drahtkorb, das Deckbett wölbt sich hoch darüber. Ich trete Müller gegen das Schienbein, denn er brächte es fertig, Kemmerich zu sagen, was der Sanitäter draussen schon erzählt hat: dass Kemmerich keinen Fuss mehr hat. Das Bein ist amputiert. Er sieht schrecklich aus, gelb und fahl, im Gesicht sind schon die fremden Linien, die wir so genau kennen, weil wir sie schon hundertmal gesehen haben. Es sind eigentlich keine Linien, es sind mehr Zeichen. Unter der Haut pulsiert kein Leben mehr. Es ist bereits heraus gedrängt bis an den Rand des Körpers, von innen arbeitet sich der Tod durch, die Augen beherrscht er schon. Dort liegt unser Kamerad Kemmerich, der mit uns vor kurzem Pferdefleisch gebraten und im Trichter gehockt hat. Er ist es noch und er ist es doch nicht mehr. Verwaschen und unbestimmt ist sein Bild geworden. Ich denke daran, wie wir damals abfuhren. Seine Mutter, eine gute, dicke Frau, brachte ihn zum Bahnhof. Sie weinte ununterbrochen, ihr Gesicht war davon gedunsen und geschwollen. Kemmerich genierte sich deswegen, denn sie war am wenigsten gefasst von allen. Sie zerfloss förmlich in Fett und Wasser. Dabei hatte sie es auf mich abgesehen, immer wieder ergriff sie meinen Arm und flehte mich an, auf Franz draussen achtzugeben. Er hatte allerdings auch ein Gesicht wie ein Kind und so weiche Knochen, dass er nach vier Wochen Tornistertragen schon Plattfüsse bekam. Aber wie kann man im Felde auf jemanden achtgeben! „Du wirst ja nun nach Hause kommen, sagte Kopp, „auf Urlaub hättest du noch einige Monate warten müssen. Kemmerich nickt. Müller bückt sich. „Wir haben deine Sachen mitgebracht, Franz. Kemmerich zeigt mit der Hand. „Legt sie unters Bett. Müller tut es. Kemmerich fängt wieder von der Uhr an. Wie soll man ihn nur beruhigen, ohne ihn misstrauisch zu machen? Müller taucht mit einem Paar Fliegerstiefel wieder auf. Es sind herrliche englische Schuhe aus weichem, gelbem Leder, die bis zum Knie reichen und ganz hinauf geschnürt werden. Eine begehrte Sache. Müller ist von ihrem Anblick begeistert, er hält ihre Sohlen gegen seine eigenen klobigen Schuhe und fragt: „Willst du denn die Stiefel mitnehmen, Franz? Wir denken alle drei das gleiche: selbst wenn er gesund würde, könnte er nur einen gebrauchen, sie wären für ihn also wertlos. Aber wie es jetzt steht, ist es ein Jammer, dass sie hier bleiben, denn die Sanitäter werden sie natürlich sofort wegschnappen, wenn er tot ist. Müller wiederholt: „Willst du sie nicht hier lassen? Kemmerich will nicht. Es sind seine besten Stücke. „Wir können sie ja umtauschen, schlägt Müller wieder vor, „hier draussen kann man so was brauchen. Doch Kemmerich ist nicht zu bewegen. Ich trete Müller auf den Fuss. Er legt die schönen Stiefel zögernd wieder unter das Bett. Wir reden noch einiges und verabschieden uns dann. „Mach‘s gut, Franz. Ich verspreche ihm, morgen wieder zu kommen. Müller redet ebenfalls davon. Er denkt an die Schnürschuhe und will deshalb auf dem Posten sein. Kemmerich stöhnt. Er hat Fieber. Wir halten draussen einen Sanitäter an und reden ihm zu, Kemmerich eine Spritze zu geben. Er lehnt ab. „Wenn wir jedem Morphium geben wollten, müssten wir Fässer voll haben. „Du bedienst wohl nur Offiziere, sagt Kopp gehässig. Rasch lege ich mich ins Mittel und gebe dem Sanitäter zunächst mal eine Zigarette. Er nimmt sie. Dann frage ich: „Darfst du denn überhaupt eine machen? Er ist beleidigt. „Wenn ihr‘s nicht glaubt, was fragt ihr mich? Ich drücke ihm noch ein paar Zigaretten in die Hand. „Tu uns den Gefallen. „Na schön, sagt er. Kopp geht mit ihm hinein. Er traut ihm nicht und will zusehen. Wir warten draussen. Müller fängt wieder von den Stiefeln an. „Sie würden mir tadellos passen. In diesen Kähnen laufe ich mir Blasen über Blasen. Glaubst du, dass er durchhält bis morgen nach dem Dienst? Wenn er nachts abgeht, haben wir die Stiefel gesehen. Wir gehen zu unseren Baracken zurück. Ich denke an den Brief, den ich morgen schreiben muss an Kemmerichs Mutter. Mich friert, ich möchte einen Schnaps trinken. Plötzlich wirft der kleine Kopp seine Zigarette weg, trampelt wild darauf herum, sieht sich um, mit einem aufgelösten und verstörten Gesicht und stammelt: „Verfluchte Scheisse, verfluchte Scheisse! Fragen 1. Warum will der Sanitäter Kemmerich kein Morphium geben? 2. Was denkst du über Müller?